Stubaital
Tal in Tirol
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Das Stubaital, kurz das Stubai genannt, ist das größte Seitental des Wipptals und das Haupttal der Stubaier Alpen im österreichischen Bundesland Tirol.
| Stubaital | ||
|---|---|---|
| Lage | Tirol, Österreich | |
| Gewässer | Ruetz | |
| Gebirge | Stubaier Alpen | |
| Geographische Lage | 47° 9′ N, 11° 21′ O | |
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| ||
| Höhe | 900 bis 1700 m ü. A. | |
| Länge | 30 km | |

Es erstreckt sich vom Alpenhauptkamm rund 30 km in nordöstlicher Richtung zum Wipptal, von diesem ist es leicht zugänglich. Das Tal liegt deutlich höher als das Wipptal oder das Inntal. Im Stubai gibt es in den hochalpinen Lagen mehrere Schutzgebiete, die auch Gletscher umfassen. Die wesentlichen Erwerbszweige im Tal sind Dienstleistungen, Tourismus und Gewerbe und Industrie. Land- und Forstwirtschaft spielt nur noch eine marginale Rolle.
Geografie
Lage
Das Stubaital ist das größte Seitental des Wipptals, es mündet bei Schönberg, rund 10 km südlich des Inntals, ein. Das Stubaital ist rund 25 km lang und weist eine durchschnittliche Steigung von 3,6 % auf, wobei die steilsten Anstiege im südlichsten Teil des Tals liegen. Das Stubaital liegt höher als das Unterinntal und das Wipptal, Fulpmes im nördlichen Bereich auf 907 m ü. A., Volderau bereits auf 1130 m ü. A. und reicht bis zum Alpenhauptkamm.[1] Das Stubaital ist komplett von den Stubaier Alpen umgeben.
Beschreibung
Das Tal liegt in den Stubaier Alpen, wesentliche Gipfel sind die Serles (2717 m ü. A.), der Habicht (3277 m ü. A.), der Wilde Freiger (3418 m ü. A.), die Stubaier Wildspitze (3341 m ü. A.), die Ruderhofspitze (3473 m ü. A.) und das Zuckerhütl (3507 m ü. A.), der höchste Gipfel der Stubaier Alpen.
Im vorderen Bereich ist ein breiter Talboden, der sich auf einer Höhenlage von ca. 1000 m befindet. Im diesen Bereich wird das Tal beidseitig durch steilwandige Dolomitstöcke (Kalkkögel und Serleskamm) gerahmt. Im hinteren Abschnitt verengt sich das Tal zunehmend und findet mit dem Zuckerhütl einen markanten Abschluss.[2]
Hauptfluss des Tales ist die Ruetz, die unterhalb der Brennerstraße bei der Stefansbrücke auf 680 m ü. A. Seehöhe in die Sill mündet. Die größten Seitentäler sind das Schlick-, das Pinnis-, das Langen- und das Oberbergtal. Im Einzugsgebiet liegen knapp zwanzig größere und eine Anzahl kleinerer Gletscher, wodurch die Ruetz einen ausgeprägten Gletscherbach-Charakter aufweist, mit tages- und jahreszeitlich stark wechselnden Abflussmengen.
Siedlungen
Politisch gehört das Tal zum Bezirk Innsbruck-Land. Im Stubaital liegen fünf Gemeinden (Einwohnerzahlen Stand 1. Jänner 2025[3]), die wirtschaftsstarken Hauptorte sind Fulpmes und Neustift im Stubaital, wobei Neustift das touristische Zentrum ist.[2] Zusammen bilden die Gemeinden den Planungsverband Stubaital mit einer Fläche von 317,2 km², davon 25,5 km² Dauersiedlungsraum. Die Einwohner teilen sich auf die Gemeinden wie folgt auf, wobei durch die in Tirol charakteristische Streusiedlungen einzelne Gemeinden noch verschiedene Ortsteile umfassen (Stand Februar 2025):[4]
| Gemeinde | Einwohner |
|---|---|
| Fulpmes | 4623 |
| Mieders | 2000 |
| Neustift im Stubaital | 5002 |
| Schönberg im Stubaital | 1074 |
| Telfes im Stubai | 1626 |
Alle fünf Gemeinden des Tales haben Volksschulen, Neustift wegen der weit gestreuten Siedlungen sogar drei. Dort und in Fulpmes, den beiden einwohnerstärksten Gemeinden, befinden sich auch Mittelschulen, wobei jene in Neustift durch eine Skimittelschule ergänzt wird, eine Sonderform, bei der Skifahren eine bedeutende Rolle spielt. Die Mittelschule in Fulpmes nimmt auch die Kinder von Schönberg, Mieders und Telfes auf. Fulpmes hat zudem eine Höhere Technische Lehranstalt für Metallbearbeitung, die bis zur Matura führt.
Verkehr
Das Stubaital ist über die Brenner Autobahn (A 13) gut erreichbar, zwei Kilometer südlich der Europabrücke liegt die Ausfahrt Schönberg/Stubai. Auch die Brennerstraße (B 182) führt an den Taleingang; dort zweigt die Stubaitalstraße (B 183) ab, die das komplette Tal durchquert und erst an der Mutterbergalm auf 1748 m ü. A. endet. Das Tal ist auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar, die Stubaitalbahn beginnt am Innsbrucker Hauptbahnhof und fährt bis Fulpmes. Dies ist eine meterspurige Stichbahn, die bereits seit 1904 verkehrt. Sie hat 19 Stationen und bietet einen Stundentakt bis Fulpmes, einen Halbstundentakt bis Kreith.[5] Die Gemeinden sind auch mit einer Autobuslinie der Innsbrucker Verkehrsbetriebe erreichbar. Damit ist insbesondere der vordere Talabschnitt gut an die Stadtregion Innsbruck angeschlossen, dies äußert sich im starken Siedlungszuwachs und einer hohen Auspendlerquote.[2]
Schutzgebiete
Im Stubaital sind ein Gebiet als Landschaftsschutzgebiet (Serles-Habicht-Zuckerhütl) und zwei Bereiche als Ruhegebiete (Stubaier Alpen und Kalkkögel) ausgewiesen.
Landschaftsschutzgebiet Serles-Habicht-Zückerhütl
Landschaftsschutzgebiete sind in Tirol „Gebiete, die zur Erhaltung der besonderen landschaftlichen Eigenart und Schönheit und des sich daraus ergebenden Erholungswertes unter Schutz gestellt werden. Der Schutz von Tieren und Pflanzen tritt hier in den Hintergrund. Die Land- und Forstwirtschaft, Jagd und Fischerei werden kaum berührt.“[6] Ein Landschaftsschutzgebiet zielt nicht primär auf Arten- oder Biotopschutz ab, sondern soll das Erscheinungsbild schützen und erlaubt daher eine wirtschaftliche Nutzung. Diese beiden Punkte sind damit der wesentliche Unterschied zu einem Nationalpark, der Arten- und Biotopschutz in den Vordergrund stellt und den Verzicht auf wirtschaftliche Nutzung auf mindestens 75 % der Fläche vorsieht.[7]
Im Stubaier Tal wurde das Gebiet Serles-Habicht-Zuckerhütl als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Es erstreckt sich über die drei namensgebenden Gipfel vom Serles-Massiv im Nordosten über den Habicht zum Zuckerhütl am Alpenhauptkamm. Es umschließt die landwirtschaftlichen Flächen sowohl in den Talniederungen als auch über die Hänge bis zu den Gipfeln. Das Gebiet umschließt eine Fläche von 180 km² und liegt auf einer Seehöhe von 990–3507 m. Im Gebiet liegen mehrere Gletscher, die 13 km² einnehmen, und einige Moore, z. B. bei der Laponesalm. Es wurde 1984 als Landschaftsschutzgebiet eingerichtet.[8]
Ruhegebiete Stubaier Alpen und Kalkkögel
Ruhegebiete sind in Tirol „Gebiete, die neben dem Schutz der Natur auch die Erholung in der freien Natur zum Ziel haben. Als Besonderheit der Ruhegebiete sind die absoluten Verbote zu nennen, so sind beispielsweise die Errichtung von Seilbahnen zur Personenbeförderung und die Errichtung von Straßen für den öffentlichen Verkehr nicht möglich“.[9] In diesen Bereichen sind auch jegliche Arten von Bauarbeiten nicht gestattet, sei es für Geländeabtragungen oder -aufschüttungen oder für Stromleitungen. Damit ist ein umfassenderer Schutz möglich.
Das Ruhegebiet Stubaier Alpen umfasst einen Großteil der Stubaier Alpen (ausgenommen das Schigebiet Stubaier Gletscher) und erstreckt sich östlich des Ötztales bis Ranalt im Stubaital. Es grenzt im Nordosten an das Ruhegebiet Kalkkögel und im Südosten an das Landschaftsschutzgebiet Serles-Habicht-Zuckerhütl. Es umfasst eine Fläche von 352,2 km² und liegt auf einer Seehöhe von 1300 bis 3507 m. Im Gebiet befinden sich mehrere Gletscher, die rund 12 % der Fläche bedecken. Die größten Gletscher im Gebiet sind der Kraspesferner, der Grastalferner, der Bachfallenferner und der Sulztalferner. Der Großteil des Ruhegebiets liegt oberhalb der alpinen Waldgrenze. Im zentralen Bereich liegen einige Dreitausender, so z. B. der Breite Grießkogel (3287 m), die Westflanke der Stubaier Wildspitze (3341 m), die Ruderhofspitze (3474 m) und der Schrankogel (3497 m). Es gibt auch einige Hochgebirgsmoore, die besondere Lebensräume darstellen und gute Wasser- und Kohlenstoffspeicher sind. Typisch dafür ist das Hohe Moos, ein Überflutungsmoor, das sich in einer eiszeitlich ausgeschürften Wanne gebildet hat. Der Falbesoner Bach durchfließt das Moor aus dem Hochmoosferner kommend. Das Ruhegebiet wurde 1983 eingerichtet.[10]
Das Ruhegebiet Kalkkögel liegt im nördlichen Teil des Stubaitals und schließt südwestlich an das Ruhegebiet Stubaier Alpen an. Es ist das kleinste der Schutzgebiete mit einer Fläche von 77,7 km² auf einer Seehöhe von 690 bis 3087 m. Es umschließt die Bergkette der Kalkkögel vom Hohen Burgstall bis zur Hohen Saile und das östlich gelegene Nederjoch mit Telfeser Berg sowie die westlich gelegenen Bergketten um das Innere Fotschertal. Die Gipfel bestehen aus Hauptdolomit, darunter liegen Schichten aus Wettersteindolomit, Knollenkalk und nordalpinen Muschelkalk. Der Unterbau besteht, wie bei den umliegenden Bergketten, aus Gneis des Ötztal-Stubai-Kristallins. Aufgrund dieser Unterschiede findet sich hier eine vielfältige Flora. Durch das Ruhegebiet fließt auch der Fotscherbach, der als Naturdenkmal ausgewiesen wurde. Das Ruhegebiet wurde 1983 eingerichtet.[11]
Obwohl in einem Ruhegebiet keine Bauarbeiten erlaubt sind, wurde im Jahre 2014 die Bergbahnstudie im Auftrag des Tourismusverbandes Stubai und der Stadt Innsbruck erstellt. Diese kommt zum Schluss, dass die zukünftige Wirtschaftlichkeit der Nahe Innsbruck gelegenen Schigebiete nur gewährleistet wäre, wenn eine große Schischaukel zwischen den Schigebieten Axamer Lizum und Schlick 2000 geschaffen würde. Dies würde beträchtliche Bauarbeiten mit Aufstiegshilfen und Beschneiungsanlagen an Bergen im Schutzgebiet Kalkkögel bedeuten. Es formierte sich Widerstand gegen die Pläne, 33.400 Unterschriften für die Rettung der Kalkkögel wurden gesammelt. Als ein Gutachten von Anna Gamper der Universität Innsbruck zu dem Schluss kam, das das Vorhaben im Widerspruch zum Völkerrecht Alpenkonvention stehe, erteilte die Politik dem Vorhaben eine Absage.[12]
Geschichte

Frühgeschichte und Besiedlung
Aus Orts- und Flurnamen sowie Bodenfunden ergeben sich die ältesten Hinweise zur Besiedlungsgeschichte lange vor schriftlichen Zeugnissen. Prähistorische Keramik- und Bronzegegenstände fand man an den Hängen beidseits der Ruetz im vordersten Talbereich. Sie werden in die frühe Bronzezeit (ca. 1800 bis 1300 v. Chr.) und in die daran anschließende Urnenfelderzeit (bis 1000 v. Chr.) datiert. Der Muiggnbichl bei Telfes und der Zauberbichl bei Schönberg waren demnach bereits von den Rätern besiedelt, die in der La-Tène-Zeit (450 bis 250 v. Chr.) von zuwandernden Kelten überlagert wurden. Der Stamm der Breonen, vom römischen Dichter Horaz benannt, wurde 15 v. Chr. von den vorrückenden römischen Legionen besiegt. Den Soldaten folgten römische Siedler, worauf zahlreiche romanische/lateinische Orts- und Flurnamen bis hinauf zur Almregion hindeuten: z. B. Gleins (collina/collis „Hügel“), Tschaffinis (ad cavinas „Wiese bei den Höhlen“), Tschafalles (ad cavalles „Rossweide“), Pfurtschell (forcella/furca, „Einsattelung“), Kampl (campiglia/campus „Feld“), Falbeson (val busana „Sacktal“), Ranalt (rovina alta „hohe Mure“), Schangelair (camp angulairu „eckiges Feld“), Kartnall (cortinale „kleiner Hof“)[13][14][15], Fagschlung (fossa longa „langer Graben“).
Ende des 6. Jahrhunderts n. Chr. begann die Landnahme durch die Bajuwaren und damit, vor allem im vorderen Stubaital, die Überlagerung mit der deutschen Sprache. Hermann Ignaz Bidermann[16] berichtet 1877 darüber, dass sich, einer Sage nach, die deutschsprachige Bevölkerung noch im Hochmittelalter nicht mit den romanischen Stubaiern im hinteren Talbereich verständigen konnte. Der Name des Tals taucht unter der Bezeichnung „inter Alpes ad Stupeia“ („innerhalb des Gebirges im Stubaital“) um 993/94–1005 erstmals in einer Traditionsnotiz des Hochstifts Freising auf.[17] Spätere urkundlich bezeugte Bezeichnungen sind Stubei, Stubaie oder Stubay.[18]
Kirchliche und politische Entwicklung
Der erste Kirchenbau entstand vermutlich schon in frühchristlicher Zeit in Telfes, das über Jahrhunderte das kirchliche Zentrum des Tales bildete. Gottesdienste in Mieders und Fulpmes sind bereits 1389 beurkundet. 1515 ließ Kaiser Maximilian, der häufig im hinteren Tal auf der Jagd war, in Neustift eine Kapelle errichten. Die heute jeweils in Dorfmitte stehenden Kirchenbauten gehen auf den Telfer Pfarrer und Kirchenbaumeister Franz de Paula Penz zurück und entstanden um die Mitte des 18. Jahrhunderts.
Ein eigenes Gericht Stubai unter der Herrschaft der Grafen von Tirol wird erstmals 1326 urkundlich erwähnt.[19] Der Sitz des Gerichtes und damit das politische und Verwaltungszentrum des Tales befand sich zunächst ebenfalls in Telfes und wanderte um 1690 nach Mieders, wo es – mit Unterbrechungen – bis 1923 bestand. Die politische Verwaltung liegt seit 1869 bei der Bezirkshauptmannschaft Innsbruck.
Wirtschaftliche Entwicklung, Tourismusgeschichte
Die Lage Schönbergs am Zugang zum Brennerpass, über den die Römer eine erste Straße bauten, verschaffte diesem Ort schon früh erhebliche Bedeutung. Römische Soldaten zogen hier nach Norden, danach germanische Stämme nach Süden, Kaiser und Päpste nutzten diesen zentralen Alpenübergang. Dadurch wurde er zu einem wichtigen Handelsweg, von dem die Anrainer profitierten.
Im übrigen Tal dominierte wie vielerorts eine agrarische Struktur zur Grundversorgung der Bewohner und Abgabenleistung an kirchliche und adelige Grundbesitzer. Mit einer Ausnahme: das Schmiedehandwerk (siehe Gewerbe und Industrie).
Als Vorläufer des Tourismus, des heute wichtigsten Wirtschaftszweigs, können die Jagdausflüge von Kaiser Maximilian im 16., die Wallfahrten nach Maria Waldrast ab dem 17. und die Sommerfrischler in Schönberg und Mieders im 18./19. Jahrhundert gesehen werden. Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der Bergtourismus, der bis heute andauert. Der Österreichische Alpenverein bildete Einheimische zu Trägern und Bergführern aus und errichtete Hütten (als erste 1875 die Dresdner Hütte) und Wege. Pfarrer Franz Senn, Mitgründer des Deutschen Alpenvereins, verbrachte seine letzten Lebensjahre in Neustift und ist am Ortsfriedhof begraben.
Jede Verbesserung der Verkehrserschließung (Brennerstraße, Brennerbahn, Stubaitalbahn, Talstraße und Linienbus, Brenner Autobahn) brachte mehr Besucher ins Tal. Das touristische Geschehen verlagerte sich von den Bergen ins Tal, wo Gaststätten und Herbergen entstanden. Tiefe Zäsuren verursachten die beiden Weltkriege, seit 1945 ist ein anhaltender Aufschwung zu verzeichnen.
Wirtschaft
Die Wirtschaft des Stubaitals war bereits sehr früh diversifiziert und nicht nur an einem Wirtschaftssektor ausgerichtet. So waren bereits im Jahr 1960 mehr Personen in Gewerbe und Industrie beschäftigt als in der Landwirtschaft. Bereits 1972 haben sich Dienstleistungen als die absolut dominante Erwerbsquelle etabliert. 2022 waren mehr als doppelt so viele Personen in diesen Sektor beschäftigt als in allen anderen Sektoren zusammen. Der Sektor Dienstleistungen enthält zwar auch Beherbergung und Gastronomie, diese sind aber nicht in dem Masse gestiegen wie Dienstleistungen allgemein. Nach einem kurzen Anstieg von 1970 bis 1980 ist die Anzahl der Arbeitnehmer im Tourismus ungefähr gleich geblieben (siehe Grafik), während Dienstleistungen allgemein einen starken Zuwachs verzeichnen konnten.[20]
Insgesamt ist die Anzahl der Erwerbstätigen im Tal stark gestiegen. Wohnten im Jahr 1961 im Tal 2.571 Arbeitnehmer (davon allein 866 in der Landwirtschaft tätig), so waren es im Jahr 2001 4.722 Erwerbstätige und 2022 bereits 5.291. Ein großer Anteil des Zuwachses ist aber nicht durch Arbeitsplätze im Tal entstanden, der Anteil der Gemeindeauspendler hat von 1981 stetig zugenommen. Es gibt zwar auch Gemeindeeinpendler, diese waren aber immer geringer als die Auspendler. Im Jahre 2022 betrug das Pendlersaldo 2.150 Erwerbstätige, also so viele Erwerbstätige sind mehr aus- als eingependelt.[20]
Land- und Forstwirtschaft
Die Anzahl der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe ist seit 1960 kontinuierlich zurückgegangen, allerdings nicht so stark wie in anderen Tiroler Tälern (z. B. im Vergleich zum Pitztal). Gab es 1960 noch 428 Betriebe, so waren es 1990 nur noch 326 und 2020 245 Betriebe. Es werden aber nur noch 70 Betriebe im Haupterwerb geführt, 152 Betriebe werden im Nebenerwerb geführt, 6 von Personengemeinschaften und 17 von Gesellschaften.[21]
Der landwirtschaftlich genutzte Talboden liegt großteils zwischen 900 und 1100 m Seehöhe. Wegen des alpinen Klimas dominiert die Viehwirtschaft mit Rindern, Schafen und Ziegen. Die Bewirtschaftung der Almflächen hat noch immer hohe Bedeutung. Einige Almen sind aufgelassen, manche wurden in letzter Zeit wieder in Betrieb genommen. In Kombination mit Einnahmen aus dem Tourismus scheinen sie wieder rentabel. Die damit verbundene Pflege der Kulturlandschaft ist ein wesentlicher Tourismusfaktor.
Die Forstwirtschaft versorgt vor allem die nähere Umgebung mit Brenn- und Bauholz und ist für den Schutz vor Naturgefahren von besonderer Bedeutung.
Gewerbe und Industrie

Die Gemeinden Mieders und Neustift haben aus den Dörfern ausgelagerte Gewerbezonen, bei Fulpmes kann man von einer Industriezone sprechen. Die Stubai Werkzeugindustrie hat eine genossenschaftliche Organisation, die 1897 zur gemeinsamen Vermarktung der Fulpmer Schmiedeprodukte gegründet wurde. Die Produktpalette umfasst eine Vielfalt an Handwerkzeugen und Bergsportartikeln. Das im Tal ansässige Bau- und Baunebengewerbe profitiert von den zahlreichen Tourismusbetrieben als Auftraggeber. Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) betreiben an der Ruetz bei Fulpmes ein Laufkraftwerk.
Erste Berichte aus dem 14. Jahrhundert weisen auf das Schmiedehandwerk in Fulpmes hin. Nicht gesichert ist, ob der – mäßig erfolgreiche – Stubaier Bergbau das Metallhandwerk zur Folge hatte. Eher war es umgekehrt. Man produzierte vor allem Werkzeuge, aber etwa auch Turmuhren und später Bergsport-Ausrüstung.
Tourismus
Das Stubaital gehört zu den touristischen Ballungszentren Tirols. 2024 wurden im Tal 984.209 Nächtigungen im Winter und 791.274 Nächtigungen im Sommer gezählt. Die meisten Orte sind zweisaisonal ausgerichtet, wobei bereits seit 1991 der Wintertourismus deutlich stärker ist. Bis etwa 1981 war die Sommersaison größer als die Wintersaison.
Die Anzahl der Nächtigungen im Winter hat sich nach den Bau der großen Schigebiete sprunghaft nach oben entwickelt, ist aber seit etwa 2000 relativ stabil. Insbesondere der Bau der Stubaier Gletscherbahn 1973 hat sich auf die Wintersaison ausgewirkt. Die Schließungen aufgrund von Corona 2020/2021 haben einen größeren Einbruch verursacht, nach Corona haben sich die Anzahl der Nächtigungen im Winter auf geringeren Niveau stabilisiert.[22]
Den größten Anteil an den Nächtigungen haben gewerbliche Hotels und von diesen wiederum nahezu die Hälfte im 4- und 5-Sterne-Bereich. Privatunterkünfte und Pensionen machen nur einen sehr geringen Anteil aus, außer bei den Ferienwohnungen: hier sind die Mehrzahl private Anbieter.[22]
Alpinismus und Bergsport
Das Stubai bietet ganzjährige Möglichkeiten, sich sportlich zu betätigen. Wesentliche Sportarten im Sommer sind Wandern, Fahrradfahren, bzw. Mountainbikefahren und das Begehen von Klettersteigen. Im Winter bieten mehrere Schigebiete alpinen Schilauf, es gibt außerdem Langlaufloipen und Rodelbahnen.
Wandern
Das Stubaital mit seine hochalpinen Bergen bietet ein umfangreiches Revier für Wanderer. Es gibt unzählige Wanderwege in allen Schwierigkeitsklassen und von kurzen Spaziergängen bis zu langen Trekkingrouten. Für Freunde des letzteren gibt es den Stubaier Höhenweg, eine 120 km lange Höhenwegkette von Hütte zu Hütte, die meist in acht bis neun Etappen zurückgelegt wird. Eine beliebte mittelschwere Wanderung ist die Besteigung des Hohen Burgstall (2611 m) im mittleren Stubaital. Diese führt zwar in hohe Lagen mit guten Ausblicken, ist aber vom Aufwand begrenzt, da ein Teil des Höhenunterschieds mit der Schlicker Bergbahn von Fulpmes aus bestritten werden kann. Damit begrenzt sich die Gehzeit auf 4 ¼ Stunden.[23.1]
Ein Ziel für Geübte in der vielgipfeligen Dreitausenderriege ist die Besteigung des Habicht (3277 m), einer der schönsten Berge des Tals. Die Besteigung erfordert Trittsicherheit und Schwindelfreiheit und einiges an Kondition, 5 ¼ Stunden Gehzeit sind notwendig. Dafür wird der Wanderer mit eine guten Aussicht belohnt.[23.2] Eine relativ steinige Bergwanderung ist der Weg zur Sulzenauhütte (2191 m), der am Grawa-Wasserfall beginnt und auch im weiteren Verlauf viel Wasser bietet: noch einen Wasserfall und den See Blaue Lacke (2289 m). Dafür müssen 780 Höhenmeter überwunden werden.[23.3]
Klettersteige und Klettern
Das Begehen von Klettersteigen wird immer beliebter, daher wurden auch im Stubaital mehrere Klettersteige angelegt. Stand 2026 gibt es 16 Klettersteige.[24] Einer der bekanntesten Klettersteige ist der an der Großen Ochsenwand, bei der 700 Höhenmeter überwunden werden.[25] Im Tal gibt es auch einige Klettergärten, diese sind aber nicht sehr hoch, meist nur zwischen 12 und 60 m.[25] Die alpinen Klettertouren im Stubai sind sehr anspruchsvolle Routen mit schwierigen Sicherungsmöglichkeiten und eher brüchigen Fels. Diese Touren sind nur sehr erfahrenen Kletterern vorbehalten.
Mountainbike- und Radfahren
Im Stubaital gibt es rund 720 km Fahrrad- und Mountainbikewege. Vom gemütlichen Familienfahrradweg auf asphaltierter Strecke bis zum Singletrail für Mountainbiker ist alles vorhanden.[26] Im Oktober 2025 wurde der große Stubai-Radweg eröffnet, der das gesamte Stubaital durchquert und bis zum Wipptal mit Anschluss nach Innsbruck reicht. Die Kosten für diesen Radweg waren hoch, und die Bauarbeiten haben in einigen Teilbereichen erhebliche Eingriffe in die Natur nötig gemacht. Daher war dieser Weg umstritten.[27]
Schifahren

Es gibt im Tal vier Schigebiete. Das größte Schigebiet liegt auf dem beiden Gletschern Schaufelferner und Daunkogelferner, diese liegen östlich beziehungsweise nördlich des Gipfels der Stubaier Wildspitze. Sie werden zusammen mit zwei anderen Gletschern auf der Ötztaler Seite unter dem Begriff „Stubaier Gletscher“ vermarket, obwohl keiner der Gletscher so heißt. Das Schigebiet im vorderen Stubaital bei Fulpmes wird Schlick 2000 genannt, die höchste Bergstation des Gebiets ist auf dem Sennjoch (2240 m). Das Schigebiet Elfer liegt bei Neustift und ist an den Hängen zur Elferspitze angelegt, die höchste Seilbahn endet auf 2080 m. Das vierte Schigebiet erschließen die Serlesbahnen bei Mieders auf der Serles.[28]
Kultur & Tradition
Museen
In Neustift gibt es ein Heimatmuseum, in dem das Leben im Tal vor 100 Jahren dargestellt wird. Es werden typische landwirtschaftliche Geräte, Handwerkszeug, Haushaltsgeräte und alte Photos ausgestellt. Das Heimatmuseum befindet sich in einem alten Bauernhaus.[29] In Fulpmes gibt es das Schmiedemuseum, das die Geschichte des Bergbaus am Schlick, einem nahegelegenen Hochtal, und zeitgenössische Werkzeuge zeigt. Vom Mittelalter bis ins 16. Jahrhundert wurde am Schlick Eisenerz gefördert, das auch im Tal verarbeitet wurde. Im 17. Jahrhundert gab es im Stubaital 45 Schmieden, die Werkzeuge und Waffen herstellten. Das Schmiedemuseum ist im Riedlhaus untergebracht, einer ehemaligen Schmiede am Schlicker Bach.[30] In Fulpmes ist auch das Krippenmuseum.[31]
Darstellende und bildende Kunst
Das Stubaier Bauerntheater spielt regelmäßig im Gemeindesaal von Fulpmes. Es wurde bereits 1903 gegründet und wird vom Brauchtumsverein Fulpmes getragen. Das Programm beinhaltet dramatische Stücke, Lustspiele und Boulevard. War die Stückeauswahl früher eher dem ländlichen Raum angepasst, so werden seit einiger Zeit auch moderne Stücke aufgeführt. Seit 2017 wird einmal im Jahr auch ein Märchen präsentiert. Seit Mitte der 60er Jahre werden auch „Tiroler Abende“ gezeigt, diese haben sich allerdings über die Jahre stark verändert.[32]
Der Maler Herber Danler lebte ebenfalls im Stubaital. Danler porträtierte in seinen Bilder vor allem seine Heimat, seine Bilder zeigen die Hochgebirgslandschaft und die Dörfer des Stubaitals, des Oberinntals und des Vinschgaus. Er habe die Natur und Kultur seiner Heimat gezeigt und sich mit der Vergänglichkeit traditioneller Lebensräume auseinandergesetzt.[33]
Dialekt
Der Stubaier Dialekt gehört zur Westtiroler Familie. Im Taläußeren nähert er sich dem des Wipptales und des Innsbrucker Raumes an, in Neustift gibt es Gemeinsamkeiten mit dem inneren Ziller- oder Ötztal, so z. B. die „Umlautung“ langer Vokale: „Löch“ für Loch, „güet“ für gu(a)t. Eine Besonderheit ist das Fulpmer-„r“, das ähnlich wie im amerikanischen Englisch und dem Oberlausitzischen artikuliert wird. Wortschatz und Syntax weisen einige urtümliche Besonderheiten auf. Das Fulpmerische ist einzigartig in Tirol. In Medraz (Ortsteil von Fulpmes) und in Kampl (Ortsteil von Neustift im Stubaital) besteht jedoch ein Übergang zwischen dem fulpmerischen Dialekt und neustifter Dialekt. Der Stubaier Dialekt wird im vorderen Tal (Schönberg im Stubaital) durch den Innsbrucker Dialekt verdrängt.
Persönlichkeiten
- Michael Pfurtscheller, Handelsherr, Gastwirt und Kampfgenosse Andreas Hofers
- Franz Senn, Pfarrer und Tourismuspionier
Künstler
- Franz de Paula Penz, Pfarrer und Kirchenbauer
- Ludwig Penz, Bildhauer
- Clemens Holzmeister, Architekt
- Herbert Danler, akademischer Maler
Sportler
- Vinzenz Hörtnagl, Gewichtheber
- Markus Prock, Kunstbahnrodler
- Ingo Appelt, Bobfahrer
- Andreas Kofler, Skispringer
- Gregor Schlierenzauer, Skispringer, Skiflieger
- Andreas Orgler, Alpinist, Architekt, Drachenflieger
- Stefan Denifl, Radrennfahrer
Sonstiges
Mit dem Verschmelzen der Talbezeichnung mit bay, englisch für Meeresbucht, wurde der Name StuBay für das im Oktober 2014 grundlegend erneuerte Schwimmbad in Telfes geschaffen.[34]
Bildergalerie
Literatur
- Ludwig Barth, Leopold Pfaundler: Die Stubaier Gebirgsgruppe, Innsbruck 1865.
- Gesellschaft von Freunden des Stubeithales: Stubei: Thal und Gebirg, Land und Leute, Leipzig 1891. Dieses umfassende Nachschlagewerk mit 774 Seiten enthält eine ausführliche Beschreibung des Tales, der Siedlungen und Berge, eine „Geschichte des Fremdenverkehrs“ und informative Beiträge zu Vegetation, Geologie, Tierwelt, Land- und Forstwirtschaft, Geschichte, Verwaltung, Soziales und Kultur, Kirche und Kunst, Industrie und Handel.
- Paul R. Greußing: Durch Stubai, Ein Führer ins Stubai samt Bergführer-Tarif und -verzeichnis, Innsbruck, mehrere Auflagen ab 1905.
- Heinrich und Walter Klier: Alpenvereinsführer Stubaier Alpen, München 1988.
- Heinrich und Walter Klier: Stubai schönes Tal, Innsbruck 2000.
- Otto Kostenzer: Stubai, Innsbruck/Wien/München 1975.
- Hanspaul Menara: Stubaier Alpen. Die Berge zwischen Brenner und Timmelsjoch, Bozen 1981.
- Alois Neuner, Hermann Prechtl: In’s Stubai – Führer durch das Stubaital und seine Gletscherwelt, Innsbruck 1929.
- Hugo Meinhard Schiechtl: Stubaier Wanderbuch, Innsbruck/Wien 1985.
- Karlheinz Töchterle: Stubai. Ein Talbuch, 2. Auflage, Innsbruck/Wien/München 1991.
- Heinz Zak: Stubaier Alpen, München 2003.
Weblinks
Commons: Stubaital – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Stubaital – Reiseführer
Wiktionary: Stubaital – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
- Land Tirol: Planungsverband 21 – Stubaital
- Archivaufnahmen über das Stubaital im Onlinearchiv der Österreichischen Mediathek (Interviews, Radiobeiträge)

