Strategische Ölreserve
gesetzlich vorgeschriebene Brennstoffbevorratung
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Als strategische Ölreserve bezeichnet man eine strategische Bevorratung von Erdöl, Benzin, Heizöl (Kraftstoffen) und Erdöl-Zwischenprodukten. Die Reserve dient dazu, einen potenziellen, kurzfristigen Erdöl-Versorgungsengpass eines Landes oder Staatengemeinschaft zu überbrücken. In vielen Staaten ist die Erdölbevorratung wegen ihrer volkswirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Bedeutung gesetzlich geregelt.

Geschichte
Seit der Entdeckung großer Ölvorkommen im Süden der Vereinigten Staaten wurde Kohle als vorrangiger Energieträger durch Erdöl abgelöst. Kaum einer der für die menschliche Gesellschaft elementaren Lebensbereiche in den Industrienationen, insbesondere Landwirtschaft und Transport kommt heute ohne Erdölprodukte aus.
Da historisch ein großer Teil der Lagerstätten in der Region des Nahen Osten konzentriert ist, z. B. das größte Ölfeld der Welt, Ghawar, muss das Öl über weite Wege mit Öltankern zu den Raffinerien und Abnehmern, wie der chemischen Industrie, transportiert werden. Pipelines werden vor allem für die Transporte zu Land, z. B. aus Russland (vgl. Erdölleitung Freundschaft), eingesetzt.
1973 stieg der Ölpreis auf Grund einer politisch motivierten Minderung der Erdölförderung durch die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) rapide an. Weil es bis dahin keine Vorratsspeicherung an Erdöl gab, konnte dem nicht entgegengewirkt werden. Daraufhin wurde die Internationale Energieagentur (IEA) von 16 Industrienationen (Stand 2026: 32 Mitglieder) gegründet, welche die Energiepolitik koordinieren und eine zuverlässige Energieversorgung sicherstellen sollte.[2]
Strategische Erdölvorräte (Übersicht)
Die Reserven einiger Staaten werden seit der Gründung der Internationalen Energieagentur (IEA) im Jahr 1974 als Folge der ersten Ölkrise von dieser für ihre 32 Mitglieder verwaltet. Diese Notfallölreserven der IEA-Mitglieder umfassen (Stand 2026) circa 1.200 Millionen Barrel (bbl) und weitere 600 Mio. bbl „Industriereserven“ werden im Rahmen staatlicher Vorgaben gehalten.[3]
Die Reserven der USA werden als Strategic Petroleum Reserve (SPR)[4] bezeichnet, welche Rohöl als auch Erdölprodukte einbeziehen. Sie liegen (Stand 2026) unter 500 Mio. bbl von maximal rund 700 Millionen bbl.[5] Die US-amerikanischen SPR erreichten den Füllstand von 500 Mio. bbl im Jahr 1986 und hielten diesen Wert bis 2021, da es im Jahr 2022 zu einer großen Freigabe kam.[6] Die nächste große Freigabe folgte 2026 im Zuge des Irankriegs und reduzierte den Füllstand des SPR auf ca. 240 Mio. bbl, den niedrigsten Stand seit 44 Jahren.[6] Die Reserven wurden ab 1982 datentechnisch erfasst.[7]
Freigaben
Im Zuge von verschiedenen Energiekrisen und anderen Notfällen hat die IEA historisch bereits mehrere Freigaben von Öl beschlossen.
2000er Jahre
Nach der Katastrophe durch den Hurrikan Katrina im Jahr 2005 und dem folgenden starken Ölpreisanstieg wurden ca. 450.000 m³ freigegeben.
2010er Jahre
Auch im Rahmen des Bürgerkriegs in Libyen 2011 und der ausfallenden Ölproduktion des Landes wurden Ölreserven freigegeben.[8][9] Auch wurden von der Bundesregierung ebenfalls Reserven freigegeben. Deutschland beteiligte sich an der Freigabe von Ölreserven durch die Internationale Energieagentur mit ca. 4,3 Mio. Barrel (bbl).
Im Oktober 2018, als infolge der Dürre und Hitze in Europa 2018 der Rheinpegel stark sank und somit Schiffe nicht mehr voll beladen werden konnten, gab die Bundesregierung begrenzte Mengen der Reserve frei.[10][11]
2020er Jahre
Aufgrund des russisch-ukrainischen Kriegs gaben verschiedene Mitgliedstaaten der IEA sowie die USA Reserven im Millionenbereich frei.[12] Laut Angaben wurde Notölreserven in Höhe von 60 Mio. Barrel (bbl) im Rahmen des steigenden Ölpreises freigegeben.[13]
Im Jahr 2022 wurden circa 187 Mio. bbl (Administration Biden) und als Folge des Irankriegs im Jahr 2026 rund 400 Mio. bbl durch die IEA freigegeben. Weitere Informationsquellen sprechen von 426 Mio. bbl.[14] Letztere Freigabe stellt die größte Freigabe von Öl aus Vorräten seit der Gründung der Organisation dar.[15] Nach Angaben planen die USA (Administration Trump II), rund 172 Mio. bbl innerhalb von 120 Tagen freizugeben. Dies reduziert die Reserven (SPR) auf rund 240 Mio. bbl.[6]
Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass im Nahen Osten ein großer Teil der Welterdölproduktion von den Mitgliedern der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) bzw. den Golf-Kooperationsrat (GCC)-Staaten stammt.[16] Beispielsweise ist Ghawar das größte Erdölfeld der Welt und wird seit den 1950er Jahren durch Saudi Aramco ausgebeutet.
Durch die Straße von Hormus laufen etwa 1/5 des weltweit zu See beförderten Erdöls. Diese o. g. 400 Mio. bbl Freigabe entsprechen einem Volumen von etwa 20 Tagen Öltransport durch die Straße von Hormus, d. h. 20 Mio. bbl pro Tag.[16] Davon sind rund 14,9 Mio. Barrel aufbereitetes Rohöl und 4,9 Mio. Barrel Erdölprodukte wie Naphtha, Benzin, Diesel und Kerosin. Weitere (vom Export blockierte) Produkte sind Dünger oder Heliumgas. Am globalen Energieverbrauch gemessen machen die Lieferungen durch die Straße von Hormus rund 2,5 % aus.[17]
Der Direktor der IEA, Fatih Birol, fasst zusammen: Wegen den beiden Ölkrisen der 1970er Jahren gingen jeweils fünf Millionen Barrel (bbl) pro Tag verloren. Seit dem Beginn des Irankriegs am 28. Februar 2026 sind bis zum 23. März 2026 rund 11 Mio. Barrel pro Tag verloren gegangen und warnte vor den Folgen für die Weltwirtschaft. Zwischenzeitlich kommt es zu einem Ölpreisschock (vgl. auch Energiekrise) und Rohöl steigt auf über 100 USD pro Barrel, was wiederum die Kraftstoffpreise (speziell Diesel) in die Höhe getrieben hat.[18][19][20]
Im Mai 2026 äußerte sich Energy Secretary Chris Wright, man werde die Reserven mit 1,2 Barrel je freigelassenes Barrel wieder auffüllen.[21]
Strategische Reserven einiger Länder
Deutschland
2011 umfassten die Vorräte in Deutschland 25 Mio. Tonnen.[22][23][24] 13,4 Mio. t entfallen auf Rohöl und 11,8 Mio. t auf Erdölprodukte (Angaben für 2005). Mit diesem Volumen soll der deutsche Erdölbedarf im Notfall für mindestens 90 Tage gedeckt werden. Die Vorratsstätten für Rohöl befinden sich überwiegend in 1.000 bis 1.500 m Tiefe in Kavernenspeichern in Niedersachsen. Diese wurden in geologischen Salzformationen speziell für diesen Zweck angelegt. Ein großer Teil der Ölreserven befindet sich in der Kavernenanlage Etzel der Firma IVG. Die Reserven an Erdöl-Zwischenprodukten werden oberirdisch in bundesweit verteilten Tankbehältern vorgehalten. Der Wert der Reserven erreicht bei einem Ölpreis von 70 US-Dollar pro Barrel etwa elf Milliarden Euro.
Unabhängig von der strategischen Reserve bestand früher eine so genannte Bundesrohölreserve aus 7,32 Mio. t, die von 1974 bis 1981 aufgebaut wurde und in künstlich angelegten Speicherkavernen in der Nähe von Wilhelmshaven, Bremen, Hamburg und weiteren Orten gelagert wurde. 1997 wurde von der damaligen Bundesregierung der Verkauf dieser Reserve angeordnet. Heute sind an verschiedenen Standorten in der Bundesrepublik verschiedene Mineralölprodukte, wie Benzin, Dieselkraftstoff, Heizöl, Kerosin und Schweröl gelagert, die, weil schon raffiniert, kurzfristig einsetzbar sind.
Obwohl sich die Bevorratungspflicht des Erdölbevorratungsverbandes auf 90 Tage beläuft, ist der Gesamtvorrat an Rohöl und Ölprodukten in Deutschland wesentlich höher. Das Land verfügte Ende 2021 über 267 Mio. Barrel (etwa 35 Mio. Tonnen) gewerbliche und staatliche Ölreserven. Sie könnten rechnerisch die Gesamtversorgung für 117 Tage gewährleisten.[25] Hohe Mengen werden freiwillig von den Verbrauchern, besonders im Heizölbereich gelagert. Weiterhin besitzen Raffinerien operative Bestände zur Sicherstellung ihres Produktionsbetriebes.
Erdölbevorratungsverband
Gesetzliche Grundlage für die Erdölbevorratung und den Erdölbevorratungsverband (EBV) ist das „Gesetz über die Bevorratung mit Erdöl und Erdölerzeugnissen (Erdölbevorratungsgesetz – ErdölBevG)“.[26]
Die Ölreserve wird vom EBV organisiert und überwacht. Im EBV sind alle in der EU, der Schweiz oder Norwegen ansässigen Unternehmen Pflichtmitglieder, die Öl einführen oder verarbeiten,[27] insbesondere die großen Mineralölkonzerne. Der EBV ist eine Körperschaft öffentlichen Rechts, die 1978 von den in Deutschland tätigen Mineralölkonzernen gemeinsam mit den mittelständischen Mineralölimporteuren und unter Mitwirkung der Bundesregierung gegründet wurde, nachdem die Bundesregierung bereits 1966 die Konzerne dazu verpflichtet hatte, auf eigene Kosten eine strategische Erdöl-Notreserve zu schaffen, mit der die Ölversorgung der Bundesrepublik Deutschland in Kriegs- und Krisenzeiten vorübergehend gesichert werden kann.[28] Der EBV hat seinen Verwaltungssitz in Hamburg. Der sogenannte Bevorratungsbeitrag ist in Höhe von ca. 0,5 Cent pro Liter auf den Preis von Benzin, Diesel und Heizöl festgelegt. Der EBV darf die Reserven nur auf Weisung des Bundeswirtschaftsministers und nur zum aktuellen Marktpreis veräußern. Ein Mitspracherecht haben die IEA und die EU. 1991 wurde ein Teil der deutschen Ölreserven während des Golfkrieges verkauft, als das Fass 30,55 Dollar kostete.
Österreich
Die Ölreserve Österreichs betrug für das Jahr 2011 2,918 Mio. t Öl und Ölprodukte, die die Versorgung des Landes für 90 Tage abdecken sollen. Die Vorratsmenge wird jährlich an den durchschnittlichen 90-Tage-Verbrauch des Vorjahres angepasst. Verantwortlich ist die Erdöl-Lagergesellschaft. Die gesetzliche Grundlage ist das „Bundesgesetz über die Haltung von Mindestvorräten an Erdöl und Erdölprodukten“ (Erdölbevorratungsgesetz 2012 – EBG 2012). Davor war das „Bundesgesetz vom 21. Oktober 1982, BGBl. Nr. 546, über die Haltung von Notstandsreserven an Erdöl und Erdölprodukten und über Meldepflichten zur Sicherung der Energieversorgung (Erdöl-Bevorratungs- und Meldegesetz 1982)“ gültig.
Einer der seltenen Zugriffe auf die Reserve erfolgte im Juni, Juli und September 2022, nachdem eine Havarie in der einzigen Raffinerie Österreichs etwa 80 % der Treibstoffproduktion lahmlegte und ein mehrmonatiger Ausfall der beschädigten Anlage absehbar war. Die Bundesregierung gab in drei Raten insgesamt 373 000 t Diesel, Benzin und Halbfabrikate frei.[29][30][31] Danach reichte der Treibstoffvorrat nur noch für 65 Tage.[32] Nachdem die reparierte Raffierieanlage am 7. Oktober wieder in den Vollbetrieb ging, war die Reserve bis Ende November 2022, früher als erwartet, bereits wieder auf 79 Tagesbedarfe angewachsen. Bis zum Jahresende wird ein Füllstand von etwa 97 % der vollen Kapazität erwartet.[33]
Im April 2026 erfolgte infolge der durch die Konflikt an der Straße von Hormus stark gestiegenen Öl- und Treibstoffpreise eine Freigabe von 56 000 t Rohöl, entsprechend 2 % der Gesamtvorräte. Die daraus gewonnenen Produkte dürfen nur innerhalb Österreichs verkauft werden.[34]
Schweiz
Die Schweiz lagert Öl in Form von Benzin, Diesel, Flugbenzin und Heizöl. Diese Reserven decken den Bedarf für viereinhalb Monate. Der Bestand wurde in den 1940er-Jahren angelegt und seitdem erstmals 2005 wegen der Folgen des Hurrikans Katrina angerührt.
Japan
Japan begann 1978 mit dem Anlegen seiner strategischen Ölreserve.[35] Diese besteht aus einer staatlichen Reserve mit einem Ziel von 47,13 Mrd. Litern unter Beaufsichtigung der unabhängigen Verwaltungskörperschaft (独立行政法人, dokuritsu gyōsei hōjin) Sekiyu Tennen Gasu, Kinzoku Kōbutsu Shigen Kikō (石油天然ガス・金属鉱物資源機構, engl. Japan Oil, Gas and Metals National Corporation, kurz: JOGMEC). Hinzu kommt eine Verpflichtung der privaten Ölwirtschaft zur Vorratshaltung, welche etwa 29,1 Mrd. Litern entspricht, sowie weitere Öllager mit 1,58 Mrd. Litern, die gemeinschaftlich mit ölproduzierenden Nationen gehalten werden. Mit dieser Gesamtreserve von knapp 80 Mrd. Litern könnte Japan 208 Tage (Stand: 2017) ohne Erdölimporte auskommen. Die staatliche Reserve lagert in zehn staatlichen Öllagerstätten (国家石油備蓄基地, kokka sekiyu bichiku kichi), die 40 Mrd. Liter fassen, sowie teilweise in privatwirtschaftlichen Lagern.[36] Die staatlichen Öllagerstätten sind als Aktiengesellschaften (kabushiki-gaisha) organisiert, an denen sowohl die betroffenen privatwirtschaftlichen Ölunternehmen beteiligt sind als auch der Staat in Form der JOGMEC oder der Präfekturen. Gelagert wird das Öl hauptsächlich in oberirdischen Tanks, teilweise auch in den Boden eingelassenen Tanks, die eine größere Erdbebensicherheit gewährleisten (z. B. in Akita), in Kavernen (z. B. Kushikino), sowie aus Platzgründen auch auf dem Meer in Küstennähe in schwimmenden doppelwandigen Containern, geschützt durch Ölsperren und Wellenbrecher (z. B. Shirashima).[37]
Japans Ölreservestätten[38] |
| Name (~国家石油備蓄基地) | Ort | Kapazität (Mrd. L)[36] |
|---|---|---|
| Akita (秋田) | Oga | 4,5 |
| Fukui (福井) | Fukui, Sakai | 3,4 |
| Kamigotō (上五島) | Shinkamigotō | 4,4 |
| Kuji (久慈) | Kuji | 1,75 |
| Kikuma (菊間) | Imabari | 1,5 |
| Kushikino (串木野) | Ichiki-Kushikino | 1,75 |
| Mutsu-Ogawara (むつ小川原) | Rokkasho | 5,7 |
| Shirashima (白島) | Kitakyūshū | 5,6 |
| Shibushi (志布志) | Higashikushira, Kimotsuki | 5,0 |
| Tomakomai-tōbu (苫小牧東部) | Tomakomai, Atsuma | 6,4 |
Daneben besitzt Japan auch strategische Reserven von Erdgas und seltenen Metallen, die gleichfalls von JOGMEC und aufgrund privatwirtschaftlicher Verpflichtungen angelegt werden.
Vereinigte Staaten
Die strategische Ölreserve der Vereinigten Staaten (offizielle Bezeichnung: englisch Strategic Petroleum Reserve (SPR)) wurden aufgrund der Erfahrungen mit der weltweiten Ölkrise 1973 durch den Energy Policy and Conservation Act (EPCA) von 1975[39] von US-Präsident Gerald Ford etabliert.[40] Die Befugnis zur Freigabe der SPR wird dem US-Präsidenten von der EPCA übertragen, welche eine wichtige Rolle im Kontext der nationalen Sicherheit der USA einnimmt.
Der EPCA etablierte außerdem ein Bundesprogramm für Energiestandards oder Effizienzstandards bestehend aus Testverfahren, Kennzeichnung und Energiezielen für Konsumgüter. Die SPR werden vom Office of Petroleum Reserves des Department of Energy (DOE) verwaltet.
Das Öl wird in mehr als 1.000 Metern Tiefe in unterirdischen Salzstöcken gelagert, die zu diesem Zweck mit Wasser ausgespült wurden. Die vier Lagerstätten liegen am Golf von Mexiko, verteilt auf Texas und Louisiana.[41] Das maximale Fassungsvermögen liegt über 700 Mio. Barrel (bbl) Rohöl.[42] Es gibt vier Lager: Bayou Choctaw, West Hackberry, Big Hill und Bryan Mound. Sie enthalten unterschiedliche Rohölgemische, die basierend auf ihrem Schwefelanteil in süß (bis 0,5 % Massenanteil Schwefel) und sauer (maximal 1,99 % Massenanteil Schwefel) unterschieden werden.[43] Die größte Lagerstätte liegt in Bryan Mount in Texas und fasst 250 Mio. bbl.[44]
Die SPR bestehen aus 60 einzelnen, mit Öl gefüllten Kavernen in einer Tiefe von etwa 770 m und haben Ausmaße von etwa 600 m Tiefe und 60 m Durchmesser. In eine Kaverne würde der Willis Tower leicht passen. Sie fassen 0,7 bis 4 Millionen Tonnen. Die Stabilität der Kavernen ist für maximal fünf komplette Füll- und Entnahmevorgänge ausreichend und nicht für permanente Entnahmen und Auffüllungen ausgelegt. Ursprünglich war eine Nutzungszeit dieser unterirdischen Speicher von nur 25 Jahren vorgesehen.[41]
Da die Lagerstätte von unten durch die Erdwärme geheizt wird, entsteht eine Zirkulation der Flüssigkeit (Konvektion). So bleibt die Zusammensetzung des Öls konstant, weil keine Bestandteile sedimentieren können. Das heißt, das Öl kann über Jahrzehnte hinweg ohne Qualitätseinbußen gelagert werden. Die USA könnten ihren gesamten Erdölbedarf für 35 Tage mit der strategischen Ölreserve decken.
Aus technischen Gründen können jedoch nur max. 4,4 Mio. Barrel (bbl) aus dieser pro Tag (also etwa ein Fünftel des Normalbedarfes) entnommen werden.[45] Die USA brauchen täglich rund 20 bis 21 Mio. Barrel.[46] Mit Rationierungsmaßnahmen würde die Reserven bis zu 60 Tage reichen. Allerdings sind die USA mit (Stand Frühling 2026) 13,5 Mio. bbl pro Tag der weltweit größte Förderer von Erdöl. Aus diesem Grund würde die Reserve unter Einbeziehung der heimischen Ölförderung länger reichen.
Entwicklung der SPR ab den 2000er Jahren
Nach den Terroranschlägen 2001 ließ US-Präsident George W. Bush die Ölreserven bis zur vollen Lagerkapazität auffüllen.
Im August 2005 wurde auf die Ölreserve zurückgegriffen, nachdem der Hurrikan Katrina die Ölförderung im Golf von Mexiko zeitweilig zum Erliegen gebracht hatte und infolgedessen der Ölpreis auf über 70 US-Dollar pro Barrel gestiegen war.
2009 war sie wieder auf den vollen Füllstand von 727 Mio. bbl aufgefüllt.[47]
Ende März 2022 war die US-Ölreserve mit 570 Mio. Barrel (bbl) an einem zwanzigjährigen Tiefststand angelangt. Zum Vergleich: Der tägliche, weltweite Ölbedarf betrug zu dieser Zeit knapp 100 Mio. bbl. Nachdem die Weltmarkt-Ölpreise infolge des Krieges Russlands gegen die Ukraine ab Ende Februar 2022 deutlich anstiegen und die USA den bisherigen Import von Öl aus Russland aufgrund von Sanktionen einstellten, beschloss die US-Regierung unter dem Eindruck steigender Treibstoffpreise am 31. März 2022, dem Markt ein halbes Jahr lang täglich durchschnittlich eine Million Barrel aus ihrer strategischen Ölresereve zur Verfügung zu stellen. Diese Freigabe war die bislang größte in der US-Geschichte.[42] Sie könnte ein wirtschaftlicher Bumerang werden, da das Auffüllen der Reserve möglicherweise zu höheren Preisen, als den jetzigen, geschehen wird.[48] Um die EU beim Ölembargo gegen Russland zu unterstützen, verschifften die USA sogar 21 Mio. bbl des aus ihrer strategischen Reserve entnommenen Öls nach Europa.[49][50] Infolge der Entnahmen sank der Ölvorrat bis Ende Oktober 2022 mit 405 Mio. bbl auf ein 40-Jahres-Tief.[51]
Im Februar 2023 kündigte die Biden-Regierung den Verkauf weiterer 26 Mio. bbl aus der SPR an. Dies ist aber, im Gegensatz zur Notfreigabe der 180 Mio. bbl von 2022, ein geplanter Verkauf. Eine Auffüllung der Reserve soll erst bei Ölpreisen von unter 72 $ pro Barrel erfolgen.[52] Seit dem Einmarsch der russischen Truppen in die Ukraine lagen die Preise jedoch bislang permanent darüber.[53] Zudem sind die USA heutzutage weit weniger auf Ölimporte als in der Zeit, als die SPR konzipiert wurden, angewiesen, so dass eine teure Wiederauffüllung auf frühere Füllstände möglicherweise nicht mehr im Interesse der US-Regierung liegt.[54]
Kommerzielle Ölbestände
Parallel zur strategischen Ölreserve existieren kommerzielle Öllager mit einer Gesamtkapazität von ebenfalls mehreren hundert Millionen Barrel (bbl). Sie umfasst in Tanks, Produktionsanlagen und Pipelines befindliches Rohöl.[55] Im Gegensatz zur strategischen Reserve, welche nur in Ausnahmesituationen angezapft wird, ändert sich die Höhe der kommerziellen Ölbestände permanent. Diese werden wöchentlich jeweils dienstags vom American Petroleum Institute (API) und mittwochs um 16:30 MEZ von der U.S. Energy Information Administration (EIA) veröffentlicht.[56][57][58]
Indien
Indien hielt 2023 eine im Verhältnis zur Bevölkerung (1,4 Milliarden Einwohner) sehr bescheidene Ölreserve (39 Mio. Barrel (bbl) = 4,5 Liter pro Einwohner) vor, kündigte in jenem Jahr aber an, sie massiv zu erhöhen.[59]
Volksrepublik China
Die VR China begann 2004 unter einer neuen Energiepolitik strategische Erdölreserven aufzubauen. Sie verwaltet diese Vorräte durch die Staatliche Kommission für Entwicklung und Reform (NRDC) sowie die National Energy Administration (NEA).[60][61] Ab dem Jahr 2016 wurden auch Kapazitäten im Untergrund aufgebaut.[62] Das Land verfügte Anfang 2026 über strategische und kommerzielle Ölreserven von geschätzt 1,2 bis 1,3 Milliarden Barrel. Damit könnte es bis zu vier Monate ohne Ölimporte auskommen.[63]
