Universitäre Psychiatrische Dienste Bern

psychiatrische/psychotherapeutische Universitätsspitäler der Universität Bern From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Universitären Psychiatrischen Dienste Bern (UPD)[2] umfassen die psychiatrischen/psychotherapeutischen Universitätsspitäler der Universität Bern und sind das Kompetenzzentrum für Psychiatrie und Psychotherapie im Kanton Bern und den angrenzenden Kantonen. Die UPD wurde 1995 durch Zusammenschluss von Kliniken gegründet und ist seit 2017 eine selbständige gemeinnützige Aktiengesellschaft im Besitz des Kantons Bern.[3] Das Aktienkapital wurde auf 39,4 Millionen Franken festgelegt.[4]

TrägerschaftAG, Kanton Bern ist Alleinaktionär
OrtBern
KantonBern
StaatSchweiz
Schnelle Fakten Trägerschaft, Ort ...
Universitäre Psychiatrische Dienste (UPD) Bern
Logo
Zentralbau am Campus Bolligenstrasse
Trägerschaft AG, Kanton Bern ist Alleinaktionär
Ort Bern
Kanton Bern
Staat Schweiz
Koordinaten 603254 / 201764
Vorsitzende der Geschäftsleitung Barbara Schunk
Versorgungsstufe Grundversorgung und Spezialversorgung
Betten 348, 150 tagesklinische Plätze (2025)[1]
Mitarbeiter 1320 (Vollzeit 2025)[1]
davon Ärzte 286 (und Psychologen, Vollzeit 2025)[1]
Jahresetat 187'712 Tausend CHF (Betriebsaufwand 2025,
2024: 202'961)[1]
Gründung 18. November 1855 (Irren-, Heil- und Pflegeanstalt Waldau), als UPD 1996
Website upd.ch
Lage
Universitäre Psychiatrische Dienste Bern (Stadt Bern)
Universitäre Psychiatrische Dienste Bern (Stadt Bern)
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Ihr kantonaler Leistungsauftrag umfasst die psychiatrische Grundversorgung aller Altersgruppen in der Region Bern sowie von Kindern und Jugendlichen im ganzen Kanton Bern und Angebote im Bereich der Wohn- und Arbeitsrehabilitation.

Sie bietet die gesamte psychiatrische Versorgungskette von der Früherkennung über die ambulante, teilstationäre und stationäre Behandlung bis hin zur Rehabilitation und Reintegration von Menschen mit einer psychischen Erkrankung an. Als Universitätsspital leistet die UPD zudem einen wesentlichen Beitrag zur psychiatrischen Spezialversorgung sowie zur Aus-, Weiter- und Fortbildung, Lehre und Forschung. Mehrere entsprechend qualifizierte Leitungspersonen aus dem akademischen Bereich, darunter alle Klinikdirektoren, sind zugleich Professoren der Universität Bern.[5][6]

Fusion ab Juni 2026 und neuer Name UPZ

Per 30. Juni 2026 wollen sich die UPD und das Psychiatriezentrum Münsingen (PZM) zu einem neuen Unternehmen zusammenschliessen. Dieses soll Universitäres Psychiatrisches Zentrum Bern (UPZ) heissen und eine AG im Besitz des Kantons Bern bleiben.[7] An der Fusion von UPD und Psychiatriezentrum Münsingen (PZM) wird seit 2023 gearbeitet. Der Berner Regierungsrat war im Herbst 2025 der Ansicht, dass «die Voraussetzungen für eine Fusion gegeben sind». Der Regierungsrat nahm zur Kenntnis, dass mit der Fusion Beiträge für die Finanzierung der Umstrukturierung, Darlehen, Bürgschaften und eine Kapitalerhöhung verbunden sein werden. Im Zusammenhang mit der geplanten Fusion sind verschiedene Detailfragen noch in Klärung, so die langfristige Infrastruktur- und Standortplanung, die konkrete Ausgestaltung der Finanzierung sowie die Weiterentwicklung des gemeinsamen Versorgungsmodells.[8][9]

Für 2023 sahen die Gewichte bei einer Fusion für UPD[10] und PZM[11] wie folgt aus:

Weitere Informationen Stationäre Behandlung, Tagesklinische Fälle ...
2023 Stationäre Behandlung Tagesklinische Fälle ambulante Konsultationen Mitarbeitende davon Ärzte und Psychologen
UPD 4'277 890 16'514 1246 255
PZM 2'890 47 2'493 798 73 Ärzte und 51 Psychologen
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Struktur des UPZ nach der Fusion mit dem PZM

Der Zusammenschluss von UPD mit dem Psychiatriezentrum Münsingen (PZM) erfordert auch eine neue Struktur der Kliniken und Einrichtungen. Kommuniziert wurden folgende Veränderungen:

  • Wita: Das Zentrum Psychiatrische Rehabilitation (ZPR) der UPD und der Bereich Wohnen und Arbeiten (AWA) des PZM schliessen sich unter diesem Namen zusammen, W steht für Wohnen/Werkstätten, I für Inklusion/Integration, T für Tagesstätten/Tagestruktur und A für Arbeit. Es entstehe eine der grössten sozialmedizinischen Institutionen im Kanton Bern, die über 3000 Menschen pro Jahr in psychiatrischen und psychosozialen Anliegen begleite.[12]

Struktur der UPD vor der Fusion mit dem PZM

Die UPD verfügt über ein umfassendes Angebot für jüngere und ältere Erwachsene sowie Kinder und Jugendliche. Sie betreibt laut Eigenangaben über 30 Standorte im Kanton Bern.[13] Den traditionellen Kern bildet der heute Campus Bolligenstrasse genannte Standort im Nordosten der Stadt Bern, früher wurden Klinik und Gelände auch die Waldau genannt.[5]

Die UPD Bern besteht Stand Juni 2026 aus folgenden Kliniken, Einrichtungen und Direktionen:[5]

  • Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie (UKPP, Bern, Bolligenstrasse)
    • Ambulante Sprechstunde am Standort Murtenstrasse[14]
    • Kompetenz-Zentren der UKPP (Stand Juni 2026)[15]
      • Zentrum für Schizophrenie und Psychose
      • Zentrum für Suchtpsychiatrie
      • Zentrum Psychotherapie
      • Zentrum Suizidprävention
      • Zentrum für Interventionelle Psychiatrie und Augmentierte Psychotherapie (KIPAP)
      • Gemeindepsychiatrisches Zentrum (GPZ)
      • Früherkennungs- und Therapiezentrum für psychische Krisen (FETZ) Hallerstrasse, auch Kinder und Jugendliche
      • Recovery und Peer-Involvement
    • Kriseninterventionszentrum KIZ[16]
  • Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie[17]
    • FETZ Bern, Berner Früherkennungs- und Therapiezentrum für psychische Krisen (Bern, Hallerstrasse) Ziel, Anzeichen einer beginnenden psychischen Störung bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 8 und 18 Jahren, sowie Erwachsene bis 40 Jahren früh abzuklären, um Betroffene und ihre Angehörigen beraten zu können.[18]
    • Berner Zentrum für Essstörungen im Kindes- und Jugendalter[19]
      • Therapiezentrum für Essstörungen TZE (Moosseedorf)
      • Ambulatorium für Essstörungen (Bern Hallerstrasse)
  • Universitätsklinik für Alterspsychiatrie und Psychotherapie
    • Ambulante Angebote Murtenstrasse (Inselareal)
    • Alterspsychiatrische Tageskliniken Murtenstrasse und Bolligenstrasse
    • Stationen Streit und Beyeler (Akutstationen) am Standort Bolligenstrasse (Zentralgebäude)[20]
  • Universitätsklinik für Forensische Psychiatrie und Psychologie (FFP, seit Februar 2024)[21]
  • Zentrum Psychiatrische Rehabilitation (Arbeit-, Wohn- und Freizeiteinrichtungen der UPD seit Mai 2018)[22][23]
    • Tagesstätte Ost (Bern, Moserstrasse), Tagesstätte Mitte (Bern, Murtenstrasse), Tagesstätte West (Bern, Looslistrasse)
    • Direktion Psychiatrische Rehabilitation (Köniz)[24]
    • Werkstätten Bern (u. a. Gärtnerei, Holzplatz und Holzwerkstatt, Töpferei und Keramikwerkstatt, Textilwerkstatt)[25]
    • WohnAutonom Bern und Burgdorf, WohnPassage Weidli Kehrsatz, SoWohnen (betreutes Wohnen in Gastfamilien).[13]
  • Direktionen für Medizin und Pflege, für Lehre und Forschung für Human Resources, der Betriebe und für Finanzen
  • Das Recovery College Bern ist als eine Initiative der UPD entstanden. Es bietet Lern- und Austauschmöglichkeiten zu den Themen psychische Gesundheit, psychische Krisen und selbstbestimmte Lebensgestaltung. Die finanzielle und personelle Unterstützung durch die UPD wurde ab 1. Februar 2024 gestrichen. Das Frühlingssemester 2024 wird wie geplant durchgeführt.[26] Im Februar 2024 wurde ein Verein Recovery College Bern gegründet, der offen für neue fördernde Mitglieder ist. Der Berner Stadtpräsident, die Berner Fachhochschule BFH, Departement Gesundheit, die Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion des Kantons Bern (GSI) und die Stiftung Selbsthilfe Schweiz haben das Patronat übernommen und das Angebot wird weitergeführt.[27]
  • Das Freizeitzentrum metro wurde per 29. März laut Medienmitteilung der UPD aus Kostengründen geschlossen,[28] eine Anschlusslösung wird gesucht aber bis Juni 2026 nicht gefunden.[29] Im Juni 2024 wurde mitgeteilt, dass es berechtigte Hoffnungen auf eine Weiterführung gebe. Der Grosse Rat hat einen entsprechenden Vorstoss überwiesen, der dies sicherstellen soll.
  • Die Werkstatt Holzplatz sollte zunächst auch geschlossen werden, Holz aus den Beständen konnte weiter geliefert werden.[30] Auch aufgrund von Protesten wurde die Schliessung nicht umgesetzt.[31]

Leitungsgremien und -personen

Direktoren von der Bernischen Kantonalen Irrenanstalt bis zur Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Die Direktoren waren zugleich Professoren der Universität Bern, angegeben sind auch die jeweiligen Namen der Einrichtung:[32]

  • 1855–1859: Albrecht Tribolet, 1834 a.o. Prof. für Gerichtliche Medizin und syphilitische Krankheiten, Irren, Heil- und Pflegeanstalt Waldau
  • 1859–1890: Rudolf Schärer 1874 a.o. Prof. für Psychiatrie. 1884 Bernische kantonale Irrenanstalt Waldau
  • 1890–1933: Wilhelm von Speyr 1889 a.o. Prof., 1920 o. Prof. für Psychiatrie
  • 1933–1954: Jakob Klaesi 1933 a.o. Prof., 1936 o. Prof. für Psychiatrie, 1936 Reorganisation der Kantonalen Heil- und Pflegeanstalt Waldau[33]
  • 1954–1963: Max Müller 1944 a.o. Prof., 1954 o. Prof. für Psychiatrie
  • 1963–1978: Hans Walther-Büel 1956 a.o. Prof., 1963 o. Prof. für Psychiatrie, ab 1967 Umbenennung in Psychiatrische Universitätsklinik PUK,
  • 1979–1998: Wolfgang Böker, 1978 o. Prof. für Psychiatrie, ab 1996 Psychiatrische Universitätsklinik für Erwachsene «UPD Bern Ost»
  • 1998–1/2024: Werner Strik 1998 o. Prof. für Psychiatrie, am Ende o. Prof. für Psychiatrie und Psychotherapie, seit 2011 Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
  • seit 2/2024: Kristina Adorjan, 2024 o. Prof. für Psychiatrie und Psychotherapie

Leitung der UPD

Direktoren seit der Gründung 1996 bis 2016

Verselbstständigung zu einer gemeinnützigen Aktiengesellschaft per 1. Januar 2017

Das Aufsichtsgremium der AG ist ein siebenköpfiger Verwaltungsrat, der durch den Regierungsrat des Kantons Bern gewählt wird. Der Rektor der Universität ist Mitglied dieses Verwaltungsrates. Das operative Führungsorgan ist die Geschäftsleitung. Der Dekan der Medizinischen Fakultät ist hier Mitglied. Weitere Mitglieder sind die Direktoren der Kliniken, der Direktor für Lehre und Forschung und die anderer Einrichtungen.[41]

Vorsitzende der Geschäftsleitung
  • 2017–2021: Stefan Aebi[40]
  • 2021–2022: Alexandre Schmidt[40]
  • 2022: Dominique Schmid ad interim[42]
  • 2023–Juni 2024: Oliver Grossen[42][43]
  • Juli 2024-Mai 2026: Josef Müller[44]
  • ab Juni 2026: Barbara Schunk[45][46]
Verwaltungsratspräsidenten
  • 2017–2022: Heinz Hänni[42]
  • 2022–Juni 2024: Patricia Kellerhals[42][43][47]
  • seit Juni 2024 Christoph Egger[48]

Standorte und Ausbaupläne

Campus Bolligenstrasse

Das heute Campus Bolligenstrasse genannte Gelände ist auch historisch das Zentrum der UPD bzw. der Psychiatrie in Bern, wo sich die meisten Einrichtungen befinden. Es war früher und ist heute noch als «die Waldau» bekannt. Der Name wurde für das Gelände und oft auch für die Einrichtung selbst verwendet.

Die UPD hatte 2020 angekündigt, einen Masterplan zu erarbeiten, wie der weitere Ausbau erfolgen soll. Zahlreiche denkmalgeschützte Gebäude erfüllen die Anforderungen an ein Universitätsspital teilweise nicht mehr. Zuerst soll ein Neubau für die heute auf verschiedene Gebäude verteilte Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) erstellt werden.[49]

Im Januar 2023 wurde der Bericht des Beurteilungsgremiums «städtebauliche Ideen- und Projektstudie im selektiven Verfahren nach SIA-Ordnung 143» vorgelegt, der Ideenstudien und Projektbeschriebe vorstellt. Das Beurteilungsgremium empfiehlt einstimmig, den Zuschlag für die Erarbeitung des Masterplans Campus Bolligenstrasse unter der Federführung von Kast Kaeppeli Architekten GmbH, Bern/Basel zu vergeben, deren Ideenstudie in der Phase 1 favorisiert wurde. Es empfiehlt auch einstimmig, den Zuschlag zur Planung und Ausführung des Neubaus KJP an das Planungsteam unter der Federführung von ARGE Co. Architekten AG/GWJ Architektur AG, Bern gemäss den Ausschreibungsbedingungen zu vergeben.[50]

Standort Inselareal

UPD Standort Inselareal

Am Standort Inselspital befinden sich heute die Universitätsklinik für Alterspsychiatrie und Psychotherapie mit Tagesklinik für Alterspsychiatrie sowie das Kriseninterventionszentrum KIZ[13]

Es war 2019 geplant, ein Psychiatriezentrum auf dem Areal des Inselspitals zu errichten. Dies sollte im Loryhaus und dem damaligen Anna-Seiler-Haus (heute Wilhelm-Fabry-Haus) erfolgen. 2022 haben sich diese Pläne zerschlagen. Der UPD bliebe derzeit nichts anderes übrig, als ihren Hauptstandort in der Waldau als Campus Bolligenstrasse auszubauen.[51]

Standort Siloah Areal Gümligen

Auf dem Siloah-Areal in Gümligen soll ein Zentrum für Alterspsychiatrie und Psychotherapie entstehen. In das Gebäude soll die Universitätsklinik für Alterspsychiatrie und Psychotherapie der UPD Bern einziehen. Die Stiftung Siloah plant, finanziert und baut den neuen Spitalkomplex auf Bestreben der UPD. Baustart soll ab 2024 erfolgen, 2026 soll die Klinik als Mieterin einziehen. Es sind 50 stationäre Plätze vorgesehen. Ein Platz für den nötigen Ausbau auf dem Inselareal war nicht vorhanden.[52] Auf dem Siloah-Campus befinden sich bereits das BESAS (Berner Spitalzentrum für Altersmedizin Siloah), das Langzeitzentrum Siloah sowie das Neurozentrum Siloah, alle betrieben durch die Siloah AG, welche zu 70 % im Besitz der Stiftung Siloah ist.[53]

Weitere Standorte (Auswahl)

In Köniz befindet sich das Zentrum für Psychiatrische Rehabilitation, in Bümpliz das Gemeindepsychiatrische Zentrum West (GPZ). Ein Therapiezentrum für Essstörungen (TZE) ist in Moosseedorf angesiedelt. In Biel befinden sich eine ambulante Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Tagesklinik für die Region.[13]

Statistiken für Einrichtungen und Leistungen UPD

Das Geschäftsjahr 2025 schätzt die UPD als Wendepunkt ein. Es wurde ein Gewinn von 2,9 Millionen Franken erzielt, 2024 war es noch ein Verlust von 8,7 Millionen. 2023 wurde ein Rekord-Minus von knapp 22 Millionen Franken gemeldet, 2022 betrug der Verlust nur 2,4 Millionen Franken.[47] Die Präsidentin des Verwaltungsrates führte dazu 2023 aus: Die Tarife sind seit Jahren weder ausreichend noch kostendeckend. Dazu kommt der starke teuerungsbedingte Anstieg der Betriebskosten, was zu höheren Löhnen und gestiegenen Energiekosten führt...Um kostendeckende Tarife zu erhalten und damit die Unterfinanzierung bewältigen zu können, kündigte die UPD Anfang 2023 die Tarifverträge TARPSY. Für 2019 bis 2025 werden folgende statistischen Angaben gemacht:[54][55][56][57][10][1]

Weitere Informationen Personal, Leistungen ...
Personal 2025 2024 2023 2022 2021 2020 2019
Angestellte Total Vollzeitstellen 1'320 1'307 1304 1215 1117 1104 1106
… davon Ärzte und Psychologen 286 271 261 246 213 209 225
… davon Pflege 355 354 361 335 322 316 378
… davon Medizinische Fachbereiche 279 268 256 255 233 237 156
… davon Verwaltung 189 183 194 162 143 138 148
… davon Ökonomie 65 65 68 71 73 87 74
… davon technische Betriebe 29 31 31 32 24 31 16
… davon Praktikanten und Lernende 153 134 134 113 109 86 110
Frauen % 70,4 70.0 69.2 69.3 67.5 66.5 66.4
Männer % 29,6 30.0 30.8 30.7 32.5 33.5 33.6
Leistungen 2025 2024 2023 2022 2021 2020 2019
Ambulante Stunden 144'990 142'458 131'109 116'727 104'444 93'572 82'909
… Fälle 18'721 17'599 16'514 15'840 14'812 13'106 12'527
Tagesklinisch Betreuungstage 33'600 31'902 29'273 28'272 25'895 24'544 30'630
… Fälle 988 913 890 873 807 844 1005
… Belegung 97 % 91 % 84 % 81 % 80 % 72 % 88 %
Stationärer Bereich Pflegetage 126'530 124'057 119'303 120'078 115'615 110'659 113'980
… Fälle 4'353 4'160 4'277 4'205 4'085 3'699 3'663
… Belegung 102  % 93 % 90 % 91 % 96 % 93 % 96 %
Notaufnahmen stationär 2'596 2'420 2'514 2'473 2'431 2'230 1'864
Fürsorgerische Unterbringungen 888 894 933 719 596 533 615
Betriebsaufwand (Tausend CHF) 187'712 202'961 202'746 176'731 162'539 161'535 157'990
Betriebsergebnis (Tausend CHF) 25'944 -8'208 -22'237 -2'629 -3'649 -308 +4'555
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Weitere Informationen Klinik, Leistung ...
Klinik Leistung Stunden(h)/Tage(d) Patienten Plätze/Betten durchschn. Aufenthalt Tage Auslastung %
2025 2024 2023 2025 2024 2023 2025 2024 2023 2025 2024 2023 2025 2024 2023
UK für Psychiatrie und Psychotherapie (UKPP) ambulant (h) 40'844 40'000 40'591 6'818 6'417 6'613
tagesklinisch (d) 15'538 13'710 12'123 586 505 524 64 66 66 27 27 24 96 82 73
stationär (d) 81'139 79'159 77'079 3'023 2'793 3'120 223 236 236 29 28 28 100 92 89
UK für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie (seit 2023 eigenständig) ambulant (h) 9'610 9'421 11'077 1'452 1284 1132
tagesklinisch (d) 1759 1'700 1953 25 31 29 8 9 9 70 55 67 87 74 86
stationär (d) 5'185 5'029 4'737 134 102 132 14 17 17 47 56 41 102 81 76
UK für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie ambulant (h) 75'791 75'212 63'366 7'156 6879 6060
tagesklinisch (d) 10'845 11'277 10'215 199 205 213 50 50 50 54 55 48 98 102 92
stationär (h) 26'073 26'540 25'350 771 805 739 75 75 75 36 38 36 95 97 93
Universitätsklinik für Alterspsychiatrie und Psychotherapie ambulant (h) 12'062 11'750 10'205 2'012 1647 1606
tagesklinisch (d) 5458 5215 4983 178 172 153 28 28 28 31 30 33 100 96 92
stationär (d) 14'133 13'329 12'137 425 460 418 36 36 36 38 31 31 108 101 92
Zentrum Psychiatrische Rehabilitation ambulant (h) 22'768 16'914 11'456
betreut. Wohnen (d) 7'907 7'428 10'474 36 49 57 22 22 38 220 152 184 98 92 76
Werkstätten (h) 152'932 150'243 154'636
Tagesstätten (d) 5'811 6433 7201
Massnahmen berufliche Integration 963 588 533
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Sparmassnahmen und Auseinandersetzungen 2024

Durch sinkende Einnahmen und steigende Kosten muss die UPD ab 2024 Einsparungen vornehmen. Der Verwaltungsrat hat beschlossen, Stellen im Sozialdienst abzubauen und tariflich nicht finanzierte Leistungen einzustellen. Dazu gehöre auch die Schliessung des «Recovery Colleges Bern», des Freizeitzentrums «Metro» und der Werkstatt «Holzplatz». Der Fachkräftemangel, der Bettenabbau wegen fehlendem Personal und die allgemeine Teuerung führe zu höheren Ausgaben und der Bedarf an psychiatrischer Versorgung steige stetig an. Der Versorgungsauftrag könne seitens der UPD weiterhin gewährleistet werden. Allerdings würden wichtige ergänzende Angebote in der Versorgungskette wegfallen.[58]

Gegen die Sparmassnahmen gibt es zunehmenden Widerstand. Zehn Berufs- und Gesundheitsorganisationen haben eine Allianz gebildet. Auch die Sozialarbeits-Verbände haben Widerstand gegen die Sparmassnahmen angekündigt. Die Versorgungssituation in der Psychiatrie sei ohnehin bereits prekär. Mit der Streichung verlagere sich ein grosser Mehraufwand auf die bereits schon sehr belasteten Fachpersonen, wird befürchtet. Streichung ambulanter Angebote führe zu mehr und teureren stationären Aufenthalten. Der Kanton sei dafür verantwortlich, solche Angebote zu finanzieren.[59][60] Am 1. Februar übergaben Vertreter der Gewerkschaft Schweizerischer Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) dem Kommunikationschef der kantonalen Gesundheitsdirektion eine Petition mit 6571 Unterschriften[61]. Darin wird gefordert, dass der Kanton sofort die nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung stellen soll, damit die psychiatrischen Angebote weitergeführt und der steigenden Nachfrage angepasst werden können.[62]

Einige Berufsverbände kritisierten den Kanton, der dafür verantwortlich sei, diese Angebote zu finanzieren. Die Versorgungssituation bei der psychischen Gesundheit sei prekär. Die kantonale Gesundheitsdirektion wies die Vorwürfe zurück. Beiträge für die Freizeitangebote seien sogar leicht angehoben worden. Zudem sei die Gesundheitsdirektion von der UPD nicht über die Abbaupläne informiert worden. Es werden Folgen für die Spitäler der Grundversorgung befürchtet, wie z. B. beim Spital Emmental. Als «bedauerlich» wurde der Abbau beim Sozialdienst der UPD angesehen. Eine Anschlusslösung für die Menschen zu finden, sei nebst der eigentlichen Behandlung das Wichtigste. Kritik übt die Berner Konferenz für Sozialhilfe, Kindes- und Erwachsenenschutz, der kantonale Fachverband Berner Sozialdienste. Die regionalen Sozialdienste verfügten bereits jetzt über zu wenig Kapazität.[63]

Wie am 8. März 2024 mitgeteilt wird, will die Berner Regierung einen «Sicherheitsschirm» von 100 Millionen Franken bereitstellen, damit Spitäler und Psychiatrien vor dem Konkurs bewahrt werden können. Es wird als «eine Art Wende in der Gesundheitspolitik» dargestellt, ein solcher Eingriff wurde bisher ausgeschlossen. Die Mittel sollen in den Jahren 2024 bis 2028 verwendet werden. Die Sparmassnahmen der UPD wurden ergriffen, um die Liquidität zu sichern. Über die Bewilligung wird das Kantonsparlament im Sommer entscheiden.[64]

Der Regierungsrat teilt am 11. März 2024 mit, dass er von der Petition gegen einen Abbau von Angeboten im Bereich der psychischen Gesundheit Kenntnis genommen habe. Er sei sich der angespannten Situation in der Psychiatrieversorgung bewusst. In den Entscheid der UPD, künftig eine Reihe von Angeboten zu streichen, sei die Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion (GSI) nicht involviert und hatte davon vorgängig keine Kenntnis. Der Entscheid wurde vom Verwaltungsrat der UPD getroffen und steht in keinem Zusammenhang mit den kantonalen Beiträgen an die UPD. Die GSI wird in den weiteren Prozess der Angebotsprüfung eingebunden und steht mit Mitarbeitenden der UPD im Austausch.[65][66][67]

Am 30. April 2024 teilen Der Bund und andere Medien mit, dass die Verwaltungsratsvorsitzende «abserviert» wurde und in Folge der gesamte Verwaltungsrat der UPD sowie der Vorsitzende der Geschäftsleitung das Unternehmen verlassen. Dem gingen Meinungsverschiedenheiten zwischen der UPD-Führung und dem kantonalen Gesundheitsdirektor hinsichtlich der strategischen Ausrichtung voraus. Im Zentrum der Differenzen stehen finanzielle Probleme und die geplante Fusion mit dem Psychiatriezentrum Münsingen.[43][68]

Am 13. Oktober wird angekündigt, dass die UPD finanzielle Hilfe zur Stabilisierung benötigt. Sie beantragen als erstes und bisher einziges Unternehmen einen Kredit aus dem 100 Millionen Franken schweren Rettungsschirm, den der Grosse Rat eingerichtet hat. Der Plan ist, dass die UPD ab Frühjahr wieder einigermassen auf eigenen Beinen stehen können. Eine Verbesserung der Leistungserfassung und Einsparungen in der Verwaltung sollen erfolgen. Die neue Leitung hat den Stellenabbau grösstenteils rückgängig gemacht. Der Holzplatz wird weiter betrieben, beim Sozialdienst war der Abbau deutlich kleiner als angekündigt. Das Recovery College Bern besteht neu als Verein und beim geschlossenen Freizeitzentrum Metro gäbe es Anzeichen für eine Wiedereröffnung. An der Fusion mit Münsingen wird festgehalten, sämtliche Vorarbeiten werden noch einmal geprüft, nachdem der Regierungsrat eine erste Machbarkeitsstudie als ungenügend kritisiert hatte. Es werden möglichst wenige Standorte angestrebt und einer davon soll auf dem Insel-Campus liegen.[69]

Fusion mit dem Psychiatriezentrum Münsingen

Gegenwärtig ist eine Fusion der UPD mit dem Psychiatriezentrum Münsingen (PZM) geplant. Beide Verwaltungsräte haben dieser Fusion einstimmig zugestimmt – der endgültige Entscheid wird vom Regierungsrat Bern gefällt. Es sei «der einzig richtige Weg zur Sicherstellung und Stärkung einer qualitativ hochstehenden integrierten psychiatrischen Versorgung im Kanton Bern und in den angrenzenden Regionen», schreiben UPD und PZM im Communiqué. Die UPD behandle stationär rund 4200 Fälle. Dazu kommen über 60'400 ambulante Konsultationen. Das Psychiatriezentrum Münsingen beschäftigt rund 780 Mitarbeitende, führt fünf Kliniken. Stationär behandelt das PZM 3100 Patientinnen und Patienten. Dazu kommen rund 2400 ambulante Konsultationen. Mit dem Zusammenschluss wollen die beiden Institutionen nicht zuletzt auch die wirtschaftliche Stabilität sicherstellen. Beide Institutionen liegen räumlich nur rund zwölf Kilometer auseinander, stünden heute mit ihren Angeboten in einer Konkurrenzsituation. Auch deshalb sei ein baldiges Zusammengehen unter einem neuen Namen angezeigt.[70][71]

Ob die Fusion stattfinde, entscheidet die Berner Kantonsregierung, was der Antwort auf einen Vorstoss aus dem Kantonsparlament zu entnehmen ist. Das dafür nötige Geld müsse jedoch das Parlament absegnen. Es gäbe noch offene Fragen bezüglich der Kosten der Fusion und Auswirkungen auf das Personal. Die müsse zuerst abgeklärt werden. Grundsätzlich begrüsse der Regierungsrat die Bestrebungen der Fusion. Wann ein Entscheid gefällt wird, bleibt nach wie vor unklar.[72]

Die Einrichtungen in Bern und Münsingen streben eine Fusion spätestens per 2027 an, seit einem Jahr laufe Grundlagenarbeit unter dem Projektnamen «Morgenrot». Der Regierungsrat verlangt zusätzliche Informationen. Er beauftragte nun die Gesundheits-, Sozial und Integrationsdirektion (GSI), die weiteren Arbeiten zur möglichen Fusion zu begleiten. Unterstützt werden die Psychiatrien von der Unternehmensberatung KPMG. Das stationäre Angebot soll künftig in Gümligen (Alterspsychiatrie), Münsingen (Erwachsenenpsychiatrie) sowie an der Bolligenstrasse (Kinder- und Jugendpsychiatrie, Forensik und Rehabilitation) erbracht werden. Das ambulante Angebot soll gestärkt und ausgebaut werden. Der Regierungsrat verlangt detailliertere Angaben zum künftigen Geschäftsmodell und zur Bauplanung. Weiter fordert er einen ergänzten Businessplan zum Fusionsvorhaben. Dazu gehöre auch eine Gegenüberstellung mit den Planungszahlen jedes der beiden Einzelunternehmen sowie eine detaillierte Vorgehensplanung. Zusätzlich seien weitere Auswirkungen auch finanzieller Art für den Kanton aufzuzeigen.[73] Es wurde eine Absichtserklärung für den Zusammenschluss der kantonalen Psychiatrien unterzeichnet.[74]

Der Berner Regierungsrat hat an seiner Sitzung am 15. Oktober die Fusion auf den 1. Januar 2026, spätestens auf den 1. Januar 2027 zugestimmt. Die UPD habe sich seit der Neubesetzung ihrer Führung stabilisiert. Sie weise im ersten Halbjahr 2025 einen Gewinn von 3,1 Millionen Franken aus, wodurch die Voraussetzungen für die Fusion gegeben sind. Als Nächstes seien Entscheide zu Versorgung, Standorten und Infrastruktur sowie deren Finanzierung nötig.[75]

Stiftung der UPD

Die Stiftung UPD kann soziale, karitative, humanitäre, medizinische, ökologische, wissenschaftliche, kulturelle oder andere Institutionen oder Projekte unterstützen. Sie hat öffentlichen und gemeinnützigen Charakter, verfolgt keinerlei Erwerbszweck und ist politisch und konfessionell neutral.

Spenden werden eingesetzt für Leistungen an Patienten in Verbindung mit therapeutischen und rehabilitativen Massnahmen oder ausserordentlichen Situationen, in welchen diese auf unkomplizierte Hilfe von Aussen angewiesen sind, jedoch nicht für Behandlungskosten oder Auslagen Dritter.[76]

Künstler in der Waldau

Bekannte Bewohner der Waldau waren der Art-brut-Künstler Adolf Wölfli (von 1895 bis 1930) und die Schriftsteller Hans Morgenthaler (1925), Robert Walser (von 1929 bis 1933) und Friedrich Glauser (von 1934 bis 1936). Glauser verfasste dort seine ersten drei Wachtmeister-Studer-Romane: Schlumpf Erwin Mord, Die Fieberkurve und Matto regiert. Letzterer gilt als Schlüsselroman und löste bei seinem Erscheinen 1937 einen Skandal im bernischen Gesundheitswesen aus, in dessen Folge der Waldau gar eine Disziplinaruntersuchung drohte, obwohl Glauser im Roman mit einem früheren Aufenthalt im Psychiatriezentrum Münsingen abrechnete. Walter Arnold Steffen war 1944 wegen Geld- und Alkoholproblemen in der Klinik Waldau interniert.

Die Kunstwerkstatt Waldau ist eine 2003 geschaffene Einrichtung und ein Verein zur Förderung von Kunstschaffenden mit Psychiatrieerfahrung. Sie werden unterstützt durch ein Atelier, welches sie unentgeltlich benützen können, sowie durch die Organisation und Vermittlung von Kunstausstellungen. Gegen hundert Kunstschaffende haben seit der Gründung der Kunstwerkstatt Waldau im Gemeinschaftsatelier gearbeitet.

Schweizerisches Psychiatrie-Museum Bern

Walter Morgenthaler war von 1908 bis 1910 Assistenzarzt und von 1913 bis 1920 Oberarzt in der psychiatrischen Klinik. Er sammelte historische Gegenstände und Dokumente und richtete damit in zwei Räumen der heutigen «Alten Klinik» eine Ausstellung ein, womit er den Grundstock für das Schweizerische Psychiatrie-Museum legte. Dieses befindet sich heute auf dem Areal des Standorts Bolligenstrasse (Waldau) im ehemaligen «Pfründerhaus».

Seit 2025/26 befindet sich das Psychiatrie-Museum Bern in einer Phase der Neuausrichtung. Neben der historischen Darstellung der Waldau und der Morgenthaler-Sammlung soll es stärker als offener Dialograum zu psychischer Gesundheit, Entstigmatisierung, Forschung, Recovery, Kunst und Gesellschaft wirken. Die 2026 gestartete mehrjährige Ausstellungsreihe ‚PERSPEKTIVEN‘ dient zugleich der schrittweisen Aktualisierung der Dauerausstellung von 1993.[77]

Geschichte

Geschichte der Psychiatrie in Bern vor Gründung der UPD

Die Geschichte der UPD bzw. der Psychiatrie in Bern geht bis in das Mittelalter zurück. 1491 wurde das Siechenhaus für Leprakranke (wahrscheinlich Bolligenstr. 127) aus der Stadt Bern auf das Breitfeld verlegt.

1598/1601 wurde ein Blatternhaus (Bolligenstr. 135) erbaut und mit dem Siechenhaus unter gleiche Verwaltung gestellt.

Auf diesem Breitfeld wurde 1749 das «Tollhaus» eröffnet, was als Geburtsstunde der Psychiatrie auf diesem Gelände gelten kann.

1756 bis 1759 wird das Blatternspital neu erbaut und 1765 vollendet (Boligenstr. 127). Das Blatternhaus wird danach umgebaut und zweimal um je 1 Stock erhöht und Kurhaus genannt. Ein Ratsbeschluss vom 8. Mai 1765 vereinigte das Siechen, das Blattern- und das Tollhaus und gibt dieser Stiftung den Namen «Ausserkrankenhaus».[78]

1830 wurde das Tollhaus in «Irrenanstalt» umbenannt. Samuel Lehmann war Mitbegründer der kantonalen Irrenanstalt Waldau.

Albrecht Tribolet wurde 1834 zum ausserordentlichen Professor für Gerichtliche Medizin und syphilitische Krankheiten ernannt und der Leiter des Ausserkrankenhauses. 1839 reichte Tribolet aufgrund von Querelen seinen Rücktritt ein und gründete eine private Nervenheilanstalt im von ihm erworbenen Alten und Neuen Schloss Bümpliz, die er bis 1848 betrieb.[79]

Bei der Kantonalen Volkszählung 1846 wurden geistig abnorme Menschen erfasst und in «Blödsinnige» (von Geburt an geisteskrank) und «Wahnsinnige» (unter einer später erworbenen Krankheit leidend) aufgeteilt. Erstere waren 2527, letztere 565 Menschen. Die tiefsten Anteile an der Gesamtbevölkerung lagen mit zwischen 1,95 und 2,70 Promille in den Bezirken des Landesteiles Jura. Die höchsten Prävalenzen, von 10,29 bis 11,95 Promille waren verteilt in den Bezirken der Landesteile Mittelland und Oberland. Der Bezirk Bern, wo auch die Patienten des Tollhauses lebten, verzeichnete 8,26 Promille.[80]

Tribolet kehrte als Präsident der Baukommission für die 1850 bis 1855 von Gottlieb Hebler gebaute «Irren-, Heil- und Pflegeanstalt Waldau» (heute Zentralgebäude) zurück und 1852 erfolgte die Namensgebung «Waldau» auf seine Anregung hin. Die Anstalt wurde am 18. November 1855 eingeweiht, Albrecht Tribolet war der erste Direktor und wurde zugleich Professor an der Universität.

Im Jahr 1861 wurden erste klinische Vorlesungen über Psychiatrie gehalten und damit erfolgte die Anbindung an die Medizinische Fakultät der Universität Bern.

1870 wurde in der Volkszählung die Rubrik «geisteskrank» eingeführt. Im Kanton Bern wurden 1929 Bürger (1919 weiblich, 1010 männlich) gezählt, das entspricht 3,8 Promille. Volkszählungen wurden bis dahin ohne Ärzte durch Volkszähler, Unterstatthalter, Statthalter und Pfarrer ausgeführt.[80]

1871 wurde in einer Spezialerhebung diese Zahlen neu bestimmt. Ein Grund war die Überlastung der Waldau. Fescheren, Sekundärarzt in der Waldau, wurde beauftragt, eine ausführliche Statistik zu erstellen. Er unterschied angeborene Geisteskrankheiten (Idiotismus und Cretinismus) von erworbenen Formen in Anlehnung an Wilhelm Griesinger. 60 Ärzte wurden gebeten, alle Krankheiten in ihre Statistik aufzunehmen. Es wurden 2804 Kranke gezählt, 1512 angeborene und 1292 erworbene Formen. Mit dieser Zählung wurde Bedarf an weiteren staatlichen Anstalten nachgewiesen.[80]

1884 wurde die Einrichtung als «Bernische kantonale Irrenanstalt» an den Kanton übergeben und von der Insel-Kooperation losgelöst.

Die Waldau auf einer Zeichnung von Adolf Wölfli (1921)

1934 wurde die Psychiatrische Poliklinik in der Stadt Bern unter der Leitung von Jakob Wyrsch (1892–1980) eröffnet.

1967 erfolgte die Umbenennung in «Psychiatrische Universitätsklinik Bern (PUK)» auf Beschluss des Regierungsrates als Reaktion auf gleiche Umbenennungen der übrigen psychiatrischen Universitätsspitaler der Schweiz.

1932 wurde die Kantonale Kinderbeobachtungsstation Neuhaus unter der Leitung von Arnold Weber eröffnet. 1969 wird die Kinderpsychiatrische Klinik Neuhaus, die seit 1961 unter der Leitung von Walter Züblin steht, verselbständigt – ebenso wie die Psychiatrische Poliklinik unter Leitung von Theodor Spoerri.

1979 wurde ein kantonales Psychiatriekonzept von 1977 realisiert: Schaffung des übergeordneten «Departements für Psychiatrie der Universität Bern», dem die vier universitären Kliniken unterstehen:[81]

  • die Psychiatrische Universitätsklinik (PUK) unter Direktor Wolfgang Böker,
  • die Psychiatrische Universitätspoliklinik (PUPK) unter Leitung von Edgar Heim,
  • die Sozialpsychiatrische Universitätsklinik (SPK) unter der Leitung von Luc Ciompi sowie
  • die Kinder- und Jugendpsychiatrische Universitätsklinik (PUKJ) mit der ihr angegliederten Poliklinik (PUPKJ) unter der Leitung von Walter Züblin.[82]

1982 wurde die Forschungsabteilung für «Theoretische und Evaluative Psychiatrie» unter Hans Dieter Brenner eröffnet.

Am letzten Tag der Psychiatrischen Universitätsklinik (PUK) arbeiten 800 Mitarbeiter, davon 52 Ärzte und Psychologen sowie 238 Pfleger dort.[82]

Geschichte der UPD

Die UPD entstand unter dem Namen Universitäre Psychiatrische Dienste Bern im Jahr 1996 durch den Zusammenschluss der Sozialpsychiatrischen Universitätsklinik und der Psychiatrischen Universitätsklinik sowie der Angliederung der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die Kliniken für Erwachsenenpsychiatrie erhielten die Bezeichnung «UPD Bern Mitte/West» (geleitet von Hans-Dieter Brenner) und «UPD Bern Ost» (geleitet von Wolfgang Böker). Die Psychiatrische Universitätspoliklinik (PUPK) bleibt der Inseldirektion unterstellt und die Abteilung für Forensische Psychiatrie wird mit dem Institut für Rechtsmedizin verbunden. Die Bezeichnung «Waldau» als Name für Einrichtungen auf dem Breitfeld-Areal bleibt erhalten.[82]

1998 übernimmt Werner Strik die Leitung der Universitätsklinik für Klinische Psychiatrie.

2000 erfolgt eine Umbenennung der beiden Kliniken für Erwachsenenpsychiatrie: «UPD Bern Mitte/West» wird zur «Direktion für Sozial- und Gemeindepsychiatrie» (DSGP), «UPD Bern Ost» zur «Direktion für klinische Psychiatrie» (DKP).[83] Thomas Dierks wird als Extraordinarius Direktor der «Abteilung für theoretische und evaluative Psychiatrie» (ATEP). Sie wird umorganisiert und erhält ihrem neuen Forschungsschwerpunkt gemäss den Namen «Abteilung für psychiatrische Neurophysiologie» (APN)

2002 setzt Gesundheits- und Fürsorgedirektion eine neue Führungsstruktur mit einer dreiköpfigen Geschäftsleitung ein, in der die Bereiche Medizin, Pflege und Verwaltung vertreten sind.

2003 wurden innerhalb der stationären Psychiatrie wichtige Massnahmen für eine sozialpsychiatrische Orientierung der UPD gesetzt: Lastenausgleich zwischen den Stationen, Verbesserung der Behandlungskontinuität durch Reduktion unnötiger klinikinterner Verlegungen und die Schaffung von vergleichbaren Infrastrukturen, Stationsgrössen und Organisationsstandards. Auch die soziokulturelle Animation wurde mit der Schaffung eines Freizeitzentrums im Zentralbau («Metro») ausgebaut.

2005 wurden von der Gesundheits- und Fürsorgedirektion die beiden Kliniken der Erwachsenenpsychiatrie wieder zusammengeführt.[82]

Im Januar 2013 setzte die Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern das «UPDBoard» als Beratungsorgan für die Leitung der UPD ein. Robert Furrer, der Leiter, sieht eine schwierige Konstruktion mit verschiedenen strukturellen Problemen (z. B. gleichzeitig Universität und Versorgungseinrichtung sein, sowie unterschiedliche Konzepte der psychiatrischen Versorgung).[84]

2014 wurde dieses durch einen Übergangsrat ersetzt, den ebenfalls Robert Furrer präsidierte. Es sollte ein strategisches Gremium analog eines Verwaltungsrates sein, um die UPD zu einer Aktiengesellschaft zu machen. Der Bernische Grosse Rat hatte sich für eine Verselbständigung im März 2012 ausgesprochen. Die bernische Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) kommt diesem Auftrag mit der Gründung nach. Das Kantonsparlament hatte einen UPD-Übergangsrat gefordert, weil ihm das bestehende UPD-Board als zu zahnlos erschien.[85]

Per 1. Januar 2017 wurde die UPD zu einer gemeinnützigen Aktiengesellschaft verselbstständigt und der Übergangsrat hat seine Arbeit per Ende 2016 abgeschlossen.[86]

Literatur

  • Andreas Altorfer: In der Anstalt – das Leben in der Psychiatrischen Klinik anfangs 20. Jahrhundert: eine fotografische Dokumentation aus der Irren-, Heil- und Pflegeanstalt Waldau. Ausstellung im Psychiatrie-Museum (Bern), 22. September 2007–23. August 2008, Edition Solo, Bern 2008, ISBN 978-3-9523374-0-0.
  • Michel Beretti, Armin Heusser (Hrsg.): Der letzte Kontinent: Bericht einer Reise zwischen Kunst und Wahn; ein Bilder- und Lesebuch mit Materialien aus dem Waldau-Archiv (das Buch entstand aufgrund der Ausstellung «Le Dernier Continent ou la Waldau, Asile de l’Art» des Centre Culturel Suisse in Paris vom 11. Mai bis 30. Juni 1996, Schweizerische Landesbibliothek in Bern vom 28. Februar bis 19. April 1997). Mit Texten von Rätus Luck, Gestaltung: Guido Widmer, Limmat, Zürich 1997, ISBN 3-85791-281-2.
  • Zita Caviezel-Rüegg u. a.: Die Waldau bei Bern (= Schweizerische Kunstführer, Band 639/640). Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, Bern 1998, ISBN 3-85782-639-8.
  • Werner Strik: 150 Jahre Waldau – ein Spiegel der Gesellschaft. In: UniPress. Ausgabe 125, Juni 2005, S. 25 f. (PDF; 79 kB).
  • Martina Wernli: Schreiben am Rand: die «Bernische kantonale Irrenanstalt Waldau» und ihre Narrative (1895–1936), Transcript, Bielefeld 2014, ISBN 978-3-8376-2878-4 (überarbeitete Dissertation ETH Zürich 2012, 444 Seiten, Verlaginfo).
  • Jakob Wyrsch: 100 Jahre Waldau: Geschichte der kantonalen Heil- und Pflegeanstalt und Psychiatrischen Universitätsklinik Waldau-Bern. Huber, Bern 1955.

Siehe auch

Einzelnachweise

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