Lucy Nettlefold

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Lucy Frances Nettlefold, auch Nancy Nettlefold (* 15. Juni 1891 in London; † 30. März 1966 in Kapstadt, Südafrika), war eine englisch-britische Juristin, Beamtin (Civil Service), Unternehmensleiterin und Kommunalpolitikerin. Sie war eine von vier Frauen, die in den 1910er Jahren versuchten, sich den Zugang zu den juristischen Berufen zu erklagen.[1]

Lucy Nettlefold, 1918

Leben

Nettlefold war die Tochter von Emily Josephine, geborene Buckingham (1864–1941), und Oswald Nettlefold (1865–1924), einem Großhändler für Eisenwaren. Sie besuchte das Newnham College und war die erste Frau, die in beiden Teilen des doppelten juristischen Tripos der Universität Cambridge den ersten Platz belegte. Die Universität Cambridge gestattete Frauen zwar das Ablegen der Prüfungen, verlieh ihnen jedoch über viele Jahrzehnte hinweg keine Abschlüsse. Sie wurde inoffiziell als Referendarin (articled clerk) bei einer Kanzlei des Lincoln’s Inn ausgebildet, bevor sie dem National Service for Women beitrat.[1]

1913 starteten Nettlefold, Maud Crofts, Karin Costelloe und Gwyneth Bebb einen Rechtsprozess mit dem Antrag, dass die Law Society of England and Wales verpflichtet werde, Frauen zu ihren Prüfungen zuzulassen.[2][3]

Bebb wurde die benannte Partei für Bebb v. The Law Society. Der Fall wurde von Stanley Buckmaster und Robert Wright geführt. Der Musterfall wurde im Juli 1913 in der Chancery Division vor einem feindlich eingestellten Richter, Justice Joyce, verhandelt. Der Solicitors Act 1843 enthielt den Satz: „Every Word importing the Masculine Gender only shall extend and be applied to a Female as well as a Male“. Der Richter entschied, dass für Frauen keine Präzedenz existiere und er daher keinen Präzedenzfall schaffen könne, da dies Aufgabe der Regierung sei.[1] Die Entscheidung wurde im Dezember 1913 erfolglos vor dem Court of Appeal angefochten; die Verhandlung wurde vom Master of the Rolls Lord Cozens-Hardy, Lord Justice Swinfen Eady und Lord Justice Phillimore geführt.[4]

Die vier Frauen setzten die Durchsetzung ihres Anliegens mithilfe der Presse fort. Die britische Presse war überwiegend dafür, und der Fall unterstützte die Kampagne für die Zulassung von Frauen zur juristischen Profession. Der Sex Disqualification (Removal) Act 1919 erlaubte Frauen schließlich, Juristinnen zu werden.[5] Aber nur Crofts war schließlich die erste Frau, die 1919 erst Rechtsreferendarin (Articled Clerk) und 1923 dann die erste weibliche Solicitor wurde.[2][3]

Am Ende des Ersten Weltkriegs war Deputy Assistant Secretary im Ministry of Food, zu diesem Zeitpunkt der höchste jemals von einer Frau bekleidete Posten im britischen Staatsdienst. Da der Vater erkrankte und der Bruder noch im Kriegsdienst war, wechselte Nettlefold in das Familienunternehmen und wurde Direktorin von Nettlefold & Sons; 1924 wurden sie und ihr Bruder gemeinsame geschäftsführende Direktoren und übten diese Funktion bis 1945 aus.[6]

1939, als der Krieg ausbrach, wurden Frauen für die Leitung des reformierten Women’s Royal Naval Service (Wrens) gesucht. Es gab kein festes Personal und zunächst nur freiwillige Helferinnen, doch sollten 1.500 neue Mitglieder rekrutiert werden. Das Auswahlgremium bestand aus der Wrens‑Direktorin Vera Laughton Mathews, ihrer Stellvertreterin Ethel Goodenough, Myra Curtis und Nettlefold, die ausgewählt wurde, weil sie gemeinsam mit Mathews an der Universität gewesen war.[7]

Nettlefold vernachlässigte engagierte sich während ihrer Jahre in der Wirtschaft und danach für die Interessen von Frauen und deren akademischen Aufstieg. Ihre Direktorinnenfunktion hatte ihr Ansehen in einer Männerdomäne verschafft, und als Mitglied und später Präsidentin der British Federation of University Women nutzte sie dieses, um Frauen gezielt zu fördern. Als Präsidentin wirkte sie in mehreren mit, die sich mit Fragen der Frauenbildung und ‑gesundheit befassten: So war sie zwischen 1932 und 1960 University Representative des reinen Frauencolleges, Bedford College, und zwischen 1935 und 1951 Mitglied des College Finance Committee. Bereits 1931 war sie dem Verwaltungsausschuss des Elizabeth Garrett Anderson Hospital beigetreten und wirkte dort bis 1960 mit. Darüber hinaus war sie zwischen 1936 und 1940 stellvertretende Vorsitzende des Finanzausschusses, des Bauausschusses (Building Sub‑Committee) sowie des Haus‑Ausschusses des Elizabeth Garrett Anderson Hospitals. Sie wurde außerdem Mitglied des Provisional Club, eines so benannten reinen Frauenclubs, dessen Name gewählt wurde, weil niemand eine bessere Bezeichnung für einen neu gegründeten Frauenclub hatte.[8] 1944 trat Nettlefold der Royal Commission on Equal Pay bei. Sie, Anne Loughlin und Janet Vaughan verfassten eine Minderheitenmeinung, da die Kommission eine Position einer gleichen Bezahlung für Frauen nicht als Empfehlung unterstützen wollte.[1]

Sie kam 1945 für die Conservative Party in den Marylebone Borough Council, wo sie bis 1960 tätig war und in diversen Ausschüssen Mitglied war. 1946 wurde sie mit dem OBE ausgezeichnet. Von 1949 bis 1960 gehörte sie dem übergeordneten London County Council an.[8]

Nettlefold ging 1960 in den Ruhestand und zog nach Südafrika, wo ihre Schwester Joyce Newton Thompson die erste weibliche Bürgermeisterin Kapstadts war. Sie starb dort 1966.[1]

Einzelnachweise

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