VLT de Sobral

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Das Netz der VLT de Sobral (VLT für Veiculo Leve sobre Trilhos, sinngemäß Leichtbahnfahrzeug) umfasst zwei innerstädtische Schmalspurbahnlinien in Sobral im brasilianischen Bundesstaat Ceará. Das Netz ist 13,9 Kilometer lang und hat 12 Stationen. Beide Strecken sind eingleisig, die Gleise verlaufen oft in Seitenlage der Straßen. Es werden dieselhydraulische Triebwagen eingesetzt.

Schnelle Fakten _, Basisdaten ...
_  VLT de Sobral
Basisdaten
Ortslage Sobral, Brasilien Brasilien
Betreiber Companhia Cearense de Transportes Metropolitanos (CCTM) „Metrofor“
Eröffnung 22. Oktober 2014
Netz
Linien 2
Streckenlänge 13,9 km
Stationen 12
Einzugsbereich 216.000 Ew. (Schätzung 2025)
Fahrgastzahl 804.711 (2025)[1]   –26,9 %
Technik
Fahrzeugtypen 5 Bom Sinal Mobile 2
Spurweite 1000 mm
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Weitere Informationen Streckenverlauf ...
Streckenverlauf
U-Bahn-Betriebs-/Güterbahnhof Streckenanfang und querU-Bahn-Strecke von rechts
Betriebswerk und Zugdepot
U-Bahn-Bahnhof
Novo Recanto
U-Bahn-Kopfbahnhof StreckenanfangU-Bahn-Brücke über Wasserlauf
Cohab III Riacho Mata Fresca (11 m)
U-Bahn-StreckeU-Bahn-Haltepunkt / Haltestelle
Grendene
U-Bahn-Haltepunkt / HaltestelleU-Bahn-Strecke
José Euclides
U-Bahn-StreckeU-Bahn-Haltepunkt / Haltestelle
Alto da Brasilia
U-Bahn-Strecke
CE-362
U-Bahn-Haltepunkt / HaltestelleU-Bahn-Brücke über Wasserlauf
Junco Riacho Pajeú (7 m)
U-Bahn-Strecke nach links, geradeaus und von linksU-Bahn-Bahnhof querU-Bahn-Strecke nach rechts, geradeaus und von rechts
Campo dos Velhos Umstieg
Strecke von linksAbzweig geradeaus und nach rechtsU-Bahn-Haltepunkt / Haltestelle
Boulevard do Arco
Dienststation / Betriebs- oder GüterbahnhofU-Bahn-Haltepunkt / HaltestelleU-Bahn-Strecke Anfang Hochstrecke
Terminal Transnordestina Dom José
Strecke nach linksAbzweig geradeaus und von rechtsU-Bahn-Strecke unter Wasserlauf Ende Hochstrecke
Rio Acaraú (365 m)
U-Bahn-Brücke über WasserlaufU-Bahn-Haltepunkt / Haltestelle
Rio Mucambinho (28 m) Dom Expedito
U-Bahn-Kopfbahnhof mit Eisenbahn Strecke ab hier außer BetriebU-Bahn-Strecke
Sumare
StreckeU-Bahn-Strecke
Ferroviária Transnordestina nach Teresina
U-Bahn-Kopfbahnhof mit Eisenbahn Strecke ab hier außer Betrieb
Cohab II
Strecke
Ferroviária Transnordestina nach Fortaleza
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Geschichte

Die Eisenbahnstrecke FortalezaTeresina wurde von der Ferrovia Transnordestina Logística (FTL) in der Region Sobral nur sporadisch für den Güterverkehr genutzt. Da somit ein Großteil der Transportkapazität ungenutzt und zudem einige Streckenabschnitte stillgelegt waren, prüfte die Regierung von Ceará die Reaktivierung des Personenverkehrs in den Regionen Cariri und Sobral. Im September 2009 wurde das Projekt „VLT de Sobral“ vorgestellt. Nach der Vergabe der Planungen im Wert von 1,2 Millionen Real an das Unternehmen MWH Brasil Engenharia e Projetos fand die Ausschreibung für die Bauarbeiten des VLT-Projekts zwischen November 2010 und Februar 2011 statt. Mit einem Budget von 43,5 Millionen Real, umgerechnet rund 18,4 Millionen Euro, sah die Ausschreibung den Bau von elf Kilometern eingleisiger Strecke, eines zweigleisigen Abschnitts im Innenstadtbereich sowie elf Stationen vor, aufgeteilt in zwei Strecken: eine nördliche Strecke unter Nutzung des alten Abschnitts der Bahnstrecke nach Camocim und eine südliche Strecke unter Nutzung der Güterbahntrasse von FTL.

Den Auftrag gewann die Firma Engexata Engenharia Ltda mit einem Angebot von 38,7 Millionen Real. Eine weitere Ausschreibung für die Lieferung von fünf Stadtbahnwagen ging an die Firma Bom Sinal für 23,5 Millionen Real, umgerechnet rund 9,9 Millionen Euro.[2] Die Bauarbeiten begannen am 4. März 2011 mit einer geplanten Bauzeit von maximal 18 Monaten. Nach Baubeginn stoppt die Staatsanwaltschaft des Bundesstaates Ceará die Arbeiten aufgrund fehlender Umweltverträglichkeitsprüfungen. Im November 2012 räumte die Regierung von Ceará Verzögerungen ein und begründete sie mit Problemen bei Enteignungen. Gleichzeitig bestätigte sie, dass erst ein Fünftel der Arbeiten abgeschlossen waren. Die Inbetriebnahme des Systems wurde 2013 dreimal angekündigt, jedoch jedes Mal wieder abgesagt. In der Zwischenzeit erhöhte sich das Budget für die Arbeiten auf 90 Millionen Real. Während erster Testfahrten der Stadtbahn konnte eines der Fahrzeuge eine Kurve nicht durchfahren, da der Kurvenradius der Gleise zu klein war. Um die Kurve aufzuweiten, waren weitere Enteignungen erforderlich.[3] Nach Behebung der Probleme trat der Bau im September 2014 in die Endphase ein, rund zwölf Monate später als ursprünglich geplant, und am 22. Oktober des Jahres begann der offizielle Betrieb mit Fahrgästen. Dies war nach monatelanger Ungewissheit nur vier Tage vor der Gouverneurswahl und diente dem amtierenden Kandidaten als politische Plattform. In der ersten Phase verkehrte das System montags bis freitags von 8:00 bis 12:00 Uhr und war kostenlos. Laut der Verkehrsgesellschaft der Metropolregion Ceará war diese Phase notwendig, damit sich die Bevölkerung mit den Stationen und dem Streckenverlauf vertraut machen konnte. In dieser Anfangsphase verkehrten zwei Züge, jeweils einer auf jeder Linie.[4]

Erst am 28. Dezember 2016 nahm das System den kommerziellen Betrieb auf und verkehrt seither mit vier Fahrzeugen, je zwei auf jeder Linie. Gefahren wird von Montag bis Samstag von 5:30 bis 23:00 Uhr und somit fast 18 Betriebsstunden werktäglich. Seit 1. Februar 2017 gibt es ein elektronisches Ticketsystem und es gab Ticketpakete. Mit den Paketangeboten erhielten Fahrgäste gestaffelte Rabatte beim Kauf mehrerer Tickets. Trotz der Ticketpakete sanken die ohnehin niedrigen Fahrgastzahlen, ausgelöst durch die Aufnahme des kommerziellen Betriebs, weiter. Daraufhin reduzierte die Verkehrsgesellschaft der Metropolregion Ceará nach einer Vereinbarung mit dem Rathaus von Sobral die Fahrpreise ab dem 19. September 2017 von 3,00 Real auf 1,00 Real sowie 0,50 Real ermäßigt.[5] Infolgedessen stieg die Nutzung des Systems, allerdings wurden mit den neuen Fahrpreisen keine ermäßigten Ticketpakete mehr angeboten. Gleichzeitig entwickelte die kommunale Verwaltung den Stadtmobilitätsplan Plano de Mobilidade Urbana (PlanMob), der 2020 zur Einführung von TranSol (Transporte Urbano de Sobral) führte. Das Angebot umfasst neun Buslinien mit über 200 Haltestellen im gesamten Stadtgebiet und einer Flotte von 26 Fahrzeugen, hauptsächlich Kleinbusse.[6] TranSol ermöglicht es durch diesen Zubringerverkehr Menschen, die weit entfernt von den VLT-Stationen wohnen, das System zu nutzen, wodurch die Fahrgastzahlen wieder gestiegen sind.

Im Jahr 2021 wurde die Station Boulevard do Arco im Rahmen des gleichnamigen Stadtentwicklungsprojektes um rund 50 Meter südöstlich verlegt. Der vorherige Standort auf Höhe der Avenida Doutor Guarany wurde abgerissen und das neue Stationsgebäude ist in der Rua Othon de Alencar errichtet worden.[7]

Auch die Station Dom José wurde von ihrer ursprünglichen Lage westlich des Güterbahnhofes der Transnordestina Logística an der Rua Sancho Canafístula ( 41′ 21,4″ S, 40° 21′ 32,5″ W) verlegt auf die Ostseite in unmittelbare Nähe des alten Bahnhofes von Sobral und des Zentralen Busbahnhofes Terminal de Transportes Complementar de Sobral an der Rua Tabelião Ildefonso Cavalcante ( 41′ 21,1″ S, 40° 21′ 30,5″ W).

Strecke

Die Strecken der VLT de Sobral verlaufen bis auf einen rund 600 Meter langen Abschnitt der Linha Norte auf der Avenioda John Sanford durchgehend auf eigenem Gleisbett und weitgehend eingleisig mit Ausweichgleis nur an der Station José Euclides. Um die zentrale Umsteigestation zwischen beiden Linien, der Station Campo dos Velhos im Stadtzentrum, verlaufen beide Strecken für rund 700 Meter parallel und sind über insgesamt drei Überleitgleise miteinander verknüpft. Die Gleise liegen durchweg ebenerdig, kurze Abschnitte liegen im flachen Trog oder leicht erhöht in Dammlage. Die Linha Sur überquert den Rio Acaraú auf der 365 Meter langen Straßenbrücke Ponte Senador Paula Pessoa baulich getrennt in östlicher Seitenlage. Kreuzungen mit Straßen sind teilweise mit Ampeln, Halbschranken, Licht- und/oder Akustiksignalen gesichert. Fußwegquerungen sind meist ungesichert.

Stationen

Typische Station mit Hochbahnsteig und Bahnsteigtüren

Alle Stationen der VLT de Sobral verfügen über Hochbahnsteige in Seitenlage, bei den zweigleisigen Stationen José Euclides und Campo dos Velhos sind es Mittelbahnsteige. Die Zugänge sind jeweils an den Stirnseiten, wobei beidseitig Treppen und nur auf einer Seite barrierefreie Rampen angelegt sind. Die Bahnsteige sind zu den Gleisen durch jeweils sechs Bahnsteigtüren abgetrennt. Diese sind als deckenhohe automatisch öffnende Doppelschiebetüren ausgeführt, die erst nach vollständigem Fahrzeughalt den Fahrgastwechsel ermöglichen.

Linien

Das Streckennetz der VLT do Sobral wird bedient von zwei Linien. Die Linha Norte, auch Linha 1, mit der Kennfarbe Orange, verkehrt zwischen den Endstationen Cohab III im Nordwesten und Novo Recanto im Nordosten, hinter der sich das Betriebswerk und Zugdepot befindet, über 6,7 Kilometer und fünf Zwischenstationen. Die Linha Sur, auch Linha 2, mit der Kennfarbe Rot, verkehrt zwischen den Endstationen Sumare im Südwesten und Cohab II im Südosten über 7,2 Kilometer und vier Zwischenstationen.

Fahrzeuge

Ein baugleicher Mobile 2 der Trens Urbanos de Maceió (2012)

Für die Stadtbahn stehen fünf zweiteilige Fahrzeuge des Typs Mobile 2 vom Hersteller Bom Sinal aus Barbalha zur Verfügung. Vier Triebwagen decken den Betrieb ab, einer dient als Reserve. Die achtachsigen Zweirichtungs-Gelenktriebwagen sind 37,04 Meter lang, 2,86 Meter breit und 3,74 Meter hoch. Sie sind durchgängig begehbar, voll klimatisiert und bieten 358 Passagieren Platz.[8] Die Motorleistung beträgt 338 Kilowatt, was die 56,0 Tonnen schweren Fahrzeuge auf eine Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern beschleunigt. Die maximale Betriebsgeschwindigkeit bei der VLT de Sobral beträgt allerdings nur 60 Stundenkilometer.

Betrieb

Betrieben wird die Stadtbahn seit Anfang an von der brasilianischen Bahngesellschaft Companhia Cearense de Transportes Metropolitanos (CCTM), die unter der Marke „Metrofor“ auch die Metrô de Fortaleza und die Metrô do Cariri betreibt.

Die Züge verkehren von Montag bis Samstag von 5:30 bis 22:30 Uhr. Der Fahrpreis für eine Einzelfahrt beträgt ein Real, umgerechnet rund 0,16 Euro.[9] Die Fahrzeit für die gesamte Linha Norte beträgt 22 Minuten, für die Linha Sur sind es 21 Minuten, einschließlich jeweils eines vierminütigen Haltes an der Zentralstation Campo dos Velhos für den Umstieg zwischen beiden Linien. Aktuell (Stand November 2025) wird ein 48-Minuten-Takt gefahren.[10]

Es wurden im Jahr 2025 im Mittel 2.205 Passagiere pro Tag auf dieser Strecke transportiert.[1]

Einzelnachweise

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