Illfurth

französische Gemeinde im Elsass From Wikipedia, the free encyclopedia

Illfurth [ilfyʁt] (deutsch Illfurt) ist eine französische Gemeinde mit 2445 Einwohnern (Stand 1. Januar 2023) im Département Haut-Rhin in der Region Grand Est (bis 2015 Elsass). Sie ist Sitz des Gemeindeverbandes Sundgau.

Schnelle Fakten
Illfurth
Illfurth (Frankreich)
Illfurth (Frankreich)
Staat Frankreich Frankreich
Region Grand Est
Département (Nr.) Haut-Rhin / Europäische Gebietskörperschaft Elsass (68)
Arrondissement Altkirch
Kanton Altkirch
Gemeindeverband Sundgau
Koordinaten 47° 40′ N,  16′ O
Höhe 255–391 m
Fläche 9,16 km²
Einwohner 2.445 (1. Januar 2023)
Bevölkerungsdichte 267 Einw./km²
Postleitzahl 68720
INSEE-Code

Mairie (Rathaus) Illfurth
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Geografie

Illfurth liegt zwischen Frœningen und Tagolsheim, zehn Kilometer südwestlich von Mülhausen und wird vom Rhein-Rhône-Kanal passiert. Die Largue fließt in Illfurth in die Ill.

Geschichte

Der Name Illfurth ist germanischen Ursprungs und bedeutet Furt in der Ill.[1]

Von besonderer vorgeschichtlicher Bedeutung sind Entdeckungen auf dem Britzgyberg, der bereits in der späten Jungsteinzeit besiedelt war. In der Hallstattzeit befand sich hier eine befestigte, von einem (nicht mehr vorhandenen) Graben umgebene und durch einen Wall gesicherte keltische Spornsiedlung, ein Oppidum. Funde belegen eine rege handwerkliche Tätigkeit und Handelsbeziehungen in den Mittelmeerraum. Auf der Gemarkung von Illfurth wurden Grundmauern von mehreren gallo-römischen Villen ausgegraben. Am Fuße des Britzgyberges entdeckte man ein großes merowingisches Gräberfeld mit über 300 Bestattungen.

Bis 1324 gehörte der Ort zur Grafschaft Pfirt und kam dann durch die Heirat der Johannna von Pfirt mit Herzog Albrecht II. von Österreich an Habsburg. Im Westfälischen Frieden 1648 ging der Ort mit dem ganzen elsässischen Besitz der Habsburger an die französische Krone. 1375 wurde der Ort von den „Wilden Engländern“, marodierenden – zur Zeit des Hundertjährigen Krieges zeitweise unbeschäftigten Söldnerbanden, heimgesucht. Im Dreißigjährigen Krieg plünderten sowohl die Kaiserlichen als auch die Schweden den Ort. Außerdem wütete die Pest.

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 gehörte Illfurth bis zum Versailler Vertrag 1918 zum Reichsland Elsass-Lothringen. Im Ersten Weltkrieg wurden die Einwohner des erhebliche Kriegsschäden erleidenden Dorfs 1916 evakuiert. Im Zweiten Weltkrieg erlebte der Ort die Naziherrschaft, von der er am 20. November 1944 durch auf Mülhausen vordringende Truppen der 1. französischen Armee unter General de Lattre de Tassigny befreit wurde. Dies geschah im Zuge der Offensive der Alliierten gegen den von den Deutschen noch immer hartnäckig verteidigten Brückenkopf Elsass (poche de Colmar).

Vom Ende des 18. bis ins frühe 19. Jahrhundert wurde bei Illfurth im tertiären Untergrund lagernde geringmächtige Braunkohlenflöze abgebaut. Der Bau des Rhein-Rhône-Kanals und die Eröffnung der Bahnlinie Mühlhausen-Altkirch-Belfort brachten dem Dorf Standortvorteile, die zur Industrialisierung des Orts beitrugen. Unter anderem entstand die große Ziegelei Schmerber in der Nähe des Kanals.

Bevölkerungsentwicklung

Jahr19621968197519821990199920072019
Einwohner15901671172116921828195522822473

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Die Ruinen des Oppidum auf dem Britzgyberg sind in das Zusatzverzeichnis der Monuments historiques (Denkmale) eingetragen.

Die Motte von Küppele steht zwischen Illfurth und Zillisheim. Sie wurde 1857 bei archäologischen Ausgrabungen entdeckt.[2]

Im Südwesten Illfurths steht die sogenannte Burnkirch. Das von einem Friedhof umgebene Gotteshaus aus dem 8. Jahrhundert war einst die Mutterkirche (Ecclesia matrix) für mehrere Dörfer. Der Kirchturm mit dem für den Sundgau typischen Satteldach. Die Wandmalereien aus dem 15. Jahrhundert stehen unter Denkmalschutz (kluge und törichte Jungfrauen im Chorbogen, Sankt Martin, Sankt Hieronymus, Apostel mit Credo-Spruchbändern, Grabmal des bei der Verteidigung Altkirchs 1347 getöteten Ritters Gottfried von Burnkirch).[3] Spätgotischer Sakramentsschrein. Spätestgotische Seitenaltäre aus der alten Dorfkirche. Auf dem Hochaltar ein Vesperbild (Pietà) um 1490.

Der mittelalterliche Kirchturm (ein ehemaliger Chorturm) der Sankt-Nikolaus-Kapelle, ab 1663 Pfarrkirche. Davor das Denkmal für Pfarrer Bochelen (1761–1798), der sich während der Revolutionszeit heimlich als Seelsorger im Sundgau betätigte und deshalb als Märtyrer der Französischen Revolution endete.

Die Mairie, ehemals Schulhaus, ein dreiflügliges Gebäude. Die von einem Dreiecksgiebel und einem Türmchen bekrönte Mitte der Hauptfassade hervorgehoben durch eine Werksteinverkleidung, einen Balkon auf markanten Konsolen und drei Arkaden im Erdgeschoss. Dessen Rundbogenfenster durch ein durchgehendes Kämpfergesims miteinander verbunden.

Die von 1968 bis 1970 errichtete Pfarrkirche St. Martin in Illfurth hat ein auffälliges Aussehen, für das die Architekten Pierre Ganton aus Lyon und Leo Schlegel aus Lutterbach stehen. Die Form der Kirche beschreibt eine Pyramide, wobei das Schieferdach fast bis auf den Boden heruntergezogen wurde. Der Pfarrhaus-Anbau im Nordosten wurde dabei mit in das Gesamtkonzept integriert.

Der deutsche Soldatenfriedhof in Illfurth wurde im April 1920 von den französischen Militärbehörden angelegt.[4] Auf ihm ruhen 1964 deutsche Gefallene des Ersten Weltkrieges, unter ihnen der am 2. August 1914 gefallene Kavallerieleutnant Albert Otto Mayer, einer der ersten Toten des Ersten Weltkrieges.[5]

Wirtschaft und Infrastruktur

Illfurth besitzt einen Bahnhof an der Bahnstrecke Paris–Mulhouse, an diesem halten Züge des TER Grand Est und TER Franche-Comté.

Haupterwerbszweige der Illfurthois sind Ackerbau, Obstbau und die Zucht von Hausrindern und Hausschweinen.[1]

Varia

Im 19. Jahrhundert (1864 bis 1869) sorgte der Fall zweier „besessener“ Knaben in Illfurth für eine Sensation. Die beiden Brüder zeigten ein auffälliges Verhalten beim Anblick religiöser Gegenstände, außerdem ereigneten sich in ihrer Gegenwart unerklärliche Erscheinungen und sie waren für ihr Alter ungewöhnlich kräftig und in unnatürlicher Weise gelenkig. Der Fall kam dem Bischof von Straßburg zur Kenntnis, der 1869 einen Exorzismus für angebracht hielt. Ein Bruder wurde im Kloster Schauenburg, der andere im Kinderheim Illfurth von den Dämonen befreit. Ein Denkmal erinnert an die erfolgreiche Austreibung der Dämonen.

Literatur

  • Le Patrimoine des Communes du Haut-Rhin. Flohic Editions, Band 1, Paris 1998, ISBN 2-84234-036-1, S. 64–66.

Einzelnachweise

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