Korengal-Tal
Tal in der Provinz Kunar, Afghanistan
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Das Korengal-Tal (auch Korangal genannt, Dari کرنگل, paschtunisch کړنگل) ist ein Tal in der Provinz Kunar in Afghanistan im Hindukusch-Gebirge. Aufgrund der vielen Toten US-Soldaten im Krieg wird das Tal auch „Tal des Todes“ genannt.[1]
| Korengal-Tal | ||
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Korengal-Tal im Jahr 2009 | ||
| Lage | Provinz Kunar (Afghanistan) | |
| Gewässer | Korengal | |
| Gebirge | Hindukusch | |
| Geographische Lage | 34° 53′ 15″ N, 71° 8′ 9″ O | |
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Geografie
Das Korengal-Tal befindet sich im Distrikt Dara-I-Pech in der afghanischen Provinz Kunar. Es erstreckt sich über eine Länge von etwa zehn Kilometern und wird vom Korengal-Fluss, einem Nebenfluss des Pech, durchzogen.[2][3]
Das Tal ist durch steil ansteigende, stark bewaldete Hänge geprägt, deren Böden in Teilen aus Schiefergestein bestehen. Entlang der Hänge liegen mehrere Ortschaften, die aufgrund der topographischen Verhältnisse nur schwer zugänglich sind. Die Bewohner des Tals werden als Korengalis bezeichnet. Sie sprechen einen eigenen Dialekt des Paschtu und gelten als zurückgezogen und fremden gegenüber misstrauisch.[4][5]
Im Tal existieren unter anderem folgende Ortschaften:
Geschichte
Die Bevölkerung des Korengal-Tals lebt zu einem erheblichen Teil vom illegalen Holzhandel, der sich aus den dichten Wäldern an den steil ansteigenden Hängen ergibt.[11] Die Lage in Grenznähe zu Pakistan begünstigt darüber hinaus die Nutzung des Tales als Schmuggelroute für verschiedene Waren und Güter.[5]
Bereits während der Invasion der Sowjetunion in Afghanistan diente das Korengal-Tal mehreren Mudschahedin-Gruppen als Versteck. Das Tal bot durch die dichte Bewaldung, die schwere Zugänglichkeit und vieler Höhlen einen idealen Rückzugsraum. Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen blieb das Gebiet ein bevorzugter Aufenthaltsort für bewaffnete Gruppierungen. Angesichts der schwer zugänglichen Topographie, der starken lokalen Autonomie und der anhaltenden Präsenz bewaffneter Gruppen verzichtete die Zentralregierung zunehmend darauf, das Tal effektiv zu kontrollieren oder eine dauerhafte staatliche Präsenz aufzubauen.[2][5][11]
Krieg in Afghanistan 2001–2021
Wie auch während der sowjetischen Invasion diente das Korengal-Tal im Krieg gegen den Terror als bevorzugter Rückzugsort aufständischer Gruppierungen. Dazu zählten der Jamaat al-Dawah ila al-Quran wal-Sunnah (JDQS), al-Qaida, die Taliban sowie kriminelle Akteure wie Schmuggler und illegale Holzhändler.[5]
Zur Erlangung der Kontrolle errichteten US-Streitkräfte fünf Außenposten im Tal und planten den Bau einer Straße. Diese Außenposten gerieten häufig unter feindlichen Beschuss aus Verstecken oder benachbarten Dörfern, was das Tal schnell als Ort intensiver Gefechte bekannt machte.[11][12] Neben den Außenposten wurden mehrere großangelegte Militäroperationen durchgeführt, darunter Operation Mountain Resolve (2003), Operation Red Wings (2005), Operation Whalers (2005) und Operation Rock Avalanche (2007). Besondere Bekanntheit erlangte Operation Red Wings, bei der 19 US-Soldaten starben.
Angesichts anhaltender Kämpfe gaben die US-Streitkräfte das Tal im Jahr 2010 auf und die geplante Straße wurde nie realisiert. Insgesamt verloren im Tal und in unmittelbarer Umgebung 54 US-Soldaten ihr Leben, vier Soldaten wurden für ihre Leistungen in den Kämpfen mit der Medal of Honor ausgezeichnet.[5]
Nach 2021
Nach dem Rückzug der US-Streitkräfte 2010 übernahm die Terrororganisation ISIS-Khorasan (ISIS-K) das Korengal-Tal im Jahr 2017. Während ihrer Besatzung wurden zahlreiche Bewohner verschleppt und vertreiben. Im Mai 2019 startete die Taliban eine erste Offensive gegen ISIS-K in Teilen des Tals. Im Juni 2019 zerstörten die Taliban die Basis der Terrorgruppe, vertrieben die Kämpfer und übernahmen die Kontrolle. Im Oktober 2019 führten die USA Luftangriffe im Korengal-Tal durch.[13][14]
Ein 2021 veröffentlichter Artikel stellte fest, dass die Machtverhältnisse in der Region nach wie vor brüchig seien. Taliban-Kämpfer, ehemalige ISIS-Mitglieder sowie Ex-Soldaten der Afghanischen Nationalarmee leben dort weiterhin nebeneinander. Der ehemalige US-Außenposten dient heute als Sägewerk für den Holzhandel.[14]
Siehe auch
- Restrepo – Die blutige Wahrheit des Krieges Dokumentarfilm über US-Solden im Außenposten im Tal.

