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De-Pury-Denkmal

Denkmal in Neuenburg (Neuchâtel), Schweiz From Wikipedia, the free encyclopedia

Das De-Pury-Denkmal ist ein Denkmal in Neuenburg in der Schweiz. Es wurde 1855 zur Ehren des Kaufmanns und Mäzens David de Pury (1709–1786) errichtet. Da Pury seinen Reichtum unter anderem im kolonialen Waren- und Sklavenhandel erworben hatte, wurde die Statue 2022 um eine Informationstafel sowie die Bronzeplastik Great in the concrete ergänzt.[1]

Das De-Pury-Denkmal und der zeitweilig vorhandene Gegenentwurf (2025)

Lage

Das Denkmal steht im Süden der Place Pury, einer der wichtigsten Haltestellen der Stadt zwischen mehreren Trolleybuslinien und der Strassenbahn. Im Westen des Platzes steht das als Kulturgut geschützte Gebäude der Neuenburger Kantonalbank. Weitere Skulpturen auf dem Platz sind drei Wasserbüffel des Künstlers Davide Rivalta (* 1974).

Geschichte

Die Bronzeplastik

Der Neuenburger David de Pury war als Kaufmann im britischen und portugiesischen Überseehandel tätig. Durch ein «Quasi-Monopol» auf den Handel mit brasilianischen Diamanten und Brasilholz kam er zu beträchtlichem Wohlstand. Einen Teil seines Vermögens investierte er in ein Unternehmen, das Sklaven von Afrika nach Brasilien transportierte. Pury veranlasste zu seinen Lebzeiten viele Spenden an die Stadt Neuenburg. Bei seinem Tod 1786 hinterliess er der Stadt 2'250'000 Livres tournois, die einen Grossteil seines Vermögens ausmachten[2] (2020 rund 600 Millionen Franken).[3]

Bereits drei Jahre vor Purys Tod, im Jahr 1783, wurde in Neuenburg ein erstes Denkmalprojekt initiiert. Zunächst dachte man einen Obelisken. 1805 schuf Aubert Joseph Parent eine Büste Purys für das Rathaus. 1845 wurde schliesslich der französische Bildhauer Pierre Jean David d’Angers mit der Schaffung eines Denkmals für Pury auf dem nach ihm benannten Platz betraut.[4] Dieser war kurz zuvor durch die Umleitung des Seyon entstanden.[4.1] Dass es offenbar ohne Kontroversen hingenommen wurde, dass ein Ausländer das Denkmal ausführte, ist dem damals noch nicht so stark ausgebildeten Schweizer Nationalismus zuzuschreiben, der erst in späteren Jahrzehnten fremde Konkurrenz ausschloss.[4.2] Wegen des Künstlers und Streitereien zwischen Royalisten und Republikanern verzögerte sich die Aufstellung erheblich.[4] Das Denkmal wurde am 6. Juli 1855 eingeweiht.[5]

Kontroversen

1996 versah eine Anarchistengruppe das Denkmal in einer Online-Fotomontage mit einer schwarzen Fahne, um Purys Aktivitäten im Sklavenhandel in Erinnerung zu rufen.[4.3]

Im Zuge der Bewegung Black Lives Matter wurde im Anfang Juni 2020 eine Online-Petition gestartet, um das Denkmal zu entfernen und die Statue durch ein Mahnmal für versklavte Menschen zu ersetzen. Innerhalb weniger Wochen unterzeichneten 2500 Personen die Petition. Mitte Juli bekannten sich Täter zu einem Farbanschlag mit roter Farbe auf das Denkmal.[3] Eine weitere Petition setzte sich für das Anbringen einer Informationstafel ein. Die Behörden schrieben einen Wettbewerb für ein neues Kunstwerk aus, das mit der Statue de Purys «in Dialog treten sollte». Eine internationale Jury wählte die Skulptur Great in the concrete des Afroschweizers Mathias Pfund aus, die im Herbst 2022 eingeweiht wurde. Zusätzlich wurde am Denkmal eine Informationstafel angebracht.[2] Pfunds Werk wurde Anfang August 2025 von unbekannten Tätern abgerissen und gestohlen.[6] Das weit kleinere Kunstwerk Pfunds stand auf einem Betonsockel. Es zeigte ein umgestürztes Abbild des grossen Denkmals, wobei de Purys Kopf in der Bodenplatte versank. Nach oben ragten sein Körper und die Rechte mit dem Aktenschrank. Die linke Hand war leer. Den Abschluss bildete die ursprüngliche Bodenplatte.

Der Künstler Nathan Solioz (* 1993) projizierte im Frühjahr 2024 für etwa vier Wochen die audiovisuelle Installation Ignis fatuus (deutsch = Trugbild) vor das Denkmal.[7]

Beschreibung und Deutung

Die Bronzestatue de Purys steht auf einem steinernen Sockel. De Pury stützt sich mit der Rechten auf einen Aktenschrank, dessen Schubladen die Namen von Weltstädten (Londres, Amsterdam, Constantinople, Paris) tragen und auf dessen Seitenwand Zeichen des Handels und der Schifffahrt angebracht sind. Das Möbel repräsentiert sein Unternehmen. Insgesamt gilt das Denkmal aber weniger Pury als Unternehmer als vielmehr seinen Verdiensten als Mäzen. In der Linken hält das Standbild das Testament, auf dem zu lesen steht: Je donne à la ville… («Ich vermache der Stadt…»).[4] Zeitgleich entstand in Locarno mit dem Marcacci-Denkmal ein vergleichbares Mäzenatendenkmal für den Politiker Giovanni Antonio Marcacci, welcher der Stadt ebenfalls hohe Summen vermacht hatte.

Die Inschrift auf dem Postament lautet:[8]

DAVID DE PURRY
né à Neuchatel en 1709. mort à Lisbonne en 1786.
------
il légua à sa ville natale
sa fortune acquise dans le commerce
pour que les revenue en fussent appliqués
à des oeuvres de charité
à l’instruction publique
à l’embellissement de la ville.
------
ses concitoyens ont élevé ce monument à sa mémoire

«David de Purry, geboren in Neuenburg 1709, gestorben in Lissabon 1786. Er vermachte seiner Geburtsstadt sein im Handel erworbenes Vermögen, auf dass die Einkünfte für Werke der Nächstenliebe, für den öffentlichen Schulunterricht und für die Verschönerung der Stadt verwendet würden. Seine Mitbürger haben dieses Denkmal zu seinem Andenken errichtet.»

Siehe auch

Literatur

  • Georg Kreis: Zeitzeichen für die Ewigkeit. 300 Jahre schweizerische Denkmaltopografie. Verlag NZZ, Zürich 2008.

Einzelnachweise

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