Ansgar Schledde
deutscher Politiker (AfD), MdL Niedersachsen
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Ansgar Georg Schledde (* 13. September 1977 in Wickede)[1] ist ein deutscher Politiker der AfD und seit April 2024 der Vorsitzende der AfD Niedersachsen. Seit 2022 ist er Abgeordneter des Niedersächsischen Landtags. Schledde gehört zu den AfD-Politikern, denen seit Anfang 2026 „Vetternwirtschaft“ vorgeworfen wird.
Beruf
Schledde ist gelernter Maurer.[2] Er war alleiniger Geschäftsführer der Revermann Klinkerbau GmbH & Co. KG.[3][4] für die am 1. April 2025 ein Insolvenzverfahren beantragt wurde. Am 7. Mai 2025 wurde die Gesellschaft liquidiert.[5]
Der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ zufolge ist Schledde zu 35 % an der Isterberg Event GmbH beteiligt, mindestens ein weiterer Geschäftsführer ist ebenfalls AfD-Politiker. Die Firma organisierte auch teils durch Steuergeld finanzierte AfD-Veranstaltungen. Die Beteiligung legte Schledde erst offen, nachdem die Zeitung den Landtag auf den Sachverhalt aufmerksam gemacht hatte.[6][7]
Politik
Er gehört dem Stadtrat in Schüttorf und dem Kreistag des Landkreises Grafschaft Bentheim an, in letzterem ist er Vorsitzender der AfD-Fraktion. Bei der Landtagswahl in Niedersachsen 2022 kandidierte er im Wahlkreis Lingen und erhielt dort 7,8 Prozent der Erststimmen. Er zog über den Listenplatz 2 der AfD in den Landtag ein und ist dort stellvertretender Vorsitzender der AfD-Fraktion. Seit 2022 ist Ansgar Schledde stellvertretender Landesvorsitzender der AfD Niedersachsen. Auf dem Landesparteitag im April 2024 in Unterlüß wurde er mit 79,75 % der Stimmen zum Landesvorsitzenden gewählt.[8][9]
Aufgrund von Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hannover gegen Schledde wegen des Anfangsverdachts des Verstoßes gegen das Parteiengesetz hob der Landtag im April 2024 seine Immunität auf.[10]
Im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung sagte Schledde mit Blick auf politische Ambitionen und eine mögliche Kandidatur als Landrat des Landkreises Grafschaft Bentheim: „Ich bin gelernter Maurer und habe Führungserfahrung in einer Firma,[3][4] aber ich traue mir nicht zu, die Grafschaft Bentheim zu führen.“[2]
Vorwürfe der Vetternwirtschaft und Untreue
Seit 2024 wird gegen Schledde wegen des Verdachts auf Schwarze Kassen ermittelt. Schledde soll Parteikollegen Listenplätze mit guten Aussichten für den Einzug in Bundestag oder Landtag angeboten haben, wenn diese im Gegenzug in eine sogenannte „Kriegskasse“ einzahlten.[11]
Im Zusammenhang der Anfang 2026 aufgedeckten AfD-„Vetternwirtschaftsaffäre“ wird auch der Name Ansgar Schleddes genannt. Sowohl seine jetzige als auch seine ehemalige Ehefrau sind beruflich für die AfD tätig. Während die Letztgenannte für die niedersächsische AfD-Landtagsfraktion arbeitet, ist seine aktuelle Ehefrau beim AfD-Bundestagsabgeordneten Danny Meiners angestellt. Sowohl Schledde als auch Meiners kommen aus dem AfD-Kreisverband Ems-Vechte, Schledde ist dort Erster, Meiners Zweiter Vorsitzender.[12]
Eine Gruppe um die Europaabgeordnete Anja Arndt wirft Schledde vor, ein System von Günstlingswirtschaft errichtet und schwarze Kassen geführt zu haben. In einem Schreiben kritisiert sie, Schledde, der Landesvorstand und ein Kreis von Mandatsträgern und Mitgliedern nutzten die AfD „als Geschäftsmodell zur dauerhaften persönlichen Bereicherung“. Dafür habe Schledde 2024 eine „Parallelorganisation“ gegründet.[13] Die Gruppe fordert vom Bundesverband die Absetzung des Vorstands. Der Landesvorstand teilte dagegen mit, man wolle rechtliche Schritte sowie Parteiordnungsmaßnahmen gegen entsprechende Mitglieder einleiten.[13]
Laut der niedersächsischen AfD-Bundestagsabgeordneten Martina Uhr hatte sie 35 Prozent ihres Mitarbeiterbudgets in Höhe von 26.650 Euro für Schleddes Personalwünsche zur Verfügung gestellt. Arbeitsverträge seien ihr "vorgefertigt" mit Unterschriften vorgelegt worden. t-online zufolge könnte dies einen Verstoß gegen das Parteiengesetz darstellen, da die Mitarbeiter, welche aus dem Landtagshaushalt bezahlt werden, nicht für Parteiarbeit eingesetzt werden dürfen.[14]
Die Staatsanwaltschaft Hannover nahm wegen des Verdachts von Untreue und Verstößen gegen das Parteiengesetz Ermittlungen gegen fünf niedersächsische Bundestags- und Landtagsabgeordnete der AfD, darunter Schledde, sowie drei weitere Mitglieder der Partei auf. Die Ermittlungen beziehen sich unter anderem auf Aussagen mehrerer Zeugen aus dem bereits seit 2024 laufendem Verfahren gegen Schledde, laut denen Bundestagsabgeordnete Mitarbeiter beschäftigten, die tatsächlich für den AfD-Landesverband in Niedersachsen statt für die Bundestagsfraktion gearbeitet hätten. In einem weiteren Verfahren wird gegen sechs Beschuldigte, darunter ebenfalls Schledde und der Landtagsabgeordnete Harm Rykena wegen Verstößen gegen das Parteiengesetz ermittelt. Laut Staatsanwaltschaft sollen auf Parteiveranstaltungen Bargeld mit AfD-Spardosen eingesammelt worden sein, dieses Geld soll aber weder an die Partei weitergeleitet noch im Rechenschaftsbericht deklariert worden sein.[15][16]
Weblinks
- ansgar-schledde.de
- Abgeordnetenprofil von Ansgar Schledde auf der Seite des Niedersächsischen Landtags
- Der Mann, der AfD-Chef in Niedersachsen werden will: Wer ist Ansgar Schledde?, Hannoversche Allgemeine Zeitung, 19. April 2024