Operation Rock Avalanche
Militäroperation der US-Streitkräfte in Afghanistan im Jahr 2007
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Die Operation Rock Avalanche (dt. Operation Bergsturz) war eine militärische Mission der US-Streitkräfte zusammen mit der Afghanischen Nationalarmee im Rahmen des NATO-Einsatzes. Sie spielte sich in der ostafghanischen Provinz Kunar ab, die an Pakistan grenzt. Die Mission fand vom 19. bis 25. Oktober 2007 in den Tälern Chapa Dara, Korengal, Pech und Shuryak statt.
• Chapa-Dara-Tal
• Korengal-Tal
• Pech-Tal
• Shuryak-Tal
| Operation Rock Avalanche | |||||||||||||||
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| Teil von: Krieg in Afghanistan 2001–2021 | |||||||||||||||
US-Soldaten während der Operation im Korengal-Tal | |||||||||||||||
| Datum | 19. – 25. Oktober 2007 | ||||||||||||||
| Ort | Provinz Kunar: • Chapa-Dara-Tal • Korengal-Tal • Pech-Tal • Shuryak-Tal | ||||||||||||||
| Ausgang | Kurzzeitiger Erfolg der Koalition | ||||||||||||||
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Hintergrund
Die Provinzen Nuristan und Kunar im Nordosten Afghanistans sind Heimat der ethnischen Gruppe der Nuristani, die sich durch eigene Sprache, Kultur und Traditionen von anderen Bevölkerungsgruppen des Landes unterscheiden. Im Verlauf der Jahrhunderte entwickelten die Nuristani in den schwer zugänglichen Tälern des Hindukusch eine weitgehende Autonomie und führten ein größtenteils autarkes Leben, basierend auf lokale Selbstverwaltung durch die Stammesältesten.[2]
Durch diese geografische und gesellschaftliche Abgeschlossenheit wurden einzelne Täler, darunter insbesondere das Korengal-Tal, während des anhaltenden Konflikts zu Rückzugsgebieten für Aufständische wie der Taliban. Die US-Streitkräfte errichteten in den frühen 2000er Jahren mehrere Außenposten im Tal, um den Einfluss der Aufständischen einzudämmen und die Kontrolle über das Gebiet für die Zentralregierung in Kabul zu sichern.[2][3]
Aufgrund des entschlossenen Widerstands der örtlichen Kämpfer und der tief verwurzelten Skepsis gegenüber einer zentralisierten Regierung kam es zu intensiven Gefechten zwischen den Koalitionstruppen und den Aufständischen.[2] Das Korengal-Tal wurde dadurch zu einem der umkämpftesten Schauplätze des Afghanistan-Krieges.[3]
Mehrere militärische Operationen wurden in diesem Gebiet durchgeführt, darunter Operation Mountain Resolve (2003) und die bekannte Operation Red Wings (2005). Trotz dieser Einsätze gelang es den Koalitionstruppen nicht, die Aufständischen dauerhaft zu vertreiben. In der Folge wurden weitere militärische Maßnahmen eingeleitet, um deren Stellungen und Nachschubwege zu neutralisieren und lokale Anführer der Aufständischen zu eliminieren oder gefangen zu nehmen.[4][5]
Mission
Die Operation begann in den frühen Morgenstunden des 19. Oktober 2007, als mehrere Kompanien von Hubschraubern auf den Höhenzügen und im Talboden des Korengal-Tals abgesetzt wurden. Ziel der Operation war es, in den Dörfern des Tals gezielt nach Anführern der aufständischen Gruppen zu suchen und diese zur Flucht zu zwingen. Die Einheiten auf den umliegenden Höhenzügen sollten die Aufständischen abfangen und eliminieren oder gefangen nehmen.[4][5]
Folgende Einheiten wurden während der Operation eingesetzt:[4]
- Die Able-Company, die Battle-Company und die Chosen-Company des 2nd Battalion, 503rd Infantry Regiment (Airborne) der 173. US-Luftlandebrigade
- Die Bravo-Company des 1st Battalion, 508th Parachute Infantry Regiment der 173. US-Luftlandebrigade
- Mehrere Kompanien des 201. Corps der Afghanischen Nationalarmee
Die Operation wurde durch intensive Luftunterstützung begleitet. Kampfdrohnen führten Aufklärungs- und Zielaufspürungsaufgaben durch, während Kampfhubschrauber und Kampfflugzeuge Feuerunterstützung leisteten. Zusätzlich wurde Artilleriefeuer von Stellungen außerhalb der Täler eingesetzt, um Stellungen zu neutralisieren. Die eingesetzten Kräfte nutzten die Möglichkeit, gegnerische Funkübertragungen abzuhören, um taktische Informationen zu erhalten und das Vorgehen der Aufständischen zu beobachten.[4][5][6]
In der Nacht des 25. Oktober geriet die Battle Company beim Abstieg von einer Stellung in einen Hinterhalt. Die neunköpfige Einheit wurde von Aufständischen mit RPG- und massivem Maschinengewehrfeuer angegriffen. Während des Gefechts fielen zwei Soldaten, mehrere weitere wurden verwundet. Der Einsatz von Kampfhubschraubern zur unmittelbaren Unterstützung war nicht möglich, da die Angreifer in unmittelbarer Nähe zu den eigenen Kräften operierten und ein Risiko für Friendly Fire bestand.[6]
Folgen
Im Rahmen der Kampfhandlungen wurden drei US-amerikanische Soldaten getötet. Hierbei handelte es sich um:
- Army Staff Sgt. Larry I. Rougle aus West Jordan im US-Bundesstaat Utah[7]
- Army Specialist Hugo V. Mendoza aus Glendale im US-Bundesstaat Arizona[8]
- Army Sgt. Joshua C. Brennan aus Ontario im US-Bundesstaat Oregon[9]
Alle drei waren Angehörige des 2nd Battalion des 503rd Infantry Regiment (Airborne) der 173. US-Luftlandebrigade.
Army Specialist Salvatore Giunta wurde im Jahr 2010 mit der Medal of Honor ausgezeichnet. Die Ehrung erfolgte in Anerkennung seiner herausragenden Tapferkeit während des Hinterhalts am 25. Oktober. Während des Gefechts brachte Giunta zunächst einen Kameraden in Deckung und unternahm anschließend den Versuch, Army Sergeant Joshua C. Brennan zu retten.[6]
Während der Operation gerieten mehrere Zivilpersonen in das Kreuzfeuer der Gefechte. Nach Angaben örtlicher Bewohner kamen dabei fünf Zivilisten ums Leben. Das afghanische Verteidigungsministerium bestätigte hingegen den Tod einer zivilen Person. Eine verlässliche Verifizierung der tatsächlichen Opferzahl ist nicht möglich.[5]