Marcellus Purnell Castle
britischer Brauereibesitzer und Philatelist (1849–1917)
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Marcellus Purnell Castle (* 1849; † 21. März 1917 in London), häufig als M. P. Castle bezeichnet, war ein britischer Philatelist, Sammler, Redakteur und Brauereibesitzer. Er war von 1913 bis 1917 Präsident der heutigen Royal Philatelic Society London und von 1892 bis 1917 der erste Herausgeber der Zeitschrift The London Philatelist. Castle wurde postum als einer der „Fathers of Philately“ auf der Roll of Distinguished Philatelists gewürdigt.

Leben und Beruf
Castle wurde an der King’s College School ausgebildet.[1] Beruflich war er als Brauereibesitzer tätig. In einer Darstellung zur Brauereigeschichte von Brighton wird er mit der Albion Brewery in Brighton verbunden.[2] Castle lebte zunächst in Brighton und später in Sevenoaks, blieb aber trotz der Entfernung nach London eng mit der Royal Philatelic Society London verbunden.[3]
Im März 1917 musste Castle nach einer schweren Operation seine Herausgebertätigkeit vorübergehend niederlegen. Noch im selben Heft des London Philatelist wurde sein Tod am 21. März 1917 gemeldet.[4] Die Beisetzung fand am 24. März 1917 an der Kirche St Nicholas in Sevenoaks statt; der Leichnam wurde aus London überführt, wo Castle gestorben war.[3] Auch die genealogische Reihe Visitation of England and Wales nennt London als Sterbeort und Sevenoaks als Begräbnisort.[5]
Philatelistisches Wirken
Castle trat im Juni 1879 der Philatelic Society, London, der späteren Royal Philatelic Society London, bei. Die Gesellschaft hatte zu diesem Zeitpunkt nur etwa dreißig Mitglieder. Im November 1881 wurde er in das Komitee gewählt, im Mai 1891 folgte er Thomas Tapling als Vizepräsident. Nach dem Tod des 26. Earl of Crawford wurde Castle im April 1913 Präsident der Gesellschaft.[3] Die Association of British Philatelic Societies nennt ihn ebenfalls als Präsidenten der Royal Philatelic Society London ab 1913.[1]
Als die Gesellschaft Ende 1891 beschloss, eine eigene monatliche Zeitschrift herauszugeben, übernahm Castle die Redaktion. Die erste Ausgabe von The London Philatelist erschien im Januar 1892. Mit Ausnahme von zehn Heften, die während einer Weltreise Castles 1892/1893 erschienen, redigierte er die Zeitschrift bis kurz vor seinem Tod. Nach Bacons Nachruf war Castle über weite Teile dieser 25 Jahre nicht nur Herausgeber, sondern produzierte die Zeitschrift auf eigene Verantwortung und schrieb selbst einen großen Teil der Inhalte.[3] Die ABPS gibt seine Redaktionstätigkeit für den London Philatelist mit den Jahren 1892 bis 1917 an.[1]
Castle gehörte seit der Einrichtung des Expert Committee der Royal Philatelic Society London zu dessen Mitgliedern. Bacon hob in seinem Nachruf Castles Sachkenntnis und Urteilskraft besonders hervor.[3] Im November 1891 war Castle zudem an der Gründung der Brighton and Sussex Philatelic Society beteiligt und amtierte dort während des Bestehens der Gesellschaft als Präsident.[3] Die ABPS nennt ihn außerdem als Präsidenten der Hertfordshire Philatelic Society.[1]
Castle wurde mit der Lindenberg-Medaille ausgezeichnet.[1] 1911 wurde er anlässlich der Krönung Georgs V. als Member des Royal Victorian Order ernannt.[6] Postum wurde Castle auf der ersten Seite der Roll of Distinguished Philatelists als einer der „Fathers of Philately“ gewürdigt. Die Royal Philatelic Society London führt ihn in dieser Gruppe als „Marcellus Purnell Castle (1849–1917) (Great Britain)“.[7]
Sammlungen
Castle begann bereits 1863 mit dem Sammeln von Briefmarken. Vier Jahre später wurde seine Sammlung gestohlen, als er Student in Frankfurt am Main war. In den 1870er Jahren nahm er das Sammeln wieder auf. 1878 erwarb er über Pemberton, Wilson & Co. eine von J. Carrick aus Liverpool gebildete Sammlung, die ihm nach Bacons Darstellung eine herausgehobene Stellung unter den Sammlern seiner Zeit verschaffte.[3]
Zunächst baute Castle eine allgemeine Sammlung auf, begann diese jedoch ab 1886 zugunsten einer Spezialisierung auf Australien aufzulösen. Anschließend stellte er eine bedeutende Sammlung der Briefmarken Australiens und der britischen Kolonien Ozeaniens zusammen, die 22 Bände umfasste und 1894 verkauft wurde. Danach konzentrierte er sich auf europäische Briefmarken; diese Sammlung umfasste beim Verkauf im Jahr 1900 insgesamt 67 Alben. Später legte Castle erneut eine Australien-Sammlung an, die er 1905 veräußerte. Danach sammelte er unter anderem Mauritius, Kap der Guten Hoffnung, Trinidad, weitere westindische Inseln, Ceylon, Britisch-Guayana, New South Wales, Neuseeland, Victoria und Western Australia.[3]
Die ABPS nennt für Castles Sammlungen auch die Verkaufssummen: Die Sammlung Australien und britische Kolonien Ozeaniens wurde 1894 für 10.000 Pfund verkauft; die europäische Sammlung ging 1900 für 27.500 Pfund an W. W. Mann; eine zweite Australien-Sammlung erzielte 1905 einen Erlös von 5750 Pfund.[1]
Veröffentlichungen
Castle veröffentlichte zahlreiche Beiträge im London Philatelist. Eine seiner letzten Arbeiten war ein Beitrag über die gezähnten Ausgaben Neuseelands von 1864 bis 1872, der auf einem Vortrag vor der Royal Philatelic Society London vom 19. Oktober 1916 beruhte und nach seinem Tod im April 1917 erschien.[8]
Literatur
- Edward Denny Bacon: Marcellus Purnell Castle, M.V.O., J.P. In: The London Philatelist. Band 26, Nr. 304, April 1917, S. 75–77.
- A. Ronald Butler: An Economy of Editors. In: The London Philatelist. Band 101, Nr. 1189/1190, Januar/Februar 1992, S. 15–18.
- Brian J. Birch: The Fathers of Philately. Inscribed on the Roll of Distinguished Philatelists. Royal Philatelic Society London / Roll of Distinguished Philatelists Trust, London 2019.
- Brian J. Birch: Biographies of Philatelists and Dealers. 9. Auflage. Standish, Wigan 2008.
- H. R. Holmes: British International Stamp Exhibitions. In: The London Philatelist. Band 79, Nr. 932/933, August/September 1970, S. 166–170.