Sternstunde der Mörder (Fernsehserie)
deutsch-österreichische Fernsehserie (2025)
From Wikipedia, the free encyclopedia
Sternstunde der Mörder ist eine deutsch-österreichische Fernsehserie mit Nicholas Ofczarek, Jonas Nay, Jeanette Hain, Karel Dobrý, Gerhard Liebmann, Diana Dulinková und Devid Striesow, die unter der Regie von Christopher Schier entstand. Das Drehbuch von Klaus Burck und Florian Plumeyer basiert auf dem 1995 veröffentlichten gleichnamigen Roman von Pavel Kohout. Premiere war am 26. September 2025 beim Filmfest Hamburg.[1][2]
| Fernsehserie | |
| Titel | Sternstunde der Mörder |
|---|---|
| Produktionsland | Deutschland, Österreich |
| Originalsprache | Deutsch, Tschechisch |
| Erscheinungsjahr | 2025 |
| Länge | 2 × 90 / 4 × 45 Minuten |
| Episoden | in 1 Staffel |
| Produktionsunternehmen |
|
| Stab | |
| Regie | Christopher Schier |
| Drehbuch | |
| Produktion |
|
| Musik | Markus Kienzl |
| Kamera | Philip Peschlow |
| Schnitt |
|
| Besetzung | |
| |
Handlung
Teil 1 und 2
Prag ist im März 1945 von der deutschen Wehrmacht besetzt, die Alliierten rücken näher. Nach dem Mord an einer deutschen Offizierswitwe, Baronin Edith von Pommern, übernehmen der tschechische Hauptkommissar Beran und sein Assistent, Kriminaladjunkt Jan Morava, die Ermittlungen.
Dabei werden deren Aktivitäten vom Gestapo-Beamten Kriminaloberrat Erwin Buback kontrolliert. Beran vermutet, dass die Deutschen den Mord für einen Akt des Widerstands gegen die Nationalsozialisten halten. Und tatsächlich soll Buback im Auftrag des NS-Befehlshabers Standartenführer Meckerle in der Prager Polizei Widerstandskämpfer ausfindig machen.
Der Täter hat das Herz des Opfers mitgenommen. In der Folge wird eine tschechische Frau ermordet, der ebenfalls das Herz entnommen wurde. Ihre Wohnung wurde in Brand gesetzt. An beiden Tatorten wurde ein Mann mit einem grünen Koffer gesehen. Jitka Modrá, die Assistentin und spätere Verlobte von Morava, findet heraus, dass die Männer der beiden Opfer auf dem Vyšehrader Friedhof bestattet wurden.
Meckerle plant, mit seiner Geliebten Marleen Baumann eine Abendveranstaltung zu besuchen. Verfrüht trifft jedoch Frau Meckerle in Prag ein. Daher bittet er Buback, Marleen Baumann zu begleiten. Buback erfährt, dass sie im Krieg ihre Eltern und ihren Mann verloren hat. Buback hat seine Frau und seine Tochter verloren und die beiden kommen sich näher.
Bei einem dritten, unverheirateten Opfer, Jana Kavanová, fehlt ebenfalls das Herz. Sie hatte sich um das Grab ihres verstorbenen Onkels gekümmert, auf demselben Friedhof wie die ermordeten Witwen. Die Ermittler beschließen, dem Serientäter eine Falle zu stellen. Als Lockvogel stellt sich Jitka Modrá zur Verfügung.
Nachdem Wien bereits gefallen ist, bietet Baumann Buback an, mit ihm unterzutauchen. Der möchte aber erst den Mörder fassen. Daraufhin stellt sich auch Marleen Baumann als Lockvogel zur Verfügung.
Nach einem Aufruf an alle Dienststellen erhalten Morava und Buback von einem Pfarrer den Hinweis auf die Heilige Reparata, der das Herz herausgeschnitten wurde. Ein Sünder hatte ihm etwas gebeichtet, aufgrund des Beichtgeheimnisses möchte er jedoch nicht dessen Namen nennen.
Die Lockvogelaktion geht schief: Der einzige Polizist, der sich um den Schutz des jeweiligen Lockvogels kümmern sollte, wird vom Serienmörder getötet. Jitka wird schwer verletzt.
Teil 3 und 4
Jitka wird nach der missglückten Lockvogel-Aktion ins Krankenhaus eingeliefert, wo sie später stirbt. Buback erpresst daraufhin vom Pfarrer den Namen jener Person, der er die Beichte abgenommen hat: Antonín Rypl. Buback gibt Meckerle die Mitschuld am Scheitern der Lockvogelaktion, da die tschechische Polizei inzwischen durch die Gestapo entwaffnet und festgesetzt wurde.
Rypl ist als Kulissenschieber am Theater tätig. Weder in seiner Wohnung noch am Theater kann die Polizei ihn antreffen, allerdings entdecken sie am Theater in seinen Sachen ein menschliches Herz. Jetzt wird Rypl steckbrieflich gesucht.
Nach dem Tod von Adolf Hitler ruft Hauptkommissar Beran zum Prager Aufstand auf und macht Morava dabei zu seiner rechten Hand. Buback warnt die beiden davor, dass die Rote Armee noch länger auf sich warten lassen könnte und der geplante Aufstand zusammenbrechen könnte, bevor er richtig begonnen hat. Meckerle hat den Befehl, die Stadt dem Erdboden als „verbrannte Erde“ gleichzumachen. Buback möchte das Schlimmste verhindern. Er bietet an, die Rückzugspläne der Wehrmacht zu besorgen und für die Rettung politischer Gefangener aus dem Gewahrsam der Gestapo zu sorgen. Dafür verlangt Buback zwei Plätze für sich und Baumann im letzten Zug Richtung Westen.
Als es im Stadtfunk zum Feuergefecht zwischen tschechischen Polizisten und SS-Soldaten kommt, handelt Morava einen Waffenstillstand aus, indem er den SS-Soldaten freies Geleit für einen geordneten Rückzug anbietet.
Buback bringt Baumann in Jitkas alter Wohnung in Sicherheit. Nachdem sich Meckerle weigert, die Freilassung der politischen Gefangenen zu unterzeichnen und er stattdessen Buback mit Erschießung droht, wird er von ihm erschlagen. Die Unterschrift auf dem Befehl zur Freilassung wird von Buback gefälscht, die Gefangenen freigelassen.
Morava kann Rypl mit Hilfe einer Zeugin schließlich ausfindig machen. Vor Jitkas Wohnung wird Buback am 8. Mai 1945 von Rypl und dessen zwischenzeitlich rekrutierten Helfern zusammengeschlagen und getötet. In der Folge kommt es zu einem Schusswechsel, bei dem Rypl von Baumann mit Bubacks Waffe getötet wird. Drei Wochen später bringt Morava Baumann zur Grenze Richtung Westen, wo sie von US-amerikanischen Soldaten in Empfang genommen wird.
Am Friedhof besucht Morava die Gräber von Jitka Modrá und Erwin Buback, auf seinem Grabstein steht: „Ervín Bubák“ und bloß „† 8.5.1945“, das Sterbedatum.
Produktion und Hintergrund
Die Dreharbeiten fanden an 50 Drehtagen vom 5. Dezember 2024 bis zum 25. März 2025 in Wien und Niederösterreich statt.[1] Drehorte waren unter anderem der Wiener Zentralfriedhof, die Wiener Postsparkasse, historische Gebäude auf der Baumgartner Höhe, die Piaristenkirche und das Funkhaus.[3][4]
Die Serie wurde von der deutschen Zeitgeist Filmproduktion (Produzenten Markus Kaatsch, Nina Poschinski und Michael Grudsky) in Koproduktion mit der österreichischen Epo-Film (Koproduzenten Jakob Pochlatko und Dieter Pochlatko) und in Zusammenarbeit mit ARD Degeto, NDR, ServusTV, Canal+ und HR, Bravado Equity und Česká televize produziert. Unterstützt wurde die Produktion von FISA+ und dem RTR Fernsehfonds Austria.[5][6][7]
Die Kamera führte Philip Peschlow, die Musik schrieb Markus Kienzl, die Montage verantworteten Cordula Werner und Charles Ladmiral und das Casting Franziska Aigner. Das Kostümbild gestaltete Amanda Frühwald, das Szenenbild Conrad Moritz Reinhardt, die Maske Reinhard Kirnich und Michaela Payer und den Ton Dietmar Zuson. Als Intimitätskoordinatorin fungierte Katharina Haudum.[1][2]
Die Amtssprache der Protektoriatspolizei war damals Deutsch, untereinander wurde Tschechisch gesprochen. Daher wurde auch ein Teil des Casts mit tschechischen Schauspielern besetzt.[3] Der österreichische Schauspieler Gerhard Liebmann lernte für die Darstellung des Antonin Rypl ebenfalls Tschechisch.[4]
Veröffentlichung
Premiere war am 26. September 2025 am Filmfest Hamburg als Eröffnung des Serienprogrammes Televisionen.[1][2] Am 29. Oktober 2025 wurden mit der Produktion die Biberacher Filmfestspiele eröffnet.[8][9]
Auf Canal+ wurde die Serie am 13. Februar 2026 veröffentlicht.[10]
Am 28. März 2026 wurde die Produktion in zwei Teilen auf ServusTV gezeigt. In der ARD-Mediathek erschien die Serie in vier Teilen am 29. März 2026, die Erstausstrahlung im Ersten folgte am 3. April 2026.[11][12]
Rezeption
Kritiken
Frank Heine bezeichnete die Miniserie auf the-spot-mediafilm.com als herausragend gut gefilmtes High-End-Drama, das History und Crime in bewährter Mixtur wie Babylon Berlin oder Vienna Blood verbinde. Die Schonungslosigkeit des Gezeigten sei eine große Stärke des Films, führe aber auch zu Ernüchterung und Hoffnungslosigkeit. Am Ende bleibe Bewunderung für überwältigendes Schauspiel, für die Bilder und für die filmische Umsetzung, aber auch ein hoher Grad an Niedergeschlagenheit.[13]
Christopher Diekhaus vergab auf fernsehserien.de 2,5 von 5 Sternen. Dramaturgisch knirsche es ab dem zweiten Kapitel kontinuierlich. Schwer tue sich die Produktion zudem damit, dem eigenen Anspruch gerecht zu werden, Krimiebene und historischen Hintergrund sinnvoll zu verflechten. Das Ergebnis sei schlicht zu unausgewogen.[14]
Laut Harald Keller auf epd-film.de hätten Roman und Serie auch Schonzeit für Mörder überschrieben werden können. Die Parabel sei in der TV-Fassung dramaturgisch allzu absehbar und immer eine Handbreit über das Realistische hinaus inszeniert. Die Schauspieler erlaubten sich einen Stil der sanften Übertreibung.[15]
Oliver Alexander bezeichnete die Produktion auf quotenmeter.de als düsteres, faszinierendes Panorama eines untergehenden Systems, das zugleich als präzise komponierter Thriller funktioniere sowie als vielschichtige Reflexion über Gewalt und Macht. Was den Film letztlich über viele Genrebeiträge erhebe, sei sein Mut zur Ambivalenz.[16]
Thomas Gehringer bewertete die Miniserie auf tittelbach.tv mit 5,5 von 6 Sternen und lobte sie als herausragende historische Miniserie sowie als spannende und bewegende Literaturverfilmung. Sie führe mitten hinein in eine gemeinsame deutsch-tschechische Vergangenheit, ohne ins Gefällige abzugleiten oder aufdringliche Belehrung zu bieten. Gelobt wurden außerdem die prominent besetzte und eindrucksvoll fotografierte Umsetzung sowie die sorgfältige Figurenzeichnung.[17]
Marion Brasch bezeichnete die Miniserie auf Radio Eins als atmosphärisch dichten und spannenden Serienthriller mit besonders gut gewählter Zeit und gut gewähltem Ort der Geschichte. Sie betonte, dass die Handlung mehr als eine Schwarz-weiß/Gut-böse-Geschichte sei, was Nicholas Ofczarek mit seiner schauspielerischen Leistung auf den Punkt bringe. Außerdem hob sie die kluge und hintergründige Parabel hervor und nannte die Serie einen historischen Krimi, der auch ins Heute passe, eine Serie auch darüber, dass Opportunismus und Feigheit vermeintlich Unschuldige zu Schuldigen machen könne.[18]
Maximilian Haase beschreibt die Serie im Stern als eine mitreißende Mischung aus unbekannterer Kriegsgeschichte und düsterem Psychothriller, die das konkrete NS-Grauen mit großen Fragen nach dem Wesen des Menschen verknüpfe. Der Fokus der Serie verschiebe sich vom Kriminalfall auf die Wucht der Geschichte, in der Widerstand und Selbstbefreiung, aber auch Lynchmorde zu einem – eindrücklich inszenierten – kollektiven Gewaltsog gerieten. Dass das funktioniere, liege am starken Ensemble, aber auch an vielen Details. Die Verfilmung von Regisseur Christopher Schier nähere sich vor Noir-Kulisse der Frage, wie man im Angesicht des Abgrunds human bleiben könne.[19]
Bjarne Bock von serienjunkies.de resümiert, dass Regisseur Christopher Schier konsequent vereinfachende Gut-böse-Schemata und Heldenerzählungen auflöse, um die wahre Kraft persönlicher Haltung ins Zentrum zu rücken.[20]
Oliver Jungen beurteilt in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die Verfilmung des Romans als stimmig. Dass sogar der Plot dem Wüten des Krieges zum Opfer falle, sei eindrucksvoll. Selten setze sich ein historischer Krimi so vielschichtig mit einem Ereignis auseinander, bringe die Psychologie der Enthemmung so klar auf den Punkt. Inmitten dieser politisch verschachtelten, todesschwangeren Situation gelinge es der höchsten Schauwert bietenden deutsch-österreichisch-tschechischen Koproduktion, ein so spannendes wie tiefgründiges Drama zu erzählen, das in der konsequent historischen Regie von Christopher Schier gar nicht in erster Linie von Schuld und Sühne handele, sondern von persönlicher Verantwortung und Integrität, obwohl sich alle moralischen Gesetze mehr und mehr zu verflüchtigen schienen. Alle Schauspieler, von Ofczarek und Nay bis zu den tschechischen in den Nebenrollen, seien ihrer Aufgabe gewachsen.[21]
Torsten Wahl von der Berliner Zeitung findet den ARD-Vierteiler sehenswert. Geschickt würden Thriller und Historie verbunden. Wie Psychothriller, Melodram und Historiendrama hier ineinander flössen, werde jederzeit stimmig und packend erzählt – diese drei Stunden Film ließen kaum Zeit zum Luftholen. Wie die beiden Seelenverwandten zwischen Lebensgier und Untergangsstimmung schwankten, zeigten Nicholas Ofczarek und Jeanette Hain auf anrührende Weise. Ebenso spannend sei die zögerliche Annäherung zwischen Buback und den Tschechen um Morava. Die Tschechen redeten untereinander tschechisch (und würden untertitelt), ihre Amtssprache im Protektorat sei aber deutsch gewesen: So habe Jonas Nay also tschechische Sätze eingeübt und sich für die deutschen Sätze einen tschechischen Akzent zugelegt – beides nehme man ihm ab. Auch schauspielerisch lägen die Sternstunden auf höchstem Niveau, selbst bei den Figuren, die sehr klar und eindeutig gezeichnet würden, wie Gerhard Liebmann als stoischer Mörder und Devid Striesow als Parade-Nazi.[22]
HappySpots kündigt eine Miniserie mit Wucht an, die weit über herkömmliche Historienkrimis hinausgehe. Jonas Nay trage die Serie mit einer nervösen, verletzlichen Präsenz, die den inneren Konflikt seiner Figur absolut glaubwürdig halte, während die Inszenierung Prag als gefährlichen Resonanzraum zeige, in dem jede Entscheidung über Leben und Tod bestimmen könne. Auch wenn die Serienkiller-Handlung stellenweise wie ein zusätzlicher Druckpunkt wirke, der nicht immer organisch mit dem historischen Panorama verschmelze, spiegele sie die moralische Verrohung dieser Zeit perfekt wider. Es entstehe ein intensiver, ungeschönter Mehrteiler, der weniger durch Wendungen als durch seine konsequente, bedrückende Stimmung überzeuge.[23]
Quote
Die Erstausstrahlung der ersten Folge am 3. April 2026 im Ersten erreichte 2,21 Millionen Zuschauer, der Marktanteil lag bei 9,9 Prozent.[24]
Auszeichnungen und Nominierungen
- 2025: Filmfest Hamburg: Nominierung für den Hamburger Produzentenpreis für deutsche Fernsehproduktionen (Michael Grudsky, Markus Kaatsch, Nina Poschinski)[1]
- 2026: Deutscher Fernsehkrimipreis: Nominierung für die Krimiserie des Jahres[25]
Weblinks
- Sternstunde der Mörder bei Fernsehserien.de
- Sternstunde der Mörder bei crew united
- Sternstunde der Mörder bei IMDb
- Sternstunde der Mörder auf degeto.de
- Sternstunde der Mörder – Teil 1 / 2 auf servustv.com
- Sternstunde der Mörder – Teil 2 / 2 auf servustv.com
- Sternstunde der Mörder in der ARD Mediathek