Eva Vlaardingerbroek

niederländische Politikerin (FvD) From Wikipedia, the free encyclopedia

Eva Lotte Louise Joan Vlaardingerbroek (* 3. September 1996 in Amsterdam) ist eine niederländische Aktivistin und Influencerin der Neuen Rechten[1][2] und katholischen Rechten[3], ausgebildete Rechtsphilosophin sowie ehemalige Politikerin (FvD, 2016–2020).[4]

Eva Vlaardingerbroek (2023)

Biographie und Ausbildung

Vlaardingerbroek wurde als Tochter einer katholischen Mutter und eines protestantischen Vaters, des Musikwissenschaftlers Kees Vlaardingerbroek, geboren. Sie hat einen jüngeren Bruder, ist getauft und war protestantischen Glaubens, ehe sie im April 2023 gemeinsam mit ihrem Vater zum Katholizismus konvertierte.[5]

Vlaardingerbroek wuchs in Hilversum auf und studierte Rechtswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Universität Utrecht, wo sie einen Bachelor of Laws erlangte. Anschließend erlangte sie im Jahre 2019 ihren Master of Laws in Rechtstheorie und Rechtsphilosophie an der Universität Leiden. Ihre Abschlussarbeit schrieb sie zu dem Thema Die Kontraktualisierung von Sex in der #MeToo-Ära.[6]

Parteipolitische Karriere und politischer Aktivismus

Nach dem Studium trat Vlaardingerbroek 2016 der rechtspopulistischen Partei Forum voor Democratie (FvD) bei. Im Jahr 2019 hielt sie auf der Parteiversammlung eine antifeministische Rede, die nicht nur landesweit, sondern auch international Aufsehen erregte und unter anderem dazu führte, dass ihre Reichweite auf den Sozialen Medien über Nacht massiv anstieg und sich beispielsweise aus Brasilien rechtskonservative Nachrichtenagenturen bei ihr meldeten, um sie als Gastkolumnistin zu gewinnen.[7]

Am 31. Oktober 2020 gab Thierry Baudet, der Gründer des FvD, bekannt, dass Vlaardingerbroek den fünften Listenplatz der Partei zur Parlamentswahl 2021 einnehmen würde.[8] Allerdings kam es bereits im November 2020 zu einer großen Austrittswelle aus dem FvD, nachdem dessen Jugendorganisation wegen als homophob, antisemitisch und nationalsozialistisch wahrgenommene Chatinterna für einen landesweiten Skandal gesorgt hatten. Gemeinsam mit Joost Eerdmans, Annabel Nanninga, Nicki Pouw-Verweij und Theo Hiddema distanzierte sich auch Vlaardingerbroek von den Äußerungen sowie Baudets Umgang mit diesen und verließ die Partei, woraufhin alle vorgenannten Kandidaten inklusive Vlaardingerbroek von der Parlamentswahlliste gestrichen wurden.[9][10]

Seit ihrem Austritt aus dem FvD ist Vlaardingerbroek nicht mehr parteipolitisch organisiert. Mit Blick auf die Parlamentswahl 2023 rief sie zur Wahl der Partij voor de Vrijheid auf,[11] später distanzierte sie sich jedoch von dieser Wahlempfehlung und gab bekannt, „aufrichtig zu bereuen, jemals für [die PVV] gestimmt zu haben“.[12]

Nach ihrer ersten aufsehenerregenden Rede von 2019 wurde sie in zahlreichen Sendungen aus dem Umfeld des Konservativismus und Neuer Rechter interviewt, insbesondere durch Tucker Carlson in dessen Fernsehsendung Tucker Carlson Tonight,[13] und Mark Steyn in dessen Talkshow auf GB News[14] sowie Julian Reichelt auf dessen YouTube-Kanal Achtung, Reichelt! und der Plattform Nius.[15] Darüber hinaus schrieb sie als freie Publizistin Kolumnen für mehrere Druck- und Netzmedien, darunter die konservative niederländische Zeitschrift Elsevier,[16] dem liberalismuskritischen Blog GeenStijl[17] und The Conservative, eine Publikation der Partei Europäische Konservative und Reformer.[18]

Ab 2021 moderierte sie ihre eigene Sendung Let’s talk about it! auf Riks, einem Medienkanal mit Verbindungen zur schwedischen Partei der Sverigedemokraterna.[19] Im Rahmen der COVID-19-Pandemie wurde Vlaardingerbroek am 1. Januar 2022 als Rechtsberaterin von der Anwaltskanzlei Bart Maes angestellt, die sich zu diesem Zeitpunkt darauf spezialisiert hatte, Fälle von Kritikern der Eindämmungsmaßnahmen zu behandeln und juristisch unter anderem gegen die Zugangsbeschränkungen öffentlicher Einrichtungen für Ungeimpfte oder den Lockdown vorzugehen; die Zusammenarbeit wurde nach fünf Monaten beendet, nachdem Bart Maes beschlossen hatte, sich zukünftig nur noch auf Arbeits- und Migrationsrecht zu beschränken.[20]

Vlaardingerbroek war Rednerin bei Organisationen wie der Denkfabrik New Direction, die ebenfalls mit der Europapartei EKR verbunden ist,[21] der sogenannten „Bauernbefreiungsfront“, auf deren Einladung hin sie ab 2022 auf den Bauerprotesten in den Niederlanden auftrat,[4] sowie der CPAC in Ungarn 2023 und 2024, die unter der Schirmherrschaft von Präsident Viktor Orbán stand. Der größte Teil von Vlaardingerbroeks Öffentlichkeitsarbeit findet über ihre eigenen Kanäle in den Sozialen Medien statt, wo sie auf X über eine Million sowie auf Instagram 391.000 Follower hat (Stand: Januar 2025).

Politische und philosophische Positionen

Im Juli 2022 sprach Vlaardingerbroek mit Tucker Carlson auf dem Fernsehsender Fox News über die Probleme mit Stickstoff in der niederländischen Landwirtschaft.[22] Bezugnehmend auf die Verschwörungstheorien Großer Austausch und The Great Reset äußerte sie im Juli 2022, dass Landwirten Land gestohlen würde, um damit Häuser für Immigranten zu bauen.[23][24]

Privates

Vlaardingerbroek führte 2017 eine kurzzeitige Affäre mit Thierry Baudet, dem Vorsitzenden des FvD, und bis 2020 eine Beziehung mit Julien Rochedy, dem damaligen Vorsitzenden der Jugendorganisation des französischen Rassemblement National.[25] Anschließend war sie für einige Zeit mit dem PragerU-Mitarbeiter Will Witt verlobt.[26] Seit Mitte Juli 2024 ist sie mit einem italienischen Anwalt verheiratet.[27][28]

Literatur

  • Eviane Leidig: The Women of the Far Right. Social Media Influencers and Online Radicalization. Columbia University Press, New York 2023, ISBN 978-0-231-21016-4, S. 167 f. (englisch).
  • Bàrbara Molas: Dutch Flags and Maple Leaves. How Conspiracy Theories Created a Transnational Far-Right. In: Atlantisch Perspectief. Band 46, Nr. 6, 2022, S. 26–30, JSTOR:48732646 (englisch).
Commons: Eva Vlaardingerbroek – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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