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Walther Staub

Schweizer. (Erdöl-)Geologe u. Kartograph; Diss. an der Techn. Hochsch. Zürich 1911/12, 1920 Habilitation für angewandte Geologie an der Univ. Bern From Wikipedia, the free encyclopedia

Walther Staub (* 15. Mai 1886 in Bern; † 19. Januar 1966 in Kottenheim, Rheinland-Pfalz) war ein Schweizer Geologe, Erdölgeologe, Geograph und Forschender mesoamerikanischer Kulturen, der vor allem durch seine Arbeiten zur Geologie der Schweiz und Mexikos[1] sowie durch volkskundliche Forschungen zu den Huaxteken in Ostmexiko bekannt wurde. Sein Lebenswerk umfasst über 200 Publikationen,[2] darunter Beiträge zur geologischen Kartierung, Wirtschaftsgeographie und Archäologie.

Walther Staub, 1946

Leben und Ausbildung

Walther Staub wurde als Sohn eines Bankdirektors in Bern geboren.[3] Er besuchte das Progymnasium und Gymnasium in Bern,[4] absolvierte 1904 die Reifeprüfung und begann im selben Jahr sein Studium an der ETH Zürich in der naturwissenschaftlichen Abteilung.[5] 1906 schloss er das Vordiplom ab, 1909 erhielt er das Diplom als Lehrer für Naturwissenschaften mit den Schwerpunkten Geographie, Geologie, Mineralogie und Petrographie.[6] Den Sommer 1910 verbrachte Staub in Lausanne[4.1]. Besonders geprägt wurde er von Albert Heim, bei dem er seine Diplomarbeit und später die Doktorarbeit[7][8.1] anfertigte und bei dem er 1911 promovierte.[9.1]

Berufliche Laufbahn

Staub war zunächst Assistent von Albert Heim und anschliessend von Hans Schardt[4.2] an der ETH Zürich. Er arbeitete ab 1912 als Petroleumgeologe für Erdölgesellschaften, unter anderem in Russland (Kaukasus) und später für die Bataafse Petroleum Maatschappij (Royal Dutch Shell) in Indonesien und Mexiko. 1919 wurde er erster Schweizer Vizekonsul in Tampico (Mexiko).[10] Seine Arbeiten in Mexiko umfassten geologische Erkundungen[1] sowie volkskundliche Beobachtungen lokaler Kulturen, darunter der Huaxteken[4.3] sowie tektonische Studien zum Golf von Mexiko.[11] Aufgrund seiner Tätigkeit als Erdölgeologe in Mexiko führte Staub unter anderem die stratigraphische Einheit der „Cerro Topila beds“ (Neogen, Tamaulipas und Veracruz) ein.[12] Staub erkannte 1926 die Kontinentalverschiebung als „Spezialfall der Rahmenfaltung“ und „vielleicht der Anfang einer neuen Betrachtungsweise“.[13.1][14]

1921 habilitierte er sich an der Universität Bern und war dort als Privatdozent tätig, konnte aber keinen Lehrstuhl für angewandte Geologie etablieren.[4.4] 1925 leitete er geologische Arbeiten im Wallis (Schweiz)[4] und wirkte an der Erstellung der geologischen Wandkarte der Schweiz (Massstab 1:200'000) mit, die 1932 erschien und international Beachtung fand.

Ab 1925 lebte Staub in Berlin, wo er unter anderem mit Geographen und Ethnographen zusammenarbeitete und seine Forschung an Mexiko vertiefte.[4.5] Im Mai 1927 kehrte er nach Bern zurück. Dort nahm er seine Universitätsvorlesungen[15][16] wieder auf und unterrichtete fast 30 Jahre lang als Hilfslehrer Geographie am Städtischen Handelsgymnasium und Progymnasium,[4.6] um seinen Lebensunterhalt zu verdienen.[4.7][15.1]

Ab den 1930er Jahren widmete er sich auch der Wirtschaftsgeographie und hielt Vorlesungen in Bern. Während des Zweiten Weltkriegs war er Ortswehrsoldat.[4.8]

Danach blieb Staub als Dozent und Vortragender aktiv und setzte seine Forschungen fort. Er war in zahlreichen schweizerischen und internationalen Fachgesellschaften aktiv.[13][13.1]

1955 erhielt Staub für das Sommer-Semester einen Lehrauftrag für Geographie der Schweizer Alpen an der Universität Bonn.[17][18]

Engagement in wissenschaftlichen Gesellschaften

Er war ab 1905 Mitglied der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft.[4.9] Von 1929 bis 1933 war er Sekretär der bernischen Naturforschenden Gesellschaft.[4.10] 1932 trat er in den Vorstand der Geographischen Gesellschaft Bern ein, war ab 1941 Sekretär und wirkte von Anfang 1948 bis Herbst 1956 als Präsident. Er wurde zu einem von drei Ehrenmitgliedern ernannt.[4.11]

Er war zudem Sekretär des Verbandes Schweizerischer Geographischer Gesellschaften, wirkte im Vorstand der Schweizerischen Geomorphologischen Gesellschaft[19][20] und der Gesellschaft für Asienkunde.[21] Bereitwillig übernahm er organisatorische Hilfsdienste. Die Vereinigung ehemaliger Naturwissenschaftler der ETH sowie der Verein Schweizerischer Geographielehrer[22] ehrten den langjährigen Getreuen mit der Freimitgliedschaft. Auch bei den Schweizer Geologen, den deutschen Völkerkundlern[4.5] und den internationalen Geographen[23] engagierte er sich.

1934 half er bei der Gründung der Vereinigung schweizerischer Petroleumgeologen und -ingenieure[24] und leitete von 1942 bis 1947 die Redaktion ihres vierteljährlichen Bulletins.[25] Eine von ihm 1941 erstellte Liste schweizerischer Petroleumgeologen ergab, dass in den letzten 50 Jahren über 250 ins Ausland gegangen waren.[26]

1937 nahm Staub am 17. Internationalen Geologenkongress in Moskau mit Exkursionen unter anderem nach Leningrad (heute St. Petersburg).[27][28]

1947 führte er in La Sarraz ein internationales Geographentreffen durch.[29][30] Als Beitrag zur Wiederaufnahme der wissenschaftlichen Kontakte nach dem Zweiten Weltkrieg zielte das Treffen auf den internationalen Austausch zwischen Forschenden verschiedener Länder ab. Es stand im Zeichen erneuerter Zusammenarbeit in der Geographie. Darüber hinaus hielt Staub viele Vorträge und leitete Exkursionen, wodurch er die geographische und geologische Fachwelt in der Schweiz beeinflusste.[31]

Staub nahm 1949 am 16. Internationalen Geographenkongress in Lissabon teil.[4.12]

Wissenschaftliche Kontakte

Staub pflegte enge Beziehungen zu internationalen Forschern und Kollegen. Emile Argand[4.1] begleitete ihn mit Rat und Verständnis. Freundlich anerkannten ihn die Professoren Karl Sapper, Fritz Jaeger und Walter Lehmann. Unter den Geologen standen ihm Paul Arbenz, Eugen Wegmann und Arthur Erni[32] nahe. Zu Arnold Heim bestand ein brüderliches Verhältnis, mit Paul Beck[33] in Thun gegenseitige Achtung.

Geologische Wandkarte der Schweiz 1:200'000 (1932).[34]

Hans Adrian,[35] sein Mitarbeiter bei Erdöl-Erkundungen in Mexiko,[4.13] blieb ihm bis ins Alter treu. Guy Stresser-Péan[36], Leiter des französischen ethnographischen Zentrums in Mexiko-Stadt und Huaxteken-Forscher, besuchte Staub in Bern und wurde ein Freund seines Alters. Der Engelberger Pater Hugo Beck[37], einer seiner letzten Studenten, wurde von ihm zu glazialmorphologischen Untersuchungen bei Solothurn angeleitet und baute diese zu einer Dissertation aus; auch mit ihm blieb Staub in Briefwechsel. Diese Kontakte prägten seinen wissenschaftlichen Weg.[4.14]

Persönliches

Walther Staub war verheiratet mit Mathilde Hundhausen und hatte drei Kinder.[4.15][4.16] Er galt als produktiver Forscher und als dienende, bescheidene Persönlichkeit.[4.17] Trotz persönlicher Belastungen blieb er wissenschaftlich aktiv.

1957 zog er nach Rheinbreitbach (Deutschland),[4.18][38] und starb am 19. Januar 1966 in Kottenheim.[4.19] Die Beerdigung fand auf dem Westfriedhof Köln-Bocklemünd statt.[4.20] Seine Sammlungen und wissenschaftlichen Nachlässe befinden sich in verschiedenen Schweizer Museen, darunter das Historische Museum Bern, das Naturhistorische Museum Basel[4.21] und das Völkerkundemuseum in Zürich[39]. Das Geographische Institut der Universität Zürich erhielt durch Heinz Balmer grössere Bestände aus Staubs nachgelassener Bibliothek (gemeinsam mit Nachlass von Fritz Nussbaum).[40]

Schriften (Auswahl)

Ein Verzeichnis der mehr als 200 wissenschaftlichen Arbeiten zu Geologie, Geographie, Archäologie und Volkskunde von Walther Staub[2], zusammengestellt von Heinz Balmer unter Mithilfe von Hans Adrian, erschien in den Verhandlungen der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft 146, 1966, S. 290–306.[41][42]

  • Einführung zur geologischen Wandkarte der Schweiz im Masstab 1:200'000. Bern, 1930.
  • Zur Entstehungsgeschichte des Golfes von Mexiko. In: Eclogae geologicae Helvetiae. 24, 1931, S. 61–82.
  • Karl Sapper (unter Mitarbeit von Walther Staub, Walther): Mittelamerika. In: Wilckens, O. (Hrsg.): Handbuch der Regionalen Geologie. VIII. Band, 4a. Abteilung. Heidelberg. 1937.
  • Bilder und Eindrücke aus Moskau und Leningrad anläßlich des 17. internationalen Geologenkongresses. In: Neue Berner Zeitung, 1937. [Teil] 1,[28] 2[43], 3,[44] 4,[45] 5,[46]
  • Staub, Walther; Hinderberger, Adolf (Hrsg.): Die Schweiz und die Forschung. Eine Würdigung schweizerischen Schaffens. Bd. 1. Bern: Huber, 1941, Heft 1, S. 40–55 (Der Anteil der Schweiz an der Entwicklung der Geologie).
  • Die Völker des Kaukasus. In: Schweizer Geograph. 20, 1943, S. 91–101.
  • Columbien, Venezuela, Trinidad (Kleine K & F-Reihe für Auswanderer und Kaufleute, Bd. 1). Kümmerly & Frey, Bern. 1946 (2. Aufl. 1950).
  • Nordafrika: Die Atlasländer Marokko, Algerien, Tunesien und Ägypten (Kleine K & F-Reihe für Auswanderer und Kaufleute, Bd. 2). Kümmerly & Frey, Bern. 1947.
  • Grundriss einer allgemeinen Wirtschafts- und Handelsgeographie. Basel, Ernst Reinhardt. 1951.
  • Andenländer: Venezuela, Kolumbien, Ekuador, Peru, Bolivien, Chile (unter Mitwirkung von Dr. Guillermo Mendershausen und Dr. Eppel). In: Gutersohn, Heinrich; Burky, Charles; Winkler, Ernst (Hrsg.): Die Erde. Länder, Landschaften, Völker. Band I. Hallwag, Bern 1956, S. 435–464.
  • Hinterindien, Burma, Thailand, Malaya, Indochina, Indonesien (unter Mitwirkung von Dr. Werner Kündig-Steiner und indonesischer Fachleute). In: Gutersohn, Heinrich; Burky, Charles; Winkler, Ernst (Hrsg.): Die Erde. Band II. Hallwag, Bern 1957, S. 460–507.

Literatur

Archive

  • Walther Staub (GND).[51]

Einzelnachweise

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