Ilz (Steiermark)

Marktgemeinde im Bezirk Hartberg-Fürstenfeld, Steiermark From Wikipedia, the free encyclopedia

Ilz ist eine Marktgemeinde mit 3842 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2025) im Gerichtsbezirk Fürstenfeld bzw. politischen Bezirk Hartberg-Fürstenfeld in der Steiermark. Im Rahmen der steiermärkischen Gemeindestrukturreform ist sie seit 2015 mit der Gemeinde Nestelbach im Ilztal zusammengeschlossen,[2] die neue Gemeinde führt den Namen Ilz weiter. Grundlage dafür ist das Steiermärkische Gemeindestrukturreformgesetz – StGsrG.[3]

Schnelle Fakten Marktgemeinde, Wappen ...
Marktgemeinde
Ilz
WappenÖsterreichkarte
Wappen von Ilz
Ilz (Steiermark) (Österreich)
Ilz (Steiermark) (Österreich)
Basisdaten
Staat: Osterreich Österreich
Land: Steiermark Steiermark
Politischer Bezirk: Hartberg-Fürstenfeld
Kfz-Kennzeichen: HF (ab 1.7.2013; alt: FF)
Fläche: 39,26 km²
Koordinaten: 47° 5′ N, 15° 56′ O
Höhe: 300 m ü. A.
Einwohner: 3.842 (1. Jän. 2025)
Bevölkerungsdichte: 98 Einw. pro km²
Postleitzahlen: 8262, 8265
Vorwahlen: +43 3385
Gemeindekennziffer: 6 22 71
Adresse der Gemeinde-
verwaltung:
Ilz 58
8262 Ilz
Website: www.ilz.at
Politik
Bürgermeister: Stefan Wilhelm (ÖVP)
Gemeinderat: (Wahljahr: 2025[1])
(21 Mitglieder)
    
Insgesamt 21 Sitze
  • ÖVP: 10
  • Gemeindeliste Team Friedheim: 8
  • FPÖ: 2
  • GRÜNE: 1
Lage von Ilz im Bezirk Hartberg-Fürstenfeld
Lage der Gemeinde Ilz (Steiermark) im Bezirk Hartberg-Fürstenfeld (anklickbare Karte)BurgauEbersdorfFriedbergHartlIlzKaindorfLafnitzPöllauStubenberg
Lage der Gemeinde Ilz (Steiermark) im Bezirk Hartberg-Fürstenfeld (anklickbare Karte)
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Ilz, Hauptplatz mit MariensäulePfarrhof und Pfarrkirche im Hintergrund
Ilz, Hauptplatz mit Mariensäule
Pfarrhof und Pfarrkirche im Hintergrund
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria
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Geografie

Sie liegt am linken Ufer der Ilz, im einen Kilometer breiten, fruchtbaren Ilztal, 43 km östlich von Graz, 19 km östlich von Gleisdorf und 13 km westlich von Fürstenfeld.

Gemeindegliederung

Weitere Informationen Katastral­gemeinden, Fläche 31. Dezember 2023 ...
Katastral­gemeindenFläche
31. Dezember 2023[4]
OrtschaftenEinwohner
1. Jänner 2025[5]
Buchberg92,84 haBuchberg bei Ilz108
Dambach107,59 haDambach96
Dörfl223,72 haDörfl179
EichbergN249,99 haEichberg bei Hartmannsdorf77
HocheneggN426,25 haHochenegg331
Ilz214,85 haIlz1196
Kalsdorf281,99 haKalsdorf bei Ilz68
Kleegraben334,26 haKleegraben223
Leithen540,85 haLeithen74
MutzenfeldN185,01 haMutzenfeld52
NestelbachN496,26 haNestelbach im Ilztal612
NestelbergN84,69 haNestelberg143
Neudorf483,63 haNeudorf bei Ilz527
Reigersberg203,63 haReigersberg156
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N = ehemalige Gemeinde Nestelbach im Ilztal

Eingemeindungen

Mit 1. Jänner 1968 wurden die Gemeinden Buchberg bei Ilz, Ilz, Kalsdorf bei Ilz, Kleegraben, Mutzenfeld, Neudorf bei Ilz und Reigersberg zu Ilz zusammengelegt[6], mit gleichem Tag Eichberg bei Hartmannsdorf, Hochenegg und Nestelbach im Ilztal zu Nestelbach im Ilztal.[7]

Nachbargemeinden

Eine der sieben Nachbargemeinden liegt im Bezirk Südoststeiermark, drei im Bezirk Weiz.

Gersdorf an der Feistritz (WZ) Großsteinbach
Sinabelkirchen (WZ) Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt Großwilfersdorf
Markt Hartmannsdorf (WZ) Ottendorf an der Rittschein Riegersburg (SO)

Geschichte

Blick auf Ilz bei Sonnenuntergang

Der Name kommt vom Fluss Ilz. Dieser geht auf slawisch Ilъnica (‚Lehmbach‘) zurück.

Zum ersten Mal wurde Ilz in einer Gerichtsurkunde genannt, die Herbord von Fullnstein (Herbort von Füllenstein), Truchsess des Bischofs Bruno von Olmütz, am 14. Oktober 1265 zu Graz ausstellte. Darin wird ein Zeuge genannt: Dominus Wernherus de Ylnz, wahrscheinlich der Vikar des Ortes.

Die wirtschaftlichen Verhältnisse des Ortes wurden nun vom Hopfenanbau weitgehend bestimmt, der Ende des 18. Jahrhunderts von den Herrschaften Feistritz und Kalsdorf begonnen und später von Ilzer Bürgern aufgenommen worden ist. Weiters entwickelte sich daneben der Obstbau in dieser Gegend zu großer Bedeutung, der hier gezüchtete „Ilzer Weinler“ wurde eine der beliebtesten Apfelsorten.

In der Zwischenkriegszeit kam es 1930 in der Oststeiermark durch den Landbund zur Entstehung einer paramilitärischen Bauernwehr. Im Juni 1930 kamen 500 Teilnehmer zu einer Bauernwehr-Massenversammlung nach Ilz.[8]

Als am 25. Juli 1934 der der austrofaschistische Diktator Engelbert Dollfuß in Wien erschossen wurde, drangen gegen 22:00 Uhr mehrere bewaffnete Nationalsozialisten in den Gendarmerie Posten im Rathaus von Ilz ein, entwaffneten den allein anwesenden Inspektor Weber mit vorgehaltenen Schusswaffen und nahmen die dortigen vier Gewehre an sich, welche sie unter ihren Anhängern verteilten. Der später erschienene Inspektor Korp wurde ebenfalls von ihnen entwaffnet. Daraufhin besetzten sie das Postamt in Ilz. Um Mitternacht wurden 70 Heimatschutzmänner von Fürstenfeld mit Maschinengewehren nach Ilz geschickt und es entstand ein kurzes heftiges Feuergefecht im Ort, woraufhin sich die Nationalsozialisten zurückzogen. Zwei SA-Männer waren gestorben und ein Heimatschutzmann erlitt eine schwere Schussverletzung. Am 30. August 1934 standen vor dem Militärgericht in Graz der 23-jährige Besitzers Sohn und Jurist des 4. Semesters Anton Janisch aus Ilz, der 59-jährige Ausnehmer Alois Schiffer und der 47-jährige Besitzer und Zementwarenerzeuger Johann Zotter aus Dörfl, der 40-jährige Schlosser Johann Gradwohl aus Ilz, der 38-jährige Kleinbesitzer und Maurer Julius Zotter aus Dörfl, der 24-jähriqe Handelsschüler Hermann Kofler, der 38-jährige Wagnermeister Adolf Wiesenhofer, der 20-jährige Fleischergehilfe Franz Jeitler, der 23-jährige Fleischergehilfe Rudolf Ruster und der 51-jährige Besitzer Adolf Gradwohl, alle aus Ilz, und der 24-jährige Tischler Franz Eibl aus Neudorf. Nach dem beim Juliputsch 1934 gefallenen Nationalsozialisten Franz Saurer wurde die heutige Gleisdorfer Straße nach dem Anschluss 1938 in Franz Saurer Straße umbenannt. Der Hauptplatz von Ilz erhielt den Namen Adolf Hitler Platz.[9][10]

Nachdem Fürstenfeld am 15. April 1945 aufgegeben wurde, zogen sich die davonkommenden Volkssturmmänner nach Ilz zurück, wo sie sich in den Häusern einquartierten. Am Hauptplatz wurden drei ausgehungerte sowjetische Kriegsgefangene hingestellt, um die Bevölkerung propagandistisch zu beeinflussen und zur Verteidigung zu mobilisieren. In der Volksschule wurde ein Hauptverbandsplatz für die Verwundeten eingerichtet. 64 Soldaten erlagen ihren Verletzungen und wurden an der Nordseite der Kirche begraben. So entstand der heutige Soldatenfriedhof. Bis Kriegsende im Mai wechselte in der Oststeiermark mehrmals die Front. Am 8. Mai 1945 erfolgte die bedienungslose Kapitulation des Deutschen Reiches. Im Morgengrauen ergriffen die deutschen Kampftruppen die Flucht und sprengten zuvor noch die Ilzbrücke, in Kalsdorf die Feistritzbrücke sowie die Wehr der Schalk Mühle. Es begann das Verfolgungsfeuer der Roten Armee aus der Richtung Fürstenfeld und Feldbach. Im Ilztal schlugen ununterbrochen Granaten ein. Der Markt selbst wurde dabei wenig getroffen. Um 15:30 Uhr rückten die ersten russischen Soldaten in Ilz ein.[11]

Nachdem die erste Notzeit der Nachkriegsjahre überwunden war, konnte die Gemeinde darangehen, in zielstrebiger Planung dem Markt ein modernes Gesicht zu geben. Gleichzeitig wurde die Sanierung des Ortsbildes in Angriff genommen. Der 1947 begonnene Aufbau einer Hauptschule konnte schließlich als eines der wichtigsten Vorhaben der Gemeinde in den Jahren 1957 bis 1961 mit dem Bau der neuen Hauptschule abgeschlossen werden. Mittlerweile hat Ilz einen Kindergarten, eine Volks- und Hauptschule mit Nachmittagsbetreuung, eine Musikschule, sowie in Nestelbach einen Kindergarten, eine Volksschule und eine Nachmittagbetreuung (Stand Jänner 2026)

Räumlich hat sich Ilz seit 1945 vor allem nach Westen und Norden stark ausgedehnt: Gewerbe, Handel, Verkehr und Landwirtschaft sind wie eh und je die wirtschaftliche Basis des Ortes. Doch hat sich das Antlitz des Marktes in den vergangenen zwanzig Jahren wesentlich erneuert.

Bis 1964 wurde im Raum Ilz Braunkohle abgebaut. Seit dem Schuljahr 2012/13 wurde aus der Hauptschule Ilz eine Neue Mittelschule.

Die Marktgemeinde betrieb einmal ein Thermenprojekt („Steirertherme“), welches jedoch aus finanziellen Gründen eingestellt wurde.

Die Marktgemeinde Ilz von Süden

Bevölkerungsentwicklung

Ilz: Einwohnerzahlen von 1869 bis 2025
Jahr  Einwohner
1869
 
3.218
1880
 
3.264
1890
 
3.373
1900
 
3.350
1910
 
3.316
1923
 
3.278
1934
 
3.162
1939
 
3.163
1951
 
3.415
1961
 
3.241
1971
 
3.339
1981
 
3.445
1991
 
3.530
2001
 
3.760
2011
 
3.678
2021
 
3.729
2025
 
3.842
Quelle(n): Statistik Austria, Gebietsstand 1. Jänner 2021

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Schloss Feistritz
Schloss Kalsdorf
Pfarrkirche Ilz
Marienstatue auf der Mariensäule (1666)
  • Schloss Feistritz: Das Schloss liegt nördlich von Ilz an der Feistritz. Der Wohnturm wurde um 1200 errichtet. Das Schloss war in den 1980er Jahren stark vom Verfall bedroht. Seit 1984 wird das Schloss von den jetzigen Besitzern saniert und adaptiert.
  • Schloss Kalsdorf östlich des Ortes.
  • Katholische Pfarrkirche Ilz hl. Jakobus der Ältere: Die alte Kirche aus dem 12. oder 13. Jahrhundert wurde in den Jahren 1653 bis 1671 wegen Baufälligkeit durch einen Neubau ersetzt. Ab 1910 wurde diese nach Plänen von Johann Baltl (Grazer Stadtbaumeister) vollständig umgebaut und erweitert. Die Kirche ist 41 m lang, das Kirchenschiff 14 m breit. Der Priesterchor besteht noch aus alter Bausubstanz (1671). 1919/20 wurde die Kirche neu ausgemalt, entworfen von Schulrat Ludwig von Kurz zum Thurn und Goldenstein, ausgeführt von den Brüdern Johann, Alexander und Anton Walter aus Ilz. Jeweils 1928 und 2004 bekam die Kirche eine neue Orgel. 1992 fand eine Innenrenovierung der Kirche statt, die dabei durchgeführte Neugestaltung des Altarraumes plante das Architektenbüro Hermann Eisenköck aus Graz. Im Jahr 2010 erhielt die Pfarrkirche neue Glocken, die am 19. September 2010 durch Diözesanbischof Egon Kapellari eingeweiht wurden.
  • Das Heimatmuseum Ilz war ein Schulprojekt (1982) verbunden mit einer Ausstellung. Diese gab den Anstoß zur Errichtung des Heimatmuseums Ilz. Nach dem Prinzip des „Von-unten-Wachsens“ wurde ohne Verein, aber durch Mithilfe des gesamten Ortes und der Gemeinde das Wirtschaftsgebäude hinter dem Rathaus saniert, ein Schaustollen durch die örtliche Knappschaft angelegt und ein Museum eingerichtet, das 1991 eröffnet wurde. Mit dem inhaltlichen Schwerpunkt der geschichtlichen und kulturellen Entwicklung des Marktes Ilz und seiner Umgebung ist die selbst definierte Aufgabe verbunden, vor allem auch ein Museum für die eigene Bevölkerung zu sein. Ergänzt wird das Museum durch die Ilzer Museumsgalerie, die in zwei Räumen des Rathauses regelmäßig Sonderausstellungen zeigt und ihren Beitrag zum Ilzer Kulturleben liefert.

Veranstaltungen

  • Für Wanderer bietet Ilz den „Ilzer-Rosenapfelwanderweg“.
  • Im September findet das alljährliche Marktgemeindefest statt, bei dem es auch einen Ilzer Marktlauf gibt.
  • Seit Dezember 1983 zeigt das „Theater in Ilz“, eine aus der Landjugend hervorgegangene Laientheatergruppe rund um deren Initiator Johann Prenner, zum jeweiligen Jahresende anspruchsvolle Komödien, Boulevard und Theater-Klassiker. Dabei kamen u. a. Stücke von Johann Nestroy, Ferdinand Raimund oder Ephraim Kishon zur Aufführung. Auch die Klassiker Der Meisterboxer oder Der Raub der Sabinerinnen, Boeing-Boeing oder Neil Simons Barfuß im Park fanden sich auf dem Spielplan. Fallweise gab es auch begeisterten Zuspruch bei Sommer-Theater-Aufführungen von Der kleine Prinz oder Der Weibsteufel.[12]

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Ilz liegt an der Südautobahn (Ausfahrt 138) sowie an der Gleisdorfer Straße B 65 und ist Ausgangspunkt der Gleichenberger Straße B 66. Die Expressbuslinien X40 und X41 binden Ilz werktags im 30-Minuten-Takt an die Landeshauptstadt Graz sowie Fürstenfeld an. Abends und an Wochenenden tut die Linie 470 selbiges im Stundentakt.

Ansässige Unternehmen

Magna Powertrain hat in Ilz ein Montagewerk für Achskomponenten. Das Werk wurde 2000/01 errichtet.[13] 2009 hatte das Werk rund 450 Mitarbeiter.[14]

Politik

Gemeindeamt und Heimatmuseum Ilz

Gemeinderat

Seit den Gemeinderatswahlen 2025 setzt sich der Gemeinderat wie folgt zusammen: 10 ÖVP, 8 Gemeindeliste Friedheim, 2 FPÖ und 1 Grüne.[15]

Bürgermeister

  • von bis Willibald Schmidt (ÖVP)[16]
  • von bis Hannes Fürndratt (ÖVP)
  • 2014–2023 Rupert Fleischhacker (ÖVP)[17]
  • Seit 2023 Stefan Wilhelm (ÖVP)

Wappen

Beide Vorgängergemeinden hatten ein Gemeindewappen. Wegen der Gemeindezusammenlegung verloren diese mit 1. Jänner 2015 ihre offizielle Gültigkeit.

Das Gemeindewappen für Ilz wurde 1982 von der Steiermärkischen Landesregierung verliehen. Die Wiederverleihung erfolgte mit Wirkung vom 18. September 2015.[18]
Die neue Blasonierung lautet:

„In rotem Schild ein blauer, silbern eingefasster Schrägrechtswellenbalken, mittig überspannt von einer silbern gemauerten zweijochigen Brücke sowie oben und unten von je einer silbernen heraldischen Rose begleitet.“

Gemeindepartnerschaften

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

Söhne und Töchter der Marktgemeinde

Mit Ilz verbundene Persönlichkeiten

Literatur

  • Karl Mayr: Ilz. Ein Heimatbuch. Ilz 1965
Commons: Ilz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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