Abtei St. Hildegard (Rüdesheim am Rhein)

Kloster in Rüdesheim am Rhein, Rheingau-Taunus-Kreis, Hessen From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Abtei St. Hildegard ist ein Benediktinerinnenkloster im Rüdesheimer Stadtteil Eibingen im Bistum Limburg. Seit 2002 ist die Abtei Teil des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal.

Kirchenprovinz Köln
Diözese Bistum Limburg
Kongregation Beuroner Kongregation
Schnelle Fakten Basisdaten, Staat ...
Abtei St. Hildegard
Basisdaten
Staat Deutschland
Kirchenprovinz Köln
Diözese Bistum Limburg
Kongregation Beuroner Kongregation
 
Äbtissin M. Katharina Drouvé OSB
Priorin Sr. Raphaela Brüggenthies OSB
Subpriorin Sr. Thekla Baumgart OSB
 
Gründung 1904
Patrozinium Hl. Hildegard von Bingen
Ordensschwestern 34 (Stand 2025)[1]
 
Ritus Römischer Ritus
Liturgiesprache Deutsch, Latein
Anschrift Abtei St. Hildegard
Klosterweg 1
65385 Rüdesheim am Rhein
Website www.abtei-st-hildegard.de
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Luftaufnahme der Abtei St. Hildegard
Altarraum der Abteikirche

Lage

Die Abtei liegt etwa zwei Kilometer nördlich des Ortszentrums von Rüdesheim, in einer Höhe von etwa 230 m NN, rund 150 Meter über dem Niveau des Rheins. Die Weinberge, die auch von ihr bewirtschaftet werden, reichen bis zur Höhe des Klosters.

Geschichte

Die am 2. Juli 1900 gegründete Abtei wurde am 17. September 1904 von 12 Benediktinerinnen aus der Abtei St. Gabriel in Prag bezogen. Sie steht in der Nachfolge der von der heiligen Hildegard von Bingen gegründeten Klöster Rupertsberg und Eibingen. Das oberhalb von Eibingen von 1900 bis 1904 im neoromanischen Stil neu erbaute Kloster wurde von Fürst Karl zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg gestiftet. Es gehört zur Beuroner Kongregation. Die wichtigsten Räume, wie Kirche samt Chor, und die Bibliothek, wurden bei der Gründung von Künstlermönchen der Beuroner Kunstschule ausgemalt.

Am 2. Juli 1941 wurden die Schwestern im Zuge des Klostersturms der Nationalsozialisten von der Gestapo vertrieben. Sie konnten erst nach Kriegsende am 2. Juli 1945, dem Gründungstag, zurückkehren. 1988 besiedelte ein kleiner Konvent von Schwestern aus der Abtei St. Hildegard das Kloster Marienrode bei Hildesheim neu. Marienrode war bis 1998 ein von Eibingen abhängiges Priorat und wurde später unabhängig. Äbtissin von Rupertsberg und Eibingen ist seit Januar 2023 die frühere Priorin Katharina Drouvé OSB. Sie ist die 41. Nachfolgerin der heiligen Hildegard von Bingen.[2]

Seit der Gründung haben sich Schwestern der Abtei an der wissenschaftlichen Forschung zu Leben und Werk Hildegards beteiligt, den Impuls dazu gab Abt Ildefons Herwegen (Abtei Maria Laach). Zu nennen sind hier insbesondere Maura Böckeler, Marianna Schrader, Adelgundis Führkötter, Angela Carlevaris, Philippa Rath und Maura Zátonyi. 2018 wurde die St. Hildegard-Akademie Eibingen gegründet, um diese Aktivitäten zu bündeln.

Dem Lebensunterhalt der Gemeinschaft dienen das Klosterweingut, der Klosterladen, die Kunstwerkstätten und ein Gästehaus. Auch werden Wallfahrer und Pilger zum Schrein der hl. Hildegard in der Pfarrkirche von Eibingen betreut.

Äbtissinnen

Philippine zu Guttenberg, die letzte Äbtissin der alten Abtei Beatae Mariae Virginis in Eibingen

Äbtissinnen der Abtei Beatae Mariae Virginis

  • Hildegard von Bingen (1098–1179), Gründerin und erste Äbtissin der Gemeinschaft
  • 1373–1417: Benigna von Algesheim
  • Katharina von Kreuznach, 1529 erwähnt

Seit 1603 führen die Äbtissinnen den Titel „von Rupertsberg und Eibingen“

  • 1577–1611: Kunigunde Frey von Dehrn
  • 1611–1642: Anna Lerch von Dirmstein, † 1660
  • 1642–1666: Magdalena Ursula von Sickingen[3]
  • 1666–1669: Cunigunde Schütz von Holtzhausen
  • 1670–1692: Maria Scholastica von Manteuffel
  • 1692–1711: Maria Anna Ulner von Dieburg
  • 1711–1740: Maria Antonetta Mühl zu Ulmen
  • 1740–1768: Caroline von Brambach
  • 1768–1780: Maria Benedicta von Dumont
  • 1780–1788: Hildegard von Rodenhausen
  • 1791–1804: Philippine zu Guttenberg, letzte Äbtissin

Das alte Kloster im Ortsteil Eibingen wurde wegen der Säkularisation 1803 aufgehoben. Durch den Reichsdeputationshauptschluss fielen das Kloster und seine Besitzungen an den Fürsten zu Nassau. 1831 erwarb die Eibinger Pfarrgemeinde Kloster und Kirche, weswegen sich die Reliquien der hl. Hildegard bis in die Gegenwart in der Eibinger Pfarrkirche und nicht in der ihr geweihten Abtei befinden.

Äbtissinnen der Abtei St. Hildegard

Die Äbtissinnen von Rupertsberg und Eibingen stehen in der Sukzession Hildegards von Bingen. Nach der Wiedererrichtung des Klosters oberhalb von Eibingen 1904 wurden folgende Schwestern vom Konvent zur Äbtissin gewählt:

Bekannte Nonnen (Auswahl)

Orgel

Die Orgel der Abteikirche wurde im Jahre 2004 – anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Abtei – von der Orgelbaufirma Romanus Seifert & Sohn aus Kevelaer gebaut.[5] Die Register des Positivs (II. Manual) werden – mit Ausnahme der Syflöth 2′ – über Wechselschleifen aus dem Hauptwerk extrahiert.[6]

I Hauptwerk C–c4

01.Principal16′
02.Octav08′
03.Grobgedackt08′
04.Spitzflöth08′
05.Viola di Gamba08′
06.Quintatön08′
07.Octav04′
08.Flauth douce04′
09.Rohrflauth04′
10.Nasat03′
11.Super Octav02′
12.Terz135
13.Mixtur113
14.Cymbel01′
15.Cornett03′
16.Trombetten08′
17.Krumbhorn08′
II Positiv C–c4
18.Octav8′
19.Grobgedackt8′
20.Spitzflöth8′
21.Viola di Gamba 08′
22.Quintatön8′
23.Octav4′
24.Flauth douce4′
25.Rohrflauth4′
26.Nasat3′
27.Super Octav2′
28.Syflöth2′
29.Terz135
30.Mixtur113
31.Cymbel1′
32.Trombetten8′
33.Krumbhorn8′
III Schwellwerk C–c4
34.Borduen16′
35.Principal08′
36.Solicional08′
37.Coppel08′
38.Unda Maris08′
39.Flöth von Holtz08′
40.Flauth travers04′
41.Salicet04′
42.Hohlflöth04′
43.Quinte03′
44.Flageolet02′
45.Mixtur113
46.Fagott16′
47.Posaun08′
48.Hautbois08′
49.Vox humana08′
Beben
Pedal C–f1
50.Gedackter Bahs 032′
51.Subbahs16′
52.Principalbahs16′
53.Gedacktbahs08′
54.Octavbahs08′
55.Super Octav04′
56.Posaunbahs32′
57.Posaune16′
58.Trombettbahs08′
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P
    • Suboktavkoppel: II/I

Glocken

Schon im Jahr 1908 goss die renommierte Glockengießerei Otto aus Hemelingen ein vierstimmiges Bronzeglockengeläut für die Klosterkirche. Die Glocken dieses Geläutes wurden im Zweiten Weltkrieg beschlagnahmt und eingeschmolzen. Im Jahr 1951 lieferte die Gießerei Otto vier neue Glocken.[7][8]

Geläutedisposition: es′+2 – f′+2 – as′+2 – b′+2 – a′′-3

Nr.
 
Name
 
Masse (kg) Ø
(mm)
Schlagton
(16tel)
Abklingdauer
(Sec.)
Klangverlauf
 
Gussjahr
 
Glockengießer
 
Inschrift
 
1Michael14001302es1+296ruhig1951Otto / Bremen-HemelingenQUIS.UT.DEUS, Gießerzeichen, 1951
2Benedikt9501144f1+273ruhig1951Otto / Bremen-HemelingenOPERI.DEI.NIHIL.PRAEPONATUR, Gießerzeichen, 1951
3Hildegard502945as1+263leicht wellig, ruhig1951Otto / Bremen-HemelingenO.AURORA.COLLIGE.MEMBRA.FILII.TUI.AD.COELESTEM.HARMONIAM, Gießerzeichen, 1951
4Maria335830b1+259schwebend ruhig1951Otto / Bremen-HemelingenAVE.MARIA, Gießerzeichen, 1951
4Gebetsglockeca. 65487a2-324ruhig19. Jh.F.& A. Causard / ColmarGLOCKENGIESSEREI VON F & A CAUSARD COLMAR STRASSBURG Vorderseite mit bärtigen Männerköpfen verziert, Flanke: Kreuz mit Korpus, Rückseite stehende Madonna m. Kind, Fries aus Büten u. Blättern

[9]

Schriften der Abtei (Auswahl)

Schriften aus der Reihe Hildegard von Bingen. Werke:

  • Wisse die Wege (= Hildegard von Bingen. Werke. Band I). Hrsg. von der Abtei St. Hildegard, Eibingen; neu übersetzt von Mechthild Heieck. Beuroner Kunstverlag, 2010, ISBN 978-3-87071-211-2.
  • Ursprung und Behandlung der Krankheiten. Causae et curae (= Hildegard von Bingen. Werke. Band II). Hrsg. von der Abtei St. Hildegard, Eibingen; neu übersetzt von Ortrun Riha. Beuroner Kunstverlag, 2011, ISBN 978-3-87071-248-8.
  • Das Leben der heiligen Hildegard von Bingen. Vita sanctae Hildegardis (= Hildegard von Bingen. Werke. Band III). Hrsg. von der Abtei St. Hildegard, Eibingen; neu übersetzt von Monika Klaes-Hachmöller mit einer Einführung von Michael Embach. Beuroner Kunstverlag, 2013, ISBN 978-3-87071-262-4.
  • Lieder Symphoniae. (= Hildegard von Bingen. Werke. Band IV). Hrsg. von der Abtei St. Hildegard, Eibingen; neu übersetzt von Barbara Stühlmeyer. Beuroner Kunstverlag, 2012, ISBN 978-3-87071-263-1.
  • Heilsame Schöpfung – Die natürliche Wirkkraft der Natur. Physica (= Hildegard von Bingen. Werke. Band V). Hrsg. von der Abtei St. Hildegard, Eibingen; neu übersetzt von Ortrun Riha. Beuroner Kunstverlag, 2012, ISBN 978-3-87071-271-6.
  • Das Buch vom Wirken Gottes. Liber divinorum operum (= Hildegard von Bingen. Werke. Band VI). Hrsg. von der Abtei St. Hildegard, Eibingen; neu übersetzt von Mechthild Heieck. Beuroner Kunstverlag, 2012, ISBN 978-3-87071-272-3.
  • Das Buch der Lebensverdienste. Liber vitae meritorum (= Hildegard von Bingen. Werke. Band VII). Hrsg. von der Abtei St. Hildegard, Eibingen; übersetzt und eingeleitet von Maura Zatonyi OSB. Beuroner Kunstverlag, 2014, ISBN 978-3-87071-314-0.
  • Briefe. Epistulae (= Hildegard von Bingen. Werke. Band VIII). Hrsg. von der Abtei St. Hildegard, Eibingen. Beuroner Kunstverlag, 2012, ISBN 978-3-87071-285-3.
Weitere Publikationen
  • Hiltrud Gutjahr OSB, Maura Záthonyi OSB: Geschaut im lebendigen Licht. Die Miniaturen des Liber Scivias der Hildegard von Bingen, erklärt und gedeutet. Mit einer kunsthistorischen Einführung von Lieselotte Saurma-Jeltsch; hrsg. von der Abtei St. Hildegard, Eibingen. Beuroner Kunstverlag, 2011, ISBN 978-3-87071-249-5.

Einzelnachweise

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