Leo Express
tschechisches Transportunternehmen
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Leo Express a.s. (Eigenschreibweise: LEO Express) ist ein privates tschechisches Verkehrsunternehmen, das seit 2012 Schienen- und Busverkehr in Mitteleuropa betreibt. Es verkehrt hauptsächlich eigenwirtschaftlich auf der Verbindung Prag–Ostrava, seine Züge fahren aber auch nach Košice und Krakau. Ergänzt wird das Netz durch Buslinien nach Polen und in die Ukraine. Seit Dezember 2019 betreibt Leo Express auch Regionalzüge in der Region Pardubice. Im Dezember 2023 übernahm das Unternehmen den regionalen Schienenverkehr auf der meistbefahrenen slowakischen Bahnstrecke zwischen Bratislava und Komárno.
EuroMaint AB
LEO Mobility s.r.o.
weitere Aktionäre
| Leo Express Global a.s. | |
|---|---|
| Basisinformationen | |
| Unternehmenssitz | Prag |
| Webpräsenz | leoexpress.com/de |
| Bezugsjahr | 2024 |
| Eigentümer | Renfe EuroMaint AB |
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| Vorstand | Inmaculada Gutiérrez Carrizo (Vors.) Ibon García Neill Ismael Gutiérrez Sánchez Marta Torralvo Liébanas Martin Bala Leoš Novotný Jr. |
| Mitarbeiter | 216 (2016)[1] |
| Umsatz | 40,4 Mio. EUR[2] |
| Tochtergesellschaften | Leo Express Tenders s.r.o. Leo Express s.r.o. |
| Linien | |
| Eisenbahn | 6[3] |
| Bus | 12 (div. Ziele) |
| Anzahl Fahrzeuge | |
| Triebwagen | 5 Stadler Flirt[1] |
| Omnibusse | ja |
| Statistik | |
| Fahrgäste | 3,8 Mio.[2] |
Linien

Auf der Achse Prag–Ostrava verkehren bis zu 11 Zugpaare täglich:[5]
- Zwei Zugpaare fahren von Prag bis Košice (Slowakei)
- Vier Zugpaare verkehren zwischen Prag und Staré Město u Uherského Hradiště bzw. ein Zug zwischen Přerov und Staré Město u Uherského Hradiště
- Alle anderen Zugpaare fahren von Prag und enden entweder in Ostrava, Bohumín, Karviná oder Bystřice nad Olší
Daneben gibt es diverse Busverbindungen, die von firmeneigenen Bussen (Leo Express und Leo Express Easy) bedient werden. Diese verkehren unter anderem innerhalb Tschechiens zwischen Prag, Brünn, Budweis, Český Krumlov, Klatovy, Pilsen und Zlín. Teilweise besteht direkter Anschluss zu den Zügen von Leo Express. Weiterhin bietet Leo Express Fahrkarten für Fernbusverbindungen von und nach Deutschland, Österreich, Polen, Slowakei und in die Ukraine an.
Ab 24. August 2017 betrieb das deutsche Tochterunternehmen den aus der Insolvenz erworbenen Fernzug Locomore in Deutschland auf der Strecke Berlin – Stuttgart im Auftrag von Flixmobility (Flixtrain). Nachdem dieses Unternehmen wegen der Corona-Pandemie die Leo Express GmbH im März 2020 zur Einstellung des Verkehrs aufforderte und danach weitere Zahlungen ausblieben, musste auch das deutsche Tochterunternehmen von Leo Express Anfang Oktober 2020 Insolvenz anmelden.[6]
Im September 2021 schrieb die slowakische Regierung den Regionalverkehr auf der Bahnstrecke Bratislava–Komárno bis Dezember 2032 aus. Die Züge bedienen auf der 100 km langen Strecke 29 Bahnstationen. Zuvor führten die Slowakischen Staatsbahn (ZSSK) gemeinsam mit den Österreichischen Bundesbahnen den Verkehr durch. Leo Express reichte im Juli 2022 ein Angebot ein, das sich gegen sechs andere Bahnbetreiber durchsetzte. Einen Monat später erhielt das Unternehmen den Zuschlag. Der Vertrag über die Erbringung der Verkehre wurde im Dezember 2022 geschlossen. Für den Betrieb leaste Renfe Alquiler 21 gebrauchte Dieselzüge des Modells Coradia Lint von Alstom.[7]
Seit dem 1. März 2026 betreibt Leo Express Züge zwischen Warschau und Krakau als Verlängerung der Linie zwischen Prag und Krakau. Zwischen Warschau und Prag verkehren zwei Zugpaare pro Tag, zwischen Prag und Krakau wurde das Angebot auf insgesamt vier Zugpaare erhöht. Ab dem 25. Juni 2026 soll das Angebot zwischen Prag und Warschau auf drei tägliche Zugpaare und sowie jenes zwischen Warschau und Krakau auf vier erweitert werden. Zum Einsatz kommen Stadler-Flirt-Triebwagen.[8][9]
Am 21. Mai 2026 unterzeichnete Leo Express nach gewonnener Ausschreibung den Vertrag für den Betrieb auf dem tschechischen Abschnitt des RE/Ex36 Prag–Pilsen–Regensburg–München. Der Vertrag beginnt am 13. Dezember 2026 und gilt für fünf Jahre.[10] Auf deutscher Seite führt die Die Länderbahn bis Dezember 2031 unter der Marke alex durch.[11] Es sollen modernisierte, klimatisierte und 200 km/h schnelle Intercitywagen zum Einsatz kommen.[12]
Seit dem 30. April 2026 fährt Leo Express mit drei angemieteten Talgo-VI-Garnituren von Praha hl.n. nach Bratislava hl.st. und Prešov.[13] Diese stammen von Renfe Alquiler und werden von Vectron MS aus dem Bestand von Railpool gezogen.[14][15] Aufgrund anhaltender Probleme mit den Talgo-Garnituren, wurde wenige Tage nach Betriebsstart das Angebot stark reduziert und die Fahrten werden stattdessen mit ehemaligen DB-Reisezugwagen gefahren.[16][17] Leo Express plant die Wiederinbetriebnahme der Talgo-Einheiten für den 14. Juli 2026, wobei diese zunächst zwischen Prag und Bohumín eingesetzt werden sollen.[18]
Am 25. Juni 2026 begann der Betrieb auf der Fernverkehrsverbindung zwischen Frankfurt (Main) und Przemyśl. Für den polnischen Abschnitt zwischen Przemyśl und Bohumín musste dabei zunächst der Umstieg in einen Bus erfolgen, da Leo Express in einem Verfahren mit der polnischen Eisenbahnbehörde Urząd Transportu Kolejowego (UTZ) ist. Seit dem 31. Juli 2026 verkehrt der Zug durchgehend.[19] Auf dem gesamten Laufweg kommen bei Renfe Alquiler angemietete ehemalige DB-Intercitywagen sowie ein Liegewagen der RDC-Deutschland-Gruppe mit Vectron-Lokomotiven zum Einsatz.[20] Den Betrieb auf dem deutschen Abschnitt führt BahnTouristikExpress (BTE) durch.[21]
Fahrzeuge



Stadler Flirt
Leo Express besitzt fünf elektrische Triebzüge (3 kV Gleichspannung) vom Typ Stadler Flirt mit je 237 Sitzplätzen. Die 160 km/h schnellen Fünfteiler verfügen über vier Wagenklassen: Economy (2. Klasse), Economy plus, Business (1. Klasse) und Premium (Luxusklasse).[22]
Anfang 2025 wurde Stadler Rail damit beauftragt, die ursprünglich nur für 3 kV Gleichspannung ausgelegten Triebwagen zusätzlich für einen Einsatz unter 25 KV Wechselspannung zu ertüchtigen. Dies ist notwendig, da das 3-kV-Netz in Tschechien und der Slowakei schrittweise auf die mitteleuropäische Wechselspannungstraktions-Norm 25 kV/50 Hz umgestellt wird.[23] Ende Juli 2026 kam zu diesem Zweck das erste Fahrzeug nach Frauenfeld in der Nordostschweiz. Die Gesamtkosten der Umrüstung betragen rund 400 Millionen CZK (16,5 Mio. Euro), wovon 40 Prozent staatlich aus dem operativen Verkehrsfond bezuschusst werden.[24]
CRRC Sirius
Im September 2016 schloss Leo Express mit dem chinesischen Schienenfahrzeughersteller CRRC einen Vertrag über die Lieferung von drei sechsteiligen Elektrotriebzügen Sirius mit Zweisystemausrüstung (3 kV Gleichstrom und 25 kV Wechselstrom).[25] Für CRRC war dies der erste Auftrag in der Europäischen Union.[26] Es bestand eine Option auf weitere 30 Fahrzeuge. Die Fahrzeuge befanden sich im Dezember 2020 in der Zulassungsphase.[27] Die Indienststellung wurde für 2021 erwartet.[28]
Im April 2022 wurde der Vertrag von Leo Express ohne Angabe von Gründen gekündigt.[29] Nach einiger Verzögerung sind die Triebzüge bei RegioJet im Einsatz.

Alstom LINT
Mitte 2018 schloss Leo Express einen Mietvertrag für elf LINT-41- sowie vier LINT-27-Triebwagen ab, die seit Mitte 2019 zur Verfügung stehen.[30] Diese wurden bis Dezember 2018 beim Harz-Elbe-Express eingesetzt und anschließend für den Betrieb in Tschechien angepasst.[31]
Talgo VI
Im Sommer 2025 wurde bekannt, dass Leo Express insgesamt drei 13-teilige, 200 km/h schnelle Talgo VI-Einheiten über Renfe Alquiler von der Muttergesellschaft anmietet.[32] Diese werden seit dem 30. April 2026 von Praha hl.n. nach Bratislava hl.st. sowie nach Prešov mit Vectron-MS-Lokomotiven des Vermieters Railpool eingesetzt.[13][14][15] Aufgrund technischer Probleme an den Garnituren wurden diese kurze Zeit nach Betriebsstart teilweise aus dem Verkehr genommen.[16][17] Trotz der Probleme will Leo Express künftig insgesamt bis zu 13 Talgo-Einheiten einsetzen.[18]
Reisezugwagen
Nach Übernahme des Verkehrs der insolventen Locomore, setzte die deutsche Tochter Leo Express GmbH zwischen 2017 und 2020 acht ehemalige Intercity-Wagen von SRI Rail Invest sowie ehemalige Interregio-Wagen von HEROS zwischen Berlin und Stuttgart ein.[33][34] Die Züge wurden zunächst von Lokomotiven der Br182 von Hector Rail, später von Vectron-Lokomotiven von ELL, gezogen und unter der Marke Flixtrain betrieben.[35][36]
Leo Express will insgesamt 59 ehemalige Intercity-Wagen von DB Fernverkehr einsetzen, welche für 15 Jahre von Renfe Alquiler angemietet werden.[18][37] Im Februar 2026 wurden die ersten 20 Wagen nach Tschechien überführt, wo sie für den Einsatz bei Leo Express vorbereitet werden sollen.[38] Seit Anfang Juni 2026 kommt ein Teil dieser Wagen mit angemieteten Vectron-Lokomotiven als Ersatz für nicht betriebsfähige Talgo-Garnituren auf den Linien von Prag nach Bratislava und Prešov zum Einsatz.[17][39] Seit dem 25. Juni 2026 werden sie zwischen Frankfurt (Main) und Bohumín und seit dem 31. Juli 2026 weiter bis Przemyśl eingesetzt.[20] Ab dem 13. Dezember 2026 sollen diese Wagen ebenfalls auf dem RE/Ex36 zwischen Prag und München eingesetzt werden.[12]
Vertrieb und Preise
Fahrscheine sind über das Internet, eigene und fremde Verkaufsstellen sowie beim Zugpersonal erhältlich. Das Unternehmen verwendet Steuerungspreise (Yield Management) mit Zugbindung.
Auf der Magistrale Prag–Ostrava liefert sich Leo Express nach Angaben der Fachzeitschrift Eisenbahn-Revue International einen „ruinösen Preiskampf“[40] mit der Staatsbahn České dráhy (ČD) und dem privaten Eisenbahnverkehrsunternehmen Regiojet. Fahrscheine für die 356 km lange Strecke waren 2015 bei Leo Express ab 99 CZK[41] (etwa 3,88 €, entsprechend 1 Eurocent pro Personenkilometer) erhältlich.
Marktposition und Ergebnis
Der Marktanteil von Leo Express auf der Hauptroute Prag–Ostrava lag 2013 nach Angaben des Unternehmens bei 30 Prozent. Die Konkurrenten ČD und Regiojet kamen demnach auf 25 bzw. 45 Prozent.[42]
2013 verkaufte Leo Express etwa 800.000 Fahrscheine und produzierte rund 500 Mio. Personenkilometer. Die Einnahmen aus Personenverkehr lagen bei 158,3 Mio. CZK, was einem extrem niedrigen Durchschnittserlös von umgerechnet etwa 1,2 Eurocent je Personenkilometer entspricht; 2016 erwirtschafte das Unternehmen einen Umsatz von 95,4 Mio. CZK[1] (etwa 10,9 Mio. Euro).
Eigentümerstruktur
Bis zum Einstieg der RENFE besaß der Vorstandsvorsitzende Leoš Novotný jr. 80,55 Prozent der Anteile. Weitere Eigentümer waren Martin Burda mit 14 Prozent, Geschäftsführer (CEO) Peter Köhler mit 2,19 Prozent, Rockaway Rail s.r.o. mit 1,47 Prozent und weitere Personen mit zusammen 1,8 Prozent.[1] Ende August 2021 übernahm das staatliche spanische Eisenbahnverkehrsunternehmen RENFE 50 Prozent der Anteile an dem in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Leo Express durch eine Kapitalerhöhung. Dadurch soll der Internationalisierungsprozess des spanischen Betreibers verstärkt werden.[43]