Canon de 75 mle GP I

belgische Feldkanone der Zwischenkriegszeit From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Canon de 75 mle GP I (mle = Model, GP = Grande Portée, deutsch: Langstrecke oder hohe Reichweite) war eine belgische Feldkanone, welche nach dem Ersten Weltkrieg entwickelt und bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs eingesetzt wurde.

Schnelle Fakten Allgemeine Angaben, Technische Daten ...
Canon de 75 mle GP I
Allgemeine Angaben
Entwickler/Hersteller John Cockerill & Cie.
Waffenkategorie Feldkanone
Technische Daten
Rohrlänge 2,62 m
Kaliber 7,5 cm
Kaliberlänge L/35
Höhenrichtbereich -13° – +42° Winkelgrad
Seitenrichtbereich 3° zu jeder Seite
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Entwicklung

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges erhielt Belgien durch den Friedensvertrag von Versailles umfangreiche Reparationszahlungen vom Deutschen Reich, wozu auch zahlreiche Artilleriegeschütze zählten. Darunter befanden sich auch mehrere beschädigte Geschütze und Lafetten ohne Geschützrohre der 10,5-cm-l. F. H. 16, welche in den frühen 1920er Jahren nach Belgien kamen. Aufgrund der schwierigen Wirtschaftslage wollte man mithilfe dieser Lafetten und Geschütze die eigenen Streitkräfte wieder aufbauen.[1]

Dennoch stand die belgische Armee in der Zwischenkriegszeit vor einigen Herausforderungen, unter anderem begrenzte Mittel für die Modernisierung. Der Großteil der Ausrüstung stammte aus dem späten 19. Jahrhundert und war in den 1920er Jahren bereits veraltet. Somit kam die Requirierung des deutschen Materials diesen Bemühungen sehr gelegen um die eigene Artillerie kostengünstig aufzuwerten und teure Neuproduktionen zu vermeiden. Somit wurde die Firma John Cockerill & Cie. damit beauftragt, aus den Lafetten der 10,5-cm-l. F. H. 16 und angepassten Geschützrohren der französischen Canon de 75 mle TR ein neues Geschütz zu entwickeln. Daraus entstand dann die belgische Canon de 75 mle GP I.

Technische Beschreibung

Die Canon de 75 mle GP I bestand aus der deutschen Lafette der 10,5-cm-l. F. H. 16 und dem Geschützrohr der Canon de 75 mle TR. Dabei wurden einige Anpassungen und Verbesserungen durchgeführt. Das Geschützrohr wurde etwas verlängert und erhielt ein hydropneumatisches Rückstoßsystem, wodurch sich die Stabilität und Feuerrate deutliche erhöhte. Das Geschütz war 4,2 m lang, hatte eine Breite von 1,8 m und eine Höhe von 1,5 m. Das Geschützrohr hatte eine Rohrlänge von 2,625 m, was eine Kaliberlänge von L/35 ergab. Die Lafette hatte ein Gewicht von 1,2 t, das Geschützrohr mit Verschluss wog 1,137 t.[1]

Die Lafette war eine Kastenlafette mit Stahlrädern und einer Luftbereifung. Dadurch war der Transport sowohl durch Zugtiere, als auf durch Kraftfahrzeuge möglich. In der Lafette hatte das Geschütz einen Höhenrichtbereich zwischen −13 und +42 Winkelgrad. Zu jeder Seite war ein Richten um maximal 3 Winkelgrad möglich.[1]

Die verwendete Munition bestand aus Schnellfeuermunition im Kaliber 75 × 150 mm R, welches die Standardmunition der belgischen Armee zur damaligen Zeit und mit französischen Geschützen kompatibel war. Zu den verschiedenen Geschosstypen gehörten eine hochexplosive Granate (HE) mit einem Gewicht von 6,125 kg und einem Sprengradius von 20 m. Als Sprengstoff wurde Schneiderit oder Melinit für die Splitter- und Detonationswirkung genutzt. Weiterhin gab es panzerbrechende Granaten (AP) für die Panzerabwehr und Schrapnellgranaten mit Bleikugeln zur Bekämpfung von Infanterie. Die Treibladungen befanden sich in Messinghülsen hinter den Geschossköpfen. Alle Geschosse erreichten eine Mündungsgeschwindigkeit von 579 m/s. Die ballistische Leistung ergab damit eine maximale Reichweite von 11 km. Die effektive Reichweite betrug 9 km.[2][3]

Bezeichnungen

Mit dem Einsatz während des Zweiten Weltkrieges erhielt das Geschütz unterschiedliche, länderspezifische Bezeichnungen.

  • Canon de 75 mle GP I (Belgien)
  • 7,5-cm-Feldkanone 233 (b) (Wehrmacht)

Einsatz

Belgien

Die Canon de 75 mle GP I war im Jahr 1939 eines der Hauptgeschütze der belgischen Armee und wurden im Rahmen eines Modernisierungsprojekts zur Ausrüstung der Feldartillerieeinheiten in die Truppe eingeführt. Diese Einführung erfolgte wenige Monate vor dem Überfall der Wehrmacht auf Polen. Hauptaufgabe der Geschütze in der Armee sollte es sein, Infanteriedivisionen eine mobile Feuerunterstützung zu bieten und die veraltete Ausrüstung aus dem Ersten Weltkrieg zu ersetzten.

Die Mobilität durch die gezogene Canon de 75 mle GP I und die Besatzung von fünf bis sechs Soldaten, ermöglichte eine schnelle Positionierung und einen schnellen Stellungswechsel im Ernstfall. Die belgische Verteidigungsdoktrin sah hierbei vor, dass die Geschütze entlang des Albert-Kanal mobile Verteidigungsstellungen einnehmen sollten. So konzentrierte sich die Ausbildung darauf, indirektes Feuer und Schüsse auf kurze Distanz zur Unterstützung bei Panzer- und Infanteriegefechten zu geben.

Ab dem 1. Mai 1940 kamen dann die Geschütze bei der Schlacht um Belgien, dem Einmarsch der Wehrmacht in Belgien und dem Beginn des Westfeldzug, zum Einsatz.[1] Dabei unterstützten die Batterien die belgischen Infanteriedivision gegen deutsche Panzerspitzen, insbesondere bei der Verteidigung der Stellung an der Dyle-Breda-Stellung und entlang des Albert-Kanal. Trotz der hohen Effektivität im direkten Schuss und auf kurzen Distanzen, schränkte der begrenzte Schwenkbereich die Geschütze ein. Gegen dem schnellen Vorstoß der Wehrmacht aus verschiedene Richtungen konnten die Geschütze nicht ankommen.

Wehrmacht

Nachdem die Wehrmacht im Mai 1940 mit dem Westfeldzug begann, erbeutete sie in Belgien, aufgrund des schnellen Vorstoßes, nahezu alle Geschütze unbeschädigt. In der Wehrmacht lief die Canon de 75 mle GP I gemäß der Vorschrift Kennblätter fremden Geräts als 7,5-cm-Feldkanone 233 (b) und blieb bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges im Einsatz.[1] Während dieser Zeit wurden durch die Wehrmacht nur geringfügige Änderungen und Anpassungen durchgeführt. Die Geschütze wurden größtenteils im besetzten Belgien durch die Besatzungstruppen eingesetzt. Nachdem die Alliierten Truppen am 6. Juni 1944 im Rahmen des D-Day in der Normandie gelandet waren, wurden nach und nach viele der alten Geschütze verschrottet, um dadurch Material für andere Projekte zu gewinnen.

Verbleib

Heute ist kein Geschütz bekannt, was den Zweiten Weltkrieg überdauert hat oder sich in einem Museum oder privater Sammlung befindet.

Literatur

  • Peter Chamberlain, Terry Gander: Light and Medium Field Artillery. MaDonald and Jane, London 1975, ISBN 0-356-08216-4.
  • Peter Chamberlain, Terry Gander: Light and Medium Field Artillery. Arco, New York 1985.
  • Department of the Army: Technical Manual TM 9-1985-3/TO 39B-1A-10, German Explosive Ordnance (Projectiles and projectiles fuzes). Department of the Army, New York 1953.

Einzelnachweise

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