Jacob van Loo
niederländischer Historien-, Genre- und Porträtmaler
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Jacob van Loo (* 1614 in Sluis, Zeeland; † 27. November 1670 in Paris) war ein niederländischer Historien-, Genre- und Porträtmaler des Goldenen Zeitalters sowie der Begründer der Malerdynastie Van Loo.[1]

Leben
Jacob van Loo wurde 1614 in Sluis in Flandern geboren. Sein Vater Jacques war in Sluis und Middelburg als Notar tätig und soll nach überlieferten Angaben auch als Amateurmaler tätig gewesen sein. Jacob gilt daher als das eigentliche Oberhaupt der Malerdynastie Van Loo. Über Jacob van Loos künstlerische Ausbildung ist nichts Gesichertes bekannt. Als frühe Einflüsse werden Jacob Adriaensz. Backer und Thomas de Keyser genannt. Ein Dokument aus dem Jahr 1635 belegt einen frühen Aufenthalt in Amsterdam: Der Kunsthändler Marten Kretser, ein Bekannter Rembrandts, bestellte zehn Gemälde bei Jacob van Loo. Um 1640 trat Eglon van der Neer als Lehrling in van Loos Werkstatt ein und blieb dort etwa ein Jahrzehnt. Im Jahr 1642 heiratete van Loo in Amsterdam Anna Lengele, die Tochter eines Notars aus Den Haag und Schwester des Porträtisten Martinus Lengele. Durch diese Heirat wurde er mit der angesehenen Malerfamilie Mijtens verschwägert. Anna Lengele war selbst als Malerin tätig. Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor, darunter die Maler Louis-Abraham van Loo und Jean van Loo.[1][2]

Als Mitglied des weiteren Kreises um Rembrandt erlangte Jacob van Loo rasch Ansehen in Amsterdam. Am 24. Januar 1652 erwarb er das Bürgerrecht der Stadt – wohl in der Hoffnung, an der Ausschmückung des neu errichteten Amsterdamer Rathauses beteiligt zu werden. Im Jahr 1654 zählte der Dichter Jan Vos Jacob van Loo in seinem Gedicht Zeege der Schilderkunst neben Rembrandt und Bartholomeus van der Helst zu den bedeutendsten Malern Amsterdams. Im selben Jahr schuf er sein großes Werk Diana und ihre Nymphen. 1658 erhielt er zwei wichtige Aufträge in Haarlem, darunter die Regenten und Regentinnen des dortigen Armenhauses, die sich heute im Frans Hals Museum befinden.[1]
Ende 1660 floh Jacob van Loo überstürzt aus Amsterdam, da er in einer Schlägerei in einem Gasthaus den Weinhändler Hendrick Breda tödlich verletzt hatte. Am 7. Juli 1661 wurde er in Abwesenheit zum Tode verurteilt, wodurch ihm eine Rückkehr in die Niederlande dauerhaft verwehrt wurde.[2] In Paris gelang es ihm, dank seiner Kontakte zur niederländischen Botschaft – darunter Christiaan Huygens, Christiaan Constantijn Rompf und Konrad van Beuningen – ein Leumundszeugnis zu erlangen und wichtige Aufträge zu erhalten. Bereits am 26. September 1661 wurde er als Agrégé an der Académie Royale de Peinture et de Sculpture aufgenommen und am 6. Januar 1663 förmlich als Mitglied aufgenommen. Dafür hatte er ein Porträt des Malers Michel Corneille le père eingereicht, das sich heute im Louvre befindet. Im Jahr 1667 wurden Jacob van Loo und seine Familie französische Staatsbürger. Er starb am 27. November 1670 in Paris und wurde auf dem protestantischen Friedhof nahe der Abtei Saint-Germain-des-Prés beigesetzt.[1][2]
Werk
Jacob van Loo war ein vielseitiger Maler, der im Stil Jacob Adriaensz. Backers häusliche Szenen, Konzertstücke, mythologische Kompositionen, Porträts sowie Historien- und Religionsbilder schuf. Besonders bekannt war er für seine Aktdarstellungen, vor allem weibliche Akte, die zu seinen Lebzeiten mitunter höher geschätzt wurden als vergleichbare Arbeiten seines Amsterdamer Zeitgenossen Rembrandt. Im Unterschied zu diesem zeichnete van Loo Akte auf blauem Papier.[1]
Neben Gerbrand van den Eeckhout gilt Jacob van Loo als einer der Begründer des Konversationsstücks, jener intimen Gruppenszene, die gesellige Begegnungen in bürgerlichem oder höfischem Umfeld darstellt. Seine Gruppenporträts und Kompositionen zeichnen sich durch die Wiedergabe von Samt- und Seidenstoffen in Primärfarben wie Goldgelb, Rot und Blau aus, die mit Vegetation oder warm erleuchteten Interieurs kontrastieren. In der Forschung wird ein stilistischer Einfluss auf das Frühwerk Jan Vermeers diskutiert; verglichen wird insbesondere Vermeers Diana und ihre Gefährtinnen mit van Loos 1648 entstandener Fassung desselben Themas. In seiner Pariser Schaffensphase näherte sich sein Stil jenem von Gerard ter Borch und Nicolaes Maes an. Über seinen Sohn Louis-Abraham blieb die Malerdynastie bis ins 19. Jahrhundert lebendig; die Enkel Jean-Baptiste van Loo und Charles-André van Loo zählten zu den bedeutendsten französischen Malern des 18. Jahrhunderts.[1]
Werke Jacob van Loos befinden sich in zahlreichen bedeutenden Sammlungen, darunter im Rijksmuseum Amsterdam, im Amsterdams Historisch Museum, in der Gemäldegalerie Berlin, im Mauritshuis Den Haag, im Frans Hals Museum Haarlem, in der Gemäldegalerie Alte Meister Dresden, im Louvre Paris, in der Ermitage St. Petersburg, im Museo Thyssen-Bornemisza Madrid, in der Galerie Doria Pamphilj Rom sowie im Museo Pałac w Wilanowie in Warschau.[1]
Werke (Auswahl)
- Porträt der Familie Meebeeck Crywagen an der Pforte ihres Landhauses am Uitweg bei Amsterdam, um 1640–1645. Amsterdam Museum
- Diana und ihre Nymphen, 1648. Gemäldegalerie Berlin
- Diana und ihre Nymphen, 1654. Statens Museum for Kunst, Kopenhagen
- Danaë, zwischen 1655 und 1660. Kremer Collection
- Danaë, 1650. Ex-Sotheby's
- Junge Frau beim Zubettgehen, um 1650. Musée des Beaux-Arts, Lyon
- Liebespaar, 1650er Jahre. Rijksmuseum Amsterdam
- Bacchische Szene, 1653. Rijksmuseum Amsterdam
- Porträt eines kleinen Mädchens mit einem Hund zu ihren Füßen, um 1650–1655. Privatsammlung
- Melancholie, nach 1660. Musée Thomas Henry, Cherbourg-en-Cotentin
- Portrait du peintre Michel Corneille le père (1601–1664) – Jacob van Loos Aufnahmestück für die Académie royale de peinture, um 1662.
- Ein Konzert, 1652. Eremitage, St. Petersburg
Literatur
- David Mandrella: Jacob van Loo 1614–1670. Arthena, Paris 2011.
- Jennifer Noorman: Art, Honor and Success: The Career of Jacob van Loo. Amsterdam University Press, Amsterdam 2020.
- Jennifer Noorman: The unconventional career of Jacob van Loo. Dissertation, New York University, New York 2013.
- Jennifer Noorman: Jacob van Loo. In: Nederlands Kunsthistorisch Jaarboek. 63, 2014, S. 302–323.
- Loo, Jacob van. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 23: Leitenstorfer–Mander. E. A. Seemann, Leipzig 1929.
- Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. Herausgegeben von De Gruyter, Verlag De Gruyter, 2009.
- Catherine Rolland (Hrsg.): Autour des Van Loo: peinture, commerce des tissus et espionnage en Europe (1250–1830). Publications des Universités de Rouen et du Havre, Mont-Saint-Aignan 2012.