Karin Stephen
britische Psychoanalytikerin
From Wikipedia, the free encyclopedia
Karin Stephen, geboren als Catherine Elizabeth Costelloe (* 10. März 1889 in Westminster, London; † 12. Dezember 1953 in Marylebone, London), war eine englisch-britische Psychiaterin und Psychoanalytikerin.[1]


Leben
Stephen war eine der beiden Töchter der Kunsthistorikerin Mary Costelloe (geborene Mary Whitall Smith, besser bekannt als Mary Berenson; 1864–1945), einer Quäkerin aus Philadelphia, und Benjamin Francis Conn Costelloe (1855–1899), einem nordirischer Konvertit zum Katholizismus.[2] Die Beziehung ihrer Eltern war schwierig, und ihre Mutter verließ ihren Ehemann, als Stephen und ihre Schwester Rachel, bekannt als Ray Strachey, noch sehr jung waren. Ihr Vater starb 1899, so dass die Schwestern anschließend von ihrer Großmutter betreut wurden. Während ihrer Zeit in einem Internat erhielt sie ein Stipendium für das Newnham College, Cambridge.
Stephen begann 1907 ihr Studium am Newnham College, verließ es jedoch nach einem Jahr aufgrund verschiedener persönlicher und gesundheitlicher Probleme. Anschließend verbrachte sie ein Jahr am Bryn Mawr College, Pennsylvania, wo sie begann, Philosophie und Psychologie zu studieren. 1909 kehrte sie ans Newnham College zurück und erhielt 1910 einen Abschluss erster Klasse in Moral Sciences. 1914 wurde sie Fellow des Newnham College.[3]
1913 starteten Stephen, Maud Crofts, Lucy Nettlefold und Gwyneth Bebb einen Rechtsprozess mit dem Antrag, dass die Law Society of England and Wales verpflichtet werde, Frauen zu ihren Prüfungen zuzulassen. Das Verfahren Bebb v. The Law Society war in der Erstinstanz und in der Berufung vor dem Court of Appeal erfolglos, nur Crofts wurde schließlich die erste Frau, die 1919 erst Rechtsreferendarin (Articled Clerk) und 1923 dann die erste weibliche Solicitor wurde.[4][5]
1914 heiratete sie Adrian Stephen, den Bruder von Virginia Woolf und Vanessa Bell. Sie hatten zwei Kinder, Ann Davies (1916–1997) und Judith (1918–1972). Das Ehepaar verbrachte den Krieg als Kriegsdienstverweigerer mit der Arbeit auf einem Milchviehbetrieb. Sie entwickelten ein Interesse an der Arbeit Sigmund Freuds, und nach dem Krieg bildeten sich beide zu Ärzten aus, um Psychoanalyse zu praktizieren. Sie begaben sich in Analyse bei James Glover; nach dessen Tod 1926 setzte Stephen die Analyse bei Sylvia Payne fort. Beide qualifizierten sich 1927, und sie arbeitete in einem psychiatrischen Krankenhaus. 1927 wurde Stephen als assoziiertes Mitglied in die British Psychoanalytical Society aufgenommen; 1931 wurde sie Vollmitglied.[6]
Stephen eröffnete eine Privatpraxis als Psychoanalytikerin. Sie hielt den ersten Vorlesungszyklus zur Psychoanalyse, der je an der Universität Cambridge angeboten wurde; der sechsteilige Kurs wurde über mehrere Jahre hinweg wiederholt und bildete die Grundlage ihres medizinischen Lehrbuchs Psychoanalysis and Medicine.[7] Sie entwickelte eine Hörschädigung und litt an manisch‑depressiver Erkrankung. Nach dem Tod ihres Ehemannes 1948 verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand, und sie starb 1953 durch Suizid nach Einnahme einer Überdosis von Barbituraten.[6][8]
Leonard Sidney Woolf betrachtete Stephen als Teil der Bloomsbury Group.[9]
Ihre Veröffentlichungen und ihr Nachlass werden in den Archiven der British Psychoanalytical Society aufbewahrt.[10]