Weißagk

devastierter Ort in der Niederlausitz From Wikipedia, the free encyclopedia

Weißagk (niedersorbisch Wusoka) war ein Ort in der Lausitz. Das Angerdorf lag in einem Tal am Nordrand der Weißagker Platte, 7 km westnordwestlich von Forst. Es bestand aus den Ortsteilen Nieder- und Obergut. Seit 1815 gehörte der Ort zu den westlich der Neiße liegenden Ortschaften des ostbrandenburgischen Kreises Sorau.

Lageplan von Weißagk vor dem Abriss.
Heimatpark Weißagk 2011

Die Größe von Weißagk schwankte zwischen rund 503 (1875) und 698 (1946) Einwohnern. In den 1970er-Jahren hatte das Dorf 540 Einwohner. 1985 wurde Weißagk für den Tagebau Jänschwalde abgebaggert, nachdem die verbliebenen 321 Einwohner umgesiedelt worden waren.

Im Dezember 2005 wurde an der Straße von Mulknitz nach Gosda als Erinnerungsstätte der Heimatpark Weißagk eröffnet.

Geschichte

Im Jahr 1344 wird das Dorf als Vasallendorf erstmals erwähnt. Der Name „Wyschok“, abgeleitet vom sorbischen wusoko/wysoko für „hoch (gelegen)“, taucht 1389 auf. Der Ortsname veränderte sich über mehrere Stufen zu Weissagk (1504). Im Jahr 1937 wird Weissagk umbenannt in Weißagk. Von 1344 bis 1823 ist es ein Lehnsgut der Herren von Bomsdorff, aus altem Uradel. Namentlich bekannt wurden Hans Günther von Bomsdorff und sein Sohn Günther Siegismund von Bomsdorff als Gutsbesitzer im Dorf.[1] Aus der alten Familie von Bomsdorff-Weißagk entstand auch die Familie von Wackerbarth gen. von Bomsdorf.[2][3] Die Familie von Bomsdorff erwirbt nach dem Weggang aus Weißagk dann durch den Juristen Hermann von Bomsdorff-Weißagk Gut Kükebusch.[4] 1830 wird die Leibeigenschaft in Weißagk abgeschafft.

In der Zeit ab 1856 waren die Gutsherren aus der briefadeligen Familie von Treskow, ursprünglich aus der Linie Schloss Friedrichsfelde. Sie bewirtschafteten das Gut bis zu den Enteignungen nach dem Zweiten Weltkrieg. Um 1914 gehörten zum Gut in Weißagk 858 ha, Verwalter war Carl August Lange.[5] Die letzten Gutsherren der Familie waren der kgl. preuß. Leutnant d. Landwehr Ludwig (auch Carl Ludwig) von Treskow (1832–1897),[6] in erster Ehe verheiratet mit Eugenie Jouanne (1837–1880) aus Berlin-Britz, und dann folgend ein jüngerer Sohn, Werner von Treskow (1864–1912). Ihm beerbte seine Ehefrau Luise, geb. von List (1870–1945) aus Kahsel. Luise von Treskow und Werner von Treskow hatten keine eigenen Kinder.[7] Sie adoptierten 1919 Ulrike Zürn, die erst den Namen von Treskow trug und von 1928 bis 1953 mit Joachim Burscher von Saher zum Weissenstein verheiratet war, und die in Moskau geborene Architektentochter Katharina Hermann, die die Namensführung von Treskow-Hermann nutzte.[8] Bei der letzten amtlichen Erhebung hatten das Rittergut Niedergut-Weißagk 858 ha, das Rittergut Obergut-Weißagk 265 ha. Letztere Begüterung war an Kurt Junghanns aus Tranitz verpachtet.[9] Luise von Treskow-Weißagk lebte zuletzt im Dezember 1945 in Cottbus.

Ein Stall wird von der LPG gebaut. 1955

Im November 1945 wurden im Zuge der Bodenreform 593 ha Gutsland an landarme Bauern und Übersiedler aufgeteilt. Im Oktober 1946 wählten die Bürger des Ortes ihre erste Gemeindevertretung. Im April 1956 öffnete eine Saison-Kinderkrippe im Dorf und 1960 erfolgte der Bau einer Apotheke. Am 24. Dezember 1985 fand der letzte Gottesdienst in der Kirche zu Weißagk statt. Die Kirche wurde 1987 abgerissen.[10] Am 1. Januar 1986 wurde Weißagk nach Forst eingemeindet.[11]

Bevölkerung und Sprache

Der Wissenschaftler Arnošt Muka zählte in den 1880er Jahren 632 Einwohner in Weißagk, davon waren rund 500 Sorben (79 %).[12] Der Gottesdienst in sorbischer Sprache hatte jedoch bereits 1865 mit dem Tod von Pfarrer Bětkar aufgehört. In der Weißagker Schule war bereits seit 1827 nicht mehr sorbisch unterrichtet worden.[13] Laut Ernst Tschernik gab es 1956 nur noch 20 Einwohner mit sorbischen Sprachkenntnissen in der Gemeinde Weißagk, das entsprach knapp 3 Prozent der Bevölkerung.[14]

Siehe auch

Literatur

  • Richard Ihlo und Wilfried Scholze: Das Dorf Weißagk von seinen Anfängen bis zum Jahre 1975. Hrsg. u. Selbstverlag Rat des Kreises Forst, Forst 1978.
  • Klaus Ihlau: Kirschenpflücken in Weißagk. Regie: Ingo Langberg. Radio-Feature. Prod.: Rundfunk der DDR, Berlin 1983. („Der Autor erzählt mit dem Mikrofon das letzte Kapitel eines Dorfes in der Lausitz, das es im Jahre 1985 nicht mehr geben wird.“)[15]
  • Evangelische Kirchengemeinde Horno (Hrsg.): Verlorene Heimat. Der Bergbau und seine Auswirkungen auf Kirchen und Kirchengemeinden der Ober- und Niederlausitz. Horno 2007, ISBN 3-935826-88-5.
  • Frank Förster: Verschwundene Dörfer im Lausitzer Braunkohlenrevier. 3., (bearbeitete und erweiterte) Auflage, Domowina-Verlag, Bautzen 2014, S. 346–356.

Quellen (Auswahl)

Commons: Weißagk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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