Konservatorium von Sondershausen
Musikhochschule in Sondershausen (Thüringen)
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Das Konservatorium von Sondershausen war ein Konservatorium in Sondershausen im Kyffhäuserkreis in Thüringen.
Geschichte
1883 gründete Carl Schroeder auf Anregung „seines Freundes“[1] Salomon Jadassohn im „Loh 1“ in Sondershausen in den Räumlichkeiten einer noch heute existierenden Gaststätte[2] bzw. in den Räumen des früheren Bades in Loh, dem „Erbprinz“,[1] das „Fürstliche Konservatorium Sondershausen“.[3] Im Meyers Konversationslexikon heißt es 1907: „Von sonstigen deutschen Musikschulen, deren beinahe jede größere Stadt eine oder mehrere hat, seien noch hervorgehoben: das Institut für Kirchenmusik in Breslau, das K. in Hamburg, die Musikschule in Frankfurt a. M., das großherzogliche K. in Karlsruhe, das fürstliche K. in Sondershausen, die kirchliche Musikschule (Haberl) in Regensburg, das städtische K. in Straßburg i. E., die großherzogliche Orchester- und Musikschule in Weimar.“[4] Die Genehmigung, den Namen „Fürstliches Konservatorium“ verwenden zu dürfen, bekam er unter der Bedingung, dass der Fürstlichen Hofkasse „nicht ein Pfennig Kosten entstehen dürfte.“[1] Anfangs gab es „56 Schüler und Schülerinnen“.[1][5] 1886 war das Konservatorium Gastgeber der 23. Tonkünstlerversammlung des Allgemeinen deutschen Musikvereins.[6]
1886 verließ Carl Schroeder Sondershausen.[6] Bei seinem Weggang verkaufte er das Konservatorium an seinen Nachfolger Adolf Schultze.
Ab dem 18. Oktober 1887 war das Konservatorium in der heutigen „Carl-Schroeder-Straße 10“ untergebracht. Das Gebäude gehörte zuvor zur Fürstlichen Domäne von Schwarzburg-Sondershausen und diente von 1864 bis 1887 als Postgebäude. In dem Gebäude befanden sich die Unterrichtsräume und in der oberen Etage die Wohnung des Direktors.
Als Schultze Sondershausen im September 1890 verließ, ging das Konservatorium offiziell in den Besitz des Fürsten Karl Günther von Schwarzburg-Sondershausen über. Von da an war die Leitung der Kapelle mit der des Konservatoriums verbunden.[7]
Carl Schroeder kam zur Saison 1890 zurück, wurde zum Professor ernannt und wurde erneut Leiter des Konservatorium, der Hofkapelle und der Oper.[6] Er gab dafür seine Stellung als erster Kapellmeister des Stadttheaters Hamburg auf.[8]
Ab 1897 verfügte das Haus über einen eigenen Konzertsaal.[9] Im selben Jahr erwähnt Eliza Ichenhaeuser das Konservatorium von Sonderhausen in ihrem Buch Erwerbsmöglichkeiten für Frauen – Praktischer Ratgeber für erwerbsuchende Frauen in allen Angelegenheiten der Vorbildung, der Anstellung und der sozialen Selbständigkeit – Nebst Nachweis von Wohlfahrtseinrichtungen.[10]
1907 trat Carl Schroeder in den Ruhestand.[6] Sein Nachfolger bis 1910 war Traugott Ochs[11]. 1910 übernahm Rudolph Herfurth die Leitung der Hofkapelle und Carl Corbach die Leitung des Konservatoriums. 1911 schied Herfurth aus, Corbach übernahm auch die Leitung der Hofkapelle und wurde am 1. April 1911 zum Hofkapellmeister berufen.[12][13]
Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs (1918) endete noch vor der Verabschiedung der Weimarer Verfassung (1919) in Deutschland die Monarchie und damit die Adelsvorrechte. Das Fürstliche Konservatorium in Sondershausen nannte sich ab Mai 1919 „Hochschule für Musik“.[14]
1933 übernahm der Nationalsozialist Otto Wartisch die Funktion des Generalmusikdirektors des Loh-Orchesters, Corbach musste die Orchesterleitung abgeben.[15] Anlässlich der 50-Jahr-Feier der Hochschule für Musik bezeichnet Hermann Gresky sie als einen wichtigen Wirtschaftsfaktor von Sondershausen.[16]
Im August 1935 erhielt die Poststraße, an der die Hochschule lag, den Namen „Carl-Schroeder-Straße“.[17]
Ab September 1936 wurde der Name in „Konservatorium der Musik in Sonderhausen“ geändert.[18]
Im März 1938 musste Carl Corbach auch seine Stelle als Rektor des Konservatoriums an Otto Wartisch abgeben.[19] Im selben Jahr wurde die „Luftwaffen-Musikschule Sondershausen (Thüringen)“ eingerichtet, laut Satzung „zur umfassenden Ausbildung von musikalisch begabten Knaben zu guten Militärmusikern im nationalsozialistischen Geiste“.[20] Gemäß § 14 der Satzung stellte der Bürgermeister von Sondershausen die Lehrer ein.[20] Die Musiklehrer stammten aus dem Orchester und dem Konservatorium.[21]
Die Leitung des Loh-Orchesters und des Konservatorium ging im Februar 1940 an Carl Maria Artz (1887–1963).[22][23]
Am 1. September 1944 wurde das Konservatorium kriegsbedingt geschlossen.[24]
1945 trug das Konservatorium den Namen „Max-Reger-Konservatorium“.[25][26]
1949 verlor das Konservatorium den Hochschulstatus und das Land Thüringen übernahm die Trägerschaft. 1950 erfolgte die Umwandlung in eine städtische Musikschule[9], die „Musikschule Sondershausen“. Sie erhielt 1982 eine Auszeichnung im Hans-Otto-Wettbewerb für ihre „hervorragenden Leistungen im Wettbewerb der Künstler und Kulturschaffenden“.[27]
Die Musikschule Sondershausen trägt seit 2008, dem Jahr des 125-jährigen Jubiläums, den Namen „Carl Schroeder Konservatorium“ und befindet sich in „Schloss 1“ im Westflügel. Träger ist der Kyffhäuserkreis.[2]
Das ursprüngliche Gebäude wird seit 1990 durch die Stadtverwaltung und Vereine verwendet. Die Generalsanierung ab 1998 wurde 2000 abgeschlossen und der „Carl-Schroeder-Saal“ wurde eingeweiht.[9]
Seit 2005 besteht die landeszentrale Thüringer Landesmusikakademie Sondershausen für die musikalische Aus-, Fort- und Weiterbildung musikalischer Laien und Nachwuchsmusiker auf dem Gelände des Schloss Sondershausen der Stadt Sondershausen. Ihr ehrenamtlicher Direktor ist seit der Gründung Eckart Lange.
2023 fand zum 140. Gründungsjubiläum des Konservatoriums bzw. der Hochschule das „2. Sondershäuser Symposium zur Musik“ statt, auf dem es um die musikalische Bildung in der NS-Zeit ging. Neben Benjamin Ortmeyer, Alexander Cvetko, Freia Hoffmann,[28] Wolfram Huschke und Maria Stolarzewicz war Eckart Lange der sechste Referent mit dem Beitrag Die Hochschule für Musik / das Konservatorium der Musik von 1933–1944 im Überlebenskampf.[29] 2024 veröffentlichte er zum selben Thema ein Buch.[24]
Lehrer
- Carl Schroeder (1848–1935), Cellist, Komponist, Dirigent sowie Hofkapellmeister
- Max Reger (1873–1916), Organist, Pianist und Dirigent
- Hugo Riemann (1849–1919), Musiktheoretiker, Musikpädagoge und Musiklexikograph
- Carl Corbach (1867–1947), Violinvirtuose, Orchesterleiter und Leiter der Hochschule für Musik in Sondershausen
- Alfred Reisenauer (1863–1907), Pianist, Komponist und Musikpädagoge
- Wilhelm Backhaus (1884–1969), Pianist
- Hermann Hesse (1861–1948), Dirigent, Chorleiter und Organist
Schüler
- Walter Kollo (1878–1940), Komponist
- Karl Tutein (1887–1984), Dirigent
- Karl-Ernst Sasse (1923–2006), Komponist und Dirigent
- Eduard Bornschein (1883–1945), Musiklehrer und Komponist
- Paul Knüpfer (1866–1920), Opernsänger
- Hans Stieber (1886–1969), Dirigent, Komponist und Geiger
- Franz Georg John Walther Cropp (1890–1964), Komponist, Musikpädagoge und Musikdirektor
- Eduard Wellenkamp (1868–1948), Violoncellist, Organist, Orchester- und Kammermusiker und Komponist
- Victor Heinisch (1866–1910), Harfenist, Komponist, Dirigent und Korrepetitor
- Erna Becker-Ernst, (1885–1945), Komponistin
- Helmut Hampe (1896–1939), Musiklehrer und Ornithologe
- Emanuel Voß (1873–1963), Opernsänger, Intendant und Theaterdirektor
- John Fernström, (1897–1961), Komponist und Dirigent
- Hans Storck (1912–2000), Dirigent
- Alfred Gleißberg (1864–1963), Oboist
- Ivar Hellman (1891–1994), Dirigent und Komponist
- Olaf Koch (1932–2001), Dirigent und Hochschullehrer
Literatur
- Eckart Lange: Die Hochschule für Musik in Sondershausen 1933–1936 – Das Konservatorium der Musik in Sondershausen 1936–1944. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2024, ISBN 978-3-95966-679-4 (Inhaltsverzeichnis).
- Fürstliches Conservatorium der Musik in Sondershausen (Hrsg.): Bericht über das Schuljahr 1897/1898 des Fürstl. Conservatoriums der Musik in Sondershausen. (sophie-drinker-institut.de [PDF]).
- Fürstliches Conservatorium der Musik in Sondershausen (Hrsg.): Bericht des Fürstl. Conservatoriums der Musik in Sondershausen – Schuljahre 1898/99 und 1899/1900. (sophie-drinker-institut.de [PDF]).
- Werner Promnitz: Fünfzig Jahre Hochschule für Musik zu Sondershausen : Ehem. Studierenden u. Freunden d. Hochschule zur Wiedersehensfeier anlässl. d. Fünfzigjähr. Bestehens in Sondershausen vom 27.–29. Juli 1933 als Festgruss dargeboten. Göttingen.
Siehe auch
Weblinks
- Literatur von und über Konservatorium von Sondershausen im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Literatur zum Fürstlichen Konservatorium Sondershausen. In: www.sophie-drinker-institut.de. Sophie Drinker Institut
- Website der Thüringer Landesmusikakademie Sondershausen.