Gemeiner Efeu

Art der Gattung Efeu (Hedera) From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Gemeine Efeu, auch Gewöhnlicher Efeu oder kurz Efeu (Hedera helix), ist eine immergrüne Pflanzenart aus der Gattung Hedera (Efeu) innerhalb der Familie der Araliengewächse (Araliaceae).

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Gemeiner Efeu

Gemeiner Efeu (Hedera helix)

Systematik
Euasteriden II
Ordnung: Doldenblütlerartige (Apiales)
Familie: Araliengewächse (Araliaceae)
Unterfamilie: Araliaoideae
Gattung: Efeu (Hedera)
Art: Gemeiner Efeu
Wissenschaftlicher Name
Hedera helix
L.
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Trivialnamen und Wortherkunft

Botanische Illustration von 1888

„Landschaftliche Namen“ sind unter anderem Epheu (p und h getrennt gesprochen), Baumwinde[1] (lateinisch früher Hedera arborea[2][3]) und, allerdings mehrdeutig, Eppich.

Die Herkunft des Wortes „Efeu“ ist unsicher. Althochdeutsch überliefert sind unter anderem ebihouwi, ebhouwe, ebihewe, ebahewi, ebah, ebahi, ebahboum, ebboum, mittelhochdeutsch ebehöu, ephöu, frühneuhochdeutsch Ebheu, Epheu. Die heutige Schreibung (und die davon ausgehende Aussprache) Efeu beruht auf einer im 17. Jahrhundert aufgekommenen Fehldeutung der Schreibung ph als f. Das Wort war schon früh nicht mehr durchsichtig; bereits in althochdeutsch ebihouwi liegt eine Umdeutung zur Zusammensetzung mit „Heu“ (infolge der Nutzung als Laubheu[4]), in althochdeutsch ebboum eine solche mit „Baum“ vor. Für das Vorderglied eb- wurde schon Verwandtschaft mit lateinisch ibex ‚Steinbock‘ und damit eine Grundbedeutung als „Kletterer“ angenommen, doch bleibt dies hypothetisch.[5]

Althochdeutsch ebah(i) und altniederdeutsch īfig leben in rezenten Mundartwörtern wie Ebich, Ebch, Ebix, Ebx, Ebsch, Ewich, Ewisch, Ewix, Ewek weiter, althochdeutsch ebihouwi im Alemannischen als Abheu, Äbheu. Weitere Umdeutungen finden sich in alemannisch Räbheu (Anlehnung an die ebenfalls rankende „Rebe“) und in mittelniederdeutsch iwlōf, ifflōf (Anlehnung an „Laub“).[5][6]

Der Name „Baumwinde“ ist mittelhochdeutsch bereits als boumwinde belegt. Wegen seines Wuchses an und in Mauern wurde der Efeu früher auch Mauerepheu, Mauerefeu und ähnlich genannt.[7]

Beschreibung

Erscheinungsbild und Blatt

Adventivwurzeln

Der Gemeine Efeu ist eine immergrüne, ausdauernde Pflanze und ein Klettergehölz. Sehr variabel ist der Gemeine Efeu in seinen Lebensformen, es liegt Sprossdimorphismus vor. Die Keimung erfolgt epigäisch. Zuerst entwickelt er sich als ausdauernde, krautige Pflanze. So überwuchert der Efeu gelegentlich flächendeckend den Boden. Seine Sprossachsen sind in diesem Stadium niederliegend bis kriechend (plagiotrop).[8] Die Rinde junger Sprossachsen ist mit stern- bis schildförmigen Haaren (Trichomen) flaumig bedeckt. An den Sprossachsen werden im dichten Abstand Adventivwurzeln gebildet. Sobald Bäume, Zäune oder Mauern erreicht werden, ist der Efeu in der Lage, durch Haftwurzeln daran emporzuklettern; dabei erklimmt er Höhen von 20 oder selten bis zu 30 Metern.[9] Der Gemeine Efeu ist der einzige in Mitteleuropa einheimische Wurzelkletterer.[10] Nach einigen Jahren beginnen die Sprossachsen zu verholzen und der Gemeine Efeu entwickelt sich vom Halbstrauch zum Strauch oder zur Liane,[8] bis er selten auch baumartig wächst.[9] Efeu kann ein Höchstalter von 450 Jahren erreichen[11], Altersformen können etwa 10 Jahre nach der Keimung auftreten. Adulte Exemplare besitzen rundliche und aufrechte, orthotrope Sprossachsen. Diese Sprossachsen sind stets wurzellos.[8] Verholzte Stämme können nicht selten einen Durchmesser von ca. 30 Zentimetern erreichen[9][8], außergewöhnliche Exemplare auch noch deutlich mehr.[12][13]

Beim Gemeinen Efeu liegt Heterophyllie vor. Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und ‑spreite gegliedert. Die einfachen, ledrigen Blattspreiten sind oberseits fast kahl und unterseits mit weißen 5- bis 8-strahligen, nur am Grund verwachsenen Schuppenhaaren bedeckt[14]. An den Jugendformen sind die Blattspreiten bei einer Länge von meist 4 bis 10, selten bis zu 25 Zentimetern handförmig gelappt mit drei bis fünf dreieckigen, ganzrandigen Blattlappen. Bei den blühfähigen Altersformen sind die Blattspreiten bei einer Länge von 6 bis 10 Zentimetern eiförmig bis rhombisch und nicht gelappt. Die Blattoberseite ist glänzend dunkelgrün, oft mit helleren Blattadern, und die Blattunterseite ist heller. Manchmal werden die Blattspreiten im Spätsommer hellgrün bis gelblich und die Blattoberseite kann im Winter purpurfarben getönt sein. Es sind keine Nebenblätter vorhanden.[9][15]

Blütenstand und Blüte

Blüten im Detail: fleischige Disken gut sichtbar

Endständig zu dritt bis sechst in rispigen Gesamtblütenständen oder einzeln stehen auf Blütenstandsschäften in halbkugeligen bis kugeligen, doldigen Blütenständen etwa 20 gestielte, unscheinbare Blüten zusammen.[8] Die Blütenstandsschäfte und Blütenstiele sind filzig mit Sternhaaren bedeckt.[9]

Die sich im September und Oktober entwickelnden relativ kleinen, gelblich-grünen, etwas unangenehm duftenden[16][17] Blüten sind zwittrig, radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf Kelchblätter am Blütenbecher sind nur minimal und dreieckig. Die fünf, selten sechs, freien, gelblich-grünen, leicht fleischigen, außen fein behaarten, spitzen, zurückgelegten Kronblätter sind bei einer Länge von 3 bis 4 Millimetern dreieckig-eiförmig, innen gekielt und am oberen Ende minimal kapuzenförmig. Es ist nur ein Kreis mit fünf Staubblättern vorhanden. Fünf Fruchtblätter sind zu einem unterständigen, fünfkammerigen Fruchtknoten verwachsen. Die fünf kurzen Griffel stehen zu einer Säule zusammen. Die Nektarsekretion erfolgt an einem gewölbten Diskus auf dem Fruchtknoten.[9][15]

Frucht und Samen

Reife Früchte mit deckelartigen Diskusresten an der Spitze

In den Fruchtständen stehen die zwischen Januar und April reifenden Früchte dicht zusammen. Die bei Reife bläulich- oder grünlich-schwarzen, selten gelben oder weißen[9] mehrsamigen Steinfrüchte mit Diskus- und Griffelresten an der Spitze, sind bei einer Länge von 5 bis 9 Millimetern und einem Durchmesser von 6 bis 9 Millimetern kugelig und besitzen durchschnittlich eine Masse von knapp 0,3 g.[8] Die Früchte enthalten im purpurfarbenen Fruchtfleisch ein bis fünf Steinkerne.[9] Die einsamigen Steinkerne weisen eine Länge von etwa 6 Millimetern sowie einen Durchmesser von etwa 4 Millimetern auf.[8] Die weißliche, membranöse Schale der Kerne ist runzelig. Der kleine Embryo besitzt zwei Keimblätter (Kotyledonen). Das Endosperm ist ruminat.[9][15]

Chromosomensatz

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 48; ausgehend von der Chromosomengrundzahl der Gattung Hedera von x = 12 liegt Tetraploidie vor.[18]

Toxizität

Strukturformel von Falcarinol

Sämtliche Pflanzenteile des Gemeinen Efeus sind giftig. Bekannte giftige Inhaltsstoffe sind α-Hederin (Triterpensaponin), das sich durch Abbaureaktionen aus dem Hederasaponin C bilden kann (zu 80 % enthalten), sowie Falcarinol. Zeichen der Vergiftung können schon nach Einnahme von zwei bis drei Beeren auftreten: Brennen im Rachen, Durchfall und/oder Erbrechen, Kopfschmerzen, erhöhter Puls, Krämpfe. Nach Aufnahme großer Mengen (unwahrscheinlich, da sehr bitter) können Schock und Atemstillstand auftreten. Häufig sind auch Kontaktdermatiden durch Reaktion des Falcarinols mit den Proteinen der Haut.[19][20]

Taxonomie

Poeten-Efeu

Die Erstveröffentlichung von Hedera helix erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, S. 202.[21] Nach dem taxonomischen Konzept von Plants of the World Online (POWO) ist der Gemeine Efeu[22] damit heute (Stand März 2026) eine von 19 Arten der Gattung Efeu.[23] Die Art untergliedert sich in zwei Formen, und zwar die autonyme Form Hedera helix f. helix mit aktuell 131 Synonymen[24] und den in der Türkei und im Kaukasus heimischen gelbfrüchtigen Poeten-Efeu Hedera helix f. poetarum (Nicotra) McAll. & A.Rutherf.[25]

Vorkommen

Natürliche Verbreitung nach Metcalfe 2005[9]

Der Gemeine Efeu ist in West-, Mittel- und Südeuropa von der Ebene bis in mittlere Gebirgslagen heimisch, im Norden reicht sein Verbreitungsgebiet bis nach Südschweden, im Osten bis in die Türkei.[22]

Als Standorte werden Wälder und Auengehölze, Steinbrüche und Ruinen bevorzugt. Im Bereich der Auwälder deutet ein Aufklettern des Efeus an den Bäumen auf eine höhere Luftfeuchte hin. Dies geht meist mit Veränderung der Blattformen im oberen Bereich einher. Der Efeu schadet dem bewachsenen Baum nicht, von einer umgreifenden Konkurrenz zu der weiteren Bodenvegetation ist nicht auszugehen. Er ist in Mitteleuropa pflanzensoziologisch eine Charakterart der Klasse Querco-Fagetea.[26] In den Allgäuer Alpen steigt er in Bayern, zwischen Schlipfhalden und der Klösterlealpe bei Balderschwang bis zu einer Höhenlage von 1180 Metern auf.[27] In den Alpen steigt er bei den Churfirsten bis 1800 Meter auf.[11]

Die Zeigerwerte nach Ellenberg weisen ihn als ozeanische Schatten- bis Halbschattenpflanze, als Mäßigwärmezeiger sowie indifferent bezüglich Boden-pH-Wert und Nährstoffangebot aus.[28] Die Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 für die Schweiz sind: Feuchtezahl F = 3 (mäßig feucht), Lichtzahl L = 2 (schattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 4 (kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch).[29]

Der Gemeine Efeu entstammt den Tropenwäldern des Tertiärs. Daran erinnern die Träufelspitzen seiner Blätter, die das Wasser rasch ableiten.

Im Rahmen der europäischen Kolonisation wurde der Gemeine Efeu über große Teile der Welt verbreitet. In vielen gemäßigten Klimaten (Nordamerika, Australien, Neuseeland) tritt er daher als Neophyt auf und wird zum Teil als invasive Pflanze bekämpft. Heute (Stand März 2026) ist er in den vier US-Bundesstaaten Alabama, Alaska, Delaware und North Carolina als 'invasiv/schädlich' eingestuft[30] und wird auch in weiteren Bundesstaaten kontinuierlich bekämpft. Auch in Australien und Neuseeland gibt es bei seiner Einstufung und Handhabung regionale Unterschiede.[31][32]

Ökologie und Phänologie

Zahlreicher Insektenbesuch

Der Gemeine Efeu ist ein Chamaephyt, Phanerophyt oder eine Liane.[33] Im Schatten oder bei reichlich Lichteinfall sehen die Laubblätter (Schatten- und Sonnenblätter) unterschiedlich aus. Laubblätter werden während der ganzen Vegetationszeit von März bis Oktober gebildet, aber zwischen April und Mai entwickeln sich besonders viele. Ein einzelnes, immergrünes Laubblatt überdauert etwa drei bis vier Jahre, die Hauptzeit des Laubfalles liegt im späten Frühling.[8]

Efeu-Seidenbiene

Beim Gemeinen Efeu liegt manchmal Protandrie vor.[9] Er ist selbstinkompatibel (Selbstbefruchtung und Samenansatz sind genetisch verhindert);[18] es ist Fremdbestäubung erforderlich, die durch eine Vielzahl von Insektenarten sichergestellt wird.[8] Die Ergiebigkeit der Blüten wird angegeben mit einem Wert von 3 (gut) sowohl für den Pollenwert wie auch den Nektarwert.[34][35]

Besonders wertvoll für die Insektenwelt sind die Blüten des Gemeinen Efeus durch ihren sehr späten Blühzeitraum von September bis teilweise in den November hinein, der innerhalb der mitteleuropäischen Flora eine Besonderheit darstellt und mit seinem Beginn phänologisch die Mitte des Frühherbstes markiert.[36] In dieser Zeit herrscht sowohl im Siedlungsraum wie auch in der freien Natur für Insekten vielfach Nahrungsmangel, sodass der Efeu eine wichtige Nahrungsquelle für Honigbienen, verschiedene Wildbienen- und Hummelarten, Wespen und Schwebfliegen darstellt. Die Efeu-Seidenbiene hat sich sogar ausschließlich auf Efeu-Pollen für die Aufzucht ihrer Brut spezialisiert (Monolektie).[37][38] Von den Schmetterlingen besuchen z. B. der Admiral, der Faulbaum-Bläuling und der C-Falter die Blüten.[34][28] In anderen Gebieten als Mitteleuropa liegt die Blütezeit teilweise in anderen Monaten.[8]

Nicht nur die Blüten, sondern auch das Blattwerk hat einen hohen ökologischen Wert für die Insektenwelt, indem es z. B. der Achat-Eule, dem Faulbaum-Bläuling und dem Nachtschwalbenschwanz als Raupenfutterpflanze dient.[34][28]

Die Früchte werden zwischen Januar und April reif. Sie werden u. a. von verschiedenen heimischen Arten der Echten Drosseln, dem Star, dem Gartenrotschwanz, der Mönchsgrasmücke und dem Rotkehlchen gefressen, die auf diese Weise für eine ornithochore bzw. endochore Ausbreitung der Samen sorgen.[39][40][33]

Efeu und seine Trägerbäume

Efeubewuchs im Winter

Dem Efeu werden zahlreiche schädigende Wirkungen auf Bäume nachgesagt. So soll er Bäume mit seinen Wurzeln „aussaugen“, die Baumkrone überwuchern und dem Baum das Licht nehmen, die Baumrinde vom Zugang zu Luft und Licht abschneiden, den Stamm „erdrosseln“, den Baum durch sein Gewicht schwächen und die Gefahr von Wind- oder Schneebruch steigern, und mit dem Baum um Wasser und Nährstoffe konkurrieren. Zu der Möglichkeit, dass der Efeu seine Trägerbäume schädigen könnte, liegen in der Fachliteratur unterschiedliche Angaben vor. Mehrheitlich wird die Auffassung vertreten, dass der Efeu für große Baumarten unschädlich ist, aber kleinere Bäume wie z. B. Apfelbäume oder Großsträucher wie z. B. Weißdorn durch Überwachsen zum Absterben bringen kann.[41][42]

Die Haftwurzeln des Efeus können keine Nährstoffe aufnehmen, ein Schmarotzen an Bäumen mit Hilfe der Luftwurzeln findet nicht statt.[43][41] Junge Haftwurzeln können sich aber in einem geeigneten feuchten Milieu zu Nährwurzeln umbilden. In einem Fall ist berichtet worden, dass eine solche Nährwurzel sich mehrere Zentimeter unter die Borke einer Tanne geschoben hat. Der Eindruck, ein Efeu wachse aus einem Baum heraus, kann in sehr seltenen Fällen dadurch entstehen, dass ein heranwachsender Baum mit seinem Stamm einen Efeu umschließt.[44]

Efeu wächst vorrangig am Stamm und an den starken Ästen der Bäume. Die für die Photosynthese wichtigen Blätter der Bäume befinden sich im Wald im oberen Teil der Baumkrone, bei freistehenden Bäumen in den Randbereichen.[43] Eine schädliche Lichtkonkurrenz ist daher nur bei einem sehr starken Bewuchs auch im äußeren Bereich der Krone möglich. Bei Weißdorn und Obstbäumen konnte ein derart starker Bewuchs mit Efeu beobachtet werden. Es wird angenommen, dass Bäume mit einer maximalen Wuchshöhe von deutlich weniger als 20 Metern durch die Lichtkonkurrenz des Efeus gefährdet werden können, insbesondere Birken und andere Bäume mit schmalen Kronen. Für die großen einheimischen Baumarten, an denen Efeu wachsen kann, wie Eiche und Esche wird eine Gefährdung nicht erwartet.[44][42]

Ein „Erdrosseln“ des Stützgehölzes, indem die wachsenden Efeutriebe den umschlungenen Baum am Dickenwachstum hindern, wurde in der Vergangenheit von mehreren Autoren als Tatsache dargestellt. Sie machten jedoch keine Angaben dazu, wie dieser Vorgang nachgewiesen worden ist. Untersuchungen der Jahresringe von Bäumen mit Efeubewuchs haben die Behauptung nicht bestätigt.[45][42]

Die Behauptung, Efeu könne dadurch Schäden verursachen, dass er die Baumrinde von Licht und Luft abschneidet, ist nicht belegt. Es besteht jedoch bei mehreren einheimischen Harthölzern die Gefahr, dass im Schatten gebildete Rinde durch Sonnenbrand geschädigt wird, wenn der Schatten entfällt. Dies kann durch das Fällen von Bäumen in der Umgebung bedingt sein, oder durch das Entfernen von Efeu. Die Frage, inwieweit ein Efeubewuchs Schutz vor Frostrissen bieten kann, ist noch nicht untersucht worden. Auch die Hypothese, eine Stützpflanze könne durch das Gewicht des Efeus Schaden nehmen, ist nicht belegt worden.[45] Die Gefahr des Bruchs durch Wind und Schnee, bedingt durch die vergrößerte Angriffsfläche, konnte nur für Sträucher und junge Bäume in der Strauchschicht bestätigt werden, alte gesunde Bäume sind dadurch nicht gefährdet.[45]

Die Schädigung eines Baums durch Nahrungskonkurrenz im Wurzelbereich ist nicht belegt. Durch seinen Laubabwurf im Frühjahr verbessert der Efeu das Bodenleben so deutlich, dass seine Anwesenheit für die Stützbäume weniger eine Konkurrenz als eine Förderung darstellt.[46]

Dem Efeu im konkreten Einzelfall zugeschriebene Schadwirkungen sind fast immer eine Schädigung des Stützbaums durch andere Ursachen, die im Vergleich zu dem Bewuchs mit Efeu nicht so offensichtlich sind. Der Efeu geht fast immer mit seinem Stützbaum unter, ein erneutes Aufsteigen an einem zweiten Baum findet sehr selten statt. Somit wäre die unterstellte schädigende Wirkung regelmäßig auch eine Selbstschädigung.[46]

Krankheiten und Schädlinge

Der Gemeine Efeu ist im Freiland bei passenden Standortbedingungen eine robuste und kaum von Krankheiten oder Schädlingen befallene Pflanze. Die Efeu-Schildlaus Aspidiotus hedericola lebt manchmal auf Efeu; sie ist vor allem mediterran verbreitet und scheint sich seit 2014 über Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen auszubreiten.[47][48] Aus Portugal ist der Brandpilz Tuburcinia hederae beschrieben. Der Echte Mehltau Golovinomyces orontii wurde aus Hessen gemeldet. Auch der Flagellatenpilz Synchytrium aureum ist selten.[49]

Beim Einsatz im Innenbereich können insbesondere bei unpassenden Standortbedingungen Blattläuse und Rote Spinnmilben auftreten.[50]

Standortansprüche

Der Gemeine Efeu ist eine sehr anspruchslose, robuste und pflegeleichte Pflanze: Er kommt mit mehr oder minder nährstoff- und humusreicher Gartenerde und verschiedenen anderen, möglichst durchlässigen Bodentypen gut zurecht; Staunässe sollte vermieden werden. An den Boden-pH-Wert stellt er keine Ansprüche, der Boden darf auch gerne kalkhaltig sein.[51]

Die Pflanze bevorzugt schattige bis halbschattige Standorte. Sie bildet eine Herzwurzel[34] aus und ist nach Etablierung an ihrem Standort auch relativ trockenheitsresistent; an sonnigeren Standorten auf trockenen Böden sind bei längerer Dürre aber Wassergaben vorteilhaft. Als Winterhärte wird meist die USDA-Klimazone 6 (bis −23 °C)[34], teilweise sogar 4 (bis −34 °C) angegeben.[52]

Der Gemeine Efeu zeigt in seiner kriechenden und kletternden Jugendform ein Längenwachstum – auch abhängig von Sorte und Standortbedingungen – von 50 bis 200 cm im Jahr, in seiner blühfähigen Altersform gilt er als eher schwachwüchsig. Schnittmaßnahmen können bei frostfreiem Wetter zu beliebiger Zeit durchgeführt werden. Der Gemeine Efeu verträgt starke Verschattung und den Wurzel-Konkurrenzdruck benachbarter Pflanzen; damit eignet er sich zur vitalen Bepflanzung schattiger Problemzonen im Garten und zur Unterpflanzung höherer Gehölze. Auch als Kübelpflanze für Balkon und Terrasse sowie als Zimmerpflanze kann er eingesetzt werden.[34]

Sorten/Kultivare

Der Gemeine Efeu wird heute neben seinen Wildformen in einer Vielzahl von Sorten angeboten, die sich insbesondere unterscheiden durch die Form, Größe und Farben ihrer Blätter, aber auch durch Wuchs- und Verzweigungsverhalten, Lichtverträglichkeit sowie Winterhärte. Viele Sorten sind universell verwendbar, etliche bieten sich aber auch speziell für bestimmte Einsatzfälle an. Im deutschsprachigen Raum sind u. a. die folgenden Sorten im Handel verbreitet[51][53]:

  • 'Anita': besonders kleinblättrige, schwachwüchsige Sorte, kletternd bis ca. 1,25 m Höhe.[53]
  • 'Arborescens' (Strauch-Efeu): ein zyklophysischer Klon mit strauchförmigem Wuchs, der aus adulten Stecklingen gewonnen wird. Er breitet sich nicht kletternd oder kriechend aus und blüht und fruchtet schon als Jungpflanze. Nach Artikel 2.7. des Internationalen Codes der Nomenklatur der Kulturpflanzen fällt er damit auch unter die Definition eines Kultivars.
  • 'Atropurpurea': Sorte mit dunkelgrünen Blättern, die sich im Winter purpurfarben einfärben; kletternd bis ca. 8 m Höhe.
  • 'Buttercup': grünlich-gelbes Laub, in voller Sonne auch komplett gelb; vorzugsweise als Kletter-Efeu eingesetzt, kletternd bis ca. 9 m Höhe.[53][54]
  • 'Duckfoot': wüchsige Sorte, kletternd bis ca. 20 m Höhe; auch als Ampel- und Balkonkastenpflanze geeignet.[53][54]
  • 'Glacier': Sorte mit graugrünen Blättern mit weißem Rand, kletternd bis ca. 3 m Höhe.[53][54]
  • 'Goldchild': Sorte mit Bättern mit grünfarbiger Mitte und gelblicher Umrandung, kletternd bis ca. 5 m Höhe.[53][54]
  • 'Golden Ingot': grüne Blätter mit leuchtend gelber Marmorierung, kletternd bis ca. 5 m Höhe.[53][54]
  • 'Goldheart': dunkelgrüne Blätter mit goldgelber Mitte, kletternd bis ca. 4 m Höhe.[53]
  • 'Gold Kolibri': dunkelgrüne Blätter mit goldgelbem Rand, kletternd bis ca. 6 m Höhe; auch als Zimmerpflanze geeignet.[53]
  • 'Goldstern': gelblich-grüne Blätter mit dunkelgrüner Mitte, auch als Kübel-, Balkonkasten- oder Zimmerpflanze geeignet.[53]
  • 'Harlekijn': Sorte mit grau-grün-weiß panaschierten Blättern, kletternd bis ca. 3,5 m Höhe.[53]
  • 'Ivalace': krausblättrige, dichtbuschige Sorte; kriechend bis ca. 20 cm, kletternd bis ca. 2 m Höhe.[53]
  • 'Jessica': sehr dichter Wuchs, bis ca. 1 m Höhe.[53]
  • 'Marginata elegantissima': weißbunte, großblättrige Sorte, kletternd bis ca. 5 m Höhe.[53]
  • 'Plattensee': Sorte mit dunkelgrünen Blättern mit silbrig-weißer Aderung, kletternd bis ca. 25 m Höhe.[53]
  • 'Professor Seneta': winterharte Sorte mit marmorierten Blättern.[55]
  • 'Ritterkreuz': Sorte mit schmalen, vogelfußähnlichen Blättern; auch als Ampel- und Balkonkastenpflanze geeignet.[53]
  • 'Sagittifolia': Pfeilblättrige Sorte mit vogelfußähnlichen Blättern, kletternd bis ca. 2 m Höhe.[53]
  • 'Tear Drop': Sorte mit tropfenförmigen Blättern, auch als Ampel- und Balkonkastenpflanze geeignet, bis ca. 30 m Höhe.[53]
  • 'White Ripple': panaschierte Blätter mit grüner Mitte und weißem Rand; kletternd bis ca. 25 m Höhe.[53]
  • 'White Wonder': Weißbunte Sorte; kletternd bis ca. 30 m Höhe; auch als Ampel- und Balkonkastenpflanze geeignet.[53]
  • 'Woerner' (= 'Remscheid'): dunkelgrüne Blätter mit heller Aderung; kletternd bis ca. 15 m Höhe.[53]
  • 'Yellow Ripple': dunkelgrüne Blätter mit gelbem Rand; kletternd bis ca. 10 m Höhe.[53]

Aktuell (Stand März 2026) sind insgesamt 23 Efeu-Sorten, darunter 14 des Gemeinen Efeus wegen ihres herausragenden dekorativen Wertes und ihrer Robustheit mit dem Award of Garden Merit der britischen Royal Horticultural Society ausgezeichnet.[54]

Sortenvielfalt, Klassifizierung, Registrierung

Die Gesamtanzahl der heute bekannten Sorten des Gemeinen Efeus lässt sich nur grob schätzen, dürfte aber deutlich über 500 liegen, nachdem die nationale französische Efeusammlung schon annähernd diese Anzahl erreicht und größtenteils auch zum Kauf anbietet.[56] Ebenfalls sehenswert sind die nationale britische Sammlung mit insgesamt über 230 Sorten (auch anderer Efeu-Arten)[57] und die nationale polnische Sammlung insgesamt 660 Sorten, darunter 156 des Gemeinen Efeus.[58][59]

Diese Vielzahl von Sorten ist nicht nur für Laien schwer überschaubar. In der Fachwelt wird allgemein bedauert, dass heute kein Standardwerk erhältlich ist, das umfassend den Efeu mit all seinen Arten und Sorten behandelt, nachdem „Hedera: The complete guide“ von McAllister/Marshall vergriffen ist. Die Monografie „The Ivy“[60] von Shirley Hibberd aus dem Jahr 1872 ist mit ihren eleganten Beschreibungen und zahlreichen Abbildungen nach wie vor eine wertvolle Informationsquelle zu den älteren Sorten. Andererseits hat Hibberd damit auch vermeidbare Verwirrung gestiftet, indem er nach eigenem Gutdünken zahlreiche, insbesondere panaschierte Sorten umbenannte.[61]

Auch bezüglich ihrer Standortansprüche und Wuchseigenschaften werden Sorten des Gemeinen Efeus insbesondere in kommerziellen Pflanzensteckbriefen nicht selten sehr unterschiedlich beschrieben. So weist beispielsweise die nationale französische Efeusammlung im Gegensatz zu den vorherrschenden Beschreibungen rund 360 Sorten des Gemeinen Efeus als durchaus tolerant bis gut geeignet auch für sonnenexponierte Standorte aus.[62] Weiterhin kommt erschwerend hinzu, dass manche Sorten auch hinsichtlich ihrer botanischen Einordnung uneinheitlich beschrieben werden.

Eine nicht unwesentliche Rolle im internationalen Sortenwesen des Efeus spielt die 1973 gegründete „American Ivy Society“ (AIS): Sie wurde 1977 von der „International Society for Horticultural Science“ (ISHS) zur „International Cultivar Registration Authority“ (ICRA) für die Gattung Hedera ernannt.[63][64] Um den Umgang mit der Vielzahl der Efeusorten u. a. in Sortenwesen, Handel und gärtnerischer Nutzung zu erleichtern, wurde in den frühen 1970er-Jahren von Suzanne Warner Pierot, der Gründerin und ersten Präsidentin der AIS, ein Klassifizierungssystem für Efeu entwickelt, das hauptsächlich auf der Form der Blätter beruht. Das so genannte Pierot-System besteht aus 9 Kategorien:

  • Adults (A): Efeus in blühender und fruchtender Altersform
  • Bird's Foot Ivies (BF): Sorten mit vogelfußähnlichen Blättern
  • Curly Ivies (C): Sorten mit gelockten Blättern
  • Fan Ivies (F): Sorten mit fächerförmigen Blättern
  • Heart-shaped Ivies (H): Sorten mit herzförmigen Blättern
  • Ivy-Ivies (I): Sorten mit 3- bis 5-lappigen Blättern wie bei der Wildform
  • Miniature-Ivies (M): Kleinbättrige Sorten
  • Oddities (O): Sorten mit ungewöhnlichen Blattformen
  • Variegated Ivies (V): Buntlaubige Sorten

Die nationale französische Efeusammlung nutzt in ihrer Sortendatenbank das Pierot-System und ermöglicht damit entsprechende Filterungen. Sie schlägt außerdem die Einführung einer zehnten Kategorie besonders reich verzweigter Efeusorten vor, die weitgehend aus der Sorte 'Pittsburgh' hervorgegangen sind.[64]

Vegetative Vermehrung

Der Gemeine Efeu lässt sich in seiner jugendlichen Form leicht als Steckling oder Absenker vermehren. Stecklinge der Altersform wurzeln dagegen deutlich schlechter, was sich durch eine Behandlung mit Wuchshormonen (Auxine) verbessern lässt. Empfindlichere, buntlaubige Sorten werden manchmal auch auf der Wildform des Gemeinen Efeus veredelt, müssen aber ständig beobachtet werden, damit die Unterlage das Edelreis nicht überwuchert.[61]

Nutzung

Gärtnerische Nutzung

Für Deutschland lässt sich eine gärtnerische Nutzung des Gemeinen Efeus erstmals für die Mitte des 16. Jahrhunderts belegen. Der schweizerische Naturforscher und Arzt Conrad Gessner, der ein Verzeichnis der Gartenpflanzen Deutschlands anlegte, zählte den Efeu 1561 zu den Gartenpflanzen. Gartenbücher, die gegen Ende des 17. Jahrhunderts veröffentlicht wurden, nannten auch erstmals seit der Antike wieder Sorten mit panaschierten Blättern. Die Gärten des Barock und der Renaissance boten für den wuchernden Efeu jedoch wenig Raum. Populärer wurde der Efeu als Gartenpflanze erst, als in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die weiträumigen Landschaftsparks in Mode kamen. Mit der zunehmenden Popularität des Efeus nahm auch die Anzahl der Sorten zu. Eine 1872 in Großbritannien von Shirley Hibberd veröffentlichte Efeu-Monografie listete bereits mehr als 200 Sorten auf.

Der Gemeine Efeu gehört heute zu den am häufigsten verwendeten Gartenpflanzen, wobei er überwiegend in seiner kriechenden und kletternden Jugendform als Bodendecker und/oder Rankpflanze zur Begrünung von Flächen, Böschungen, Mauern, Zäunen etc. eingesetzt wird, was ihm zu Unrecht das Image einer „Friedhofspflanze“ eingebracht hat.[51] Nur sehr selten wird dem Efeu gärtnerisch die Chance gegeben, sich zu seiner blühenden und fruchtenden Altersform zu entwickeln. Auch die vegetativ vermehrte und als Solitärstrauch einsetzbare Altersform des Strauch-Efeus ist nur wenig bekannt und wird entsprechend selten eingesetzt; sie zeigt kein kriechendes oder kletterndes Wachstum und blüht und fruchtet schon als Jungpflanze. Unter gartengestalterischen Aspekten werden aber gerade die Altersformen mit ihrer ungewöhnlichen Blütezeit und ihrem auch floristisch begehrten Beerenschmuck besonders geschätzt.

Nutzung in der Gebäude- und Stadtbegrünung

Eine grünlaubige und eine panaschierte Sorte an einem Gartenzaun
Fassadenbegrünung mit Efeu und Wildem Wein

Der Gemeine Efeu ist eine der gebräuchlichsten Pflanzen in der Gebäude- und Stadtbegrünung. Bei der Gebäudebegrünung werden darunter insbesondere traditionelle bodengebundene Begrünungen (Fassadenbegrünung) und zunehmend auch professionelle wandgebundene Begrünungssysteme („Vertikale Gärten“) verstanden. Bei der Stadtbegrünung sind neben klassischen Begrünungen von Gebäuden und Parks auch die von Bauwerken und Einrichtungen z. B. der Verkehrs-, Müllentsorgungs- und Entwässerungsinfrastuktur umfasst. In all diesen Einsatzfällen ist der Gemeine Efeu nahezu unverzichtbar für den Bewuchs absonniger Flächen.

Ein Efeubewuchs schützt die bewachsenen Flächen vor Regen und vor Spannungsrissen durch starke Temperaturschwankungen, und er wirkt wärmedämmend, luftreinigend und bei Hitze kühlend. Efeu benötigt auf nicht zu glattem Untergrund keine Rankhilfe, da er sich mit seinen Haftwurzeln am Mauerwerk verankert. Aus diesem Grund wird auch berichtet, dass er die Fassaden schädigen könne.[65] Voraussetzung für eine Schädigung sind bereits vorhandene Spalten und Risse im Mauerwerk, die durch das Dickenwachstum der eingedrungenen Haftwurzeln aufgesprengt werden können. Die Fassade muss das Gewicht der nicht verholzten Teile des Efeus tragen können. Fassaden mit beschädigtem Mauerwerk, vorgehängten Elementen und Wärmedämmverbünde gelten daher für die Bepflanzung mit Efeu als ungeeignet.[66][67]

Nutzung als Zimmerpflanze und in der Innenraumbegrünung

Zimmer-Efeu
Als Ampelpflanze

Insbesondere kleinblättrige und schwachwüchsige Sorten des Gemeinen Efeus werden auch als Zimmerpflanzen eingesetzt. Ein Zimmer-Efeu bevorzugt helle oder halbschattige Standorte ohne direkte Sonneneinstrahlung und möglichst abseits von Heizkörpern oder anderen Wärmequellen. Dauerhaft niedrige Luftfeuchtigkeit behagt ihm nicht und erhöht seine Anfälligkeit für Schädlingsbefall.[50][68]

In den 1980er-Jahren hat die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA untersuchen lassen, ob Pflanzen die Luft in Raumstationen von Luftschadstoffen reinigen können. Im Rahmen dieser „NASA Clean Air Study“ wurden unter vielen anderen Pflanzenarten auch entsprechende Fähigkeiten des Gemeinen Efeus untersucht und eine Reinigungswirkung für Benzol, Formaldehyd, Xylolen und Toluol festgestellt.[69] Die Studie gilt heute als umstritten und nicht auf normale Wohnräume übertragbar, wobei oft übersehen wird, dass die tatsächliche Luftreinigung nicht primär durch das Blattwerk der Pflanzen, sondern durch die Wurzeln und Mikroorganismen in den Substraten erfolgt. Inzwischen gibt es einige Folgestudien dazu.[70]

Medizinische Nutzung

Der Gemeine Efeu wurde im Hinblick auf seine historische und neuzeitliche medizinische Nutzung zur Arzneipflanze des Jahres 2010 gekürt.[71]

Historische medizinische Nutzung

Schon in der Antike und teilweise noch über die mittelalterliche Volksmedizin hinaus wurden Zubereitungen aus Blättern des Gemeinen Efeus innerlich u. a. bei Harn- und Nierensteinen, Leber-, Gallen- und Milzerkrankungen, Gicht, Rheuma und Skrofulose angewandt. Äußerlich kamen Dekokte oder frische Blätter – auch in Verbindung mit Wickeln bzw. Kompressen – bei Hauterkrankungen, Hühneraugen, Spinnenbissen, Cellulitis, Neuralgien, Venenleiden, übelriechender Nase und Ohrenschmerzen zur Anwendung. Diese Indikationen sind jedoch wissenschaftlich nicht belegt und werden heute medizinisch nicht empfohlen.[72][73][19]

Historisch wird auch von der empfängnisverhütenden und sogar abtreibenden Wirkung der Pflanze berichtet,[74] die wohl auf die toxische Wirkung zurückzuführen ist: „Alle frommen Frauen sollen sich hüten, von diesem Safte gekochte oder gebrannte Wasser zu sich zu nehmen.“[75] Auch das Efeuharz[76] (lateinisch gummi hederae) wurde als Arzneimittel verwendet.[77]

Heutige medizinische Nutzung

In der heutigen Medizin werden vom Gemeinen Efeu ausschließlich Blattextrakte verwendet, die mit den enthaltenen Saponinen vor allem schleimlösend (expektorierend) und bronchienentspannend (spasmolytisch) wirken und daher zur Behandlung von Katarrhen der Atemwege sowie zur symptomatischen Behandlung chronisch-entzündlicher Bronchialerkrankungen eingesetzt werden. Sie kommen insbesondere zur Anwendung bei produktivem Husten, wenn also zäher Schleim in den Bronchien festsitzt und das Abhusten erleichtert werden soll. Bei trockenem Reizhusten ohne Schleimbildung ist Efeu dagegen keine bevorzugte Heilpflanze, sondern es kommen reizlindernde oder hustenstillende Arzneipflanzen wie Eibisch, Isländisch Moos oder Spitzwegerich zur Anwendung.[19]

Efeuextrakte kommen heute ausschließlich als standardisierte Fertigarzneimittel mit definierten Trocken- oder Fluidextrakten aus Efeublättern zum Einsatz, da nur in dieser Form eine reproduzierbare Dosierung der wirksamen Saponine sichergestellt werden kann. Gebräuchliche Darreichungsformen sind Sirupe, Tropfen, Brausetabletten, lösliche Granulate oder Filmtabletten. Nicht selten werden auch Kombinationspräparate angeboten, die neben Extrakten von Efeublättern auch Auszüge anderer Heilpflanzen wie Thymian, Süßholz oder Schlüsselblume enthalten. Von selbst hergestellten Teezubereitungen aus Efeublättern wird heute dringend abgeraten, da die pflanzlichen Rohdrogen schlecht dosierbar sind und außerdem unerwünschte Nebenwirkungen (z. B. Magen-Darm-Beschwerden oder allergische Hautreaktionen) verursachen können.[19][78]

Die medizinische Anwendung von Extrakten aus Efeublättern (Hederae helicis folium) bei produktiven Hustenformen wird heute in Europa durch eine offizielle Monografie der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA gestützt. Auch die Kommission E und die European Scientific Cooperative on Phytotherapy ESCOP beurteilen solche Anwendungen positiv. Zur Wirkung standardisierter Extrakte liegen auch klinische Studien vor. Verschiedene Metastudien kommen insgesamt zu dem Schluss, dass Efeu-Extrakte Hustenbeschwerden mit eher moderatem Effekt reduzieren können, weisen jedoch auch auf heterogene Designs und teilweise eingeschränkte methodische Qualität der Studien hin.[79][80][19]

Historische Nutzung in der Viehhaltung

Der immergrüne Efeu wurde schon in der Jungsteinzeit als Laubheu gesammelt. Die stellenweise extrem hohen Pollenwerte in mehreren Schweizer Pfahlbausiedlungen können nur durch das Einbringen von Efeulaub zur Winterfütterung erklärt werden. Auch in Dänemark und angrenzenden Gebieten lässt sich die Laubwerbung mittels der Efeukurve der Pollendiagramme nachweisen. Die Laubheugewinnung von Efeu war noch in der Neuzeit eine Maßnahme bei Futtermangel und in Südeuropa selbst noch im 20. Jahrhundert anzutreffen.[81]

Zur Verträglichkeit von Efeu-Laubheu für große Nutztiere gibt es unterschiedliche Angaben: Laut der dendrologischen Online-Enzyklopädie „Trees and Shrubs Online“ wird das Laubheu von Pferden, Rindern und Schafen offenbar gerne und ohne negative Folgen gefressen.[61] Andere Quellen stufen es als giftig für Pferde ein[82] oder nennen nur Esel als efeutolerante Laubheu-Konsumenten.[20]

Nutzung als Waschmittel im Haushalt

Wegen der enthaltenen Saponine, die eine seifenähnliche Wirkung besitzen, kann Efeu ähnlich wie Seifenkraut als pflanzlicher Waschmittel-Ersatz verwendet werden.[83]

Nutzung des Holzes

Efeuholz im Museum von Toulouse

Das Holz des Gemeinen Efeus steht nur äußerst selten in Form dickerer Stämme zur Verfügung, sodass es für die Holzverarbeitung allein schon aus Verfügbarkeitsgründen nie eine nennenswerte Rolle gespielt hat. Es ist von cremig weißer, grünlich-gelber Farbe, mäßig hart, meistens drehwüchsig und bildet keinen Farbkern aus.[40] Es eignet sich u. a. zur Herstellung von Holzschnitten. Aus dem Holz hat man früher auch Klärbecher für die Weinbereitung hergestellt.

Laut Firmenhistorie eines deutschen Pharmaunternehmens soll in den 1940er-Jahren bei Recherchen zu neuen Keuchhusten-Therapien entdeckt worden sein, dass die Kinder in einem südfranzösischen Dorf auffällig selten unter Erkrankungen der Atemwege litten und als Gemeinsamkeit festgestellt worden sei, dass sie ihre Milch üblicherweise aus Trinkgefäßen aus Efeuholz tranken. Dies habe den Anstoß gegeben zu einer wissenschaftlichen Erforschung der medizinischen Wirkungen von Gemeinem Efeu bei katarrhalischen Atemwegserkrankungen.[79]

Kulturelle Bedeutung

Sehr alter Efeu an der Ruine des Tempelherrenhauses in Weimar (2004)

Im klassischen Altertum war der Efeu den Göttern des Weines geweiht. Sowohl der altägyptische Osiris als auch der griechische Dionysos und der römische Bacchus wurden mit Wein- und Efeulaub bekränzt dargestellt.

Die Griechen trugen bei festlichen Gelagen Efeukränze, weil die Blätter teils als bacchische Begeisterung weckend, teils als gehirnkühlend galten. Auch die Trinkbecher auf Festen zu Ehren des Gottes Bacchus wurden mit Efeu berankt.

Dionysosverehrer glaubten, reichliches Efeuvorkommen an einem Ort sei ein sicheres Zeichen für die Anwesenheit des Gottes. Dichter bekränzte man mit Efeu, weil der Efeu auch eine heilige Pflanze des Gottes Apoll und der Musen war. In der Antike ist er deshalb bereits in den Gärten angebaut worden, obwohl Plinius der Ältere in seinen Schriften behauptete, dass diese Pflanze Mauerwerk (als Hedera muraria[84]) und Bäumen (als Hedera arborea) schadete und sich unter ihren Blättern Schlangen heimisch fühlten. Bereits in der Antike kannte man Sorten, deren Blätter weiß oder gelb panaschiert waren.

Detaillierter Artikel  Friderike Klauner: Epheu. In: RDK Labor. Zentralinstitut für Kunstgeschichte, 1962;.

Symbolik

Da der Efeu nicht bestehen kann, ohne sich anzuschmiegen, ist er seit alters her Sinnbild für Freundschaft und Treue. Schon im Altertum war diese immergrüne Pflanze Sinnbild der Treue und des ewigen Lebens, im alten Griechenland erhielt ein Brautpaar einen Efeuzweig als Symbol immerwährender Treue.

Da Efeu den Göttern des Weines sowohl im alten Ägypten (Osiris) als auch in Griechenland (Dionysos) und in Rom (Bacchus) zugeordnet war, galt er auch als Symbol der Heiterkeit, der Geselligkeit und der Freundschaft.

Acht Universitäten an der Ostküste der Vereinigten Staaten bilden die sogenannte Ivy League (wörtlich: „Efeu-Liga“), die einige der weltbesten Universitäten umfasst (u. a. Harvard und Yale). Der Name rührt möglicherweise daher, dass viele dieser Hochschulen schon lange bestehen und efeubewachsene alte Gebäude haben. Außerdem war es an einigen dieser Universitäten Sitte, dass im Rahmen von akademischen Zeremonien Efeu gepflanzt wurde.[85][86]

In der Heraldik wird der Efeu als Wappenfigur verwendet (vgl. Efeu (Heraldik)).

Aberglauben und Brauchtum

In Westfalen brachten am dritten Fasten-Sonntag Mädchen den Nachbarn Efeukränze, die über dem Herd aufgehängt wurden, um so den Frühling ins Haus zu bringen.

Aus der Schweiz ist die Bauernregel überliefert, wonach aus dem Verhalten der Frucht des Efeus auf das Gedeihen der Weintrauben geschlossen werden kann: Entwickeln sich die „Träubchen“ der Pflanze gut, so gilt das auch für die Weintrauben des kommenden Jahres; fallen dagegen die „Beeren“ über den Winter ab, so deutet dies auf einen geringen Wein.[87]

Efeu in der Ornamentik

Als Orakelpflanze soll Efeu am 24. Februar (Namenstag Matthias) verwendet worden sein. Nachts tanzten die Mädchen bei Fackelschein und warfen die Efeu- und Strohkränze ins Wasser. Hinter ihrem Rücken mussten sie versuchen, einen Kranz zu fassen. Der Efeukranz bedeutete Glück in der Liebe, es sollte noch in demselben Jahr Hochzeit sein. Der Strohkranz zeigte dagegen Unglück an. Ebenso wurde mit Efeublättern in der Andreasnacht orakelt. Man warf zwei Efeublätter in eine Schale mit Wasser, so dass sie auf der Oberfläche schwammen. Waren die Blätter am nächsten Morgen zusammengetrieben, dann sollte es noch in diesem Jahr Hochzeit geben. Trieben sie getrennt voneinander, dann musste man noch länger warten.

Kunst

Als Hinweis auf treue Verbundenheit und ewiges Leben ist die besonders häufige Darstellung von Efeublättern auf frühchristlichen Sarkophagen und Katakomben-Fresken zu verstehen. Der Efeu bedeutet, dass die Seele lebt, wenn auch der Körper tot ist.

Heraldik

Siehe: Efeu (Heraldik)

Geschichte

Quellen

Historische Abbildungen

Literatur

Commons: Gemeiner Efeu (Hedera helix) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wikispecies: Gemeiner Efeu – Artenverzeichnis
Wiktionary: Efeu – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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