Eichelsachsen

Stadtteil von Schotten From Wikipedia, the free encyclopedia

Eichelsachsen ist ein Stadtteil von Schotten im mittelhessischen Vogelsbergkreis. Der Ort liegt südlich des Hauptortes am Rand des Vogelsbergkreises, aber immer noch mitten im Vogelsberg. Im Ort treffen sich die Kreisstraße 207 und die Landesstraße 3183. Im Dorf mündet der Eckardsbach (Waidbach) von links und Osten in den Eichelbach.

Schnelle Fakten Stadt Schotten ...
Eichelsachsen
Stadt Schotten
Koordinaten: 50° 27′ N,  7′ O
Höhe: 244 m ü. NHN
Fläche: 12,26 km²[1]
Einwohner: 650 (31. Dez. 2022)[2]
Bevölkerungsdichte: 53 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Dezember 1970
Postleitzahl: 63679
Vorwahl: 06044
Evangelische Kirche
Evangelische Kirche
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Geschichte

Hoch- und Spätmittelalter

Die urkundliche Ersterwähnung von Eichelsachsen erfolgte im Jahr 1187 als Eigelssahsen. Die Originalurkunde differenziert die Siedlung und nennt noch den Ortsnamen in alio Eigelssahscen (im anderen Eichelsachsen). Scheinbar hatten sich zwei Siedlungen mit dem gleichen Dorfnamen herausgebildet.[3] In diesem Jahr vermachte Graf Berthold II. von Nidda der Niddaer Johanniterorden-Kommende mehrere Pfarreien, Ländereien und Einkünfte in insgesamt 26 Orten, darunter in Eichelsachsen. Aus diesen Schenkungen kann man auf den ungefähren Umfang der Grafschaft Nidda schließen. In der Schenkungsurkunde des Grafen an den Johanniterorden in Nidda[4] erhielten die Johanniter in Eigelssahsen jährlich einen Malter Hafer und in in alio Eigelssahscen einen halben Malter Hafer.[5][6] Nach dem Tode des Grafen Berthold II., der ohne männliche Erben verstarb, erbte sein Schwager Graf Rudolf II. von Ziegenhain die Grafschaft Nidda.[7]

1476 wurden für einen Feldzug des hessischen Landgrafen gegen die Stadt Volkmarsen Ausrüstung und Soldaten in Registern aufgestellt, darunter aus dem Gericht auf dem Fogelsberg 13 kuwe (Kühe) und 14 Hemel (Hammel) aus den Orten Eichelsdorf, Eichelsachsen, Wingershausen und Eschenrod.[8]

Im Mittelalter gehörte Eichelsachsen zum Gericht Burkhards. Eichelsachsen gehört seit dem Hochmittelalter zum Kirchspiel Wingershausen.

Neuzeit

Im 16. Jahrhundert gab es drei Mühlen und eine Kapelle. Da sich im Ort ein Oberforstamt befand, errichtete man 1735 eine Forstschreiberei. 1722/1723 ließ Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt das Jagdschloss Zwiefalten erbauen. In der gleichen Zeit wurde auch die evangelische Kirche errichtet.

Naturkatastrophe

Am 3. Juni 1826 – Pfingstsamstag – nachmittags gegen 5 Uhr fiel im oberen Eicheltal ein Wolkenbruch, der die an dem sonst so kleinen Bach liegenden Teile der Ortschaften Eschenrod, Wingershausen und Eichelsachsen überschwemmte. Viele Wohngebäude stürzten ein und wurden mit ihren Bewohnern durch die Fluten fortgerissen. 21 Personen fanden in Eschenrod ihren Tod in den Wellen. Eine Frau verlor in Wingershausen ihr Leben. In Eichelsachsen war es eine Witwe, die mit ihren 4 Kindern von den Wassermassen fortgeschwemmt wurde. 27 Menschen verloren bei dieser Naturkatastrophe im Eicheltal ihr Leben.[9]

In den Tagen danach wird in den Zeitungen von dem schweren Unwetter berichtet, das den Vogelsberg heimsuchte, das Mittelgebirge, das kaum dem Namen nach bekannt war. Auch der 76jährige Johann Wolfgang von Goethe ist tief ergriffen. Er holt sich seine Landkarten herbei und sucht die Orte auf, die so schwer gelitten. Am 19. Juni schreibt er in sein Tagebuch:[10]

„Auf der Landkarte die Lokalität des großen Wolkenbruchs über (oberhalb) Nidda aufgesucht. Frage: Ob nicht auf der sonst durchaus waldigen Berghöhe, wo die Nidda entspringt, das Holz übermäßig gelichtet worden?!“

Chronik von Wingershausen, Herausgeber: Stadt Schotten in Verbindung mit dem Arbeitskreis Historie Wingershausen im Jahr 2016

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Eichelsachsen:

„Eichelsachsen (L. Bez. Schotten) evangel. Filialdorf; liegt im Vogelsberg an der Nidda, 2 St. von Schotten, und ist der Sitz des Forstinspektors. Man findet mit Einschluß von Zwiefalten und einer Ziegelhütte, 134 Häuser und 685 evangelische Einwohner. – Der Ort hatte im 14. Jahrhundet eine Kapelle, welche zu Herchenhain gehörte.“[11]

Zum 1. Dezember 1970 wurde Eichelsachsen im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Stadt Schotten eingegliedert.[12][13] Für den Stadtteil Eichelsachsen wurde ein Ortsbezirk errichtet.[14]

Verwaltungsgeschichte im Überblick

Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,[Anm. 1] denen Eichelsachsen angehört(e):[1][15][16]

Gerichte seit 1803

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Eichelsachsen das Amt Lißberg zuständig. Im Großherzogtum Hessen wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übertragen. Eichelsachsen fiel in den Gerichtsbezirk des „Landgerichts Schotten“. Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Schotten“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.[25]

Mit Wirkung zum 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Schotten, und Eichelsachsen kam zum Gerichtsbezirk des Amtsgerichts Nidda.[26] Zum 1. Januar 2012 wurde auch das Amtsgericht Nidda gemäß Beschluss des hessischen Landtags aufgelöst[27] und Eichelsachsen dem Amtsgericht Büdingen zugeteilt.

Bevölkerung

Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Eichelsachsen 675 Einwohner. Darunter waren 15 (2,2 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 96 Einwohner unter 18 Jahren, 273 zwischen 18 und 49, 165 zwischen 50 und 64 und 141 Einwohner waren älter.[28] Die Einwohner lebten in 321 Haushalten. Davon waren 93 Singlehaushalte, 111 Paare ohne Kinder und 84 Paare mit Kindern, sowie 24 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 72 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 201 Haushaltungen lebten keine Senioren.[28]

Einwohnerentwicklung

 1791:591 Einwohner[20]
 1800:615 Einwohner[29]
 1806:637 Einwohner, 124 Häuser (mit Schloss Zwiefalten)[22]
 1829:685 Einwohner, 134 Häuser[11]
 1867:648 Einwohner, 121 bewohnte Gebäude[30]
 1875:595 Einwohner, 110 bewohnte Gebäude[31]
Eichelsachsen: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2020
Jahr  Einwohner
1791
 
591
1800
 
615
1806
 
637
1829
 
685
1834
 
695
1840
 
701
1846
 
723
1852
 
738
1858
 
718
1864
 
651
1871
 
590
1875
 
595
1885
 
587
1895
 
525
1905
 
570
1910
 
580
1925
 
574
1939
 
642
1946
 
834
1950
 
788
1956
 
743
1961
 
714
1967
 
728
1970
 
697
1980
 
?
1990
 
?
2000
 
?
2004
 
703
2010
 
711
2011
 
675
2015
 
677
2020
 
660
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: LAGIS[1]; Einwohnerzahlen nach 2000:[32][33][34]; Zensus 2011[28]

Historische Religionszugehörigkeit

 1829:685 evangelische (= 100 %) Einwohner[11]
 1961:668 evangelische, 41 katholische Einwohner[1]

Politik

Für Eichelsachsen besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Eichelsachsen) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung.[14] Der Ortsbeirat besteht aus neun Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung 59,69 %. Alle Kandidaten gehören der „Bürgerliste Eichelsachsen“ an.[35] Der Ortsbeirat wählte Timo Thäle zum Ortsvorsteher.[36]

Kultur und Sehenswürdigkeiten

In der Liste der Kulturdenkmäler in Schotten sind für Eichelsachsen 34 einzelne unter Denkmalschutz stehende Kulturdenkmäler aufgeführt.

Im Ort gibt es

  • eine Evangelische Kirche mit Gemeindehaus
  • ein Bürgerhaus mit integriertem Feuerwehrhaus,
  • einen Sportplatz,
  • einen historischen Torbogen an den „Pfefferschen Hofreiten“, der die Jahreszahl 1590 trägt,
  • das Jagdschloss Zwiefalten,
  • den Rundwanderweg „Spur der Natur“, der auch die "Geologische Baumhecke" anbindet[37],
  • den Eichelsächser Weiher,
  • eine Mehrgenerationenanlage,
  • einen historischen Dorfbrunnen,
  • drei Backhäuser.

Persönlichkeiten

  • Karl Friedrich von Kruse (* 22. November 1737 in Eichelsachsen; † 9. März 1806 in Wiesbaden), Nassau-Usingen’scher Hofkammer- und Regierungspräsident
  • Eduard Kreyßig (* 30. August 1830 in Eichelsachsen; † 11. März 1897 in Mainz), Architekt und Stadtplaner

Literatur

Commons: Eichelsachsen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Stadtteil Eichelsachsen. In: Webauftritt der Stadt Schotten. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar); abgerufen im Mai 2024.
  • Eichelsachsen, Vogelsbergkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).

Anmerkungen und Einzelnachweise

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