Lotus Seven
zweisitziger, offener britischer Sportwagen, produziert von 1957 bis 1972
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Der Lotus Seven ist ein zweisitziges, offenes Sportwagenmodell von Lotus Cars. Der spartanisch ausgestattete, leichte und verhältnismäßig kleine Sportwagen wurde zwischen 1957 und 1972 als Lotus produziert.[3]
| Lotus | |
|---|---|
Serie 2, Bj. 1965 | |
| Seven | |
| Produktionszeitraum | 1957–1972 |
| Klasse | Sportwagen |
| Karosserieversionen | Roadster |
| Motoren | Ottomotoren: 0,95–1,6 Liter (21–92 kW) |
| Länge | 3120–3360 mm |
| Breite | 1549 mm |
| Höhe | 940 mm |
| Radstand | 2235 mm |
| Leergewicht | 445[1] – ca. 600[2][3] kg |


Geschichte
Der Lotus Seven wurde 1957 auf den Markt gebracht, nachdem bereits der Lotus Eleven in limitierter Stückzahl produziert worden war. Basierend auf Chapmans erstem in Serie hergestellten Sportwagen, dem Lotus 6, wurde der Seven von einem 40 bhp[3] starken Ford-Seitenventilmotor mit 1172 cm³ Hubraum angetrieben. Der Wagen war damit hauptsächlich für günstige Club-Rennen auf kurzen Strecken ausgelegt.[5] Schon 1958 erschien der erste, stärkere Super Seven.[6][7]
1960 folgte die Serie 2 (S2) und 1968 die Serie 3 (S3). 1970 veränderte Lotus das Design des Autos deutlich; es entstand die etwas konventioneller proportionierte Serie 4 (S4) mit einer eckigeren GFK-Karosserie, die den bisherigen Aluminiumaufbau größtenteils ersetzte. Mit der Serie 4 bot der Seven auch erstmals serienmäßige Komfortmerkmale wie ein Heizgebläse. Sie wurde 1970 auf dem Genfer Auto-Salon vorgestellt.[8] Das S4-Modell erfüllte[9] nicht die Verkaufserwartungen von 2000 Exemplaren,[8][10] wenn es auch gelungen war, an jedem Fahrzeug Geld zu verdienen.[9]
Durch das damalige Steuersystem (Purchase Tax, Verbrauchssteuer) konnte das Auto günstiger verkauft werden, indem man es als Kit Car anbot, da so der Steueraufschlag entfiel, der bei fertig montierten Fahrzeugen angefallen wäre. Die Steuergesetze besagten jedoch, dass den Bausätzen keine Bauanleitungen beigelegt werden durften. Lotus nutzte jedoch eine Lücke im Gesetzestext und lieferte den Kunden Demontageanleitungen, welche zur Montage des Fahrzeugs nur noch in umgekehrter Reihenfolge befolgt werden mussten. Mit dem Beitritt des Vereinigten Königreichs zur EWG am 1. Januar 1973 musste die britische Regierung die Verbrauchssteuer durch die Mehrwertsteuer ersetzen. Damit entfielen die steuerlichen Vorteile, und die Lotus-Seven-Bausatzfahrzeuge fanden ihr Ende.
1973 entschied Lotus, das „Kit-Car-Image“ vollständig abzulegen und sich stattdessen auf limitierte Renn- und Sportwagen zu konzentrieren. Lotus verkaufte deshalb die Produktionsrechte des Seven[3] an seinen letzten verbliebenen Vertragshändler Caterham Cars. Nachdem Caterham bis Juni 1974 von der Serie 4 noch 38 Stück gebaut hatten[9] (darunter fiel auch die Montage verbliebener Lotus-Kits), führten sie ihre Version des Serie-3-Modells ein. Diese wird seitdem als Caterham Seven weiterproduziert[1] und ständig überarbeitet. Daneben haben sich viele weitere Betriebe gefunden, die der Idee des kleinen, leichten Sportwagens folgen und sehr ähnliche Fahrzeuge anbieten, darunter Irmscher (D),[11] Westfield (GB), Dax (GB), Sylva Autokits (GB), Locust (GB), Robin Hood Engineering (GB), Donkervoort (NL), HKT (D), VM (D), Rush (D) und RCB Fahrzeug GmbH (Edling, D)[12].
Der Lotus 7 stellt in der Geschichte der Lotus-Modelle eine Besonderheit dar. Bis in die heutige Zeit erhielten alle Straßenmodelle eine mit „E“ beginnende Modellbezeichnung, alle Rennwagen dagegen wurden mit einer fortlaufenden Nummer versehen. Nur der Lotus Seven trug eine Nummer, obwohl er ein Straßenfahrzeug war, wenn auch als Rennwagen konstruiert.[5]
Bei etwa 2500 von Lotus hergestellten Seven sind die Roadster inzwischen begehrte Oldtimer, wobei dies ganz besonders für die erste Serie gilt.[10][13]
Technik des Lotus Seven
Der Lotus Seven ist ein leichter zweisitziger Sportroadster mit längs eingebautem Vierzylinder-Viertaktmotor, je nach Ausführung mit seitlicher oder obenliegender Nockenwelle, Hubraum 0,95 bis 1,6 Liter. Das Fahrgestell ist ein mit Aluminium beplankter Gitterrohrrahmen, das Fahrwerk hat Einzelradaufhängung mit Doppelquerlenkern und Feder-Dämpfer-Einheiten vorn und eine Starrachse mit Längslenkern, Querstabilisator, Schraubenfedern und hydraulischen Stoßdämpfern hinten. Die Fußbremse wird hydraulisch betätigt, vorn Scheibenbremsen, hinten Trommelbremsen. Die Lenkung war bis zum ersten Super Seven 1958 eine Schnecken-Rollen-Lenkung, danach wurden Zahnstangenlenkungen verwendet.[14][15][4] Der Radstand des Seven beträgt je nach Quelle 2235 mm oder 2250 mm, die Spurweite vorn und hinten 1190 mm bzw. 1245 mm, die Länge je nach Ausführung 3120 und 3360 mm.
Die technischen Daten können je nach Quelle erheblich voneinander abweichen. Die hier genannten sind dem Motorkatalog des Gilde-Verlags, Alfeld 1963 und 1964, sowie der Website Zwischengas.com, und den Katalogen Die Automodelle 1963/64 und Die Automodelle 1967/58, Motorbuch Verlag, entnommen.
Teilweise stammten neben manchen Motoren und Getrieben Komponenten von Ford,[5] beispielsweise die Hinterachsen der Serien 3 und 4.[16][9]
Versionen

- Serie 1
Aluminiumkarosserie. Produzierte Stückzahl: 243[3]
- 7F (Ford-Motor, 1.172 cm³, 28–40 PS, Dreiganggetriebe), 1957–1960
- 7C Super 7 (Coventry-Climax-Motor, 1.098 cm³, 75 PS,[6][7] Vierganggetriebe) 1958–1960
- 7A (BMC-Motor, 948 cm³, 37 PS, Vierganggetriebe), 1958–1960
- 7 America (Austin-Healey-Motor, 43 PS, Vierganggetriebe), 1958–1960

- Serie 2
Kunststoffkotflügel und -schnauze, Alukarosserie und Vierganggetriebe. Produzierte Stückzahl: ca. 1.310
- 7F (Ford-Motor, 1.172 cm³, 40 PS), 1960–1961
- 7A (BMC-Motor, 948 cm³, 37 PS), 1960–1961
- 7 America (Austin-Healey-Motor, 1.098 cm³, 55 PS), 1960–1961
- 7 105E (Ford-Motor, 997 cm³, 39 PS), 1961–1968
- Super 7 Cosworth 1340 (Ford-Cosworth-Motor, 1.340 cm³, 85 PS), 1961–1962
- Super 7 1500 (Ford-Cosworth-Motor, 1.498 cm³, 66–100 PS, Fahrzeugmasse knapp 500 kg[4]), 1962–1968
- 7 Serie 2 1/2 (Ford-Motor, 1.598 cm³, 84 PS), 1968
- Serie 3
Produzierte Stückzahl: ca. 340
- 7 1300/1600 (Ford-Motoren, 1.297/1.598 cm³, 72/84 PS), 1968–1969
- 7 S (Ford-Holbay[17]-Motor, 1.598 cm³, 120 PS), Einzelstück, 1969
- 7 SS (Lotus-Motor, 1.558 cm³, 115–125 PS), 13 Stück, 1969
- Serie 4

Stark geänderte, größere Karosserie. Produzierte Stückzahl: ca. 625
- 7 1300/1600GT (Ford-Motoren, 1.297/1.598 cm³, 72/84 PS), 1970–1972
- 7 Twin Cam (Lotus-Motor, 1.558 cm³, 115–125 PS), 1970–1972[18]
Verwendung in britischer Fernsehserie (1960er Jahre)
1976 hatte der Super 7 seinen berühmtesten Medienauftritt in der britischen Kult-Fernsehserie The Prisoner/Nummer 6 (1969 im ZDF). Im Vorspann fährt der Protagonist „Nummer Sechs“, gespielt von Patrick McGoohan, damit durch die Londoner City auf dem Weg zu seinem Vorgesetzten, um ihm sein Rücktrittsschreiben zu übergeben. In einer Episode (Herzlichen Glückwunsch/Many Happy Returns) berichtet „Nummer 6“ davon, wie er den Wagen gebaut hat und deswegen perfekt kennt. McGoohan hatte sich das Modell selbst ausgesucht, um das Individualistische an der Figur zu unterstreichen. Graham Nearn, der damalige Eigentümer des Unternehmens, ist in der letzten Episode „Demaskierung“ selbst kurz als Mechaniker zu sehen, als er Nummer Sechs’ Lotus vor dessen Haus abstellt.[19]
Literatur
- Graham Arnold, Lotus Seven (Super Profile S.), Haynes Publications 1984, ISBN 0-85429-385-X (ISBN-13: 9780854293858)
- R. M. Clarke, Lotus Seven Goldportfolio 1957 – 1973, Brookland Books Ltd., 1996, ISBN 1-85520-329-4 (ISBN-13: 9781855203297)
- Andrew Morland (Andrew Noakes), Lotus Seven, Heel Verlag, ISBN 3-89365-455-0 (ISBN-13: 9783893654550)
Darüber hinaus gibt es Bücher, die den Seven und die Caterham-Nachfolgemodelle behandeln.
Weblinks
- Offizielle Lotus-Seite
- Lotus Seven 1957-1960, Bericht über die erste Serie (supercars.net, englisch)
- Bebilderter Ablauf der Modelle von 1957 bis 2023 samt Bild eines Bausatzes von 1984 (Caterham-Club)
- Modellübersicht auf ausführlicher privater Webseite mit Link auf umfangreiche technische Daten (lowflying.de)
