Volker Zierke

deutscher Schriftsteller From Wikipedia, the free encyclopedia

Volker Zierke (* 1992) ist ein deutscher Schriftsteller und Publizist der Neuen Rechten. Seine Bücher erscheinen im Jungeuropa Verlag des rechtsextremen Aktivisten Philip Stein. Gemeinsam mit diesem betreibt er den Podcast „Von rechts gelesen“.

Volker Zierke

Leben

Nach Schule und Abitur in Schwaben diente Zierke beim 93. Panzerlehrbataillon in Munster.[1]

Politisch betätigte sich Zierke in der rechtsextremen Identitären Bewegung. Er war Regionalleiter der „Identitäre Bewegung Schleswig-Holstein“ (IBSH)[2] und von 2015 bis April 2018 Redakteur und Lektor beim Verlag „Lesen und Schenken“, der in Martensrade ansässig ist und von Dietmar Munier geleitet wird. Dort publizierte er Beiträge im Magazin Deutsche Militärzeitschrift und bei Zuerst!.[1] Im Februar 2017 war Zierke in Lübeck an einer körperlichen Auseinandersetzung mit einer[3] Person aus der Antifa-Szene beteiligt.[4] Letztere wurde im Zuge eines Messerangriffs verletzt und in einer darauffolgenden Gerichtsverhandlung zu Sozialstunden verurteilt. Zierke räumte ein, ein Messer gezogen zu haben, wer den Antifaschisten verletzte, konnte letztlich allerdings nicht gerichtlich geklärt werden.[5]

Nach Beendigung seiner Tätigkeit beim Verlag „Lesen und Schenken“[1] zog er Mitte 2018 nach Dresden. Im Lagebild Rechtsextremismus der norddeutschen (Nord-Innenministerkonferenz) Landesbehörden für Verfassungsschutz wird dazu vermerkt, dass durch den Wegzug eine erhebliche Schwächung der Strukturen der Identitären Bewegung in Schleswig-Holstein erfolgte.[2] An einem Gedenkmarsch von CasaPound am 7. Januar 2019 soll Zierke mit Philip Stein teilgenommen haben. Auf der Veranstaltung in Rom kam es zu vielfachem Zeigen des Römischen Grußes durch die Menge.[6][7]

Im Jahr 2020 veröffentlichte Zierke seinen Debütroman Enklave beim Jungeuropa Verlag.[8] Zusammen mit Philip Stein produziert er den Podcast Von rechts gelesen. Anfangs (2016) hatte Stein diesen noch allein betrieben, später kam Zierke als beständiges Mitglied hinzu.[9] Daneben treten gelegentlich Gäste auf,[10] wie Benedikt Kaiser.[11] Weitere Romane folgten 2021 mit Ins Blaue und 2025 mit Herrengedeck.[8]

Zierke ist an dem rechtsextremistischen Verein Ein Prozent beteiligt.[12][13][14]

Er ist für zwei AfD-Bundestagsabgeordnete aus dem Umfeld Björn Höckes tätig.[15]

Rezeption

Seine Erzählung „Enklave“ und sein Podcast „Von rechts gelesen“ wurden in wissenschaftlichen Arbeiten zur Neuen Rechten analysiert, so etwa von Nicolai Busch und Kevin Kempke. Laut Busch lehnt sich Zierkes Erzählung an Christian Krachts dritten Roman Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten an. Er stellt das Buch in Zusammenhang mit einem grundlegenden Interesse an der Vereinnahmung Krachts innerhalb der Neuen Rechten, welche für den Zeitraum 2007 bis 2013 vom Autorenpaar Matthias N. Lorenz und Christine Riniker untersucht worden war.[16]

Kempke analysiert Zierkes und Steins Podcast und kommt zum Schluss, dass der Podcast „ein einschlägiges Beispiel für neurechte Strategien der Inszenierung von Intellektualität, denen es um eine gleichzeitige Normalisierung und Auratisierung von (bestimmten) Lesepraktiken geht“ ist. Zierke und Stein seien davon überzeugt, „dass die meisten, die unsere Bücher lesen und unsere Podcast hören, rechtsradikal sind“ und dass es sich dabei um „junge, rechte Männer“ handelt. In einer „Lifestylisierung“, so Kempke, und weniger in einer „Intellektualisierung“ sehen Zierke und Stein die Lösung zur Behebung eines intellektuellen Nachwuchsproblems der Neuen Rechten.[17]

„Die Hinwendung zur Popkultur“, so analysierte Erika Thomalla, „verbunden mit dem Versuch, neue Fangemeinschaften unter rechten Vorzeichen zu generieren und zugleich eine eigenständige rechte Popliteratur hervorzubringen“ sei der paradigmatische Ansatz Zierkes. In Hinblick auf die neurechte Strategie der Vereinnahmung forderte Zierke in seinen Kursen „um eine Aneignung des «Populären» von rechts – im Zweifelsfall auch gegen die Intention der Verfasser“. Damit einher gehen die Romane von Zierke, die auf eine subtilere Form der politischen Diskursverschiebung setzen.[18]

Nach Carina Book verbinde Zierke in seinem Denken den Aktivismus für die „identitäre(n) Idee“ mit dem Soldatischen, besonders der Offiziere. Eine Faszination für das Militär und speziell die Wehrmacht sei eine sein Leben in Beruf und Freizeit prägende Konstante und Kriegsmetaphorik sowie Kriegsanalogien finden sich immer wieder in seinen publizistischen Texten bei DMZ, Zuerst! und in Texten der Identitären Bewegung.[1]

In Zierkes Werk Ins Blaue, so stellt es Eva Wegmann fest, zeige sich „ein gutes Beispiel für die Okkupation des ‚Race‘-Diskurses, das auf symbolischer Ebene die metapolitischen Diskurslinien bündelt.“ Durch die „analogische Ähnlichkeitsbeziehung zwischen Deutschen und Indigenen“ erhalte der „pseudo-postkoloniale Diskurs der Neuen Rechten“ eine „antimoderne, zivilisationskritische Schlagrichtung“.[19] Daneben wird im Roman dem Erhalt des eigenen Volkes als Schutz der Heimat eine metaphysische sowie biologistische Grundlage gelegt.[20]

Mariam Lau zeigt sich anlässlich einer Besprechung von Herrengedeck in der Zeit überrascht darüber, dass das Milieu rund um die AfD und ihren Vorfeldorganisationen „nun einen eigenen Romanautor hervorgebracht hat, der mehr nach Christian Kracht klingt als nach neurechter Erbauungsliteratur“ und zieht Parallelen zu Autoren wie Michel Houellebecq, Hunter S. Thompson oder Charles Bukowski.[21]

Veröffentlichungen (Auswahl)

Einzelnachweise

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