Agnes Harben
englisch-britische Suffragette
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Agnes Helen Harben, geborene Bostock (* 15. September 1879 in Horsham, West Sussex; † 29. Oktober 1961 in Saint Saviour auf Jersey) war eine englisch-britische Frauenrechtlerin und Suffragette. Sie war Mitgründerin der United Suffragists.
Leben
Harben war das fünfte von elf Kindern von Edward Ingram Bostock (1842–1946), der später Vorsitzender des Horsham Urban District Council wurde, und Sarah Southey Bostock, geborene Baker (1845–1920).[1][2]
Sie heiratete Henry Devenish Harben am 2. September 1899[3] und zog mit ihm in das Anwesen Newland Park in Chalfont St Peter, das Henry Harben 1910 erbte.[4] Das Paar hatte vier Kinder: Henry Eric Southey (1900–1971), Edward (* 1901), Agnes Mary (* 1903) und Naomi (1907–1996).[5]
Harben wurde Mitglied der Fabian Society, einer sozialistischen und internationalistischen Debattiergesellschaft, die die Entstehung der Labour‑Bewegung beeinflusste.[6]
Harben und ihr Ehemann unterstützten das Frauenwahlrecht[7][8] und bewegten sich in führenden politischen und intellektuellen Kreisen, zum Beispiel bei einem Abendessen am 6. Februar 1912 mit Baron Cecil Harmsworth, einem liberalen Parlamentsabgeordneten,[9] und sie empfingen andere politische Aktivisten und Schriftsteller wie Emmeline Pankhurst, George Bernard Shaw, Sidney und Beatrice Webb sowie H. G. Wells.[4] Harbens Ehemann stand den Pankhursts nahe und stellte finanzielle Mittel für die Women’s Social and Political Union (WSPU) und die National Union of Women’s Suffrage Societies (NUWSS).[8] Obwohl Harben selbst nicht wegen militanter Aktionen inhaftiert wurde, leistete sie praktische Unterstützung für die Frauen, die dies taten. Unter anderem sammelte sie Gelder.[10] Die Harbens stellten Annie Kenney nach einer ihrer Inhaftierungen ihr Zuhause zur Verfügung und unterstützten Rachel Barrett und andere Suffragetten, sich nach der Entlassung aus dem Gefängnis von Hungerstreik und Zwangsernährung zu erholen. Harbens Ehemann verließ infolge der Politik und der Untätigkeit gegenüber dieser grausamen Behandlung die Liberal Party.[8][11]
Im Herbst 1914 brachte die Unterstützung durch die Harbens in Newland Park für Frauen, die vor ihrer erneuten Verhaftung im Rahmen des sogenannten Cat and Mouse Act zur Erholung temporär freigelassen worden waren, die lokale Elite plötzlich mit „Kriminellen“ in Kontakt, wie der befreundete Philosoph und Sozialist Cyril Edwin Mitchinson Joad, der dessen ungeachtet beim Civil Service tätig war, bemerkte:
„Suffragettes, let out of prison under the Cat and Mouse Act, used to go to Newlands to recuperate, before returning to prison for a fresh bout of torture. When the county called, as the county still did, it was embarrassed to find haggard-looking young women in dressing-gowns and djibbahs reclining on sofas in the Newlands drawing-room talking unashamedly about their prison experiences. This social clash of county and criminals at Newlands was an early example of the mixing of different social strata which the war was soon to make a familiar event in national life. At that time it was considered startling enough, and it required all the tact of Harben and his socially very competent wife to oil the wheels of tea-table intercourse, and to fill the embarrassed pauses which punctuated any attempt at conversation.“
„Suffragetten, die im Rahmen des Cat and Mouse Act aus dem Gefängnis entlassen worden waren, pflegten nach Newlands zu gehen, um sich zu erholen, bevor sie zur erneuten Inhaftierung und zu einer weiteren Runde der Folter zurückkehrten. Wenn die Grafschaftsgesellschaft ihre Besuche machte – wie sie es damals noch tat –, war sie peinlich berührt, ausgemergelt aussehende junge Frauen in Hauskleidern und Djibbahs, auf Sofas im Salon von Newlands liegend, anzutreffen, die unverhohlen von ihren Gefängniserfahrungen erzählten. Dieser soziale Zusammenstoß von Grafschaftsgesellschaft und „Kriminellen“ in Newlands war ein frühes Beispiel für die Vermischung unterschiedlicher sozialer Schichten, die der Krieg bald zu einem vertrauten Ereignis im nationalen Leben machen sollte. Zu jener Zeit galt dies jedoch als ausreichend schockierend, und es bedurfte der ganzen Taktkunst Harbens und seiner gesellschaftlich außerordentlich gewandten Ehefrau, um den Verkehr am Teetisch in Gang zu halten und die verlegenen Pausen zu füllen, die jeden Versuch eines Gesprächs unterbrachen.“
1913 waren Agnes und ihr Ehemann Delegierte der 7. Tagung der Women’s International League for Peace and Freedom in Budapest, wobei Harben die Fabian Society vertrat.[11] Im Herbst 1915 nahmen sie an einer internationalen Frauenkonferenz zur Diskussion von Frieden in Amsterdam teil, entgegen der ablehnenden Haltung von Millicent Fawcett und der NUWSS.[12]
Am 13. Februar 1914 wurde Harben eines der Mitglieder des Gründungskomitees der United Suffragists,[13] die militante und nicht‑militante Frauen zusammenführten und auch Männer, wie Harbens Ehemann, einschlossen, zusammen mit Louisa Garrett Anderson, H. J. Gillespie, Gerald Gould, Bessie und George Lansbury, Mary Neal, Emmeline Pethick-Lawrence, Julia und John Scurr, Evelyn Sharp, Edith Ayrton, Louise Eates und Lena Ashwell. Die Organisation wuchs rasch und übernahm die Herausgabe der Wochenzeitschrift Votes for Women von der WSPU. Die United Suffragists gründeten aktive Gruppen in Amersham, Stroud und Edinburgh sowie im Rahmen von Nachwahlkampagnen in Poplar und Bethnal Green.[8]
Die Farben der United Suffragists waren Violett, Weiß und Orange, die auf Bannern bei Suffragettenveranstaltungen und Umzügen verwendet wurden; ihre Tätigkeit erstreckte sich jedoch auch auf Klubs für arbeitende Frauen in Southwark und weitete sich landesweit aus, da sie Mitglieder von WSPU und NUWSS aufnahmen, zum Beispiel in Birmingham und Portsmouth. Nach der Erlangung des (teilweisen) Frauenwahlrechts durch den Representation of the People Act 1918 veranstalteten die United Suffragists im März 1918 mehrere große Feiern, teilweise gemeinsam mit der NUWSS.[8]
1915 nahm Harben an der International Alliance of Women teil und trug zur Gründung der Women's International League of Great Britain bei, der neben anderen Sylvia Pankhurst, Mary Sheepshanks, Charlotte Despard, Helen Crawfurd, Mary Barbour, Agnes Dollan, Ethel Snowden, Ellen Wilkinson, Margery Corbett Ashby, Selina Cooper, Helena Swanwick und Olive Schreiner angehörten.[12]
Harben trat später auch der League of Rights for Soldiers’ and Sailors’ Wives and Relatives bei.[8]