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Liste der Kulturdenkmale in Pfullingen

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In der Liste der Kulturdenkmale in Pfullingen sind die Kulturdenkmale der Stadt Pfullingen im Landkreis Reutlingen in Baden-Württemberg aufgeführt.

Pfullingen Klostersee

Legende

Die ab Oktober 2025 erstellten Tabellen basieren auf den vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg im September 2025 veröffentlichten Geodaten. Lizenzhinweis: dl-de/by-2-0 (https://www.govdata.de/dl-de/by-2-0): Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, www.denkmalpflege-bw.de. Die Adressangaben und Bezeichnungen sind in der dargestellten Form nicht Teil der Ausgangsdaten. Die Adressen wurden automatisch aus den Koordinaten berechnet und können von den korrekten Adressen abweichen. Die Bezeichnungen wurden zunächst automatisiert dem Anfang der vom Landesamt für Denkmalpflege bereitgestellten Objektbeschreibungen entnommen.

  • Bild: Zeigt ein ausgewähltes Bild des Objekts, „Weitere Bilder“ verweist auf die zugehörige Kategorie im Medienarchiv Wikimedia Commons. In der Kartenansicht sind Kulturdenkmale ohne Bild an einem blauen Marker erkennbar. Auf das Kamerasymbol klicken, um weitere Fotos für diese Liste hochzuladen: Datei hochladen
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  • Datierung: Baubeginn, Fertigstellung, Datum der Erstnennung oder grobe zeitliche Einordnung entsprechend dem Eintrag in der zugrundeliegenden Denkmaldatenbank des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg.
  • Beschreibung: Kurzcharakteristik des Kulturdenkmals, Nennung der geschützten Bestandteile und Begründung der Denkmaleigenschaft. Die Paragraphen § 2, § 12, § 19 oder § 28 verweisen auf die Art der Einstufung gemäß baden-württembergischem Denkmalschutzgesetz.
  • ID: Identifikator des Objekts in der zugrundeliegenden Datenbank des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg

Abkürzungen

Pfullingen

Weitere Informationen Bild, Bezeichnung ...
Bild Bezeichnung Lage Datierung Beschreibung ID
Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Mitglieder des Turnvereins Nähe Ahlbolweg
(Karte)
Kalktufffindling, Metalltafel mit Gedenkinschrift und Namen, nach 1918

Als Gedenkort an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Angehörigen des Pfullinger Turnvereins hat das Denkmal ortsgeschichtlichen Zeugniswert und dokumentiert die lokale Erinnerungskultur.

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Schönbergturm Schönberg
(Karte)
Aussichtsturm, verputzte Eisenbetonkonstruktion mit Kupferdach; zwei achteckige Treppentürme verbunden mit einer Aussichtsgalerie, Höhe 28 m, erbaut für den Schwäbischen Albverein nach Plänen von Theodor Fischer, 1905 (a)

Der weithin sichtbare, das Landschaftsbild erheblich prägende Aussichtsturm des Schwäbischen Albvereins auf dem Schönberg heißt im Volksmund „Pfullinger Onderhos“, da er mit seiner Baugestalt an eine lange Unterhose erinnert, wie sie zu seiner Entstehungszeit in den Textilfabriken der Region produziert wurden. Der Turm ist eines der eigenwilligsten und originellsten Zeugnisse im Werk des für die Stilbewegung und Reformarchitektur prägenden Architekten Theodor Fischer (1862 bis 1937). Der Turm entstand für den Schwäbischen Albverein, mit dessen Gründung 1888 die Entdeckung der Alblandschaft ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte. Der Verein bemühte sich um die Ausweisung von Wanderwegen, vor allem aber um die Schaffung von Aussichtspunkten an besonders exponierten Plätzen, so auch in dem beliebten Wandergebiet um Schloss Lichtenstein. Überall entstanden damals Aussichtstürme als Ausweis eines neuen Verständnisses des Naturerlebens und als Höhe- und Endpunkte von Wanderwegen. In dem Pfullinger Industriellen Louis Laiblin fand sich nicht nur ein begeisterter Wanderer, der das Ansinnen für einen solchen Turm auf dem Schönberg unterstützte, sondern auch ein Finanzier. Er brachte 1904 Fischer, der die Pfullinger Hallen entworfen hatte, ins Spiel. Obgleich dessen Turm formal aus der Vielzahl der üblichen Gebäude dieser Art herausfällt und ein absolutes Unikat darstellt, erregte er sofort Aufsehen und Bewunderung. Seine herausragende Bedeutung liegt neben dem künstlerischen Rang dieses Bauwerks und seiner beispielhaften Ausformung im Sinne der Stilbewegung und ihrer weit in das 20. Jahrhundert hineinreichenden Ideen auch in der Reflektion von Auffassungen, die von der kulturgeschichtlich eng mit der Stilbewegung zusammenhängenden Heimatkunstbewegung um 1900 ausgingen. Die Heimatkunstbewegung vertrat die Forderung, dass Bauwerke an dem Ort, wo sie errichtet werden, keine historischen Fremdkörper darstellen dürften. Die Konsequenz lautete daher, dass eine Form gefunden werden müsse, die sich - ohne Geschichte nachzuahmen - durch eine bestimmte Affinität als vertraut und hingehörig erweist. Theodor Fischer, ein Hauptvertreter der Heimatkunstbewegung in Deutschland, verhalf solchen Forderungen selbst noch in einer so eigenwilligen und singulären Schöpfung wie dem Aussichtsturm auf dem Schönberg zur Geltung. So klingen beispielsweise in der Gestaltung des Turmabschlusses, vor allem in seiner Dachgestaltung Anregungen durch alte Tor- und Turmgestaltungen an. Der Turm ist als ein Hauptwerk eines der herausragenden Architekten des frühen 20. Jahrhunderts, auf Grund seiner hohen gestalterischen Qualität, als besonders sprechendes Beispiel der Architektur der Stilbewegung und der künstlerisch und weltanschaulich eng mit ihr zusammenhängenden Heimatkunstbewegung und schließlich als künstlerisch außergewöhnliches und im wörtlichen Sinne singuläres Beispiel eines Aussichtsturmes ein außerordentliches Zeugnis der Kulturgeschichte der Jahre vor dem Ersten Weltkrieg und nicht zuletzt von großer Bedeutung für die Geschichte des Albtourismus.

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Bahnhof (heute Kindergarten und Café Alter Bahnhof) Bahnhofstraße 2
(Karte)
Empfangsgebäude, zweigeschossiger Bau mit ornamental verbrettertem Kniestock, Halbwalmdach mit Zwerchhaus, Erdgeschoss in Kalktuffstein mit Ziegelbändern, Obergeschoss verschindeltes Fachwerk; links und rechts angebaut zwei eingeschossige, verbretterte Lagerschuppen mit flach geneigten Satteldächern, 1892 (a)

Der Gebäudekomplex ist ein anschauliches Beispiel für die Bahnhofsarchitektur des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Charakteristisch ist die Gliederung durch verschiedene, landschaftstypische Baumaterialien, wie Kalktuffstein für das Erdgeschoss und Holz für die Schindeln des Obergeschosses sowie die Bretterverkleidung im Dachbereich. Darüber hinaus wird die Architektur dieser Zeit gekennzeichnet durch die Verwendung von historischen Einzelformen. So erinnern etwa Eckquaderung, Schlusssteine an den Fenstern und Eingangsportalen des Erdgeschosses ebenso an Bauten des 16. Jahrhunderts, wie die Elemente der Holzverkleidung im Dachgeschoss, die an das Beschlagwerk der Renaissance anklingen. Die für Bahnhofsbauten typische Raumaufteilung in Wartesaal und Schalterhalle mit Nebenräumen und Lagerschuppen im Erdgeschoss sowie einer Wohnung im ersten Obergeschoss ist noch weitgehend erhalten. Das Gebäude dokumentiert dabei auch die Bedeutung des Bahnanschlusses für Pfullingen 1892/93, welcher die aufstrebende Industriegemeinde im Echaztal mit dem württembergischen Eisenbahnnetz verband.

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Wohnhaus Braikestraße 2
(Karte)
Zweigeschossiges verputztes Eckgebäude mit abgerundetem, dreigeschossigem Mittelrisalit, Mansardwalmdach und verschiedenen Fensterformen, errichtet nach Plänen der Reutlinger Baufirma Krämer und Windmüller für Schotterwerksbesitzer Wilhelm Schwarz, 1909 (a)

Das stattliche Eckhaus fällt durch die architektonisch geschickte Ausnutzung des Bauplatzes mit Hilfe eines dreigeschossigen, über Eck gesetzten Mittelrisalits auf, dessen Grundriss einem Viertelkreis entspricht. Dieses zugleich einfache und sehr wirkungsvolle Architekturmotiv klingt zusammen mit den beiden anderen wesentlichen Gestaltungselementen: der axialsymmetrischen Anlage und dem ruhigen Mansardwalmdach. Die genannten Motive sind charakteristisch für die Reformarchitektur vor dem Ersten Weltkrieg. Die Beschränkung des Motivischen auf wenige Elemente sowie die auf einen ursprünglich unter der Traufe angebrachten gemalten Fries reduzierte Ornamentik machen das für den wohlhabenden Gönninger Schotterwerksbesitzer Wilhelm Schwarz errichtete Mehrfamilienhaus zu einem qualitätvollen und bezeichnenden Beispiel für die bürgerliche Wohnhausarchitektur um 1910 und belegen dabei die bauliche Entwicklung Pfullingens vor dem Ersten Weltkrieg.

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Laufbrunnen Elisenweg 43
(Karte)
Gusseisen, Rundschale auf einer profilierten Säule, Brunnenstock mit Kanneluren, bekrönt von Pinienzapfen, 1893

Der späthistoristische Brunnen in Neurenaissanceformen ist ein bezeichnendes Beispiel für die meist kunstvoll gestalteten, öffentlichen Wasserentnahmestellen, die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ihre schlichteren Vorgänger ersetzten. Es handelt sich hier um den Typus eines Stockbrunnens mit separater Rundschale. Beide gusseisernen Teile sind industriell gefertigt und weisen zeittypische Zierformen auf. Der Stock gipfelt in einem stilisierten Pinienzapfen - Symbol der Fruchtbarkeit und des Lebens. Die spielerische Gestaltung des Wasserspeiers, der in einer Rosette ansetzt und dessen Tülle als Fischkopf gestaltet ist, knüpft an die lange europäische Zierbrunnentradition an. Der Brunnen ist damit nicht nur Zeugnis der örtlichen Wasserversorgung im späten 19. Jahrhundert, sondern auch der Ortsverschönerung.

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Erlenhof Erlenhof 1
(Karte)
Hofanlage bestehend aus: Wohnhaus, zweigeschossiges Gebäude mit Krüppelwalmdach, Erdgeschoss massiv und verputzt, darüber Fachwerk, Anbau mit hölzerner Laube und Wandbrunnen, bauzeitliche Ausstattungselemente; runder Treppenturm mit Kegeldach, massiv und verputzt, und Verbindungsgang in Fachwerk mit Satteldach; Saalbau, zweigeschossig mit Krüppelwalmdach, Erdgeschoss Kalktuffstein, darüber Sichtfachwerk, teilverschindelt bzw. teilverputzt, zwei polygonale Standerker mit kupfernen Welschen Hauben, im Saal fünfteiliges Deckengemälde; anschließend der Stall- und Ökonomietrakt, Fachwerk und verputzter Massivbau mit Walm- und Zeltdächern; Garten, darin Gerätehäuschen und skulptierter Gedenkstein zur Einweihung; errichtet unter Einbeziehung eines älteren Landhauses von 1894 für den Pfullinger Privatier und Mäzen Louis Laiblin nach Plänen von Theodor Fischer, 1904 bis 1906 (a)

Schon seit 1894 bestand auf dem Hügel nördlich der nach Gönningen führenden Landstraße ein relativ großes, anderthalbgeschossig ausgebautes und mit zwei spitzen Türmen geschmücktes Gartenhaus, das nach der Ehefrau des Bauherrn Louis Laiblin den Namen „Helenenburg“ trug. Als der kleine Landsitz nach 1900 zum Mustergut erweitert und mit den entsprechenden Bauten besetzt werden sollte, wurde das bereits bestehende, historistische Fachwerkhaus in die Planung mit einbezogen und bildete den Grundstock für den Saalbau, das ideelle Herzstück des Erlenhofs. Auch in dieser wesentlich vergrößerten Form steht das bis heute nahezu unverändert erhaltene Anwesen in der jahrhundertealten Tradition von Lust- und Gartenhäusern, die nicht als permanente Wohnsitze gedacht waren, sondern lediglich Aufenthalts- und Vergnügungsorte für „vornehme Tagesgesellschaften“ sein sollten. Der Architekt des Landsitzes, der Stuttgarter Professor Theodor Fischer (1862 bis 1937), war einer der bedeutendsten Vertreter seines Fachs in Süddeutschland und wirkte in starkem Maße schulbildend. Seinen Zeitgenossen galt er vor allem als Vorkämpfer der Heimatkunstbewegung. Deren Hauptanliegen war die Propagierung einer Architektur, die auf regionaltypische Besonderheiten Rücksicht nahm. In diesem Sinne entwarf Fischer den Erlenhof als unverkennbar „schwäbischen“ Landsitz, ohne den Zeitpunkt seiner Entstehung zu verleugnen. Dementsprechend beschränken sich die zitathaften Anklänge konkret auf wenige aber wichtige und einprägsame Motive wie etwa die in historisch genauen Formen des 18. Jahrhunderts gehaltenen, einfachen Fachwerkfassaden und die Krüppelwalmdächer. In Bezug auf den Grundriss der einzelnen Gebäude und die Gruppierung der gesamten Anlage sowie auf ihre architektonischen und dekorativen Details ist die Durchführung dagegen durchaus originell und entspricht zeitgenössischen Vorstellungen. Fischer ist es in beispielhafter Weise gelungen, eine lebendige, durch ihre ruhigen, bodenständigen Formen auf musterhafte Art „ländlich“ wirkende und das ansteigende Terrain durch die Höhenstaffelung der Dächer geschickt ausnutzende Baugruppe zu erstellen. Sie wird hier zum Bühnenprospekt, vor dem eine gebildete, aus Künstlern und Dichtern bestehende Sommergesellschaft agieret, für die sie gleichzeitig das Idealbild eines Gutshofs verkörperte, war doch der Erlenhof zeitweise ein wichtiger Aufenthaltsort und Treffpunkt für oft überregional bekannte Künstler und Literaten, die von Louis Laiblin gefördert wurden.

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Kommunale Gebäudegruppe Friedrichstraße 4, 6; Seitenstraße 5
(Karte)
Bestehend aus: Kelter (Friedrichstraße 4, heute Einkaufsladen), eingeschossiger, giebelständiger und zum Teil verputzter Massiv- und Fachwerkbau mit Krüppelwalmdach; Farrenwärterwohnung (Friedrichstraße 6), eingeschossiges Backsteingebäude mit Fachwerkkniestock und reicher Dachlandschaft; daran anschließend langgestreckter, eingeschossiger Farrenstall, nach Plänen von Stadtbaumeister Zimmermann, 1901 (a)

Die Gebäude der ehemaligen Kelter, des ehemaligen Farrenstalls und des Farrenwärterhauses sind ein wichtiges Zeugnis für die hohe Bedeutung, die der Landwirtschaft in Pfullingen um 1900 trotz der zunehmenden Industrialisierung beigemessen wurde. Anlass für den Bau war die Planung eines Schulgebäudes auf dem Platz östlich der Kirche, wo seit 1601 eine Kelter gestanden hatte. Obwohl um 1900 der Pfullinger Weinbau bereits spürbar zurückging, ist damals am westlichen Stadtrand die Kelter neu errichtet worden; die Wiederverwendung der Hölzer lässt sich in der Dachkonstruktion ohne weiteres nachweisen. Die alte Bausubstanz hat sich bis heute weitgehend erhalten - ein eindrucksvolles Dokument für die mehrhundertjährige Geschichte des Weinbaus in Pfullingen. Im gleichen Sinne ist die Bedeutung des neben der Kelter liegenden ehemaligen Farrenstalls, der Stall der gemeindeeigenen Zuchtbullen, und der dazugehörigen Wärterwohnung einzuschätzen. Die großzügigen Dimensionen der Anlage zeigen, wie wichtig in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg die Nebenerwerbslandwirtschaft für Pfullingen war. Neben der ungewöhnlich hohen Zahl von sieben Farren, die hier anfangs gehalten wurden, fällt vor allem die Errichtung und vergleichsweise aufwendige Gestaltung eines eigenen Farrenwärterhauses auf. Seine malerisch gestaltete Silhouette und die Ausführung der Fassaden in mannigfaltigen Materialien entsprechen ganz der Architekturauffassung des späten Historismus. Der zierlich wirkende Bau macht den selbstbewussten Anspruch der Stadt als Auftraggeber vor allem dadurch deutlich, dass seine Formensprache der zeitgenössischen Villenarchitektur entlehnt und in kleinere Maßverhältnisse übersetzt ist.

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Gedenktafel
(Karte)
Sandstein, an Felswand angebracht, bezeichnet „Neue Stuhlsteige/als Notstandbau/von den Gemeinden/Pfullingen und Genkingen/ausgeführt in den Jahren/1919 bis 1921.“, zur Eröffnung der Straße eingeweiht, 1. Juni 1921

Da die Arbeitslosigkeit nach dem Ersten Weltkrieg enorm wuchs, suchte die öffentliche Hand über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen die Menschen in Lohn und Brot zu bringen. So schrieben auch die Gemeinde Pfullingen und Genkingen sog. Notstandsarbeiten aus, um einen Neubau der bisher nur einspurigen und beschädigten Stuhlsteige durchzuführen. Rund 3250 Arbeitslose konnten hier für einige Jahre unter Leitung des Stuttgarter Regierungsbaumeisters Theodor Mehl beschäftigt werden. Hieran erinnert die Steintafel, die damit orts- und verkehrsgeschichtliche Bedeutung hat und nicht zuletzt einen Aspekt der Landesgeschichte im 1. Viertel des 20. Jahrhunderts veranschaulicht.

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Wohnhaus Gönninger Straße 102
(Karte)
Zweigeschossiges, traufständiges Gebäude Satteldach und polygonalen Eckerkern, bekrönt von spitzen Helmen, Zwerchgiebel und Zierfachwerk an den Schauseiten, repräsentative Innenausstattung mit Schablonenmalerei, nach Plänen von Eberhard Hess, Reutlingen, für den Benzoesäurefabrikanten Leonhard Schmied, 1893 (a)

Das repräsentative gestaltete Gebäude ist ein bezeichnendes Beispiel für den gehobenen bürgerlichen Wohnungsbau am Ende des 19. Jahrhunderts. Obwohl es in seiner heutigen Form durch Aufstockung eines eingeschossigen Hauses entstanden ist, zeigt es ein einheitliches Erscheinungsbild. Charakteristisch für den Ausbau sind die beiden polygonalen Eckerker, die durch spitze Helme gekrönt werden, das in der Mitte der Straßenfassade angeordnete Zwerchhaus mit Schwebegiebel und die an historischen Vorbildern orientierten Einzelmotive des Zierfachwerks. Die Holzverkleidung im Dachbereich und die Klappläden verleihen dem Gebäude zusammen mit den über die gesamte Breite der Rückfassade reichenden Veranden ein landhausartiges Erscheinungsbild, das auf die ursprüngliche Lage des Wohnhauses am Stadtrand, im Grünen, Bezug nimmt. Im Innern der großzügig aufgeteilten Wohnungen lässt sich die repräsentative Ausstattung noch gut nachvollziehen, zumal sich etwa an der Decke des südwestlichen Zimmers im ersten Obergeschoss eine qualitätvolle Schablonenmalerei mit Blattwerk und Bändern erhalten hat. Sie veranschaulichen den Anspruch der vermögenden Fabrikantenschaft an einen repräsentativen, gehobenen Lebensstil. Dabei dokumentiert das Haus auch die Pfullinger Sozial- und Wirtschaftsgeschichte des späten 19. Jahrhunderts.

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Ev. Pfarrhaus (heute Rathaus IV) Griesstraße 6
(Karte)
Dreigeschossiges giebelständiges Gebäude mit Satteldach, Erdgeschoss in Bruchstein, darüber Fachwerk, weitgehend verputzt, im Giebel freiliegend mit Zierelementen, giebelseitige Erschließung, Hauseingang in profiliertem Ohrengewände, rundbogiges Kellerportal, im Kern wohl vor 1551, sonst 18. Jahrhundert

Das stattliche giebelständige Pfarrhaus dürfte im Kern noch aus dem 16. Jahrhundert stammen. 1551 wohnte hier der zweite Pfarrer. Im 18. Jahrhundert kam es wohl zu einem weitgehenden Neu- oder zumindest Umbau. Das Gebäude zeigt im Giebel ein für die Region in der Frühen Neuzeit charakteristisches Zierfachwerk und ist wichtiger Bestandteil der historischen Bebauung im Ortskern rund um die Pfarrkirche. Als Verwaltungssitz der Pfarrei der bereits 1162 erwähnten Martinskirche hat das Gebäude orts- und kirchengeschichtliche Bedeutung.

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Sog. Schlössle (seit 1987 Museum) Griesstraße 24/1
(Karte)
Adelssitz, zweigeschossiger Bau, frei stehend auf Kuppe zwischen Echaz und Eierbach, Krüppelwalmdach mit Eulenloch, Erdgeschoss in Bruchstein mit Schlitzfenstern, darüber Fachwerk mit umlaufender Vorkragung über Knaggen, verblattete Konstruktion, Bohlenstube mit Fenstererker, traufseitige Erschließung über Außentreppe, im Inneren gewölbte Balken-Bretter-Decke, erbaut für Caspar Remp, um 1450 (d), Begleitstrich- und Fachwerkillusionsmalerei, vermutlich 17. Jahrhundert (instandgesetzt 1978 bis 1981)

Das sog. Schlössle erhebt sich in freier Lage auf einer leichten Anhöhe am Rand des alten Ortskerns. Das in seinen konstruktiven Elementen weitgehend erhaltene und bei der Restaurierung auf sein ursprüngliches Erscheinungsbild zurückgeführte Gebäude ist ein herausragendes Beispiel für den spätmittelalterlichen herrschaftlichen Wohnhausbau. Über dem aus Bruchsteinen gemauerten Erdgeschoss - unter dessen Osthälfte ein Gewölbekeller liegt - kragt das über eine Außentreppe erreichbare Fachwerkobergeschoss auf profilierten Knaggen weit vor. Charakteristisch für ein Gebäude aus dieser Zeit sind u. a. die Überschwertungen und Verblattungen mit Schwalbenschwänzen und kräftigen Holznägeln im ersten Obergeschoss und im Dachbereich sowie der über die Nord-Ost-Ecke angelegte Fenstererker der Stube als ofenbeheizter Hauptwohnraum. Die gewölbte Balken-Bretter-Decke in dieser Stube lässt, ebenso wie die vermutlich aus dem 17. Jahrhundert stammende Begleitstrichmalerei und die in rötlicher Farbe ausgeführte Fachwerkillusionsmalerei, auf ein gehobenes Wohnhaus schließen. Als Erbauer des Schlössles gilt der Ortsadlige Caspar Remp. Er war der letzte Abkömmling eines seit 1260 in Pfullingen nachgewiesenen Adelsgeschlechts, das auch die Untere Burg, eine Wasserburg an der Stelle des heutigen Schlosses, errichtet hatte und dem das Gebäude wohl als Alterssitz dienen sollte. Das Gebäude veranschaulicht damit den charakteristischen spätmittelalterlichen Adelssitz der Region, eine Art festes Haus über hohem massivem Unterbau - in diesem Fall entsprechend der Funktion und Nutzung in kleineren Dimensionen. Nach Remps Tod wurde das Schlösse wohl als Behausung des Kaplans der zur Unteren Burg gehörenden St. Nikolaus-Kapelle genutzt, im späten 16. Jahrhundert war es Wohnsitz des Pfarrhelfers. Das Gebäude hat damit nicht nur wichtigen haus- und baugeschichtlichen Zeugniswert, sondern ist auch ein zentrales Dokument der Ortsgeschichte.

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Stallscheune (seit 1987 Museum) Griesstraße 24/3
(Karte)
Fachwerk über gemauertem Sockel, Satteldach, im Kern wohl noch um 1450, teilweise umgebaut Ende 16. Jahrhundert (restauriert 1987)

Die Stallscheune war Teil des Anwesens des Ortsadeligen Caspar Remp, das dieser sich um 1450 als letzter kinderlose Abkömmling dieser Familie als Altersruhesitz errichten ließ. Sie ist eines der ältesten noch erhaltenen Ökonomiegebäude Pfullingens. Das Fachwerkgefüge im Dach mit Verblattungen, Schwalbenschwänzen und kräftigen Holznägeln ist mit dem des benachbarten Schlössles (Griesstraße 24/1) vergleichbar, weshalb eine zeitgleiche Entstehung Mitte des 15. Jahrhunderts angenommen werden kann. Die gebogenen Dreiviertelstreben im Giebelfachwerk und der liegende, verzapfte Dachstuhl sprechen für einen teilweisen Umbau wohl Ende des 16. Jahrhunderts, als das Schlössle Wohnung des Pfarrhelfers war. Das Gebäude wurde 1987 grundlegend renoviert und ist seither Teil des Museums für die Stadtgeschichte Pfullingens. Es dokumentiert die Ökonomie eines kleinen Adelssitzes im Spätmittelalter und hat orts- sowie siedlungsgeschichtlichen Zeugniswert.

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Handwerkerhaus Große Ziegelstraße 19
(Karte)
Einhaus, zweigeschossiger, giebelständiger und verputzter Fachwerkbau mit Satteldach, vorkragende Ober- und Giebelgeschosse, teilweise über Knaggen, traufseitige Erschließung, im Kern spätmittelalterlich, erweitert im 17. Jahrhundert

Das stattliche, langgestreckte Wohn- und Ökonomiegebäude am ehemaligen Ortsrand ist ein anschauliches Beispiel des mittelalterlichen Fachwerkbaus und gleichzeitig ein bezeichnendes Dokument für die Wohn- und Lebensverhältnisse von Handwerkern während des ausgehenden Mittelalters und der beginnenden Neuzeit. Es zählt zu den wenigen spätmittelalterlichen Häusern, die sich in Pfullingen bis heute erhalten haben. Das mächtige, noch weitgehend ungestörte Satteldach gehört, durch seinen steilen Neigungswinkel ausgewiesen, offenbar dem ausgehenden Mittelalter an. In seiner Osthälfte hat sich eine besonders alte Stuhlkonstruktion erhalten, zu deren Aussteifung eingeblattete Kopfstreben dienten - eine mittelalterliche Holzverbindungsart, die in Pfullingen nur bis in die 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts hinein üblich war. Die Konstruktion im Westteil des Daches ist etwas jüngeren Datums und lässt auf eine Erweiterung des Hauses im 17. Jahrhundert schließen. Dem baugeschichtlichen Befund entspricht auch die archivalische Überlieferung zur Hausgeschichte, der zufolge das Gebäude bereits vor 1620 bestand. Damals war es im Besitz eines Wagners und während der folgenden hundert Jahre gehörten die meisten Eigentümer demselben Handwerk an.

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Rundbogenbrücke Hohe Straße 7
(Karte)
Einjochig über die Echaz aus Steinquadern mit Sandsteinplatten als Brüstungsabdeckung, 15./16. Jahrhundert

Die Steinbrücke über die Echaz in der Hohe Straße dokumentiert die Bedeutung der Verbindung zu den jenseits des Flusses gelegenen Anwesen und Ländereien. Sie wurde vermutlich im 15. oder 16. Jahrhundert an der Stelle der alten Echazfurt erbaut. Von der Konstruktion her handelt es sich um eine der wenigen noch erhaltenen Rundbogenbrücken jener Zeit in der Region. Sie ist anschauliches Zeugnis der Verkehrs- und Siedlungsgeschichte Pfullingens im Spätmittelalter.

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Sägemühle Hohe Straße 10
(Karte)
Zweigeschossiger verputzter Ständerfachwerkbau mit Satteldach und Zwerchhaus, 1721, technische Ausstattung, um 1861, und Turbinenantrieb, 1967; Mühlkanal, teilweise mit verberttertem Schuppen überbaut, sowie Wasserrad (heute in der Römerstraße) und Echazwehr

Die Fladsche Säge ist eine der wenigen noch vollständig erhaltenen, derartigen Anlagen mit Mühlkanal, Wehr und intakter Sägeeinrichtung und somit ein bezeichnendes Beispiel für die herausragende Bedeutung der Wasserkraft in der Wirtschafts- und Sozialgeschichte Pfullingens. Sie liegt am sog. 5/8-Kanal, dem Hauptarrm der Echaz, welcher der Gewerbenutzung diente. Für das Jahr 1721 wird eine von Philipp Mollenkopf, Zimmermann, „neu eingerichtete Sägemühle“ an diesem Platz genannt. Die gut erhaltene Dachkonstruktion mit stehendem, verzapftem Stuhl sowie die mit Kratzmustern verzierten Lehmwickel im Erdgeschoss bestätigen die archivalische Nennung und sprechen ebenfalls für eine Datierung ins frühe 18. Jahrhundert. Bis auf eine kurze, von 1846 bis 1861 reichende Zeitspanne, als hier eine Fadenzwirnerei untergebracht war, diente das Gebäude immer als Sägemühle. Bemerkenswert ist die heute noch benutzte, wohl aus dem Jahr 1861 stammende Säge mit Schlittengatter. Die Funktion des heute in der Römerstraße als Wahrzeichen der Industriestadt Pfullingen aufgestellten Wasserrades erfüllt seit 1967 eine Turbine. Die Säge ist wichtiges Zeugnis für die traditionsreiche Nutzung der Wasserkraft der Echaz und dokumentiert damit einen Aspekt der Pfullinger Sozial- und Wirtschaftsgeschichte.

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Baumannsche Mühle Josefstraße 5/2
(Karte)
Mahlmühle bestehend aus: Mühlengebäude (seit 1988 Museum), zweigeschossiges, traufständiges, verputztes Gebäude mit Krüppelwalmdach, massives Erdgeschoss, darüber Fachwerk, technische Ausstattung, 1799 (restauriert 1988), Anbau mit überdachter Radstube, Antrieb durch Turbine, Wasserrad, 1900; Wehr

Die Baumannsche Mühle, so benannt nach der Familie Baumann, in deren Besitz sie zuletzt war, ist ein bezeichnender Vertreter des für die Pfullinger Wirtschafts- und Sozialgeschichte bedeutenden Mühlenwesens. Bereits um 1500 wird Cunz Kilz als Müller der „Kilzenmühle“ genannt. Der heutige, stattliche Bau wurde nach einem Brand 1799 errichtet. Die beachtliche Größe des Gebäudes und das eindrucksvolle Wehr an der Südseite dokumentieren sowohl die wirtschaftliche Bedeutung der Mühle im ausgehenden 18. Jahrhundert als auch die repräsentativen baulichen Ansprüche des damaligen Bauherrn. Die 1963 stillgelegte und 1988 renovierte Mühle beherbergt seither das Mühlen- und Trachtenmuseum der Stadt Pfullingen sowie seit 2015 den Info-Punkt des Biosphärengebietes Schwäbische Alb. Die Mühlenausstattung stammt überwiegend von abgebrochenen Pfullinger Mühlen, wie etwa das Wasserrad von der Gipsmühle und das Mahlwerk von der Haydtschen Mühle.

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( Wikidata)

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Uhlandschule Kaiserstraße 1
(Karte)
Dreigeschossige Dreiflügelanlage mit Backsteinfassaden, Rundbogenportalen und Staffelgiebeln, geräumiges Treppenhaus, zentrale Vorplätze, errichtet nach Plänen von Oberamtsbaumeister Gutekunst durch Stadtbaumeister Zimmermann, 1904/05 (a)

Die repräsentative Flügelanlage entstand ursprünglich für die Mädchenschule und die Einklassige Lateinschule. Sie ist ein für die Schularchitektur der Zeit um 1900 bezeichnendes Gebäude mit sehr geräumigem Treppenhaus, zentralen Vorplätzen in den einzelnen Etagen und großen, längsrechteckigen Klassenräumen mit von links kommender Beleuchtung. Das Gebäude erhebt sich auf dem früheren Platz der Kelter, die dort 300 Jahre lang gestanden hatte, und drückt mit seiner architektonischen Durchgestaltung unter Aufbietung der wichtigsten Würdeformen, die dem Historismus zur Verfügung standen, den hohen Stellenwert aus, den die Stadt Pfullingen diesem bedeutendsten öffentlichen Gebäuden jener Zeit beimaß. Beispiele dafür sind die Rundbogenportale und die Staffelgiebel, die ursprünglich zum Formenrepertoire bürgerlicher Repräsentationsbauten des Mittelalters und der Frühen Neuzeit gehörten und für den Späthistorismus der Zeit um 1900 charakteristisch sind. Das Schulhaus ist damit wichtiges Zeugnis der Stadtbaugeschichte und veranschaulicht zugleich das Bevölkerungswachstum Pfullingens infolge der Industrialisierung, das neue, große und moderne Schulhäuser notwendig machte.

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Wohnhaus mit Arztpraxis Kaiserstraße 5
(Karte)
Zweigeschossiges Backsteingebäude, Eckturm, bekrönt von Welscher Haube, Risalite mit Staffel- und Schwebegiebel, Loggia, im Innern Buntverglasung, erbaut für den Arzt Dr. Langbein nach Plänen von Dietrich Senner, Pfullingen, 1902 (a)

Das aufwendig gestaltete Wohnhaus ist ein bezeichnendes Beispiel für den bürgerlichen Villenbau in Pfullingen an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Im zeitlichen Zusammenhang mit der heutigen Uhlandschule entstanden nach 1900 an der Kaiserstraße zahlreiche anspruchsvolle Gebäude im damals bereits bewährten Baustil des späten Historismus. In der Grundrissgestaltung des Hauses Kaiserstraße 5 lässt sich die Aufteilung in einen privaten Wohnbereich und den der Arztpraxis reservierten Trakt bis heute ohne weiteres nachvollziehen. Dadurch und durch die weitgehende Erhaltung der originalen wandfesten Ausstattung wird das Haus zu einem bemerkenswerten Dokument für die Wohnverhältnisse des gehobenen, teilweise akademisch gebildeten Bürgertums jener Zeit. Besonders die aufwendige Buntverglasung des großen Treppenhausfensters in Form einer Äskulapschlange, die sich um eine flache Schale auf hohem Fuß windet - eine bezeichnende „sprechende“ Dekoration für das Haus eines Arztes -, zeigt die gehobene Qualität der künstlerischen Ausgestaltung. Im Erker des ersten Obergeschosses befinden sich außerdem reizvolle Glasfenster mit zierlichen Darstellungen von Zweigen und Vögeln. Hier zeigt sich der Einfluss des Jugendstils auf das Detail des ansonsten weitgehend an als altdeutsch empfundene Formen angelehnten Gebäudes. Es verdeutlicht neben dem Wohnbau des Späthistorismus auch die bauliche Entwicklung der Stadt infolge des industriell-wirtschaftlichen Aufschwungs seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts.

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Wohnhaus Kaiserstraße 7
(Karte)
Zweigeschossiges Gebäude mit Kalktuffsteinfassaden, Walmdach, Zwerchhaus mit Schwebegiebel, zweigeschossige Loggia mit Zinnenabschluss, Tondi mit Reliefmedaillons, Innenausstattung mit Buntglasfenster, Stuckprofilen und Terrazzoböden, nach Plänen von Geometer Elsässer für sich selbst, 1902 (a), Loggiaanbau 1905 (a)

Das in einem Garten gelegene Mietwohnhaus vertritt in bezeichnender Weise die baulichen Ansprüche jener gehobenen bürgerlichen Schicht, die sich um 1900 in diesem neu angelegten Viertel beidseitig der Kaiserstraße ansiedelte. Das Erscheinungsbild des Eckgebäudes wird bestimmt durch die auf Kontrast angelegte Gestaltung der beiden Schauseiten - heller Haustein für Fenstereinfassungen, Fenstererker sowie Balkonbaluster und Tuffstein für die Wandflächen. Über dem westlichen Erdgeschossfenster der Südseite sind außerdem drei Reliefmedaillons angebracht - weit verbreitete Nachbildungen von Motiven des seinerzeit immer noch hochberühmten, klassizistischen, dänisch-römischen Bildhauers Bertel Thorvaldsen. Das Zwerchhaus mit Krüppelwalm und Schwebegiebel verleiht dem Gebäude ein auf seine parkartige Umgebung bezugnehmendes und für diese Architekturströmung charakteristisches, ländliches Aussehen. Der repräsentative Anspruch des Bauherrn findet auch in der qualitätvollen Innenausstattung, wie etwa Buntglasfenster, Stuckprofile und Kachelöfen in den Wohnungen, sowie floral gestaltete Terrazzoböden im Treppenhaus, seinen Ausdruck. Das Gebäude dokumentiert so die Stadtbaugeschichte Pfullingens in den Jahren um 1900, als das Gemeinwesen infolge der Industrialisierung rasant wuchs.

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Herberge Kirchstraße 2, 2/1
(Karte)
Seit 1908 Gasthaus Rössle, zweigeschossiges, weitgehend verputztes Fachwerkhaus mit Satteldach, schmiedeeiserner Ausleger, um 1734, Giebel vom Vorgängerbau mit Zierfachwerk, um 1600, Umbau 1905 bis 1908; Ökonomiegebäude, 17. Jahrhundert

Das Anwesen, der ehemaligen Herbergs- und spätere Gasthof Rössle ist bereits im 17. Jahrhundert als „Herberge und Scheuer“ genannt und auf der Urkarte des frühen 19. Jahrhunderts dargestellt. Während die Scheuer – trotz baulicher Veränderungen – in weiten Teilen noch aus dem 17. Jahrhundert stammt, wurde das Hauptgebäude 1734 abgebrochen und neu errichtet. Dabei scheinen ältere Bestandteile wie der Gewölbekeller und der Sichtfachwerkgiebel wiederverwendet worden zu sein. 1905/08 erfolgten Umbaumaßnahmen im Hauptgebäude, wobei die Gaststätte mit giebelseitiger Erschließung ergänzt wurde. Die einstige Herbergs- und spätere Gaststätte Rössle gehört zu den mittlerweile seltenen Hofanlagen des alten Pfullingens, die mit dem giebelständigen Haupthaus direkt neben dem Kornhaus am Marktplatz und der traufständigen Scheuer im rückwärtigen Parzellenbereich die funktionalen Zusammenhänge und die große Bedeutung der Landwirtschaft für das Gemeinwesen veranschaulichen. Der Anlage als Ganzes kommt somit sozial- wie ortbaugeschichtliche Bedeutung zu.

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Hofanlage Kirchstraße 6
(Karte)
Bestehend aus: Wohn- und Geschäftshaus, zweigeschossiges giebelständiges Fachwerkhaus mit Satteldach, weitgehend verputzt, Sichtfachwerk im Giebel, Durchfahrtstor, wohl 16. Jahrhundert; rückwärtig im Hofraum traufständige Scheune, Satteldach, Spätmittelalter

Das breitgelagerte Gebäude gehört zu den stattlichsten Häusern in Pfullingen und macht bereits in seinem Äußeren deutlich, dass hier wohlhabende und einflussreiche Bürger wohnten. Als bezeichnendes Beispiel für die Wohnverhältnisse und Lebensumstände wohlhabender Handwerker und einflussreicher Bürger am Ausgang des Mittelalters und zu Beginn

der Neuzeit ist es trotz des modernen Einbaus von Ladengeschäft und Friseursalon bis heute im wesentlichen erhalten. Die Anlage hat bau- und sozialgeschichtlichen Zeugniswert.

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Wohnhaus Kirchstraße 10
(Karte)
Zweigeschossiges, giebelständiges Gebäude mit Satteldach, weitgehend verputzt, Ladeneinbau im massiven Erdgeschoss, Giebel mit Sichtfachwerk, 16. Jahrhundert

Die Gestaltung des Sichtfachwerks mit gebogenen Dreiviertelstreben weist darauf hin, dass das stattliche Gebäude wohl noch dem 16. Jahrhundert angehört. Darüber hinaus lässt auch die Form der gekehlten Knaggen auf eine spätmittelalterliche Entstehung des Hauses schließen. Vermutlich war der von 1525 bis 1597 lebende Papiermacher Bartholomäus Memmeler der Bauherr, Vertreter eines damals und in der Folgezeit für Pfullingen wichtigen Gewerbes. Nach Ausweis der Lagerbücher befand es sich um 1620 im Besitz von Ernst Memmeler. Bis heute ist das Gebäude ein bezeichnendes Beispiel für die Gestaltung eines bürgerlichen Wohnhauses in Pfullingen am Ausgang des Mittelalters. Im massiven Erdgeschoss befanden sich einst Stall und Werkstatträume. Das Obergeschoss war dem Wohnen vorbehalten; so liegt etwa die Stube, der vornehmste und wichtigste Raum des Bürgerhauses, noch immer an der hellsten Gebäudeecke und ist von außen durch die über Eck geführte Fensterverteilung deutlich zu erkennen. Das Gebäude hat damit ortsbau- und sozialgeschichtlichen Zeugniswert.

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Stadtapotheke Kirchstraße 18
(Karte)
Zweigeschossiges, giebelständiges, massives Gebäude, über einem ausladenden Gesims ein flacher Dreiecksgiebel mit Rundbogenfenster, nach Plänen von Christian Friedrich Roth, 1836 (a)

Bereits um 1685 wird ein in Pfullingen ansässiger Apotheker genannt, dessen Nachfolger sich dann 1737 in der Kirchstraße ansiedelte. 1746 wurde aufgrund eines grassierenden Fiebers der erste akademische Arzt Doktor Christoph David Mann als Physikus (Oberamtsarzt) nach Pfullingen berufen, der bis 1761 in dem Gebäude der Stadtapotheke praktizierte. Das heutige, 1836 nach den Plänen des Kreisbaurats Christian Friedrich Roth neu am alten Standort erbaute Gebäude vertritt in bezeichnender Weise den baulichen Anspruch des damaligen Apothekers und Bauherrn Karl Schwarzwälder. Charakteristisch für das klassizistische Gebäude in markanter Ecklage ist die Verwendung von repräsentativen Architekturelementen wie etwa Dreiecksgiebel und großes, über eine breite Treppe erreichbares Eingangsportal. Obwohl die Stadtapotheke 1982 im Zuge der Umgestaltung der Kirchstraße in einen Neubau verlegt wurde, ist das Gebäude als bezeichnendes bauliches Zeugnis der Tradition und Bedeutung der ersten Apotheke der Stadt Pfullingens von großer orts- und wirtschaftsgeschichtlicher Bedeutung. Darüber hinaus dokumentiert es anschaulich die bürgerliche Architektur im Königreich Württemberg zur Zeit des Biedermeier.

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Wohnhaus Klemmenstraße 3
(Karte)
Zweigeschossiger, giebelständiger, weitgehend verputzter Bau, Satteldach mit Zwerchhaus, massiver Erdgeschoss mit Rundbogenöffnungen, darüber Fachwerk mit Vorkragungen und Zierelementen, Brunnen im Keller, im Kern spätmittelalterlich, spätere Umbauten

Das Gebäude gehört zu den ältesten und stattlichsten Bürgerhäusern in Pfullingen. Es entstand seiner besonderen Dachkonstruktion zufolge im Mittelalter: Der zweischiffige, stehende Dachstuhl ist nämlich mit Hilfe von eingeblatteten Kopfstreben ausgesteift, eine Holzverbindungsart, die in Pfullingen nur bis gegen 1600 in Gebrauch war. Aus den vorhandenen Lagerbüchern lässt sich erschließen, dass das Gebäude 1620 vermutlich dem Pfullinger Bürger Jörg Mayer gehörte, einem wohlhabenden und einflussreichen Mann, der 1615 Bürgermeister gewesen war. Es ist anzunehmen, dass auch schon der bisher unbekannte Bauherr zu den vermögenderen Bürgern gehörte, da das Gebäude recht anspruchsvoll gestaltet ist. Vor allem das Rundbogenportal an der Straßenfassade und die beiden nach Süden anschließenden, ebenfalls rundbogigen Fenster sind besonders aufwendige Architekturelemente, die für den repräsentativen Wohnhausbau im Spätmittelalter bezeichnend sind. Im Erdgeschoss befindet sich noch eine vergleichsweise anspruchsvoll gearbeitete hölzerne Stütze über achteckigem Grundriss, ein weiteres Indiz für eine das Übliche übersteigende Hauseinrichtung. Ganz besonders auffallend ist der sehr große tonnengewölbte Keller mit fallender Tonne über dem gut erhaltenen Abgang, der einst direkt von der Klemmenstraße aus durch ein Rundbogenportal zugänglich war und auf die frühere Bedeutung des Weinbaus für die Region um Reutlingen verweist. Im Keller sind mittelalterliche Lichtnischen zum sicheren Abstellen offener Lichtquellen erhalten und ein mehrere Meter tiefer Brunnen. Das Gebäude hat damit wichtigen ortsbau- und sozialgeschichtlichen Zeugniswert.

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Sog. Martinshof Klemmenstraße 5
(Karte)
Zweigeschossiger traufständiger Fachwerkbau über massivem Kellergeschoss, Satteldach, teilweise verputzt, Sichtfachwerk im Westteil, im Giebel mit naturkrummen Strebem, unter Verwendung älterer Fachwerkteile, 1721

Der Martinshof war im Mittelalter einer der zur Martinskirche gehörenden Lehenshöfe. Laut Eintrag im Lagerbuch wurde das heute noch stehende Gebäude erst 1721 - unter Verwendung älterer Fachwerkteile - neu errichtet. Die gebogenen Fuß- und Dreiviertelstreben sprechen für eine Datierung der wiederverwendeten Fachwerkteile in die Zeit um 1600, wobei die naturkrummen Hölzer auf die strake Übernutzung der Wälder und den daraus resultierenden Mangel an gutem Bauholz in der Frühen Neuzeit verweisen. Das Rundbogenportal an der Giebelseite führt zu einem in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Gewölbekeller. Das Gebäude dokumentiert vormoderne Wohn- und Lebensverhältnisse und hat ortsgeschichtlichen Zeugniswert.

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Metallwerkstatt Votteler mit Triebwerk Klemmenstraße 14/1
(Karte)
Im Volksmund genannt „Dr Hammer“, eingeschossiger verputzter Massivbau, Getriebe mit Kammrad, Übersetzungs- und Kegelräder im Untergeschoss, 1912 bis 1959 (a); Zuppinger Rad, 1912; Wasserbau, um 1932 (a)

Das Triebwerk ist zusammen mit dem zugehörigen Gebäude der Metallwerkstatt Votteler von 1912, einem eingeschossigen, zur Echaz traufständigen, verputzten Bau mit Satteldach und Tiefgeschoss, die ab 1959 um eine zweischiffige, quer zum Altbau stehende Werkhalle aus Beton mit polygonalen Dächern erweitert wurde, ein anschaulicher, inzwischen selten gewordener Beleg für die gewerblich-industrielle Entwicklung Pfullingens durch Nutzung der Wasserkraft. Anlass für seine Inbetriebnahme war die Einrichtung einer Kupferschmiede auf dem Grundstück an der Klemmenstraße, wo bis dahin eine Hammerschmiede mit Gipsmühle arbeitete. Der Kupferschmied Albert Votteler ordnete das Anwesen mitsamt dem Wasserbau zu diesem Zweck vollständig neu. So ließ er etwa die alte Werkstatt abbrechen und errichtete über den Grundmauern einen geräumigeren Neubau. Anstelle von bisher vier hölzernen Wasserrädern installierte er das bis heute erhaltene, die Wasserkraft besonders günstig ausnutzende Zuppinger-Rad, geschützt durch eine hölzerne Radstube; auch das damals eingerichtete, zugehörige Getriebe mit Kammrad, gezahnten Übersetzungsrädern, Kegelrädern etc. ist noch vorhanden und befindet sich im Untergeschoss des Werkstattgebäude. Namentlich das Zuppinger-Rad repräsentiert den Stand der Technik in der Ausnutzung von Wasserkraft mit geringem Gefälle vor dem Ersten Weltkrieg, als diese Wasserräder weit verbreitet waren.

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Wohn- und Geschäftshaus Klosterstraße 14
(Karte)
Dreigeschossiges, giebelständiges und verputztes Fachwerkhaus mit Satteldach, vorkragende Ober- und Giebelgeschosse, rückwärtiger Anbau, errichtet für Hirschwirt und Barbier Hans Benedikt Thomas, zwischen 1671 und 1677 (a)

Das relativ schmale, aber hoch aufragende Haus wendet der Klosterstraße seine repräsentative Giebelseite zu. Die Lagerbücher halten fest, dass das Gebäude auf einer im Dreißigjährigen Krieg wüst gewordenen Hofstatt zwischen 1671 und 1677 vom Hirschwirt und Barbier Hans Benedikt Thomas errichtet wurde, einem angesehenen Mann, der später auch Amtsbürgermeister war. Wahrscheinlich verfügte das Haus damals schon über den nördlichen Anbau, da es 1677 an den Bäcker Jakob Baur samt angehängtem Schopf verkauft wurde. Das Gebäude spiegelt ganz die Wohlhabenheit und Bedeutung der Familie Thomas, die erst nach dem Dreißigjährigen Krieg in Pfullingen ansässig wurde und innerhalb kürzester Zeit zu hohem Ansehen gelangte. So waren in der Nachfolge des zuerst hier als Hirschwirt sesshaft gewordenen kaiserlichen Wachtmeisters Thomas, beginnend mit dem Bauherrn des Hauses, fünf Generationen dieser Familie Gerichtsverwandte. Das Gebäude bildet ein wichtiges Beispiel für den Fachwerkbau in Pfullingen in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts und besitzt aufgrund seiner Bewohner ortsgeschichtliche Relevanz. Unter dem Hause befindet sich ein vielgestaltiger tonnengewölbter Keller, der unter Umständen noch zu dem kriegszerstörten Vorgängerbau gehörte.

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Einhaus Klosterstraße 14/1
(Karte)
Zweigeschossiges, traufständiges und verputztes Fachwerkgebäude mit Satteldach, massiver Sockel und überdachter Außentreppe, Spätmittelalter

Das Einhaus liegt traufständig in einem Hofraum hinter der Baulinie. Das durch seine charakteristische Funktionsteilung in Wohn- und Ökonomiebereich gekennzeichnete Bauernhaus ist ein anschauliches Beispiel für die Bedeutung und Tradition der Landwirtschaft in der Geschichte Pfullingens und darüber hinaus bemerkenswert durch sein vergleichsweise hohes Alter. Scheune und Dach zeigen ein teilweise verblattetes Gefüge, eine Fachwerkkonstruktion, die in Pfullingen ab etwa 1600 nicht mehr vorkommt. Aus derselben Zeit stammt auch die Dachkonstruktion: ein zweischiffiger, stehender Stuhl, der beidseitig mit eingeblatteten Kopfbändern ausgesteift ist. Die Stallungen zeugen ebenso von der früheren, landwirtschaftlichen Nutzung, wie der über eine steile Treppe von der Scheune aus erreichbare Gewölbekeller. Das Gebäude ist als eines der letzten spätmittelalterlichen Wohn- und Ökonomiegebäude Pfullingens mit weitgehend erhaltenem Fachwerkgefüge und der für diesen Typus bezeichnenden, nutzungsbedingten Raumgliederung von haus- und ortsbaugeschichtlichem Zeugniswert.

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Wohnhaus Klosterstraße 14/3
(Karte)
Zweigeschossiger, giebelständiger und verputzter Fachwerkbau, Satteldach mit Aufschiebling, Rundbogenportal zum Keller mit Brunnen, um 1600

Das aus der Baulinie der Klosterstraße weit nach Norden zurückgesetzte Haus fällt vor allem durch seinen besonders sorgfältig gestalteten Gewölbekeller auf, dessen Kellerhals sich mit dem Ansatz einer fallenden Tonne erhalten hat - ein charakteristisches Beispiel für die im Mittelalter und der frühen Neuzeit weit verbreitete Kellererschließung von außen. Ein repräsentatives Rundbogenportal führt in das Innere des Kellerraums, der wohl hauptsächlich zum Lagern von Wein und Most diente. In der Nordwestecke befindet sich noch ein mehrere Meter tiefer Brunnen. Der Grundriss des Hauses ist durch einen Korridor von Westen nach Osten quergeteilt, in dessen Fortführung eine gerade einläufige Holztreppe das Obergeschoss erschließt. Das Gebäude ist ein anschaulich erhaltenes Zeugnis für die Wohnverhältnisse Pfullinger Bürger um 1600 und stellt mit seinem ungewöhnlich stattlichen Gewölbekeller samt Außenzugang sowie dem Sichtfachwerk des Südgiebels ein qualitätvolles Beispiel für den hohen Stand des Wohnhausbaues vor dem Dreißigjährigen Krieg dar.

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Wohnhaus (mit jüngerem Ladeneinbau) Klosterstraße 16
(Karte)
Zweigeschossiger, traufständiger Bau mit Satteldach, weitgehend verputzt, massives Erdgeschoss, darüber Fachwerk mit traufseitiger Vorkragung und freiliegendem Zierfachwerk im Ostgiebel, 1676, Zwerchhaus, 1906 (a)

Laut Angaben der Lagerbücher wurde das stattliche Wohnhaus 1676 von dem Ratsbürgermeister Johann Weiß erbaut. Der heutige Baubefund, wie etwa das Zierfachwerk im Ostgiebel mit Rhombenmuster und Andreaskreuzen und die weitgehend erhaltene Dachkonstruktion - ein Kehlbalkendach mit stehendem, verzapftem Stuhl -, sprechen für eine Errichtung im ausgehenden 17. Jahrhundert und bestätigen dadurch das archivalisch überlieferte Baudatum. Im Dach haben sich darüber hinaus heute selten gewordene Ausstattungen wie Flechtwände mit verziertem Lehmbewurf und ein rechteckiger Türrahmen mit abgefasten Kanten erhalten. Auch in späterer Zeit wohnten in dem stattlichen Gebäude mehrmals Bürgermeister von Pfullingen; im 19. Jahrhundert war es im Besitz des Stadtpflegers Johann Rehm, der über dreißig Jahre Landtagsabgeordneter war. Damit hat das Gebäude nicht nur Zeugniswert für die bauliche Entwicklung Pfullingens nach dem Dreißigjährigen Krieg, sondern auch für die Ortsgeschichte.

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Hofanlage Klosterstraße 25/1, 25
(Karte)
Bestehend aus: Wohnhaus, dreigeschossiger, giebelständiger und verputzter Bau mit Satteldach, Erdgeschoss massiv, darüber Fachwerk, Stockwerksvorkragungen und Aufzugsluken im Giebel, um 1600; rückwärtig traufständige Scheune auf L-förmigem Grundriss mit Sichtfachwerk, Satteldach und Keller, erbaut für Metzgermeister Johann Georg Heyd, 1781 (a, i)

Das Anwesen ist wegen seiner anschaulich ablesbaren Funktion als landwirtschaftlich genutzte Anlage der Frühen Neuzeit ein bezeichnendes Dokument für die Pfullinger Wirtschaftsgeschichte vor der Industrialisierung. Darüber hinaus deutet das unter dem Putz im straßenseitigen Giebel des Wohnbaus erhaltene Sichtfachwerk auf einen gestalterischen Willen des Bauherrn hin, der für die um oder kurz nach 1600 entstandenen Fachwerkbauten wohlhabender Pfullinger Bürger charakteristisch ist. Das Gebäude zählt damit zum älteren Hausbestand der Stadt. Das Anwesen dokumentiert vormoderne Wohn- und Lebensverhältnisse und hat sozial- wie auch ortsbaugeschichtlichen Zeugniswert.

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Klarissenkloster zur Hl. Cäcilie Klostergarten 2; Klosterstraße 28/1, 28
(Karte)
Gegründet 1250 (a), aufgehoben 1539 (a), endgültig aufgelassen als Kloster 1590, dann württembergisches Klostergut, bestehend aus:
  • Klosterkirche St. Cäcilie (heute Kulturzentrum, Klostergarten 2), Rest des Langhauses, einschiffiger, zweigeschossiger Massivbau mit hohen Lanzettfenstern, Architekturmalerei im Inneren, Grundmauern wohl vor 10. Jahrhundert und 13. Jahrhundert, darüber Errichtung der Kirche, um 1300 bis 1313 (d), teilweiser Abbruch 1540, Umbau zum Fruchtkasten, 1579 (i) und 1676 (d) (restauriert 1978 bis 1981);
  • Sprechgitter (Klosterhofstraße 28 d, bei), Spitzbogen mit Maßwerk, darin zwei querrechteckige Fenster in ornamentierten Gewänden, Füllung aus gelochtem Blech, wohl 3. Viertel 13. Jahrhundert;
  • Klosterhofmeisterei (Klosterstraße 28), dann königliches Kameralamt (heute Kindergarten), zweigeschossiger Walmdachbau, symmetrische und axiale Gliederung, errichtet nach Entwurf von Kirchenratsbaumeister Goez, 1790 (a); anschließend Klosterportal, schmiedeeisernes Gittertor, Sandsteinpfeiler bekrönt von Zierdeckelvasen, 1790 (a);
  • Gartenhaus (Klosterstraße 28 b), einräumige, nach Westen hin offene Halle, im 19. Jahrhundert über einem zum ehemaligen Kloster gehörenden Keller errichtet
  • Fruchtkasten (heute Wohnhaus, Klosterstraße 28/1), zweigeschossiges langgestrecktes, verputztes Gebäude mit flach geneigtem Walmdach, Erdgeschoss massiv, Obergeschoss Fachwerk, um 1500 (d), umgebaut im 19. Jahrhundert;
  • Waschhaus (Klosterstraße 28 d), eingeschossig und verputzt, vor 1669 (a), umgebaut um 1800;
  • Laufbrunnen mit Obeliskenaufsatz, 1743 (i), Schaft erneuert, 1795/96, am jetzigen Standort aufgestellt 1825;
  • drei tonnengewölbte Keller von abgegangenen Wirtschaftsgebäuden mit Überbauungen (Klosterstraße 28 c, 28 e);
  • Reste der äußeren Ringmauer (Rempenstraße, bei Nr. 2 und Spitalstraße, bei Nr. 3, Hohe Straße / bei Klostergarten 4) [§ 2], wohl 16. Jahrhundert;

Die Überreste des einst bedeutenden Klarissenklosters St. Cäcilia sind wichtige Dokumente der Siedlungs-, Religions- und Ortsgeschichte von Pfullingen. Vorläufer des Frauenklosters könnte möglicherweise eine kurzzeitige Franziskanerniederlassung gewesen sein, die jedoch in zeitgenössischen Urkunden nie nachgewiesen ist; spätestens um 1250 haben die Franziskaner ihren Sitz in die Stadt Reutlingen verlegt. Einer jüngeren Nachricht zufolge sollen die Nonnen zunächst noch die “Bruder-Capell” bis zur Fertigstellung ihres Klosters benutzt haben. Als Stifter des Klosters nennt die spätmittelalterliche Überlieferung die Pfullinger Ortsadelsfamilie Remp, aus der offensichtlich auch die erste Äbtissin stammte. Das Pfullinger Kloster war die dritte Niederlassung des 1212 entstandenen Klarissenordens auf deutschem Boden. Die Gründungsphase des Klosters kam um 1278 zum Abschluss, als die Nonnen in die Klausurgebäude einzogen, wobei die Klosterkirche selbst offenbar erst um 1300 neu errichtet wurd, allerdings unter Einbeziehung eines offenbar frühmittelalterlichen, bereits im 13. Jahrhundert umgebauten Gebäudes. In ihrem Inneren sind bis heute äußerst selten überlieferte hochgotische Ausmalung erhalten geblieben. Die qualitätvollen Architekturmalereien, eine in Europa bisher einzigartige Dekoration eines Kirchenraums dieser Art, stammen aus der Erbauungszeit und zeigen in weißer und roter Farbe Maßwerkmotive und Fensterrosen über grauer Quadermalerei mit weißen Fugen. Dieses überaus seltene Dekorationssystem greift in seiner Art auf nordfranzösische Vorbilder zurück und steht stilistisch zwischen dem hochgotisch flächenbetonten und dem spätgotisch gliederungsbetonten Fassungssystem. Nicht weniger wertvoll ist jener Rest der Klausur, der noch die beiden originalen Sprechfenster der Nonnen zeigt eine weithin einmaliger Befund. Die Einführung der Reformation im Amt Urach hatte nicht nur die Auflösung des Pfullinger Frauenklosters und die Umsiedlung der Nonnen nach Leonberg 1540 zur Folge, sondern brachte auch den ersten massiven Eingriff in den tradierten Baubestand des Klosters mit sich: Herzog Ulrich ließ Teile der Klosterkirche, vielleicht auch der Klausur abbrechen. Zwar konnten die Nonnen noch einmal zurückkehren und bis 1590 das Kloster bewohnen, doch war dieses weitgehend nun schon zur württembergischen Klosterhofmeisterei umgewandelt. Während Kirche und Klausur in der Folge weitgehend abgebrochen bzw. als Fruchtkasten ausgebaut wurden, erhielt der Wirtschaftshof durch die dort seit der Reformation angesiedelte Verwaltung des Klosteramtes einen Funktionszuwachs, was zu einer intensiven Um- und Neubautätigkeit in diesem Bereich führte. Der ehemalige Fruchtkasten (Klosterstraße 28/1) ist das letzte erhaltene Wirtschaftsgebäude des Klosters und weist eine dendrochronologisch auf die Zeit um 1500 datierte auffallend stattliche Fachwerkkonstruktion auf. Die stattliche, hinter die Baulinie zurückversetzte ehemalige Klosterhofmeisterei mit der für die Architektur repräsentativer öffentlicher Bauten um 1800 charakteristischen, durch Symmetrie und Axialität gekennzeichneten Gliederung, stellt wiederum das letzte für das Kloster erbaute Profangebäude dar. Die überlieferten Bauzeugnisse sind so anschauliche Dokumente der Klostergeschichte und der durch die Reformation bedingten baulichen Veränderungen.

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Wohnhaus Klosterstraße 29
(Karte)
Ehemals mit landwirtschaftlicher Nutzung, zweigeschossiges, giebelständiges und verputztes Gebäude, massives Erdgeschoss mit Durchfahrt, darüber Fachwerk mit Geschossvorkragungen, 1601 (d)

Das stattliche Gebäude ist ein charakteristischer Vertreter des früher in Pfullingen üblichen Wohnhauses mit landwirtschaftlicher Nutzung - heute noch erkennbar etwa an der Durchfahrt und dem von dort aus erreichbaren großen Gewölbekeller. Die frühneuzeitliche Fachwerkkonstruktion liegt im Innern teilweise frei. Das Gebäude, das zum älteren Hausbestand Pfullingens zählt, veranschaulicht die Bauweisen am Übergang vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit und hat ortsbaugeschichtlichen Zeugniswert.

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Wohnhaus mit Ladeneinbau Klosterstraße 34
(Karte)
Zweigeschossiger, giebelständiger Fachwerkbau mit Satteldach, Erdgeschoss und Massivsockel verputzt, Geschossvorkragungen, um 1700

Das markante Gebäude ist aufgrund seiner Proportionen und seiner Fachwerkkonstruktion ein bezeichnender und darüber hinaus besonders stattlicher Vertreter des bürgerlichen Wohnbaus um 1700. Die ungewöhnliche Größe des Hauses und seine, das Bild der Klosterstraße in entscheidender Weise mitbestimmende Lage dokumentieren die repräsentativen Ansprüche des Bauherrn - einem Vertreter der für die Geschichte Pfullingens bedeutenden Familie Thomas. Das Gebäude hat damit sozial- und ortsgeschichtlichen Zeugniswert und dokumentiert als einer der letzten überlieferten Wohnbauten der Zeit um 1700 gehobene Bau- und Wohnkultur der Barockzeit in Pfullingen.

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Villa Laiblin (II) (heute Altenbegegnungsstätte) Klosterstraße 82
(Karte)
Zweigeschossiger verputzter Massivbau mit dreigeschossigem Mittelpavillon, flach geneigte Sattel- und Walmdächer, übereinander angeordnete Loggien, im Inneren reicher plastischer und malerischer Schmuck, Treppenhaus mit Pressbrokattapeten und Mosaikverglasung über der Eingangstür, erbaut nach Plänen von Hermann Zwißler, 1872 (a), Bauausführung 1873/74; parkartiger Garten mit gusseisernem Pumpbrunnen und steinerner Bildstock mit Metallrelief; Gartenpavillon, dreiviertelrunder verputzter Massivbau mit flacher Welscher Haube in Kupfer, ionischer Säulenportikus, errichtet nach Plänen von Herbert K. Baelz, 1913/14 (a)

Das äußerst stattliche, mit plastischem Schmuck versehene Gebäude verkörpert den Typus des vornehmen villenartigen Landhauses der Gründerjahre und steht in Bezug auf Fassadengestaltung, Grundrissdisposition und Innenausstattung ganz auf der Höhe der Zeit. Mit diesem Bau wird zum ersten Mal in Pfullingen entscheidend von der hier heimischen Wohnbauweise abgewichen. Gleichzeitig ist es bereits durch seine Lage ein charakteristisches Beispiel für den Anspruch wohlhabender Fabrikanten jener Epoche an Repräsentation und Lebensqualität: In einiger Entfernung von den Produktionsstätten, aber nah genug, um den Fabrikkomplex zu überblicken, liegt die Villa dem älteren Laiblinschen Wohnhaus von 1834 genau gegenüber am Hang eines leichten Hügels. Diese besondere topographische Situation ruft zusammen mit der Einbettung beider Gebäude in einen nur durch die Klosterstraße unterbrochenen Garten Gedankenverbindungen zu Schlössern beziehungsweise Herrenhäusern hervor - Anklänge, die durch die Architektur des Wohngebäudes noch verstärkt werden. Vor allem im Hochparterre haben sich bedeutende Teile der wandfesten Ausstattung erhalten, die kurz nach 1900 für Louis Laiblin erneuert und geschmacklich angepasst wurde. In diesem Zusammenhang ist ganz besonders das Treppenhaus zu nennen, als dessen Hauptschaustück die in intensiven Farben glühende Mosaikverglasung der Fensterlünette über dem Eingangsportal wirkt. Hier ließ der Auftraggeber in programmatischer Weise sein Verhältnis zur abendländischen Kunst darstellen, indem er sein Familienwappen in Beziehung zu einem „heiligen Hain“ mit antikisierender Herme und zu einer im Hintergrund aufragenden mittelalterlichen Burg setzte. Im Übrigen ist das Treppenhaus reich ausgestattet mit mehrfarbigen Pressbrokattapeten, geschnitztem Holzgeländer und gemalten Lünettenbildern über den seitlich des Glasabschlusses angeordneten Türen. Die Ornamentmalerei auf der Unterseite der einzelnen Treppenläufe ist in ihrer zarten floralen Motivik der Dekorationskunst der Stilbewegung um die Jahrhundertwende verpflichtet. Besonders eindrucksvoll ist die ebenfalls noch wohlerhaltene Ausstattung der Wohn- und Schlafräume sowie der Diele im Hochparterre. Hier sind vor allem die Zimmerdecken mit ihren zarten, dem Rokoko nachempfundenen Stuckdekor und die noble Ausgestaltung der weitläufigen, aber nur geschosshohen Eingangshalle als selten gewordene Dokumente für die Wohnkultur des ausgehenden 19. Jahrhunderts und darüber hinaus als künstlerisch hochstehende Beispiele des Dekorationsstils jener Zeit zu nennen. Die Villa Louis Laiblin zählt damit zu den herausragenden Beispielen großbürgerlichen Wohnens und der Ausstattungskunst vor und nach 1900.

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Textilfabrik Burkhard Klosterstraße 85
(Karte)
Bestehend aus: Fabrikgebäude, zweigeschossiger verputzter Massivbau mit Tuffsteinsockel, Fenstererker und markantem Glasaufsatz; darin Betriebskraftwerk zur Stromversorgung mit Spiralturbinen der Firma Voith, Generator und Schaltanlage auf hochrechteckiger Marmortafel, 1926/27 (a)

Das Fabrikgebäude erhielt im Wesentlichen 1926 sein heutiges Aussehen durch den markanten, an Errungenschaften des Neuen Bauens orientierten Glasaufsatz. Das im Inneren vollständig erhaltene Kraftwerk wurde 1927 nach dem Erwerb der Laiblinschen Papierfabrik in deren umgestalteten Räumen durch das Textilunternehmen Burkhard eingerichtet. Es ist somit eine der inzwischen äußerst selten gewordenen Stromversorgungsanlagen, wie sie während der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts für die württembergische Textilindustrie bezeichnend waren. Die technische Ausrüstung besteht im Wesentlichen aus Spiralturbinen der Firma Voith in Heidenheim und einem Generator der Maschinenfabrik Esslingen. Dazu kommt eine monumentale Schaltanlage, deren hochrechteckige Marmortafeln fast die ganze nördliche Schmalseite des Betriebsraumes einnehmen. Hier beeindrucken die aufwendige Gestaltung und die hohe ästhetische Wirkung durch den Einsatz edler Materialien bzw. durch die symmetrische Anordnung der Hebel und Messgeräte. Die überlieferten Anlagen haben wichtigen Zeugniswert für die Industrie- und Technikgeschichte.

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Villenanwesen Laiblin (I) Klosterstraße 93
(Karte)
Villa, zweigeschossiges, verputztes Gebäude mit dreigeschossigem, giebelbekröntem Mittelrisalit und Mansardwalmdach, pilastergerahmte Eingangstür mit Oberlicht, Wappen der Familie Laiblin im Oberlicht des nördlichen Eingangs, im Innern Stuckverzierungen, Ornamentfelder mit Landschaftsdarstellungen, erbaut 1832/33 (a), Aus- und Umbau mit Aufsatz des Mansardwalmdachs und Anlage der Außentreppe, 1880 (a), samt Villengarten

Das breit gelagerte Wohnhaus, das sich der erfolgreiche Papierfabrikant Ernst Louis Laiblin in einem großzügigen Garten errichten ließ, bezeichnet den Abschluss der wirtschaftlichen Konsolidierungsphase der Firma, die 1832 den für ihr weiteres Gedeihen entscheidenden Gesellschaftsvertrag mit dem Stuttgarter Verleger Elben geschlossen und die erste Papiermaschine aufgestellt hatte. Es erinnert an ein barockzeitliches Landschloss. Sein repräsentatives Äußeres erhielt das ursprünglich klassizistische Wohnhaus im Wesentlichen erst 1880 durch Ernst Louis Laiblins Sohn Adolf, als es anstelle des nach Westen abgewalmten Satteldachs ein elegantes Mansardwalmdach erhielt und - dem Zeitgeschmack entsprechend - im Sinne des Historismus neu dekoriert wurde. In der nach außen offenen Portalvorhalle an der östlichen Schmalseite hat sich noch die aufwendige Dekoration der Umbauzeit erhalten: eine pilastergerahmte Eingangstür mit Oberlicht, Stuckverzierungen an Wänden und Decke sowie rechteckig gerahmte und gemalte Ornamentfelder, denen hochovale Landschaftsdarstellungen eingeschrieben sind. Dem nördlichen Mittelrisalit ist eine kleine zweiläufige Freitreppe mit schmiedeeisernem Geländer und Zahnschnittfries unter dem Podest vorgestellt worden, deren Anbringung den herrschaftlichen Anspruch des Bauherrn noch unterstreicht. Im Oberlicht der zu dieser Treppe führenden Glastür ist das Wappen der Familie Laiblin in Mosaikverglasung angebracht - deutlicher Verweis darauf, wie sich das aufstrebende Unternehmertum als neue gesellschaftliche Elite an adeligen Repräsentationsformen orientierte. Das Gebäude ist somit ein wichtiges Zeugnis für die wirtschaftliche Prosperität und das sich wandelnde Selbstverständnis der bedeutenden Papierfabrikantenfamilie Laiblin im Laufe des 19. Jahrhunderts.

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Pfullinger Hallen Klosterstraße 110
(Karte)
Gesellschaftshaus mit Theater- und Konzertsaal, Turnhalle, Wandelgang und Nebenräumen, weitgehend verputzter Massivbau mit Krüppelwalmdach und Walmdächern, Frontfassade mit Tuffsteinquadern, im Inneren ausgewogene Proportionen und Farbgestaltung, Turnhalle mit Tonnengewölbe aus Eisenbeton, Theater- und Konzertsaal mit allegorischen Wandbildern von Louis Moillet, Hans Brühlmann, Melchior von Hugo, Ulrich Nitschke und Eduard Pfenning, Fortuna-Plastik über dem westlichen Saaleingang von Karl Albiker, errichtet nach Plänen von Theodor Fischer, 1904 bis 1907 (a)

Bei den Pfullinger Hallen handelt es sich um die erste umfassende Verwirklichung der Bauaufgabe eines „Gesellschaftshauses“ oder auch „Volkshauses“ sowie um eines der beiden berühmtesten Beispiele dieser Gattung. Ihr Bau beruht auf einer Stiftung des Großindustriellen Louis Laiblin an seine Heimatstadt. Anlass war die 1903 vom Turnverein und dem Liederkranz an Laiblin herangetragene Bitte, den Bau einer Turnhalle bzw. eines geeigneten Vereinslokals zu unterstützen. Laiblin griff diese Idee auf, wobei er für den Bau eines Gesellschaftshauses eintrat; unter einem Dach sollten sowohl die beiden Vereine eine Heimstätte erhalten als auch darüber hinaus ein Ort für andere kulturelle Veranstaltungen, vor allem Theatervorstellungen, geschaffen werden. Entsprechend stiftete Laiblin das Gesellschaftshaus, für das er selber die Bezeichnung „Pfullinger Hallen“ fand und festlegte, 1907 der gesamten Bevölkerung seiner Vaterstadt. Mit seinem vielschichtigen Zweck handelte es sich um ein weltanschaulich für die damalige Zeit außerordentlich bezeichnendes Projekt, der Kunst einen Ort zu schaffen, an dem sie in einem umfassenden Sinne zur Förderin von Lebensfreude und Bildung werden konnte. Diese Rolle der Kunst und Architektur bezog sich im Sinne einer im 19. Jahrhundert von England ausgehenden Sozialethik der Kunst auf die breite Allgemeinheit. 1904 trat Louis Laiblin an Theodor Fischer (1868 bis 1937) heran, der im gleichen Jahr die Pläne fertigte. Für Fischer stellten die Pfullinger Hallen die Möglichkeit dar, seine künstlerisch-weltanschaulichen Vorstellungen von der Bauaufgabe „Volkshaus“ zu verwirklichen, die er erst kurz zuvor in seiner Schrift „Was ich bauen möchte“ genau beschrieben und ausführlich mit der sozialen Verpflichtung von Kunst und Architektur begründet hatte. Er schuf mit den Pfullinger Hallen eines seiner wichtigsten Bauwerke in Württemberg und eines seiner Hauptwerke überhaupt. Darüber hinaus stellen die Pfullinger Hallen ein herausragendes Beispiel der Architektur der Stilbewegung und ihrer gestalterischen wie weltanschaulichen Prinzipien dar. Eingebettet in die umgebende Landschaft unterlag das Gebäude einer der wesentlichsten Forderungen der Reformarchitektur, bei einem architektonischen Entwurf auch nach dem Platz zu fragen, an dem ein Bauwerk errichtet werden sollte; Fischer setzte diese Prinzipien in dem weiterführenden Sinne der Heimatkunstbewegung um, die er als einer ihrer bedeutendsten Vertreter maßgeblich in seinem Werk mittrug. Künstlerischer Höhepunkt ist der sog Tonsaal, der Konzert- und Theateraufführungen diente. Gediegenheit, Feierlichkeit der Atmosphäre entsteht hier durch die ruhig ausgewogenen Proportionen, die getragene Farbgestaltung sowie vornehmlich durch die Ausmalung mit großfigürlichen allegorischen Darstellungen zum Thema der tragenden und erhebenden Bedeutung von Musik und Tanz auf die psychische Existenz des Menschen. Ausgeführt wurden die Wandmalereien von Schülern des an der Stuttgarter Akademie lehrenden Adolf Hölzel, einem der namhaftesten Vertreter der deutschen Malerei um 1900. Die herausragende Bedeutung der Pfullinger Hallen als bürgerliche Stiftung, der Rang des Bauwerks als Hauptwerk eines der namhaftesten Architekten des frühen 20. Jahrhunderts sowie als Beispiel für ein Volkshaus - eines der kulturgeschichtlich interessantesten, aus den sozialethischen Vorstellungen des 19. Jahrhunderts erwachsenen Projekte -, als ein herausragendes Beispiel für die Gestaltungsprinzipien der Stilbewegung und insbesondere der Heimatkunstbewegung und schließlich als vollkommen erhaltenes Beispiel für die Verwirklichung der Idee vom Gesamtkunstwerk, an dem alle Künste gleichwertig beteiligt sind, machen den Komplex zu einem Baudenkmal von nationalem und internationalem Rang gleichermaßen.

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Fabrikgebäude der Baumwollspinnerei Unterhausen Klosterstraße 145, 147/1
(Karte)
Bestehend aus:
  • Fabrikgebäude (Klosterstraße 145), traufständiger, langgestreckter und verputzter Massivbau, Risalite, bekrönt von Dreiecks- und Segmentgiebeln, umgestaltet von Philipp Jakob Manz, 1925 (a); darin Betriebskraftwerk mit Spiralturbinen der Firma Voith und einer Schaltanlage auf einer Marmortafel;
  • Umspannhäuschen (Klosterstraße 147/1), zweigeschossiger, traufständiger und verputzter Massivbau mit Krüppelwalmdach, 1925 (a)

Das vollständig erhaltene Kraftwerk wurde 1925 nach Erwerb der ehemaligen Papiermühle durch die Baumwollspinnerei Unterhausen in dem durch den renommierten Architekten Philipp Jakob Manz umgebauten Fabrikgebäude eingerichtet. Es ist somit eine der inzwischen äußerst selten gewordenen Stromversorgungsanlagen, wie sie während der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts für die württembergische Textilindustrie bezeichnend waren. Die technische Ausrüstung besteht im Wesentlichen aus Spiralturbinen der Firma Voith in Heidenheim, von denen zwei verschiedene Entwicklungsstufen (genietet und mit Stahlgussmantel) zu sehen sind. Dazu kommt eine monumentale Schaltanlage, deren hochrechteckige Marmortafeln fast die ganze nördliche Längswand einnehmen. Hier beeindrucken die aufwendige Gestaltung und die hohe ästhetische Wirkung durch den Einsatz edler Materialien bzw. durch die symmetrische Anordnung der Hebel und Messgeräte. Die Anlage hat wichtigen Zeugniswert für die Technik- und Industriegeschichte.

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Fabrikantenwohnhaus Klosterstraße 147
(Karte)
Zweigeschossiger verputzter Bau mit Satteldach, massives Erdgeschoss, darüber Fachwerk, Außentreppe mit schmiedeeisernem Geländer, Rundbogenfenster mit Radialsprossen, erbaut für Papierfabrikant Wheatley, 1839 (a)

Das Gebäude entstand als Wohnhaus für den aus Großbritannien gebürtigen Fabrikanten Wheatley neben seiner 1835 gegründeten Papiermühle und erhebt sich in markanter Lage auf einer Anhöhe unweit des Echazufer. Es zeichnet sich durch seine großzügigen Ausmaße und die Fassadengliederung durch Rundbogenfenster aus, die als bewährte Würdeformen der Architekturgeschichte ein Zeichen setzen in Bezug auf das Selbstverständnis und den Repräsentationsanspruch des Bauherrn. Gleichwohl hat das Gebäude noch nichts von einem Herrenhaus oder Schloss an sich, wie dies in späterer Zeit bei Villen wohlhabender Fabrikanten zur Regel wird. Die vergleichsweise einfache Form des massiven Baukörpers mit dem nicht ausgeschiedenen und nur durch eine Wiederkehr leicht betonten Dreiecksgiebel wird lediglich durch wenige Baudetails auf höchst wirkungsvolle Weise belebt. Von besonderem Reiz ist etwa die feine Fenstergliederung mit Radialsprossen im Rundbogenfeld. Die großzügige Innenaufteilung des Gebäudes, die ganz auf ein bequemes Wohnen und weniger auf Repräsentation zugeschnitten ist, lässt sich bis heute in eindrucksvoller Weise erleben. Das Gebäude ist damit als Fabrikantenwohnhaus aus der Frühphase der industriellen Entwicklung Pfullingens bzw. Württembergs ein sozialgeschichtlich wichtiges Dokument. Darüber hinaus repräsentiert es den bauhistorischen Entwicklungsstand ländlich geprägter Wohnarchitektur des Klassizismus im Königreich am Ausgang der 1830er-Jahre.

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Sog. Volksche Mühle Kraußstraße 6/1
(Karte)
Lohmühle, ab dem 19. Jahrhundert Mahlmühle, zweigeschossiger, giebelständiger Bau mit Satteldach, massives verputztes Erdgeschoss, darüber Fachwerk mit Geschossvorkragungen und genasten Zierelementen, bezeichnet im Schlussstein des Rundbogenportals, 1578 (i); überdachte Radstube und Mühlkanal; technische Ausstattung wie Zahnräder, Getriebewellen, 19. Jahrhundert

Die bis in unsere Zeit betriebene Volksche Mühle ist ein bezeichnendes bauliches Zeugnis für die herausragende Bedeutung der Wasserkraft in der lokalen Wirtschaftsgeschichte Pfullingens und des Echaztales. Bereits 1454 nennt das Uracher Salbuch eine Lohmühle unterhalb der „Oberen Burg“ in Pfullingen. Der heutige stattliche Bau weist über dem gemauerten Erdgeschoss eine offensichtlich aus der Erbauungszeit stammende Fachwerkkonstruktion auf. Für die 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts charakteristisch sind etwa die gebogenen Fuß- und Dreiviertelstreben. Der Standort der Mühle ist ganz auf die topographischen Besonderheiten abgestimmt, für die eine leichte Hanglage und der dadurch in seinem Gefälle wirksame Mühlkanal bezeichnend sind. Die Anlage wurde im 19. Jahrhundert als Mahlmühle umgebaut. Von dieser Umnutzung stammt der überwiegende Teil der technischen Ausstattung, wie etwa Zahnräder und Getriebewellen. Neben seiner technikgeschichtlichen Bedeutung hat das Anwesen als eine der ältesten Mühlen Pfullingens siedlungs- und ortsgeschichtlichen Zeugniswert.

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Weberhaus Kraußstraße 7
(Karte)
Eingeschossiges, giebelständiges und verputztes Fachwerkhaus mit Satteldach und hohem massivem Sockelgeschoss (Hinweis auf einen Weberkeller), paarweise angeordnete Fenster, frühes 17. Jahrhundert

Das etwas außerhalb des alten Ortsgebiets gelegene, kleine aber markante Gebäude gehört zu den ganz seltenen erhaltenen Zeugnissen für die Wohnverhältnisse der weniger begüterten Schichten in Pfullingen am Ausgang des Mittelalters. Nach Ausweis der Lagerbücher lebten bis in das 19. Jahrhundert hinein vorwiegend Leinweber. Überraschenderweise ist das Weberhaus, dessen Sockelgeschoss einen Hinweis auf die so genannte Donk, den Weberkeller, gibt, mit einem reichen Giebelfachwerk ausgestattet. Das Gebäude hat wichtige Bedeutung für die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte Pfullingens.

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Ev. Pfarrhaus II Laiblinsplatz 12
(Karte)
Zweigeschossiger, verputzter Bau, Mansardhalbwalmdach mit Giebelgauben, massives Erdgeschoss mit Eckquaderung, darüber Fachwerk, Kranzgesims, im Erdgeschoss geohrte Fenstereinfassungen, 1740

Das stattliche Barockgebäude ist ein charakteristisches Beispiel für die großen Pfarrhausbauten des 18. Jahrhunderts im Herzogtum Württemberg. Hier waren zwischen 1820 und 1848 häufig die schwäbischen Dichter Ludwig Uhland, Karl Mayer und Gustav Schwab bei dem damaligen Stadtpfarrer und Schwager Ludwig Uhlands, Friedrich Wilhelm Meyer, zu Gast. Das Gebäude veranschaulicht somit nicht nur die Lebensverhältnisse eines evangelischen Geistlichen in der Vormoderne und die Kirchengeschichte Pfullingens, sondern hat auch wichtigen Zeugniswert für die Orts- und württembergische Literaturgeschichte. Diese ist gerade in der Biedermeierepoche geprägt von der aufgeklärten evangelischen Pfarrhauskultur.

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Rehmsche Mühle o. a. Obere Mühle Leonhardstraße 19
(Karte)
Bestehend aus: Mahlmühle, dreieinhalbgeschossiger verputzter Bau, Satteldach mit Giebelfußgesims, massives Erdgeschoss mit Segmentbogentor, darüber Fachwerk, erbaut zum Teil unter Verwendung von Baumaterial aus dem 17. Jahrhundert, 1840/41 (a), Mühlenausstattung wie Zahnräder, Getriebewellen, Transmissionsvorrichtung, 19. Jahrhundert; überdachter Mühlkanal

Die Rehmsche Mühle, so genannt nach der Familie der früheren Besitzer, liegt am Dreiachtelkanal, einem der von der Echaz abgezweigten historischen Gewerbekanäle. Sie ist ein bezeichnendes Beispiel für die herausragende Bedeutung der Wasserkraft in der Wirtschafts- und Sozialgeschichte Pfullingens. Das heutige Gebäude steht an der Stelle der ältesten, 1521 im achalmischen Lagerbuch der österreichisch - württembergischen Regierung erstmals genannten Papiermühle Pfullingens. Die Herstellung von Papier entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem Haupterwerbszweig des Ortes. 1840 wurde auf dem Platz der Papiermühle, aber um 90° gedreht, das noch heute bestehende Gebäude einer Mahlmühle erbaut. Dabei wurden Teile des Mitte des 17. Jahrhunderts nach einem Brand errichteten Vorgängerbaus - wie z. B. die abgefasten Eichenholzständer mit Nasungen und die Stützkonstruktion des Mezzanins, Ständer mit Kopfhölzern und Unterzüge - übernommen. Von der Mahlmühlenausstattung sind noch Zahnräder, Getriebewellen und Transmissionsvorrichtungen erhalten. Am Verlauf des westlich des Gebäudes gelegenen Mühlkanals lässt sich noch heute die frühere Nutzung der Wasserkraft ablesen. Das Gebäude hat damit wichtigen Zeugniswert für die Siedlungs- und Wirtschaftsgeschichte Pfullingens.

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Wohnhaus mit ehemaliger landwirtschaftlicher Nutzung Lindenplatz 6
(Karte)
Zweigeschossiger, traufständiger und verputzter Bau mit Satteldach, zweigeschossiger Flügelbau mit Satteldach, Erdgeschoss massiv mit Rundbogenöffnungen und Mitteldurchfahrt, darüber Fachwerk mit Vorkragungen, erbaut für den Renovator Wolfgang Jakob Neuffer zwischen 1689 und circa 1700 (a), giebelbekrönte Dachgaube und Ladeneinbau, 19./20. Jahrhundert

Das stattliche, am Pfullinger Hauptstraßenzug und in der Nähe der ev. Martinskirche gelegene Haus erhebt sich an der Stelle eines im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Gebäudes. Als besonders bezeichnende Elemente haben sich die breite Mitteldurchfahrt im Erdgeschoss und der geräumige tonnengewölbte Keller erhalten. Sie belegen die einstige landwirtschaftliche Prägung Pfullingens. Ein interessantes Detail ist der zweigeschossige, zum Garten ausgerichtete Anbau, in dessen Erdgeschoss ein tonnengewölbter Raum liegt. Dieser Raum diente einem bisher unbekannten Zweck und ist einzig durch ein Rundbogenportal von Norden her zugänglich. Das Gebäude veranschaulicht so vormoderne Wohn- und Lebensverhältnisse und hat ortsbaugeschichtlichen Zeugniswert.

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Wohnhaus mit ehemaliger landwirtschaftlicher Nutzung Lindenplatz 8
(Karte)
Dreigeschossiges, traufständiges und verputztes Gebäude mit Satteldach, Erdgeschoss massiv, darüber Fachwerk mit Geschossvorkragungen, Mitteldurchfahrt mit Aufzug, wohl 1. Hälfte 17. Jahrhundert (moderner Ladeneinbau)

Das stattliche, aufgrund seiner drei Geschosse die Nachbarbebauung überragende Gebäude ist ein charakteristischer Vertreter des für Pfullingen ehemals typischen, bürgerlichen Wohnbaus mit landwirtschaftlicher Nutzung. Bezeichnend dafür ist die geräumige, frühere Durchfahrt für Fuhrwerke, die von mächtigen Stützen begrenzt wird. Ein von der Durchfahrt bis zum ersten Dachgeschoss reichender Aufzug (Lotter) dokumentiert die frühere landwirtschaftliche Nutzung des Gebäudes, dessen Dach zu Lagerzwecken diente. Zu dem Wohnhaus gehört die westliche Hälfte eines längsgeteilten, in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Gewölbekellers, der im Norden bis zum Gebäude Lindenplatz 12 reicht und für Pfullingen aufgrund seiner Größe ungewöhnlich ist. Nach der geschichtlichen Überlieferung befand sich hier auf diesem Areal der bereits in der Landnahmezeit gegründete Fronhof. Das Gebäude dokumentiert vormoderne Wohn- und Lebensverhältnisse.

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Wohnhaus (mit modernem Ladeneinbau) Lindenplatz 11
(Karte)
Zweigeschossiges, giebelständiges und teilweise verputztes Fachwerkhaus, Zierfachwerk im Obergeschoss und Giebel, bezeichnet in der Giebelspitze, 1619 (i)

Das mit seinem reich geschmückten Giebel zum Hauptstraßenzug gerichtete Haus gehört zu den ansehnlichsten Gebäuden der Frühen Neuzeit in Pfullingen und dokumentiert eindrucksvoll die künstlerischen Fähigkeiten der Zimmerleute jener Zeit sowie die Wohlhabenheit des Bauherrn. Es handelt sich dabei wohl um den 1580 geborenen Eberhard Häberlin, einen Bäcker, der um 1610 Gerichtsangehöriger war und somit zu den angesehensten Bürgern Pfullingens gehörte. Zeittypisch ist das freiliegende Zierfachwerk im Ostgiebel, das gebogene Dreiviertelstreben und ebensolche Fußbänder im Wechsel zeigt, außerdem genoppte Feuerlinien in den Zwickeln und eine geschnitzte Halbrosette in der Giebelspitze. Das Gebäude dokumentiert vormoderne Wohn- und Lebensverhältnisse und hat ortsbaugeschichtlichen Zeugniswert.

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Wohnhaus (mit modernem Ladeneinbau) Lindenplatz 12
(Karte)
Zweigeschossiger, traufständiger und verputzter Bau mit Satteldach und Staffelgiebeln, Erdgeschoss und Giebelwände massiv, darüber Fachwerk, im Kern spätmittelalterlich, Dachwerk 17. Jahrhundert

Das traufständige Gebäude unterscheidet sich von der Nachbarbebauung durch seine aufwendigen und für Pfullingen einmaligen Staffelgiebel, die auf eine ehemals besondere Funktion des Hauses schließen lassen. Nach der Überlieferung soll an dieser Stelle der Pfullinger Asylort gewesen sein. Eine heute verlorene Inschrift datierte das Gebäude auf 1529. Das im Kern spätmittelalterliche Gebäude ist aufgrund seiner eindrucksvollen, in Pfullingen einzigartigen Dach- und Kellerkonstruktionen von ortsbaugeschichtlicher Bedeutung und dokumentiert vormoderne Wohn- und Lebensverhältnisse.

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Wohnhaus Lindenstraße 5
(Karte)
Zweigeschossiges Backsteingebäude mit Walmdach, polygonaler Eckerker, bekrönt von achtteiligem Helm, Seitenrisalite mit geschwungenen Giebeln und Fensterverdachung, qualitätvolle Innenausstattung mit Stuckdecken und Buntglasfenster, nach Plänen von Dietrich Senner, 1903 (a, i)

Das stattliche Mietwohnhaus in Ecklage vertritt auf bezeichnende Weise die baulichen Ansprüche jener gehobenen bürgerlichen Schicht, die sich um 1900 in diesem neu angelegten Viertel beidseits der Kaiserstraße ansiedelte. Charakteristisch für das Erscheinungsbild des Gebäudes sind die in zeittypischer Weise städtebaulich durch einen polygonalen Eckerker betonte Ecke und die beiden Seitenrisalite mit geschwungenen Giebeln. Bezeichnend für diese Architekturströmung ist das Wiederaufgreifen von Formen und Motiven der nordeuropäischen Renaissance, die besonders gehobenen Kreisen des Bürgertums am Ende des 19. Jahrhunderts als Epoche vermeintlicher bürgerlicher Emanzipation als Vorbildhaft erschien. Das Haus ist ein bezeichnender und qualitätvoller Vertreter des gehobenen bürgerlichen Mietwohnungsbaues der Jahrhundertwende und dokumentiert die städtebauliche Entwicklung Pfullingens

infolge der Industrialisierung.

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Villenanwesen Lindenstraße 10
(Karte)
Fabrikantenvilla, zweigeschossiger, verputzter Massivbau mit eingeschossigem Anbau und Walmdach, Kranzgesims mit Zahnschnittfries, Ochsenaugen und Rundbogenfenster, zum Teil originale wandfeste Ausstattung und moderne Haustechnik, erbaut für Fadenfabrikant Hugo Knapp nach Plänen von Herbert K. Baelz, 1912 (a), samt zugehörigem, umfriedetem Garten

Der Fadenfabrikant Hugo Knapp, einer der wichtigsten Pfullinger Arbeitgeber vor dem Ersten Weltkrieg, ließ das stattliche Gebäude in großzügigem Garten für sich selbst errichten. Den Bauplatz wählte er in dem gegen Ende des 19. Jahrhunderts angelegten Viertel zwischen Marktstraße und Bahnlinie, das für Mehrfamilienhäuser eines gehobenen Standards beziehungsweise für Villen wohlhabender Bürger reserviert war. Die großzügige, klassizistisch beeinflusste Fassadengliederung stellt zusammen mit den weitläufigen Außenanlagen von Terrasse, Balkon und Garten ebenso ein Zeugnis für den Repräsentationswillen und die Wohnkultur des Bauherrn dar wie die raffinierte Grundrissaufteilung und die bis heute zum Teil erhaltene wandfeste Ausstattung. Das Gebäude vermittelt einen anschaulichen Eindruck gehobener bürgerlicher Wohnkultur und hat stadtbaugeschichtlichen Zeugniswert vor dem Hintergrund des städtischen Wachstums infolge der Industrialisierung.

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Ev. Martinskirche Marktplatz 1
(Karte)
Pfarrkirche, verputzte Saalkirche mit Satteldach, langgestreckter Polygonalchor mit Strebepfeilern, nördlich Sakristeianbau, viereckiger Westturm mit achteckigem Glockengeschoss und spitzem Helm, Maßwerkfenster, Langhaus innen mit kassettiertem Holzgewölbe, im Turm kreuzrippengewölbte Halle, im Chor Netzrippengewölbe über schlanken Polygonaldiensten, über Sakristeitür in Stabwerkrahmung Rundbogenfeld mit Hochrelief des hl. Martin, um 1470, bunte Chorverglasung, historische Ausstattung, u. a. spätgotisches Chorgestühl, gemalte Predella, wohl vom ehem. Hochaltar, mit Brustbildern des verklärten Christus im Kreis der Apostel, um 1460, Epitaphien aus Renaissance und Frühbarock; Kirche errichtet anstelle vier älterer Vorgängerbauten, Turm im Kern 13. Jahrhundert, erhöht im 15. Jahrhundert und 1771 bis 1773 (d), Chor errichtet von Hans Augstaindreyer, bezeichnet am Gewölbe, 1463 (i), Langhaus neu erbaut, 1579/80, Dachstuhl neu aufgebaut 1889 (a)

Die evangelische Martinskirche zählt aufgrund ihrer archäologisch ergrabenen Vorgängerbauten, die bis an die Wende von der Spätantike zum Frühmittelalter zurückreichen (um 620), zu den Urkirchen der Region und zu den ältesten christlichen Gotteshäusern in Württemberg. Ihr kommt damit herausragender Zeugniswert für die Siedlungsgeschichte Pfullingens wie auch für die regionale Kirchengeschichte zu. Die heutige Kirche reicht in ihren ältesten Teilen (Turm) ins 13. Jahrhundert zurück. Der Chor erfuhr um 1463 einen spätgotischen Neubau, der baukünstlerisch hochwertige Details zeigt wie das Netzrippengewölbe, die Sakramentsnische und vor allem das reich gestaltete Stabwerkportal mit der Sakristei, das im Tympanon ein Relief des Hl. Martin beim Teilen des Mantels zeigt - Zeugnisse für die hohe Qualität spätgotischen Sakralbaus in Schwaben. Von der älteren Ausstattung sind eine Predella und das Chorgestühl überliefert. Bemerkenswert ist auch das Langhaus, das unter Herzog Ludwig im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts entstand und dessen gotische Spitzbogenfenster ein Renaissancemaßwerk zeigen, ein charakteristisches Dokument der Kirchenarchitektur im konfessionellen Zeitalter. Teilweise hohe künstlerische Qualität haben auch die Epitaphien aus dem 17. Jahrhundert, welche zugleich mit Nennung wichtiger Pfullinger Persönlichkeiten wie des Amtsbürgermeisters Johannes Mayer (gest. 1610) auch ortsgeschichtliche Bedeutung haben und die Kultur des protestantischen Totengedenkens in Renaissance und Barock dokumentieren.

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Flecken- und Kornhaus Marktplatz 4
(Karte)
Seit 1908 Rathaus II, dreigeschossiger, giebelständiger Bau mit Satteldach, massives steinsichtiges Erdgeschoss mit Rundbogenöffnungen, darüber Fachwerk mit Geschossvorkragungen und Zierelementen, symmetrische Fensterachsen, rückwärtig zweigeschossiger verputzter Anbau mit Sattel- und Krüppelwalmdach, massives Erdgeschoss, darüber Fachwerk, Freitreppe zum 1. Obergeschoss, Vorderbau 1686 (i), Umbau und Erweiterung 1908 (a)

Der stattliche Bau prägt zusammen mit der Pfarrkirche ganz wesentlich das Erscheinungsbild des Markplatzes. Das frühbarockzeitliche Gebäude entstand im Vorgriff auf die 1699 erfolgte Stadterhebung als sog. Fleckenhaus, das als Verwaltungsstelle der umliegenden Dörfer sowie als Kauf- und Kornhaus der Gemeinde diente. Von der Kaufhausfunktion zeugen bis heute die drei ursprünglich offenen Rundbogentore im Erdgeschoss, welche sich zu einer Markthalle öffneten. 1908 wurde das Gebäude zum Rathaus umgebaut und dazu um einen rückwärtigen Flügelanbau mit repräsentativer Außentreppe im Heimatstil erweitert. Es löste damit das ältere Pfullinger Rathaus ab. Das Gebäude ist damit ein wichtiges Zeugnis für die Entwicklung des großen Dorfes an der Echaz zur Stadt und zum württembergischen Unteramt zu Ende des 17. Jahrhunderts. Es veranschaulicht überdies die Kunst der frühneuzeitlichen Zimmerleute wie auch die Gestaltungsprinzipien der Reformarchitektur im frühen 20. Jahrhundert, die auf lokalen Bautraditionen aufbaute und sich so in den vorhandenen Bestand harmonisch einfügte.

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Rathaus I Marktplatz 5
(Karte)
Zweigeschossiger, überwiegend verputzter Fachwerkbau, Satteldach mit Dachreiter, Geschossvorkragungen, Außentreppe, Wappen über dem Eingang, 1437 (d), erstmals als Rathaus erwähnt 1522 (a), nach Westen erweitert 1567

Bei dem älteren der beiden Pfullinger Rathäuser handelt es sich um ein stattliches, zweigeschossiges und überwiegend verputztes Fachwerkhaus, das sich frei und ortsbildprägend am Marktplatz erhebt. Es ist das bisher älteste datierte Fachwerkgebäude in Pfullingen. Als Rathaus ist das Gebäude erstmals 1522 belegt, es ist durchaus möglich, dass es bereits als solches erbaute wurde und wäre damit einer der ältesten dörflichen Rathausbauten in Württemberg. Das nachweislich seit mehr als 450 Jahren als Rathaus genutzte Gebäude ist ein anschauliches und aufgrund seiner langen Tradition seltenes Beispiel für die Entwicklung und Bedeutung einer Gemeindeverwaltung. Es hat wichtigen ortsbau- und stadtgeschichtlichen Zeugniswert für Pfullingen.

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Wohnhaus Marktstraße 2
(Karte)
Zweigeschossiges, giebelständiges, weitgehend verputztes Gebäude mit Satteldach, Erdgeschoss teilweise massiv mit Sandsteinquadern, darüber Fachwerk mit vorkragenden Giebelgeschossen über Knaggen, im Kern spätmittelalterlich, Um- und Ausbau um 1600

Das Gebäude stammt im Kern aus dem Spätmittelalter und zählt damit zu den ältesten überlieferten Wohnbauten Pfullingens. Ein sicheres Indiz für sein vergleichsweise hohes Alter ist das verblattete Fachwerkgefüge im Erdgeschoss, eine Holzverbindungsart, die in Pfullingen jedenfalls vor 1600 üblich war. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde das Haus renoviert und verschönert: Die Konstruktion des Dachstuhls, zu dessen Aussteifung Kopfstreben dienen, die in die Stuhlständer eingezapft, mit den Pfetten aber verblattet sind, stammt offenbar ebenso aus dieser Zeit wie die im 2. Dachgeschoss noch von innen sichtbaren Zierformen des Westgiebels. Es handelt sich dabei um das für Pfullingen charakteristische Fachwerkmotiv der einander überschneidenden Dreiviertelkreise. Dieser Giebel wendet sich repräsentativ zum Pfullinger Hauptstraßenzug, das Zierfachwerk ist heute jedoch verputzt. Das Gebäude hat damit Zeugniswert für die Ortsbaugeschichte und belegt den Wohlstand des damaligen großen Dorfes im Echaztal.

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Wohnhaus Marktstraße 38
(Karte)
Zweigeschossiges, traufständiges und verputztes Gebäude mit Satteldach, überhöhter und übergiebelter Mittelrisalit, rustiziertes Erdgeschoss, Gliederungen durch Eckquaderung, Gesimse und Fensterverdachungen, Stuckverzierungen und Reliefs, nach Plänen von Dietrich Senner, Pfullingen, 1895 (a)

Das Gebäude vertritt in bezeichnender Weise die baulichen Ansprüche jener gehobenen bürgerlichen Schicht, die sich in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts außerhalb des alten Ortskerns entlang der Marktstraße ansiedelte. Charakteristisch für die Architekturströmung der 1890er-Jahre ist die Verwendung von Elementen der Renaissancebaukunst wie z. B. die Eckquaderung, der Dreiecksgiebel mit Rundfenster sowie die plastische Gestaltung der Schauseiten. Zeittypisch sind auch die seriell vorgefertigten Schmuckelemente an den Fenstern, die jedoch nicht als historisch genaues Zitat verstanden wurden, sondern - bezeichnend für die Architektur des Späthistorismus - als gestalterisch wirkungsvolle Einzelmotive eingesetzt sind. Das Gebäude veranschaulicht so die bauliche Entwicklung Pfullingens im späten 19. Jahrhundert und dokumentiert Wohn- und Lebensverhältnisse des kaiserzeitlichen Bürgertums.

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Maschinenfabrik Arbach Marktstraße 195
(Karte)
Eingeschossige Fabrikhalle in Stahlbauweise mit Putz- und Backsteinfassade, geschweiften Giebeln und Satteldach mit Sheds, flankiert von zweigeschossigen, flachgedeckten Seitenschiffen, hoher Backsteinkamin über rundem Grundriss, in der Halle drei Laufkräne der Maschinenfabrik Esslingen, 1911 (a)

Der nördliche Albtrauf war von der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts an vor allem geprägt von der Textilindustrie und dazugehörigen Maschinenfabriken. War für den Raum Nürtingen, Metzingen und Reutlingen die Wirkwarenherstellung kennzeichnend, so für den Raum Hechingen, Balingen, Ebingen die Strick- bzw. Trikotherstellung. Etwa gleichzeitig mit der Produktion der Textilwaren entstanden als Zulieferbetriebe Firmen, welche die benötigten Geräte, Maschinen und Kleinwaren, z. B. Garnhülsen u. a. herstellten, so auch die 1874 in Pfullingen gegründete Firma Arbach, eine Maschinenfabrik, die Rauh- und Ausrüstungsmaschinen für die Trikot- und Strickwarenindustrie produzierte. Von den ursprünglich etwa 15 Großgebäuden der Fabrik sind bis auf vier alle abgebrochen. Die Architektur der überlieferten, 1911 erbauten Fabrikationshalle wird im Wesentlichen durch die vorgeblendeten Backsteinfassaden mit den markanten, in Weiß gehaltenen Putzflächen geprägt und gehört zu den wenigen weitgehend ursprünglich erhaltenen Beispielen für Industriebauten der Jahre vor dem Ersten Weltkrieg in der Gegend. Sie ist wichtiges Zeugnis für die Industrialisierung im Albvorland bzw. den wassereichen Albtälern und hat wirtschafts- und sozialgeschichtliche Bedeutung für Pfullingen. Von technikgeschichtlichem Interesse sind die drei erhaltenen Laufkräne, welche die Produktionspalette der Maschinenfabrik Esslingen dokumentieren.

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Wohnhaus mit nachträglichem Ladeneinbau Schloßstraße 1
(Karte)
Zweigeschossiges, traufständiges und verputztes Gebäude mit Satteldach, um 1600

Der äußerst langgestreckte Bau zählt zu den wenigen Pfullinger Häusern, die offenbar noch aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg stammen. Das Lagerbuch von 1620 führt das Gebäude bereits auf. Damals befand es sich im Besitz des Metzgers Hans Hauser (1596 bis 1663). Dieser verkaufte es an den Bäcker Jakob Volk, der seinerseits eine Werkstatt einbauen ließ. Das Gebäude ist aber wohl etwas älter, als die schriftliche Überlieferung besagt: Zumindest die westliche Hälfte des Dachstuhls stammt nämlich aus der Zeit des Übergangs vom verblatteten zum verzapften Fachwerkgefüge, die für Pfullingen für die Jahre um 1600 belegt ist. Dieser Dachstuhlteil wird von einem einst von außen sichtbaren Ziergiebel nach Osten abgeschlossen. Womöglich wurde der Ostteil erst später angefügt. Das Gebäude dokumentiert vormoderne Wohn- und Lebensverhältnisse in dem großen württembergischen Dorf im Echaztal und hat ortsbaugeschichtlichen Zeugniswert.

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Rundbogenportal aus Sandstein mit abgefasten Innenkanten Schloßstraße 12
(Karte)
1696 (i)

Das Rundbogenportal belegt die Baugeschichte des Hauses und dokumentiert die bauliche Entwicklung Pfullingens in den Jahren um die Erhebung zur Stadt.

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Rundbogenbrücke Schloßstraße 20
(Karte)
Sandstein, einjochig über die Echaz, verjüngend zum Scheitel hin, 16. Jahrhundert

Die Brücke wurde vermutlich im Zusammenhang mit der Errichtung des herzoglichen Jagdschlosses 1563 an der Stelle der früheren Echazfurt erbaut. Von der Konstruktion her handelt es sich um eine der wenigen noch erhaltenen Rundbogenbrücken jener Zeit. Die sich zum Scheitel hin verjüngende Brücke überspannt einjochig das Flüsschen. Als ein heute nur noch selten anzutreffendes Beispiel für Brückenbauwerke dieser Art dokumentiert die Echazbrücke die Bedeutung der Verbindung zwischen Schloss und Ortschaft und hat daher siedlungsgeschichtlichen Zeugniswert.

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Herzogliches Jagdschloss Schloßstraße 22
(Karte)
Süd- und Ostflügel einer Vierflügelanlage, ehemaliger Sitz des Oberamtes, 1851 bis 1920 Heil- und Pflegeanstalt (heute städtische Einrichtungen und Vereinsräume), dreigeschossiger Massivbau aus Bruchstein mit Walmdach, turmartige Eckaufbauten mit Zeltdächern, hofseitig runder Treppenturm und jüngerer Treppenhausanbau, nach Süden kleiner Altanabau, im Innern hölzerne Kassettendecken, erbaut für Herzog Christoph von Württemberg anstelle der Unteren Burg nach Plänen von Aberlin Tretsch, 1561 bis 1565 (a)

Die beiden erhaltenen Flügel des einstigen herzoglichen Jagdschlosses sind ein bezeichnendes Zeugnis für die Schlossbaukunst der Renaissance unter Herzog Christoph (reg. 1550 bis 1568). Errichtet wurde die Anlage von dem bekannten Baumeister Aberlin Tretsch (um 1500 bis 1577). Sie zeigt mit den turmartigen Eckaufbauten wie auch der strengen, weitgehend schmucklosen Architektur typische Charakteristika der Schlossarchitektur unter Christoph, wie sie an den Schlössern zu Göppingen und Stuttgart vorgeprägt worden war. Das Jagdschloss entstand anstelle der Unteren Burg, welche 1487 aus dem Besitz der Ortsadeligen Remp von Pfullingen an das Haus Württemberg gelangt war. Der Neubau Christophs verfügte über zahlreiche Nebengebäude. Der überlieferte Baubestand ist ein anschauliches Zeugnis für die zahlreichen Neu- und Umbauten von Schlössern, welche Christoph im ganzen Herzogtum vornehmen ließ. Er markierte ganz offensichtlich mit ihnen sein Territorium, zum einen um nach der unruhigen Regierungszeit seines rücksichtslos und damit politisch unglücklich agierenden Vaters Ulrich seinen rechtmäßigen Anspruch auf das Reichslehen Württemberg zu untermauern. Dieses ging nämlich seit 1534 von Habsburg zu Lehen. Zum anderen unterstrich Christoph mit dem Bau zahlreicher Jagdsitze den von ihm beanspruchten Titel des Reichsjägermeisters. Nicht zuletzt verkörperten Jagdschlossbauten wie Pfullingen die herzoglichen Jagdrechte und damit eines der wesentlichen Hoheitsrechte, in welchen die Machtausübung über das Land sichtbar wurde. Von der einst anspruchsvollen, gediegenen Ausstattung des Schlosses zeugen im Inneren noch hölzerne Kassettendecken aus der Erbauungszeit. Das Gebäude diente bis zu dessen Verlegung nach Reutlingen 1806 als Sitz des Oberamtes. 1835 wurden zwei Flügel niedergelegt. Der Torso beherbergte 1852 bis 1920 die „Heil- und Pflegeanstalt für Psychisch Kranke“. Er hat herausragende Bedeutung für das Baugeschehen unter Herzog Christoph in Württemberg, die höfische Jagdkultur der Renaissancezeit und nicht zuletzt für die Siedlungs-, Orts- und Herrschaftsgeschichte.

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Grabstätte Familie Louis Laiblin Nähe Schulstraße 23
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Grabstein mit metallenen Inschrifttafeln und Galvanoplastik einer stehenden Frau, aufwendig gestaltete Einfriedung mit metallener Abschrankung zwischen steinernen Postamenten, auf diesen Metallvasen, 19./20. Jahrhundert

Die Grabstätte dokumentiert in ihrer repräsentativen Gestaltung die herausragende gesellschaftliche Position der Papierfabrikantenfamilie Laiblin und der als Unternehmer, Mäzen wie öffentlicher Wohltäter herausragenden Persönlichkeit Louis Laiblin (1861 bis 1927) in der Stadtgesellschaft Pfullingens. Das Grab ziert eine Frauengestalt, eine Galvanoplastik der Württembergischen Metallwarenfabrik Geislingen (WMF) die auf solche seriell produzierten Kunstobjekte nach Entwürfen namhafter zeitgenössischer Bildhauer spezialisiert war. In der Wahl einer Figur aus der WMF zeigte Laiblin sein Interesse an innovativen Produktionsverfahren, die sich auch für die Produktion von Kunstobjekten anwenden ließen. Grabfiguren der WMF erfreuten sich beim gehobenen Bürgertum seit dem späten 19. Jahrhundert außerordentlicher Beliebtheit, die Firma lieferte in alle Welt. Damit ist die Grabstätte Laiblin auch Ausdruck der Begräbnis- und Friedhofskultur der Zeit um 1900.

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Evangelisch-methodistische Friedenskirche Wolfgangstraße 2
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Pastorenwohnhaus mit Betsaal, zweigeschossiges, traufständiges Backsteingebäude mit übergiebeltem Mittelrisalit, rundbogige und segmentbogige Doppelfenster, Stockwerkgesims und Staffelgiebel, nach Plänen von Dietrich Senner, 1903 (a)

Das stattliche Gebäude wurde nach Plänen des seinerzeit vielbeschäftigten Pfullinger Architekten Dietrich Senner als Pastorenwohnhaus mit Betsaal für die Evangelische Gemeinschaft in Pfullingen erbaut. Das in mittelalterlich geprägter Formensprache gehaltene Haus ist ein charakteristisches Beispiel für die baulichen Ansprüche der um 1900 stark expandierenden „Pfullinger Mission“ der Evangelischen Gemeinschaft. Die 1807 von Jakob Albrecht in Pennsylvania nach methodistischem Vorbild gegründete Evangelische Gemeinschaft beschloss 1850 eine Deutschlandmission, die sich – von Stuttgart ausgehend – über Süddeutschland und die Schweiz erstreckte. 1867 gründete der Prediger Gottlieb Füßle in Pfullingen die erste Gemeinschaft, die sich bereits 1879 von Reutlingen löste und selbständig wurde. Der rasche Mitgliederzuwachs gegen Ende des 19. Jahrhunderts ließ das bisherige, an der Oberen Heerstraße gelegene Gemeinschaftshaus zu klein werden und führte zum Neubau an der Wolfgangstraße, der den Bedeutungszuwachs der Gemeinschaft auch baulich sichtbar machte. 1968 schloss sich die Evangelische Gemeinschaft mit der Methodistenkirche zur Evangelisch-methodistischen Kirche zusammen. Seit 1982 ist Pfullingen Sitz des Superintendenten für den Reutlinger Distrikt. Die Friedenskirche ist damit ein wichtiges und bezeichnendes Dokument für die Tradition religiösen Lebens in Pfullingen und hat konfessions- und ortsgeschichtlichen Zeugniswert.

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Wohnhaus Zeilstraße 2
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Zweigeschossiger, verputzter Massivbau mit Mansardwalmdach, halbrunder Eckerker mit Kuppeldach, Zwerchhäuser mit geschwungenen Giebeln, Stockwerksgesims und Stuckverzierungen, nach Plänen von G. Herzog, 1912 (a)

Das stattliche Eckhaus ist ein bezeichnender Vertreter gehobener bürgerlicher Baukunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Charakteristisch für das Erscheinungsbild des Wohnhauses ist die städtebaulich auf die Ecklage bezogene Gliederung des Baukörpers durch die beiden, an den Schauseiten gelegenen Zwerchhäuser mit geschwungenen Giebeln und Fußwalmen, sowie dem, sich der Gesamtform des Gebäudes unterordnenden Eckerker. Die Betonung der Gesamtform, bestehend aus dem Baukörper und ihn überfangendem Dach, ist zeittypisch für die Reformarchitektur. Sie lässt sich auch an Details wie etwa gleiche Traufhöhe der Haupt- und Nebendächer sowie um den Bau herumgeführte Gesimse ablesen. Das Gebäude dokumentiert bürgerliche Wohn- und Lebensverhältnisse kurz vor dem Ersten Weltkrieg und hat ortsbaugeschichtlichen Zeugniswert in Zusammenhang mit der städtebaulichen Entwicklung Pfullingens infolge der starken Industrialisierung.

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Commons: Kulturdenkmale in Pfullingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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