Prawdino (Kaliningrad, Krasnosnamensk)

Ort in der russischen Oblast Kaliningrad From Wikipedia, the free encyclopedia

Prawdino (russisch Правдино, deutsch Grumbkowkeiten, 1928–1947: Grumbkowsfelde, auch: Wingern, litauisch Grambkaukaičiai und Vingriai) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad. Prawdino liegt im Rajon Krasnosnamensk und gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Munizipalkreis Krasnosnamensk.

Schnelle Fakten Geographische Lage ...
Siedlung
Prawdino
Grumbkowkeiten (Grumbkowsfelde),
auch: Wingern

Правдино
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Krasnosnamensk
Frühere Namen Jannaytschen (nach 1625),
Jannaitschen (nach 1725),
Grumbckokaiten (um 1736),
Grumbkowkeiten (bis 1928),
Grumbkowsfelde (bis 1947);
Wingeruppen (um 1769),
Wingern (bis 1945)
Bevölkerung 354 Einwohner
(Stand: 1. Okt. 2021)[1]
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40164
Postleitzahl 238734
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 218 000 042
Geographische Lage
Koordinaten 54° 50′ N, 22° 36′ O
Prawdino (Kaliningrad, Krasnosnamensk) (Europäisches Russland)
Prawdino (Kaliningrad, Krasnosnamensk) (Europäisches Russland)
Lage im Westteil Russlands
Prawdino (Kaliningrad, Krasnosnamensk) (Oblast Kaliningrad)
Prawdino (Kaliningrad, Krasnosnamensk) (Oblast Kaliningrad)
Lage in der Oblast Kaliningrad
Schließen

Geographische Lage

Prawdino liegt südlich der Inster (russisch: Instrutsch), elf Kilometer von der ehemaligen Kreisstadt Dobrowolsk (Pillkallen/Schloßberg) und 18 Kilometer von der Rajonstadt Krasnosnamensk (Lasdehnen/Haselberg) entfernt an der Kommunalstraße 27K-299, die Leskowo (Rammonischken/Hagenfließ) an der Regionalstraße 27A-026 (ex R511) mit Nikitowka (Uszpiaunen/Kiesdorf) an der Regionalstraße 27A-025 (ex R508) verbindet.

Bis 1945 war der Ort Bahnstation an der Bahnstrecke Pillkallen–Lasdehnen (bzw. Schloßberg–Haselberg, russisch: Dobrowolsk-Krasnosnamensk) und Ausgangspunkt der Bahnstrecke Grumbkowkeiten–Schirwindt (Grumbkowsfelde-Schirwindt, russisch: Prawdino-Kutusowo), welche die Pillkaller Kleinbahn bzw. die Schloßberger Kleinbahnen betrieben.

Geschichte

Grumbkowkeiten/Grumbkowsfelde

Die Gemeinde Grumbkowsfelde auf einem Messtischblatt von 1938

Grumbkowkaiten war um 1780 ein königliches Vorwerk und Sitz eines Domänenamtes und besaß auch zwei Windmühlen.[2] Dazu gehörte auch die königliche Amtsmilchbude Milchbude. 1874 wurde der Gutsbezirk Grumbkowkeiten namensgebender Ort eines neu geschaffenen Amtsbezirks im Kreis Pillkallen.[3] 1928 wurde Grumbkowkeiten in Grumbkowsfelde umbenannt und der Gutsbezirk in eine Landgemeinde umgewandelt. Infolge des Zweiten Weltkrieges kam der Ort bei seiner Lage innerhalb des nördlichen Ostpreußens zur Sowjetunion.

Einwohnerentwicklung

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Jahr Einwohner Bemerkungen
1867[4]251
1871[4]251davon im Vorwerk Milchbude 69, in der Erbmühle 6
1885[5]258davon im Vorwerk Milchbude 72, in der Mühle 8
1905[6]236davon im Vorwerk Milchbude 58, in der Mühle 5
1910[7]241
1925[8]331[9]
1933[10]146
1939[11]116
Schließen

Amtsbezirk Grumbkowkeiten (Grumbkowsfelde) 1874–1945

Der Amtsbezirk Grumbkowkeiten bestand bei seiner Bildung im Jahre 1874 aus zehn Landgemeinden (LG) und zwei Gutsbezirken (GB):[3]

Weitere Informationen Name, Änderungsname von 1938 ...
NameÄnderungsname
von 1938
Russischer Name
nach 1945
Bemerkungen
Bauszen (LG)BauschenSwobodnoje1928 zur LG Jägerswalde im Amtsbezirk Girrehlischken
Bilden (LG)Filonowo
Erubischken (LG)Hopfendorf (1929)Kamenskoje
Grumbkowkeiten (Domäne) (GB)Grumbkowsfelde (1928)Prawdino
Kallnehlischken (LG)Ebenhausen (Ostpr.)Ismailowo
Krusen (LG)Kubanka
Kurschehlen (GB)SiedlerfeldeNowosjolowoseit 1928 LG
Kurschen (LG)Archangelskoje
Laugallen (Ksp. Willuhnen) (LG)Kleinjägerswalde1928 zur LG Jägerswalde im Amtsbezirk Girrehlischken
Patilszen (LG)Insterwalde (1931)Otradnoje
Schorellen, Forst (GB) [teilweise]
(Milchbude, Forstkolonie)
(Archangelskoje)gehörte offenbar von 1924 bis 1929 zum Amtsbezirk Schorellen, 1929 zur LG Kurschehlen
Wensken (LG)
Wingern (LG)(Prawdino)
Schließen

1935 wurden die Landgemeinden in Gemeinden umbenannt. Seit 1939 hieß der Amtsbezirk Grumbkowsfelde. Am 1. Januar 1945 gehörten zum Amtsbezirk Grumbkowsfelde die zehn Gemeinden Bilden, Ebenhausen, Grumbkowsfelde, Hopfendorf, Insterwalde, Krusen, Kurschen, Siedlerfelde, Wensken und Wingern.

Wingern

Die Gemeinde Wingern auf einem Messtischblatt von 1938

Wingern, zunächst Wingeruppen genannt, war um 1780 ein königliches Bauerndorf.[12] 1874 kam die Landgemeinde Wingern in den Amtsbezirk Grumbkowkeiten.[3] Wingern hatte einen eigenen Haltepunkt an der Bahnstrecke Pillkallen–Lasdehnen (Schloßberg–Haselberg, russisch: Dobrowolsk–Krasnosnamensk) der Pillkaller Kleinbahn. Auch Wingern kam 1945 zur Sowjetunion.

Einwohnerentwicklung

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Jahr Einwohner
1867[4]237
1871[4]231
1885[5]207
1905[6]159
1910[7]160
1933[10]147
1939[11]129
Schließen

Prawdino

Das eigentliche Grumbkowkeiten/Grumbkowsfelde erhielt 1947 nach der kommunistischen Parteizeitung Prawda die russische Bezeichnung Prawdino.[13] Gleichzeitig wurde der Ort Sitz eines Dorfsowjets im Rajon Krasnosnamensk. Gemäß dem Ortsverzeichnis der Oblast Kaliningrad von 1976 wurde auch das ehemalige Wingern zu Prawdino gezählt.[14] Von 2008 bis 2015 gehörte Prawdino zur Landgemeinde Dobrowolskoje selskoje posselenije, von 2016 bis 2021 zum Stadtkreis Krasnosnamensk und seither zum Munizipalkreis Krasnosnamensk.

Einwohnerentwicklung

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Jahr Einwohner
1984[15]~ 270
2002[16]477
2010[17]499
2021[18]354
Schließen

Prawdinski selski Sowet/okrug 1947–1954 und 1959–2008

Der Dorfsowjet Prawdinski selski Sowet (ru. Правдинский сельский Совет) wurde im Juni 1947 eingerichtet.[13] Von 1954 bis 1959 war der Dorfsowjet aufgelöst und an den Pobedinski selski Sowet angeschlossen.[19] Im Jahr 1959 wurde dann (offenbar) ein Teil des aufgelösten Nowouralski selski Sowet mit in den wieder eingerichteten Prawdinski selski Sowet einbezogen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion bestand die Verwaltungseinheit als Dorfbezirk Prawdinski selski okrug (ru. Правдинский сельский округ). Im Jahr 2008 wurden die fünf verbliebenen Orte des Dorfbezirks in die neu gebildete Landgemeinde Dobrowolskoje selskoje posselenije eingegliedert.

Weitere Informationen Ortsname, Name bis 1947/50 ...
OrtsnameName bis 1947/50Bemerkungen
Archangelskoje (Архангельское)Kurschen und Milchbude (Forstkolonie)[20]Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1988 verlassen.
Filonowo (Филоново)BildenDer Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 verlassen.
Ismailowo (Измайлово)Kallnehlischken, 1938–1945: „Ebenhausen“Der Ort wurde 1947 (als „Kallen“) umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Nowouralski eingeordnet. Er verlor vor 1988 seine Eigenständigkeit.
Kamenskoje (Каменское)Erubischken/seit 1929: HopfendorfDer Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1988 verlassen.
Krylowskaja (Крыловская)Milchbude (Vorwerk)Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 verlassen.
Kubanka (Кубанка)KrusenDer Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 verlassen.
Lossewo (Лосево)Groß Augstutschen/seit 1930: Rehwalde und Kiauschen, 1938–1945: „Wetterau“[21]Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Mitschurinski eingeordnet.
Luschskoje (Лужское)Uszballen/Uschballen, 1938–1945: „Eichbruch“Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1988 verlassen.
Nikitowka (Никитовка)Uszpiaunen/Uschpiaunen, 1938–1945: „Kiesdorf“Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Nowouralski eingeordnet.
Nowosjolowo (Новосёлово)Kurschehlen, 1938–1945: „Siedlerfelde“Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen.
Nowouralsk (Новоуральск)Uszpiaunehlen/Uschpiaunehlen, 1938–1945: „Fohlental“, und Petereithelen [Dorf], 1938–1945: „Schleswighöfen“[22]Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst der Verwaltungssitz des Dorfsowjets Nowouralski.
Otradnoje (Отрадное)Patilszen/seit 1931: InsterwaldeDer Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1988 verlassen.
Poltawskoje (Полтавское)Groß Rudszen/Groß Rudschen, 1938–1945: „Mühlenhöhe“, und Neu Rudszen/Neu Rudschen, 1938–1945:zu Mühlenhöhe“[23]Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Nowouralski eingeordnet.
Prawdino (Правдино)Grumbkowkeiten/GrumbkowsfeldeVerwaltungssitz
Prigorki (Пригорки)Klein Augstutschen/zu RehwaldeDer Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Mitschurinski eingeordnet. Er wurde vor 1988 verlassen.
Schatilowo (Шатилово)Uszrudzen/Uschrudschen, 1938–1945: „Talwiesen“Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Nowouralski eingeordnet. Er wurde vor 1975 verlassen.
Serkalnoje (Зеркальное)Kötschen, 1938–1945: „Köschen“Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 verlassen.
Swobodnoje (Свободное)JägerswaldeDer Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1988 verlassen.
Schließen

Kirche

Die Bevölkerung von Grumbkowkeiten respektive Grumbkowsfelde sowie Wingern war vor 1945 überwiegend evangelischer Konfession. Beide Orte waren in das Kirchspiel der Kirche Willuhnen (der Ort existiert nicht mehr) eingepfarrt, das zum Kirchenkreis Pillkallen (die Stadt hieß 1938–1946: Schloßberg, russisch heute: Dobrowolsk) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union gehörte.

Heute liegt Prawdino im Einzugsbereich zweier evangelisch-lutherischer Gemeinden, die in den 1990er Jahren neu entstanden sind: Babuschkino (Groß Degesen) und Sabrodino (Lesgewangminnen, 1938–1945: Lesgewangen). Beide sind Filialgemeinden der Salzburger Kirche in Gussew (Gumbinnen) innerhalb der Propstei Kaliningrad[24] der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER).

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI