Wilhelm von Bismarck

deutscher Politiker, MdR, Sohn Otto von Bismarcks From Wikipedia, the free encyclopedia

Wilhelm „Bill“ Otto Albrecht von Bismarck-Schönhausen[1], ab 1865 Graf von Bismarck-Schönhausen (* 1. August 1852 in Frankfurt am Main; † 30. Mai 1901 in Varzin, Pommern) war ein deutscher Politiker und Verwaltungsjurist. Er war Mitglied des Reichstags, des Preußischen Abgeordnetenhauses, danach Landrat von Hanau, Regierungspräsident von Hannover und zuletzt Oberpräsident in der Provinz Ostpreußen. Er war ein Sohn Otto von Bismarcks.

Graf Bismarck als Bonner Preuße.
Graf Wilhelm von Bismarck, 1899, gemalt von Max Koner.

Herkunft und Familie

Wilhelm von Bismarck entstammte dem Adelsgeschlecht der Bismarcks und war der jüngere der beiden Söhne des nachmaligen preußischen Ministerpräsidenten und Reichskanzlers Otto Fürst von Bismarck und dessen Frau Johanna, geb. von Puttkamer. Wilhelm wurde in Frankfurt geboren, weil sein Vater zu dieser Zeit dort preußischer Gesandter beim Bundestag des Deutschen Bundes war.

Wilhelm von Bismarck heiratete am 6. Juli 1885 auf Schloss Kröchlendorff, Uckermark, seine Cousine Sibylle von Arnim (1864–1945), Tochter von Oskar von Arnim-Kröchlendorff und Malwine geb. von Bismarck-Schönhausen, der dem Kanzler eng verbundenen Schwester. Aus der Ehe gingen ein Sohn und zwei Töchter hervor.[2][3]

Ausbildung

Bismarck besuchte das Gymnasium in Berlin und studierte Rechtswissenschaft zunächst an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Mit seinem Bruder Herbert von Bismarck wurde er 1870 Mitglied des Corps Borussia Bonn.[4] Als Inaktiver wechselte er an die Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. Er legte das erste und 1878 zweite juristische Staatsexamen ab.[2]

Vom 1. Oktober 1869 bis zum 16. August 1873 leistete er Militärdienst. Er war als Offizier Teilnehmer am Deutsch-Französischen Krieg und schied als Premier-Lieutenant à la suite aus dem Militär aus.

Karriere

Zunächst wurde er Regierungsassessor in der politischen Abteilung des Auswärtigen Amtes und beim Kaiserlichen Statthalter im Reichsland Elsaß-Lothringen. 1881 wechselte er in die Reichskanzlei. 1882 wurde er Regierungsrat, 1884 Vortragender Rat im Preußischen Staatsministerium.[2]

1885 schlug ihn der preußische Minister des Innern, Robert Viktor von Puttkamer, ein Verwandter seiner Mutter, dem König zur Ernennung zum Landrat des Kreises Hanau vor. Er erhielt die Stelle zum 22. September kommissarisch, am 16. Oktober 1885 endgültig übertragen.[2] In seiner Amtszeit wurde 1886 die Stadt Hanau als kreisfreie Stadt verselbständigt und aus dem Kreis Hanau ausgegliedert. Da es so auch einen „Stadtkreis Hanau“ gab, wurde der bisherige „Kreis Hanau“ in „Landkreis Hanau“ umbenannt.

Zum 1. März 1889 wurde Bismarck Regierungspräsident von Hannover, 1895 bis 1901 Oberpräsident in Ostpreußen.

Wilhelm v. Bismarck (Christian Wilhelm Allers, 1892).

Von 1878 bis 1881 gehörte er als Mitglied der Deutschen Reichspartei, einer Reichstagsfraktion der Freikonservativen Partei, dem Reichstag an. Im Anschluss war er von 1882 bis 1885 Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses.[5] Er setzte sich vornehmlich für die Interessen der Landwirtschaft ein. Am 30. Mai 1901 starb er an einer Bauchfellentzündung.

Ehrungen (Auswahl)

Literatur

  • Friedrich Karl Devens: Biographisches Corpsalbum der Borussia zu Bonn 1827–1902. Selbstverlag, Düsseldorf 1902, S. 177.
  • Gothaisches Genealogischer Hofkalender nebst diplomatisch-statistischem Jahrbuch. 1898. Jahrgang 135, Justus Perthes, Gotha 15. November 1897, S. 295.
  • Georg-Wilhelm Hanna (Bearb.): Der Landkreis Hanau und seine Landräte. Hrsg. Kreissparkasse Hanau, Hanau 1989, S. 22.
  • Heinrich Heffter: Bismarck, Wilhelm Otto Albrecht Graf von. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 2. Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. 277.
  • Thomas Klein: Leitende Beamte der allgemeinen Verwaltung in der preußischen Provinz Hessen-Nassau und in Waldeck 1867 bis 1945. In: Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte. Band 70; Hessische Historische Kommission Darmstadt, Historische Kommission für Hessen, Darmstadt / Marburg 1988, ISBN 3-88443-159-5, S. 98–99.
  • Horst Kohl: Briefe Ottos von Bismarck an Schwester und Schwager, Malwine v. Arnim geb. von Bismarck-Schönhausen und Oskar von Arnim-Kröchlendorff. (Hrsg. i. A. d. Sibylle v. Bismarck geb. v. Arnim), Leipzig 1915.
  • Bernhard Mann: Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus 1867–1918. In: Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 3; Droste, Düsseldorf 1988, ISBN 3-7700-5146-7, Nr. 160.
  • Meyers Enzyklopädisches Lexikon. Band 4, Bibliographisches Institut, Mannheim / Wien / Zürich 1972, S. 275.
  • Johannes Penzler: Graf Wilhelm Bismarck. Ein Lebensbild nach dem von der Familie dargebotenen und anderem Material. Berlin 1902.
  • Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Dritter Band 1849–1914. C. H. Beck, München 1995, ISBN 3-406-32263-8, S. 920 f.
  • Wolfgang Windelband: Bismarcks Briefe an seinen Sohn Wilhelm. (Hrsg. i. A. d. Gräfin Sibylle v. Bismarck geb. von Arnim) Berlin 1922.

Weitere Literatur

  • Aus den Papieren des Gf. Wilhelm von Bismarck u. E. von Manteuffel, In: Wissenschaftlichen Institut der Elsaß-Lothringer im Reich (Hrsg.): Elsaß-Lothringen. Jahrbuch. 15-1936, de Gruyter, Leipzig/Berlin 1936, S. 133 ff.
  • H. Goldschmidt: Mitarbeiter Bismarcks im außenpolitischen Kampf. In: Preußen Jahrbuch. Band 234/235, 1934.
  • Werner Richter: Bismarck. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1962.
  • W. Windelband (Hrsg.): Johanna von Bismarck. Briefe an ihren Sohn Wilhelm und ihre Schwägerin Malwine. Berlin 1924.

Einzelnachweise

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