Wilhelm Reinhard (Theologe)

deutscher Theologe (Evangelisch) und Politiker; Präsident des Volkstags der Freien Stadt Danzig (1920–1921) From Wikipedia, the free encyclopedia

Wilhelm Reinhard (* 4. September 1860 in Neuwied; † 17. Dezember 1922 in Stettin)[1] war ein deutscher evangelischer Theologe und Politiker. Er fungierte für die Evangelische Landeskirche der älteren Provinzen Preußens u. a. als Generalsuperintendent der Kirchenprovinz Westpreußen (1911–1920) und des Westsprengels der Kirchenprovinz Pommern (1921–1922), sowie als Präsident der Verfassunggebenden Versammlung bzw. des Volkstags der Freien Stadt Danzig (14. Juni 1920–27. Januar 1921).[2]

Wilhelm Reinhard

Leben

Nach dem Besuch des Gymnasiums in Neuwied studierte Reinhard Theologie in Halle, Leipzig und Bonn.[3] Als langjähriger Schüler von Rudolf Kögl trat er in die Terminatur des Berliner Domkapitels ein und wurde im Alter von 23 Jahren zum Prediger geweiht. Er übernahm das Vikariat der Provinz Kurmark (Kurmark), die Funktion des Adjunkts und Hilfsdompredigers in Berlin sowie die des Wanderpredigers für jugendliche Kandidaten für den geistlichen Dienst.[4] Reinhard war Mitglied der Schwarzburgverbindung Nordalbingia Leipzig.[5]

Nach Tätigkeiten als Provinzialvikar der Kurmark und Hilfsprediger am Berliner Dom war er von 1886 bis 1888 in der Inneren Mission tätig, bis 1895 war er Pfarrer in Paplitz bei Baruth, bevor er als Stadtsuperintendent und Erster Pfarrer nach Freystadt in Westpreußen wechselte. Ab 1899 wurde er Konsistorialrat und Pfarrer der Danziger Marienkirche, zugleich Superintendent von Danzig, ab 1911 Generalsuperintendent der lutherischen Kirche in der Provinz Westpreußen.[4] Zum Reformationsjubiläum 1917 promovierte ihn die Theologische Fakultät der Albertus-Universität Königsberg ehrenhalber zum Doktor der Theologie.[3]

Ab 1907 war Reinhard Mitglied der Generalsynode. Er saß in der Preußischen Landesversammlung[3] und wurde 1920 als Listenführer der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) Abgeordneter des Volkstages in Danzig.[6]

Im April 1921 übernahm er das Amt des Generalsuperintendenten der Provinz Pommern in Stettin. 1922 war er Vorsitzender der konstituierenden Versammlung der Kirchen der Altpreußischen Union, deren Ziel die Verbesserung der Beziehungen zwischen Staat und Kirche war. Sein Tod machte die Hoffnungen auf eine Einigung zunichte. Ihm wurde 1917 die Ehrendoktorwürde der Theologie der Universität Königsberg verliehen.[4]

Der evangelische Pfarrer und Schriftsteller Artur Brausewetter würdigte Reinhards Wirken in seiner Autobiografie mit den Worten:

„An Franks Stelle trat dann der kluge, in jeder Lebenslage sich zurechtfindende D. Reinhard, der sich als Volkstagspräsident um die ‚Freie Hansestadt‘ ebenso verdient machte wie als Generalsuperintendent in Danzig und Stettin um die Kirche.“

Artur Brausewetter: Lebenserinnerungen[7]

Familie

Wilhelm Reinhard war mit Sophie Siegert verheiratet und hatte mit ihr einen Sohn,

Reinhard hatte noch vier Geschwister:

  • Walter Reinhard (* 5. Januar 1863; † 2. März 1901)
  • Albert Reinhard (* 28. Juli 1864; † 5. August 1894 in Heddesdorf) Theologe, 1892 Hilfsprediger
  • Viktor Reinhard (* 17. Juni 1867; † 6. November 1945 in Neuwied), Landwirt, bewirtschaftete den Burghof in Heimbach-Weis, ⚭ Martha Günther (* 5. Februar 1872; † 1. Dezember 1941)
  • Emilie Reinhard (* 18. April 1878; † 8. September 1922)

Einzelnachweise

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