René Descartes
französischer Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler
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René Descartes (auch René des Cartes, Des Cartes oder Des-Cartes, latinisiert Renatus Cartesius; * 31. März 1596 in La Haye en Touraine; † 11. Februar 1650 in Stockholm) war ein französischer Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler.


Seine naturphilosophischen und erkenntnistheoretischen Schriften galten schon zu seinen Lebzeiten als wegweisend. Allein Newton und Leibniz haben ihre großen Theorien nachweislich an Cartesischen Studien entwickelt.[1][2] Heute wird Descartes als »erster großer metaphysischer Systematiker der Neuzeit«[3] und damit als »Vater der neueren Philosophie« bezeichnet.[4][5]
Er gilt als der Rationalist unter den Begründern eines mechanistischen Weltbildes. Seine Naturphilosophie »verbannt ein für allemal die Geister aus der Welt«.[6]
In der Mathematik revolutionierte Descartes, zusammen mit François Vieta, die algebraische Schreibweise zur Lösung geometrischer Probleme und gilt damit als Begründer der analytischen Geometrie.[7][8] Für ganze zwei Jahrhunderte wurden »in der Glanzzeit der Kartesischen Methode und Geometrie« algebraische Kurven untersucht.[9]
In der Physik gelang es Descartes, die Statik der Maschinen mit dem Prinzip der virtuellen Arbeit zu vereinfachen.[10][11]
Aus kulturhistorischer Sicht hätten, wie Egon Friedell sagte, »schon seine Leistungen als Mathematiker und Naturforscher genügt, ihm Weltruf zu verschaffen«, doch habe er vielmehr »den Geist des Grand Siècle geformt«.[12]
Leben
Descartes wurde als drittes Kind einer kleinadeligen Familie in der Touraine geboren. Sein Vater, Joachim Descartes (1563–1640), war Gerichtsrat (Conseiller) am Obersten Gerichtshof der Bretagne in Rennes. Seine Mutter, Jeanne Brochard, starb am 16. Mai 1597 nach der Geburt ihres letzten Kindes, das nicht überlebte. Da der Vater rasch wieder heiratete, verbrachte Descartes seine Kindheit bei seiner Großmutter mütterlicherseits und einer Amme, die ihn erzog, überlebte und die er liebevoll in seinem Testament bedachte (siehe Adrien Baillet, La Vie de Monsieur Descartes, 2 vol. 1691). Mit acht Jahren kam er als Internatsschüler auf das jesuitische Collège Henri-IV de La Flèche, das er acht Jahre später mit einer klassischen sowie mathematischen Ausbildung verließ.[13]
Studien-, Lehr- und Wanderjahre
Anschließend studierte Descartes ab 1612 Jura in Poitiers und legte dort 1616 ein juristisches Examen ab. Statt jedoch eine juristische Karriere einzuschlagen, absolvierte er an einer Pariser Académie für junge Adelige einen Lehrgang in Fechten, Reiten, Tanzen und gutem Benehmen und verdingte sich noch im selben Jahr 1616 bei dem Feldherrn Moritz von Nassau im niederländischen Breda. Dort begegnete er dem sechs Jahre älteren Arzt und Naturforscher Isaac Beeckman, der ihn für die Physik begeisterte und dem er sein erstes naturwissenschaftliches Werk widmete, das mathematisch-physikalisch orientierte Musicæ compendium (1618).
Nach Reisen durch Dänemark und Deutschland verdingte sich Descartes 1619 erneut als Soldat, nun bei Herzog Maximilian von Bayern, unter dem er auf kaiserlich-katholischer Seite an den ersten Kämpfen des Dreißigjährigen Krieges und so auch an der Eroberung Prags 1620 beteiligt war.
Im November 1619, kurz nachdem er in Prag die Arbeitsstätte des Astronomen Tycho Brahe (1546–1601) und in Regensburg die von Johannes Kepler (1571–1630) besichtigt hatte, entwickelte Descartes die Idee, dass es „eine universale Methode zur Erforschung der Wahrheit“ geben müsse und dass er berufen sei, sie zu finden, wobei er keine Erkenntnis akzeptieren dürfe außer der, die er in sich selbst oder dem „großen Buch der Welt“ entdeckt und auf ihre Plausibilität und Logik hin überprüft habe. Descartes begann die Arbeit an den Regulae ad directionem ingenii (Regeln zur Ausrichtung der Erkenntniskraft). In seiner Descartes-Biographie berichtet Adrien Baillet (1691) von drei Träumen, die Descartes angeblich in der Nacht vom Sonntag, den 10., auf Montag, den 11. November 1619, hatte, als er sich längere Zeit in der Reichsstadt Ulm (nach anderen Quellen in Neuburg an der Donau) aufhielt.[14][15] In den fragmentarischen Olympica aus Descartes’ eigenem Notizbuch, deren Inhalt aufgrund von Exzerpten von Gottfried Wilhelm Leibniz teilweise erhalten geblieben ist, findet sich jedoch keine zusammenhängende Beschreibung dieser Träume.
1620 hängte Descartes den Soldatenrock an den Nagel, machte eine Pilgerfahrt nach Loreto, die er der Jungfrau Maria zum Dank für die „Vision“ gelobt hatte. In den Jahren darauf unternahm er mehrmonatige Reisen durch das Heilige Römische Reich, die Niederlande, die Schweiz und Italien, wobei er Einblicke jeglicher Art zu gewinnen und mit den unterschiedlichsten Personen, vor allem Gelehrten, ins Gespräch zu kommen suchte.
1625 ließ er sich in Paris nieder. Hier verkehrte er mit Intellektuellen und bewegte sich in den Kreisen der gehobenen Gesellschaft, wobei er auch siegreich ein Duell bestand. Er las viel, schrieb bis 1628 weiter an den Regulae ad directionem ingenii und gewann zunehmend an Ansehen als scharfsinniger Kopf. Insbesondere beeindruckte er auf einer Abendgesellschaft Kardinal Pierre de Bérulle, den Vorsitzenden des Staatsrats und Gegenspieler von Kardinal Richelieu, so sehr, dass er von ihm zu einer Privataudienz eingeladen und danach aufgefordert wurde, seine Theorien ausführlicher darzustellen und damit die Philosophie zu reformieren.
Zeit der Reife und der philosophischen Werke

1629 zog es Descartes in die Niederlande, vermutlich wegen der größeren geistigen Freiheit, die dort herrschte. Hier verbrachte er, zwar im Austausch mit Intellektuellen unterschiedlichster Ausrichtung und Herkunft, aber dennoch relativ zurückgezogen, die nächsten 18 Jahre, wobei er häufig Wohnungen und Wohnorte wechselte.[16] 1634 lebte Descartes in Egmond-Binnen zusammen mit Helena Jans van der Strom unter einem Dach. Sie war die Haushälterin seines Vermieters. Im Jahre 1635 bekam sie von ihm eine Tochter, Francine, welche in Deventer geboren sowie getauft wurde. Jedoch heirateten Descartes und Helena nicht. Francine verstarb mit fünf Jahren am 7. September 1640 an Scharlach. Descartes bezeichnete Francines Tod als „den größten Schmerz seines Lebens“ (Adrien Baillet). Am 13. Oktober 1642 schrieb er an seinen Freund Constantijn Huygens, Vater des berühmten niederländischen Naturwissenschaftlers Christiaan Huygens, wir Menschen seien geboren „für viel größere Freuden und ein viel größeres Glück, als wir sie auf dieser Erde erleben können. Wir werden die Toten dereinst wiederfinden, und zwar mit der Erinnerung an das Vergangene, denn in uns befindet sich ein intellektuelles Gedächtnis, das ganz zweifellos unabhängig von unserem Körper ist“. Er sei, so Descartes, von diesem Leben nach dem Tod „überzeugt durch natürliche und ganz offensichtliche Gründe“.
Vor allem korrespondierte Descartes intensiv mit seinem Pariser Freund Marin Mersenne und über diesen, der allein seine jeweilige Adresse kannte, mit Gelehrten aus ganz Europa sowie mit einigen geistig interessierten, hochstehenden Damen. Der Mathematiker Dirck Rembrantsz van Nierop besuchte ihn mehrmals.
Während seiner ersten Zeit in den Niederlanden arbeitete Descartes an einem Traktat zur Metaphysik, in dem er einen klaren und zwingenden Gottesbeweis zu führen hoffte. Er legte ihn jedoch beiseite zugunsten eines großangelegten naturwissenschaftlichen Werks, das in französischer Sprache verfasst werden sollte und nicht mehr, wie seine bisherigen Texte, in Latein. Diesen Traité du Monde „(Abhandlung über die Welt)“, wie er heißen sollte, ließ er jedoch unvollendet, als er vom Schicksal Galileo Galileis erfuhr, der 1633 von der Inquisition zum Widerruf seiner die Forschungen von Nicolaus Copernicus und Johannes Kepler bestätigenden Theorien gezwungen worden war. 1637 publizierte Descartes im holländischen Leiden anonym seinen Discours de la méthode pour bien conduire sa raison et chercher la vérité dans les sciences, plus la Dioptrique, les Météores et la Géométrie qui sont des essais de cette méthode (deutscher Titel: Abhandlung über die Methode des richtigen Vernunftgebrauchs und der wissenschaftlichen Wahrheitsforschung), wörtlich: „Abhandlung über die Methode, seine Vernunft gut zu gebrauchen und die Wahrheit in den Wissenschaften zu suchen, dazu die Lichtbrechung, die Meteore und die Geometrie als Versuchsanwendungen dieser Methode“. Der als populärwissenschaftliches Werk auf hohem Niveau angelegte Discours de la méthode, wurde langfristig Descartes’ wirksamstes Buch.
Kernpunkte des Discours sind:
- eine Erkenntnistheorie, die nur das als richtig akzeptiert, was durch die eigene schrittweise Analyse und logische Reflexion als plausibel verifiziert wird,
- eine Ethik, gemäß der das Individuum sich im Sinne bewährter gesellschaftlicher Konventionen pflichtbewusst und moralisch zu verhalten hat,
- eine Metaphysik, die zwar (durch logischen Beweis) die Existenz eines vollkommenen Schöpfer-Gottes annimmt, aber kirchenartigen Institutionen wenig Raum lässt,
- eine Physik, die die Natur als durch zwar gottgegebene, aber allgemein gültige Gesetze geregelt betrachtet und dem Menschen ihre rationale Erklärung und damit letztlich ihre Beherrschung zur Aufgabe macht.
Auch die nächsten Werke von Descartes lösten in Fachkreisen intensive Diskussion aus und waren langfristig wirksam:
- Zunächst lateinisch gedruckt wurden 1641 in Paris die Méditations sur la philosophie première, dans laquelle sont démontrées l’existence de Dieu et l’immortalité de l’âme (so der Titel einer französischen Übersetzung von 1647; deutsch „Meditationen über die Erste Philosophie, in der die Existenz Gottes und die Unsterblichkeit der Seele bewiesen wird“). Die zweite Auflage 1642 in Amsterdam erschien mit geändertem Untertitel, „denn ich kann nicht beweisen, dass Gott die Seele nicht vernichten könnte, sondern nur, dass sie von völlig anderer Natur als der Körper ist und nicht mit dem Körper stirbt“ (Brief an Marin Mersenne vom 24. Dezember 1640). Der Untertitel lautete nun: Meditationes de prima philosophia|Méditations sur la philosophie première, dans laquelle sont démontrées l’existence de Dieu et la distinction de l’âme et du corps (deutsch „Meditationen über die Erste Philosophie, in der die Existenz Gottes und der Unterschied zwischen Seele und Körper bewiesen wird“).
- Ebenfalls erst nachträglich ins Französische übersetzt wurde die Schrift Principia philosophiae („Grundlagen der Philosophie“, 1644).
Diese Schriften stießen bei den Theologen in Utrecht und Leiden auf so heftige Ablehnung, dass Descartes 1645 einen Umzug nach England erwog und in den Folgejahren Holland mehrmals fluchtartig zu Reisen nach Frankreich verließ. In den Principia behandelt Descartes nicht nur die direkten emotionalen Reflexe, z. B. Angst, sondern auch die spontanen Gefühlsregungen, z. B. Liebe oder Hass. 1649 erschien der Traktat Les Passions de l’âme („Die Leidenschaften der Seele“, 1649), den Descartes auf Aufforderung seiner Briefpartnerin, die pfälzische Prinzessin Elisabeth von der Pfalz, verfasst hatte. Descartes betonte, wie intelligent Elisabeth war und machte deutlich, dass sie der einzige Mensch sei, der seine Arbeit komplett verstehen würde.[17]

Er interpretiert die Leidenschaften als nur allzu natürliche mentale Ausflüsse der kreatürlichen Körperlichkeit des Menschen, verpflichtet diesen aber – als ein zugleich mit einer Seele begabtes Wesen – zu ihrer Kontrolle durch den Willen und zu ihrer Überwindung durch vernunftgelenkte Regungen wie z. B. selbstlosen Verzicht oder großmütige Vergebung.
Tod
Im Spätsommer 1649 folgte er einer Einladung der jungen Königin Christina von Schweden, mit der er seit etwa 1645 Briefe gewechselt hatte, und reiste nach Stockholm. Dort musste er jedoch mehrere Wochen auf die abwesende Königin warten und bekam erst in der zweiten Januarhälfte morgens um fünf Uhr einige Audienzen, um der Königin seine Philosophie zu erklären. Anfang Februar 1650 erkrankte er und starb zehn Tage später im Haus seines Gastgebers, des französischen Botschafters Pierre Chanut. Die 2009 von Theodor Ebert vorgetragene These, Descartes sei mit Arsenik vergiftet worden,[18] fand in Fachkreisen wenig Anerkennung.[19] Es wird nach wie vor überwiegend angenommen, dass Descartes an einer Lungenentzündung starb. Descartes’ Grab befindet sich nach mehreren Umbettungen seit dem 26. Februar 1819 in der Abtei Saint-Germain-des-Prés in Paris. Dort liegt sein Leichnam bis auf den Schädel, den seit 1878 das Pariser Musée de l’Homme aufbewahrt.
Verbot seiner Schriften
1663 wurden die Schriften Descartes’ vom Heiligen Stuhl auf den Index Librorum Prohibitorum gesetzt und nie wieder daraus entfernt. Nach seinem Tod kamen Klagen auf, er habe bei seinen naturwissenschaftlichen Studien keinen Raum für Gott gelassen. Dabei traten die Jesuiten an vorderster Front für das Verbot seines Werks ein. Auf die Indizierung von 1663 folgte eine lange Reihe von Verboten, darunter 1691 der königliche Bann gegen die Verbreitung aller Lehren Descartes’ an französischen Schulen.[20]
Bedeutung
Philosophie
Descartes gilt als der Begründer des modernen frühneuzeitlichen Rationalismus, den Baruch de Spinoza, Nicolas Malebranche und Gottfried Wilhelm Leibniz kritisch-konstruktiv weiterführten. Sein rationalistisches Denken nennt man auch Cartesianismus. Von ihm stammt das berühmte Diktum „cogito ergo sum“ (deutsch „Ich denke, also bin ich“), welches die Grundlage seiner Metaphysik bildet, aber auch das Selbstbewusstsein als genuin philosophisches Thema einführte. Die Annahme, dass die denkende Seele der Ursprung der Erkenntnis sei, hat drei Implikationen: Erstens ist die Quelle aller Erkenntnis nicht mehr im Aufspüren der Gedanken Gottes zu suchen; zweitens macht das denkende Ich den Leib zu einem Objekt der Körperwelt wie andere auch (Leib-Seele-Dualismus); drittens gelten im Bereich der Körper Gesetze der Bewegung, die von keinem Eingriff der Seele in das Geschehen durchbrochen werden (mechanistisches Weltbild). Offen bleiben jedoch die Fragen, wie die Welt der Körper über die Sinnesorgane auf das denkende Ich wirkt und wie der Wille auf die Körperwelt einwirken kann (nach Descartes kann er allenfalls die Richtung der Bewegung der Körper verändern, deren Impuls jedoch gleich bleibt).
Descartes’ Auffassung bezüglich der Existenz zweier beim Menschen miteinander wechselwirkender, voneinander verschiedener „Substanzen“ – Geist und Materie – ist heute als cartesianischer Dualismus bekannt und steht im Gegensatz zu den verschiedenen Varianten des Monismus sowie zur dualistischen Naturphilosophie Isaac Newtons, der die Wechselwirkung aktiver immaterieller „Kräfte der Natur“ mit der absolut passiven Materie lehrt (siehe dazu Newtonsche Gesetze, Erstes Gesetz der Bewegung).
Sein Ethos der Pflicht und der Selbstüberwindung hat die Literatur der französischen Klassik des 17. Jahrhunderts, insbesondere Pierre Corneille, Nicolas Boileau, Jacques Bénigne Bossuet und Jean de La Bruyère, beeinflusst.
Naturwissenschaft
Mathematik
Descartes gilt als Mitbegründer der analytischen Geometrie, welche Algebra und Geometrie verbindet. Die Erneuerung betrifft dabei vor allem die Darstellung von Linien, Strecken und Streckenverhältnisse durch algebraische Terme , sowie für unbekannte Streckenlängen als Variablen (»quantités inconnues«) in einer Gleichung.[21] Von Termdarstellungen für Quadratflächen (Größen zweiter Potenz) und Volumina (Größen dritter Potenz) wird umfänglich Gebrauch gemacht. Die Lösungen geometrischer Probleme werden hierdurch übersichtlicher gestaltet und zeigen, wo sie auf die Arithmetik der jeweiligen Größen zurückgeführt werden.[22] In der Ausführung dieser analytischen Geometrie in La Géométrie (1637) wurden die heute so genannten kartesischen Komponenten als eindeutige Zahlentupel und ihre geometrische Interpretation als zueinander senkrechte Linien, gewissermaßen im Stillen mit eingeführt.[23]
Physik
Seine naturwissenschaftlichen Arbeiten – seine Ablehnung des Gravitationsprinzips oder seine Wirbeltheorie – sind durch spätere Konzeptionen aus der Newtonschen Physik ersetzt worden;[24] die den Prinzipien der Cartesischen Physik widersprechen. Teile seiner metaphysischen Konzeptionen, etwa der Raumbegriff, die Kontinuitätsanschauung von Massenverteilungen oder auch die Trägheitskonzeption, blieben wissenschaftlich relevant und hatten indirekten Einfluss auf nachfolgende Theorien. Descartes gilt zudem als der erste hauptsächliche Vertreter des Mechanizismus,[25] der die ältere aristotelische Physik abgelöst hat und auch Einfluss auf das medizinische Denken, etwa in der iatromechanischen Krankheitstheorie von Hermann Boerhaave und über das 17. Jahrhundert hinaus[26] ausübte.
Namensgebung
Auf Descartes zurückgehend, wurden bereits frühzeitig Bezeichnungen gepflegt wie »Cartesianer« - für: „Anhänger der philosophischen Ansichten Descartes“ – oder wie »Cartesisch« (in neuerer Zeit auch »Kartesisch«) – für: „Descartes' Werk eigentümlich“.[27] Descartes selbst, das ist bekannt, mochte die Latinisierung »Cartesius« nicht und führte niemals seinen Adelstitel eines Chevaliers.[28]
Werk
Philosophische Methode
Descartes’ Methode ist geprägt von seiner Praxis als Mathematiker. Die vier Grundregeln der Methode sind in seinen Augen eine Anwendung der in der Mathematik üblichen Verfahren und Arbeitsmethoden. Die im Discours de la méthode von Descartes ausführlich formulierte philosophische Methode wird in vier Regeln (II. 7–10) zusammengefasst:
- Skepsis: Nichts für wahr halten, was nicht so klar und deutlich erkannt ist, dass es nicht in Zweifel gezogen werden kann.
- Analyse: Schwierige Probleme in Teilschritten erledigen.
- Konstruktion: Vom Einfachen zum Schwierigen fortschreiten (induktives Vorgehen: vom Konkreten zum Abstrakten)
- Rekursion: Stets prüfen, ob bei der Untersuchung Vollständigkeit erreicht ist.
Dieser stark komprimierten und verkürzten Darstellung stehen die postum veröffentlichten Regulae ad directionem ingenii gegenüber – ein Werk, das unvollendet blieb und daher lediglich 21 der ursprünglich geplanten 36 Regeln darlegt. Descartes’ frühe Methodologie stützt sich mehrfach auf das Vermögen der Intuition; mit ihrer Hilfe, so Descartes, erfasst der Mensch die Wahrheit einfachster Aussagen (wie z. B.: ein Dreieck hat drei Seiten) – die Methode selbst besteht im Wesentlichen darin, komplexe Probleme derart zu zerlegen, dass ihre einzelnen Elemente qua intuition als wahr erkannt werden können. Damit wurde er zum Begründer des reduktionistischen (oder cartesianischen) Denkens.[29] Erst später erweitert Descartes seine Konzeption um eine metaphysische Dimension, indem er hinterfragt, wie die Intuition für die Wahrheit des Erkannten bürgen könne (man könnte ja, so Descartes, auch in den einfachsten Dingen stets irren). Die Suche nach einem archimedischen Punkt führt schließlich zum berühmten cogito ergo sum oder auch „ego sum, ego existo … quamdiu cogito“ – „Ich bin, ich existiere … im Vollzug des Denkens“, widerspricht aber der frühen Methodologie in ihren Grundsätzen, so dass Descartes schließlich die Arbeit an den Regulae einstellte.
Erkenntnistheorie
Descartes’ Meditationen und die Grundlagen der Erkenntnistheorie
Eine neue Erkenntnistheorie führt Descartes unter anderen in seinen sechs Meditationes de prima philosophia von 1641 aus.
Entsprechend seiner Methode handelt der erste Abschnitt von „dem, woran man zweifeln kann“: Die gängige Annahme, dass wissenschaftliche Erkenntnis aus sinnlicher Wahrnehmung und Denken entspringt, muss hinterfragt werden. Keiner der beiden Quellen darf man ungeprüft vertrauen. Unsere Sinne täuschen uns oft, da wir nicht einfach wahrnehmen, sondern frühere Wahrnehmungen, die unseren Körper konstituieren, unsere aktuellen Wahrnehmungen bedingen – wir projizieren. Aber auch dem Denken darf man nicht ungeprüft vertrauen, denn ein böser Dämon könnte so auf den Verstand einwirken, dass man falsche Schlüsse zieht und sich täuscht. Deshalb ist zunächst einmal an allem zu zweifeln.
Zweite Meditation: Doch woher weiß ich, ob das, was mit mir geschieht, Zweifeln ist, ob ich mich täusche, dass ich „ich“ bin und dass ich „bin“? Wenn ich aber zweifle, so kann ich selbst dann, wenn ich mich täusche, nicht daran zweifeln, dass ich zweifle und dass ich es bin, der zweifelt, d. h. ich bin als Denkender in jedem Fall existent. Der erste unbezweifelbare Satz heißt also: „Ich bin, ich existiere“ (Original lat.: ego sum, ego existo).[30] Er ist, so Descartes, „notwendig wahr, so oft ich ihn ausspreche oder denke“. Descartes analysiert dann dieses zweifelnde Ich und bestimmt es als ein urteilendes, denkendes Ding: Als res cogitans.
Aurelius Augustinus (354–430) hatte diese Argumentation schon ähnlich formuliert: “si enim fallor, sum. nam qui non est, utique nec falli potest” („Selbst wenn ich mich täusche, bin ich. Denn wer nicht ist, kann sich auch nicht täuschen.“ Vom Gottesstaat 11,26).
In der dritten Meditation geht Descartes zu einer Theorie des Absoluten über. Eine Ursache könne nicht weniger vollkommen sein als ihre Wirkung. Da die eigene Vorstellung von Gott weit vollkommener sei als die eigene Vollkommenheit und Realität, könne daraus geschlossen werden, dass Gott existiere.
Danach wird die Inkompatibilität von „betrügerisch“ und göttlicher Vollkommenheit aufzuzeigen versucht: Ersteres wäre ein Mangel, letzteres schließt jeden Mangel aus. Gott könne also kein Genius malignus sein, wie es argumentationshalber in der ersten Meditation noch in Betracht gezogen worden war.
Das hieße aber auch, so die vierte Meditation weiter, dass wir auf die (in der ersten Meditation noch angezweifelte) Richtigkeit unserer empirischen Erfahrungen vertrauen können, weil es Gott gebe und er kein Betrüger sei. Den Grund, warum der Mensch dennoch in seinem Urteil zu fehlerhaften Schlüssen kommen kann, sieht Descartes darin, dass die gottgegebene Wahlfreiheit des Menschen sich auch auf Dinge erstreckt, über die er urteilt, obwohl sein Verstand sie nicht klar einsieht. Obgleich die Vernunft die Überlegungen leiten möge, besiegele der Wille letztendlich alle Urteile. Nicht durch den Willen selbst, sondern dadurch, dass er nicht richtig gebraucht werde, würden wir zu falschen Urteilen verführt. Wir müssten uns zwar weiterhin vor Irrtum hüten, könnten aber immerhin auf alles vertrauen, was wir klar und deutlich („clare et distincte“) eingesehen hätten.
In der Fünften Meditation „Ueber das Wesen der körperlichen Dinge und nochmals über Gott, dass er besteht.“ stellt René Descartes seinen ontologischen Gottesbeweis dar. Zu Beginn strebt Descartes eine Befreiung des Zweifelnden an und stellt die Frage nach der Gewissheit über körperliche Dinge. Er untersucht die Natur der Vorstellungen, bevor er sich mit deren Existenz auseinandersetzt. Ein zentrales Beispiel in dieser Meditation ist die Vorstellung eines Dreiecks. Descartes erklärt, dass obwohl kein Dreieck in der Wirklichkeit existiert, seine Eigenschaften mathematisch bewiesen werden können, beispielsweise dass die Innenwinkel jedes Dreiecks stets 180 Grad ergeben.
„Dies erhellt daraus, dass von diesem Dreieck verschiedene Eigenthümlichkeiten bewiesen werden können, wie, dass seine drei Winkel zwei rechten gleich sind, dass seinem gröbsten Winkel die grösste Seite gegenübersteht, und Aehnliches.“[31]
Aus dieser Überlegung ergibt sich für Descartes die Frage, ob, wenn eine Vorstellung wie die eines Dreiecks bewiesen werden kann, auch die Vorstellung Gottes bewiesen werden kann. Er formuliert diese Frage wie folgt:
„Wenn nun daraus allein, dass ich die Vorstellung eines Dinges aus meinem Denken entnehmen kann, folgt, dass Alles, was ich als diesen Dingen zugehörend klar und deutlich erkenne, auch wirklich ihnen zugehört, kann da hieraus nicht auch ein Beweis für das Dasein Gottes entnommen werden?“[32]
Descartes beschreibt Gott als ein höchst vollkommenes Wesen, und argumentiert, dass die Vorstellung eines Gottes ohne Existenz keine Vollkommenheit beinhalten würde.
„Es ist also ebenso widersprechend, Gott (d.h. ein höchst vollkommenes Wesen), dem das Dasein fehlt (d.h. dem eine Vollkommenheit fehlt), zu denken, als einen Berg zu denken, dem das Thal fehlt.“[33]
Daher muss Gott existieren, da Vollkommenheit nach Descartes notwendigerweise Existenz einschließt.
Eingeborene Ideen ideae innatae
Zunächst einmal sah Descartes in den Ideen gleichsam „Abbilder von Dingen“, die sich unter zwei Aspekten einteilen ließen. So nach ihrem Ursprung:
- Ideen, die auf Gegenstandswahrnehmungen beruhen: ideae factitiae
- Ideen, die durch die Einbildungskraft erzeugt werden: ideae adventitiae
- die eingeborenen Ideen: ideae innatae.[34]
Descartes räumte in seiner Theorie der menschlichen Erkenntnis den Überlegungen zu den eingeborenen Ideen, ideae innatae, eine Schlüsselposition ein. Sie seien aber nicht, etwa wie bei Platon, als ein selbstständig Existierendes zu denken, sondern wären durch das Denken zu erfassen. Woraus er folgerte, dass die eingeborenen Ideen eng mit dem denkenden, sich seiner selbst bewussten Subjekt zusammenhingen, da eine zu erkennende Idee etwas benötigt, das diese denkt. Im cartesianischen Innatismus wäre eine eingeborene Idee eine gedachte Sache.
Für ihn müssen die angeborenen Ideen (die ideae innatae):
- klar und deutlich,
- unmittelbar evident sowie
- als Basis für die Erkenntnisgewissheit apriorisch
sein.
Als wichtigste angeborene Ideen, die auf gar keinen Fall aus der Erfahrung gewonnen oder ausgedacht werden können, galten für ihn:
- die Idee der unendlichen Substanz (Gott),
- die Idee der endlichen und denkenden Substanz (der menschliche Geist) und
- die Idee der endlichen und ausgedehnten Substanz (Materie).[35]
In der fünften Meditation verdeutlicht Descartes seine rationalistische Voraussetzung - denn ein Beweis a priori lässt sich nicht erbringen[36] - durch den platonischen Unterschied zwischen Existenz und Wesen, wonach die Vielheit der sinnlich wahrgenommenen Körper als wahrhaftige Abbilder erscheinen. Wir erfassen die verschiedenen Dinge als wiederholte Instanziierungen einer Idee a priori:
„Doch nicht allein, was ich so allgemein betrachte, ist mir ganz bekannt und klar, ich bemerke auch bei einiger Aufmerksamkeit unzählige Einzelheiten an Gestalt, Zahl, Bewegung usw., deren Wahrheit so offenbar und meiner Natur entsprechend ist, daß ich nichts Neues kennenzulernen meine, wenn ich sie zum erstenmal entdecke. Ich glaube eher, mich nur dessen zu erinnern, was ich längst schon wußte, oder erstmals aufmerksam zu werden auf etwas, das längst schon in mir war, ohne daß ich früher den Blick meines Geistes darauf gerichtet hätte. [...]
Ich bin nämlich gewohnt, bei allen anderen Dingen [außer der Idee Gottes] die Existenz vom Wesen (essentia) zu unterscheiden.
[... so] dass diese (Vorstellung/ idea) nicht erdichtet und von meinem Bewusstsein abhängig ist, sondern das Bild (imago) einer wirklichen, unveränderlichen Natur...“
Mathematik

Analytische Geometrie
„In der reinen Wissenschaftsgeschichte gebührt Descartes vor allem ein Platz wegen seiner analytischen Geometrie“.[38] Damit verknüpfte er Geometrie und Algebra und gehörte zu den ersten Mathematikern, der eine arithmetische Lösung geometrischer Probleme in einem geschlossenen Kalkül ermöglichte, wie z. B. die Parabel als Trisektrix oder die Würfelverdoppelung.[39][40]
Allerdings taucht nirgendwo in seinem Werk das heute nach ihm benannte, rechtwinklige kartesische Koordinatensystem direkt auf, als dessen Erfinder mit größerem Recht Apollonios von Perge, Nikolaus von Oresme, Pierre de Fermat und Johan de Witt gelten können.[41] Vielmehr werden - in der Praxis der Algebraisierung von Geometrie - "kartesische Linien" eingeführt: Zahlenpaare und ihre Veränderlichen liefern hierin das Abbild ebener Kurven, was sich als eindeutig nur durch zueinander senkrechte Komponenten erweist.[42] Der Begriff kartesisch oder kartesianisch bedeutet allgemein von Cartesius eingeführt und tritt an verschiedenen Stellen der Mathematik auf, neben dem Koordinatensystem beispielsweise beim kartesischen Produkt.[43]
Mathematische Theoreme
Um 1640 leistete er einen Beitrag zur Lösung des Tangentenproblems der Differentialrechnung. Descartes wählte einen algebraischen Zugang, indem er an eine Kurve einen Kreis anlegte. Dieser schneidet die Kurve in zwei Punkten, es sei denn, der Kreis berührt die Kurve. Damit war es ihm für spezielle Kurven möglich, die Steigung der Tangente zu bestimmen. Dieser Ansatz fand unter seinen Zeitgenossen große Beachtung, trug allerdings kaum zur tatsächlichen Lösung des Problems bei, da man auf diese Weise dem Ableitungsbegriff nicht näher kam.
Es sind auch zwei Sätze nach Descartes benannt. Mit der Vorzeichenregel von Descartes kann man eine Obergrenze für die Anzahl der positiven und negativen Nullstellen eines Polynoms in den reellen Zahlen bestimmen. Der Vier-Kreise-Satz aus dem Jahre 1643 löst ein schon in der Antike betrachtetes Berührkreisproblem, zu drei sich gegenseitig berührenden Kreisen einen vierten zu finden, der wiederum die drei anderen berührt. Nach Descartes ist auch eine ebene algebraische Kurve 3. Ordnung (cartesisches Blatt) benannt, welche Descartes in einem Briefwechsel mit Fermat diskutierte. Nach ihm sind auch die Descartes-Zahlen benannt.
La Geometrie
La Geometrie (1637) ist als Anhang zur Methodenschrift Discours de la Methode erschienen, um mathematische Erkenntnisgründe mit aller Deutlichkeit aufzufinden. Geometrische Probleme werden hierbei durch Termverhältnisse und -gleichungen dargestellt, die eine algebraisch eindeutige Lösung erbringen, und umgekehrt können algebraische Gleichungen und Proportionen nach Descartes' Methode stets „geometrisiert“ werden.[44] Anders als sein Kollege F. Vieta, der ebenfalls algebraische Notationen in der Geometrie einführte, war Descartes davon überzeugt, dass die mehrdimensionale Darstellung von Größen und ihren Relationen zueinander immer gelingen könne: für eine Recheckfläche in zwei Dimensionen, für das Würfelvolumen in drei Dimensionen, und ähnliche Termdarstellungen.

Die Mathematik bestehe darin, diese Verhältnisse zwischen Geometrie und Algebra zu entdecken: „Jede Kurve repräsentierte eine Gleichung mit zwei Unbekannten, und umgekehrt definierte jede Gleichung dieses Typs eine Kurve, ein sehr innovatives Konzept, durch das Descartes die ‚analytische Theorie‘ der geometrischen Orte begründete.“[45] Wegen der vielen Erneuerungen hinsichtlich der mathematischen Darstellung wird behauptet, La Geometrie könne „als das erste moderne Mathematikbuch gelesen werden“.[44]
In einem der ersten Beispiele des Ersten Buchs wird die geometrische Lösung (nach Euklid)[46] einer quadratischen Gleichung in der Passung mit der algebraischen Schreibweise illustriert (siehe nebenstehende Abbildung).[47][48] Die Strecke entspricht der Länge mit den Katheten und des rechtwinkligen Dreieckes . Daher ist graphisch die Summe aus Hypothenuse und Kreisradius
- .
Im Zweiten Buch der Geometrie kommt Descartes erstmals dahin, sämtliche algebraische Kurven der Kegelschnitte in der allgemeinen Form
zu repräsentieren und geometrisch zu begründen, so wie es auch heute noch gebräuchlich ist.[49][50]
Astronomie
1935 wurde der Mondkrater Descartes[51] und 1993 der Asteroid (3587) Descartes[52] nach ihm benannt.
Physik (Naturphilosophie)

Das teleologische Weltbild des Aristoteles wird ersetzt durch ein kausalistisches, in dem sich innerhalb der Objektwelt (der Welt der res extensa also) alles notwendig durch Druck und Stoß ergibt. Diese Annahme ist im Weiteren Voraussetzung für die Theoriebildung in vielen Erfahrungswissenschaften geworden und allgemein Kennzeichen mechanistischen Denkens.
Im zweiten Teil (Über die Prinzipien der körperlichen Dinge) seiner 1644 erschienenen Principia philosophiae beschäftigt sich Descartes mit den grundlegenden Eigenschaften der Materie und stellt elementare Naturgesetze auf, die im Folgenden nach einer deutschen Übersetzung wiedergegeben werden.[53]
Alle Naturerscheinungen finden so bei Descartes geschlossen mechanistische Erklärungen in der Nahwirkung unterschiedlicher Materiearten.[54] Selbst die anziehende Wirkung der Magneten, die planetaren Kreisbewegung oder sämtliche Lichterscheinungen werden durch eine Theorie repulsiver Wirbel verständlich gemacht und fernwirkende Anziehungskräfte, Gravitation oder attraktive Magnetkräfte (nach Gilbert) gänzlich ausgeschlossen. Nur Druck und Stoß von feinen unsichtbaren und sich berührenden Korpuskeln - Descartes unterscheidet drei Arten der Feinheit[55] - erzeugen im Einzelnen die verschiedenen beschleunigten Bewegungen aus wenigen Stoßgesetzen.[56][57]
Eigenschaften der Materie
- Materie = Ausdehnung
- Descartes’ Materiebegriff reduziert das Wesen materieller Körper allein auf ihre räumliche Ausdehnung nach Länge, Breite und Tiefe. Denn nur diese Ausdehnung ist im Lichte der Vernunft klar und deutlich vorstellbar, wogegen andere Eigenschaften wie Härte, Gewicht oder Farbe nur auf Sinneswahrnehmungen beruhen, denen als Erkenntnisquelle grundsätzlich zu misstrauen ist. Für Descartes sind materielle und geometrische Körper identisch.
- Dieser grundlegende Aspekt in Descartes' Materietheorie wurde vor allem von Leibniz hartnäckig und dauerhaft angegriffen und durch eine dynamische Theorie der Ausdehnung ersetzt.[58]
- Unmöglichkeit eines Vakuums
- Da Materie und räumliche Ausdehnung wesensgleich sind, kann es einen leeren (materiefreien) Raum (Vakuum) nicht geben.
- Unendliche Teilbarkeit
- Atome (unteilbare Körper) kann es nach Descartes nicht geben, da jeder noch so kleine materielle Körper gedanklich geteilt werden kann.
- Unterschiedliche Materieelemente und Stoffarten sind nach Descartes' Vorstellung durch langwierige Reibungsprozesse an einem Urstoff, einer homogene Verteilung »von mittlerer Größe«, entstanden.[59]
- Unbegrenzte Ausdehnung
- Über jeden noch so großen Raum hinaus ist stets ein noch größerer „wahrhaft vorstellbar“, also „wirklich“. Dieser unbegrenzte Raum „enthält auch eine endlos ausgedehnte körperliche Substanz.“
- Einheitliche Materiearten
- Aus der Identität von Raum und Materie folgt auch, dass sämtliche dynamische Unterschiede allein materietheoretisch, durch das Vorkommen unterschiedlicher Materiarten im gefüllten Raum erklärt wird. Descartes unterscheidet drei Arten von raumerfüllender Materie (»trois principaux elements«). Aus der ersten, subtilsten Materie bestehen Lichtkorpuskel, die als Lichtwirbel ausgesendet werden, aus der zweiten Art, dem unsichtbaren Ätherstoff, der Himmelsmaterie, werden die repulsiven Wirbel um die Planeten gebildet, die sie in Bewegung bringen; und die dritte Art besteht aus den sichtbaren (groben) Teilchen, aus der die Erde selbst und alle Planeten zusammengesetzt sind.[60]
- Mittels der unterschiedlichen Materiearten setzt Descartes implizit voraus, dass die irdischen Vorgänge und die Bewegungen der Himmelskörper denselben materiellen Kausalgesetzen gehorchen. Das war eine materielle Vereinheitlichung, die der damaligen Scholastischen Naturlehre nicht entsprach und seinerzeit auch empirisch nicht gesichert war.[61]
- Beweglichkeit
- Materie ist nicht nur beliebig teilbar, sondern auch in ihren Teilen beweglich, so dass sie „all der Zustände fähig ist, die aus der Bewegung ihrer Teile folgen“.
Bewegungslehre
- Relativitätsprinzip
- Zwischen Ruhe und Bewegung gibt es keinen wirklichen Unterschied, da ein Körper (z. B. der Fahrgast eines Schiffs) relativ zu seiner unmittelbaren Umgebung (Schiff) in Ruhe sein kann, während er sich relativ zu anderen Körpern (Ufer) bewegt. Wenn sich ein Körper A relativ zu einem als ruhend gedachten Körper B bewegt, so kann man dies ebenso gut als eine Bewegung von B relativ zu dem ruhend gedachten A auffassen. Als erster, der dieses Prinzip formuliert hat, gilt allerdings Galileo Galilei (1632).[62]
- Bewegungserhaltung
- Descartes sieht eines der Merkmale der Vollkommenheit Gottes in seiner Beständigkeit. Daraus schließt er, Gott sorge dafür, dass die Menge an Bewegung (quantitas motu, auch Bewegungsgröße), die er anfangs zusammen mit der Materie erschaffen hat, erhalten bleibt. Hierin kann eine erkenntnismäßige Vorstufe der Erhaltung von Impuls und kinetischer Energie gesehen werden. Allerdings unterscheidet Descartes diese beiden Größen noch nicht. Er quantifiziert die Bewegungsmenge als Produkt aus Größe des Körpers (den Begriff der trägen Masse kennt Descartes noch nicht) und Geschwindigkeit. Das entspricht dem heutigen Begriff Impuls, allerdings unter Vernachlässigung von dessen vektoriellem (gerichteten) Charakter.
Mit der „Unveränderlichkeit Gottes“ begründet Descartes auch einige weitere Regeln, die er ausdrücklich als „Naturgesetze“ deklariert.
- Trägheitsprinzip
- Descartes definiert dieses Prinzip, das später als Erstes Newtonsches Axiom bekannt geworden ist, sinngemäß als Bestreben eines Körpers, beim Fehlen einer äußeren Einwirkung seine Form und seinen Bewegungszustand (nicht seinen Ort) beizubehalten.
- Geradlinigkeit
- Jeder Körper ist ohne Einwirken äußerer Kräfte bestrebt, seine momentane Bewegung geradlinig fortzusetzen. Hierdurch erklärt Descartes auch die bei einer erzwungenen Kreisbewegung auftretende Fliehkraft.
- Stoßgesetze
- Diese betreffen den (zentralen) Zusammenstoß zweier Körper und ihr Verhalten danach. Bei einem Stoßvorgang kann „Bewegung“ von einem auf den anderen Körper übergehen, doch immer so, dass die Summe der Bewegungsgrößen erhalten bleibt.
- Descartes unterscheidet sieben Fälle, von denen der erste den elastischen Stoß zweier gleich großer Körper (Descartes nennt sie B und C), die sich mit gleicher Geschwindigkeit entgegenkommen, korrekt beschreibt. Das von Descartes behauptete Zurückprallen nach beiden Seiten mit unveränderter Geschwindigkeit entspricht auch aus heutiger Sicht der (klassisch-physikalischen) Realität.
- Problematisch wird es jedoch schon beim zweiten Fallbeispiel, wo „B ein wenig größer als C, alles andere aber wie vorher“ ist. Jetzt „würde nur C zurückweichen, und beide würden nach links mit gleicher Geschwindigkeit sich bewegen“. Dies wäre zwar für den plastischen Stoß zutreffend, nicht aber für den elastischen.
- Die unsaubere bzw. letztlich fehlende Trennung von plastischem und elastischem Stoß ist einer der Gründe, warum bis auf die erste alle von Descartes verkündeten Stoßregeln falsch sind. Ein zweiter Grund liegt in der Nichtbeachtung des vektoriellen Charakters des Impulses. In seiner vierten Stoßregel behauptet Descartes: „Wenn C ganz ruht und etwas größer als B ist, so würde B, mit welcher Geschwindigkeit es sich auch gegen C bewegte, dasselbe doch niemals in Bewegung setzen, sondern es würde von ihm in entgegengesetzter Richtung zurückgestoßen werden.“ Dies stünde zwar im Einklang mit der Energieerhaltung, würde aber die Impulserhaltung eklatant verletzen.[63]
- Zurückweisung einer empiristischen Naturwissenschaft
- Es ist ersichlich, dass manche dieser physikalischen Ergebnisse aus Descartes' rationalistischer Herangehensweise nicht mit der Erfahrung übereinstimmen können. Zur Absicherung stellt Descartes in einer Schlussbemerkung zu den Stoßgesetzen die aus Denken gewonnene Erkenntnis ein für alle Mal über die aus Beobachtung gewonnene:
„Auch bedarf es für diese Bestimmungen keiner Beweise, weil sie sich von selbst verstehen, und selbst wenn die Erfahrung uns das Gegenteil zu zeigen schiene, würden wir trotzdem genötigt sein, unserer Vernunft mehr als unseren Sinnen zu vertrauen.“
Materietheoretische Begründung der Physik
Auf der Basis dieser physikalischen Grundlagen entwickelt Descartes eine komplizierte Theorie zur Entstehung des Kosmos und unseres Planetensystems, wobei er als Ausgangspunkt lediglich eine von Gott geschaffene Ansammlung von Materiewirbeln annimmt (Wirbeltheorie). Daraus werden schrittweise alle beobachtbaren Himmelserscheinungen erklärt. Ebenso versucht sich Descartes an Erklärungen für die Entstehung der Erde und die auf ihr beobachteten Naturphänomene, wie Schwerkraft, Aggregatzustände (fest, flüssig), Eigenschaften von Mineralien, Feuer, Magnetismus und vieles mehr. Besondere Bedeutung kommt seiner Theorie der Lichtausbreitung zu, wonach diese durch Druckübertragung zwischen den sogenannten „Himmelskügelchen“ erfolgt. Diese Vorstellung wirkte in der Hypothese vom Lichtäther fort und bereitete den Boden für die Wellentheorie des Lichts.
Materalistisches Naturverständnis
Geschlossene Naturgesetzlichkeit: Mit aller Deutlichkeit vertritt Descartes die Vorstellung, dass erkennbare Naturgesetze ohne weitere Eingriffe die Maschine »Welt« beschreiben, sie instand halten, sie in sich geschlossen determinieren. Diese neuzeitliche Idee geht einher mit dem materialistischen Naturverständnis selbst. Sie wird zugleich als rationalistische Grundannahme vorangestellt.
„Sie sollen also erstens wissen, daß ich unter Natur hier überhaupt nicht irgendeine Göttin oder irgendeine andere Art imaginärer Macht verstehe. Statt dessen bediene ich mich dieses Wortes, um die Materie selbst zu bezeichnen, insofern ich sie mit sämtlichen in ihr enthaltenen Qualitäten betrachte, ... [So] folgt mit Notwendigkeit, daß es in ihren Teil etliche Veränderungen geben muß, die ... nicht eigentlich der Aktion Gottes zugesprochen werden können, weil sie sich überhaupt nicht verändert, und die ich deshalb der Natur zuspreche. Die Regeln, denen gemäß sich diese Veränderungen vollziehen, nenne ich Gesetze der Natur. ...
Deshalb werden alle die Wirkungen durch ihre Ursachen erkennen können und werden, um es mit Ausdrücken der Universität zu klären, Beweise a priori von allem haben können, was in dieser neuen Welt produziert werden kann.“
Entfernung des Wunders aus der Welt: In einer solchen geschlossenen Welt der ausgedehnten Materie, losgelöst von der geistigen Welt, gibt es keinen Platz für spirituelle Kräfte und Wunder.
„Und damit es keinerlei Ausnahmen gibt, die dies verhindern, fügen wir ... zu unseren Voraussetzungen hinzu, daß Gott in diesen neuen Welt niemals irgendein Wunder vollbringen wird und daß die Intelligenzen oder vernünftigen Seelen ... in keiner Weise den gewöhnlichen Lauf der Natur stören werden.“
Theologische Gegenwehr: Damit verbunden gab es erhebliche theologische Anfeindungen gegen Descartes' metaphysische Konzeption: Die Vereinbarkeit mit der Eucharistie und mit der damit verbundenen Transsubstantiationslehre wurden von Beginn an bezweifelt, davor hatte Antoine Arnauld ihn auch brieflich (1648) nach der Veröffentlichung von den Principia philosophiae gewarnt, und Descartes war sich dieser Schwierigkeit durchaus bewusst.[67] Letztlich war das auch Descartes' entscheidender Grund dafür, Le Monde von der Veröffentlichung zurückzuhalten und nur den in mancher Hinsicht abgemilderten Inhalt der Principia zu veröffentlichen. Außerdem hat er – ein taktischer Zug – in beiden Schriften diejenigen Passagen, die explizit das Loslösen von der scholastischen Metaphysik erklären, so beispielsweise die Zurückweisung der Materia prima und die Einführung eines neuen Materiebegriffs, als »erdachte Fabel« gekennzeichnet.[68]
„Damit aber die Länge dieser Ausführung für Sie weniger langweilig ist, will ich einige davon in die Erfindung einer Fabel kleiden...“
Descartes hatte selbst Aufwand betrieben, die theologische Vereinbarkeit der Eucharistie mit seinen neuen Prinzipien der Materie herzustellen. Sie bestand darin, die substanzielle Unantastbarkeit durch den sinnlichen Kontakt aufrechtzuerhalten, indem er behauptete, verschiedene Gegebenheiten (oder modi) der einen Substanz seien darin enthalten, von denen nur jeweils eine über die materielle und akzidentelle »Oberfläche« berührt werde. Seine theologischen Kritiker sahen darin vielmehr eine Auflösung der sakramental ausgelegten Substanz-Akzidenz-Lehre.[70]
Physiologie

Für Descartes waren physiologische Modellvorstellungen integraler Bestandteil seiner Philosophie. Die aristotelische Hervorhebung des Organischen negiert Descartes. Er reduzierte den lebenden Organismus des Menschen auf dessen Mechanik und wurde damit zum Begründer der neuzeitlichen Iatrophysik, in der Menschenmodelle und (versuchte oder gedachte) Konstruktionen von Menschenautomaten eine wichtige Rolle spielten. Der menschliche Körper wird einmal als bloße „Gliedermaschine“, dann wieder als „Leichnam“ beschrieben. Diese Betrachtung hat ihre Fortsetzung in der Denkweise, den Menschen körperlich als mechanischen Apparat, also als Maschine zu betrachten und sein Denken heute beispielsweise mit dem Funktionieren von Computern zu vergleichen, wenn nicht gleichzusetzen.
Aus Furcht vor der Inquisition veröffentlichte Descartes seine Schrift Traité de l’homme („Abhandlung über den Menschen“, 1632) zeitlebens nicht; sie erschien erst 1662 unter dem Titel De homine.
René Descartes war allerdings durchaus religiös; seine Aufteilung des Menschen in einen mechanisch funktionierenden Organismus und eine Seele ist wohl sein bekanntester und auch meist kritisierter Denkansatz geblieben. In der zweiten Meditation erklärt Descartes kurioserweise indirekt – ganz aristotelisch – die Seele als das, was den Unterschied zwischen einem Leichnam und einem lebendigen Menschen ausmacht. Descartes hat Aristoteles selbst allerdings kaum rezipiert, sehr wohl aber die Schriften der Scholastik, in denen man sich vielfach auf Aristoteles bezog.
Maschine Mensch
Der Naturphilosoph Descartes geht in seinen Schriften zur Physiologie des Menschen über den Substanz-Dualismus hinaus, den er philosophisch in seinen Meditationen unterbreiten wollte[71] und versuchte ein in sich materiell geschlossenes oder monistisches Bild des Menschen zu erklären.[72]
Descartes behandelte aus Sicht eines Naturwissenschafters die mechanistische Physiologie des Menschen, die bei strenger Auslegung - in Betrachtung der Seele - eine besondere Provokation darstellte.[73] In der Zweiten Meditation suchte er den Widerspruch noch damit zu vermeiden, dass der radikale philosophische Zweifel die materialistische These völlig indifferent lassen muss. So heißt es dort: «Was aber diese Seele sei, ließ ich entweder auf sich beruhen, oder ich stellte sie mir als irgendeinen feinen Stoff vor, als etwas dem Wind, dem Feuer oder Äther Vergleichbares, das in meinen gröberen Bestandteilen verbreitet ist».[74]
Descartes' provozierende Materialismusthese findet sich hingegen gleich zu Beginn seiner physiologischen Schrift Der Mensch (De Homine) im Eingangskapitel mit dem Titel Über die Maschine seines Körpers, in der er die anatomischen Funktionalitäten des Menschen zu verdeutlichen sucht. Das ganze Werk wird dahingehend ausgerichtet, eine Analogie zwischen »Menschenmaschine« und »Maschine Mensch« herzustellen, die den Eindruck jeder Verschiedenheit widerlegen soll, um ganz am Ende festzustellen, dass all diese »Nachahmungen« (imitations) - wir würden heute von Modellen sprechen - passend und damit »wahr« sind:
„Wir sehen Uhren, kunstvolle Wasserspiele, Mühlen und andere ähnliche Maschinen, die zwar nur von Menschen gefertigt sind, aber dennoch die Kraft haben, sich von selbst auf viele verschiedene Weisen zu bewegen. Und mir scheint, ich könnte mir in dieser Maschine, von der ich voraussetze, dass sie durch die Hände Gottes gefertigt sind, weder so viele Arten von Bewegungen vorstellen noch ihr eine solche Kunstfertigkeit zusprechen ... .
Ich wünsche mir ..., dass Sie betrachten, dass diese Funktionen in dieser Maschine alle von Natur her nicht mehr und nicht weniger allein aus der Disposition ihrer Organe folgen als die Bewegung einer Uhr oder eines anderen Automaten aus der Bewegung ihrer Gegengewichte und Räder... .“

Als eine »Zusammensetzung aus einer Seele und einem Körper« versucht Descartes, die psychophysische Wechselwirkung zwischen Mensch und Umwelt ebenso materalistisch zu begreifen.[77] Eine zentrale Funktion der menschlichen Aktivität und Regulation übernehmen hierbei die so genannten »Lebensgeister« (Esprits animaux). Sie bilden die aus feiner Materie erster Art zusammengesetzte »sehr lebhafte und reine Flamme«, einen »feinen Wind«, der sich vom Gehirn aus – Descartes vermutete als ihren zentralen Ursprungsort die Zirbeldrüse – über sämtliche »Blutkanäle«, »Nervenfäden« und »organische Poren« auf den ganzen Körper verteilen und den Organismus kontrollieren.[78] Die feine Materie erster Art wird mit der Lichtmaterie selbst identifiziert[79] und macht für sich das aus, was man für gewöhnlich die Seele und was Descartes auch des Menschen Gemeinsinn (sens commun) nennt.[80]
Lebensgeister
Dementsprechend formuliert Descartes bereits sämliche Interaktionen und Affektionen als einheitliches Reiz-Reaktions-Schema zwischen dem Körper und den ebenso materiellen »Lebensgeistern«. In dieser Hinsicht schließt er somit konsequent einen Determinismus des menschlichen Willens ein, macht den Menschen zu einer »autonomen Einheit« innerhalb seiner rein körperlichen Umgebung.[81]
„Diejenigen Teile, die klein genug sind, um durch die Poren dieser Drüse hindurchzugehen, bilden die Lebensgeister, und die ein wenig dickeren heften sich an die Wurzeln der kleinen Fäden an, die das Gehirn bilden. Was aber die dicksten von allen betrifft, so gehen sie von den Arterien in die mit ihnen verbundenen Venen über und kehren zum Herzen zurück, ohne die Form des Blutes zu verlieren.“
„Ich mache deshalb darauf aufmerksam, daß die menschliche Seele, wenn sie auch den ganzen Körper erfüllt, ihren vornehmsten Sitz doch im Gehirn hat, wo sie nicht allein erkennt und bildlich vorstellt, sondern auch empfindet, und zwar dies letztere mit Hilfe der Nerven, ... Und diese verschiedenen Erregungen der Seele oder die Gedanken ... heißen sinnliche Wahrnehmung oder, im gewöhnlichen Sprachgebrauch, Sinnesempfindungen.“
Descartes' mechanistische Erklärung einer Psychophysik stellt erstmalig den „Versuch dar, die Psychologie zum Rang einer ... Naturwissenschaft zu erheben.“[84]
Wirkungsgeschichte
Descartes hat die Philosophie bis in die Gegenwart hinein stark beeinflusst, und zwar vorwiegend dadurch, dass er Klarheit und Differenziertheit des Denkens zur Maxime erhob. Auch die Geisteshaltung des Szientismus geht zum Teil auf ihn zurück.
Was die Cartesische Naturauffassung allgemein sowie die Methodenlehre betrifft, gehörten zu den Anhängern erster Stunde unter anderem Marin Mersenne, Henry More, Frans van Schooten, Jacques Rohault und Claude Clerselier. Viele Konzeptionen der Cartesischen Naturphilosophie und seiner Ideen zur Mathematisierung der Naturerscheinungen wurden in der Folge von Christiaan Huygens und von Gottfried Wilhelm Leibniz übernommen. Ferner wurde die Basler Mathematikerschule (Jakob Bernoulli, Johann Bernoulli und Leonhard Euler) ganz wesentlich durch Descartes' Schriften beeinflusst. Auch Bernard de Fontenelle und Giovanni Cassini zählten zu den überzeugten Anhängern der Cartesischen Kosmologie; sie alle haben in vielen Schriften das Cartesische Bild von der Natur verteidigt.[85] Der Mathematiker Euler und der materialistische Aufklärer Jean d’Alembert verteidigten die Cartesische Konzeption der Materie: sie errichteten so die Grundlagen der heutigen Elastitätstheorie und Fluidmechanik.[86][87] Unabhängig voneinander gelang es beiden (wenn auch auf unterschiedliche Weise), sie mit der Newtonschen Kraftkonzeption kohärent zu verbinden.[88]
Was besonders die Stoßgesetze und den kontinuierlichen Aufbau der Materie betrifft, hatte Descartes' Herangehen an die Physik vehemente Gegenwehr erfahren, vor allem durch Huygens und durch Isaac Newton.[89][90] Huygens konnte die elastischen Stoßgesetze auf der Grundlage seiner Kritik an Descartes so errichten, wie sie heute auch bekannt sind, unter Berücksichtigung der Impuls- und Energieerhaltung.[91] Newtons zweites Buch der berühmten Principia Mathematica (1687) enthält den wegweisenden Beitrag, dass die fluidmechanischen Annahmen in Descartes' Wirbeltheorie dem allgemeinen Gravitationsgesetz der Himmelsmechanik mathematisch widersprechen, sie dieses nicht konsistent ersetzen können.[92]
Die Kartesische Idee der universellen Materievermittlung und Nahwirkung durch bloßen Druck und Stoß hatte eine derartige Überzeugungskraft, dass heute noch vom „vorherrschenden Naturverständnis“ gesprochen wird, das Descartes (neben anderen) in seinem Jahrhundert grundgelegte.[93] Der Wissenschaftshistoriker René Dugas stellt ihre Vorrangstellung gegenüber der allgemeinen Attraktionstheorie Newtons heraus, die seine umfangreiche Studie zur Mechanik des 17. Jahrhunderts ergeben hat:
« Die Wiederbelebung der Kartesischen Physik unmittelbar nach Erscheinens des großartigen Werks von Newton, und die Tatsache, dass auch so hervorragende Leute wie Huygens und Leibniz eher den Versuch bevorzugten, Descartes‘ Wirbeltheorie auszubessern als die Anziehung zu akzeptieren, sind Belege für die Vormacht, die der Schatten des Philosophen damals auf die wissenschaftliche Lehrmeinung ausübte. »
Aufgrund des Influxus-physicus-Problems wurden die Thesen Descartes’ noch im 17. Jahrhundert zum später sogenannten Okkasionalismus weiterentwickelt. Deren Vertreter wurden daher in der zeitgenössischen Diskussion als die „Cartesianer“ wahrgenommen. Einflussreich wurden etwa die Lehren von Nicolas Malebranche und Arnold Geulincx diskutiert. Sie verteidigten den cartesianischen Substanzdualismus mit der korrigierenden These, dass nicht ein physikalischer Einfluss, sondern vielmehr Gott zwischen Körper und Geist vermittle.
Blaise Pascal lehnt die Gottesbeweise als rational unentscheidbar ab und kritisiert, dass Gott bei Descartes zum bloßen „Lückenbüßer“ verkommt, der die Verbindung zwischen res cogitans und res extensa herstellen müsse: „Der Gott Abrahams ist nicht der Gott der Philosophen“, schreibt Pascal in seinen Pensées. Pascal wandelt Descartes’ Dualismus in eine dreiteilige Systematik ab: An die Seite von res extensa (Körperliches) und res cogitans (Gedankliches) stellt er das „Herz“ oder den „Geist des Feinsinnes“.
Kant kritisiert in der Kritik der reinen Vernunft den „problematische[n] Idealism des Cartesius“ (Immanuel Kant: AA III, 190[95]): Nach Kant setzt die Sicherheit des Ich denke, bei der Descartes ansetzt, eine innere Erfahrung (Zeitwahrnehmung) voraus. Für die Bestimmung des Subjekts in der Zeit sei aber wiederum eine äußere (räumliche) Erfahrung Grundbedingung. Daher könne die eigene Existenz nicht gewisser sein als die der äußeren Erfahrung.
In seinen Geschichtsvorlesungen lobt Georg Wilhelm Friedrich Hegel Descartes ausdrücklich für seine philosophische Innovationskraft: Bei Descartes fange das neuzeitliche Denken überhaupt erst an, seine Wirkung könne nicht breit genug dargestellt werden. Hegel kritisiert allerdings, dass Descartes die Unterscheidung zwischen Verstand und Vernunft noch nicht mache. In Descartes’ archimedischem Denkpunkt des „cogito ergo sum“ sieht Hegel einen Beleg dafür, dass Denken und Sein eine „unzertrennliche Einheit“ bilden (vgl. Parmenides), weil an diesem Punkt Verschiedenheit und Identität zusammenfallen. Hegel übernimmt dieses „Anfangen im reinen Denken“ für seine idealistische Systematik. Descartes’ Gottesbeweis suchte er in Kritik der Überlegungen Kants dagegen weiterzuentwickeln (1831).[96]
Franz von Baader formte das Cogito ergo sum um in Cogitor ergo sum („Ich werde gedacht (vom Absoluten), also bin ich.“).
Auch Friedrich Nietzsche findet zunächst lobende Worte für Descartes, weil dessen Hinwendung zum Subjekt ein „Attentat auf den alten Seelenbegriff“ und somit ein „Attentat auf das Christentum“ sei. Descartes und die Philosophie nach ihm seien also „antichristlich, keineswegs aber antireligiös“. Er nennt Descartes den „Großvater der Revolution, welche der Vernunft allein die Autorität zuerkannte“ (Jenseits von Gut und Böse). Andererseits lehnt Nietzsche aber Descartes’ Dualismus ab und stellt ihm seine eigene Theorie vom „Willen zur Macht“ gegenüber. Er wehrt sich darüber hinaus gegen die „dogmatische Leichtfertigkeit des Zweifelns“ und deutet damit an, dass der radikale Zweifel nicht voraussetzungsfrei stattfinden kann (siehe weiter unten die Einwände von Peirce und Wittgenstein).
Charles Peirce hält Descartes’ radikalen Zweifelsansatz in einem Punkt für übertrieben: Jeder formulierte Zweifel setze nämlich eine „hinlänglich funktionierende Alltagssprache“ voraus. Auch Schelling schlug bereits in diese Kerbe: Sprache lasse sich nicht aus einer ersten vorsprachlichen Gewissheit heraus erst neu konstruieren, denn „wo würden wir beginnen?“
Der frühanalytische Philosoph Bertrand Russell nennt Descartes in seiner History of Western Philosophy den „Begründer der modernen Philosophie“, wendet aber wie Heidegger ein, dass er noch vielen scholastischen Ideen (z. B. Anselms Gottesbeweis) verschrieben sei. Russell schätzt allerdings seinen zugänglichen Schreibstil und würdigt, dass Descartes als erster Philosoph seit Aristoteles ein völlig neues Denksystem errichtet habe. Er hebt dabei v. a. seinen radikalen Zweifelsansatz hervor. Russell hält Descartes’ Erkenntnis für wesentlich, dass alle Objekte bzw. überhaupt jede Art von Gewissheit gedanklich vermittelt seien. Dieser Gedanke werde eine zentrale Stellung bei den Rationalisten einnehmen. Während die Idealisten diese Einsicht „triumphalistisch“ übernähmen, würden die britischen Empiristen sie bedauernd zur Kenntnis nehmen. Russell kritisiert auch, dass das „Ich denke“ als Prämisse ungültig sei. In Wirklichkeit müsste Descartes sagen: „There are thoughts.“ („Es gibt Gedanken“). Schließlich sei das „Ich“ ja nicht gegeben.
In den Cartesianischen Meditationen (CM) übernimmt Edmund Husserl von Descartes das ego cogito als apodiktisch gewissen Urteilsboden, auf dem die Philosophie zu begründen sei (CM § 8). Entgegen der descartschen Zweifelsmethode führt die von Husserl inaugurierte Methode der Epoché jedoch nicht zu einer innerweltlichen Subjektivität, sondern zu einem extramundanen, transzendentalen Bewusstsein. Descartes verfehlt nach Husserl also die transzendentale Wende, weil er in dem apodiktischen Ego immer noch ein „kleines Endchen der Welt“ gerettet zu haben glaube (CM § 10).
Martin Heidegger sieht in Descartes den Schlüssel zur Wissenschaftsgenese der Neuzeit. Durch die (anti-aristotelische) Einklammerung der Qualitäten des Organischen und durch Fixierung auf die Quantifizierung der Objektwelt stelle seine Philosophie den Beginn der unheilvollen technischen Beherrschung der Welt dar. Für Heidegger ist der Zweifelsansatz nur scheinbar neu, denn Descartes sei noch fest in der Scholastik verankert. Im „cogito ergo sum“ sieht Heidegger die „Pflanzung eines verhängnisvollen Vorurteils“, denn Descartes erkunde zwar die cogitatio, nicht aber die „Ontologie des sum“.
Von dem Historiker und Philosophen Wilhelm Kamlah wurde Descartes als erster herausragender Repräsentant der in der oberitalienischen Werkstättentradition der Renaissance entwickelten „Neuen Wissenschaft“(-sauffassung) mit ihrer spezifischen „methodisch durchgeklärten Verbindung von mathematischer Theorie und technischer Empirie“ gewürdigt, die zur Grundlage des modernen Szientismus wurde. Deswegen werde er als „erster philosophischer Dogmatiker der Mechanik […] sachlich und historisch umfassender“ verstanden denn als „Philosoph des cogito sum, der Entdeckung des Selbst aus dem Zweifel“.[97]
Der Soziologe Norbert Elias sieht in seiner wissenssoziologischen Analyse Descartes als einen prototypischen Vertreter der durch den westeuropäischen Integrations- und Staatsbildungsprozess verursachten Individualisierung. Descartes’ Philosophie sieht Elias als unreflektierten Ausfluss der damals noch seltenen und seit dem 19. Jahrhundert in Europa weit verbreiteten menschlichen Selbsterfahrung als isoliertem Individuum, als „homo clausus“, als „wir-losem Ich“, die seitdem die klassische Erkenntnistheorie prägte und begrenzte.
Für Foucault zeigt sich bei Descartes Bild der Maschine „Mensch“ die erste neuzeitlich-philosophische Grundlage für die Herausbildung der technokratischen und disziplinierenden Prozesse, die im 18. Jahrhundert eine neue Politik des Körpers und einer neuen Ökonomie der Macht (Biomacht) einläuteten.
Die Theologin Uta Ranke-Heinemann greift die religionsphilosophischen Gedanken von Descartes zum Beweis der Existenz Gottes und zum Leben nach dem Tod auf. Descartes unterscheidet zwischen hartem und sanftem Beweisen, d. h. zwischen convaincre von lat.vincere = (mit schlagendem Beweis) besiegen und persuader von lat.suavis = süß, lieblich. Die Liebe Gottes lässt sich – wie alle Liebe – nicht „hart“ beweisen (Vgl. dagegen Blaise Pascal: „Der Gott Abrahams ist nicht der Gott der Philosophen“). Erkenntnisleitendes Interesse der Theologin ist die Frage nach einem Leben nach dem Tod. Denn „Gott ist nicht ein Gott von Toten, sondern von Lebendigen“ (Mk 12,27). Nach dem Verlust ihres Glaubens sei ihr „der Anfang und der Schluss des christlichen Glaubensbekenntnisses: Gott und ewiges Leben“ geblieben: „die Hoffnung und die Liebe“ (Nein und Amen. Mein Abschied vom traditionellen Christentum. 7. Auflage. München 2007, S. 413 ff.).
Schriften

- Musicae compendium. (1618), deutsch „Leitfaden der Musik“. Herausgegeben, ins Deutsche übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Johannes Brockt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2011, ISBN 978-3-534-24307-5. Titelseite und Inhaltsverzeichnis https://d-nb.info/920058590/04
- Regulae ad directionem ingenii, deutsch „Regeln zur Ausrichtung der Erkenntniskraft oder Regeln zur Leitung des Geistes“ (ca. 1628)
- Inquisitio veritatis per lumen naturale, deutsch „Untersuchung der Wahrheit mithilfe der natürlichen Erkenntnis“ (ca. 1631)
- Discours de la méthode pour bien conduire sa raison et chercher la vérité dans les sciences. Ian Maire, Leiden 1637 (bei Google Books; deutsch: „Abhandlung über die Methode des richtigen Vernunftgebrauchs und der wissenschaftlichen Wahrheitsforschung“)
- Anhänge:
- La Dioptrique („Lichtbrechungslehre“)
- Les Météores
- La Géométrie (die Grundlegung der analytischen Geometrie)
- Meditationes de prima philosophia. Michael Soly, Paris 1641 (bei Google Books; „Meditationen über die Grundlagen der Philosophie“ – eines der Hauptwerke des Rationalismus.)
- Principia philosophiae. Louis Elsevier, Amsterdam 1644 (bei Google Books)
- deutsch „Die Prinzipien der Philosophie“, Felix Meiner Verlag, Leipzig 2005
- Online bei zeno.org
- Les Passions de l’âme (1649) („Die Leidenschaften der Seele“)
- De homine (postum 1662) („Über den Menschen“)
- Le Monde de M. Descartes (postum 1664) („Die Welt des Herrn Descartes“)
- Traité de la Mécanique (postum erschienen). Zusammen mit Abbregé de Musique. (Herausgabe und Kommentare von N.P.P.D.L.), C. Angot, Paris 1668. Online: gallica.bnf.fr
Gesamtausgaben
- Charles Adam, Paul Tannery (Hrsg.): Œuvres de Descartes (11 Bände + Anhang), Léopold Cerf, Paris 1897–1913 (französisch und lateinisch)
- Correspondance Avril 1622 – Février 1638, 1897
- Correspondance Mars 1638 – Décembre 1639, 1898
- Correspondance Janvier 1640 – Juin 1643, 1899
- Correspondance Juillet 1643 – Avril 1647, 1901
- Correspondance Mai 1647 – Février 1650, 1903
- Discours de la méthode & Essais, 1902
- Meditationes de prima philosophia, 1904
- Principia philosophiæ / Epistola ad G. Voetium. Lettre apologetique. Notæ in programma, 1905 (zwei Teile)
- Meditations et Principes. Traduction française, 1904 (zwei Teile)
- Physico-mathematica. Compendium musicæ. Regulæ ad directionem ingenii. Recherche de la verité. Supplément a la correspondance, 1908
- Le monde. Description du corps humain. Passions de l’ame. Anatomica. Varia, 1909
- Vie & œuvres de Descartes. Étude historique / Supplément. Index générale, 1910/1913 (zwei Teile; Jahrbuch-Rezension)
- F. Alquié (Hrsg.): Oeuvres philosophiques. 3 Bände, Paris 1963–1973.
Neuere Ausgaben
- Meditationen über die Grundlagen der Philosophie mit den sämtlichen Einwänden und Erwiderungen. Übers. u. hrsg. v. Artur Buchenau. Meiner, Hamburg 1994, ISBN 3-7873-0030-9.
- Meditationes de prima philosophia. Lat. mit dt. Vorwort. C. Grumbach, Leipzig 1913 Project Gutenberg eText
- Meditationes de prima philosophia. Lat.-dt., hrsg. v. Lüder Gäbe. Meiner, Hamburg 1992, ISBN 3-7873-1080-0.
- Meditationen über die Grundlagen der Philosophie. Hrsg. v. Lüder Gäbe. Meiner, Hamburg 1993, ISBN 3-7873-0032-5.
- Die Prinzipien der Philosophie. Übers. v. Christian Wohlers. Meiner, Hamburg 2005, ISBN 3-7873-1697-3.
- Discours de la méthode. Franz.-dt., übers. u. hrsg. v. Lüder Gäbe. Meiner, Hamburg 1997, ISBN 3-7873-1341-9.
- Regulae ad directionem ingenii. Lat.-dt., übers. u. hrsg. v. Heinrich Springmeyer, Lüder Gäbe u. Hans Günter Zekl. Meiner, Hamburg 1993, ISBN 3-7873-0265-4.
- Gespräch mit Burman. Lat.-dt., übers. u. hrsg. v. Hans W. Arndt. Meiner, Hamburg 1982, ISBN 3-7873-0501-7.
- Die Leidenschaften der Seele. Franz.-dt., übers. u. hrsg. v. Klaus Hammacher. Meiner, Hamburg 1996, ISBN 3-7873-1308-7.
- Les Météores / Die Meteore. Faksimile der Erstausgabe 1637. Hrsg., übers., eingel. und komm. von Claus Zittel, Klostermann, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-465-03451-1.
- Über den Menschen (1632) sowie Beschreibung des menschlichen Körpers (1648). Übersetzt, eingeleitet und kommentiert von Karl Eduard Rothschuh, Heidelberg 1969.
- Compendium Musicæ / Abriss der Musik. Lat.-dt., kommentierte Neuausgabe v. Rolf Ketteler, Olms, Hildesheim 2022, ISBN 978-3-487-16113-6.
- Geometrie. Übersetzung der La Geonetrie von Ludwig Schlesinger. (Erste Auflage 1894). Zweite Auflage, Mayer & Müller, Leipzig 1923. (Inhaltsverzeichnis: d-nb.info)
- Der Briefwechsel mit Marin Mersenne. Übersetzt, mit einer Einleitung, Anmerkungen und Registern versehen von Christian Wohlers. (Meiner) Frankfurt am Main 2020.
Literatur
Philosophiebibliographie: René Descartes – Zusätzliche Literaturhinweise zum Thema
- Gregor Betz: Descartes’ „Meditationen über die Grundlagen der Philosophie“. Ein systematischer Kommentar. Reclam, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-15-018828-6.
- Harold John Cook: The young Descartes – nobility, rumor, and war. The University of Chicago Press, Chicago 2018, ISBN 978-0-226-46296-7.
- A. C. Crombie et al.: Descartes, René du Perron. In: Charles Coulston Gillispie (Hrsg.): Dictionary of Scientific Biography. Band 4: Richard Dedekind – Firmicus Maternus. Charles Scribner’s Sons, New York 1971, S. 51–65 (englisch).
- Theodor Ebert: Der rätselhafte Tod des René Descartes. Alibri, Aschaffenburg 2009.
- Karl Jaspers: Descartes und die Philosophie. De Gruyter, Berlin 1937 (1956, 4. unveränderte Auflage, 1966 ff.) – siehe auch Three Essays: Leonardo – Descartes – Max Weber. Harcourt, Brace And World, New York 1964.
- Andreas Kemmerling: Ideen des Ichs. Studien zu Descartes’ Philosophie. 2. Auflage. Klostermann, Frankfurt am Main 2005, ISBN 978-3-465-03412-4.
- Maxime Leroy: Descartes; le philosophe au masque. 2 Bände. Editions Rieder, Paris 1929.
- Ettore Lojacono: René Descartes. Spektrum der Wissenschaft Biographie Band 3. Heidelberg 2011.
- Sascha Müller: René Descartes’ Philosophie der Freiheit (= Münchner Philosophische Beiträge. Band 21). Herbert Utz Verlag, München 2007, ISBN 978-3-8316-0694-8.
- Dominik Perler: René Descartes. Beck, München 1998, ISBN 3-406-41942-9.
- Hans Poser: René Descartes. Eine Einführung. Reclam, Stuttgart 2003, ISBN 3-15-018286-7.
- Peter Prechtl: Descartes zur Einführung. 2. unveränd. Auflage. Junius, Hamburg 2004, ISBN 3-88506-926-1.
- Wolfgang Röd: Die Genese des Cartesianischen Rationalismus. Beck, München 1995, ISBN 3-406-39342-X.
- Rainer Schäfer: Zweifel und Sein. Der Ursprung des modernen Selbstbewußtseins in Descartes’ cogito. Königshausen & Neumann, Würzburg 2006, ISBN 3-8260-3202-0.
- Andreas Scheib: Emanzipation der Ratio. Descartes' Projekt der Naturalisierung von Wissen. WBG Academics, Darmstadt 2023. ISBN 978-3-534-40772-9.
- Christiane Schildknecht: Philosophische Masken. Studien zur literarischen Form der Philosophie bei Platon, Descartes, Wolff und Lichtenberg. Stuttgart, Metzler 1990, ISBN 978-3-476-00717-9.
- Uwe Schultz: Descartes. Biographie. Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2001, ISBN 3-434-50506-7.
- Rainer Specht: René Descartes. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. 10. Auflage. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg Juni 2006, ISBN 3-499-50117-1, S. 191 (Behandelt vor allem die Biographie und die Zeithintergründe, weniger das Werk).
- Bernard Williams: Descartes: Das Vorhaben der reinen philosophischen Untersuchung. Beltz Athenäum, Weinheim 1996, ISBN 3-89547-103-8.
- Claus Zittel: Theatrum philosophicum. Descartes und die Rolle ästhetischer Formen in der Philosophie. Akademie-Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-05-004050-9.
Weblinks
Texte von Descartes
- Werke von René Descartes im Project Gutenberg
- Werke von René Descartes im Projekt Gutenberg-DE
- Texte in der Bibliotheca Augustana (lateinisch)
- Werke von René Descartes bei Zeno.org. (deutsche Übersetzungen von Julius von Kirchmann)
- Discours de la méthode – Auszug aus dem 4. Kapitel auf Deutsch, übersetzt von Hans-Heinrich Fortmann
- Descartes, René bei IntraText
- Abhandlung über die Methode des richtigen Vernunftgebrauchs in der Übersetzung von Kuno Fischer
- Betrachtungen über die Grundlagen der Philosophie. [Enthaltend den Beweis für das Dasein Gottes und den Wesens-Unterschied zwischen Leib und Seele] Übersetzt und eingeleitet von Ludwig Fischer
Informationen über Descartes
- Literatur von und über René Descartes im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Werke von und über René Descartes in der Deutschen Digitalen Bibliothek
- John J. O’Connor, Edmund F. Robertson: René Descartes. In: MacTutor History of Mathematics archive (englisch).
- Druckschriften von und über René Descartes im VD 17.
- Gary Hatfield: René Descartes. In: Edward N. Zalta (Hrsg.): Stanford Encyclopedia of Philosophy.
- Kurt Smith: Descartes’ Life and Works. In: Edward N. Zalta (Hrsg.): Stanford Encyclopedia of Philosophy.
- Tarek R. Dika: Descartes’ Method. In: Edward N. Zalta (Hrsg.): Stanford Encyclopedia of Philosophy.
- Edward Slowik: Descartes’ Physics. In: Edward N. Zalta (Hrsg.): Stanford Encyclopedia of Philosophy.
- Justin Skirry: René Descartes (1596–1650). In: James Fieser, Bradley Dowden (Hrsg.): Internet Encyclopedia of Philosophy.
- Saja Parvizian: René Descartes: Ethics. In: James Fieser, Bradley Dowden (Hrsg.): Internet Encyclopedia of Philosophy.
- Justin Skirry: René Descartes: The Mind-Body Distinction. In: James Fieser, Bradley Dowden (Hrsg.): Internet Encyclopedia of Philosophy.
- Fred Wilson: René Descartes: Scientific Method. In: James Fieser, Bradley Dowden (Hrsg.): Internet Encyclopedia of Philosophy.
- Rudolf Eisler: René Descartes in: R. Eisler: Philosophen-Lexikon, Berlin 1912, S. 119–124. (e-Text bei zeno.org)
- Daniel Garber: Descartes, René (1596–1650), in E. Craig (Hrsg.): Routledge Encyclopedia of Philosophy, London 1998.
- Andreas Preußner: Descartes, René im UTB-Online-Wörterbuch Philosophie