Thierschstraße
Straße in München
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Die Thierschstraße ist eine Innerortsstraße im Stadtbezirk Altstadt-Lehel (Nr. 1) von München.
| Thierschstraße | ||
|---|---|---|
| Blick von der Maximilianstraße durch die Thierschstraße zum Thierschplatz, rechts das Wilhelmsgymnasium | ||
| Basisdaten | ||
| Landeshauptstadt | München | |
| Stadtbezirk | Altstadt-Lehel | |
| Hist. Namen | An der unteren Lände, Fabrikstraße | |
| Name erhalten | 1877[1] | |
| Anschlussstraßen | Rumfordstraße, Triftstraße | |
| Querstraßen | Zweibrückenstraße, Liebherrstraße, Obermaierstraße, Adelgundenstraße, Mariannenstraße, Knöbelstraße, Maximilianstraße, Pfarrstraße | |
| Plätze | Isartorplatz, Mariannenplatz, Thierschplatz | |
| Nummernsystem | Orientierungsnummerierung | |
| Bauwerke | Kirche St. Lukas, Wilhelmsgymnasium | |
| U-Bahnhof | Lehel | |
| Nutzung | ||
| Nutzergruppen | Fußverkehr, Radverkehr, Individualverkehr, Öffentlicher Personennahverkehr | |
| Technische Daten | ||
| Straßenlänge | ca. 750 m | |
Verlauf
Die Straße verläuft von der „klassischen“ Achse der historischen Salzstraße (Neuhauser Straße, Kaufingerstraße, Marienplatz, Tal, Isartorplatz, Zweibrückenstraße) am Ostrand des Isartorplatzes in Verlängerung der Rumfordstraße nach Nordosten abgehend durch den Stadtteil Lehel und folgt dabei ab der Kreuzung mit der Liebherrstraße im Abstand eines Häuserblocks der Isar, deren westlichen Kai die Steinsdorfstraße bildet. Der Mariannenplatz, auf dem die evangelisch-lutherische Pfarrkirche St. Lukas (Mariannenplatz 3) liegt, stellt die Sichtverbindung zur Isar her. Am Südende des Mariannenplatzes schwenkt die Straße nach Nordnordosten und dann nochmals stärker nach Norden und führt zur Maximilianstraße, die sie am Maxmonument quert. Hier verengt sich die Maximilianstraße von ihrer nach Westen forumartigen Anlage in einem Rondell zur Maximiliansbrücke hin. Die Thierschstraße führt weiter westlich am Wilhelmsgymnasium entlang zum Thierschplatz, wo sie sich in die nach Nordnordwesten führende Triftstraße und die nach Nordnordwesten verlaufende Tattenbachstraße teilt. Der Nordteil der Straße ist Teil des Ensembles Platzfolge Lehel: Thierschplatz – Forum Maximilianstraße – Mariannenplatz (Ensemble E-1-62-000-26).
Öffentlicher Personennahverkehr
Die Thierschstraße wird auf ihrer ganzen Länge durch die von der Rumfordstraße kommende Trambahnlinie 16 durchfahren (Haltestellen Isartorplatz, Mariannenplatz, Maxmonument – hier wird das Rondell ausgefahren -, Lehel), die Fortsetzung nach Norden führt in die Triftstraße. Am Maxmonument kreuzt die der Maximilianstraße folgende Trambahnlinie 19. Der Südteil wird durch die S-Bahn-Station Isartor angebunden, der Nordteil durch den U-Bahnhof Lehel der Linien 4 und 5.
An der damaligen Fabrikstraße 20 gab es von 1882 bis 1890 einen Straßenbahnbetriebshof mit einer Stallung für 144 Pferde und einer Wagenremise für 60 Wagen sowie einem Hinterhaus mit Wagenreparaturwerkstatt. Im Vorderhaus waren Direktionsräume untergebracht.[2]
Geschichte
Die Straße liegt im Lehel, das ursprünglich ein von vielen Bächen durchzogenes Auwaldgebiet war. An der Westseite der Thierschstraße verlief der um 1900 überbaute und 1966 trockengelegte Stadthammerschmiedbach mit seinen Mühlen, Schmieden und einer Tabakfabrik und verläuft heute noch unterirdisch der Fabrikbach. Ganz im Norden kreuzte der aufgelassene zum königlichen Holzgarten führende Triftkanal, von dem die Triftstraße ihren Namen hat.[3] Der Teil zwischen Thierschplatz und Mariannenplatz wurde 1877 benannt, die Fortsetzung zum Isartorplatz, bis dahin Fabrikstraße, erst 1890 (nach der Eingemeindung von Neuhausen, auch um eine Doppelbenennung zu vermeiden).[4] Die einheitliche Überbauung der Thierschstraße erfolgte gegen Ende des 19. Jahrhunderts. In der Thierschstraße hatte der nationalsozialistische Franz-Eher-Verlag (Herausgeber des Völkischen Beobachters), ab 1920 seinen Sitz (zunächst Nr. 15, ab 1927 Nr. 11). Ab Februar 1925 hatte bis März 1925 das Parteibüro der NSDAP dort seinen Sitz. Adolf Hitler zog 1920 in die Thierschstraße 41 und wohnte dort bis 1929.[5]
Namensgeber
Die Straße ist nach Friedrich Wilhelm von Thiersch (1784–1860), dem als Praeceptor Bavariae bekannten Philologen, benannt.
Gebäude unter Denkmalschutz
- Nr. 1: Mietshaus, deutsche Renaissance, reich gegliedert, Plan 1900 von Heilmann und Littmann, Ausführung 1902–1903 (Denkmalliste D-1-62-000-6884)
- Nr. 3: Mietshaus, deutsche Renaissance, mit zwei Steinerkern, Plan von Heilmann und Littmann, ausgeführt 1902–1903 (Denkmalliste D-1-62-000-6885),
- Nr. 4: Mietshaus, viergeschossiger Neurenaissancebau mit reich stuckierter Fassade und seitlichen Risaliten, 1881 (Denkmalliste D-1-62-000-6886)
- Nr. 5: Mietshaus, viergeschossiger Neurenaissancebau mit Lisenengliederung, rustiziertem unteren und ziegelverkleidetem oberen Fassadenteil, von Max Deißböck, 1881/82 (Denkmalliste D-1-62-000-6887)
- Nr. 7: Mietshaus, viergeschossiger Neurenaissancebau mit mittigem Polygonalerker, verputzter unterer und ziegelsichtiger oberer Fassade, von Max Deißböck, 1884/85, Fassade vereinfacht (Denkmalliste D-1-62-000-6888)
- Nr. 8: Mietshaus, viergeschossiger, reich stuckierter Neurenaissancebau mit Seitenrisaliten, von Karl Schmidt, um 1883 (Denkmalliste D-1-62-000-6889)
- Nr. 10: Mietshaus, viergeschossiger stuckierter Neurenaissancebau mit schmalen Seitenrisaliten, von Karl Schmidt, 1883 (Denkmalliste D-1-62-000-6890)
- Nr. 11: Geschäftshaus, historisierender Eckbau, 1910/11 von Eugen Hönig und Karl Söldner; zum Teil vereinfacht; baugeschichtliche Gedenktafel; Gruppe mit Liebherrstraße 5 (Denkmalliste D-1-62-000-6891), bis 1945 Eher-Verlag, jetzt Musikhaus
- Nr. 14: Mietshaus, Jugendstil-Eckbau, reich gegliedert und dekoriert, bezeichnet 1907, von Ludwig Franz Spreither (Denkmalliste D-1-62-000-6892)
- Nr. 19: Mietshaus, viergeschossiger Neurenaissance-Eckbau mit abgeschrägter risalitartiger Ecke und turmartig erhöhtem Eckerker, von Ludwig Deiglmayr, bezeichnet 1890 (Denkmalliste D-1-62-000-6894)
- Nr. 20: Mietshaus, stattlicher Eckbau in Backstein-Neurenaissance, reich gegliedert, laut Inschrift 1894 von Karl Stöhr (Denkmalliste D-1-62-000-6895)
- Nr. 21: Mietshaus, neubarock, reich gegliedert, 1893 von Franz Hammel (Denkmalliste D-1-62-000-6896)
- Nr. 22: Mietshaus, malerischer Eckbau in deutscher Renaissance, reich gegliedert, mit plastischem Dekor, bezeichnet 1900, von Ludwig Grothe (Denkmalliste D-1-62-000-6897)
- Nr. 23: Mietshaus, neubarocker Eckbau, mit Stuckdekor, 1893–1894 von Franz Hammel (Denkmalliste D-1-62-000-6898)
- Nr. 25: Mietshaus, neubarocker Eckbau, mit Kuppel, 1889 von Albin Lincke und Max Littmann; mit reichem plastischem Dekor von Anton Kaindl; bildet mit Nr. 27 und dem spiegelbildlichen Nr. 29 eine den Mariannenplatz westlich begrenzende, monumentale Baugruppe (Denkmalliste D-1-62-000-6899)
- Nr. 26: Mietshaus, fünfgeschossiger lisenengegliederter Neurenaissance-Eckbau mit niedrigeren Seitenflügeln und abgeschrägter übergiebelter Ecke mit Kastenerker, von Heinrich Neumann, 1893, ab 1894 Ernst Schnetzler (Denkmalliste D-1-62-000-6900)
- Nr. 27: Mietshaus, risalitartig überhöhter Mittelbau einer neubarocken, monumentalen Baugruppe mit Nr. 25 und 29, mit betont prächtiger Hausteinfassade, 1889 von Albin Lincke und Max Littmann (Denkmalliste D-1-62-000-6901)
- Nr. 29: Mietshaus, neubarocker Eckbau, mit Kuppel, 1889 von Albin Lincke und Max Littmann; bildet mit Nr. 27 und dem spiegelbildlichen Nr. 25 eine den Mariannenplatz westlich begrenzende, monumentale Baugruppe (Denkmalliste D-1-62-000-6902)
- Nr. 31: Mietshaus, stattlicher Neurenaissance-Eckbau, 1881 nach Plan des Besitzers, Architekt Sigmund Aichinger (Denkmalliste D-1-62-000-6903)
- Nr. 32: Mietshaus, Neurenaissance, reich gegliederte Erkerfassade, 1879–1880 von Hans Osswald und Philip Adam (Denkmalliste D-1-62-000-6904)
- Nr. 33: Mietshaus, Neurenaissance, reich gegliedert, bezeichnet 1877, von Alois Dietz (Denkmalliste D-1-62-000-6905)
- Nr. 35: Mietshaus, Neurenaissance, reich gegliedert, mit Erker, 1877 von Hans Osswald und Philip Adam; bildet eine stattliche Gruppe mit Nr. 37 (Denkmalliste D-1-62-000-6906)
- Nr. 36: Mietshaus, Neurenaissance, reich gegliedert, mit Erker und plastischem Dekor, 1879 von Hans Osswald und Philip Adam (Denkmalliste D-1-62-000-6907)
- Nr. 37: Mietshaus, Neurenaissance, reich gegliedert, mit Erkern, 1877 von Hans Osswald und Philip Adam; stattliche Gruppe mit Nr. 35 (Denkmalliste D-1-62-000-6908)
- Nr. 41: Mietshaus, klassische Renaissance, reich gegliedert, 1877–1878 von Albert Schmidt. Wohnsitz von Adolf Hitler in den Jahren 1920–1929 (Denkmalliste D-1-62-000-6909)
- Nr. 46: Gymnasium (Wilhelmsgymnasium), viergeschossiger, stattlicher, reich gegliederter Neurenaissancebau mit erhöhten Eckpavillons (der südwestliche in zweifarbigem Sandstein), von Karl Leimbach, 1875–1877, Figurenschmuck von Anton Heinrich Hess, 1902 Längstrakt aufgestockt, nach Kriegsschäden 1950–1954 vereinfacht wiederaufgebaut; Einfriedung, Balustradeneinfriedung mit Eisentor, 1881 (Denkmalliste D-1-62-000-6910)
- Nr. 47: Mietshaus, Neurenaissance, 1879 von Georg Bürkel; Wohnhaus des Schriftstellers Maximilian Schmidt gen. Waldschmidt, der hier 1919 starb (Gedenktafel) (Denkmalliste D-1-62-000-6911)
- Nr. 48: Bayerische Versicherungskammer, (Westbau), Neurenaissance, 1877–1879; zum Teil vereinfacht; vergleiche Sternstraße 3 und Gewürzmühlstraße 8 (Denkmalliste D-1-62-000-6912)
- Nr. 49: Mietshaus, viergeschossiger, reich gegliederter Neurenaissancebau mit Mittelbalkonen und Seitenrisaliten, von Franz Rattenhuber, 1882 (Denkmalliste D-1-62-000-6913)
- Nr. 51: Mietshaus, viergeschossiger stuckierter Neurenaissancebau mit seitlichen Risaliten am abgeknickten nördlichen Fassadenteil, von Franz Rattenhuber, 1882 (Denkmalliste D-1-62-000-6914)
- Nr. 53: Mietshaus, Neurenaissance-Eckbau, Ende 19. Jahrhundert; obere Geschosse zum Teil vereinfacht (Denkmalliste D-1-62-000-6915)
- Nr. 55: Mietshaus, Eckbau in reich gegliederten Neurenaissanceformen, zum Teil Rohbackstein, 1899 von Hermann Berthold (Denkmalliste D-1-62-000-6916)
- Thierschstraße 1
- Thierschstraße 3
- Thierschstraße 4
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- Thierschstraße 32
- Thierschstraße 33
- Thierschstraße 35/37
- Thierschstraße 36
- Thierschstraße 41
- Thierschstraße 47
- Thierschstraße 48 (Versicherungskammer)
- Thierschstraße 49
- Thierschstraße 51
- Thierschstraße 53
- Thierschstraße 55
Schule

- Wilhelmsgymnasium, Thierschstraße 46
Kirche

- St. Lukas, zwischen Thierschstraße und Steinsdorfstraße, Mariannenplatz 3
In der Nähe
- GOP Varieté-Theater (Eckhaus zur Maximilianstraße), zuvor Kleine Komödie am Max II
Literatur
- Hans Dollinger: Die Münchner Straßennamen. 8. Aufl. 2016, Chr. Belser Ges. für Verlagsgeschäfte, Stuttgart, ISBN 978-3-7630-4039-1, S. 311.
- Heinrich Habel/Klaus Merten/Michael Petzet/Siegfried von Quast: Münchener Fassaden. Bürgerhäuser des Historismus und des Jugendstils. Prestel-Verlag München 1974, ISBN 3-7913-0048-2, S. 319 (Text) und Abb. 333–336.

