Jochsberg, Ortsansicht mit der historischen Altmühlbrücke im VordergrundJochsbergs mittelalterliche KircheSeckendorff-Grabsteine an der KircheEhemalige, zum Schloss Jochsberg gehörende Brauerei
Geografie
Das Pfarrdorf liegt an der Altmühl. 0,5 km westlich liegt das Waldgebiet Weidlach, 1km nordöstlich das Seeholz, 1km östlich das Flurgebiet Himmelreich. Die Kreisstraße AN3 führt nach Leutershausen zur Staatsstraße 2245 (1,7km südöstlich) bzw. wird als Gemeindeverbindungsstraße fortgeführt bis nach Buch am Wald (4km westlich). Von dieser Verbindung zweigt eine Gemeindeverbindungsstraße nach Zweiflingen ab (0,7km nördlich), das auch über einen landwirtschaftlichen Verkehrsweg erreicht werden kann (1km nordwestlich). Eine weitere Gemeindeverbindungsstraße führt über die Untreumühle zur Staatsstraße2249 (0,5km südlich).[5]
Geschichte
Der Ort wurde im Achtbuch des Landgerichtes Rothenburg 1274 als „Jochesperc“ erstmals urkundlich erwähnt, womit eine bereits bestehende Burg gemeint war, die zu diesem Zeitpunkt einem Gerboto gehörte. Der Ortsname leitet sich wahrscheinlich nicht von dem Personennamen Jochen ab, sondern ist eine Beschreibung der Absenkung zwischen zwei Höhenzügen.[6]
Nach 1653 ließen sich dort gut 30 protestantische Glaubensflüchtlinge aus Österreich nieder und halfen beim Wiederaufbau des durch den Dreißigjährigen Krieg verwüsteten Ortes mit.[8] Im 16-Punkte-Bericht von 1681 wurden wieder sieben Mannschaften verzeichnet, außerdem die Kirche, das Schloss, eine Mühle und ein Bräuhaus. Die Kirche musste noch von der Auerbacher Pfarrei versorgt werden. Schlossherrin war Christine von Baden-Durlach, die Herzogin zu Gotha.[9] Ein Jahr später wurde das Rittergut Jochsberg in das brandenburg-ansbachische Vogtamt Jochsberg umgewandelt.[10]
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bildete Jochsberg mit der Wolfs- und der Untreumühle eine Realgemeinde bestehend aus 33 Anwesen (2 Halbhöfe, 10 Köblergüter, 15 Söldengütlein, 1 Söldengütlein mit Backrecht, 1 Söldengütlein mit Schmiede, 2 Mühlen, 2 Leerhäuser). Das Hochgericht übte weiterhin das Stadtvogteiamt Leutershausen aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft und Grundherrschaft über alle Anwesen hatte das Vogtamt Jochsberg. Neben den Anwesen gab es das Schloss, eine Synagoge, die Pfarrkirche und Pfarrhaus und kommunale Gebäude (Schulhaus, Hirtenhaus, Schafhirtenhaus).[11][12] Von 1792 bis 1806 war das Fürstentum Ansbach, und damit auch Jochsberg, unter preußischer Verwaltung. Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justizamt Leutershausen und Kammeramt Colmberg.[13]
1799 wurden französische Glaubensflüchtlinge in das Schloss einquartiert, die dort eine Baumwollmanufaktur einrichteten. Nach deren Rückkehr im Jahr 1807 wurde das mittlerweile baufällig gewordene Schloss abgetragen. Jochsberg war zu dieser Zeit wegen seines „guten und gesunden Biers“ bekannt.[14]
Brauhausweg 1: ehemals zum Schloss gehörend; zweigeschossiger Bau des 18. Jahrhunderts mit Walmdach und Portal mit Wappen
Brauhausweg 2: zweigeschossiger Bau des 18. Jahrhunderts mit Walmdach und Fachwerkobergeschossen
Brauhausweg 5: ehemals zum Schloss gehörende Brauerei; 1898 erneuerte Scheune mit Krüppelwalm und Schleppgauben sowie Wappenstein v. Seckendorf bezeichnet 1508. Stall und Speicher mit Ladebaum und Schöpfwalm, 18. Jahrhundert
Burgweg 3: tonnengewölbter Schlosskeller, am Eingang bezeichnet „1315“; darüber in Fachwerkscheune aufgehendes Schlossmauerwerk erhalten
Dorfplatz 2: Ehemaliges Gasthaus mit angebauter Scheune
Bereits Anfang des 14. Jahrhunderts hatte das Schloss Jochsberg eine Burgkapelle. 1459 ließ Friedrich von Seckendorff zu Renhofen ein Bethaus errichten, 1527 wurde die St.-Mauritius-Kirche fertiggestellt. Ein Jahr später hatte die Pfarrei ihren ersten evangelischen Geistlichen und war von da an protestantisch.
Im 17. und 18. Jahrhundert entstand eine kleine jüdische Gemeinde mit eigener Synagoge. Um 1840 waren rund ein Viertel (68 von 248) der Einwohner jüdischen Glaubens,[22] 1925 waren es nur noch 2 Einwohner.[33] Bis zum Zweiten Weltkrieg gab es nur vereinzelt Katholiken. Diese waren ursprünglich in die Kreuzerhöhungskirche (Schillingsfürst) gepfarrt,[16] mit dem Zuzug von Heimatvertriebenen katholischen Glaubens wurde Maria Königin des Friedens in Leutershausen errichtet, die eine Filialkirche von Schillingsfürst ist.
Vereine
In Jochsberg gibt es folgende Vereine:
Freiwillige Feuerwehr Jochsberg Feuerwehrfest "125 Jahre freiwillige Feuerwehr Jochsberg"Die freiwillige Feuerwehr Jochsberg hatte im Jahr 2018 ihr 125. Jubiläum und feierte zu diesem Anlass ein Feuerwehrfest, bei dem unter anderem die freiwilligen Feuerwehren aus den Nachbargemeinden eingeladen waren. In Jochsberg ist die freiwillige Feuerwehr ein wichtiger Kulturträger und trägt zu Erhalt der Folklore in Mittelfranken bei.
Manfred Jehle:Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach (=Historischer Atlas von Bayern, Teil Franken. I, 35). Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 2009, ISBN 978-3-7696-6856-8.
Eberhard Krauß:Exulanten im Evang.-Luth. Dekanat Leutershausen im 17. Jahrhundert. Eine familiengeschichtliche Untersuchung (=Quellen und Forschungen zur fränkischen Familiengeschichte. Band15). Gesellschaft für Familienforschung in Franken, Nürnberg 2006, ISBN 3-929865-10-6, S.51f.u.passim.
Konrad Rosenhauer u. a. (Hrsg.):Der Landkreis Ansbach. Vergangenheit und Gegenwart. Verlag für Behörden und Wirtschaft Hoeppner, Aßling-Pörsdorf 1964, DNB450093387, OCLC17146040, S.158–159.
Hermann Schreiber:Leutershausen. Leutershausen 1975, ISBN 3-922175-02-3, S.368–378.
Gottfried Stieber:Jochsberg. In: Historische und topographische Nachricht von dem Fürstenthum Brandenburg-Onolzbach. Johann Jacob Enderes, Schwabach 1761, OCLC231049377, S.517–519 (Digitalisat).
Karl Ernst Stimpfig: Die Juden in Leutershausen, Jochsberg, Colmberg und Wiedersbach. Leutershausen 2000.
Staatsarchiv Nürnberg, 16-Punkte-Berichte 21/1, 7v. Zitiert nach M.Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd.2, S.714.
Staatsarchiv Nürnberg, 16-Punkte-Berichte 22, 64. Zitiert nach M.Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd.2, S.721.
M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd.1, S.643.
M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd.2, S.872.
Johann Bernhard Fischer:Jochsberg. In: Statistische und topographische Beschreibung des Burggraftums Nürnberg, unterhalb des Gebürgs, oder des Fürstentums Brandenburg-Anspach. Zweyter Theil. Enthaltend den ökonomischen, statistischen und sittlichen Zustand dieser Lande nach den funfzehen Oberämtern. Benedict Friedrich Haueisen, Ansbach 1790, OCLC159872968, S.105 (Digitalisat). (= J.K.Bundschuh, Bd.3, Sp.23). Hiernach soll es nur 26 Untertansfamilien gegeben haben.
M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd.2, S.997.
H. Schreiber: Leutershausen, S. 370. J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, Bd.3, Sp.23f.: „Jochsberg, evangelisch-lutherisches Pfarrdorf an der Altmühl mit 26 in das Ansbachische Amt Colmberg gehörigen Unterthanen, mit einem Schlosse aus 2 Flügeln und einem Quergebäude. In dem einen wohnte sonst der Oberamtmann, [Sp.24] in dem andern der Beamte. Der Graben des Schlosses ist ausgefüllt und zu nutzbaren Gärten und Wiesen neuerer Zeit umgeschaffen worden. Der Ort ist des guten und gesunden Biers wegen bekannt, das hier gebraut wird. 1798 wurde in dem Schlosse eine Baumwollenzeugmanufaktur errichtet. Von 1339 bis 1631 besaß der Ort die Familie von Seckendorf; als aber Johann Joachim von Seckendorf ohne männliche Leibeserben starb, fiel es Ansbach als ein eröffnetes Lehen heim.“
Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3863: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Leutershausen 1810. Zitiert nach M.Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd.2, S.964.