Wikiwand AI

Tolstowo (Kaliningrad)

Ort in der russischen Oblast Kaliningrad From Wikipedia, the free encyclopedia

Tolstowo (russisch Толстово, deutsch Löbegallen, 1938 bis 1945 Löbenau, litauisch Liepgalis) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad. Er gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Munizipalkreis Krasnosnamensk im Rajon Krasnosnamensk.

Schnelle Fakten Geographische Lage ...
Siedlung
Tolstowo
Löbegallen (Löbenau)

Толстово
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Krasnosnamensk
Frühere Namen Bajorgallen,
Loebegallen (vor 1770),
Löbgallen (nach 1770),
Löbegallen (nach 1785 bis 1938),
Löbenau (1938–1945)
Bevölkerung 185 Einwohner
(Stand: 1. Okt. 2021)[1]
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40164
Postleitzahl 238740
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 218 000 050
Geographische Lage
Koordinaten 54° 54′ N, 22° 23′ O
Tolstowo (Kaliningrad) (Europäisches Russland)
Tolstowo (Kaliningrad) (Europäisches Russland)
Lage im Westteil Russlands
Tolstowo (Kaliningrad) (Oblast Kaliningrad)
Tolstowo (Kaliningrad) (Oblast Kaliningrad)
Lage in der Oblast Kaliningrad
Schließen

Geographische Lage

Tolstowo liegt am Südufer der Inster (heute russisch: Instrutsch) an einer Nebenstraße (27K-105), welche die Rajonstadt Krasnosnamensk (Lasdehnen/Haselberg) über Belkino (Groß Wersmeningken/Langenfelde) mit Uslowoje (Rautenberg) verbindet. Bis zur einstigen Kreisstadt Pillkallen (1938 bis 1945 Schloßberg, russisch Dobrowolsk) sind es 19, bis nach Krasnosnamensk 9 Kilometer. Eine Bahnanbindung besteht nicht.

Geschichte

Der Gutsbezirk Löbegallen auf zwei Messtischblättern von 1927 und 1937

Das heutige Tolstowo geht auf die 1539 erstmals genannte größere Ansiedlung Boiorgallen zurück. Bei diesem Dorf wurde 1563 der herzogliche (staatliche) Hof Bayorgallen errichtet, auf dem die Bauern der Umgebung erstmals scharwerken mussten. Dieser Ortsname ging auf Bajoras zurück, ein Angehöriger des niederen litauischen Adels. Das nach der Großen Pest ausgestorbene Bauerndorf Bajohrgallen wurde zum staatlichen Hof Bajohrgallen geschlagen und das Ganze 1723 zur Domäne Löbegallen gemacht. Der neue Ortsname enthielt den Personennamen des Generallieutenants Freiherr von Löben und die litauische Endung –gallen (gallas = Ende eines Flusses, Quellgebiet). Um 1730 wurde auch das wüst liegende Schatull-Dorf Lindicken zur Domäne gezogen.[2] Es gab dort eine Wasser- und eine Windmühle.[3]

Im Jahre 1874 wurde der Gutsbezirk Löbegallen namensgebend für einen Amtsbezirk im Kreis Pillkallen.[4] Zu dem Gutsbezirk gehörten neben dem eigentlichen Gut auch das Dorf Löbegallen mit Schule und Wirtshaus – auch Schule Löbegallen genannt – und die Vorwerke Neu-Löbegallen und Schradersleben. 1928 wurde der Gutsbezirk in eine Landgemeinde umgewandelt. 1938 wurde Löbegallen in Löbenau umbenannt. Entsprechend wurde der Name von Neu-Löbegallen in Neulöbenau geändert.

In Folge des Zweiten Weltkrieges kam der Ort 1945 mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion. Im Jahr 1947 erhielt er den russischen Namen Tolstowo und wurde gleichzeitig Sitz eines Dorfsowjets im Rajon Krasnosnamensk.[5] Das ehemalige Vorwerk Neu-Löbegallen wurde 1950 mit dem ehemaligen Gutsbezirk Ragupönen zum neuen Ort Meschduretschje zusammengefasst und gehört heute laut Karte zu Uslowoje. Das ehemalige Vorwerk Schradersleben wurde 1950 mit den ehemaligen Orten Alt und Neu Moritzlauken (Moritzfelde) zum neuen Ort Kortschagino zusammengefasst und wurde verlassen.

Nach der Auflösung des Dorfsowjets im Jahr 1965 gelangte Tolstowo in den Chlebnikowski selski Sowet. Von 2008 bis 2015 gehörte der Ort zur Landgemeinde Wesnowskoje selskoje posselenije, von 2016 bis 2021 zum Stadtkreis Krasnosnamensk und seither zum Munizipalkreis Krasnosnamensk.

Einwohnerentwicklung

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Jahr Einwohner Bemerkungen
1867[6]267
1871[6]269
1885[7]312Davon im Dorf Löbegallen 14, in Neu-Löbegallen 50, in Schradersleben 24
1905[8]193Davon in Schule Löbegallen 13, in Neu-Löbegallen 39, in Schradersleben 11
1910[9]171
1925[10]236
1933[11]211
1939[12]188
1984[13]~ 230
2002[14]158
2010[15]186
2021[16]185
Schließen

Amtsbezirk Löbegallen/Löbenau 1874–1945

Der Amtsbezirk Löbegallen setzte sich anfangs aus sechs Landgemeinden (LG) und zwei Gutsbezirken (GB) zusammen. Am Ende gehörten noch sieben Gemeinden zum 1939 umbenannten Amtsbezirk Löbenau:[4]

Weitere Informationen Name, Änderungsname von 1938 ...
NameÄnderungsname
von 1938
Russischer Name
nach 1945
Bemerkungen
Bagdohnen (LG)RodungenScheikino
Groß Wersmeningken (LG)LangenfeldeBelkino
Klein Wersmeningken (LG)Dreßlershausen
Klohnen (LG)(Wyschkino)
Laukehlischken (LG)seit 1928:
Cäsarsruhe
Danilewskoje
Löbegallen (GB)LöbenauTolstowoseit 1928 LG
Payszeln (LG)
1936–38: Payscheln
InsterwangenLwowskoje
Trakinnen (GB)1928 in die LG Laukehlischken eingemeindet
Schließen

Tolstowski selski Sowet 1947–1965

Der Dorfsowjet Tolstowski selski Sowet (ru. Толстовский сельский Совет) wurde im Juli 1947 eingerichtet.[5] Im Jahr 1965 wurde er wieder aufgelöst und seine Orte an die Dorfsowjets Chlebnikowski selski Sowet, Dobrowolski selski Sowet und Wesnowski selski Sowet verteilt.

Weitere Informationen Ortsname, Name bis 1947/50 ...
OrtsnameName bis 1947/50OrtsnameName bis 1947/50
Belkino (Белкино)Groß Wersmeningken/LangenfeldePriwolnoje (Привольное)Neu Wischteggen/Henndorf
Chlebnikowo (Хлебниково)Schilleningken/EbertannSamarskoje (Самарское)Bergershof
Danilewskoje (Данилевское)Trakinnen/zu Cäsarsruhe und Laukehlischken/CäsarsruheScheikino (Шейкино)Bagdohnen/Rodungen
Dunaiskoje (Дунайское)Alt Wingeruppen/Windungen und Czuppen/SchuppenSchirokodolje (Широкодолье)Antskrebben/Hutfelde
Korobowo (Коробово)KarohnenSchkolnoje (Школьное)Mittenwalde[17]
Kortschagino (Корчагино)Alt Moritzlauken/Altmoritzfelde, Neu Moritzlauken/Moritzfelde und SchraderslebenSorokino (Сорокино)Groß Skaisgirren/Großschirren
Krasnoselskoje (Красносельское)Girrehlischken[18]Stolbowoje (Столбовое)Birkenfelde [Kr. Tilsit-Ragnit]
Kurganskoje (Курганское)BärenfangSumarokowo (Сумароково)Klein Jodupönen/Kleinsorge
Lugowoje (Луговое)Blumenthal
Lwowskoje (Львовское)Payszeln/InsterwangenSuslowo (Суслово)Poplienen/Poplingen
Melnitschnoje (Мельничное)Brödlaugken/BrödenSussanino (Сусанино)Paulshof
Meschduretschje (Междуречье)Neu Löbegallen/Neulöbenau und Ragupönen/MittenwaldeTolstowo (Толстово)Löbegallen/Löbenau
Mostowoje (Мостовое)Laugallen/KleehausenUslowoje (Узловое)Rautenberg
Plankino (Планкино)Bagdohnen [Fh.]/Rodungen [Fh.]Wyschkino (Вышкино)Königshuld I
Schließen

Der laut Erlass ebenfalls in den Tolstowski selski Sowet eingeordnete Ort Torfjanoje (Waszeningken/Waschingen) gelangte (vor 1975) in den Malomoschaiski selski Sowet im Rajon Neman.

Kirche

Die Bevölkerung Löbegallens resp. Löbenaus war vor 1945 fast ohne Ausnahme evangelischer Konfession. Das Dorf war in das Kirchspiel der Kirche Lasdehnen (der Ort hieß zwischen 1938 und 1946: Haselberg, heute russisch: Krasnosnamensk) eingepfarrt. Sie war Teil des Kirchenkreises Pillkallen (Schkloßberg) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Heute liegt Tolstowo im weitflächigen Einzugsbereich der neu entstandenen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Sabrodino (Lesgewangminnen, 1938 bis 1946 Lesgewangen) innerhalb der Propstei Kaliningrad[19] (Königsberg) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

Einzelnachweise

Related Articles

Timelines

Top Qs

Fact Checks