Liste der Kulturdenkmale in Köngen
Wikimedia-Liste
From Wikipedia, the free encyclopedia
In der Liste der Kulturdenkmale in Köngen sind die Kulturdenkmale der Stadt Köngen im Landkreis Esslingen in Baden-Württemberg aufgelistet.

Legende
Die ab Oktober 2025 erstellten Tabellen basieren auf den vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg im September 2025 veröffentlichten Geodaten. Lizenzhinweis: dl-de/by-2-0 (https://www.govdata.de/dl-de/by-2-0): Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, www.denkmalpflege-bw.de. Die Adressangaben und Bezeichnungen sind in der dargestellten Form nicht Teil der Ausgangsdaten. Die Adressen wurden automatisch aus den Koordinaten berechnet und können von den korrekten Adressen abweichen. Die Bezeichnungen wurden zunächst automatisiert dem Anfang der vom Landesamt für Denkmalpflege bereitgestellten Objektbeschreibungen entnommen.
- Bild: Zeigt ein ausgewähltes Bild des Objekts, „Weitere Bilder“ verweist auf die zugehörige Kategorie im Medienarchiv Wikimedia Commons. In der Kartenansicht sind Kulturdenkmale ohne Bild an einem blauen Marker erkennbar. Auf das Kamerasymbol klicken, um weitere Fotos für diese Liste hochzuladen:

- Bezeichnung: Nennt den Namen, die Bezeichnung oder die Art des Kulturdenkmals.
- Lage: Straßenname und Hausnummer oder Flurstücknummer des Kulturdenkmals, gegebenenfalls auch Gemarkung oder Ortsteil. Die Grundsortierung der Liste erfolgt nach dieser Adresse. Der Link (Karte) führt zu verschiedenen Kartendiensten mit der Position des Kulturdenkmals. In einem Tool mit Kartenansicht können die Koordinaten durch Verschieben korrigiert werden.
- Datierung: Baubeginn, Fertigstellung, Datum der Erstnennung oder grobe zeitliche Einordnung entsprechend dem Eintrag in der zugrundeliegenden Denkmaldatenbank des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg.
- Beschreibung: Kurzcharakteristik des Kulturdenkmals, Nennung der geschützten Bestandteile und Begründung der Denkmaleigenschaft. Die Paragraphen § 2, § 12, § 19 oder § 28 verweisen auf die Art der Einstufung gemäß baden-württembergischem Denkmalschutzgesetz.
- ID: Identifikator des Objekts in der zugrundeliegenden Datenbank des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg
Abkürzungen
- Bei Datierungen: a = archivalisch, d = dendrochronologische Untersuchung, gk = gefügekundlich, i = inschriftlich, s = stilistisch
- P = Denkmaleigenschaft wird geprüft
Kulturdenkmale in Köngen
| Bild | Bezeichnung | Lage | Datierung | Beschreibung | ID |
|---|---|---|---|---|---|
Weitere Bilder |
Römisches Kohortenkastell | Ob dem Altenberg (Karte) |
Rekonstruktion eines zweigeschossigen Eckturms, des Walls und der Kastellmauer, Stubensandstein, Rundbogenfenster, Zinnen mit abgerundeten Decksteinen und Sohlbänken, begonnen über den Fundamenten des 1885 ergrabenen Turms durch den Schwäbischen Albverein 1886/86 (a), Vollendung nach Entwurf des Kaiserl. Regierungs-Baumeisters Heinrich Jacobi, 1903 bis 1911 (a)
Der über dem Neckartal aufragende rekonstruierte Eckturm des römischen Kastells Grinario ist in erster Linie ein anschauliches Zeugnis für die Archäologiebegeisterung der Jahre um 1900, die Entwicklung der Altertumsforschung und Archäologie sowie die Diskussionen um archäologische Rekonstruktionen antiker Baureste. Das römische Kastell wurde unter Kaiser Domitian um 85/90 n. Chr. als Holz-Erde-Anlage gegründet und war Teil von dessen strategischen Planungen zur Eroberung Obergermaniens. Grinario sollte den Neckarübergang in Form einer Furt sichern und wurde schließlich um 110/120 in Stein ausgebaut. Nachdem schon unter Herzog Carl Eugen im Zuge der Antikenbegeisterung der Aufklärungszeit 1782 erste Nachgrabungen im Areal des Kastelldorfes stattgefunden hatten, entdeckte der württembergische Generalmajor Eduard von Kallee (1818 bis 1888), ein unehelicher Sohn König Wilhelms I., 1885 die Reste des Kastells. Die Begeisterung über die Funde war so groß, dass der Schwäbische Albverein eine Rekonstruktion eines der Ecktürme anstrebte. Tatsächlich konnte diese aber erst Jahre später nach weiteren Grabungen und Entwürfen des Bad Homburger Regierungs-Baumeisters Heinrich Jacobi, der mit seinem Vater Louis maßgeblich an der Rekonstruktion der Saalburg im Taunus beteiligt war, umgesetzt werden. Jacobi dokumentierte und begründete sein Vorgehen beim Wiederaufbau der südlichen Kastellecke über den vorgefundenen Fundamenten wissenschaftlich sehr genau, entschied sich aber ähnlich wie auf der Saalburg für eng stehende, wehrhafter wirkende Zinnen. Tatsächlich wiesen die Limeskastelle aber viel breitere Zinnenlücken auf. Die Rekonstruktion des Kastellturms mit den anschließenden Partien des Walles spiegeln so die damaligen wissenschaftlichen Diskussionen wider. Sie wurden zum Ausgangspunkt eines Freilichtmuseums, das bis heute die Erinnerung an die römische Vergangenheit Köngens wach hält. |
100217456 ( | |
| Zwei Sühnekreuze | Bilderhäuslenstraße 35 (Karte) |
Sandstein, eines ursprünglich mit Doppelbalken, wohl 16. Jahrhundert
Die beiden Steinkreuze in der Feldflur nordwestlich des Ortes sind Zeugnisse mittelalterlichen Rechtsbrauchtums. Demnach war im Fall eines Totschlages am Tatort als Teil der Totschlagsühneleistungen ein Gedenkkreuz zu setzen. Die beiden Köngener Kreuze weisen Besonderheiten auf. Das Linke war ursprünglich ein ungewöhnliches Doppelkreuz (und erinnert damit an das Wappen des nicht weit entfernten Klosters Denkendorf), das andere zeigt eine eingeritzte Pflugschar. Wie so oft, ist mit den Kreuzen eine lokale Sage verbunden, welche die ortsgeschichtliche Bedeutung unterstreicht: Im Dreißigjährigen Krieg sollen ein Bauer und ein französischer Offizier in Streit geraten sein, weil der Soldat dem pflügenden Landmann das wertvolle Pferd konfiszieren wollte. Dabei erschlugen sich beide gegenseitig. In welchem tatsächlichen Zusammenhang beide Kreuze gesetzt wurden, ist hingegen unbekannt. |
100217470 | ||
| Ruhebank | Steiniger Weg (Karte) |
Zwei senkrechte stehende und ein quer darüber gelegter Sandsteinblock, wohl 19. Jahrhundert
Solche im Volksmund als Gruh- oder Grubbänke bezeichneten Konstruktionen dienten dem Absetzen von Lasten, die auf dem Kopf oder Rücken oft über weite Strecken transportiert wurden, z. B. zum Verkauf auf dem Markt. Sie stehen deshalb bezeichnenderweise an alten Verkehrs- und Fußwegen. Es gab sie nachweislich schon im 16. Jahrhundert und sie behielten ihre wichtige Funktion bis ins 20. Jahrhundert. Die steinerne Ruhebank ist deshalb ein Kulturdenkmal mit verkehrsgeschichtlichem, wirtschafts- und sozialgeschichtlichem Aussagewert. |
100218348 | ||
| Pumpbrunnen (im Vorgarten) | Charlottenstraße (Karte) |
Gusseiserne Säule mit Auslauf, Abstellgitter und großem Schwengel, Ende 19. Jahrhundert
Der gusseiserne Pumpbrunnen ist Zeugnis der dörflichen Wasserversorgung im späten 19. Jahrhundert und belegt die serielle Fertigung solcher Funktionsobjekte seit Mitte des 19. Jahrhunderts. |
100217480 | ||
| Wohnstallhaus | Flaigengasse 8, 8/1, 8/2 (Karte) |
Zweigeschossiger verputzter Bau in Hanglage, Satteldach mit Aufschiebling, massives Hanggeschoss, darüber Fachwerk, Giebel mit Vorkragungen, giebelseitige Erschließung, 17./18. Jahrhundert
Das Gebäude mit einem einstigen Stallteil im Erdgeschoss und dem Wohnbereich im Obergeschoss ist beispielhaft für den regionalen ländlichen Wohnbau der Frühen Neuzeit. Es dokumentiert vormoderne Wohn- und Lebensverhältnisse auf dem Dorf und hat ortsbaugeschichtlichen Zeugniswert. |
100217488 | ||
| Villa mit Garten | Hohe Straße 9 (Karte) |
Eingeschossiger verputzter Massivbau, Satteldach mit Dachgauben, polygonaler Standerker, im Innern u. a. Wand- und Deckenmalereien sowie Glasfenster, erbaut nach Entwurf des Nürtinger Architekten Ernst Löffler für Pfarrer Staib, 1913 (a)
Das durch die künstlerische Reformbewegung im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts und den Heimatstil beeinflusste Gebäude zeichnet sich durch eine künstlerisch anspruchsvolle Ausgestaltung im Innern und einen insgesamt sehr hohen Originalitätswert aus. Es ist ein in dieser Anschaulichkeit seltenese Beispiel des Wohnens des gehobenen Bürgertums kurz vor dem Ersten Weltkrieg. Das Gebäude belegt dabei auch das bauliche Wachstum Köngens zu Anfang des 20. Jahrhunderts, als infolge der Industrialisierung im Neckartal auch hier die Bevölkerung durch Zuzug stark anwuchs. |
100217494 | ||
| Zehntscheune des Klosters Denkendorf | Kiesweg 5 (Karte) |
Eingeschossiger Fachwerkbau mit Halbwalmdach, 1722 (a)
Der breit gelagerte und lang gestreckte Bau am westlichen Ortsrand gegenüber dem Schloss verdeutlicht schon in seinen Dimensionen die einstige Bestimmung als Sammel- und Lagerort der Köngener Zehntabgaben. Diese standen seit 1384/85 dem Kloster Denkendorf zu, das damals die Kirchengüter und die damit verbundenen Zehntrechte erworben hatte. Durch Rodung weiterer Waldflächen zu Anfang des 18. Jahrhunderts hatten sich die Ackerflächen und damit auch die Zehnteinnahmen in Köngen vermehrt. Diesem Umstand sind die Dimensionen des Gebäudes geschuldet, denn nun waren deutlich größere Lagerkapazitäten notwendig. Die Zehntscheune ist damit wichtiges Zeugnis für die vormoderne Wirtschaft sowie die historischen Kirchen- und Herrschaftsverhältnisse in Köngen. Nicht zuletzt dokumentiert sie das lokale Zimmermannshandwerk im 1. Viertel des 18. Jahrhunderts. |
1193229 | ||
Weitere Bilder |
Ev. Pfarrkirche (St. Peter und Paul) (§ 28) | Kiesweg 57 (Karte) |
Verputzter massiver Saalbau mit Satteldach, eingezogener, hoher Polygonalchor mit Maßwerkfenstern, südlich angebaut Sakristei mit Pultdach, Westturm mit einschwingendem Pyramidenhelm und Laterne mit Welscher Haube, seitlich Außenaufgang zur Empore, Langhaus mit Balkendecke und Chor mit Netzrippengewölbe, beide mit reicher Dekorationsmalerei, 1612/13, reiche Ausstattung aus Spätgotik und Renaissance, Grabmale und Epitaphien der Thumb von Neuburg; Langhaus und Chor errichtet durch Stephan Waid und Dionysius Böblinger, 1501 bis 1512 (a), Westturm neu erstellt unter Verwendung spätmittelalterlicher Spolien, 1722 bis 1724 (i); Kirchhof und Mauer [§ 2]
Die Peter- und Paulskirche in Köngen dominiert mit ihrer Lage oberhalb des Neckars und ihrem hohen Turm die neckarseitige Ansicht Köngens. Sie ist ein anschauliches und äußerst qualitätvolles Beispiel für eine große Dorfkirche der Spätgotik und ihr Bau ist mit den Namen zweier bekannter spätmittelalterlicher Baumeister, Stephan Waid und Dionysius Böblinger, verbunden, die auch an der Esslinger Frauenkirche tätig waren. Der Neubau entstand unter den damaligen Ortsherren, den Freiherren Thumb von Neuburg, und der Patronatsherrschaft des Klosters Denkendorf, dem Kirche und zugehörige Zehnteinkünfte seit 1384/85 gehörten. Das aufwendige Netzrippengewölbe im Chor ist eine zeittypische Spitzenleistung der Wölbekunst und stammt von Dionysius Böblinger, der den Bau nach dem Tod Waids und einem jahrelangen Rechtsstreit fortführte. Das Innere zeigt eine reiche Ausstattung aus Spätgotik und Renaissance, welche von der Bedeutung der Kirche u. a. als Erbbegräbnis der reichsfreien Ortsherrschaft der Marschälle Thumb von Neuburg belegt. Hervorzuheben ist hierbei u. a. das Marmorgrabmal für Albrecht Thumb von Neuburg (gest. 1613) mit aufwendigem Ädikulaaufsatz und allegorischen Figuren, eine meisterhafte Bildhauer- und Steinmetzenarbeit der Spätrenaissance. Die Kirche belegt die Blüte des spätgotischen Kirchenbaus im Neckarraum an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert und dabei die stilistischen Entwicklungen im Sakralbau kurz vor der Reformation. Sie zeugt mit ihrer anspruchsvollen Architektur und Ausstattung vom Repräsentationsanspruch der Thumb von Neuburg wie auch des Klosters Denkendorf. Die renaissancezeitliche Ausmalung belegt die Ausgestaltung eines lutherischen Kirchenraums nach der Reformation. Bemerkenswert ist auch der in gotischen Formen gehaltene Turm, der sich damit dem alten Baubestand einpasst und eine frühe Gotikrezeption im Herzogtum Württemberg in der Barockzeit darstellt. Darüber hinaus kommt der Kirche wichtige Bedeutung für die Siedlungs-, Ortsbau- und Kirchengeschichte Köngens in Mittelalter und Früher Neuzeit zu. |
97022275 ( | |
| Pfarrhaus | Kiesweg 59; Pfarrgasse 3 (Karte) |
Zweigeschossiger Quaderbau, flach geneigtes Satteldach mit Wiederkehr, Lisenen- und Gesimsgliederung, 1844; Pfarrgarten mit Waschhaus, Bruchsteinbau mit Zeltdach
Das stattliche Pfarrhaus hat wichtigen orts- und kirchengeschichtlichen Zeugniswert für Köngen. Es ist dabei ein charakteristischer Vertreter des sog. Kameralamtsstils, einer Spielart des Klassizismus im Königreich Württemberg, die stark durch die engen finanziellen Vorgaben der Kameralämter für öffentliche Bauaufgaben wie Schul-, Rat- und Pfarrhäuser bestimmt war. Der Bau erhielt nichtsdestotrotz mit seinen Werksteinfassaden und der Gliederung durch Gurtbänder und Lisenen einen repräsentativen Charakter, der ihn als Sonderbau und Sitz der geistlichen Obrigkeit im Ort ausweist. Zugehörig ist der Pfarrgarten, ein Charakteristikum ländlicher Pfarrsitze zur Eigenversorgung der Pfarrfamilie. Ebenso typisch ist das eigene Waschhaus, in dessen Substanz eventuell Reste des älteren Kirchturm der Vorgängerkirche der ev. Peter- und Paulskirche stecken, welche etwas unterhalb des heutigen Gotteshauses stand. |
100217502 | ||
| Villa | Kirchheimer Straße 41 (Karte) |
Mit Vorstößen, zweigeschossiger Bau, Krüppelwalmdach mit Zwerchhaus und Gauben, straßenseitiger Mittelrisalit, giebelseitig Treppenhausvorbau, massives verputztes Erdgeschoss, Obergeschoss Zierfachwerk, rückwärtig Loggia auf beschnitzten Bügen; Garten; erbaut von A. Hornung, 1905
Das Gebäude ist ein anschauliches Beispiel für eine bürgerliche Villa des Späthistorismus, die mit dem Fachwerkgeschoss und dem Krüppelwalmdach bewusst traditionsreiche Formen des ländlichen Bauens aufgreift. Sie belegt dabei die ortsbauliche Entwicklung Köngens in Richtung Südosten infolge der Industrialisierung und des damit verbundenen Zuzugs. Der Bau ist Zeugnis gehobener Wohnkultur um 1900 und hat ortsbaugeschichtlichen Zeugniswert. |
100217515 | ||
| Ziegelhütte | Kirchheimer Straße 51 (Karte) |
Eingeschossiger verputzter Fachwerkbau mit massivem Sockel, hohes Krüppelwalmdach, traufseitige Erschließung, erbaut für Johann Georg Speißer, 1779 (a)
Das breit gelagerte Wohngebäude der Köngener Ziegelhütte fällt durch das hohe Dach ins Auge und hat mit seiner exponierten Ecklage ortsbildprägende Wirkung. Es dokumentiert anschaulich den frühneuzeitlichen Hausbau in dem Markflecken Köngen und dokumentiert neben seinem ortsbaugeschichtlichen Zeugniswert ein Stück lokaler Wirtschafts- und Gewerbegeschichte. Die Ziegelhütte war bis 1890 in Betrieb. |
100217527 | ||
| Ruhebank | Mittlerer Weg (Karte) |
Gruhe/Ruhbank, bestehend aus zwei aufrechten und einem quer gelegten Sandsteinblock, eiserne Verklammerung, 1806 (i) | 100217541 | ||
| Neckarmühle | Mühlehof 11, 13/1, 13 (Karte) |
Bestehend aus: Wohn- und Mühlgebäude (Nr. 11), dreigeschossiger Bau mit Satteldach, Erd- und 1. Obergeschoss massiv und verputzt, 2. Obergeschoss konstruktives Fachwerk, umlaufender profilierter Sohlbanksims, traufseitige Erschließung, großes Tennentor, im Kern um 1800, Veränderungen 1843 und 1887; Wohnstallhaus (Nr. 13, 13/1), zweigeschossiger, weitgehend verputzter Fachwerkbau mit Satteldach, Erdgeschoss des Wohnteils massiv, teilweise in Backstein, im Kern um 1850
Die einstige Neckarmühle in Köngen erhebt sich an einem alten Mühlenstandort. Eine Mühle wird erstmals 1138 erwähnt, sie befand sich immer in herrschaftlichem Besitz und fungierte für die Köngener als Bannmühle. Nach Aufhebung des Mühlenbanns im 19. Jahrhundert kam es offenbar 1843 zu einem Um- und Neubau des Hauptgebäudes in klassizistischen Formen, das einen hohen massiven Unterbau mit großer Scheune hat, über dem ein Wohnteil in Fachwerk sitzt. Zugehörig ist ein regionaltypisches gestelztes Einhaus, das im Kern auf die Zeit um 1800 zurückgeht. Die Neckarmühle hat daher wichtigen Zeugniswert für die Herrschafts-, Siedlungs- und Gewerbegeschichte Köngens vom Mittelalter bis in die Neuzeit. Die Baugruppe hat dabei auch ortsbildprägenden Charakter. |
100217566 | ||
| Sog. Alte Vogtei (heute Gasthaus) | Oberdorfstraße 15 (Karte) |
Zweigeschossiger Fachwerkbau über massivem Sockel, Satteldach mit Aufschiebling, Vorkragungen auf Knaggen und Balkenköpfen, verblattetes Gefüge, traufseitige Erschließung über Freitreppe, 1474 (d), jüngeres eingeschossiges Querhaus in Fachwerk mit Satteldach
Die 1983 mit Freilegung und Wiederherstellung des Fachwerks durchgreifend sanierte Alte Vogtei war sehr wahrscheinlich Bestandteil eines klösterlichen Pfleghofes zur Verwaltung des Kirchengutes, das seit 1384/85 dem Kloster Denkendorf gehörte. Das Gebäude stand ursprünglich in Verbindung mit der älteren, abgebrochenen Zehntscheune. Es bildet den ältesten erhaltenen Wohnbau Köngens und zeigt beispielhaft die Konstruktionsprinzipien des Fachwerkbaus Ende des 15. Jahrhunderts. Ab 1739 beherbergte der kleine Bau die herzogliche Kammerschreiberei, 1808 gelangte er in Privatbesitz. Das Gebäude hat damit wichtigen Zeugniswert für die Siedlungs-, Orts- und Herrschaftsgeschichte Köngens im Mittelalter und der Frühen Neuzeit. |
100217623 | ||
| Gasthof Adler | Obere Neue Straße 5 (Karte) |
Bestehend aus: Wohn- und Gasthaus, zweigeschossiger, weitgehend verputzter Bau, Satteldach mit Aufschiebling, im Giebel Wetterdach, massives Erdgeschoss, im Wirtshausteil in ornamental gestaltetem Sichtbackstein, Obergeschoss Fachwerk, traufseitige Erschließung, zur Gaststube über Eck, rundbogiger Kellereingang, schmiedeeiserner Ausleger, im Inneren Fachwerkbemalung, 18.-19. Jahrhundert; Keller unter Scheune, rundbogiger Kellereingang, 1763 (i)
Der einstige Gasthof Zum Adler zählt zu den ältesten und traditionsreichsten Wirtshäusern in Köngen. Er hat wohl schon im 1. Viertel des 18. Jahrhunderts existiert und erhebt sich in prominenter Lage gegenüber dem Schloss. Entsprechend der gesellschaftlichen Funktion, die Gasthäusern innerhalb des Gesellschaftslebens zukam, spielte der Adler in der Weimarer Republik eine wichtige Rolle als politischer Versammlungsort. Das Gebäude dokumentiert die Wirtschafts- und Kulturgeschichte Köngens und hat ortsbaugeschichtlichen Zeugniswert. |
100217643 | ||
| Gasthof Linde | Obere Neue Straße 33/1 (Karte) |
Zweigeschossiger verputzter Fachwerkbau über Massivsockel, Satteldach, traufseitige Erschließung, Eingangstür in profiliertem Rahmen, giebelseitig rundbogiger Kellereingang, wohl 1. Hälfte 19. Jahrhundert, nach Osten eingeschossiger Saalanbau, Backsteingebäude mit Satteldach und Treppengiebel, 1903 (i)
Der einstige Gasthof Linde zählt zu den älteren, traditionsreichen Wirtshäusern in Köngen und ist seit dem 18. Jahrhundert nachgewiesen. Charakteristisch für seine Funktion als einer der Mittelpunkte des gesellschaftlichen Lebens auf dem Dorf ist der 1903 ergänzte Saaltrakt für Festlichkeiten und Veranstaltungen. Der in ortsbaulich prägnanter Ecklage stehende Bau hat daher kultur- und wirtschaftsgeschichtlichen Zeugniswert für Köngen. Er dokumentiert dabei die Siedlungserweiterung entlang der Neuen Straße in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts. |
100217671 | ||
Weitere Bilder |
Alter Friedhof | Pfarrgasse 1 (Karte) |
Langgestreckte, ummauerte Anlage unterhalb der Pfarrkirche, Einfriedungsmauer mit eingelassenem Steinkreuz, rundbogige Fußgängerpforte und Rundbogentor, bezeichnet 1633 (i); Leichenhäusle, an die nordöstliche Mauer gesetzter eingeschossiger Fachwerkbau mit Satteldach und Bruchsteinsockel
Der Alte Friedhof, bis 1961 belegt, hat wichtige siedlungsgeschichtliche Bedeutung für Köngen, lag hier doch wohl die ältere Pfarrkirche. Das in die Friedhofsmauer eingebundene Kreuz aus gelbem Sandstein dürfte entsprechend einer jahrhundertealten Rechtstradition zur Sühne für einen Totschlag gesetzt worden sein. Die ummauerte Anlage mit dem auf 1633 datierten Portal hat als Begräbnisplatz mit langer Tradition ortsgeschichtlichen Zeugniswert. |
100217695 | |
| Villa | Römerstraße 8 (Karte) |
Eingeschossiger verputzter Massivbau auf hohem Sockelgeschoss, Zollingerdach, zur Gartenseite Balkon mit Loggia, große Schleppgaupen, seitlich Wirtschaftshof mit Anbauten, bauzeitliche Ausstattung; Einfriedung und Garten/Park; erbaut nach Entwurf von Rudolf Behr für Dr. Emil Kühn, 1923/24 (a)
Das stattliche Villenanwesen vertritt die Strömung der konservativen Moderne der sog. Stuttgarter Schule. Das Zollinger-Lamellendach kam nach dem Ersten Weltkrieg bei einer größeren Anzahl von Bauaufgaben zur Anwendung. Die vom Stuttgarter Stadtbaurat Zollinger entwickelte Konstruktion erlaubte durch ein sich selbst tragendes Netz von Holzlamellen große stützenfreie Spannweiten und führte ohne Benachteiligung der Standsicherheit zu einer Holzeinsparung von etwa 40 % und durch Vorfertigung zu einer Vereinfachung und Mechanisierung des Arbeitsablaufes. Äußerlich erinnert die Dachform an die Bohlenbinderdächer des preußischen Frühklassizismus um 1800. Bauherr Dr. Emil Kühn, Schwiegersohn des Wendlinger Möbelfabrikanten Erwin Behr, war Geschäftsführer und Mitinhaber dieses bedeutenden Pionierunternehmens der Möbelindustrie. Der mit dem Bauherrn verwandte Stuttgarter Architekt Rudolf Behr ist u. a. als Kirchenbaumeister bekannt geworden, so mit der Planung der ev. Kreuzkirche in Stuttgart-Hedelfingen. Die Villa ist damit nicht nur Zeugnis gehobenen bürgerlichen Wohnbaus in der Weimarer Republik sowie innovativer Bautechnik, sondern auch der Sozial- und Kulturgeschichte Köngens in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts. |
100217740 | ||
Weitere Bilder |
Ulrichsbrücke | Schäferhauser Straße 1 (Karte) |
Sechsjochige Steinbogenbrücke, steile Anrampung und zur Mitte hin leicht ansteigende Fahrbahn, steinplattengedeckte Brüstung, dreieckige Flutpfeiler bis in Brüstungshöhe, Obelisk mit württembergischem Herzogswappen und Bauinschrift, nach Entwurf von Heinrich Schickhardt, 1600 bis 1603 (a, i), verbreitert und um zwei Bögen verlängert, 1912/13 (a), nach teilweiser Kriegszerstörung 1945 wieder aufgebaut, 1946 (a, i)
Die Köngener Ulrichsbrücke zählt zu den wichtigen Ingenieurbauleistungen des württembergischen Hof- und Landbaumeisters Heinrich Schickhardt (1558 bis 1635) und ist nach den beiden Esslinger Neckarbrücken die älteste Steinbrücke im Landkreis. Im Zweiten Weltkrieg durch Sprengung teilzerstört, wurde der Neckarübergang 1946 wieder hergestellt. Schickhardts Brückenbau entstand am Platz einer alten Neckarfurt und mehrerer älterer Vorläufer, deren jüngster 1599 durch ein Hochwasser zerstört worden war. Der ursprünglich nur vierbogige Neubau, beauftragt von Friedrich I., ist dabei in Zusammenhang zu sehen mit den Infrastrukturmaßnahmen des Herzogs zur Verbesserung des Verkehrswesens und damit zur Stärkung des Warenverkehrs. Der Name der Brücke wiederum ruft wichtige landeshistorische Ereignisse zu Ende des Mittelalters in Erinnerung, als der wegen Landfriedensbruches in die Reichsacht gestellte Herzog Ulrich 1519 durch den Schwäbischen Bund außer Landes gejagt wurde und seinen Verfolgern durch einen waghalsigen Sprung mit seinem Pferd von der Köngener Brücke in den Neckar entkommen sein soll, eine Episode, die Wilhelm Hauff erfand und 1826 mit seinem Roman „Lichtenstein“ populär machte. Die Brücke ist daher nicht nur ein Zeugnis für den Ingenieurbau der Renaissancezeit und wichtiges Werk im Schaffen Schickhardts, sondern auch verkehrs- und literaturgeschichtlich bedeutend. |
1193225 ( | |
Weitere Bilder |
Schloss der Thumb von Neuburg | Blumenstraße 5; Obere Neue Straße; Schlossgut 3, 8 (Karte) |
Bestehend aus:
Das Köngener Schloss liegt am Westrand des Dorfes auf der Filderhochfläche. Es ist aus einer spätmittelalterlichen Wasserburg hervorgegangen, welche die Thumb von Neuburg nach Erwerb des Ortes über eine Erbschaft 1382 errichteten. Bis in die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg bildete die Burg den Familien- und einen wichtigen Herrschaftsmittelpunkt der Thumb von Neuburg, welche das Schloss besonders im Lauf des 16. Jahrhunderts mehrfach um- und ausbauen ließen. Dabei entstanden wohl auch die weitläufigen Mauern, welche die Gartenflächen fassen und durch kleine Ecktürme bewehrt waren, von denen noch derjenige an der Nordwestecke steht. Als repräsentativer Höhepunkt entstand 1538/39 im 1. Obergeschoss eine Saalstube mit zwei aufwendig gestalteten Portalen im Stil der Frührenaissance. 1596 erhielt dieser Raum eine Neuausstattung, die ihn zu den kostbarsten Profanräumen der Renaissanceepoche in der weiteren Region macht. Die Wände ziert ein ikonographisch bemerkenswertes Bildprogramm mit Porträts antiker und römisch-deutscher Kaiser. 1825 erwarb Jakob Friedrich Weishaar (1775 bis 1834) das Schloss. Er war als Landtagsabgeordneter und Vizepräsident der Verfassungskommission unter König Wilhelm I. bedeutender württembergischer Politiker der Vormärzzeit. Weishaar ließ zwei Flügel des Kernbaus niederlegen und die übrigen beiden Flügel durch den befreundeten Karl Marcell Heigelin (1798 bis 1833) umbauen und mit Malereien ausstatten. Diese geben Zeugnis vom künstlerischen Schaffen des Tübinger Architekten und Architekturtheoretikers. Das Köngener Schloss ist ein herausragendes Baudokument der Kultur- und Kunstgeschichte in der Region und hat zentralen orts- und herrschaftsgeschichtlichen Zeugniswert für Köngen. Es dokumentiert darüber hinaus adelige und großbürgerliche Kultur und Repräsentation in Renaissance- und Biedermeierzeit. |
97022276 ( | |
| Ausleger (am Gasthof Schwanen) | Schwanenstraße 1 (Karte) |
Schmiedeeisen, Mitte 18. Jahrhundert, bez. 1937
Der Wirtshausausleger ist Zeugnis historischen Kunsthandwerks und belegt die weit zurückreichende Tradition des Gasthofs. |
100218146 | ||
| Pumpbrunnen (neben dem Gebäude) | Schwanenstraße 14 (Karte) |
Gusseisen, 2. Hälfte 19. Jahrhundert
Der gusseiserne Pumpbrunnen ist ein anschauliches Zeugnis der historischen Wasserversorgung um 1900 kurz vor Schaffung eines modernen Leitungsnetzes. Er ist dabei auch ein Dokument der fabrikmäßigen Serienfertigung solcher ornamental verzierter Funktionsobjekte im Zeitalter der Industrialisierung. |
100218157 | ||
| Sog. Freihof der Thumb von Neuburg | Spitalgasse 1, 1/1 (Karte) |
Eingeschossiges verputztes Fachwerkwohnhaus über hohem massivem Sockel- bzw. Hanggeschoss, Satteldach mit Aufschiebling, giebelseitige Erschließung, Hauseingang mit Oberlicht, im Kern wohl 17. Jahrhundert
Bei dem Gebäude handelt es sich um eines der einst den Thumb von Neuburg gehörigen Güter. Ludwig Friedrich Thumb von Neuburg schenkte ihn 1665 seiner Tochter Johanna Friederike. Später befand sich das stattliche Anwesen, das mit seiner Hanglage das Ortsbild mitprägt, im Besitz eines Oberleutnants Rieckher und dann eines Freiherrn von Egg. Der Name bezieht sich auf den Umstand, dass das einst herrschaftliche Gut von Abgaben und Steuern befreit war. Das Gebäude ist damit wichtiges Zeugnis der Herrschafts-, Siedlungs- und Sozialgeschichte Köngens in der Frühen Neuzeit. |
100218177 | ||
Weitere Bilder |
Friedenslinde | Steinackerstraße (Karte) |
1871/2021 nach Sturmschaden Neusetzung[1], mit darunter befindlicher Ruhebank, 19. Jahrhundert
Die Baumsetzung neben der Ruhebank erinnert an das Ende des Deutsch-Französischen Krieges 1870/1 und der damit verbundenen Reichsgründung. Sie ist damit ein Zeugnis der lokalen Erinnerungskultur an ein zentrales Ereignis der deutschen Geschichte im 19. Jahrhundert. Die Ruhebank, im Volksmund als Gruh- oder Grubbänke bezeichnet, ist eine Konstruktion zum Absetzen von Lasten, die auf dem Kopf oder Rücken oft über weite Strecken transportiert wurden, z. B. zum Verkauf auf dem Markt. Sie stehen deshalb bezeichnenderweise an alten Verkehrs- und Fußwegen. Ruhebänke gab es nachweislich schon im 16. Jahrhundert und sie behielten ihre wichtige Funktion bis ins 20. Jahrhundert. Die steinerne Ruhebank ist deshalb ein Kulturdenkmal mit verkehrsgeschichtlichem, wirtschafts- und sozialgeschichtlichem Aussagewert. |
108796472 ( | |
| Rathaus | Stöffler-Platz 1 (Karte) |
Verputzter zweigeschossiger Bau, Satteldach mit Aufschiebling, offener Giebelreiter mit kupferner Zwiebelhaube und Glocke, massives Erdgeschoss, Obergeschoss weitgehend Fachwerk, Giebel mit Vorkragungen über beschnitzten Knaggen, traufseitige Erschließung über Freitreppe mit Rundbogenportal, im Kern 1760, umgebaut 1956
Das stattliche, freistehende Gebäude nimmt mit seinem Giebelreiter eine wichtige ortsbauliche Stellung im Zentrum des alten Marktfleckens ein. Im Kern stammt es aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts, in seiner bestehenden Form ist es das Ergebnis eines Umbaus 1956, der ganz im Sinne der Stuttgarter Schule eine spätes Beispiel konservativer Architekturauffassung ist. Das Gebäude ist als historisches Zentrum der Kommunalverwaltung von wichtigem ortsgeschichtlichem Zeugniswert und dokumentiert darüber hinaus architektonische Entwicklungen um die Mitte des 20. Jahrhunderts. |
100217614 | ||
| Wohnhaus | Unterdorfstraße 3, 5 (Karte) |
Zweigeschossiger verputzter Fachwerkbau auf Massivsockel, Satteldach mit Aufschiebling, giebelseitig profilierte Vorkragungen auf Knaggen, traufseitige Erschließung über Freitreppe, wohl 17. Jahrhundert
Das stattliche Gebäude dokumentiert vormoderne Wohn- und Lebensverhältnisse in dem Marktflecken Köngen und hat Zeugniswert für die Ortsbaugeschichte. Es ist wichtiger Bestandteil der historischen Bebauung am Ort. |
100218219 | ||
| Pumpbrunnen (neben dem Gebäude) | Wagnerstraße 2 (Karte) |
Gusseiserner Brunnenstock mit ornamentiertem Auslauf und großem Schwengel, Ende 19. Jahrhundert
Der gusseiserne Pumpbrunnenstock ist ein anschauliches Zeugnis der historischen Wasserversorgung eines Privathaushaltes um 1900, kurz vor Schaffung eines modernen Leitungsnetzes. Er ist dabei ein Dokument der fabrikmäßigen Serienfertigung solcher ornamental verzierter Funktionsobjekte im Zeitalter der Industrialisierung. |
100218253 |