Donald Trump als Heiler

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Donald Trump als Heiler (Me as a doctor) ist ein von Präsident Donald Trump auf seinem Truth-Social-Kanal am 12. April 2026 spätabends (US-Ostküstenzeit, 3.49 Uhr MESZ) gepostetes, wahrscheinlich KI-generiertes Bild.

Trump als Heiler

Nach starker Kritik auch aus Trumps christlich-konservativer Kernwählerschaft wurde das Bild am folgenden Tag gelöscht.

Bildbeschreibung

Im Zentrum der Komposition steht Donald Trump, der in eine weiße Tunika mit langen weiten Ärmeln gekleidet ist. Um seine Schultern ist ein roter Umhang drapiert. Der linke Arm ist angewinkelt, die Hand hält eine kleine strahlende Lichtkugel. Der rechte Arm ist ausgestreckt. Die rechte Hand berührt die Stirn eines grauhaarigen, bärtigen Mannes, der im Vordergrund des Bildes in hellblauer Krankenhauskleidung in einem Bett liegt. Sein Gesicht ist verhärmt, die linke Hand auf der Bettdecke wirkt abgearbeitet. Durch Trumps Berührung breitet sich hinter seinem Kopf ein Strahlen aus.

Die zentrale Szene ist umgeben von vier kleineren Personen, die bewundernd zu Trump aufblicken: links vorne eine Frau mit dem Gestus der Betenden Hände, dahinter ein ernster Mann mit weißem Vollbart und Baseball-Kappe; rechts vorne eine Krankenschwester mit Stethoskop, dahinter ein Soldat in Tarnkleidung.

Den Hintergrund füllen mehrere patriotische Symbole: die wehende Flagge der Vereinigten Staaten, zwei Weißkopfseeadler, die Freiheitsstatue, das Lincoln Memorial, Kampfflugzeuge und Feuerwerk (wohl Anspielung auf den Independence Day).

Der zentrale obere Bildbereich ist mit fünf transparenten Soldatenfiguren gefüllt, die in himmlisches Licht zu entschweben scheinen; die mittlere, dreiarmige Figur, trägt eine Strahlenkrone ähnlich wie die Freiheitsstatue, wohl ein sinnloses KI-Produkt. (Ein Trump als Heiler sehr ähnliches KI-generiertes Bild hatte Nick Adams, ein rechtsgerichteter Influencer und Sondergesandter des State Department, bereits Anfang Februar 2026 geteilt; hier war die mittlere Soldatenfigur aber nicht verunstaltet.[1])

Interpretation

Weiße Tunika, roter Umhang

Jesus-Statue vor der Sacred Heart of Jesus Catholic Church in Webster, Massachusetts

Dass Trump als Heiler von vielen Betrachtern als Jesus oder als Jesus-artige Figur gelesen wurde, liegt vor allem an der Kleidung. Als sie ihn zur Hinrichtung abführten, legten die römischen Soldaten Jesus biblischer Darstellung zufolge einen purpurnen Mantel um (Joh 19,2 EU). Bei der Kreuzigung würfelten sie um sein Untergewand (Joh 19,23 EU, vgl. die Heilig-Rock-Reliquie). Dass dieses Gewand weiß war, kann man der Erzählung von der Verklärung Christi entnehmen (Mt 17,2 EU). Die im Zuge der katholischen Herz-Jesu-Verehrung im 19. und frühen 20. Jahrhundert zahlreich aufgestellten Jesus-Statuen zeigen ihn typischerweise in weißer Tunika und rotem Umhang.

Amerikanische Protestanten und Mormonen kritisierten seit dem 19. Jahrhundert, dass Jesus in der christlichen Kunst zu wenig männlich dargestellt werde. In den 1980er Jahren beauftragte die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage den in Utah lebenden Künstler Del Parson mit einem Jesus-Porträt. Parsons Jesus the Christ zeigt einen kräftig gebauten, ernst blickenden Erlöser in weißer Tunika und rotem Mantel. Sein Gemälde gewann in der Kirche quasi-offiziellen Status.[2]

Royal touch

Philip Kennicott zufolge zeigt das Bild Trump in der Rolle mittelalterlicher Könige. Man glaubte, dass sie kraft ihres Gottesgnadentums mit Handauflegung heilen könnten (royal touch).[3] Besonders in England und Frankreich war im Mittelalter die Überzeugung verbreitet, dass der König nach seiner Inthronisation Stellvertreter Christi sei und an den übernatürlichen Kräften des Heilands teilhabe. In der modernen Literatur wird das Motiv des royal touch beispielsweise in J. R. R. Tolkiens Der Herr der Ringe rezipiert: [4]

„Ach, wenn es doch noch Könige gäbe in Gondor, wie es sie einst gegeben haben soll! Denn in einer alten Geschichte heißt es: Die Hände des Königs sind Hände eines Heilers. Und daran konnte man immer erkennen, wer der rechtmäßige König war.“

J. R. R. Tolkien: Die Rückkehr des Königs[5]
Antoine-Jean Gros: Bonaparte visitant les pestiférés de Jaffa (Louvre)

Die Kunsthistorikerin Teresa Bischoff zieht als Vergleich das von Napoleon Bonaparte in Auftrag gegebene, von Antoine-Jean Gros 1804 geschaffene großformatige Gemälde Bonaparte besucht die Pestkranken in Jaffa als Vergleich heran.[6] Historischer Hintergrund war der Ausbruch der Pest während des Ägyptenfeldzugs 1799, der bei den französischen Truppen Entsetzen auslöste. Napoleon sprach zuerst von Feigheit, entschied sich aber, mit einem kurzen Besuch eines Pestlazaretts die Moral der Soldaten zu heben. In Gros’ einige Jahre später entstandenem Gemälde demonstriert Napoleon Mitleid und Mut, indem er mit seiner Hand die Beule eines Pestkranken berührt. „Das war eine gefährliche Tat, aber eine, die der übermenschliche Napoleon überlebte. […] Gros gebrauchte vertraute religiöse Formeln für den heilenden Christus, die Napoleons Handlung Ernst und Bedeutung gaben.“[7]

Kontext

Trump als Papst

Trump als Heiler steht in der Tradition mehrere KI-erzeugter Bilder von sich selbst, die Trump zuvor veröffentlichte: als König, Jedi-Ritter, Superman. Ein KI-Bild von sich selbst in Papstgewändern und mit lehrend erhobenem Zeigefinger postete Trump auf Truth Social während der Trauerzeit nach dem Tod von Papst Franziskus und brachte sich damit scherzhaft als künftiger Papst ins Gespräch.[8]

Trump veröffentlichte am Sonntagabend, dem 12. April 2026, während seines Rückflugs von einem Wochenendaufenthalt in Florida auf seinem Truth-Social-Kanal zunächst einen längeren Angriff auf Papst Leo XIV. Als Hintergrund ist Leos Kritik am Iran-Krieg zu vermuten und als Auslöser das gemeinsame Interview dreier prominenter US-Kardinäle in der Sendung 60 Minutes: Blase Cupich (Chicago), Robert McElroy (Washington D.C.) und Joseph Tobin (Newark). Trump bezeichnete den Papst als „schwach beim Thema Kriminalität“ und „schrecklich für die Außenpolitik.“ 46 Minuten später folgte das Bild von Trump als Jesus-ähnliche Gestalt.[9]

Am Montagmorgen war das Bild gelöscht. Trump bestritt gegenüber Reportern, das Bild stelle ihn als Jesus dar, und erklärte: „Es sollte mich als Arzt darstellen, der Menschen gesund macht“. Denn er heile viele Menschen.[10]

Einer Studie des Pew Research Center zufolge unterstützen 62 Prozent der weißen katholischen US-Amerikaner, aber nur 41 Prozent der katholischen Hispanics Trump. Der Präsident riskiert, mit seinen Attacken gegen den Papst und nun auch mit dem Bild als „Herz-Jesu-Trump“[11], in seiner konservativ-katholischen Wählerschaft an Rückhalt zu verlieren. Der emeritierte Bischof Joseph Strickland, der Trump besonders nahesteht und z. B. an einer Segnung von Mar-a-Lago mitwirkte, teilte die päpstliche Kritik am Iran-Krieg. Zu dem Heiler-Bild sagte er, es sei seine Pflicht, den Präsidenten an das Matthäus-Evangelium zu erinnern. Die höchste Macht liege bei Christus und bei keinem Menschen.[12] Außenminister JD Vance, der dem katholischen Neo-Integralismus zugerechnet wird, erklärte, das von Trump gepostete Bild sei ein „Scherz“ gewesen. „Natürlich hat er es heruntergenommen, weil er erkannte, dass eine Menge Leute seinen Humor in dem Fall nicht verstanden.“[13]

Einige bekannte konservative christliche Kommentatoren formulierten scharfe Kritik an dem Bild Trump als Heiler. Dagegen unterließen es führende Evangelikale, die dem Präsidenten nahestehen, sich zu diesem Thema öffentlich zu äußern, oder sie nannten es eine für Trump lehrreiche Erfahrung. Beispielsweise meinte der Prediger Franklin Graham, Trump als Heiler habe keine religiösen Bezüge. Der Präsident würde sich nicht absichtlich in unangemessener Weise als Jesus darstellen lassen. Das sei böswillige Spekulation.[14]

Anmerkungen

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