Liste der Kulturdenkmale in Ostfildern
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In der Liste der Kulturdenkmale in Ostfildern sind die Kulturdenkmale der Stadt Ostfildern im Landkreis Esslingen in Baden-Württemberg aufgelistet.

Legende
Die ab Oktober 2025 erstellten Tabellen basieren auf den vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg im September 2025 veröffentlichten Geodaten. Lizenzhinweis: dl-de/by-2-0 (https://www.govdata.de/dl-de/by-2-0): Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, www.denkmalpflege-bw.de. Die Adressangaben und Bezeichnungen sind in der dargestellten Form nicht Teil der Ausgangsdaten. Die Adressen wurden automatisch aus den Koordinaten berechnet und können von den korrekten Adressen abweichen. Die Bezeichnungen wurden zunächst automatisiert dem Anfang der vom Landesamt für Denkmalpflege bereitgestellten Objektbeschreibungen entnommen.
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- Beschreibung: Kurzcharakteristik des Kulturdenkmals, Nennung der geschützten Bestandteile und Begründung der Denkmaleigenschaft. Die Paragraphen § 2, § 12, § 19 oder § 28 verweisen auf die Art der Einstufung gemäß baden-württembergischem Denkmalschutzgesetz.
- ID: Identifikator des Objekts in der zugrundeliegenden Datenbank des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg
Abkürzungen
- Bei Datierungen: a = archivalisch, d = dendrochronologische Untersuchung, gk = gefügekundlich, i = inschriftlich, s = stilistisch
- P = Denkmaleigenschaft wird geprüft
Kulturdenkmale nach Gemarkungen
Kemnat
| Bild | Bezeichnung | Lage | Datierung | Beschreibung | ID |
|---|---|---|---|---|---|
| Rathaus (heute Bürgerhaus) | Hauptstraße 13 (Karte) |
Zweigeschossig, Satteldach mit Aufschiebling, massives verputztes Erdgeschoss mit Rundbogenfenster, Obergeschoss Fachwerk, Giebel mit Vorkragungen auf Balkenköpfen, lange gebogene Fußstreben und Kopfdreiecke, im Inneren Stube mit bemalter Holzbalkendecke, 1579 (a), Umbauten 1844 (a) und 1929 (a)
Das freistehende Gebäude im alten Ortszentrum von Kemnat diente bis zur Eingemeindung in die neu geschaffene Verbandskommune Ostfildern 1973 als Rathaus. Es wurde durch die Gemeinde anstelle eines mittelalterlichen Vorgängers errichtet und diente verschiedenen öffentlichen Funktionen, so als Gerichtsort, aber auch als Ort geselliger Zusammenkünfte und Festlichkeiten. Während der Giebel noch das für die Bauzeit charakteristische Zierfachwerk zeigt, belegen Erdgeschoss und Obergeschoss Umbauten im 18. und 19. Jahrhundert, wobei das Erdgeschoss eine charakteristische Gestaltung im sog. Kameralamtsstil mit großen Rundbogenfenstern auf Kämpferbändern erhielt. Das Rathaus ist Zeugnis der historischen Selbstverwaltung der Gemeinde und hat wichtigen dokumentarischen Wert für die Ortsbaugeschichte in der Frühen Neuzeit. |
100260777 | ||
| Reste der mittelalterlichen Pfarrkirche St. Bartholomäus | Hauptstraße 15 (Karte) |
Romanisches Steinrelief mit Lamm Gottes, um 1150, spätgotisches verstäbtes Türgewände, Ende 15. Jahrhundert Die im Kern romanische und um 1460 weitgehend neu errichtete Pfarrkirche St. Bartholomäus wurde 1960 zugunsten eines Neubaus abgebrochen. In diesen wurden als Erinnerungsstücke ein romanisches Relief mit dem Lamm Gottes und ein spätgotisches Stabwerkgewände übernommen. Sie sind Zeugnisse der mittelalterlichen Kirchen- und Baugeschichte Kemnats. |
100260785 | ||
| Lindenbrunnen o. a. Obergassbrunnen | Heumadener Straße 17/19 (Karte) |
Laufbrunnen, hoher pfeilerförmiger Brunnenstock, Abschluss durch Akanthuskapitell mit Vasenaufsatz, längsrechteckiger Sandsteintrog mit gerundeten Kanten, wohl vom Werkmeister Gottlieb Heimsch, 1862 (i)
Der Laufbrunnen bildet mit seinem aufwendigen, klassizistisch gestalteten Pfeiler einen Blickfang im Straßenbild und zeigt eine über die übliche Gestaltung von Dorfbrunnen hinausgehende gestalterische Qualität. Der Lindenbrunnen, früher auch wegen seines Standortes Obergassbrunnen genannt, entstand, um dem seinerzeit beklagten Wassermangel abzuhelfen. Er bildet den Endpunkt einer Leitung, die damals eigens aus einer Quelle in der wasserreichen Ruiter Gemarkung hergeführt wurde. |
100260813 | ||
| Doppelhaus | Neidlinger Straße 3, 5 (Karte) |
Zweigeschossiger verputzter Fachwerkbau, Satteldach mit einseitigem Krüppelwalm und Eulenloch, Giebelvorkragungen über langen Knaggen, im Südgiebel Ladeluke, an der Nordseite gedeckte Außentreppe, 1506/07 (d), Erdgeschossumbau um 1900
Das Gebäude dürfte zu den ältesten überlieferten Wohnbauten in Kemnat gehören. Es hat daher ortsbaugeschichtlichen Zeugniswert und dokumentiert darüber hinaus vormoderne Wohn- und Lebensverhältnisse in dem Filderdorf sowie die stete Anpassung des Baubestandes an die jeweiligen Zeitbedürfnisse. |
100260848 | ||
| Sog. Neidlinger Hof | Neidlinger Straße 14, 16 (Karte) |
Doppelhaus, zweigeschossiger verputzter Fachwerkbau über massivem Sockel, Kniestock und flach geneigtes Satteldach, giebelseitige Vorkragungen, teilweise über langen Knaggen, traufseitige Erschließung, im Kern wohl noch spätmittelalterlich, jüngere Um- und Ausbauten
Zu den größten Hofstellen am Ort zählte im Mittelalter der Neidlinger Hof, so genannt, weil er bis 1421 im Besitz der Herren von Neidlingen war. Diese vermachten den großen Lehenshof damals dem Dominikanerinnenkloster Weil bei Esslingen. Mit der Reformation wurde der Hof, das zweitgrößte Lehengut im Ort, württembergisch. Bereits 1577 war der Hof unter vier Inhabern aufgeteilt und umfasste u. a. zwei Wohnhäuser. Bis heute zeigt der Wohnbau zwei getrennte Eingänge. Der Neidlinger Hof, der - wie die langen Knaggen an der Giebelseite ausweisen, mit seiner Bausubstanz wohl noch ins 15./16. Jahrhundert zurückreichen könnte - hat damit wichtigen Zeugniswert für die Kemnater Orts- und Siedlungsgeschichte. |
100260911 | ||
| Neue Mühle | Neumühle 1 (Karte) |
Mühlen- und Wohngebäude, eingeschossiger verputzter Fachwerkbau über massivem Sockelgeschoss in Hanglage, Satteldach mit Aufschiebling, im Südosten kleiner Stallanbau in Fachwerk mit Pultdach, Südostgiebel mit leichten Vorkragungen, traufseitige Erschließung über gedeckte Außentreppe, errichtet an Stelle eines älteren Vorgängers für Müller Jakob Fröschlin, 1715 (a); an der Treppe vermauerter Ofenstein, 1797 (i)
Der Standort der Neuen Mühle gehört - anders als der Name vermuten lassen würde - wohl zu den ältesten Mühlenplätzen im Körschtal. Sie liegt an einem alten Übergang über die Körsch. Eine Mühle wird hier erstmals 1254 genannt, als der Edelfreie Heinrich von Gundelfingen u. a. seine Mühle in Kemnat an das Kloster Denkendorf verkaufte, später gelangte sie an die Grafschaft bzw. das Herzogtum Württemberg. Ihr Name bezieht sich darauf, dass die im Dreißigjährigen Krieg 1634 von kaiserlichen Soldaten zerstörte Mühle lange Zeit wüst lag und erst 1715 wieder aufgebaut wurde. Der Bau, errichtet in der regionaltypischen Form des Einhauses, hat damit sowohl wichtigen Zeugniswert für die Siedlungsgeschichte wie auch für das traditionsreiche Mühlengewerbe im Körschtal - Kemnat führt ein Mühlrad im Wappen - und damit für die Orts- und Wirtschaftsgeschichte Kemnats. |
100260917 | ||
| Ev. Pfarrhaus | Pfarrstraße 4 (Karte) |
Zweigeschossiger, weitgehend verputzter Fachwerkbau, Satteldach mit einseitigem Halbwalm und Aufschiebling, im Ostgiebel freiliegendes Fachwerk, Vorkragungen auf Knaggen, lange gebogene Fußstreben, 1566/67 (a), Umbau 18. Jahrhundert Das Pfarrhaus, in Nachbarschaft zur Kirche gelegen, ist ein stattlicher freistehender Bau, der zu den frühen nachreformatorischen Pfarrhausbauten im einstigen Herzogtum Württemberg zählt. Für seine Errichtung mussten die Kemnater 1566/67 drei Tage lang für ein Brot und ein halbes Maß Wein Frondienste leisten. Mit seiner Größe belegt es anschaulich die herausgehobene Stellung des Pfarrers und seiner Familie innerhalb der Sozialstruktur des Dorfes, vertrat er doch gewissermaßen in geistlichen Dingen die Landesherrschaft. Das Gebäude hat damit nicht nur wichtigen Zeugniswert für die Kemnater Kirchengeschichte, sondern ist auch Dokument der frühneuzeitlichen Ortsbaugeschichte. |
100260968 | ||
| Doppelhaus | Pfarrstraße 8, 10 (Karte) |
Eingeschossiger verputzter Fachwerkbau mit hohem Sockelgeschoss in Hanglage, Satteldach, traufseitige Erschließung über parallele Hauseingänge mit kleinen Freitreppen, zwei rundbogige Kellerportale, im Inneren von Nr. 10 Stube mit Balken-Bretter-Decke sowie im Dachgeschoss die in Putz geritzte Jahreszahl 1668, zwei parallele Gewölbekeller, im Kern 16./17. Jahrhundert, Umbauten 18. und 19. Jahrhundert
Das auf den ersten Blick unscheinbare Gebäude zählt im Kern offenbar zu den ältesten überlieferten Wohnbauten Kemnats. Der Bau weist zwei gleich große, querliegende Gewölbekeller auf, die straßenseitig über rundbogige Kellertore erschlossen werden. Die getrennt zugänglichen, in ihrer Bauweise weitgehend identischen Keller sind Hinweis für die bereits bauzeitliche Doppelhausfunktion des Gebäudes und belegen dabei auch die einstige Bedeutung des Weinbaus als wichtigem Erwerbszweig in Kemnat. Bauliche bzw. konstruktive Merkmale in der südlichen Haushälfte (z. B. rußgeschwärztes Dachwerk, Fachwerkkonstruktion mit Überblattungen im Bereich der Wohnungstrennwand) legen eine Datierung des Gebäudes in das 16./17. Jahrhundert nahe. Die nördliche Wohnhaushälfte wurde offensichtlich im 18./19. Jahrhundert erneuert; dabei wurden im Bereich des Dachwerks die alten rußgeschwärzten Hölzer mit einbezogen. Erhalten blieb in beiden Gebäudeteilen die charakteristische Hausstruktur mit – außen ablesbarer Stube in Ecklage – sowie Küche und Kammer. Als Beispiel eines hinsichtlich des Baualters inzwischen auf den Fildern selten gewordenen Haustypus besitzt das Doppelwohnhaus insbesondere typologischen, hauskundlichen und bau- bzw. konstruktionsgeschichtlichen Quellenwert. |
100260979 | ||
| Wohnhaus | Rosenstraße 21 (Karte) |
Zweigeschossiger Bau, Satteldach mit Aufschiebling, massives verputztes Keller- und Erdgeschoss, Obergeschoss Fachwerk mit Vorkragungen auf Konsolen und Balkenköpfen, im Giebel reiche Zierelemente, traufseitige Erschließung, giebelseitig kleines Kellerportal, Datierung in einem Fenstersturz, 1679 (i)
Das Gebäude ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie die regionale Tradition reichen Zierfachwerkbaus über den Dreißigjährigen Krieg bis in die 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts bewahrt wurde. Es belegt die hohe Qualität des frühneuzeitliche Zimmerhandwerks und hat ortsbaugeschichtlichen Zeugniswert. Darüber hinaus dokumentiert es vormoderne Wohn- und Lebensverhältnisse in dem Filderdorf, das auch vom Weinbau lebte. |
100260991 | ||
| Stockhäuser Mühle | Stockhausen 5 (Karte) |
Dreigeschossiger Bau mit flach geneigtem Satteldach, massives verputztes Keller- und Erdgeschoss, Obergeschosse Fachwerk, um 1950, unter Einbeziehung von Resten des Vorgängerbaus im Untergeschoss errichtet, im Gebäudeinneren Rundbogentor, bezeichnet 1555 (i)
Der starke Wasserlauf der Körsch ermöglichte seit dem Mittelalter die Anlage zahlreicher Mühlen. In Kemnat gibt es zwei, die Neue Mühle und die Stockhäuser Mühle. Diese war ursprünglich dem abgegangenen Ort Stockhausen zugeordnet, dürfte im Besitz der Ortsherrschaft gewesen sein und erscheint erstmals um 1400. Im heutigen Mühlenbau steckt noch ein älterer Kern, der auf einen Neubau 1555 verweist. Die Bausubstanz darüber ist rund 500 Jahre später errichtet worden und belegt mit ihrem Fachwerk samt Vorkragungen auf Balkenköpfen die Spätphase traditionalistischen Bauens, die sich gerade auf dem Land auch noch nach bis in die 1950er-Jahre großer Beliebtheit erfreute. Das Gebäude an einem alten Mühlenstandort hat siedlungs-, orts- und wirtschaftsgeschichtlichen Zeugniswert. |
100261003 |
Nellingen
| Bild | Bezeichnung | Lage | Datierung | Beschreibung | ID |
|---|---|---|---|---|---|
| Seldnerhaus | Burgstraße 11 (Karte) |
Schmaler zweigeschossiger Bau mit Satteldach, verputztes Fachwerk, traufseitige Erschließung, 18. Jahrhundert
Das Gebäude weist schon in seinen geringen Dimensionen auf seine Funktion als Seldnerhaus hin. Die Seldner waren Bauern ohne großen Landbesitz und damit Teil der ländlichen Unterschichten. Sie hielten meist nur Kleinvieh im Erdgeschoss ihrer gering dimensionierten Behausungen und verdingten sich überwiegend als Tagelöhner. Ihre Wohnungen sind nur noch selten überliefert. Um so größeren Wert für die Siedlungs- und Sozialgeschichte in Zusammenhang mit der ortsbaulichen Struktur hat dieses Gebäude für Nellingen. |
100261050 | ||
| Fliegerhorst Nellingen | Claude-Dornier-Straße 1, 1/1, 1/2, 1/3, 3, 4, 5, 7, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 27, 29, 31, 33, 35, 37, 39, 41, 43, 45, 47, 49, 51, 53, 55, 57, 59, 61 (Karte) |
Bestehend aus:
Im ausgedehnten Areal des einstigen Schlossgutes und Gestüts Scharnhausen westlich von Nellingen entstand ab 1937 ein militärischer Fliegerhorst. Die Bauleitung dürfte beim Heeresbauamt Stuttgart gelegen haben. Die überlieferte Baugruppe mit Kasernen- und Funktionsgebäuden repräsentiert in anschaulicher Weise den Einfluss der traditionalistisch orientierten Stuttgarter Schule auch auf militärische Bauaufgaben in der NS-Zeit. Die hiesige an das Bauen der Zeit um 1800 anknüpfende und regionale wie landschaftliche Traditionen achtende Architekturauffassung, die damals vor allem durch Paul Schmitthenner in Stuttgart gelehrt und umgesetzt wurde, spiegelt sich in Nellingen sowohl in der landschaftsbezogenen Einbettung der Bauten insgesamt als auch in der konkreten Architekturgestalt wider. Der Komplex ist dabei nicht nur wichtiges Dokument für die ideologisch aufgeladene Baugesinnung der Zeit, sondern auch für die Vorbereitungen des Deutschen Reiches durch das NS-Regime auf einen kommenden, 1939 ausgelösten Waffengang. Sie sind damit auch Zeugnisse der Militärgeschichte sowie der Umsetzung der Bauaufgabe „Kaserne“ im 2. Viertel des 20. Jahrhunderts. |
100263624 | ||
| Figürlicher gusseiserner Ausleger (am Hotel Germania) | Esslinger Straße 3 (Karte) |
1899
Der gusseiserne Ausleger versinnbildlicht den Namen des traditionsreichen Gasthauses und Hotels in Nellingen. Ein reich ornamentierter gusseiserner Ausleger mit einem Zecher zwischen Ranken trägt die das Schwert gezückte, die Linke auf den Schild mit dem Reichsadler gelegte Figur der Germania mit geflügeltem Helm. Die Figur hat nicht nur ortsgeschichtlichen Zeugniswert, indem sie auf die Bedeutung des Gasthauses für Nellingen verweist, sondern veranschaulicht auch den Nationalpatriotismus und Nationalstolz weiter Kreise des deutschen Bürgertums in wilhelminischer Zeit. Sie folgt dabei dem beliebten Bildtypus einer kampfbereiten, siegesgewissen „Germania auf der Wacht“. Der Ausleger dabei auch ein Zeugnis für die serielle Herstellung solcher künstlerisch gestalteter Zierobjekte im Zeitalter der Hochindustrialisierung. |
100261069 | ||
| Verwaltungsgebäude der Straßenbahn END mit Hallen (seit 1989 u. a. Markthalle) | Schillerstraße 9 (Karte) |
Bestehend aus: Verwaltungsbau, zweigeschossiger verputzter Massivbau, Walmdach mit Gaubenbändern, Gliederungselemente in Kunststein, traufseitige Erschließung; langgestreckte Wagenhalle (Halle I) mit Segmentbogendach aus Zinkblech, fassadenhohe Glastüren, im Giebel Okulus, im Inneren stichbogenförmige Zollinger-Dach-Konstruktion; Halle II, verputzter Massivbau mit Walmdach aus Zinkblech; 1926 bis 1929 (a)
Schon vor dem Ersten Weltkrieg machte man sich Gedanken über einen Straßenbahnanschluss der Fildergemeinden Nellingen und Denkendorf ins Neckartal nach Esslingen wohin viele Einwohner zu Fuß zur Arbeit in die Fabriken gingen. Doch erst 1925 konnte das Projekt der Straßenbahn Esslingen-Nellingen-Denkendorf (END) umgesetzt werden. Sie war ein voller Erfolg, 1927 nutzten über 1 Million Fahrgäste die Verbindung. Bis 1978 war die END in Betrieb. In Nellingen entstanden 1926 bis 1929 das zentrale Straßenbahndepot und die zugehörige Verwaltung. Von diesem Komplex zeugen bis heute das Verwaltungsgebäude, ein charakteristischer Vertreter traditionalistischen Bauens der sog. Stuttgarter Schule und zwei Hallen zur Wartung und Aufbewahrung der Straßenbahnwaggons. Die größere der beiden Hallen besticht durch die Konstruktion eines sog. Zollinger-Daches, das es ermöglichte große Spannweiten mit wenig Materialaufwand zu bewerkstelligen. Der Baukomplex ist damit wichtiges Zeugnis der regionalen Infrastruktur und Verkehrsgeschichte infolge der zunehmenden Industrialisierung im mittleren Neckartal. |
100261313 | ||
| Villenanwesen | Esslinger Straße 32 (Karte) |
Eingeschossiger Massivbau mit Mansardgiebeldach, Putzfelderdekor, seitlicher Eingangsvorbau und Standerker mit geschweiftem Dachabschluss, erbaut für Schultheiß Hermann Seeger, 1912 (a); mit Garten und Einfriedung.
Das giebelständige Gebäude ist ein anschauliches Beispiel für die modernen Architekturformen der Stilbewegung zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Der Bau zeigt mit seiner strengen Putzdekoration deutlich Einflüsse des geometrischen Jugendstils. Die Villa mit zugehörigem Garten entstand damals noch ganz am Rande Nellingens und belegt somit das ortsbauliche Wachstum der Fildergemeinde in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg. Es ist dabei auch ein Dokument gehobener bürgerlicher Wohnkultur und als Wohnhaus eines führenden Gemeindevertreters von ortsgeschichtlichem Zeugniswert. |
100261087 | ||
| Pferdeplastik | Herzog-Philipp-Platz (Karte) |
Bronze auf Steinsockel, zur Erinnerung an das frühere königliche Privatgestüt im Bereich der Parksiedlung aufgestellt, Jakob Wilhelm Fehrle, 1961/62 | 111646409 | ||
| Gasthaus Zum Herzog Karl | Kaiserstraße 20 (Karte) |
Zweigeschossiger verputzter Massivbau mit Mansardzeltdach, reiche Putzgliederung und Dekoration, u. a. mit Nutungen, Schmuckrelief mit Darstellung Herzog Carl Eugens von Württemberg, schmiedeeiserner Ausleger, 1905
Das Gebäude in markanter Ecklage erinnert mit seinem Namen und dem Porträtrelief an den württembergischen Herzog Carl Eugen, welcher unweit von Nellingen in Scharnhausen ein Lustschloss mit Musterlandwirtschaft besaß. Die Gestaltung des Gebäudes nimmt mit den genuteten Putzdekorationen der Fassade, dem kunstvolle Ausleger wie auch der Dachform deutliche Anleihen an die von Spätbarock und Frühklassizismus geprägte Architektur zur Zeit des Herzogs. So sucht das Gasthaus im Sinne des Historismus eine Traditionslinie zur Lokalgeschichte des 18. Jahrhunderts zu schaffen. Das qualitätvoll gestaltete Gebäude ist damit wichtiges Zeugnis der Ortsbaugeschichte von Nellingen kurz nach 1900 und hat überdies wirtschafts- und kulturgeschichtlichen Zeugniswert. |
100261109 | ||
| Wohn- und Geschäftshaus | Kaiserstraße 23 (Karte) |
Zweigeschossiger verputzter Bau, Krüppelwalmdach mit Zwerchhaus, massives Erdgeschoss mit Eckquaderung und abgeschrägter Ecke, Obergeschoss Fachwerk über beschnitzten Balkenköpfen, am Eck zweigeschossiges polygonales Erkertürmchen, Ladeneingang über Eck, 1902
Das Gebäude ist charakteristisches Beispiel für ein Wohn- und Geschäftshaus des späten Historismus. Es belegt mit seiner Lage an der Kaiserstraße den Ausbau Nellingens seit 1875 im Norden und Nordosten des alten Ortskerns. Das Eckhaus veranschaulicht damit die Entwicklung des alten Bauerndorfes zu einer Arbeitergemeinde, deren Einwohner zur Arbeit in die Fabriken im Neckartal gingen. Es setzt mit seinem schlanken Erkertürmchen einen ortsbaulich prägnanten Akzent an der Straßenkreuzung und folgt damit den zeittypischen Gestaltungsprinzipien späthistoristischen Städtebaus, der hier mit im Maßstab verkleinerten, kleinstädtisch wirkenden Gebäuden auch auf dem Land wirksam wurde. |
100261143 | ||
| Wohnhaus | Kaiserstraße 27 (Karte) |
Eingeschossiger verputzter Massivbau mit Kniestock in verputztem Fachwerk, giebelseitig vorkragendes Krüppelwalmdach mit Zwerchhaus, Sockel in Quaderung, gebänderter Putzdekor, 1902
Das Wohngebäude dokumentiert den Ausbau des Dorfes Nellingen nordöstlich des alten Ortskerns entlang eines geradlinigen Straßenrasters. Das Gebäude belegt, wie städtische Bauformen des späten Historismus auf maßstäblich kleinere Wohnbauten übertragen wurden, wobei der Kniestock und an den Schweizerstil angelehnte Formen den ländlichen Charakter des Hauses entsprechend des Standortes in einer Landgemeinde betonen. |
100261154 | ||
| Wohnstallhaus | Kirchstraße 1, 3 (Karte) |
Später unterteilt in Doppelhaus, teilverputztes zweigeschossiges Fachwerkhaus mit Satteldach, massiver Sockel, Vorkragungen auf Knaggen und Balkenköpfen, traufseitige Erschließung mit kleinen Freitreppen, im Kern 16. Jahrhundert
Das ursprünglich große Wohnstallhaus wurde nachträglich in zwei Einheiten unterteilt. Es ist damit ein anschauliches Zeugnis für die Realteilung, die in Württemberg im Erbfall üblich war und zu immer kleineren Besitzeinheiten führte. Das Gebäude könnte bis zum Verkauf an Württemberg 1649 Bestandteil der früheren Nellinger Propstei des Klosters St. Blasien im Schwarzwald gewesen sein, an dessen Nordwestrand es sich erhebt. Das Haus stammt im Kern wohl noch aus dem 16. Jahrhundert und hat neben seiner sozialgeschichtlichen Bedeutung auch Zeugniswert für die Ortsbaugeschichte. |
100261182 | ||
| Schule | Klosterhof 2 (Karte) |
Zweigeschossiger verputzter Dreiflügelbau mit Säulenvorhalle, Walmdächer mit Zwerchgiebeln und Gauben sowie Dachreiter, rustizierter Sockel, Werksteingliederungen, errichtet nach Entwurf von Architekt Hornung, Esslingen, 1908 (a), erweitert um Ostflügel sowie Säulenvorhalle, 1950 (a), (umgestaltet 1986 a)
Das rasche Bevölkerungswachstum infolge der Industrialisierung führte auch in Nellingen zur Notwendigkeit eines neuen Schulbaus zu Anfang des 20. Jahrhunderts, zumal die Erweiterung eines älteren Schulhauses 1876 nicht als gelungen galt. Der Neubau wurde so angelegt, dass er gegebenenfalls um zusätzliche Schulsäle erweitert werden konnte. Tatsächlich geschah dies 1950, wobei die stilistische Grundhaltung des Baus als charakteristisches Beispiel der Reformarchitektur in der Erweiterung bis hin zum Säulenportikus an der Südwestseite fortgesetzt wurde. Das Gebäude ist damit nicht nur Zeugnis der Schul- und Ortsbaugeschichte Nellingens vor dem Ersten Weltkrieg, sondern auch der regionalen Architekturgeschichte. |
100261223 | ||
Weitere Bilder |
Sog. Klosterhof | Klosterhof 3, 4, 8, 10, 12; Schulgässle (Karte) |
Propstei des Klosters St. Blasien (von 1250 bis 1649) bzw. der württembergischen Stabskellerei (bis 1836), bestehend aus:
Der Klosterhof ist das zentrale Zeugnis der Nellinger Siedlungs-, Herrschafts- und Kirchengeschichte seit dem Hochmittelalter. Im Jahr 1120 bestätigte Papst Calixt II., dass das Benediktinerkloster St. Blasien im Südschwarzwald durch den kinderlosen Ortsadeligen Anselm von Nellingen, der ins Kloster eingetreten war, dessen gesamten Besitz und die Hälfte des Zehnten vermacht bekam. Weiteren Besitz erhielt das Kloster 1219 durch Albert von Wörnitzhausen. Zur Verwaltung seiner Güter richtete St. Blasien um 1250 eine Propstei ein, von der auch der Plochinger Besitz verwaltet wurde. Sie erlebte ihre Blütezeit im 14./15. Jahrhundert und war damals ein regionales Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum. Mittelpunkt des herrschaftlichen Klosterhofes wurde die Kirche, die mit ihrem Patrozinium deutlich auf die Zugehörigkeit zu St. Blasien verweist. Ihr Turm ist das älteste Bauzeugnis der Nellinger bzw. Ostfilderner Geschichte und ein herausragendes Zeugnis spätromanischer Baukunst in der Region. Allerdings konnte das Kloster nicht verhindern, dass Herzog Ulrich von Württemberg auch in Nellingen 1534 die Reformation einführte, die Kirche wurde evangelisch. Das Klostergut selbst konnte Württemberg allerdings erst 1649 erwerben, als St. Blasien infolge des Dreißigjährigen Krieges seinen gesamten Besitz im Esslinger Raum an das Herzogtum veräußerte. In der Folge bildete der Besitz bis 1836 eine württembergische Stabskellerei. Die zentrale Verwaltungsfunktion wird bis heute in den unterschiedlichen Gebäuden rund um die Kirche deutlich, wurden hier doch u. a. Pfarrhaus und Schule, aber auch das Rathaus angesiedelt. Der Klosterhof spiegelt in seinen Gebäuden die Entwicklung und Ortsbaugeschichte Nellingens seit dem frühen 13. Jahrhundert wider. Bauhistorisch besondere Bedeutung kommt hierbei der 1926 durch den bekannten Architekten Martin Elsässer renovierten Kirche wie auch dem spätmittelalterlichen Propsteigebäude und dem Fruchtkasten zu. Darüber hinaus ist der Klosterhof ein wichtiges Zeugnis für die weit gestreuten Besitzungen des Klosters St. Blasien und dessen Wirtschaftsgeschichte. |
1204868 | |
| Wohnhaus | Riegelstraße 2 (Karte) |
Eingeschossiger, teilverputzter Fachwerkbau über hohem massivem Sockel, Satteldach mit Aufschiebling, 1591/92 (d), westliche Giebelseite mit ornamentaler Schieferverkleidung, um 1900
Das Gebäude ist ein charakteristisches Einhaus, das Wohn- und Lebensverhältnisse der Vormoderne dokumentiert. Es besticht im Ortsbild durch die ornamentale Schieferverkleidung, eine Spezialität der Region um Esslingen, wo in den Jahren um 1900 der aus dem Vogtland zugewanderte Schieferdeckermeister Karl Kaiser lebte und arbeitete und die Tradition dekorativer Verkleidungen dieser Art einführte. |
100261243 | ||
| Wohnstallhaus | Riegelstraße 11 (Karte) |
Zweigeschossiger Bau, Satteldach mit Aufschiebling und Traufplattengesims, Erdgeschoss in Bruchstein mit Eckquaderung, Obergeschoss verputztes Fachwerk, kleine Laube, traufseitige Erschließung, Hauseingang in profiliertem Gewände, im Keilstein Bauinschrift, erbaut für Schultheiß Jacob Mauz, 1820 (i)
Der stattliche freistehende Bau war das Wohnhaus des Schultheißen Jacob Mauz, wie der Keilstein am Eingang ausweist. Es ist ein anschauliches Beispiel für ein stattliches Wohnstallhaus in der Biedermeierzeit, das mit seinen Dimensionen auf den sozialen Status des Bauherren verweist. Es ist Zeugnis der Ortsbau- und Sozialgeschichte Nellingens in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts. |
100261270 | ||
| Wohnhaus | Riegelstraße 15 (Karte) |
Eingeschossiger, teilverputzter Fachwerkbau auf massivem Sockel, Satteldach mit Aufschiebling, Giebel mit Vorkragungen über Balkenköpfen und beschnitzten Knaggen, traufseitige Erschließung über Freitreppe, im Kern wohl 16./17. Jahrhundert mit Umbauten des 18/19. Jahrhunderts (Fachwerk erneuert)
Das eingeschossige Wohngebäude in Ecklage ist ein anschauliches Beispiel für die ältere Bebauung der Nellinger Ortsmitte und dokumentiert die Bauformen und Lebensverhältnisse auf dem Land in der Frühen Neuzeit. Der Bau hat ortsgeschichtlichen Zeugniswert. |
100261285 | ||
| Gestelztes Einhaus | Riegelstraße 17 (Karte) |
Zweigeschossig, Satteldach, über massivem verputztem Erdgeschoss Fachwerkbau mit Backsteinverblendung, traufseitige Erschließung, im Sturz des Eingangs Bauinschrift, 1905 (i)
Das Gebäude in Ecklage markiert die alte Ortseingangssituation zum historischen Dorfkern von Nellingen. Es handelt sich ein regionaltypisches gestelztes Einhaus und belegt dabei die lange Tradition dieser bäuerlichen Hausform bis in die Zeit um 1900. Die Ziegelverblendung ist eine um 1900 übliche und beliebte Form der Fassadengestaltung in der Region. Die aufwendig gestaltete Verblendung macht das Haus zu einem der baukünstlerisch bemerkenswerten Gebäude Nellingens. Es bildet dabei einen städtebaulichen Blickfang in der um 1875 quer zur alten Ausfallstraße aus dem Ort angelegten Kaiserstraße. |
100261293 | ||
| Wohnhaus | Schäferstraße 17 (Karte) |
Eingeschossiger Backsteinbau mit verputztem Sockel und Satteldach, südliche Giebelwand konstruktives Fachwerk, Fachwerkgiebel mit ornamentaler Schieferverkleidung und großer Jahreszahl, traufseitige Erschließung, 1893 (i)
Das am westlichen Zugang zum alten Ortskern gelegen Gebäude besticht im Ortsbild durch die ornamentale Schieferverkleidung des straßenseitigen Giebels, eine Spezialität der Region um Esslingen, wo in den Jahren um 1900 der aus dem Vogtland zugewanderte Schieferdeckermeister Karl Kaiser lebte und arbeitete. Er führte die Tradition dekorativer Verkleidungen dieser Art in der Region ein, die sich bald gerade bei ländlichen Wohnbauten großer Beliebtheit erfreute. Charakteristisch ist neben den Ornamentformen die dekorativ eingesetzte Zahl des Baudatums, die Kaiser mehrfach anwandte. Das kleine Gebäude, sonst ganz in Backstein errichtet, steht dabei in seinen Dimensionen und seiner Kubatur noch ganz in der Tradition althergebrachter ländlicher Wohnbauten, die bis in die Zeit der Hochindustrialisierung fortlebte. |
100261307 | ||
| Wohnhaus | Wilhelmstraße 24 (Karte) |
Zweigeschossiger Bau, Stuttgarter Dach mit Zwerchhaus und Gaube, abgeschrägte Ecke, zweigeschossiges Ecktürmchen mit spitzem Helm, Erdgeschoss in Backstein mit Werksteingliederungen, Obergeschoss Fachwerk, verputzt, an den Straßenseiten Backsteinverblendung, reich gearbeitete Fensterrahmungen aus Holz, erbaut durch Schreiner Christian Aichele, 1904 (a)
Das Gebäude ist ein charakteristisches Beispiel für den Wohnbau des späten Historismus. Wie beim städtischen Wohnbau ist auch dieses Eckgebäude in zeittypischer Weise durch eine abgeschrägte Ecke mit Erkeraufbau betont. Das Erdgeschoss zeigt den damals beliebten Kontrast von Werksteinelementen zu Backsteinflächen, während das Obergeschoss in Fachwerk errichtet, aber an den Schauseiten ebenfalls in - weißem - Backstein verblendet wurde. Die Zierelemente entsprechen den zeitgenössischen Vorstellungen der Neurenaissance. Der Bau, am alten Ostausgang in Richtung Westen gelegen, ist Zeugnis der ortsbaulichen Entwicklung um 1900, als Nellingen infolge der Industrialisierung des Mittleren Neckarraums und des damit verbundenen Zuzuges rasch wuchs. |
100261322 | ||
| Sog. Schopf | Wilhelmstraße 38 (Karte) |
Wohnhaus, zweigeschossiger Kreuzfirstbau, Erdgeschoss teilweise massiv und verputzt, Obergeschoss Fachwerk mit Zierelementen, Vorkragungen auf Balkenköpfen, im Giebel lange gebogene Fußstreben, im Erdgeschoss Laube, im Kern 16. Jahrhundert, Querbau angefügt im 17/18. Jahrhundert (Renovierung 1986/87)
Der sog. Schopf ist ein stattliches Wohngebäude direkt gegenüber dem Klosterhof von St. Blasien. Seine aufwendige Gestaltung und die Laube im Erdgeschoss könnten auf eine einstige Sonderfunktion hinweisen. Im Kern stammt der Bau aus dem 16. Jahrhundert, wie u. a. das Giebelfachwerk belegt, Umbauten und Veränderungen datieren ins 17./18. Jahrhundert. Das Gebäude zählt zu den ältesten überlieferten Wohnhäusern Nellingens und hat wichtigen Zeugniswert für die Ortsbaugeschichte. Es dokumentiert anschaulich die Zimmermannskunst der Frühen Neuzeit und veranschaulicht vormoderne Wohn- und Lebensverhältnisse. |
100261330 | ||
| Seldnerhaus | Wilhelmstraße 56 (Karte) |
Zweigeschossiger verputzter Bau, Satteldach mit Gaube, abgeschrägte Ecke, massives Erdgeschoss, Obergeschoss Fachwerk, traufseitige Erschließung mit gedeckter Treppe, wohl 18. Jahrhundert
Das wegen seines Standorts an einer Straßenbiegung abgeschrägte Haus bildet mit seiner gedeckten Außentreppe einen malerischen Blickfang im Gassenbild des alten Ortskerns von Nellingen. Es handelt sich um ein Seldnerhaus und damit um das Wohnhaus eines Angehörigen der ländlichen Unterschichten, landloser Bauern, die nur wenig Vieh besaßen und ihr Einkommen weitgehend als Tagelöhner (Seldner) verdienten. Das Gebäude hat ortsbau- und sozialgeschichtlichen Zeugniswert. |
100261338 | ||
| Wohnhaus eines Handwerkers | Wilhelmstraße 72 (Karte) |
Zweigeschossiger verputzter Bau mit Satteldach, massives Erdgeschoss mit Putznutung und Eckquaderung, Obergeschoss Fachwerk, traufseitige Erschließung, im Türsturz Datierungen, Initialen und Namenszug, 1808 (i), erneuert für H. Haug, 1900 (i)
Das schmale, langgestreckte Gebäude in markanter Ecklage diente wohl als Wohnhaus eines dörflichen Handwerkers und datiert im Kern laut Bauinschrift an den Beginn des 19. Jahrhunderts. Es dokumentiert vormoderne Wohn- und Lebensverhältnisse in dem Filderdorf und ist Zeugnis der Ortsbaugeschichte. |
100261349 | ||
| Wohnhaus | Wilhelmstraße 74 (Karte) |
Eingeschossiger verputzter Fachwerkbau, Satteldach mit Aufschiebling, Giebel mit Vorkragungen auf langen Knaggen, wohl 16./17. Jahrhundert
Das Gebäude dürfte zu den ältesten erhaltenen Wohnbauten Nellingens zählen, die langen Knaggen legen eine Entstehung spätestens im 17. Jahrhundert nahe. Der Bau dokumentiert dabei vormoderne Wohn- und Lebensverhältnisse in der Fildergemeinde und hat ortsbaugeschichtlichen Zeugniswert. |
100261356 |
Ruit
| Bild | Bezeichnung | Lage | Datierung | Beschreibung | ID |
|---|---|---|---|---|---|
| Wohnhaus | Kirchheimer Straße 35 (Karte) |
Zweigeschossiger, weitgehend verputzter Bau mit Satteldach, massives Erdgeschoss, Obergeschoss Fachwerk, Vorkragungen, teilweise über Knaggen, westliche Giebelseite ornamental verschiefert, im Kern vor 1700, Verschieferung 1902
Das Wohngebäude dokumentiert den älteren Baubestand Ruits und veranschaulicht als regionaltypisches gestelztes Einhaus vormoderne Wohn- und Lebensverhältnisse auf dem Land. Blickfang ist die ornamentale Schieferverkleidung, eine Spezialität der Region um Esslingen, wo in den Jahren um 1900 der aus dem Vogtland zugewanderte Schieferdeckermeister Karl Kaiser lebte und arbeitete und die Tradition dekorativer Verkleidungen dieser Art einführte. |
100263684 | ||
| Grabmal für Pfarrer Ernst Friedrich Lempp (im Friedhof) | Friedhofwegle (Karte) |
Sandsteinstele mit Giebelabschluss und Inschrift, um 1850
Das Grabmal des Ruiter Pfarrers Ernst Friedrich Lempp (1791 bis 1850) an der Friedhofsmauer zeigt als Rahmung für das Schriftfeld eine an Architekturelemente angelehnte Gestaltung mit einem Schmetterling im Giebelfeld. Der klassizistische Grabstein nimmt dabei in zeittypischer Weise Anleihen an antike Grabmalkunst. Als Erinnerung an das Wirken des evangelischen Seelsorgers in Ruit hat der Grabstein überdies ortsgeschichtlichen Zeugniswert. |
100263719 | ||
| Pumpbrunnen | Kirchheimer Straße 76 (Karte) |
Säulenförmig gestalteter Brunnenstock aus Gusseisen mit Schwengel, gusseisernes Becken, Ende 19. Jahrhundert
Der Pumpbrunnen dokumentiert die historische Wasserversorgung Ruits im späteren 19. Jahrhundert vor Schaffung eines modernen Leitungsnetzes. Er ist dabei auch ein anschauliches Zeugnis für die serielle, fabrikmäßige Produktion solcher künstlerisch und repräsentativ gestalteter Funktionsobjekte zur Zeit der Hochindustrialisierung. |
100263694 | ||
| Vogthaus der Propstei St. Blasien | Mörikestraße 12 (Karte) |
Dann ev. Pfarrhaus, zweigeschossiger Bau, Satteldach mit Aufschiebling und einseitigem Halbwalm, Erdgeschoss in Bruchstein, Obergeschoss Fachwerk mit Vorkragungen, Zierelemente, an Nordseite Spitzbogenpforte, an Westseite Hauseingang in profiliertem spitzbogigem Sitznischenportal mit zwei runden Okuli, Gedenktafel in Sandstein an Umbau, im Kern spätmittelalterlich, Umbau 1608 (i), Renovierung 1958 (i); Pfarrgarten mit Gedenkstein für Pfarrer Friedrich und Christiane Walz, um 1829
Das stattliche Pfarrhaus stellt das älteste Profangebäude in Ruit dar. Es soll ursprünglich Vogthaus der Abtei St. Blasien gewesen sein, welche im nahen Nellingen eine Propstei unterhielt und zu deren Besitzungen auch die Ruiter Pfarrkirche gehörte. St. Blasien war auch nach der Einführung der Reformation 1534 für deren Erhalt wie auch das Pfarrhaus verantwortlich, es ist anzunehmen, dass die Vogtei schon zuvor Pfarrsitz war. Den Repräsentationsanspruch St. Blasiens verdeutlicht das aufwendige, qualitätvoll gearbeitete Sitznischenportal, das dem regional tätigen Michel Knell zugeschrieben wird. Das Pfarrhaus ist damit wichtiges Zeugnis der Orts- und Kirchengeschichte Ruits. Interesse verdient es auch als Geburtshaus von Friederike Ehemann, der späteren Ehefrau des Dichters Justinus Kerner, die als Gastgeberin von Dichtern und Literaten in ihrem Weinsberger Haus in die Literaturgeschichte einging. |
100263704 | ||
| Pumpbrunnen | Raichbergstraße (Karte) |
Gusseiserner Stock mit Schwengel, um 1900
Der Pumpbrunnen dokumentiert die historische Wasserversorgung der Landgemeinde Ruit vor Schaffung eines modernen Leitungsnetzes, hier für ein Privatanwesen. Gusseiserne Pumpbrunnen wie dieser waren serielle Produkte und belegen die fabrikmäßige Herstellung solcher Funktionsobjekte. |
100263726 | ||
| Wohnhaus | Scharnhauser Straße 32 (Karte) |
Eingeschossiger verputzter Fachwerkbau mit massivem Sockel und Satteldach, Giebel mit Vorkragungen und Ladeluke, traufseitige Erschließung, wohl 18. Jahrhundert
Das Gebäude dokumentiert den älteren Hausbestand innerhalb des alten Ortskerns von Ruit. Es veranschaulicht vormoderne Wohn- und Lebensverhältnisse in dem Filderdorf und hat ortsbaugeschichtlichen Zeugniswert. |
100263751 | ||
| Wohnhaus | Scharnhauser Straße 38 (Karte) |
Eingeschossiger verputzter Fachwerkbau auf massivem Sockel, Satteldach mit Aufschiebling, Giebelvorkragungem teilweise auf gekehlten Knaggen, traufseitige Erschließung, im Kern wohl noch 17. Jahrhundert
Das Gebäude dokumentiert die ältere, frühneuzeitliche Bebauung des historischen Ortskerns von Ruit. Die Knaggen im Giebel weisen auf eine Entstehung vor 1700 hin. Das Haus veranschaulicht vormoderne Wohn- und Lebensverhältnisse in der Fildergemeinde und hat ortsbaugeschichtlichen Zeugniswert. |
100263801 | ||
| Torbogen [§ 28] | Stuttgarter Straße 1, 7 (Karte) |
Bez. 1604, und schmiedeeiserner Ausleger mit Hängeschild [§ 2] des Gasthofs zum Hirsch
Der Torbogen und das Wirtshausschild belegen das weit zurückreichende Alter des Gasthauses zum Hirsch, das in den 1980er Jahren weitgehend neu errichtet wurde. |
100263874 |
Scharnhausen
| Bild | Bezeichnung | Lage | Datierung | Beschreibung | ID |
|---|---|---|---|---|---|
Weitere Bilder |
Lustschlossanlage Karlsruhe | Am Mühlkanal 28, 30; Kastanienallee (Karte) |
Bestehend aus: Corps de Logis [§ 28], eineinhalbgeschossiger verputzter Massivbau mit flach geneigtem Walmdach, Eckquaderung, ionischer Säulenportikus, im Giebelfeld in beschriftet „Carolus Otio“, im Gebälk Bauinschrift, Segmentbogenfenster, erbaut für Herzog Carl Eugen von Württemberg nach Entwurf von Reinhard Ferdinand Fischer, 1783/84 (a, i); Park [§ 2] mit Allee, angelegt bis um 1788 (a); Gartenpavillon sog. Amor-Tempel, viereckiger offener Säulenbau ionischer Ordnung, Schieferkuppel, 1788 (a), an den jetzigen Standort transloziert 1822 (a)
Das Lustschloss in Scharnhausen ließ Herzog Carl Eugen (1728 bis 1793) für sich und seine zweite Gemahlin Reichsgräfin Franziska von Hohenheim (1748 bis 1811) errichten. Es diente als Retraite zum nahen, weitaus größeren Lustschloss Hohenheim, wo der Herzog seit den 1770er-Jahren bevorzugt residierte. Angeregt zu dem privaten Rückzugsort im Körschtal wurde der Herzog durch einen Besuch des anhalt-dessauischen Lustschlosses Wörlitz, einem der ersten klassizistischen Schlossbauten im damaligen Reich. Er beauftragte seinen natürlichen Sohn, den Hofarchitekten Reinhard Ferdinand Fischer (1746 bis 1813) mit dem Entwurf einer ähnlichen Anlage, die allerdings weitaus bescheidener ausfiel und in den Details noch deutlich spätbarock beeinflusst ist (u. a. Segmentbogenfenster). Carl Eugen dürfte dabei maßgebliche Vorgaben gemacht haben, um sein Idealbild eines Landhauses umzusetzen. Zugehörig entstand ein Landschaftsgarten, der in seinen Grundstrukturen bis heute überliefert ist. Er war in zeittypischer Weise mit zahlreichen Kleinarchitekturen durchsetzt, von denen der 1822 an den jetzigen Standort translozierte Gartenpavillon Amor-Tempel zeugt. Das Lustschloss ist Carl Eugens letztes in einer ganzen Reihe von Bauprojekten und spiegelt den gewandelten Anspruch des Herzogs wider, der sich im aufklärerischen Ideal des einfachen Landlebens zu verwirklichen suchte. Später gelangte das Anwesen an seinen Neffen Wilhelm I., der als großer Pferdeliebhaber das Lustschloss zum Mittelpunkt des neben Weil bei Esslingen zweiten großen Gestütes in unmittelbarer Nähe zur Residenzhauptstadt Stuttgart machte. Das Lustschloss ist damit wichtiges Zeugnis des frühen Klassizismus und anschauliches Dokument der höfischen Kultur Württembergs im späteren 18. und frühen 19. Jahrhundert. |
100263889 | |
| Ev. Pfarrkirche | Nürtinger Straße 5 (Karte) |
Massiver verputzter Saalbau mit Satteldach, seitlich angeordneter Turm mit flach geneigtem Satteldach, Uhren und Balkon, Haupteingang von Süden in Segmentbogen, Fensterbänder und -gruppen, im Untergeschoss Gemeindesaal, darüber zweischiffiger Kirchenraum mit Holzdecken, historische Ausstattung aus der alten Kirche: Renaissance-Kanzel, von Michael Knell spätgotische Kreuzigungsgruppe, um 1520, Emporenbilder mit Aposteln und Stiftern, 1627 (i); errichtet nach Entwurf von Erich Fritz, 1952/53 (a)
Die evangelische Pfarrkirche in Scharnhausen, die erhöht am Hang steht und mit ihrem kräftigen Turm das Ortsbild prägt, ist ein charakteristisches Beispiel für die von der konservativen Stuttgarter Schule geprägte Richtung des Kirchenbaus in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Das zeigt sich insbesondere im Innenraum, der mit handwerklichen Holzkonstruktionen dem Ideal der Werk- und Materialgerechtigkeit entspricht. Die Kirche ersetzte dabei das ältere Scharnhäuser Gotteshaus, aus dem die kunsthistorisch wertvollen Ausstattungselemente übernommen wurden. Darunter befindet sich auch die Renaissance-Kanzel, welche aufgrund des Steinmetzzeichens dem - vielleicht aus Scharnhausen gebürtigen - Steinmetzen Michel Knell zugeschrieben werden kann. Knell, gest. 1613, war in verschiedenen Filderorten tätig und gehört zu den wichtigeren Meistern seines Faches im Herzogtum Württemberg, der wohl Schüler des Hofbaumeisters Georg Beer war und durch qualitätvolle Arbeiten in Erscheinung trat. Diese Ausstattungsstücke bewahren die Erinnerung an die lange Kirchengeschichte wie auch die künstlerische Ausstattung der älteren Pfarrkirche Scharnhausens. Damit ist die Pfarrkirche nicht nur ein anschauliches Zeugnis der Entwicklungen im evangelischen Sakralbau der Nachkriegszeit, sondern auch zentrales Dokument der Orts- und Kirchengeschichte Scharnhausens. |
100263949 | ||
| Pfarrhaus | Nürtinger Straße 8 (Karte) |
Zweigeschossiger verputzter Bau, Satteldach mit Aufschiebling und einseitigem Halbwalm, massives Erdgeschoss, Obergeschoss Fachwerk, traufseitige Erschließung mit kleiner Freitreppe, erbaut um 1710, Geburtshaus von Philipp Matthäus Hahn; Pfarrgarten und Einfriedung
Das Gebäude liegt ortsbildprägend am Südhang über dem Körschtal und dem alten Ortskern. Mit seiner Kubatur ist es ein charakteristischer Vertreter barockzeitlicher Pfarrhausbauten im Herzogtum Württemberg und vermittelt zusammen mit dem Garten ein anschauliches Bild der Lebenswelt eines evangelischen Pfarrhaushalts in Württemberg. Die Pfarrer waren in der Regel wichtige Bildungsträger, und nicht umsonst gilt gerade das württembergische Pfarrhaus als Wiege vieler Dichter und Denker. Zu ihnen gehört auch der hier geborene Philipp Matthäus Hahn (1739 bis 1790), der nicht nur Pfarrer, sondern auch Naturforscher und vor allem Konstrukteur mathematischer und astronomischer Geräte sowie zahlreicher Uhren war. Ein weiterer Sohn des Scharnhäuser Pfarrhauses ist der Chemiker und Unternehmer Karl Christian Wagenmann (1787 bis 1867), der 1806 ein chemisches Tauch-Zündholz entwickelte. Das Scharnhäuser Pfarrhaus hat damit nicht nur Zeugniswert als Beispiel eines evangelischen Pfarrsitzes der Barockzeit, sondern auch für die württembergische Kulturgeschichte des 18. Jahrhunderts. |
100264000 | ||
| Wohnhaus | Plieninger Straße 2 (Karte) |
Eingeschossiger, weitgehend verputzter Fachwerkbau über hohem massivem Kellergeschoss, Satteldach mit Aufschiebling, im Giebel Fachwerk mit Zierformen, Vorkragung auf Balkenköpfen und Knaggen, giebelseitig rundbogiger Kellereingang, traufseitige Erschließung des Wohnteils, wohl noch 17. Jahrhundert, erneuert 1909 (i)
Das Gebäude in leichter Hanglage nimmt eine das Ortsbild prägende Ecksituation ein. Es dokumentiert die ältere Bebauung im Dorfkern von Scharnhausen. Das Fachwerk im Giebel mit charakteristischen Knaggen, langen Fußstreben und Kopfdreiecken legt eine Entstehung noch im 17. Jahrhundert nahe. Der rundbogige Kellereingang verweist auf die Bedeutung, welche der Weinbau im Körschtal als Erwerbsquelle einst spielte. Das Gebäude dokumentiert vormoderne Wohn- und Lebensverhältnisse in der Fildergemeinde und hat ortsbaugeschichtlichen Zeugniswert. |
100264022 | ||
| Dreiseithof | Plieninger Straße 9 (Karte) |
Bestehend aus: Wohnstallhaus, zweigeschossiger verputzter Bau mit Satteldach, massives Erdgeschoss mit Putzquaderung, Obergeschoss Fachwerk, traufseitige Erschließung, im Türsturz Initialen und Datierung, errichtet vor 1808 (a), wohl erneuert 1828 (i); Scheune, Werkstein- und Fachwerkbau mit Satteldach, wohl 18./19. Jahrhundert; Stallgebäude, Werksteinbau mit Fachwerkgiebeln, Satteldach mit Aufschiebling, 1834 (i) und 1859 (i)
Die Hofanlage vermittelt mit ihren einzelnen Bestandteilen ein anschauliches Bild der bäuerlichen Lebenswelt in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts, wobei die am einstigen westlichen Ortsrand gelegene Hofstelle bereits 1808 genannt ist und das Wohnstallhaus im Kern eventuell älter als das am Haus angegebene Baudatum 1828 ist. Das Anwesen hat daher auch ortsbaugeschichtlichen Zeugniswert und dokumentiert die landwirtschaftlich geprägte Siedlungsstruktur des alten Dorfes. |
100264035 | ||
| Fachwerkgiebel (am Gasthaus Zur Rose) | Rathausplatz 2 (Karte) |
Südgiebel mit Vorkragungen auf Balkenköpfen und Bogenfriesen, um 1600
Der Fachwerkgiebel bezeugt die Zimmermannskunst der Frühen Neuzeit und hat ortsbaugeschichtlichen Zeugniswert. |
100264064 | ||
| Rathaus (heute Hotel) | Rathausplatz 4 (Karte) |
Zweigeschossiger Bau, Satteldach mit Aufschiebling, massives verputztes Erdgeschoss, Obergeschoss Fachwerk, Giebel mit Vorkragungen, langen gebogenen Fußbänder und Kopfdreiecke, Erdgeschosslaube mit steinernen Pfeilern und Brunnensäule, zwei flache Rechtecktröge, erbaut 1596 (i), Brunnenerneuerung 1820 (i), Umbau und Erweiterung, 1935 (i)
Das Scharnhauser Rathaus steht mitten im alten Ortskern in der Niederung des Körschtals und prägt mit seinem Fachwerkgiebel das Ortsbild an zentraler Stelle. Es ist Zeugnis des Wiederaufbaus des 1590 durch einen Großbrand zerstörten Dorfes. Mit seiner kleinen giebelseitigen Laube ist es ein charakteristischer Vertreter ländlicher Rathausbauten in der Zeit der Renaissance, vermutlich erbaut durch Steinmetz Michel Knell und Jerg Mercklin. Für ersteren spricht die kunstvolle Brunnensäule mit gebauchtem kurzem Schaft und korinthischem Kapitell, die als eine der Laubenstützen ausgearbeitet ist. Das Scharnhauser Rathaus ist wichtiges Zeugnis der einstigen Selbstverwaltung der bis zur Gemeindereform eigenständigen Kommune und hat damit ortsgeschichtlichen Zeugniswert. Es dokumentiert darüber hinaus den Typus des ländlichen Rathauses im 16. Jahrhundert und die regionale Zimmermanns- und Steinmetzenkunst zur Zeit der Spätrenaissance. |
100264096 | ||
| Gedenkstein an den Ortsbrand von 1590 | Ruiter Straße 20 (Karte) |
Von Steinmetz Jerg Mercklin, 1590 (i)
Die stark bewitterte Inschrift erinnert an den Dorfbrand, der im Jahr 1590 weite Teile des Dorfes Scharnhausen verwüstete und in dessen Folge der Ort wieder aufgebaut werden musste, darunter eine Scheune, an der sich die Inschrift ursprünglich befand. Sie hat wichtigen ortsgeschichtlichen Zeugniswert. |
100264126 | ||
| Wohnhaus | Ruiter Straße 20 (Karte) |
Eingeschossiger Fachwerkbau auf steinernem Sockel, Satteldach mit Aufschiebling, Giebel mit Vorkragungen auf Balkenköpfen, traufseitige Erschließung, wohl 18. Jahrhundert, erweitert 1875 (a)
Das Gebäude dokumentiert den älteren Baubestand im historischen Ortskern Scharnhausens und ist ein anschauliches Beispiel des Zimmermannshandwerks in der Zeit um 1700. Es dokumentiert vormoderne Wohn- und Lebensverhältnisse in der Fildergemeinde und hat ortsbaugeschichtlichen Zeugniswert. |
100264204 | ||
| Hofer Mühle | Ruiter Straße 64 (Karte) |
Ein- bis zweigeschossiger Bau, Satteldach mit Aufschiebling, Untergeschoss in Bruchsteinmauerwerk, Erdgeschoss verputztes Fachwerk, giebelseitige Vorkragungen auf Knaggen und steinerner Eckkonsole, 1566 (d), Verkauf an Herzog Carl Eugen 1783, ab 1810 Teil des Gestüts Scharnhausen; davor Laufbrunnen, langer gusseiserner Brunnentrog mit Pferdereliefs, säulenförmiger Brunnenstock mit zwei Ausläufen, Wasseralfingen, 1822 (i)
Die westlich des alten Ortskerns gelegene Hofer Mühle weist mit ihrem Namen auf einen abgegangenen Weiler hin. Sie wurde seit 1524 als privates Eigentum betrieben, war also kein herrschaftlicher Bau, und belegt die Bedeutung des Körschtals für das Mühlengewerbe in früheren Zeiten. Der bestehende Bau wurde 1566 errichtet und dokumentiert mit seiner Größe die wirtschaftliche Bedeutung der Mühle wie auch den Wohlstand ihrer Besitzer. 1783 verkaufte der Müller Balthas Seel Mühle und Zubehör an Herzog Carl Eugen, welcher damit die Ankäufe in Vorbereitung des Schlossbaus in Scharnhausen abrundete. Der Mühlbetrieb wurde wohl um 1810 aufgegeben und sie wurde Bestandteil des von Kronprinz Wilhelm (I.) an seinem Sommersitz gegründeten Gestüts. Von dieser Nutzung des Mühlenareals zeugt der langgestreckte Brunnentrog mit Darstellung einer ihr Fohlen tränkenden Stute. |
100264225 | ||
| Fohlenstall des Königlichen Gestüts Scharnhausen | Ruiter Straße 66, 68 (Karte) |
Langgestreckter, dreiflügeliger Quaderbau mit Fachwerkkniestock und flach geneigtem Walmdach, streng gereihte Zwillingfenster, 1836 (a)
Das klassizistische Gebäude mit zwei kurzen Seitenflügeln prägt mit seiner langen, streng gegliederten Front die westliche Einfahrt nach Scharnhausen. Es ist anschauliches Zeugnis des einst berühmten königlichen Gestüts, dessen Anfänge in das Jahr 1810 zurückreichen, als der pferdebegeisterte Wilhelm I., damals noch Kronprinz, neben seinem Sommersitz eine Pferdezucht einrichtete. Das Gestüt in Scharnhausen war eng verbunden mit dem nur wenige Jahre später gegründeten Gestüt in Weil bei Esslingen und erlangte zusammen mit diesem in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts europaweite Berühmtheit für seine Araberzucht. Es wurde zugleich als landwirtschaftliches Mustergut betrieben, suchte doch der König infolge der Hungerkriese 1816/17 die Landwirtschaft in Württemberg fortzuentwickeln. Das Stallgebäude ist charakteristisch für ländliche Nutzbauten in der Zeit des Klassizismus. Es ist wichtiges Zeugnis der württembergischen Kultur- und Landwirtschaftsgeschichte sowie für die Pferdezucht als charakteristische hochadelige Unternehmung. |
100264275 | ||
| Mutterstutenstall | Ruiter Straße 72 (Karte) |
Langgestreckter, verschindelter Massivbau, im Ostgiebel Serliana, im Westen Rundbogeneinfahrt, dreischiffige Halle mit toskanischen Holzsäulen, Entwurf von Giovanni Salucci, 1822 (a), (spätere Umbauten und Verkleidung); östlich angrenzend Laufbrunnen/Pferdetränke, wannenförmiger Sandsteintrog, 1833 (a), gusseiserner Brunnenstock, spätes 19. Jahrhundert
Das später umgebaute Gebäude stellt im Kern den vom württembergischen Hofbaumeister Giovanni Salucci (1769 bis 1845) entworfenen Mutterstutenstall des Königlichen Gestüts Scharnhausen dar. Auf die Entstehungszeit verweist noch die Serliana im einstigen östlichen Zwerchhaus (heute Teil des Giebels), wie sie charakteristisch ist für den palladianisch geprägten Klassizismus des aus Florenz gebürtigen Architekten, der stilbildend für den württembergischen Klassizismus unter König Wilhelm I. wurde. Der Mutterstutenstall ist Zeugnis des einst weithin berühmten Gestüts, das König Wilhelm I,. schon in seiner Kronprinzenzeit ab 1810 auf seinem Sommersitz Schloss Scharnhausen aufbaute. Hier züchtete der pferdebegeisterte Monarch vor allem wertvolle Araberpferde. Der Bau zeugt damit nicht nur von der königlichen Pferdezucht, sondern auch von den Bemühungen des Königs um die Entwicklung der Landwirtschaft in Württemberg, betrieb er doch parallel zum Gestüt hier ein Mustergut. |
100264296 |
Einzelnachweise
Kulturdenkmale der Bau- und Kunstdenkmalpflege in Baden-Württemberg. Geoportal Baden-Württemberg, abgerufen am 10. September 2025.