Brand im Hohen Venn 2026
Wald- und Moorbrand im belgischen Naturschutzgebiet des Hohen Venns südlich von Aachen
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Der Brand im Hohen Venn 2026 ist ein Wald- und Moorbrand im belgischen Naturschutzgebiet des Hohen Venns südlich von Aachen, der am 14. August 2026 ausbrach.[1] Betroffen war eine Fläche von etwa 3400 Hektar (ha), vor allem Hochmoor- und Heidelandschaft.[2] Es ist der größte bekannte Flächenbrand auf heute belgischem Gebiet seit dem Jahr 1911,[3] als ebenfalls im Hohen Venn geschätzte 3900 ha betroffen waren; damals gehörte ein großer Teil dieser Fläche allerdings zu Preußen.[4]


Seit dem 19. August 2026 gilt der Brand als unter Kontrolle gebracht; die Brandbekämpfung ist jedoch u. a. wegen aufflammender Glutnester (Zombiefeuer) Stand 8. September noch nicht abgeschlossen.
Verlauf
Das Feuer brach am 14. August 2026 gegen Mittag auf dem Gebiet der Gemeinde Baelen in der Provinz Lüttich aus, verursacht möglicherweise von einer Landmaschine.[5] Gegen Abend hatte es sich auf etwa 100 Hektar ausgebreitet. Etwa 100 Einsatzkräfte der Feuerwehr aus den Zonen Deutschsprachige Gemeinschaft, Warche-Amblève-Lienne und Vesdre, Hoëgne & Plateau waren zu diesem Zeitpunkt zusammen mit zwei Hubschraubern der Föderalen Polizei im Einsatz.[6]
Am Morgen des 15. August waren 850 Hektar betroffen,[7] am Mittag bereits 1600 Hektar[8] und am Abend 2700 Hektar.[9] Auf belgischer Seite wurde am Nachmittag von der Gemeinde Weismes eine teilweise Evakuierung des Ortes Sourbrodt veranlasst. Zum gleichen Zeitpunkt begann die Evakuierung der Orte Küchelscheid und Leykaul durch die Gemeinde Bütgenbach. Insgesamt waren 600 Einwohner betroffen, in Malmedy wurde eine Notunterkunft eingerichtet.
Belgien löste am 15. August den EU-Katastrophenschutz-Mechanismus aus und bat um Hilfe bei der Brandbekämpfung.[10] Daraufhin organisierte das Zentrum für die Koordination von Notfallmaßnahmen (ERCC) unter der Leitung von EU-Kommissarin Hadja Lahbib internationale Unterstützung. Zwei Chinook-Hubschrauber der niederländischen Streitkräfte mit sogenannten Bambi Buckets waren vom 15.[11] bis zum 21. August[12] im Einsatz, zwei NH90-Hubschrauber der Bundeswehr vom 17. bis 21. August,[13] außerdem zwei schwedische Löschflugzeuge. Anfangs wurde zusätzlich von einem tschechischen Hubschrauber berichtet,[14] später nannten offizielle EU-Websites stattdessen zwei norwegische Hubschrauber.[10][15] Auch Landwirte halfen bei der Brandbekämpfung.[1]
Am Abend des 15. August wurden auf deutscher Seite die Bewohner von Ruitzhof, Leyloch, Vennhof, Haus Sonnentau und Plattevenn von der Stadt Monschau auf eine Evakuierung vorbereitet, weil das Feuer über die deutsch-belgische Grenze überzugreifen drohte.[16][17] Am späten Abend des 16. August hatte sich das Feuer Monschau so weit genähert, dass in der Nacht per Warn-App NINA sowie durch ein Cell Broadcast die sofortige Evakuierung der Monschauer Bereiche Ruitzhof und Geisberg in Kalterherberg angeordnet wurde.[18]
Wegen des Brandes war das gesamte Naturschutzgebiet gesperrt worden.[19] In der Nähe der deutschen Grenze gelang es den Einsatzkräften am 19. August, den Brand unter Kontrolle zu bekommen. Entwarnung wurde jedoch noch nicht gegeben, da es weiter zahlreiche Brandherde gebe.[20] Die Behörden riefen deshalb dazu auf, die Zugangsbeschränkungen unbedingt zu beachten. Der Zugang zum Brandgebiet bleibt bis auf Weiteres untersagt,[21] da trotz der positiven Entwicklung noch weitere Gefahren bestehen, darunter Glutnester, instabile Bäume, giftige Rauchgase und Explosionsgefahr durch Munition aus dem Zweiten Weltkrieg.[22] Mit Drohnen des Zivilschutzes wurden die bereits gelöschten Flächen überwacht. Auch Tage später stiegen immer wieder Rauchsäulen empor und flammten weiter Glutnester auf, weswegen mit Stand vom 24. August und bis auf Weiteres noch 60 bis 80 Feuerwehrleute im Einsatz waren.[23][2] Beispielsweise bekämpfte die Feuerwehr am 27. August ein größeres neu entstandenes Feuer in der Nähe von Drossart.[24]
Brandgut
Weil Teile des Hohen Venns ein für den Anbau von Fichten entwässertes Hochmoor sind, war der Brand ein Vegetationsbrand und mancherorts auch ein Moorbrand. Die Torfschichten sind teils mehrere Meter mächtig. Damit ergeben sich zusätzliche Probleme für die Brandbekämpfung, weil Moore unterirdische „Zombiebrände“ begünstigen, also Schwelbrände, die sich teils auch unterirdisch ausbreiten können, nur schwer zu löschen sind und für die Feuerwehr auch zusätzliches Gefahrenpotential bieten. Teilweise flammen solche Schwelbrände noch Jahre später wieder auf an bisher unversehrten Stellen. Um einen solchen Moorbrand vollständig zu löschen, ist die Wiederdurchfeuchtung des Moores nötig, was große Mengen Wasser voraussetzt.[25] Ein belgischer Behördensprecher sagte, dafür seien „vermutlich Hunderttausende Liter“ Wasser nötig, weswegen es „Wochen, sogar Monate“ bis zum vollständigen Löschen dauern könnte. Problematisch sind Moorbrände ebenfalls im Hinblick auf den Klimawandel, da auf diese Weise große Mengen Kohlenstoffdioxid freigesetzt werden, die über Jahrhunderte oder Jahrtausende gebunden waren.[26] In matschigem oder mooorigem Gelände bekommen Feuerwehrleute Löschwasser aus einem großen Tankanhänger mit Kettenfahrwerk, der von einem Raupenschlepper gezogen wird.[27] Das Wasser wird mit Tankwagen auf Straßen und befestigten Wegen herangeschafft und dann in diesen Tankanhänger umgepumpt. Der Raupenschlepper wurde bis dahin im Venn zum Holzrücken eingesetzt.[27]
Rauchbelastung

Durch die Schwelbrände im Torfboden kam es zu starker Rauchentwicklung, die auch in Deutschland über weite Entfernung noch wahrnehmbar war. In Monschau wurde die Bevölkerung aufgerufen, in geschlossenen Räumen zu bleiben und Fenster und Türen geschlossen zu halten. Am 15. August und teilweise wiederkehrend in den Folgetagen verursachten die Rauchschwaden im Norden und Westen von Rheinland-Pfalz sowie im rund 150 km entfernten Saarland Rauchbelastung und Brandgeruch.[28][29][30] Im rheinland-pfälzischen Wittlich wurde die Säubrennerkirmes wegen der Rauchentwicklung kurzzeitig unterbrochen.[29] Am 16. August zog der Brandgeruch bis in Teile Baden-Württembergs und führte zu Hinweisen der Warn-App NINA in diesen Gebieten.[31][32]
Auch in Nordbayern und Hessen löste der Rauch in mehreren Integrierten Leitstellen Meldungen bzw. Notrufe wegen Brandgeruch und Rauchwolken aus.[33] Die Feuerwehr Köln rief am 18. August eine „großräumige Geruchslage“ im Kölner Stadtgebiet aus. Weitere Städte wie Düsseldorf und Wuppertal meldeten ebenfalls Brandgeruch.[3] Des Weiteren warnten die Behörden aufgrund des Rauches vor gesundheitlichen Gefahren.[34] So können unterirdische Schwelbrände in Mooren z. B. hochgiftiges Kohlenstoffmonoxid freisetzen.[25]
Nach dem Brand
Der Föderalstaat hat angekündigt, die Kosten für Treibstoff, Verpflegung und die Entschädigung der unterstützenden Landwirte beim Vennbrand zu übernehmen.[35] Innenminister Bernard Quintin sagte, er prüfe eine engere Zusammenarbeit mit den Streitkräften bei der Bekämpfung von zukünftigen Großbränden, ähnlich wie in Frankreich und Spanien. Man werde auch die Luftunterstützung bei Großbränden evaluieren.[35]