August Weenaas
From Wikipedia, the free encyclopedia
August Weenaas (* 2. September 1835 in Christiania, Königreich Norwegen; † 25. Februar 1924 in Nesodden) war ein norwegischer lutherischer Geistlicher, Theologe und Hochschullehrer, der auch in den Vereinigten Staaten wirkte. Er war er Gründer und Präsident des Augsburg Seminary (heute Augsburg University) in Minneapolis, Präsident des Red Wing Seminary und Propst der Norwegischen Kirche.

Biographie
Weenaas wurde in Christiania, dem heutigen Oslo, als Sohn des Schneiders Hans Jørgen Halvorsen Weenaas und seiner Frau Inger Kristine geboren und wuchs am dortigen Ekeberg auf.[1] Er trat 1853 ein Studium an der Universität Christiania an, wo er das examen artium und das examen philosophicum ablegte und 1860 als candidatus theologiae seinen Abschluss erwarb. Während seiner Studienzeit wurde er stark von Gisle Johnson und dessen Erweckungsbewegung beeinflusst. Anschließend war er drei Jahre ang als Lehrer in Alesund tätig, bevor er 1864 zum Geistlichen Amt in der Norwegischen Kirche ordiniert wurde und arbeitete als Diözesankaplan des Bistums Tromsø. Anschließend war er ab 1866 Gemeindepfarrer in Loppen.[2]
Bereits Silvester 1866 erhielt er einen Brief seines Studienfreundes Samson Madsen Krogness, der inzwischen Pfarrer in Chicago war. Darin ereilte ihn der Ruf der Skandinavischen Augustana-Synode, einer Kirche aus norwegischen, schwedischen und dänischen Immigranten im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten, um als norwegischer Professor an deren Augustana College and Theological Seminary in Paxton zu wirken. Bevor er nach Amerika aufbrach, nutzte er ein von der Synode bewilligtes Stipendium für einen Studienaufenthalt an der Universität Erlangen, wo er neben Plitt und Zezschwitz vor allem Thomasius hörte. Die Osterferien verbrachte er in Neuendettelsau, wo er die Bekanntschaft mit Wilhelm Löhe machte.[1] auch 1868 nach Amerika aus und trat diese Stelle an. Auch die Norwegische Synode hatte ihm angeboten für sie zu arbeiten, was für Weenaas aber aufgrund der Haltung der Synode zu Fragen der Sklaverei und der Ablehnung von Laienpredigern undenkbar war.[3] In Illinois angekommen, war Weenaas der Ansicht, dass die schwedischen Elemente der Synode zu dominant wären und erbat darum die Erlaubnis, eine eigene Hochschule für die Dänen und Norwegen zu errichten. Dies wurde ihm 1869 zugestanden und im selben Jahr wurde das norwegische Augustana College and Theological Seminary in Marshall, Wisconsin, gegründet, dessen Leiter Weenaas wurde.[4]

Im folgenden Jahr trennten sich die norwegischen und dänischen Gemeinden einvernehmlich von den schwedischen und bildeten zwei neue Körperschaften, die Norwegische Augustana-Synode und die Norwegisch-Dänische Konferenz. Diese beiden Kirchen traten in einen Rechtsstreit um die Schule in Marshall, der letztlich zugunsten der Augustana-Synode ausging. Weenaas und alle bis auf einen Studenten hatten sich jedoch der Konferenz angeschlossen, sodass er die Gründung eines neuen theologischen Seminars betrieb. Dieses erhielt den Namen Augsburg Seminary und Weenaas wurde als Hochschulpräsident bestätigt. Ohne Gebäude fand der Unterricht Zeitweise in einem notdürftig hergerichteten Dachboden statt, doch noch unter seiner Ägide zog das Seminar 1872 nach Minneapolis. Die dortigen Gemeinden unter Ole Paulson und die Bürgerschaft der Stadt hatten das notwenige Geld dafür gesammelt.[5] Weenaas warb nun eine Reihe weiterer Theologen an, unter ihnen Sven Oftedal, Georg Sverdrup und Sven Gunnersen. Gemeinsam mit Oftedal verfasste er 1872, eine theologische Kampfschrift, in der er das Wirken der Norwegischen Synode als Wisconsinismus hart angriff. 1875 klagte er diese Missstände erneut in einer Schrift an, auf die Bernt Muus von der Norwegischen Synode ihm antwortete.[3] Weenaas blieb bis zu seiner Rückkehr nach Norwegen 1876 Präsident des Seminars und übergab dieses Amt danach an Georg Sverdrup. Von 1870 bis 1876 war er auch Herausgeber der Kirchenzeitungen Lutheranerern und Missionsbladet. Er predigte zu dieser Zeit weiterhin häufig bei den Gemeinden um Madison und ab 1872 in Minneapolis.[6]
In Norwegen wurde er zuerst Gemeindepfarrer in Bø, 1879 auch Propst von Vesteraalen. Als Gemeindepfarrer ging er 1879 in das südlichere Tinn.[2]

Auf Betreiben der Hauge-Synode, einer pietistisch geprägten lutherischen Kirche in Amerika, kehrte er 1882 in die Vereinigten Staaten zurück und übernahm neben einer theologischen Professur auch die Leitung des Red Wing Seminary in Red Wing. Motiviert war er dabei durch die Idee, an der Einigung der zerstrittenen norwegischen Kirchen in Nordamerika mitzuarbeiten und nahm daher auch den Ruf einer Synode an, mit der er theologisch in einigen Bereichen nicht übereinstimmte. Die Hauge-Synode war aber zu diesem Zeitpunkt an Unionsbestrebungen nicht ernsthaft interessiert, sodass Weenaas 1885 endgültig nach Norwegen zurückkehrte.[3]
1885 kehrte Weenaas endgültig nach Norwegen zurück, auch wenn er in Briefkontakt mit den Gemeinden in Nordamerika blieb. Er wurde Gemeindepfarrer in Grong, wo er ab 1888 auch als Propst des Inneren Namdalen wirkte. 1889 wechselte er nach Volda, wo er 1894 erneut zum Propst für Søndmøre ernannt wurde.[2] Als in Volda eine Erweckungsbewegung Einzug hielt, versuchte Weenaas, der selbst in seiner Jugend von Gisle Johnson und dem Haugianismus beeinflusst war, diese innerhalb der norwegischen Staatskirche zu halten, scheiterte jedoch letztlich daran.[3] Seine letzte Pfarrstelle hatte er ab 1895 in Nes inne. Dort trat er 1918 in den Ruhestand ein, den er auf einem kleinen Pfarrgut in Nesodden nahe Oslo verbrachte, wo er 1924 auch verstarb.[1]
Weenaas heiratete 1862 Valborg Wilhelmine Iversen. Nach deren Tod 1873 heiratete er 1875 ihre Schwester Marie Ottomine Iversen. Er hatte insgesamt vierzehn Kinder – davon sechs in erster, acht in zweiter Ehe. Von diesen starben die meisten als Kinder, zwei Söhne im Erwachsenenalter; nur drei Töchter überlebten ihn.[1]
Schriften (Auswahl)
Während seiner Zeit als Theologieprofessor verfasste Weenaas zahlreiche Schriften zu dogmatischen und kirchenpolitischen Fragen. Nach seiner Rückkehr nach Norwegen konzentrierte er sein schriftstellerisches Handlen auf kirchenhistorische Themen. Seine Autobiographie erschien posthum 1935 als Teil der Reihe Norvegia Sacra.
- A. Weenaas: En kristenkvindes enfoldige liv og salige död. Norsk-danske ferlagsforening, Minneapolis 1873 (norwegisch, nb.no).
- A. Weenaas: Wisconsinismen belyst ved historiske kjendsgerninger. Skandinavens Bog- og Accidentstrykkeri, Chicago 1875 (norwegisch, nb.no).
- A. Weenaas: Kristelig Kirkehistorie indtil nyeste tid. W.C. Lønning, Stavanger 1880 (norwegisch, nb.no – Bearbeitung der Kirchengeschichte von Christian Gottlob Barth).
- A. Weenaas: Anhang til A. Weenaas's Kirkehistorie – femten nekrologer over märkelige mänd i den norske og danske kirkes nyeste tid. W. C. Lønning, Stavanger 1882 (norwegisch).
- A. Weenaas: Afskedsord til de Norsk evang. lutherske menigheder i Amerika. Hauges Synodes trykkeri, Red Wing (Minn.) 1885 (norwegisch, nb.no).
- A. Weenaas: Mindeblade eller Otte Aar i Amerika. R.P. Hjelles forlag, Volda 1890 (norwegisch, nb.no).
- A. Weenaas: Livserindringer fra Norge og Amerika. In: Norvegia Sacra. Band 12 (=1935/D). A.S. Lunde & Co., Bergen 1935 (norwegisch, nb.no).