Zeitgeber (Kurzgeschichte)

Science-Fiction-Novelle von Greg Egan von 2019 From Wikipedia, the free encyclopedia

Zeitgeber ist eine Science-Fiction-Kurzgeschichte des australischen Schriftstellers Greg Egan, zuerst veröffentlicht im Reactor Magazine (tor.com) im September 2019. Die Kurzgeschichte erschien ebenfalls in der Sammlung Sleep and the Soul im Jahr 2023.[1][2] Die Kurzgeschichte beschreibt eine mysteriöse Epidemie, welche die gemeinsame innere Uhr von Menschen aus dem Takt bringt, sowie deren Auswirkungen auf eine betroffene Familie.

Handlung

Sam und Laura werden nachts immer öfter von ihrer gemeinsamen neunjährigen Tochter Emma für Frühstück geweckt. Auf ihre Bemerkungen, dass etwa die Sonne noch gar nicht aufgegangen sei, reagiert Emma nur mit einer Zeichnung der Sonne. Dafür wird Emma oft schon am Nachmittag müde. Ihrer Ansicht nach sei ausschließlich ihr innerer Rhythmus entscheidend, den sie mit gefühlten Uhrzeiten angibt. Sam macht sich persönlich und im Internet auf die Suche nach einer Erklärung und findet heraus, dass es zahlreiche weitere Betroffene rund um die Welt gibt. Es ist jedoch absolut kein Zusammenhang basierend auf Wohnort, Ethnizität oder Geschlecht erkennbar. Statt über mögliche Gründe tauschen sich die Betroffenen daher vermehrt über den Umgang mit den neuen Bedingungen aus. Sam erkennt, dass ein normaler Schulbesuch für Emma nicht weiter möglich sein wird und beginnt fortan, sie zu Hause zu unterrichten. Später schließen sich ebenfalls andere betroffene Kinder aus der Region an. Sam beginnt in den nächsten Monaten langsam unter der Überanstrengung zu leiden, wobei ihm eine neue App dabei hilft, den Rhythmus von Emma im Blick zu halten. Überraschend bekennt sich eine anonyme Gruppe, welche sich als Zeitdiebe bezeichnen, zur künstlichen Herbeiführung des Phänomens. Zur Überzeugung der ganzen Welt für ihre Forderung eines Lösegelds von einer Trillionen US-Dollar haben die Zeitdiebe einen enormen Aufwand betrieben: Verschiedene Nachrichten mit genauen Beschreibungen der Epidemie wurden bereits vor zwei Jahren an unzählige große Organisationen versendet oder auf sozialen Medien gepostet und von diesen mit Zeitstempeln versehen. Teilweise waren diese Nachrichten nur verschiedene Hash-Codes der tatsächlichen Nachrichten, sodass die Zeitdiebe glaubhaft im Nachhinein behaupten konnten, schon im Voraus von der Epidemie gewusst zu haben. Besonders aufsehenerregend sind dabei Videoaufnahmen von Versuchen mit Makaken: Auf Bildschirmen liefen hinter ihren Käfigen aktuelle Nachrichtenaufnahmen und vor ihren Käfigen die zuvor eingesendeten Aufnahmen mit Zeitstempel. So ist klar, dass eine Fälschung nur in nahezu Echtzeit gerendertes CGI sein kann. Ironischerweise verlassen sich also die Zeitdiebe selbst auf einen perfekt abgestimmten Zeitplan. Durch die vielen Veröffentlichungen verraten sich die Zeitdiebe jedoch und eine Gruppe mit insgesamt vierunddreißig Tätern wird in Shanghai festgenommen. Einige von ihnen hatten eine Chemikalie zur Störung des Zeitempfindens entwickelt, welche durch die Haut aufgenommen werden kann, und andere hatten es in einer dort ansässigen Firma auf die Produkte gestrichen, wozu insbesondere auch Kinderspielzeug gehört. Neurobiologen weltweit, darunter zahlreiche Nobelpreisträger, arbeiten an der Entwicklung eines Gegenmittels, genannt Zeitgeber, welches die Auswirkungen rückgängig machen kann. Laura schlägt vor, es Emma heimlich in ihr Essen zu geben, doch Sam will sie aus freien Stücken dazu bewegen. Emma besteht jedoch weiterhin auf ihrem eigenen Rhythmus und will nicht einsehen, warum sie sich allen anderen anpassen soll bei etwas, das für sie absolut kein Problem ist. Sam spricht mit Laura und fragt nach Rat. Laura erzählt ihm, dass ihr eigener Rhythmus sich auch verschoben hat. Anstatt den Zeitgeber zu nehmen, hat sie ihren neuen Rhythmus ebenfalls in der App eingetragen.

Kritik

Russel Letson schrieb im Locus Magazine, dass die Kurzgeschichte zwar nicht den neurologischen Mechanismus untersuche, sondern vielmehr die persönlichen, häuslichen, sozialen und ökonomischen Auswirkungen („what the story examines is not so much the precise neurological mechanism as the personal, domestic, social, and economic effects“). So basiere die Kurzgeschichte vielmehr auf lebhaften Darstellungen von Ängsten und Verunsicherungen sowie den entschlossenen Bemühungen von Einzelpersonen und Gruppen, diese zu umgehen oder zu überwinden („turns on vivid depictions of anxieties and dislocations and the determined efforts of individuals and groups to work around or through them“).[3]

Einzelnachweise

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