Bahnstrecke Waiblingen–Schwäbisch Hall-Hessental

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Die Bahnstrecke Waiblingen–Schwäbisch Hall-Hessental, auch Murrthalbahn, Murrtalbahn oder Murrbahn genannt, ist eine Hauptbahn in Baden-Württemberg. Sie verbindet die Bahnstrecke Stuttgart-Waiblingen mit der Bahnstrecke Heilbronn-Crailsheim und ist Teil der kürzesten Verbindung zwischen Stuttgart und Nürnberg, entsprechend der Kursbuchstrecke 785 („Murrbahn“) der Deutschen Bahn.

Weitere Informationen Waiblingen–Schwäbisch Hall-Hessental ...
Waiblingen–Schwäbisch Hall-Hessental
Streckenverlauf}
Streckennummer (DB):4930
Kursbuchstrecke (DB):785 (bis 2007: 784)
790.3 (S-Bahn)
Kursbuchstrecke:323 (1946)
Streckenlänge:60,696 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Streckenklasse:D4
Stromsystem:15 kV 16,7 Hz ~
Streckengeschwindigkeit:130 km/h
Zugbeeinflussung:PZB
Zweigleisigkeit:Waiblingen–Backnang
Strecke
von Stuttgart-Bad Cannstatt
Bahnhof
0,000 Waiblingen (Keilbahnhof) 269 m
Abzweig geradeaus und nach rechts
nach Nördlingen
Brücke über Wasserlauf
Remstal-Viadukt; Rems (239 m)
Bahnhof
4,278 Neustadt-Hohenacker (ehem. Neustadt (Württ))
Verschwenkung von linksVerschwenkung von rechts (Strecke außer Betrieb)
TunnelTunnel (Strecke außer Betrieb)
5,900 neuer/alter Schwaikheimer Tunnel (308/318 m)
Verschwenkung nach linksVerschwenkung nach rechts (Strecke außer Betrieb)
Haltepunkt / Haltestelle
6,810 Schwaikheim 289 m
Bahnhof
9,864 Winnenden 284 m
Haltepunkt / Haltestelle
13,013 Nellmersbach 307 m
Haltepunkt / Haltestelle
15,897 Maubach 290 m
Abzweig geradeaus und von links
von Ludwigsburg
Bahnhof
18,520 Backnang 278 m
Brücke über Wasserlauf
20,300 Weißach
ehemaliger Haltepunkt / Haltestelle
20,800 Backnang-Spinnerei
ehemaliger Haltepunkt / Haltestelle
22,400 Backnang-Steinbach
Bahnhof
24,907 Oppenweiler (Württ) (1938–42 Reichenberg (Württ))
Bahnhof
28,424 Sulzbach (Murr) 268 m
ehemaliger Haltepunkt / Haltestelle
31,400 Schleißweiler
Brücke über Wasserlauf
Murr
Bahnhof
34,623 Murrhardt 289 m
Bahnhof
39,600 Fornsbach 320 m
Tunnel
42,300 Schanztunnel (860 m)
Bahnhof
44,155 Fichtenberg 348 m
ehemaliger Haltepunkt / Haltestelle
46,900 Mittelrot
Tunnel
48,300 Kappelesbergtunnel (415 m)
Abzweig geradeaus und ehemals von rechts
Obere Kochertalbahn von Untergröningen
Bahnhof
49,139 Gaildorf West 348 m
Brücke über Wasserlauf
50,900 Kocher
ehemaliger Haltepunkt / Haltestelle
52,200 Ottendorf (Kocher)
Blockstelle
56,700 Wilhelmsglück Awanst
Abzweig geradeaus und von links
von Heilbronn
Bahnhof
60,696 Schwäbisch Hall-Hessental 371 m
Strecke
nach Crailsheim

Quellen: [1][2]
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Die durchgehend elektrifizierte Strecke beginnt am Bahnhof Waiblingen und ist bis Backnang zweigleisig ausgebaut. Vom Backnang bis Fornsbach verläuft die Murrbahn durch das obere Tal der Murr. Im weiteren Verlauf nach dem Schanztunnel folgt sie bis Gaildorf der Rot, nach dem Kappelesbergtunnel bis vor Schwäbisch Hall dem Kocher. Dort ist sie im Ortsteil Hessental mit der zweigleisigen Hohenlohebahn Heilbronn-Crailsheim verknüpft, die bislang nur Richtung Crailsheim elektrifiziert wurde.

Die Murrbahn ist Teil des Gesamtnetzes der Transeuropäischen Verkehrsnetze.[3] Sie ist im Raum Stuttgart in die S-Bahn Stuttgart integriert, bis Backnang verkehrt die Linie S3. Der Abschnitt bis Backnang ist dabei zweigleisig ausgebaut, die restliche Strecke bis Schwäbisch Hall-Hessental ist weiterhin eingleisig, wurde jedoch in den 1990er Jahren elektrifiziert.

Streckenverlauf

Geschichte

Streckenplanung, Errichtung und Inbetriebnahme

1873 wurde durch ein Gesetz der Bau des Abschnitts BacknangHessental als Teil der Strecke von Bietigheim nach Hessental sowie des Abschnitts Waiblingen–Backnang als deren Zweigstrecke beschlossen. Dadurch sollte der Nordosten des Königreichs Württemberg erschlossen, der Transitverkehr zwischen Bayern und Baden verbessert und die Verbindung zwischen Crailsheim und Stuttgart gegenüber den bereits bestehenden Strecken über Aalen und Heilbronn verkürzt werden.[4]

Mit der Murrbahn schufen die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen, zusammen mit der gleichzeitig gebauten Verbindung Stuttgart–Freudenstadt, eine Diagonalverbindung durch Württemberg. Planung und Bau der Strecke oblagen Oberbaurat Carl Julius Abel.

Am 26. Oktober 1876 wurde der Streckenabschnitt Waiblingen–Backnang eröffnet, am 11. April 1878 der Abschnitt Backnang–Murrhardt, am 1. Dezember 1879 der Abschnitt Hessental–Gaildorf, und am 15. Mai 1880 konnte die Lücke zwischen Murrhardt und Gaildorf geschlossen werden.[5] Auf dem letzten Abschnitt war der Bau zweier Eisenbahntunnel erforderlich. Der Abschnitt Backnang–Hessental wurde beim Bau bereits für zwei Gleise ausgelegt.[4]

Für den Abzweig von der Bahnstrecke Cannstatt–Nördlingen wurde der vorhandene Bahnhof Waiblingen aufgegeben und etwas westlich in Form eines Keilbahnhofs neu angelegt. Nachteilig war die gewählte Streckenführung für die Stadt (Schwäbisch) Hall, da die Verbindung Stuttgart–Nürnberg die Stadt Schwäbisch Hall links liegen lässt und diese Züge nur im Vorortbahnhof Hessental halten. Der Abschnitt Hessental–Crailsheim war schon 1867 als Teil der Kocherbahn in Betrieb genommen worden. Die Mehrzahl der Züge fährt elektrisch von Crailsheim über Hessental in Richtung Backnang und Stuttgart, der geringere Teil ab Hessental mit Dieseltraktion in Richtung Heilbronn und damit durch Schwäbisch Hall.

Zweiter Weltkrieg

Am 21. April 1945 wurden Teile des Viadukts über die Rems von der deutschen Wehrmacht gesprengt. Die Schutzstaffel beabsichtigte die Sprengung des Schanztunnels zwischen Fornsbach und Fichtenberg. Das kurz vor der Ausführung stehende Vorhaben wurde jedoch durch das beherzte Eingreifen des Gaildorfer Bürgermeisters verhindert, der eine wirtschaftliche Abkoppelung seiner Region befürchtete.

Ausbau für den Vorortverkehr

Von 1962 bis 1965 wurde der Abschnitt Waiblingen–Backnang im Rahmen des Stuttgarter Vorortverkehrs elektrifiziert und zweigleisig ausgebaut. Hierzu musste der Viadukt über die Rems zweigleisig ausgebaut werden. In Schwaikheim wurde neben dem alten eingleisigen Tunnel ein neuer zweigleisiger Tunnel gebaut. Dieser wurde komplett betoniert anstatt gemauert; es war der erste Tunnel in Deutschland, der in dieser Technik erstellt wurde.

Elektrifizierung ab 1991

Triebzug 425 304 im Bahnhof Murrhardt
Bahnhof Oppenweiler (Württ)

Am 13. Mai 1991 beschloss die baden-württembergische Landesregierung zur Beschleunigung der Elektrifizierung der Streckenabschnitte zwischen Marbach, Backnang und Crailsheim einen Zuschuss in Höhe von 50 Millionen DM.[6] 1996 wurden die Abschnitte Marbach–Backnang und Backnang–Schwäbisch Hall-Hessental sowie der Abschnitt Schwäbisch Hall-Hessental–Crailsheim der Strecke Heilbronn–Crailsheim elektrifiziert sowie der Bahnhof Fornsbach zum Haltepunkt zurückgebaut.[7] Ebenfalls wurden zahlreiche Ladegleise für den Güterverkehr zurückgebaut. Anschließend wurde an allen Verkehrsstationen bis auf Fornsbach zumindest ein Bahnsteig modernisiert. Nach dem Ausbau verkehrten mehr Nahverkehrszüge auf der Strecke, ebenso zeitweise auch wieder vereinzelte Fernzüge.

Weiterer Ausbau

Die Strecke war Teil der im Bundesverkehrswegeplan 1985 vorgesehenen Ausbaustrecke Nürnberg–Stuttgart. Teil des Projekts war die Elektrifizierung zwischen Backnang und Crailsheim.[8] Das Projekt wurde in den folgenden Bundesverkehrswegeplan 1992 nicht übernommen.

Anfang 2003 war geplant, den zweigleisigen Ausbau zwischen Oppenweiler und Sulzbach sowie im Bahnhof Fornsbach frühestens 2006 bzw. 2007 fertigzustellen. Die Kosten beider Maßnahmen wurden mit insgesamt 20 bis 30 Millionen Euro kalkuliert. Die Fahrzeit zwischen Schwäbisch Hall-Hessental und Stuttgart sollte damit von rund 70 auf 60 Minuten sinken.[9]

Die Deutsche Bahn kündigte im September 2004 an, den Ausbau auf unbestimmte Zeit zurückzustellen.[10] Laut Angaben des damaligen Landesverkehrsministers sei der abschnittsweise zweigleisige Ausbau nur dann erforderlich, wenn eine zusätzliche stündliche Regionalexpress-Verbindung zwischen Schwäbisch Hall und Stuttgart eingerichtet werde. Dies sei aufgrund fehlender Mittel jedoch nicht möglich. Der Minister sagte jedoch den Ausbau in Fornsbach sowie bei der Signaltechnik zu.[11] Aufgrund gekürzter Regionalisierungsmitteln für den Nahverkehr bestellte das Land im Juni 2007 auf der Murrbahn 22 Züge mit einer Laufleistung von rund 131.000 Zugkilometern (15,5 Prozent der gesamten Zugkilometer) ab, nahm aber einen Teil der Kürzungen im Dezember 2007 wieder zurück.[12]

Der Verband Region Stuttgart untersuchte 2014 die Möglichkeiten, den S-Bahn-Betrieb nach Murrhardt zu verlängern.[13] Dieses Vorhaben wurde zugunsten geplanter Verbesserungen des Regionalexpress- und Regionalbahn-Angebots auf dieser Strecke aber nicht weiterverfolgt.[14]

Im Zuge der Baumaßnahme „Wiedereinrichtung Kreuzungsbahnhof Fornsbach“ wurde die 1996 aufgelassene Zugkreuzungsmöglichkeit in Fornsbach mit leicht verschobener Bahnsteiglage (300 Meter näher an der Siedlung, zwei Außenbahnsteige mit Unterführung einschließlich Einbau eines Kreuzungsgleises und Ks-Signalisierung) wiederhergestellt. Ziel war es, die Regelzugkreuzung vom Bahnhof Murrhardt zum knapp fünf Kilometer östlich gelegenen Bahnhof Fornsbach zu verlegen, um für den Abschnitt Schwäbisch Hall-Hessental–Backnang circa zehn Minuten Wartezeit einzusparen und einen Integralen Taktfahrplan zu ermöglichen. Die Finanzierungsvereinbarung wurde 2008 unterschrieben; die circa zwölf Millionen Euro teure Baumaßnahme wurde im August 2011 begonnen und mit Inbetriebnahme des neuen Bahnhofs zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2012 beendet. Der Bahnhof Fornsbach wird seitdem aus Murrhardt ferngesteuert.[15]

Das Land Baden-Württemberg meldete den zweigleisigen Ausbau der Strecke zwischen Backnang und Schwäbisch Hall-Hessental für den Bundesverkehrswegeplan 2030 an, bei geschätzten Kosten von 180 Millionen Euro für die 42 km langen Maßnahme.[16] Eine Untersuchung im Auftrag des Bundes zum Ausbau des Korridors Stuttgart–Nürnberg kam zu dem Schluss, dass die Auslastung im eingleisigen Abschnitt sehr gering und ein zweigleisiger Ausbau daher nicht notwendig sei. Die kürzeste Reisezeit auf der Achse sei über die Murrbahn und mit Neigetechnikzügen erreichbar, wofür Investitionen von 255 Millionen Euro erforderlich seien.[17] In den BVWP 2030 wurde daher nur ein Ausbau zur Geschwindigkeitserhöhung aufgenommen.[18] Es ist das einzige Projekt des Bundesverkehrswegeplans 2030, in dem ein Neigetechnikausbau vorgesehen ist.[19]

Eine Anhebung von Bahnsteighöhen auf das S-Bahn-Niveau von 96 cm wird erwogen, dies ist laut Angaben der Deutschen Bahn jedoch aufgrund überbreiter Güterzüge auf diesem Teil des europäischen Streckennetzes oftmals nicht möglich.[20]

Am 19. Dezember 2018 verständigten sich Vertreter von Land und Regionen, eine vertiefende Untersuchung zum Ausbau der Murrbahn von Stuttgart über Schwäbisch Hall nach Crailsheim wie auch der Remsbahn von Stuttgart über Aalen bis Crailsheim auf den Weg bringen zu wollen. Es soll geklärt werden, welche Ausbaumaßnahmen erforderlich sind, um den Schienenpersonenverkehr auf beiden Strecken im Rahmen eines Gesamtkonzepts zu beschleunigen.[21] Im Zuge der 2019 ausgeschriebenen Untersuchung sollen Infrastruktur- und Angebotskonzept der Strecke betrachtet werden.

Im März 2021 genehmigte das Eisenbahn-Bundesamt die Erneuerung des Bahnsteigs 1 in Oppenweiler[22] und Sulzbach.[23] Die entsprechenden Bauleistungen wurden im Oktober 2021 ausgeschrieben.[24] Im Bahnhof „Oppenweiler (Württ)“, der den Zusatz Ende der 1930er Jahre wegen Eingemeindung zu Reichenberg und dann entstandener Verwechslungsgefahr mit der einstmals böhmischen Stadt Reichenberg (Liberec) bekam und trotz längst erfolgter Rückbenennung behält,[25] wird seit dem Ausbau in den 1990er Jahren der auf der Südostseite liegende und vom Hauptort nur per Brücke erreichbare Bahnsteig 2 für beide Fahrtrichtungen bevorzugt, das barrierefrei zugängliche Gleis 1 direkt am privat bewohnten Bahnhofsgebäude wird nur bei Begegnungsverkehr genutzt.

Im Juni 2021 wurden im Rahmen des Projekts „Halbstundentakts“ Planungen für gleichzeitige Einfahrten in Sulzbach und Oppenweiler sowie höhere Einfahrgeschwindigkeiten in Waiblingen ausgeschrieben.[26] Die gleichzeitigen Einfahrten in Sulzbach wurden ebenfalls dem dritten Gutachterentwurf des Deutschlandtakts zu Grunde gelegt. Hierin sind, zum Preisstand von 2015, Investitionen von 12,9 Millionen Euro vorgesehen,[27][28] ein weiterer zweigleisiger Ausbau ist dabei nicht geplant.[29] Ein von der Interessengemeinschaft Schienenkorridor Stuttgart–Nürnberg in Auftrag gegebenes Gutachten bewertete im November 2021 einen abschnittsweisen zweigleisigen Ausbau hingegen wirtschaftlich positiv.[30] Bei einem geschätzten Investitionsvolumen von 313 Millionen Euro könnte demnach die Fahrzeit zwischen Stuttgart und Nürnberg von zwei Stunden und 23 Minuten auf unter zwei Stunden gesenkt werden.[31]

Zwischen März 2022 und Juni 2023 wurde das bestehende Elektronische Stellwerk Fornsbach um den Bahnhof Fichtenberg erweitert.[32][33]

Im Mai 2022 wurden Planungsleistungen (Leistungsphasen 1 bis 4) zur Erneuerung der Verkehrsstationen Fornsbach, Oppenweiler, Sulzbach (Murr), Murrhardt, Gaildorf West sowie Fichtenberg ausgeschrieben.[34][35] 2025 wurden die Bahnsteige in Murrhardt, Oppenweiler, Sulzbach und Fornsbach auf 220 Meter Länge verlängert, mit Blindenleitsystemen sowie erneuerten Wetterschutzhäusern. Das Land Baden-Württemberg investierte dafür rund 13,8 Millionen Euro.[36][37] In Oppenweiler und Sulzbach wurden um 2025/2026 neue Ausfahrsignale aufgestellt, um zukünftig längere Durchrutschwege und somit Paralleleinfahrten aus beiden Richtungen zu ermöglichen. Die Signale wurden im Mai 2026 in Betrieb genommen.

Ein Teil der Strecke ist Teil des Planbereichs 2 des Digitalen Knotens Stuttgart, der im Jahr 2031 in Betrieb genommen werden soll. Dieser Abschnitt soll dabei mit Digitalen Stellwerken, ETCS und automatisiertem Fahrbetrieb ausgerüstet werden.[38][39]

Unfälle

Am 22. Dezember 1934 kam es zwischen Murrhardt und Sulzbach auf Höhe von Schleißweiler aufgrund eines Signalfehlers zu einem Eisenbahnunfall, bei dem zwei Züge zusammenstießen und zehn Menschen starben.[40]

Kunstbauwerke

Remsviadukt bei Neustadt

Fahrzeugeinsatz und Verkehr

Ein historischer Triebwagen der DB-Baureihe VT 08 bei Oppenweiler-Zell

Von Mai 1936 bis August 1938[42] fuhren „Fliegende Stuttgarter“, mit dem Fliegenden Hamburger vergleichbare Dieselschnelltriebwagen der Baureihen DR 137 149 … 232, in zwei Stunden nach Nürnberg, die einzigen Schnellzüge auf einer eingleisigen Strecke.

Bis in die Kriegszeit wurden hochwertige Züge mit der Baureihe 18 (Württembergische C bzw. Bayerische S 3/6) befördert. Während des Krieges wurde die zulässige Achslast erhöht, nun konnten Lokomotiven der Baureihen 01 und 39 verkehren. Ab 1959 kam die 220 zum Einsatz, die sukzessive die Züge zwischen Stuttgart und Nürnberg übernahm. Im Nahverkehr war die DB-Baureihe 23 anzutreffen. 1976 endete der Einsatz der Dampflokomotiven, ein Jahr später auch der V200, zum Einsatz kamen nun Diesellokomotiven der Baureihen 211/212 im Nahverkehr, 215 im Regionalverkehr, sowie der 218, vor langen Zügen zur Verkürzung der Fahrzeiten teilweise in Doppeltraktion.[43]

Von der Elektrifizierung bis 1965 profitierten zunächst nur die Nahverkehrszüge, die hauptsächlich als Wendezug bespannt mit der Baureihe E 41 verkehrten. Züge des Fernverkehrs sowie die meisten Eilzüge fuhren bis Stuttgart weiterhin mit Dampf-, später mit Diesellokomotiven, da sich ein Lokomotivwechsel in Backnang von der Fahrzeit her gesehen nicht lohnte.

1982 wurde auf dem Abschnitt zwischen Backnang und Schwäbisch Hall-Hessental das Nahverkehrs-Zugangebot ausgedünnt, so dass fast nur noch Eilzüge verkehrten. Dies führte auch zur Aufgabe von mehreren Bahnhöfen und Haltepunkten. In der Folge wurden auch zahlreiche Nebengleise für den Güterverkehr abgebaut. Mit der Elektrifizierung der Strecke von Goldshöfe über Crailsheim nach Ansbach 1985 verlor die Strecke Waiblingen–Schwäbisch Hall-Hessental fast den kompletten Fernverkehr, der fortan überwiegend die längere Strecke über Aalen nutzte, das heißt die Bahnstrecke Stuttgart-Bad Cannstatt–Nördlingen und die Bahnstrecke Goldshöfe–Crailsheim. Seit Mitte der 2000er Jahre ist die Strecke ganz ohne regelmäßigen Fernverkehr.

Im Herbst 1981 begann der S-Bahn-Verkehr der Linie S3 zwischen Backnang und Stuttgart; damit einher ging die Einführung eines Taktverkehrs bis Backnang und eine Verbesserung des Verkehrsangebots.

Güterzug mit Ziel Kornwestheim bei der Ausfahrt aus dem Schanztunnel nahe Fornsbach (Mai 2007)
Umgeleiteter Intercity bei der Durchfahrt in Fornsbach, August 2013

Zum 29. Mai 1994 wurde die Wagenladungen im Güterverkehr am Bahnhof Murrhardt eingestellt und die Kunden zunächst an den Bahnhof Backnang verwiesen.[44]

Am 9. Dezember 2006 fuhr – mit Ausnahme von Umleitungsverkehren – der letzte Fernverkehrszug, der Schnellzug von Nürnberg nach Stuttgart mit Kurswagen aus Dresden und Prag. Infolge der Kürzungen der Regionalisierungsmittel sind einige Züge gestrichen worden, darunter auch die Regionalbahnen zwischen Backnang und Murrhardt sowie am Wochenende einige Regionalexpress-Züge der Relation Stuttgart–Schwäbisch Hall-Hessental. Die Kürzungen wurden zum Fahrplanwechsel im Dezember 2007 teilweise wieder rückgängig gemacht.

Vom 24. April bis zum 15. Oktober 2009 wurden aufgrund einer Streckensperrung zwischen Aalen und Schorndorf die InterCity-Züge der Linie 61 Nürnberg–Stuttgart–Karlsruhe über Schwäbisch Hall-Hessental und Backnang (jeweils mit Halt) umgeleitet.

Für die IRE und RE wurden ausschließlich n-Wagen eingesetzt.[45][46] Ab Oktober 2016 wurden nach vielen Jahren mit ET 425 für die RB auch wieder n-Wagen eingesetzt. Dabei kamen Lokomotiven der Baureihen 111,[46] 143[46] und 114 zum Einsatz. Erst im Frühjahr 2017 wurden die n-Wagen großteils durch modernere Doppelstockwagen ersetzt.[47][48]

Im Dezember 2017 trat auf der Murrbahn ein neuer Verkehrsvertrag in Kraft. Seitdem bestehen Montags bis Samstags halbstündliche Verbindungen bis Gaildorf West, stündlich werden diese bis Schwäbisch Hall-Hessental fortgeführt und zweistündlich bis Nürnberg. An Sonntagen verkehren die Leistungen bis Gaildorf West nicht, dadurch ergibt sich auf der Gesamtstrecke ein Stundentakt. In den Hauptverkehrszeiten gibt es einzelne zusätzliche Leistungen zwischen Gaildorf West, Schwäbisch Hall-Hessental und Crailsheim.

Einen von Kommunalpolitikern geforderter Intercity-Verkehr zwischen Nürnberg und Stuttgart über die Murrbahn lehnt die Deutsche Bahn aufgrund zu geringer Nachfrage und Trassenkonflikten mit dem zukünftig halbstündlichen Regionalverkehr ab. Eine Regionalexpresslinie zwischen Nürnberg und Stuttgart soll ausgeschrieben werden.[49]

Bis Dezember 2017 verkehrten zwischen Waiblingen und Schwäbisch Hall-Hessental die folgenden Zuggattungen des Personenverkehrs:

Weitere Informationen Zuggattung, Verlauf ...
ZuggattungVerlaufTaktfrequenzBemerkung
S 3 Backnang – WaiblingenBad CannstattHauptbahnhofSchwabstraßeVaihingenRohrLeinfelden-EchterdingenFlughafen/Messe 30 Minuten In der HVZ auf 15-Minuten-Takt zwischen Backnang und Vaihingen verdichtet
Bei großen Messeveranstaltungen auf 15-Minuten-Takt verdichtet
RE Stuttgart – Waiblingen – BacknangSchwäbisch Hall-HessentalCrailsheimAnsbachNürnberg 120 Minuten Teilweise nur bis Crailsheim
RE/RB Stuttgart – Waiblingen – Backnang – Schwäbisch Hall-Hessental 120 Minuten An Wochenenden und Feiertagen als RB zwischen Backnang und Schwäbisch Hall-Hessental
IRE Stuttgart – Waiblingen – Backnang – Schwäbisch Hall-Hessental – Crailsheim Ein Zugpaar werktags (außer samstags)
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Neben durchfahrenden Güterzügen verschiedener Eisenbahnverkehrsunternehmen werden Anschlussgleise in Sulzbach (mindestens wöchentlich Anlieferung von zwei oder mehr Wagen mit geschnittenem Holz) und Fichtenberg (Montag bis Freitag an Werktagen Anlieferung mehrerer Wagen mit Stammholz und mehrmals wöchentlich Abholung mehrerer Wagen mit Schrott) bedient. Diese Bedienfahrten erfolgen Montag bis Freitag an Werktagen nachmittags vom Rangierbahnhof Kornwestheim aus mit einer 294.[50]

Ab dem 1. Juli 2014 erreichte zudem täglich kurz nach 7 Uhr ein mit 40 Containern voll Erdaushub des Bahnprojektes Stuttgart 21 beladener Zug die Ausweichanschlussstelle Wilhelmsglück (Rückfahrt gegen 21:30 Uhr). Zwei dort stationierte Reach-Stacker verluden die Behälter für den Transport in den nahegelegenen Steinbruch auf Lkw. Um die Umladung zu erleichtern, wurde das bisher bis zur Kopframpe reichende Gleis eingekürzt und die freiwerdende Fläche asphaltiert, zudem wurden einige Baucontainer aufgestellt.[51]

Neuvergabe des Regionalverkehrs

Das Netz Gäu-Murr wurde Ende Dezember 2014 ausgeschrieben.[52] Es umfasst den Verkehr von Stuttgart über Herrenberg, Eutingen, Freudenstadt/Horb bis Rottweil sowie von Stuttgart über Murrhardt, Schwäbisch Hall und Crailsheim bis Nürnberg.[53] Es gingen sechs Gebote ein.[54]

Ziel war es, das Verkehrsangebot auf der Murrbahn deutlich auszuweiten und zwischen Stuttgart und Murrhardt von Montag bis Samstag ganztags bis in den frühen Abend halbstündliche Verbindungen anzubieten. In den Hauptverkehrszeiten sollte der Halbstundentakt bis nach Schwäbisch Hall-Hessental ausgedehnt werden.[55] Die Reisezeit von Schwäbisch Hall zum Stuttgarter Hauptbahnhof sollte dabei um bis zu 15 Minuten verkürzt werden.[56] Der Landesbeitrag pro Zugkilometer sinkt, gegenüber dem „Großen Verkehrsvertrag“ von 2003, von 11,69 auf 8,22 Euro je Zugkilometer.[54]

Am 10. August 2015 wurde die Vergabe des Netzes 3b, zu dem der Murrbahn-Verkehr gehört, an die DB Regio AG bekannt gegeben.[57][58] Das Netz umfasst 2,1 Millionen Zugkilometer pro Jahr. Darin sind unter anderem die Metropolexpresslinien von Horb über Stuttgart nach Schwäbisch Hall und Crailsheim enthalten.[59] Der Zuschlag erfolgte am 21. August 2015.[60] Der Vertrag läuft bis 2025.[56]

Die bis dahin verwendeten Doppelstockwagen und n-Wagen[56] wurden durch 16 vierteilige Talent-2-Triebzüge mit je 215 Sitzplätzen ersetzt.[59] Die Fahrzeuge verkehren im weiß-gelb-schwarzen bwegt-Landesdesign[61] und verfügen über 30 Fahrradstellplätze, Steckdosen und drahtlosen Internetzugang und Mobilfunkverstärker.[56] Auch DB Regio nutzt das von der Landesanstalt Schienenfahrzeuge Baden-Württemberg angebotene Baden-Württemberg-Modell[62] der Fahrzeugfinanzierung, bei dem die Fahrzeuge erworben, an das Land verpachtet und zurückgeleast werden.[55] Am 8. September 2015 wurde der Auftrag an Bombardier vergeben.[63]

Am 4. September 2017 wurde das Netz 3a (Stuttgart–Nürnberg) an das Eisenbahnunternehmen Arverio (früher: Go-Ahead) vergeben.[64] Arverio hat den Zugverkehr auf der Strecke am 15. Dezember 2019 mit täglich 12 Zugpaaren der Linie RE 90 im Zweistundentakt zwischen Stuttgart und Crailsheim oder Nürnberg aufgenommen.[65][66] Genutzt werden elf im BW-Modell finanzierte Triebzüge im bwegt-Landesdesign vom Typ Stadler Flirt XL.[67][68] Da diese zu spät ausgeliefert wurden, wurden bis Ende April 2020 mit Hilfe von Subunternehmern lokomotivbespannte Züge mit alten n-Wagen verwendet.[69][70][71] Diese kommen auch seit Dezember 2022 wieder teilweise zum Einsatz, um Triebzüge von Arverio zu ersetzen, die wegen der Nachrüstung von ETCS für den Digitalen Knoten Stuttgart nicht zur Verfügung stehen.[72]

Seit 15. Dezember 2019 verkehren auf der Murrbahn die Linien des Personenverkehrs:

Weitere Informationen Zuggattung, Verlauf ...
ZuggattungVerlaufBetreiberTaktfrequenzBemerkung
S 3 Backnang – WaiblingenBad CannstattHauptbahnhofSchwabstraßeVaihingen (– RohrLeinfelden-EchterdingenFlughafen/Messe) DB Regio 15 Minuten in Tagesrandlage im Halbstundentakt und zum Flughafen
RE 90 Stuttgart – Waiblingen – Backnang – Murrhardt – Gaildorf West – Schwäbisch Hall-HessentalCrailsheimAnsbachNürnberg Arverio Baden-Württemberg 120 Minuten
MEX 90 Stuttgart – Waiblingen – Backnang – Murrhardt – Gaildorf West – Schwäbisch Hall-Hessental DB Regio 120 Minuten
MEX 19 Stuttgart – Waiblingen – Backnang – Murrhardt – Gaildorf West DB Regio 60 Minuten
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Durch Überlagerung der verschiedenen Linien ergibt sich damit ein 30-Minuten-Takt zwischen Stuttgart und Gaildorf West.

2014 wurden Pläne veröffentlicht, zwischen Stuttgart und Murrhardt ein Metropolexpress-Angebot einzuführen, das zur Hauptverkehrszeit bis Schwäbisch Hall-Hessental verlängert werden könnte. Dabei sollen die bisherigen Regionalzüge werden durch MEX-Züge ersetzt werden, die im Halbstundentakt verkehren und die S-Bahn entlasten sollen.[73][74] Das Konzept wird seit Juni 2021 schrittweise realisiert, auf der Strecke der Murrbahn verkehren mittlerweile die MEX Linien 19 und 90.

Seit dem 18. Dezember 2025 fahren ICE Sprinter der Deutschen Bahn, die Stuttgart und Berlin über Nürnberg verbinden, über die Murrbahn.[75] Diese zusätzliche Nutzung der Strecke stieß auf Kritik aus Politik und Verbänden, da sie Nachteile für den Regionalverkehr bedeute.[76]

Zwischen 2011 und 2026 ist die Zahl der dienstags bis freitags auf der Strecke verkehrenden Züge des Schienenpersonennahverkehrs von durchschnittlich 44 auf 75 gestiegen. Im Güterverkehr schwankten die Werte um die 20 Züge pro Tag.[77]

Commons: Bahnstrecke Waiblingen–Schwäbisch Hall-Hessental – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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