M47 Dragon
amerikanische Panzerabwehrlenkwaffe
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Die M47 Dragon ist eine tragbare Panzerabwehrlenkwaffe aus den Vereinigten Staaten. Gemäß dem Joint Electronics Type Designation System (JETDS) trägt sie die Bezeichnung FGM-77 Dragon.
| M47 Dragon | |
|---|---|
|
M47 Dragon | |
| Allgemeine Angaben | |
| Typ | Panzerabwehrlenkwaffe |
| Heimische Bezeichnung | M47 Dragon, FGM-77 Dragon |
| NATO-Bezeichnung | Dragon |
| Herkunftsland | |
| Hersteller | McDonnell Douglas |
| Entwicklung | 1964 |
| Indienststellung | 1975 |
| Einsatzzeit | im Dienst |
| Stückpreis | 4.500–6.800 US-Dollar (Lenkflugkörper)[1] |
| Technische Daten | |
| Länge | 0,744–0,846 m |
| Durchmesser | 127 mm |
| Gefechtsgewicht | 10,9–12,3 kg |
| Spannweite | 340 mm |
| Antrieb | Feststoffraketentriebwerke |
| Geschwindigkeit | 200 m/s |
| Reichweite | 1.000 m |
| Ausstattung | |
| Lenkung | Gyroskop |
| Zielortung | SACLOS, via Draht |
| Gefechtskopf | 2,45-kg-Hohlladung |
| Zünder | Aufschlagzünder |
| Listen zum Thema | |
Geschichte
Die Entwicklung der M47 Dragon wurde vom U.S. Army Ordnance Missile Command (AOMC) im September 1959 in Auftrag gegeben. Ziel war es, eine tragbare Panzerabwehrlenkwaffe zu entwickeln, mit welcher die Rückstoßfreien Geschütze M67 und M40 ersetzt werden sollten. Mit dem neuen Waffensystem sollten Kampfpanzer wie die sowjetischen T-55 und T-62 auf Distanzen von bis 1.000 m bekämpft werden können. Bei der anschließenden Ausschreibung bekam im August 1964 McDonnell Douglas den Zuschlag. Nach einer Entwicklungszeit von acht Jahren wurde 1972 ein erstes Los M47 Dragon für die Truppenerprobung an die Streitkräften der Vereinigten Staaten geliefert. Danach startete die Serienfertigung und im Jahr 1975 war die M47 Dragon bei der United States Army und beim United States Marine Corps operationell. Ab dann wurde die M47 auch für den Exportmarkt produziert.[2][3]
Danach wurde die M47 Dragon in mehreren Baulosen weiterentwickelt und modernisiert. Es entstanden die Dragon II (1988) und Dragon III (1990). Die Serienfertigung der M47 Dragon erfolgte gemeinsam bei McDonnell Douglas und Raytheon. Nach der Produktion von etwa 10.500 Zielgeräten und rund 180.000 Lenkflugkörpern wurden die Fertigungsstraßen Ende 1991 geschlossen. 1993 wurde die Produktionslizenz an CMS Defense Systems (heute General Dynamics) veräußert. Dort wurde die Ausführung Super Dragon entwickelt welche bis 1997 in Kleinserie hergestellt wurde.[1][4]
Varianten
- M47 Dragon (FGM-77A): 1. Serienversion aus dem Jahr 1975 mit 2,45-kg-Hohlladung mit 102 mm Durchmesser. Durchschlagsleistung 330–350 mm Panzerstahl. Reichweite 1 km.[2][5]
- M47 Dragon II (FGM-77B): 2. Serienversion aus dem Jahr 1988 mit 3,47-kg-Hohlladung mit 122 mm Durchmesser und Abstandsdorn. Durchschlagsleistung rund 610 mm Panzerstahl. Die Dragon II existiert entweder als Neuproduktion oder als Nachrüstprogramm. Reichweite 1 km.[4][5]
- M47 Dragon III (FGM-77C): Version aus dem Jahr 1990 mit 2,8-kg-Tandemhohlladung. Durchschlagsleistung rund 800 mm Panzerstahl. Die Dragon III existiert entweder als Neuproduktion oder als Nachrüstprogramm. Reichweite 1,5 km.[4][5]
- M47 Super Dragon (FGM-77D): Version aus den 1990er-Jahren. Mit verbesserter Elektronik sowie einer Reichweite von 2 km. Nur Kleinserie.[1][5]
Technik
Die M47 Dragon ist eine tragbare Panzerabwehrlenkwaffe zur Bekämpfung von Kampfpanzern und anderen Panzerfahrzeugen auf Distanzen von rund 1.000 m. Die minimale Schussdistanz liegt bei 65 m. Das Waffensystem besteht aus einem Ziel- und Verfolgungsgerät, dem Abschussrohr mit dem Lenkflugkörper sowie einem optionalen Nachtsichtgerät. Das System wiegt Schussbereit rund 15 kg (ohne Nachtsichtgerät). Die M47 Dragon kann von einem einzelnen Mann transportiert und eingesetzt werden. Im Normalfall erfolgt der Einsatz durch zwei Personen. Einer trägt die Ziel- und Verfolgungsgerät mit einem Abschussrohr. Eine zweite Person transportiert eins bis zwei weitere Abschussrohre.[2][3][6][7]
SU-36/P Ziel- und Verfolgungsgerät
Das Ziel- und Verfolgungsgerät SU-36/P wiegt 3,1 kg und wird auf das Abschussrohr aufgesetzt. Das Zielgerät verwendet eine Zieloptik mit Strichplatte und 6facher Vergrößerung und hat ein Sichtfeld von 6°. Das Verfolgungsgerät beinhaltet eine Rechnereinheit sowie einen Infrarotdetektor zum Verfolgen des Lenkflugkörpers.[4][6]
AN/TAS-5 Nachtsichtgerät
Das Nachtsichtgerät AN/TAS-5 wiegt 9,8 kg und wird an das Ziel- und Verfolgungsgerät montiert. Es verwendet eine Optik mit 5facher Vergrößerung und einem Sichtfeld von 3,4×6,8°. Dieses ermöglicht eine Zielerfassung auf eine Entfernung von bis zu 3.000 m sowie eine Zielidentifikation auf rund 1.600 m.[4][6]
Abschussrohr & Lenkflugkörper
Das Abschussrohr besteht aus GFK, ist 1,154 m lang und hat einen Aussendurchmesser von 140 mm. Unten am Rohr ist ein ausklappbares Zweibein montiert. Die Rohrenden sind mit Schaumstoffkappen verschlossen. Im Abschussrohr befindet sich der Lenkflugkörper sowie ein dahinter verbauter Gasgenerator zum Ausstoßen des Flugkörpers. Der Lenkflugkörper hat einen Durchmesser von 127 mm, eine Länge von 0,744 bis 0,846 m (je nach Modell) und wiegt 10,9 bis 12,3 kg. Der Dragon-Lenkflugkörper ist in drei Sektionen aufgeteilt. Hinter der ogivalen Lenkflugkörperspitze sind der Hohlladungs-Gefechtskopf und der piezoelektrische Aufschlagzünder untergebracht. Dahinter folgt die Sektion mit dem Antrieb. Dort sind in sechs Gruppen 60 kleine, schräg nach hinten angeordnete Feststoffraketentriebwerke verbaut. Diese entwickeln jeweils für 0,7 Sekunden einen Schub von 1,2 kN. In der Rumpfmitte ist das Gyroskop sowie die Thermalbatterie für die Stromversorgung untergebracht. In der hintersten Sektion sind die Elektronik, eine Drahtspule und die Infrarot-Strahler verbaut. Ebenso sind dort drei Faltflügel mit einer Spannweite von 340 mm montiert.[1][4][7][8]
Funktion & Einsatz
Das Herstellen der Feuerbereitschaft dauert 20 bis 30 Sekunden. Dabei muss der Schütze auf das Abschussrohr das Ziel- und Verfolgungsgerät aufsetzen und aktivieren. Der Start erfolgt stehend, kniend oder sitzend mit der geschulterten Waffe, welche vorne auf einem Zweibein abgestellt wird. Die Dragon kann nicht aus geschlossenen Räumen gestartet werden, hinter der Waffe müssen mindestens 30 m Freiraum vorhanden sein. Infolge des nach hinten austretenden Abgasstrahls besteht hinter der Waffe ein Gefahrenbereich von 50 m Länge und 60 m Breite, der beim Abschuss nicht betreten werden darf. Hat der Schütze das Ziel anvisiert, betätigt er den Auslöser und zündet mit 0,7 Sekunden Verzögerung den Gasgenerator, welcher die Lenkwaffe aus dem Rohr ausstößt. Danach zünden nacheinander die seitlich im Rumpf verbauten Feststoffraketentriebwerke jeweils für einen Bruchteil einer Sekunde und sorgen sowohl für den Antrieb wie auch für die Kurskorrekturen. Der Flugkörper erreicht durch seine Rotation eine stabile Flugbahn. Um die maximale Reichweite von 1000 m zu durchfliegen, benötigt die Waffe rund 11,5 Sekunden. Die durchschnittliche Fluggeschwindigkeit beträgt 100 m/s (360 km/h). Während des Fluges spult die Lenkwaffe drei Drähte ab, über den sie Lenkkommandos erhält. Die M47 Dragon arbeitet nach dem SACLOS-Lenksystem (halbautomatische Kommandolenkung). Dabei verfolgt das Verfolgungsgerät den Lenkflugkörper über die im Heck verbauten Infrarot-Strahler. Lenkkommandos werden in im Verfolgungsgerät errechnet und mittels der Drahtverbindung an den Lenkflugkörper übermittelt. Während des Fluges brauchte der Schütze lediglich das Ziel im Fadenkreuz zu behalten. Beim auftreffen im Ziel wird mit einem piezoelektrische Aufschlagzünder der Hohlladungs-Gefechtskopf gezündet.[4][6][7]
M47 Dragon in der Schweiz
Mit dem Rüstungsprogramm 1977 beschloss die Bundesversammlung im Dezember 1977 die Beschaffung der M47 Dragon für die Schweizer Armee. Der Liefervertrag mit einem Auftragsvolumen von 395 Mio. CHF beinhaltete die Lieferung einer unbekannten Anzahl Ziel- und Verfolgungsgeräte sowie 5600 Lenkflugkörper.[9] In der Schweiz bekam das Waffensystem die Bezeichnung Panzerabwehr-Lenkwaffen System DRAGON Boden-Boden 77 (PAL BB 77). Dort ersetzten sie die Rückstossfreie Panzerabwehrkanone 1958 (10,6 cm rsf Pak 58).[10] Da es in der Schweiz Tradition ist, Waffensysteme nicht einzukaufen, sondern in Lizenz zu fertigen, wurden die Schweizer Dragon-Systeme zu rund 25 % in der Schweiz gebaut. Die PAL-Züge waren den Infanterie-Kompanien unterstellt. Dabei sollte der Kampf aus flankierenden, vorbereiteten Schützenstellungen erfolgen.[11] Für den Einsatz der PAL bei Nacht, wurde das Gefechtsfeld mit Beleuchtungsgeschossen aus dem 6 cm Werfer 1987 beleuchtet. Im Verlauf der Zeit führte die Schweizer Armee vier Generationen von Lenkflugkörpermunition für die Dragon ein:[12][13]
- PAL BB 77 HPz G (Hohlpanzer-Granate, Armee-Lagernummer 591-3280)
- PAL BB 77 HPz G 86 (ALN 591-3281)
- PAL BB 77 HPz G 90 (ALN 591-3282)
- PAL BB 77 HPz G 00 (ALN 591-3283)
Die PAL Dragon wurde am 1. Januar 2008 wegen ihrer unverhältnismäßig hohen Unterhaltskosten frühzeitig außer Dienst gestellt und liquidiert.[14] Das Nachfolgesystem ist die NLAW aus Schweden.
Status & Verbreitung
Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten stellten die Dragon Ende der 1990er-Jahre außer Dienst und ersetzte sie durch die FGM-148 Javelin. Die letzte Dragon wurde dort 2006 verschrottet.[15]
Iran – 10.350 (lokale Produktion unter der Bezeichnung „Saeghe“)
Israel – 7.100
Jemen – 1.500
Jordanien – 3.398
Marokko – 4.500
Niederlande – 5.285
Saudi-Arabien – 4.692
Südkorea – Anzahl unbekannt
Schweiz – 11.800
Spanien – Anzahl unbekannt
Thailand – 600
Vereinigte Staaten – Anzahl unbekannt
Abbildungen
- M47 Dragon
- US-Soldat beim Zielerfassen
- US-Soldat im Einsatz
- US-Soldat beim Start
- Start in der Nacht
- Lichter der Antriebs- und Steuerraketen (Langzeitbelichtung)
Literatur
- Colonel John Weeks: Jane's Infantry Weapons 1980–1981. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 1980, ISBN 0-7106-0702-4.
- Edward L. Korb: The World’s Missile Systems. Seventh Edition. General Dynamics, Pomona Division, Vereinigte Staaten, 1982.
- John Norris: Brassey's Anti-Tank Weapons. Brassey's, Vereinigtes Königreich 1996, ISBN 1-85753 177 9.
- Richard D. Jones & Leland S. Ness: Jane's Infantry Weapons 2010–2011. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 2011, ISBN 978-0-7106-2908-1.
