Wahngedanke
Denkstörung
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Der Wahngedanke (auch Wahnidee oder Wahnvorstellung, engl.: delusional idea[1]) ist ein psychopathologisches Symptom und gehört zu den inhaltlichen Denkstörungen. Wahngedanken treten also bei psychiatrischen Erkrankungen auf. Es sind die kleinsten, im Inhalt wahnhaft verfälschten Vorstellungen oder Gedanken.
| Klassifikation nach ICD-11 | |
|---|---|
| VVDY | Wahnvorstellung |
| ICD-11: Englisch • Deutsch (Vorabversion) | |
Beschreibung
Wahngedanken sind verfestigte, länger bestehende Vorstellungen. Sie gehen aus Wahneinfällen oder Wahnwahrnehmungen hervor und können zu einem Wahnsystem ausgestaltet werden.[2] Sie entstehen, wie jeder Wahn, aus einem pathologisch verfälschten Urteil.[1]
Wie bei anderen wahnhaften Symptomen ist bei voller Ausprägung der Erkrankung die wahnhafte Meinung unkorrigierbar; die Richtigkeit der Meinung ist dem Patienten evident. Der Patient ist mit seinem Wahn befasst; sein Erleben ist davon bestimmt. Er grübelt und sinniert dem Wahn nach.[3]
Beispiele
„Vor mehreren Monaten sind lauter gelbe ausländische Autos in der Stadt herumgefahren, die mich offensichtlich beobachtet haben. Das war kein Zufall. Seitdem weiss ich, dass sie mich dauernd im Visier haben.“
„Schon vor drei Jahren ist mir irgendwie klargeworden, und das weiß ich jetzt ganz genau, dass ich einer viel höheren Intelligenz angehöre und wahrscheinlich von dem Planeten Alpha Centauri abstamme.“[2]
Einordnung
Im AMDP-System (System zur Erstellung des psychiatrischen Befundes) finden sich Wahngedanken unter Nr. 36.[2]
Ursachen
Wahngedanken treten bei psychotischen Störungen (wie bipolare Störungen, schwere Depressionen, Schizophrenie) auf. Die genauere Verursachung und Ätiologie muss aus dem Kontext erarbeitet werden.
Diagnostik
Das Symptom wird in der psychiatrischen Untersuchung, im Gespräch zwischen Arzt und Patient, diagnostiziert. Es wird nicht immer ohne weiteres vom Patienten berichtet. Es ist zu prüfen, ob die Kriterien des Wahns erfüllt sind. Man kann dann z. B. folgende Fragen stellen: „Haben Sie sich in letzter Zeit Gedanken gemacht, dass irgendetwas um Sie herum nicht stimmt?“ „Könnte es auch anders sein?“ „Gibt es dafür auch eine andere Erklärung?“[4]
Abgrenzung
Illusionen: verfälschte Wahrnehmungen. Es bestehen Wahrnehmungen, die aber inkorrekt sind.
Wahneinfall: Wahnhafte Überzeugung, spontan und ohne Anlass, also auch ohne vorangegangene Wahrnehmung.
Wahnwahrnehmungen: Einer an sich richtigen Wahrnehmung wird eine wahnhafte Bedeutung zugeschrieben.
Zwangsgedanken: Der Patient erkennt diese meist als krankhaft und unsinnig und leidet darunter.
Halluzinationen: sind Sinneswahrnehmungen, keine Gedanken.
Wahndynamik: gibt die Emotionalität an, die im Zusammenhang mit dem Wahngedanken auftritt.
Derealisation: Die Umgebung wird als unwirklich erlebt.
Behandlung
Diese erfolgt im Rahmen der Behandlung der psychotischen Erkrankung. Mit dem Behandlungsfortschritt treten die Wahngedanken wie andere psychotische Symptome zuerst in den Hintergrund und verschwinden dann allmählich. Im Vordergrund steht die psychopharmakologische Behandlung mit Antipsychotika.
Literatur
- Das AMDP-System (Manual zur Dokumentation des psychischen Befundes), 11. Aufl. 2023, hogrefe ISBN 978-3-8017-3193-9.
- Leitlinie Schizophrenie der AWMF: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/038-009[5]