Liste der Kulturdenkmale in Haiterbach

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In der Liste der Kulturdenkmale in Haiterbach sind die Kulturdenkmale der Stadt Haiterbach im Landkreis Calw in Baden-Württemberg aufgelistet.

Legende

Die ab Oktober 2025 erstellten Tabellen basieren auf den vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg im September 2025 veröffentlichten Geodaten. Lizenzhinweis: dl-de/by-2-0 (https://www.govdata.de/dl-de/by-2-0): Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, www.denkmalpflege-bw.de. Die Adressangaben und Bezeichnungen sind in der dargestellten Form nicht Teil der Ausgangsdaten. Die Adressen wurden automatisch aus den Koordinaten berechnet und können von den korrekten Adressen abweichen. Die Bezeichnungen wurden zunächst automatisiert dem Anfang der vom Landesamt für Denkmalpflege bereitgestellten Objektbeschreibungen entnommen.

  • Bild: Zeigt ein ausgewähltes Bild des Objekts, „Weitere Bilder“ verweist auf die zugehörige Kategorie im Medienarchiv Wikimedia Commons. In der Kartenansicht sind Kulturdenkmale ohne Bild an einem blauen Marker erkennbar. Auf das Kamerasymbol klicken, um weitere Fotos für diese Liste hochzuladen: Datei hochladen
  • Bezeichnung: Nennt den Namen, die Bezeichnung oder die Art des Kulturdenkmals.
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  • Datierung: Baubeginn, Fertigstellung, Datum der Erstnennung oder grobe zeitliche Einordnung entsprechend dem Eintrag in der zugrundeliegenden Denkmaldatenbank des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg.
  • Beschreibung: Kurzcharakteristik des Kulturdenkmals, Nennung der geschützten Bestandteile und Begründung der Denkmaleigenschaft. Die Paragraphen § 2, § 12, § 19 oder § 28 verweisen auf die Art der Einstufung gemäß baden-württembergischem Denkmalschutzgesetz.
  • ID: Identifikator des Objekts in der zugrundeliegenden Datenbank des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg

Abkürzungen

Kulturdenkmale nach Ortsteilen

Beihingen

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Bild Bezeichnung Lage Datierung Beschreibung ID
Backhaus Haiterbacher Straße 5/1
(Karte)
Eingeschossiger, teilweise verputzter Massivbau mit quergelagertem Nordwestteil und Satteldächern, Fenster- und Türlaibungen in Rotsandstein, 19. Jahrhundert

Das anschaulicher überlieferte Gemeindebackhaus befindet sich inmitten des historischen Dorf zwischen der hier vorbeifließenden Waldach und der evangelischen Kirche und ist ein charakteristischer Vertreter jener kleinen öffentlichen Funktionsbauten, die nach 1808 und erneut 1835 ergangenen königlichen Verordnungen zum Zweck der Holzersparnis und der Verringerung der Feuergefahr durch private Öfen in jeder württembergischen Gemeinde errichtet werden mussten. Sie sind wichtige Zeugnisse der dörflichen Arbeits-, Lebens- und Versorgungswelt des 19. Jahrhunderts und geben zugleich Auskunft über die hiermit verknüpften Arbeitsprozesse.

103328012BW
Steinkreuz Kreuzäcker
(Karte)
Wohl Sühnekreuz, Buntsandstein, in der Kreuzmitte schräg liegender, plastischer Wappenschild mit sechsspeichigem Rad, im Kopfende und in Armenden auswärts gerichtete Lilienornamente, im Schaft nach oben weisender Pflugsech, Rückseite mit Pflugscharrelief, wohl 16./17. Jahrhundert

Bei dem Steinkreuz handelt es sich wohl um ein Sühnekreuz, einem charakteristischen Zeugnis spätmittelalterlicher Rechtskultur. Im Falle eines Totschlags musste zur Sühne ein Kreuzstein als Mahnmal gestiftet werden. Da der Erschlagene ohne Empfang der heiligen Sterbesakramente aus dem Leben geschieden war, stellte man den Kreuzstein als Symbol für Tod und Auferstehung am Ort des Geschehens auf. Seit dem Ende des 14. bis ins 16. Jahrhundert erreichte diese Art der Totschlagsühne eine außerordentliche Entfaltung, wodurch der Großteil der erhaltenen Kreuze aus dieser Zeit stammt. Darüber hinaus liefern die Wappendarstellung, die Lilienornamente sowie die Pflugsech- und Pflugscharreliefs wertvolle Hinweise auf die Identität des Verstorbenen bzw. der an der Tat beteiligten Personen, womit das Kreuz auch sozialgeschichtlichen Aussagewert für das Gesellschaftsgefüge an der Wende vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit in der Gegend um Haiterbach aufweist.

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Wohnhaus einer Hofanlage Mohlgasse 2
(Karte)
Eingeschossiges, verputztes Fachwerkgebäude auf massivem Sockelgeschoss mit Satteldach, am Giebel auf sichtbaren Balkenköpfen vorkragende Dachgeschosse, 18. Jahrhundert

Das giebelständig ausgerichtete Wohnhaus mit integrierter Ökonomie ist als Teil der historischen Dorfkernbebauung von ortsbaugeschichtlicher Aussagekraft und bildet den ältesten erhaltenen Teil der anschließenden Hofanlage. Der Bau dokumentiert bäuerlich geprägte Lebens-, Wohn- und Wirtschaftsverhältnisse des 18. Jahrhunderts und besitzt mit seinem giebelseitig dreifach vorkragendem Fachwerkgefüge hauskundlichen wie auch bautypologischen Quellenwert für solche bäuerlichen Wohnhäuser der Barockzeit in der Region des Nordschwarzwaldes.

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Turm der ev. Kirche Schwandorfer Straße 2
(Karte)
Weitgehend verputzter, ehemaliger Chorturm mit Satteldach und Strebepfeilern im Turmerdgeschoss, dreigeschossig, auf rechteckigem Grundriss, Dekor- und Gliederungselemente wie sichtbare Eckquader, Portal- und Schallöffnungen und Wasserschlaggesimse in Rotsandstein, Schallöffnungen als rundbogige Zwillingsöffnungen mit rechteckigen Einfassungen, im Erdgeschoss rundbogiges Hauptportal mit profiliertem Gewände, Turmobergeschosse mit hochrechteckigen Lichtscharten, im Kern wohl hochmittelalterlich mit späteren Veränderungen; neben dem Portal Denkmal für die Gefallenen beider Weltkriege, Rotsandsteintafel auf zwei Konsolsteinen in Form eines weiblichen und eines männlichen Kopfes, geschaffen durch Albert Volz, Altbulach, 1954/55 (Langhaus von 1953/54 erhaltenswert)

Die evangelische Kirche befindet sich inmitten des historischen Ortskerns und bildet mit ihrem aufragenden und kräftigen Turm ein wesentliches Element der alten Dorfmitte unmittelbar an der hier vorbeifließenden Waldach. Der auf rechteckigem Grundriss errichtete Turm beherbergte ursprünglich den Chorraum in seinem Erdgeschoss und stellte ursprünglich den nach Südosten ausgerichteten Abschluss des Kirchenbaus dar. Das barocke Langhaus von 1713 wurde 1953/54 abgebrochen und auf der gegenüberliegenden Seite neu errichtet. Demnach findet sich einzig im Kirchturm mittelalterliche Bausubstanz wieder, welche in ihren ältesten Teil wohl der Romanik zuzuordnen ist und folglich wohl noch aus dem späten Hochmittelalter stammt. Die nachfolgenden Umbauten an der Kirche haben dabei auch ihre Spuren am Turm hinterlassen, der sich heute weitgehend schmucklos präsentiert und durch seine als rundbogige sowie rechteckig eingefasste Zwillingsöffnungen ausgeführten Schallöffnungen geprägt wird. Als letzter baulicher Überrest des mittelalterlichen und ehemals der Muttergottes geweihten Kirchengebäudes ist der Turm damit von wichtiger Bedeutung für die lokale Sakralbautopographie des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Als baulicher Mittelpunkt des religiösen Lebens im Ort nimmt der Turm samt dem erneuerten Langhaus zudem eine elementare Rolle innerhalb der Glaubens-, Siedlungs- und Konfessionsgeschichte von Beihingen seit dem Mittelalter ein. Nicht zuletzt führt das neben dem Turmportal befindliche Denkmal für die aus dem Ort stammenden Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkriegs die schmerzhaften und traumatischen Auswirkungen jener Weltkriege auf die Dorfbevölkerung in nachdrücklicher Weise vor Augen und nimmt demzufolge einen wichtigen Stellenwert innerhalb der jüngeren Erinnerungs- und Trauerkultur von Beihingen ein.

103328561BW
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Haiterbach

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Bild Bezeichnung Lage Datierung Beschreibung ID
Alte Turnhalle Alte Nagolder Straße 8
(Karte)
Mehrgliedriges und weitgehend holzverschindeltes Fachwerkgebäude mit Halbwalm- und Walmdächern, massiver Kellersockel verputzt, erhöhter Kerntrakt sowie Anbauten an den Schmalseiten mit zweigeschossigen Fassadenaufbauten, Kerntrakt mit geschossübergreifenden Lisenen, rechteckige Zwillingsfenster mit Quadratfachwerk und abschließenden, flachen Dreiecksgiebeln vertikal zusammengefasst, an den Ecken jeweils eingeschossige Queranbauten, rechteckiges Hauptportal mit flachem Dreiecksgiebel, Vordach mit kassettierter Unterseite und gestalteten Holzpfeilern, samt ortsfester historischer Ausstattung, errichtet 1924 bis 1926

Die Alte Turnhalle wurde zwischen 1924 und 1926 am östlichen Stadtausgang errichtet und ist durch ihren mehrgliedrigen Baukörper geprägt, welcher als additive, achsensymmetrische und in dieser Gruppierung reizvolle Komposition angelegt ist. Der Bau strahlt so eine klar gestaltete und für den Bautyp in dieser Zeit charakteristische Silhouette aus und zeigt mit seiner regionaltypischen Holzschindelverkleidung, seinen kunsthandwerklich qualitätvoll gearbeiteten Zierpfeilern am Vordach des Hauptportals sowie seinen geometrisch anmutenden, aber wirkungsvollen Zierfachwerkelementen eine sich auf lokale Gestaltungs-, Handwerks- und Materialtraditionen besinnende Formen- und Dekorsprache des Heimatschutzstils, durch welche sich das Gebäude harmonisch in die bestehende Baulandschaft einfügt und zugleich ein altvertrautes Gepräge in sich vereint. Damit ist das auch im Inneren anschaulich erhaltene Gebäude ein architekturgeschichtlich aufschlussreiches und vergleichsweise selten überliefertes Zeugnis für einen Sportbau der 1920er-jahre im deutschen Südwesten und besitzt als kultureller und gesellschaftlicher Treffpunkt überdies aussagekräftigen Quellenwert für das öffentliche Sport-, Veranstaltungs- und Vereinswesen in Haiterbach zur Zeit der Weimarer Republik. In diesem Kontext verdeutlicht der Bau auch den hochrangigen sozialen Stellenwert des Turnsports, für dessen Errichtung die Gemeinde sogar einen staatlichen Zuschuss erhalten hatte.

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Zehntscheune und Farrenstall Beihinger Straße 10
(Karte)
Zweigeschossiger Sichtfachwerkbau mit Krüppelwalmdach, konstruktives Fachwerkgefüge mit geschosshohen Diagonalstreben, 18. Jahrhundert

Die stattliche Zehntscheune befindet sich am nordöstlichen Rand des historischen Stadtkerns und ist durch ihr zeittypisches, rein konstruktives Fachwerkgefüge mit geschosshohen Diagonalstreben sowie durch ihr charakteristisches Krüppelwalmdach bestimmt. Der Bau fungierte primär Lager- und Speicherort für die durch die Bevölkerung die damals württembergische Stadtherrschaft abzuliefernden Naturalabgaben, dem Zehnt. Als bauliches Dokument für das Abgabe- und Steuerwesen der späten Feudalzeit zeichnet das Gebäude damit einen wichtigen Teil der Haiterbacher Stadt- und Herrschaftsgeschichte nach und verdeutlicht hiermit in Verbindung stehende Eigentums- und Wirtschaftsformen. In ihrer sekundären Nutzung als Farrenstall, also als Stall zur Unterbringung der männlichen geschlechtsreifen Zuchtrinder (schwäbisch der Farren) ist die Zehntscheune überdies ein wesentliches Dokument für die Landwirtschaftsgeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts in Haiterbach und gibt Auskunft über damalige Methoden der Zucht- bzw. Vatertierhaltung, die im Feudalsystem noch Aufgabe der Grundherrschaft war und zur Zeit des Königreichs Württemberg im 19. Jahrhundert den Kommunen übertragen wurde.

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Wohnhaus Burgstraße 6
(Karte)
Gestelztes Einhaus, zweigeschossiges, verputztes Fachwerkgebäude auf massivem Sockelgeschoss mit Satteldach, 18. Jahrhundert

Das Wohnhaus ist als Teil der historischen Bebauung am nordwestlichen Rand des historischen Stadtkerns von wesentlicher Bedeutung für die Stadtbaugeschichte. In seiner spezifischen Bauart als gestelztes Einhaus vereinigt das Gebäude Wohn- und Ökonomiebereiche unter einem Dach, wobei sich die Wohnzonen über den Nutztierställen bzw. der Scheune in den Obergeschossen befinden. Damit veranschaulicht der Bau bäuerlich geprägte Lebens-, Wohn- und Wirtschaftsverhältnisse des 18. Jahrhunderts in Haiterbach und besitzt zugleich hauskundlichen wie auch bautypologischen Aussagewert für solche in der Nordschwarzwaldregion erhaltenen Einhäuser der Barockzeit.

101591665BW
Schafhaus Bus 1
(Karte)
Schafstall, eingeschossiger Bruchsteinbau mit Halbwalmdach und hochrechteckigen Licht- und Lüftungsscharten, Giebel in konstruktivem Sichtfachwerk, 18. Jahrhundert

Der in seinen Abmessungen stattliche Schafstall wurde in charakteristischer Solitärlage südöstlich des historischen Altstadtkerns als Bruchsteinbau mit weit herabgezogenem Halbwalmdach und hochrechteckigen Licht- und Lüftungsscharten errichtet. Solche Schafhäuser wurden in der Regel durch die Stadtgemeinde bzw. durch die Stadt- bzw. Ortsherrschaft erbaut, um in kalten Nächten und im Winter sämtliche Schafe der örtlichen Bauern unterzubringen. Das benötigte Futter wurde dabei auf den Speicherböden im Dachgeschoss gelagert. Somit liefert das Gebäude einen authentischen Einblick in die bäuerlich geprägte Arbeits- und Wirtschaftskultur vor dem Hintergrund der hiermit verknüpften Nutztierhaltung am Ende der Frühen Neuzeit in der näheren Umgebung von Haiterbach. In seinem anschaulichen Überlieferungszustand weist das Gebäude überdies hauskundlichen sowie bautypologischen Quellenwert für solche barockzeitlichen Schafställe bzw. -häuser in der Region des Nordschwarzwaldes auf.

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Schulhaus Dorfstraße 8
(Karte)
Eingeschossiges, verschindeltes und weitgehend in Fachwerk errichtetes Gebäude auf massivem Sockelgeschoss mit Satteldach, außenliegendes Treppenhaus, Dachreiter mit Uhr, südwestlich Queranbau, 1835

Das Schulhaus ist als Teil der historischen Bebauung des Weilers von ortsbaugeschichtlicher Bedeutung und zeichnet sich durch seinen charakteristischen Dachreiter mit Uhr als Sonderbau mit öffentlicher Funktion aus. In seiner ursprünglichen Nutzung nimmt der Bau einen wesentlichen Stellenwert innerhalb der örtlichen Bildungs- und Sozialgeschichte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts ein und gibt Auskunft über damalige Formen des Kinder- und Jugendunterrichts in einem Nordschwarzwaldweiler. Angesichts seines anschaulichen Erhaltungszustandes mit regionaltypischer Holzschindelverkleidung und massivem Sockelgeschoss besitzt das Gebäude zudem architekturgeschichtliche wie auch bautypologische Aussagekraft für solche dörflichen Schulhäuser der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts in den ländlichen Nordschwarzwaldregionen des damaligen Königreich Württembergs.

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Friedhof mit Umgrenzungsmauer

Der langgezogene und durch eine Ummauerung eingefasste Friedhof bildet in seiner landschaftlichen Einbettung im Tal des Heiterbaches ein prägendes Element der lokalen Kulturlandschaft löste den 1838 aufgehobenen alten Friedhof um die evangelische Pfarrkirche als städtische Begräbnisort ab. Solche Verlegungen der Friedhöfe in ein Gebiet unmittelbar außerhalb der bebauten Siedlungsflächen fanden in erster Linie aufgrund von hygienischen Gesichtspunkten statt. Gleichzeitig war auf den alten Gottesäckern um die Kirchen meist nicht mehr genügend Platz für weitere Bestattungen vorhanden. Der neue Friedhof zeugt somit vom jüngeren Bestattungs- und Trauerwesen christlicher Prägung in Haiterbach und nimmt folglich auch eine elementare Rolle innerhalb der städtischen Erinnerungs- und Gedenkkultur ein.

Friedhofweg
(Karte)
101587781[[Vorlage:Bilderwunsch/code!/C:48.524941333333,8.6530083333333!/D:Friedhof mit Umgrenzungsmauer Der langgezogene und durch eine Ummauerung eingefasste Friedhof bildet in seiner landschaftlichen Einbettung im Tal des Heiterbaches ein prägendes Element der lokalen Kulturlandschaft löste den 1838 aufgehobenen alten Friedhof um die evangelische Pfarrkirche als städtische Begräbnisort ab. Solche Verlegungen der Friedhöfe in ein Gebiet unmittelbar außerhalb der bebauten Siedlungsflächen fanden in erster Linie aufgrund von hygienischen Gesichtspunkten statt. Gleichzeitig war auf den alten Gottesäckern um die Kirchen meist nicht mehr genügend Platz für weitere Bestattungen vorhanden. Der neue Friedhof zeugt somit vom jüngeren Bestattungs- und Trauerwesen christlicher Prägung in Haiterbach und nimmt folglich auch eine elementare Rolle innerhalb der städtischen Erinnerungs- und Gedenkkultur ein.!/|BW]]
Kath. Kirche St. Peter Julian-Eymard Hohenrainstraße 36
(Karte)
Fertigkirche mit freistehendem Campanile, teilweise verputzte Saalkirche mit steilem, weit herabgezogenem Satteldach, geradem Chorschluss und seitlichem Sakristeianbau, Südfassade mit rechteckigem Hauptportal und pfeilergestütztem Vordach holzverschalt, südliches Giebelfeld als große, rechteckig gerasterte Fensterfläche mit Farbverglasung ausgebildet, seitliche Außenwände mit lisenenförmig hervortretenden Stützen, nördliche Seitenwandabschnitte mit geschosshohen Altarraumfenstern, Campanile mit teils verputztem und teils holzverschaltem sowie kubischem Sockel, darauf steiler pyramidaler Aufsatz mit Schieferverkleidung und bekrönendem Kreuz, im Inneren des Kirchensaals offener Dachraum mit Holzverschalung, Kirche errichtet nach variiertem Typenentwurf von Architekt Paul Nagler, Campanile nach Entwurf von Paul Pfeifle, 1965/66; neben dem Campanile Denkmalbüste des 1962 heilig gesprochenen Kirchenpatrons Peter Julian-Eymard auf Steinstele mit Inschrifttafel

In Folge der Bevölkerungsumwälzungen durch den Zweiten Weltkrieg entstand in überwiegend protestantisch geprägten Regionen des Landes ein großer Bedarf an neuen Gotteshäusern für die gewachsenen bzw. für die neu gegründeten katholischen Kirchengemeinden. Um möglichst kostengünstig und schnell angemessene Kirchenneubauten zu realisieren, initiierte die Diözese Rottenburg-Stuttgart auf Empfehlung des bischöflichen Bauamts ab den 1960er-Jahren die Errichtung von Fertigbaukirchen nach vier variierbaren Standard- oder Typenentwürfen der drei Architekten Paul Nagler, Wilhelm Frank und Gerold Reutter. Die Fertigteilkirchen sollten dabei explizit keine Provisorien darstellen und zum anderen trotz der Typisierung und Standardisierung einen gewissen Anspruch an künstlerische und formale Individualität seitens der Diasporagemeinden zum Ausdruck bringen. Für die seit 1963 zur katholischen Pfarrei Heilig Geist in Altensteig gehörende Gemeinde in Haiterbach wurde der älteste und bescheidenste Typenentwurf des Sindelfinger Architekten Paul Nagler ausgewählt, welcher 1962 entwickelt wurde und 1963 erstmals bei der katholischen Kirche in Reutlingen-Gönningen zur Anwendung kam. Die Nagler-Kirchen sind als zurückhaltende, longitudinale Saalkirchen mit dominierenden Satteldächern, chorturmartig überhöhten und steileren Satteldachabschnitten über den Altarräumen oder Satteldachreitern ausgeführt. Die meist in Holzfertigteilen konstruierten Kirchen sind zugleich durch die Putzflächen, die warmen Brauntöne der Holzverschalungen sowie durch das an den seitlichen Außenwänden sichtbare Stützensystem geprägt. Die dem 1962 heiliggesprochenen Peter Julian-Eymard (französisch Pierre Julien Eymard, 1811 bis 1868) geweihte Kirche in Haiterbach präsentiert sich mit steilerem und vergleichsweise weit herabgezogenem Satteldach und verzichtet auf einen Dachreiter oder die chorturmartige Dacherhöhung, wodurch sich die schützende und beherbergende Zeltwirkung des Baus verstärkt. Die Belichtung erfolgt direkt und ausdrucksstark durch das große durchfensterte Giebeldreieck sowie durch die beidseitigen Altarraumfenster mit qualitätvoll gearbeiteten, mosaikartig gestalteten Farbverglasungen. Darüber hinaus weicht der 1966 von Paul Pfeifle ausgeführte Campanile von der Typenplanung ab, welcher mit seinem bekrönenden Kreuz einen weithin sichtbaren, vertikalen Akzent innerhalb des nordwestlichen Neubaugebiets der Stadt setzt. Damit ist das Gebäude ein architektur- und kunstgeschichtlich bedeutsames Dokument für die auf einer Fertigbauweise basierenden Sakralbaukunst der Nachkriegsmoderne während der 1960er-Jahre. Die Kirche ist zudem ein sprechendes Zeugnis der jüngeren Kirchen- und Landesgeschichte vor dem Hintergrund der Bevölkerungsveränderungen infolge des Zweiten Weltkriegs und nimmt zugleich eine elementare Rolle innerhalb der Haiterbacher Siedlungs-, Glaubens- und Konfessionsgeschichte im Laufe der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts ein. Nicht zuletzt bezeugt die Denkmalbüste für den Kirchenpatron die moderne Verehrung von Heiligen des 19. Jahrhunderts.

101592264BW
Laufbrunnen Horber Straße 12
(Karte)
Querrechteckiger gusseiserner Brunnentrog mit Lisenengliederung und rechteckiger Rahmenzier, gusseiserne Brunnensäule, oktogonaler Sockel mit vegetabiler Ornamentik, im Bereich der Basis Kannelur, am Säulenschaft Blütenreliefs, Kapitell mit Akanthus, Blütenreliefs und bekrönendem, zapfenförmigem Aufsatz, errichtet 1876 (i)

Der Laufbrunnen ist ein aussagekräftiges Zeugnis für die Wasserversorgung des späten 19. Jahrhunderts vor Einführung eines flächendeckenden Wasserleitungsnetzes in Haiterbach und bildete durch seine Lage am südwestlichen Stadtausgang an der Straße in Richtung Horb am Neckar einen wichtigen Treffpunkt der kleinstädtischen Alltagskultur, wo die Einwohner ihr Brauchwasser abholten und ihr Vieh tränken konnten. In ihrer konkreten Gestaltung mit vegetabiler Ornamentik, Akanthusmotiven und Kannelur zeigt die Brunnensäule eine antikisierende Formensprache der Neurenaissance, welcher auch der rechteckige Brunnentrog verpflichtet ist. Als qualitätvolles Erzeugnis der zeitgenössischen Gusseisenherstellung besitzt der Brunnen damit ebenso aufschlussreichen Quellenwert für solche nach kunsthandwerklichen Vorlagen gefertigte Laufbrunnen im Königreich Württemberg zur Zeit der Hochindustrialisierung.

101592293BW
Rathaus Marktplatz 1
(Karte)
Zweigeschossiger Bau mit Satteldach und offenem Holzdachreiter samt Glocke, Kellersockel und Erdgeschoss in Rotsandsteinquadermauerwerk, Ober- und Dachgeschosse in konstruktivem Sichtfachwerk mit geschosshohen Diagonalstreben, Obergeschoss allseitig leicht vorkragend über sichtbaren Balkenköpfen, nordwestlich im Portalbereich des Erdgeschosses kleine offene Vorhalle mit rundbogigen Pfeilerarkaden, Rechteckfenster im Erdgeschoss mit profilierten Werksteingewänden, errichtet anstelle des am 10. Mai 1945 niedergebrannten Vorgängerbaus, 1949

Das Rathaus befindet sich in prominenter Lage am Marktplatz vor der evangelischen Laurentiuskirche und ist nicht nur durch seine Lage, sondern auch durch seinen offenen Holzdachreiter mit Glocke visuell und akustisch als öffentlicher Sonderbau ausgezeichnet. Das Gebäude wurde 1949 anstelle des am 10. Mai 1945 niedergebrannten Vorgängers von 1845 errichtet und greift in seiner traditionsverpflichteten Gestaltung mit konstruktivem Sichtfachwerkgefüge, Satteldach, sandsteinsichtigem Erdgeschoss bzw. Kellersockel, sowie profilierten Werksteingewänden auf althergebrachte Grundelemente und Würdeformeln des regionalen Haus- bzw. Rathausbaus der Zeit um 1800 bzw. des 19. Jahrhunderts zurück. Der Bau passt sich so harmonisch in die bestehende Kulturlandschaft ein und entfaltet zugleich einen vertrauten und heimatlich anmutenden Charakter, welcher Reminiszenzen an die Vergangenheit wachruft und dabei auch eine identifikatorische Projektionsfläche für die Haiterbacher Stadtbevölkerung bietet. Gleichzeitig wird mit der Anwendung von traditionellen Würdeformeln der regionalen Rathausarchitektur wie dem Dachreiter und der arkadengeöffneten Vorhalle im Portalbereich des Erdgeschosses auch die repräsentative Ausstrahlungskraft des städtischen Verwaltungsmittelpunktes in Weise in altbekannter Weise unterstrichen. Damit ist das Gebäude ein beredtes Dokument für die südwestdeutsche Rathausarchitektur des traditionalistischen Heimatschutzstils im Sinne der Stuttgarter Schule während der frühen Nachkriegszeit. In seiner Funktion zeichnet der Bau überdies einen wesentlichen Teil der Haiterbacher Stadt-, Verwaltungs-, Alltags- und Sozialgeschichte seit der Mitte des 20. Jahrhunderts nach.

101604603BW
Denkmal für die Gefallenen beider Weltkriege Marktplatz 1
(Karte)
Rotsandstein, als Teil der nördlichen Kirchhofmauer ausgebildet, durch sechs polygonale Sandsteinhalbsäulen gegliederte Wandfläche, in den fünf Zwischenräumen in der Mitte eine Bronzereliefplatte mit einer stehenden trauernden Mutter, die mit dem Mantel ein Kind umhüllt, umgeben von fünf Grabkreuzen, in den weiteren Interkolumnien vier Bronzeinschrifttafeln, horizontaler Abschluss durch Konsolenfries, geschaffen durch Bildhauer Albert Volz, Altbulach, Bronzeguss Franz Burger, Untertürkheim, 1956/57

Das Gefallenendenkmal befindet sich als Teil der nördlichen Kirchhofmauer in prominenter Lage am Marktplatz und wurde 1956/57 durch den Altbulacher Bildhauer Albert Volz geschaffen. Es erinnert an die aus Haiterbach stammenden Soldaten, die infolge der beiden großen Weltkriege ihr Leben ließen bzw. nicht mehr nach Hause zurückkehrten. Es nimmt damit eine zentrale Rolle innerhalb der jüngeren Erinnerungs- und Trauerkultur der Kleinstadt ein und verdeutlicht hierbei in nachdrücklicher Weise die schmerzhaften und traumatischen Auswirkungen der beiden Weltkriege auf die Stadtbevölkerung und ihre Familien. In seiner monumental daherkommenden Formen- und Materialsprache mit regionaltypischem Rotsandstein, polygonaler Halbsäulengliederung und Konsolenfries betont das Denkmal zugleich die strenge Würde des Andachts- und Gedenkortes. Darüber hinaus führt die zentrale Bronzereliefdarstellung (Bronzeguss durch Franz Burger, Stuttgart-Untertürkheim) einer trauernden Mutter, die ihr Kind schützend in ihren Mantel und in ihre Hände hüllt, zeittypische Ausdrucksformen der Trauer- und Kriegsbewältigung vor Augen, wodurch das Gefallenendenkmal ebenso von kunstgeschichtlicher Tragweite für die betont pazifistische und auf die Darstellung von persönlichem Verlustschmerz hin ausgerichtete Bildsprache an solchen Erinnerungsorten während der Nachkriegszeit ist.

101587201BW
Ev. Pfarrkirche (St. Laurentius) Marktplatz 3
(Karte)
Verputzte Saalkirche mit Satteldach und eingezogenem Polygonalchor, seitlicher Ostturm mit polygonal abgeschlossenem Spitzhelm, Turm weit gehend verputzt mit sichtbaren Eckquadern sowie polygonalem Chorabschluss samt Strebepfeilern, Glockengeschoss mit rechteckigen Schallöffnungen und Holzschindelverkleidung, südöstlich Anbau mit Pultdach und rechteckigem Drillingsfenster, nördliche Giebelfassade mit spitzbogigem Stabwerkportal samt modernen Jahreszahlinschriften im Bogenscheitel, darüber Rundfenster, gerahmt durch zwei Spitzbogenfenster mit zweibahnigen Maßwerkgliederungen, am Chor Rechteckfenster mit sichtbarer Quadereinfassung, im Inneren flache Holzkassettendecken, im Turmerdgeschoss Kreuzrippengewölbe und fragmentarische Reste von Wandmalereien, letztere wohl 2. Hälfte 13. Jahrhundert, am Chorbogen ornamentale Rankenmalerei mit umlaufendem Spruchband von 1856/57, samt weiterer historischer Ausstattung wie Taufstein oder dreiseitig umlaufendem Emporeneinbau, seitlicher Ostturm 13. Jahrhundert mit jüngeren Veränderungen, Langhaus und Chor nach Stadtbrand errichtet, 1555, Umbau mit Verlängerung der Schiffsfenster und Umgestaltung des Inneren mit Rankenmalerei 1856/57; umgebende Freifläche des alten Friedhofs mit Friedhofsummauerung und Grabmal von Christian Gottlob Pregizer südöstlich des Chors

Die evangelische Pfarrkirche, aufgrund ihres ehemaligen Patroziniums auch Laurentiuskirche genannt, bildet mit ihrem hochaufragenden Ostturm ein bestimmendes und ortsbildprägendes Element innerhalb des ehemals befestigten Altstadtkerns. Die heutige Saalkirche mit eingezogenem Polygonalchor sowie seitlichem Ostturm samt weiterem geradem Chorabschluss ging augenscheinlich aus mehreren Bauphasen hervor, wobei der Kirchenbau bereits 1150 erstmals urkundlich genannt wurde. Aus der ältesten Bauphase des 13. Jahrhunderts stammt noch der Ostturm, der angesichts seines Kreuzrippengewölbes im Turmerdgeschoss ursprünglich als Chorturm fungierte. Die fragmentarisch überlieferten Wandmalereireste mit Heiligendarstellungen im ehemaligen Chorraum liefern dabei noch anschauliche Hinweise auf den mittelalterlichen Raumcharakter und die einstige Chorausmalung, welche die kontemplative Versenkung der Geistlichen im Chor anregen sollte und den Altarraum zugleich als hervorgehobenen Sakralbereich innerhalb des Kirchenbaus auszeichnete. Das ursprünglich westlich an den ehemaligen Chorturm anschließende Langhaus ging beim Stadtbrand 1554 verloren, woraufhin 1555 das heutige spätgotische Langhaus mit eingezogenem Polygonalchor, spitzbogigem Stabwerkportal und hohen Maßwerkfenstern errichtet wurde. Unter Beibehaltung des alten Chorturms wurde der spätgotische Chor nach Süden ausgerichtet. Der heutige Innenraum, aber auch Teile des äußeren Erscheinungsbildes, werden schließlich durch die 1856/57 erfolgte Umgestaltung im Sinne der damals im Königreich Württemberg aufkommenden Neugotik bestimmt, welche den historistischen Kirchenbau im weiteren Verlauf der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts als idealtypischer und aufrichtig aufgefasster Sakralstil dominieren sollte. Die programmatische Rückbeziehung auf das verklärte Mittelalter und der mit diesem in Verbindung gebrachten Gotik spiegelt sich hierbei exemplarisch in der ornamentalen Rankenmalerei mit Spruchband (darauf Zitat aus dem Johannesevangelium) am Chorbogen, im dreiseitig umlaufenden Emporeneinbau, in der Kanzel und am Außenbau in der historistischen Neugestaltung des östlichen Abschlusses am alten Chorraum wider. In seinem mehrschichtigen Überlieferungszustand ist die Laurentiuskirche mitsamt ihrer weiteren historischen Ausstattung damit ein kunst- und architekturgeschichtlich vielsagendes Zeugnis für die früh- und spätgotische wie auch die neugotische Sakralbaukunst des 13. Jahrhunderts bzw. der Mitte des 16. und 19. Jahrhunderts in der Region des Nordschwarzwaldes. Zusammen mit dem 1838 aufgehobenen Friedhof, auf welchem sich auch das Grab des für die jüngere Theologie- und Kirchengeschichte Württembergs bedeutenden Pietistenpredigers und ehemaligen Haiterbacher Pfarrers Christian Gottlob Pregizer (1751 bis 1824) befindet, nimmt das Kirchengebäude überdies eine zentrale Rolle innerhalb der Glaubens-, Siedlungs-, Konfessions- und Begräbnisgeschichte von Haiterbach seit dem Spätmittelalter ein.

101584131BW
Stadtmauer Altnuifraer Straße 17
(Karte)
Aufgehende Mauerreste am südlichen Stadtkernrand entlang des Heiterbachs, teils als Substruktionen der Gebäude sowie teils als südlicher Abschnitt der alten Friedhofummauerung, weiterer Mauerrest bzw. mit einem Stadttor verbundener Mauerrest im Gebäude Altnuifraer Straße 17 integriert, im Kern wohl um 1250 bzw. um 1277 mit jüngeren Veränderungen

Der im Jahr 1099 erstmals als Heitirbach genannte Ort in geschützter Tallage am Zusammenfluss des oberen Heiterbachs mit dem Stauchbach wurde unter der Herrschaft der Grafen von Hohenberg in der Mitte des 13. Jahrhunderts bzw. im späten 13. Jahrhundert zur Stadt erhoben (1277 cives). Neben dem Marktrecht und dem Recht auf eine innerstädtische Gerichtsbarkeit war die Stadterhebung im Spätmittelalter mit dem Befestigungsrecht verknüpft, von welchem die Haiterbacher Stadtherrschaft wohl unmittelbar mit der Stadterhebung Gebrauch machte. Um den historischen Stadtkern, dessen Mittelpunkt sich etwa an der Kreuzung des Städtlesbergs, des Marktplatzes und der Nagolder Straße befindet, wurde ein Stadtmauerring mit vorgelagertem Graben und drei Toren, dem Oberem, dem Unterem und dem Waldtor, als Zugänge angelegt. Der einstige Verlauf der 1807 weitgehend abgetragenen Stadtbefestigung lässt sich noch anschaulich anhand der aufgehend überlieferten Stadtmauerreste am südlichen Rand des Altstadtrings unmittelbar am südlich davon vorbeifließenden Heiterbachs ablesen. Jene Mauerreste dürften im Kern auf die Stadtgründungszeit im Verlauf der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts zurückgehen und sind teilweise als Substruktionen in die geschlossene, traufständige Bebauung entlang der Froschgasse sowie in das evangelische Pfarrhaus Pregizergasse 2 integriert. Südlich der evangelischen Pfarrkirche sind die Stadtmauerreste in die südliche Ummauerung des alten Friedhofs um die Kirche einbezogen. Die ringartige Krümmung der Stadtbefestigung wird zugleich durch die Biegung der eng aneinandergefügten Häuser in der Froschgasse deutlich, wobei die Stellung der modernen Gebäude zueinander auf die engen Platzverhältnisse innerhalb der Befestigung hinweist. Ein weiterer, wohl mit der Stadtmauer in Verbindung zu bringender Mauerrest findet sich als vorspringender Teil des Gebäudes Altnuifraer Straße 17. In Anbetracht dessen wird auch die Materialität des Rotsandsteins sowie das Mauerwerksgefüge als Bruchsteinmauerwerk ersichtlich. Die Lage jenes Mauerrests am Straßendurchlass weist zudem auf einen funktionalen Zusammenhang mit einem der drei Stadttore hin, welche wohl in Form von Tortürmen bestanden. Darüber hinaus befand sich die Stadtbefestigung wohl auch in einer funktionalen bzw. wehrtechnischen Beziehung zur ebenfalls 1807 vollends abgebrochenen Burg, auf welcher von 1228 bis zum Ende des 14. Jahrhunderts niederadelige Ministerialen, d. h. unfreie Dienstmannen der Grafen von Hohenberg saßen, die wohl auch Kontakte zu den Pfalzgrafen von Tübingen hatten. In Verbindung mit den noch archäologisch erhaltenen Resten der Stadtbefestigung sind die obertätig sichtbaren Stadtmauerfragmente damit von elementarem Stellenwert für die spätmittelalterliche sowie frühneuzeitliche Stadtbau,- Siedlungs-, Befestigungs- und Herrschaftsgeschichte von Haiterbach und geben Auskunft über fortifikatorische Lösungen vor dem Hintergrund solcher kleineren Stadtanlagen der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts in der Region des Nordschwarzwaldes.

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Brunnenstock Froschgasse
(Karte)
Rotsandstein, Auslässe mit Maskenreliefs, oberer Teil obeliskförmig mit Reliefdarstellungen, darunter Blütengehänge und Haiterbacher Stadtwappen, geschaffen von Johannes Schmieder, Wildberg, 1767

Der obeliskförmige Brunnenstock wurde 1767 durch den Steinmetz bzw. Bildhauer Johannes Schmieder aus dem nahegelegenem Wildberg geschaffen und ist ein wesentliches Zeugnis für die frühneuzeitliche Wasserversorgung lange vor Einführung eines flächendeckenden Wasserleitungsnetzes in Haiterbach. Durch seine prominente Lage auf dem Marktplatz unmittelbar nordwestlich der evangelischen Kirche bildete der Brunnen einen wesentlichen Treffpunkt der Stadtgesellschaft, wo die Bürger ihr Brauchwasser abholten und zugleich ihr Vieh tränken konnten. Gleichzeitig stand der Brunnen mit den hier abgehaltenen Märkten in Verbindung. Die kommunikative und soziale Mittelpunktfunktion des Brunnens, welcher auch als Ort für öffentliche Verkündigungen und Bekanntgaben diente, kommt zugleich in der repräsentativen Gestaltung des Brunnenstocks mit wasserspeienden Masken, Blumengehängen oder dem Haiterbacher Stadtwappen zum Ausdruck. Somit gibt der Brunnenstock ebenso Auskunft über das gesellschaftliche und öffentliche Alltagsleben in der Kleinstadt während der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts.

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Wohn- und Geschäftshaus Marktplatz 8
(Karte)
Dreigeschossiger verputzter Fachwerkbau mit einseitigem Krüppelwalmdach und holzverschaltem Dachreiter, Wiederkehr, Rechteckfenster mit profilierten Rahmungen, 19. Jahrhundert (Ladenlokal nachträglich)

Das stattliche, traufständig ausgerichtete Gebäude ist als Teil der historischen Bebauung innerhalb des ehemals befestigten Altstadtkerns von stadtbaugeschichtlicher Aussagekraft. Neben seinem einseitigen Krüppelwalmdach wird der Bau maßgeblich durch den holzverschalten Dachreiter bestimmt, welcher auf eine ursprüngliche öffentliche Sonderfunktion wie der einer Bildungsstätte hindeutet. Angesichts der prominenten Lage am Marktplatz könnte auch eine ehemalige Nutzung als Gasthaus in Frage kommen. Damit gibt das Gebäude Auskunft über die städtische Sozial- und Alltagsgeschichte des 19. Jahrhunderts in Haiterbach und verdeutlicht überdies zeittypische Charakteristiken des damaligen Hausbaus in der Nordschwarzwaldregion.

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Färberei Nagolder Straße 12/1
(Karte)
Zweigeschossiges, verputztes und teilweise verschindeltes Fachwerkgebäude auf massivem Sockelgeschoss mit Satteldach, profilierte Sandsteingewände im Erdgeschoss, Nordgiebel dreifach vorkragend, 18. Jahrhundert

Das ehemalige Färbereigebäude wurde im 18. Jahrhundert am östlichen Ausgang des ehemals befestigten Altstadtkerns errichtet und zeugt daher von der historischen Bebauungsstruktur von Haiterbach. Auf die ursprüngliche Nutzung des stattlichen Baus mit massivem Erd- bzw. Sockelgeschoss weißt von außen insbesondere die charakteristische Lage am Wasser des hier unmittelbar vorbeifließenden Heiterbachs. Das Färben gehörte dabei neben dem Walken und Bleichen zu den maßgeblichen Veredelungsschritten der Stoff- und Textilverarbeitung, wofür ausreichend Mengen Wasser zur Verfügung stehen mussten. In seinem authentischen Überlieferungszustand ist das Gebäude damit ein aussagekräftiges Zeugnis für das textilverarbeitende Handwerksgewerbe am Ende der Frühen Neuzeit in und um Haiterbach und gibt Auskunft über die hiermit verknüpften Arbeitsmethoden während des 18. Jahrhunderts. In diesem Kontext besitzt das Gebäude überdies hauskundlichen wie auch bautypologischen Aussagewert für solche barockzeitlichen Wohn- und Werkstattgebäude in der Region des Nordschwarzwaldes.

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Wohnhaus Nagolder Straße 13
(Karte)
Zweigeschossiger Bau mit Mansardkrüppelwalmdach, massives Erdgeschoss mit Eckquaderung und profilierten Sandsteingewänden verputzt, darüber wohl Fachwerk mit Holzschindelverkleidung, Hauseingang an der Traufseite mit Fisch auf Wappenschild, 18. Jahrhundert

Das giebelständig ausgerichtete Wohnhaus entstand im 18. Jahrhundert als Teil der nach Osten ausgreifenden Stadterweiterung und zeichnet sich durch sein zeittypisches Mansarddach, seine regionaltypische Holzschindelverkleidung sowie seine symmetrisch organisierte Straßenfassade aus. Das Wappenschild mit Fischdarstellung über dem traufseitigen Hauseingang liefert dabei wesentliche Hinweise auf die Identität, aber auch auf die gesellschaftliche Stellung der Bauherrschaft bzw. der ehemaligen Hausbewohner. Somit veranschaulicht der Bau städtische Lebens- und Wohnverhältnisse des 18. Jahrhunderts in Haiterbach und gibt in diesem Zusammenhang auch Auskunft über die barockzeitliche Sozialstruktur in der Kleinstadt. In seinem anschaulichen Erhaltungszustand besitzt das Gebäude zudem architekturgeschichtlichen Quellenwert für den spätbarocken Hausbau in der Nordschwarzwaldregion.

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Hofanlage Oberhofweg 8
(Karte)
Zweigeschossiges Einhaus mit Satteldach, Scheunenteil und Teile des Wohngeschosses in Sichtfachwerk mit langen Diagonalstreben und Andreaskreuzen, Ökonomieteil unter dem Wohnbereich weitgehend massiv, außenliegender Treppenaufgang, im Kellerbogen datiert 1812 (i)

Die Hofanlage ist durch ihr inschriftlich überliefertes Alter von wesentlicher Bedeutung für die Ortsbaugeschichte des kleinen Weilers. In seiner spezifischen Bauart als quergeteiltes bzw. gestelztes Einhaus vereinigt das Gebäude Wohn- und Ökonomiebereiche unter einem Dach, wobei die Scheunen im nördlichen Gebäudeteil untergebracht sind, während sich die Wohnzonen im Obergeschoss des südlichen Gebäudeabschnitts über den massiven Stallteilen befinden. Gleichzeitig ist der Bau durch sein weitgehend konstruktives Fachwerkgefüge mit langen Diagonalstreben bestimmt, wobei die geraden Andreaskreuze in den Fensterbrüstungsfeldern gestalterische Akzente in Richtung des hier vorbeiführenden Straßenraums setzen. Damit ist das Gebäude nicht nur ein sprechendes Zeugnis für das regionale Zimmermannshandwerk des frühen 19. Jahrhunderts, sondern auch ein hauskundliches wie auch bautypologisch aufschlussreiches Beispiel für solche in der Nordschwarzwaldregion überlieferten Einhäuser der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Darüber hinaus liefert der Bau einen authentischen Einblick in die bäuerlich geprägte Lebens-, Wohn- und Erwerbskultur der damaligen Zeit auf einem solchen Weiler in der Region des Nordschwarzwaldes.

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Ev. Pfarrhaus Pregizergasse 2
(Karte)
Zweigeschossiges verputztes Gebäude mit Satteldach, ab dem Obergeschoss in Fachwerk ausgeführt, im massivem Erdgeschoss profilierte Sandsteingewände, nordöstliche Traufseite mit mittigem Zwerchhaus, symmetrische nordwestliche Giebelfassade mit segmentbogigen Fenster- und Portalöffnungen im Erdgeschoss, zum Obergeschoss umlaufendes Gurtgesimsband, 19. Jahrhundert

Das evangelische Pfarrhaus bildet mit der benachbarten Laurentiuskirche und dem nahegelegenen Rathaus eine ortsbauliche Dominante innerhalb des ehemals befestigten Altstadtkerns. Das im Verlauf des 19. Jahrhunderts errichtete Gebäude zeichnet sich durch seine vergleichsweise bescheidene, aber dennoch repräsentative Erscheinung mit symmetrisch aufgebauter Portalfassade, Segmentbogenfenstern und umlaufendem Gurtgesimsband zum Obergeschoss aus und verdeutlicht so das gehobene gesellschaftliche Ansehen der Ortsseelsorger in der damaligen Zeit. Das Gebäude dokumentiert zugleich die eng miteinander verknüpften Lebens-, Wohn-, Arbeits- und Versorgungsverhältnisse der hier ehemals ansässigen Pfarrer und ihrer Familien und besitzt in seiner zurückhaltenden, aber dennoch würdevollen Gestaltung zugleich architekturgeschichtlichen wie auch bautypologischen Aussagewert für solche dem Klassizismus zuzuordnenden Pfarrhäuser in der Nordschwarzwaldregion zur Zeit des Königreichs Württemberg.

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Laufbrunnen Städtlesberg 1
(Karte)
Querrechteckiger Brunnentrog aus gusseisernen Platten, bezeichnet „1796 CHZW“ und württembergisches Wappen, seitliche Abschrägungen Blumenvasenreliefs, errichtet 1796 (i), ursprünglicher Aufsatz auf erneuerter Sandsteinsäule

Der Laufbrunnen ist ein aussagekräftiges Zeugnis für die Wasserversorgung des späten 18. Jahrhunderts sowie des 19. Jahrhunderts vor Einführung eines flächendeckenden Wasserleitungsnetzes in Haiterbach und bildete durch seine Lage am Städtlesberg inmitten der ehemals befestigten Kernstadt einen wichtigen Treffpunkt der kleinstädtischen Alltagskultur, wo die Einwohner ihr Brauchwasser abholten und ihr Vieh tränken konnten. Der querrechteckige Brunnentrog mit ansprechenden Blumenvasenreliefs sowie repräsentativer Darstellung des herzoglich-württembergischen Wappens samt Jahreszahl und (falschen) Herzogsinitialen (1796 war Friedrich Eugen Herzog von Württemberg) ist zudem ein sprechendes Dokument für die kunsthandwerkliche Gusseisenfertigung des ausgehenden 18. Jahrhunderts im damaligen Herzogtum Württemberg.

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Laufbrunnen Unterer Schömberg 14
(Karte)
Querrechteckiger Brunnentrog aus Beton, gusseiserne Brunnensäule auf Sandsteinplatte, 19. Jahrhundert

Der Laufbrunnen ist ein aussagekräftiges Zeugnis für die Wasserversorgung des 19. Jahrhunderts vor Einführung eines flächendeckenden Wasserleitungsnetzes in Haiterbach. Der in antikisierenden Formen der Neurenaissance gestaltete Brunnenstock ist zudem ein qualitätvolles Beispiel für die nach kunsthandwerklichen Vorlagen fertigende Gusseisenproduktion im Königreich Württemberg zur Zeit der Hochindustrialisierung.

101591963BW
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Oberschwandorf

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Bild Bezeichnung Lage Datierung Beschreibung ID
Sog. Brennerhaus Hauptstraße 31
(Karte)
Auch Hofhaus, Wohnhaus einer Hofanlage, mächtiges zweigeschossiges gestelztes Fachwerkgebäude mit Satteldach, Sockelgeschoss massiv, straßenzugewandte Giebelseite weitgehend in Sichtfachwerk mit Zierelementen wie Rautenformationen, genasten und geschweiften Andreaskreuzen sowie Streben, mehrfach vorkragend über sichtbaren Balkenköpfen, traufseitige Obergeschoss mit Holzschindelverkleidung, 1. Hälfte 17. Jahrhundert

Das mächtige Gebäude des sogenannten Brenner- oder Hofhauses bildet als bisher ältester überlieferter Profanbau des Orts einen wesentlichen Bestandteil der historischen Dorfkernbebauung. giebelständig ausgerichtete Wohnhaus einer Hofanlage zeigt in seinem Fachwerkgefüge aufwendig gearbeitete Zierformen wie die genasten und geschweiften Andreaskreuze und Streben sowie die Rautenformationen, welche auf den gesteigerten Repräsentationsanspruch bzw. die gehobene gesellschaftliche Stellung der Bauherrschaft bzw. der ehemaligen Hausbesitzer hindeuten und zugleich für den altwürttembergischen Fachwerkbau der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts charakteristisch sind. Als eindrucksvolles Dokument für die regionale Zimmermannskunst der damaligen Zeit besitzt das Gebäude damit wesentlichen Quellenwert für die lokale Haus- und Gefügeforschung. Darüber hinaus veranschaulicht der Bau bäuerlich geprägte Lebens-, Wohn- und Wirtschaftsverhältnisse mit gehobenem Geltungsbewusstsein während des 17. Jahrhunderts in Oberschwandorf.

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Ev. Filialkirche (St. Severus) Kirchstraße 4
(Karte)
Kleine verputzte Saalkirche mit Satteldach und dreiseitigem Chorabschluss, auf dem Westgiebel rechteckiger Turmaufsatz mit Holzschindelverkleidung, flach segmentbogigen Schallöffnungen und zweifach geknicktem Pyramidendach, südöstlich Anbau, Kirche mit Rund- und Spitzbogenöffnungen, am Chorabschluss sichtbare Eckquader, im Portalsturz Jahreszahl, im Inneren flach gedeckt, L-förmiger Holzemporeneinbau mit Brettbalustern und beschnitzter Holzsäule, samt weiterer historischer Ausstattung, errichtet 1725 (i)/1726 und 1761 bzw. 1766 (Umbauten 1952, 1962 und 1974), Friedhof

Die evangelische Filialkirche war ehemals dem hl. Severus geweiht und bildet mit ihrem holzverschindelten Turmaufsatz einen prägenden Bestandteil der historischen Dorfkernbebauung. Die bescheidene Saalkirche mit dreiseitigem Chorabschluss entstand in ihrer heutigen Erscheinung während der Jahre 1725/26 und 1761 bzw. 1766 und bezeugt mit ihren noch gotisch anmutenden Spitzbogenöffnungen das Festhalten an spätmittelalterlichen Bau- und Gestaltungstraditionen bis ins 18. Jahrhundert im Kontext solcher kleineren kirchlichen Bauaufgaben in den ländlicheren Gebieten des Nordschwarzwaldes. Gleichzeitig könnten die Spitzbogenöffnungen auf die Einbeziehung von Resten eines (spät)gotischen Vorgängerbaus hindeuten, was dem baulichen Pragmatismus auf einem solchen Schwarzwalddorf entsprechen würde. Im Inneren zeigt sich der Bau mit seiner wohl dem 18. Jahrhundert zuzuordnenden Holzempore auf beschnitzten Holzsäulen ebenso nüchtern, was jedoch auch mit den Umgestaltungen der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts in Verbindung steht. Damit ist das Gebäude ein aufschlussreiches Beispiel für den barockzeitlichen Kleinkirchenbau des 18. Jahrhunderts in der Region des Nordschwarzwaldes und besitzt als gottesdienstliche Versammlungsstätte des Dorfes elementaren Aussagewert für die Glaubens-, Siedlungs- und Konfessionsgeschichte von Oberschwandorf seit der Frühen Neuzeit.

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Unterschwandorf

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Bild Bezeichnung Lage Datierung Beschreibung ID
Kechler-Schloss Unterschwandorf Alte Haiterbacher Straße; Schloß 1, 3, 4
(Karte)
Bestehend aus:
  • Hauptbau (Schloß 1), dreigeschossiger, weitgehend verputzter Massivbau mit langem Mitteltrakt und zwei kurzen, mit den Giebelseiten nach Norden gerichteten Seitenflügeln, Ostflügel mit Satteldach und Staffelgiebel, Westflügel mit einseitigem Krüppelwalmdach, Hoffronten des Westflügels und des Mitteltraktes mit dreigeschossigem und weitgehend holzverschaltem Galerieanbau, Laubengänge in Holz mit Holzsäulen und Balustern, auf der Ostseite des Westflügels teils zugesetzt, im westlichen Hofwinkel weitgehend durch Galerieanbau verdeckter, runder Treppenturm zur Erschließung aller Geschosse, an den Giebelseiten des West- und Ostflügels stützpfeilerartige Maueransätze, Kellergeschoss im Westen als Sockelgeschoss hervortretend, hofseitig im Erdgeschoss Rundbogenportale mit profilierten Gewänden, an den glatten Außenfassaden teils zweigeteilte Rechteckfenster mit profilierten bzw. gekehlten Gewänden, Südfassade mit hölzernen Aborterkern samt Fallschächten, im Erdgeschoss der Südfassade drei hohe Spitzbogenfenster der Schlosskapelle mit zweibahnigen Maßwerkgliederungen und Schneußmaßwerk unter den Scheitelpunkten, Kapelle als kleine Saalkirche mit polygonalem Chorschluss, im querrechteckigem Schiff Netzrippengewölbe mit abgeschnittenen Rippenstücken, Schlusssteine mit Rollwerkkartuschen, ein Schlussstein mit Kechlerwappen, im Chor Sternrippengewölbe, beide Gewölbe auf kleinen runden Wandkonsolen, westlich Herrschaftsempore mit Rundbogenöffnungen, samt weiterer ortfester historischer Ausstattung, errichtet nach Entwurf von Hofbaumeister Heinrich Schickhardt für Jörg Endris II. Kechler unter Einbeziehung von baulichen Kellerresten der Vorgängerburg, 1594 bis 1596 (d), Reparaturen und Umbauten 1710, 1717 und 1795, mehrere Umbauten, Reparaturen und Umgestaltungen im Laufe des 19. Jahrhunderts bis 1913, darunter Umgestaltung mit Staffelgiebel, 1843 bis 1852, Verschalung der Balustraden 1870er-Jahre;
  • großer Stallbau der Meierei (Schloß 4), Stallscheune, zweigeschossiger, langgestreckter und weitgehend in Fachwerk errichteter Bau mit Satteldach in Hanglange, Unterbau und Teile des Erdgeschosses massiv, sonst konstruktives Sichtfachwerk mit geschosshohen Diagonalstreben, westliche Giebelseite mit Wetterdach, errichtet unter Einbeziehung der Grundmauern der Vorgängerbauten durch Werkmeister Schuster, Instandsetzung mit massiver Ausmauerung der Erdgeschossbereiche und Einbau eines Lüftungssystems durch Werkmeister Wilhelm Benz, 1910;
  • kleiner Stallbau der Meierei (Schloß 3), Scheune, zweigeschossiger verputzter Fachwerkbau mit Krüppelwalmdach und längsgerichteter Durchfahrt in Hanglage, Unterbau massiv, darüber teils massiv erneuert, originales korbbogiges Westtor, 1749 (d)
  • Remise der Meierei, Wagenremise, verbretterter Holzbau mit Satteldach, errichtet nach Entwurf von H. Schuster als offene Remise, um 1890, nachträglich verbrettert und mit Schiebetür versehen;
  • Hühnerhaus, kleiner Fachwerkbau mit Satteldach, frühes 20. Jahrhundert;
  • umliegende Verkehrs- und Grünflächen mit quellgespeistem Fischteich östlich des Ostflügels sowie Laufbrunnen im Hof

Das Kechler-Schloss Unterschwandorf erhebt sich in thronender Weise sich auf einem Tuffsteinfelsen hoch über dem Dorf Unterschwandorf und der im Tal fließenden Waldach und bildet so ein prägendes Element innerhalb der Kulturlandschaft um Haiterbach. Die Kechler von Schwandorf, die mit dem Ort und der Herrschaft durch die Grafen von Hohenberg und später durch die Grafen bzw. Herzöge von Württemberg belehnt wurden, sind erstmals 1270 als Ministerialen der Grafen Hohenberg fassbar, wobei sie ab 1283 unter dem Beinamen Kechler auftreten. Die Herren Kechler von Schwandorf spielten als Lehnsleute der Grafen und später der Herzöge von Württemberg eine wichtige Rolle in der Landesverwaltung und bei Hofe. Mit der Verleihung des Blutbanns 1516 durch Württemberg, dem seit 1363 die benachbarten Städte Nagold und Haiterbach unterstanden, verfügten die Kechler zudem über ihr eigenes winziges reichsritterliches Territorium im Waldachtal, wobei ihr Besitztum seit dem 16. Jahrhundert zum Reichsritterkanton Neckar-Schwarzwald gehörte. Damals saßen die Kechler noch auf der Vorgängerburg, die erstmals 1294 erwähnt wird und von welcher sich so gut wie kein aufgehendes Mauerwerk erhalten hat. Um seinem niederadeligen Ritterstand einen zeitgemäßen und angemessenen Ausdruck zu verleihen, gab der württembergische Obervogt zu Altensteig Jörg Endris II. Kechler (1569 bis 1629) bei dem hochbedeutenden württembergischen Hofbaumeister Heinrich Schickhardt (1558 bis 1635) einen Schlossneubau in Auftrag, der zwischen 1594 und 1596 realisiert wurde. Die Orientierung an einem Leithof, hier dem württembergischen Hof unter dem 1593 an die Macht gelangten Herzog Friedrich I., und die Beauftragung des dortigen Hofbaumeisters war dabei charakteristisch für solche Bauvorhaben des niederen Adels. Der Schlossbau, bestehend aus einem langen, dominierenden Mitteltrakt und den beiden kurzen Seitenflügeln, die ihre Giebelseiten dem Waldachtal zuwenden, war angesichts der teils stützpfeilerartigen Maueransätze an den Giebelseiten wohl als geschlossene und zeittypische Vierflügelanlage konzipiert, die jedoch durch die beschränkten finanziellen Möglichkeiten der Kechler nie vollständig zur Ausführung kam. Mit seinen weitgehend schmucklosen Schaufassaden, die einzig durch die teils zweigeteilten Rechteckfenster mit gekehlten Gewänden gegliedert werden, seinen hofseitigen Galerien, hier entsprechend der finanziellen Mittel nicht in Stein, sondern als hölzerne Laubengänge mit Holzsäulen und gedrechselten Balustraden ausgeführt, sowie mit seinem runden Treppenturmeinbau, über welchen sämtliche Geschosse des Gebäudes erschlossen sind, zeigt das Gebäude bezeichnende Wesensmerkmale der renaissancezeitlichen Schlossarchitektur in Württemberg, die maßgeblich durch die Arbeiten Schickhardts, aber auch durch seine Vorgänger wie dem unter Herzog Christoph tätigen Hofbaumeister Alberlin Tretsch (um 1500 bis 1577) geprägt wurden. So ist das Motiv der mehrgeschossigen Hofgalerien ebenso ein bestimmendes Element des durch Tretsch umgebauten Alten Schlosses in der württembergischen Residenzstadt Stuttgart. Gleichzeitig werden die Parallelen zu den höherrangigeren Renaissanceschlössern Württembergs in Anbetracht der im Erdgeschoss des Mitteltraktes integrierten Schlosskapelle und ihrer noch konsequent spätgotischen Formen- und Gestaltungssprache mit aufwendig gearbeiteten Stern- und Netzrippengewölben und spitzbogigen Maßwerkfenstern evident. In sakralen Belangen blieb die Gotik als ausdrucksstarker Kirchenbaustil auch mit dem Beginn der Frühen Neuzeit in Mode, konnten die adeligen Patronatsherren doch so ihre tiefe Frömmigkeit in unmissverständlicher Weise zum Ausdruck bringen. Das ihrem Herrschafts- und Adelsstand entsprechende Geltungs- und Repräsentationsbewusstsein der Kechler spiegelt sich so in anschaulicher Weise am Äußeren wie auch im Inneren des Schlosses wider. Damit ist das Schloss ein herausragendes und überaus authentisches Dokument für die ritter- bzw. niederadelige Herrschaftsarchitektur der württembergischen Renaissance am Ende des 16. Jahrhunderts und nimmt zugleich einen wesentlichen Stellenwert innerhalb des baukünstlerischen Gesamtwerks des berühmten Hofbaumeisters Heinrich Schickhardt ein. Darüber hinaus führt es in seinem unvollendeten Zustand den Anspruch und die Lebenswirklichkeit des Niederadels in der Frühen Neuzeit vor Augen. Zusammen mit den zugehörigen Ökonomiegebäuden, den Verkehrs- und Grünflächen sowie dem quellgespeisten Fischteich dokumentiert es adelige Lebens-, Wohn- und Frömmigkeitskultur vom ausgehenden 16. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts (Aussterben der Kechler von Schwandorf im Mannesstamm 1924) und besitzt nicht zuletzt aussagekräftigen Quellenwert für die frühneuzeitliche Herrschafts- und Territorialgeschichte in der Region des württembergischen Nordschwarzwaldes.

98814250BW
Kath. Marienkapelle Sommerhalde 5
(Karte)
Kleine natursteinsichtige Saalkirche mit Satteldach und 3/6tel Chorabschluss nach Osten, auf dem Westgiebel offener Holzdachreiter, nordöstlich Sakristeianbau mit Pultdach, Dekor- und Gliederungselemente wie runde Sechspassfenster in Rotsandstein, rechteckiges Hauptportal mit profilierten Sturzkonsolen, Oberlicht als oberer Teil eines Spitzbogens mit stehendem Vierpass, samt historischer Ausstattung wie Mosaik mit der Darstellung Mariä Verkündigung von König, Rottweil, errichtet unter Gündringer Pfarrer Gnant nach Entwurf von Oberbaumeister Bihler, Horb am Necker, 1886; außen am Chorscheitel Denkmal für die Gefallenen beider Weltkriege, zwei rechteckige Rotsandsteintafeln mit Lorbeer- und Eichenlaubreliefs sowie Eisernen Kreuzen, nach 1918 bzw. nach 1945

Die katholische Marienkapelle bildet mit ihrem offenen Holzdachreiter sowie ihrer markanten Materialsprache ein bestimmendes Element am östlichen Rand des kleinen Dorfkerns von Unterschwandorf. Der kleine Ort war seit der Gegenreformation wieder katholisch und wurde bis ins frühe 20. Jahrhundert von katholischen Pfarrei Gündringen versorgt. So wurde die Kapelle 1886 unter dem damaligen Gündringer Pfarrer Gnant in einer mittelalterlich anmutenden Formensprache der zeittypischen Neugotik errichtet, wodurch die seit 1869 für die Unterschwandorfer freigegebene Schlosskapelle als dörflicher Gottesdienst- und Andachtsraum abgelöst wurde. Unter programmatischer Rückbeziehung auf das verklärte und idealisierte Mittelalter und die hiermit in Verbindung gebrachte Gotik bildete die Neugotik einen idealtypisch aufgefassten Sakralstil, welcher christliche Frömmigkeit und Religiosität in aufrichtiger Weise verkörpern sollte. Zusammen mit ihrer historischen Ausstattung wie dem qualitätvollen Mosaik mit der Darstellung Mariä Verkündigung von König aus Rottweil ist die Marienkapelle damit ein beredtes Dokument für den neugotischen Kleinkirchenbau des späten 19. Jahrhunderts in der württembergischen Nordschwarzwaldregion. Als Zeugnis einer gelebten und bildlich wie baulich zum Ausdruck gebrachten Religiosität sowie als Stätte der persönlichen Einkehr und kontemplativen Andacht besitzt die Kapelle überdies zentrale Aussagekraft für die Unterschwandorfer Glaubens-, Siedlungs- und Konfessionsgeschichte seit 1886. Nicht zuletzt führt das außen am Chorscheitel angebrachte Gefallenendenkmal die schmerzhaften Auswirkungen der beiden Weltkriege auf die Ortsbevölkerung in nachdrücklicher Weise vor Augen, wobei angesichts der nationalpatriotisch gefärbten Würdemotiven (Eiserne Kreuze sowie Lorbeer- und Eichenlaubreliefs) auch zeittypische Formen der heroisierenden Soldaten- und Gefallenenandacht zum Ausdruck kommen.

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Grabstein der Freiherren Kechler von Schwandorf Sommerhalde 5
(Karte)
Granit, Familienwappen und Inschriften, 1. Hälfte 20. Jahrhundert

Der in Granit gearbeitete Grabstein der 1924 im Mannesstamm ausgestorbenen Freiherren Kechler von Schwandorf auf dem neuen Dorffriedhof hinter der Marienkapelle dokumentiert adelige Begräbnis- und Gedenkkultur des frühen 20. Jahrhunderts in der Region und weist zugleich auf die einstigen Herrschaftsverhältnisse des ehemals reichsritterschaftlichen Unterschwandorfs hin.

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Jüdischer Friedhof Unteres Tal
(Karte)
Etwa 15 Grabsteine erhalten, angelegt 1801, letzte Beisetzung 1879 (moderne Zauneinfriedung)

Der kleine jüdische Friedhof bildet in seiner landschaftlichen Einbettung im Waldachtal zwischen Haiterbach-Unterschwandorf und Nagold-Iselshausen einen prägenden Bestandteil der lokalen Kulturlandschaft um Haiterbach und Nagold. Er wurde 1801 durch die kleine jüdische Gemeinde von Unterschwandorf angelegt und bis 1879 belegt. Mit seinen etwa 15 überlieferten Grabsteinen handelt es sich um ein Kleinod jüdischer Begräbnis-, Erinnerungs- und Gedenkkultur des 19. Jahrhunderts in der württembergischen Nordschwarzwaldregion. Darüber hinaus gibt er Auskunft über die ehemalige jüdische Lebens- und Glaubenswelt während der damaligen Zeit in der Gegend um Haiterbach und Nagold.

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Einzelnachweise

Kulturdenkmale der Bau- und Kunstdenkmalpflege in Baden-Württemberg. Geoportal Baden-Württemberg, abgerufen am 10. September 2025.

Commons: Kulturdenkmale in Haiterbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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