Roll of Distinguished Philatelists

internationale philatelistische Auszeichnung From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Roll of Distinguished Philatelists (RDP) ist eine internationale philatelistische Auszeichnung, die 1921 beim Philatelic Congress of Great Britain in Harrogate geschaffen wurde, um Personen zu ehren, die sich durch Forschung, Veröffentlichungen, Fachwissen oder organisatorisches Engagement in besonderer Weise um die Philatelie verdient gemacht haben.[1]

König Georg V. war der erste Unterzeichner der Roll

Die Roll besteht aus fünf Pergamentblättern, auf denen die Geehrten ihre Unterschrift leisten. Neue Unterzeichner werden nach Nominierung durch dafür berechtigte philatelistische Organisationen oder bisherige Unterzeichner von einem achtköpfigen Board of Election ausgewählt; eine Nominierung bleibt vier Jahre lang wirksam und wird in diesem Zeitraum jährlich geprüft.[2]

Bis einschließlich der für 2026 ausgewählten Unterzeichner verzeichnete die Roll 420 Unterzeichner aus 44 Ländern; Georg V., dessen Unterschrift an der Spitze der Roll steht, ist in dieser Zählung nicht enthalten. Die Roll enthält außerdem die Namen von 46 „Fathers of Philately“, also bedeutenden Philatelisten, die bei der Einführung der Roll bereits verstorben waren und andernfalls zur Unterzeichnung eingeladen worden wären.[1]

Für 2026 wurden Jon Aitchison, Andrew Cheung, Alexander T. Haimann und Ding Jinsong als neue Unterzeichner ausgewählt. Sie kamen zu 92 damals lebenden RDPs aus 31 Ländern hinzu.[1]

Geschichte

Die Initiative zur Schaffung der Roll ging auf Percy Cooke Bishop vom London Stamp Club zurück, der am 30. Oktober 1919 die Einführung eines „Philatelic Order of Merit“ vorschlug. Ziel war eine international ausgerichtete Auszeichnung zur Würdigung herausragender Leistungen in der Philatelie.[3]

In den folgenden Monaten wurde das Konzept konkret ausgearbeitet. Eine Jury wählte aus 91 Vorschlägen zunächst 25 Philatelisten aus, die 1920 als erste Ausgezeichnete bestätigt wurden.[3] Auf dem Philatelic Congress of Great Britain im Jahr 1920 in Newcastle upon Tyne wurde die weitere Entwicklung der Auszeichnung beraten; zugleich wurde der ursprünglich vorgesehene Name „Order of Philatelic Merit“ verworfen, da er als zu stark an staatliche Orden angelehnt angesehen wurde.[3]

Für die Einführung der „Roll of Distinguished Philatelists“ im Jahr 1921 wurden die meisten der zuvor ausgewählten Philatelisten übernommen; lediglich A. B. Creeke wurde dabei offenbar nicht berücksichtigt. Ergänzt wurde die Gruppe durch 15 weitere Persönlichkeiten, sodass insgesamt 39 Philatelisten zur Unterzeichnung eingeladen wurden.[3]

Die physische Einführung und erste Unterzeichnungszeremonie erfolgte 1921 auf dem Kongress in Harrogate. Zu diesem Anlass wurde das kunstvolle Pergament präsentiert, das bereits die Namen der 42 verstorbenen „Väter der Philatelie“ in den seitlichen Ornamenten enthielt. König Georg V. hatte das Dokument bereits vorab als erster Unterzeichner signiert und wurde an die Spitze der Roll gesetzt.[3] In Harrogate leisteten schließlich die eingeladenen Philatelisten ihre Unterschrift.

Seit 1922 erfolgt die Auswahl neuer Unterzeichner jährlich durch ein Wahlgremium (Board of Election), mit einer Unterbrechung während des Zweiten Weltkriegs (1940–1946). Die Aufnahme in die Roll gilt heute als eine der bedeutendsten Auszeichnungen der Philatelie.[3]

Gestaltung der ersten Seite

Detail der ersten Seite der Roll mit den dekorativen Säulen und den Unterschriften bis 1935

Die erste Seite des Original-Pergaments ist als repräsentatives, architektonisch gestaltetes Dokument konzipiert und verbindet dekorative Elemente mit der Funktion als Ehrenliste. Sie gliedert sich in drei klar unterscheidbare Bereiche:

Dekorative Seitenfelder („Fathers of Philately“)

In den beiden vertikalen Randfeldern („Säulen“) sind die Namen von ursprünglich 42 verstorbenen Philatelisten in ornamentalen Schriftbändern eingetragen. Diese sogenannten „Fathers of Philately“ wurden bewusst in das Design integriert, um die historischen Wegbereiter der Philatelie zu würdigen.[3] Sie stellen keine Unterzeichner dar, sondern fungieren als symbolische Ahnengalerie.

Die Bezeichnung „42 Fathers of Philately“ bezieht sich auf die Anzahl der Einträge im Design der Roll. Tatsächlich umfasst die Gruppe aufgrund der gemeinsamen Nennung der Brüder Gustave und Martial Caillebotte insgesamt 43 Personen.

Zentrales Unterschriftenfeld

Die Mitte der Seite ist für die handschriftlichen Signaturen der lebenden Unterzeichner vorgesehen. Bei der ersten Unterzeichnungszeremonie 1921 in Harrogate wurden die Namen von 39 eingeladenen Philatelisten eingetragen.[3] In den folgenden Jahren wurden hier die jährlich neu aufgenommenen Mitglieder ergänzt. Die Einträge erfolgen chronologisch nach den Austragungsorten des Philatelic Congress of Great Britain.

Mit den Eintragungen bis zum Kongress von 1935 war die Kapazität der ersten Seite ausgeschöpft, sodass ab 1936 weitere Pergamentseiten hinzugefügt wurden.

Unterer Bereich (nachträgliche Ergänzungen)

Im unteren Teil des Pergaments befinden sich zusätzliche dekorative Felder, die in späteren Jahren für nachträgliche Ehrungen genutzt wurden. Dort wurden in den 1950er Jahren vier weitere Philatelisten ergänzt (Edward R. Woodward, J. Stanley Telfer, Clarence W. Hennan und A. Tort Nicolau), die ursprünglich nicht berücksichtigt worden waren.

Durch spätere Ergänzungen – insbesondere im Jahr 2021 – wurde die Zahl der als „Fathers of Philately“ gewürdigten Personen weiter erhöht.

Die „Fathers of Philately“

Die folgenden Philatelisten wurden als „Väter der Philatelie“ ausgezeichnet:

Weitere Informationen Name, Lebensdaten ...
NameLebensdatenLandKurzbeschreibungBild
James H. Abbott1851–1914Vereinigtes KönigreichPionier der Sammlung von Aufdrucken
William Beilby Avery1854–1908Vereinigtes KönigreichIndustrieller und bedeutender Universalsammler
François Georges Oscar Berger-Levrault1826–1903FrankreichAutor des ersten Briefmarkenkatalogs
Friedrich Breitfuss1851–1911RusslandSpezialist für Essays und Probedrucke
Mount Brown1837–1919Vereinigtes KönigreichPionier britischer Briefmarkenkataloge
Maitland Burnett1844–1918Vereinigtes Königreicherster Herausgeber von The Philatelic Record
Gustave Caillebotte1848–1894FrankreichMaler und Mitaufbauer der Sammlung Caillebotte
Martial Caillebotte1853–1910FrankreichMitaufbauer der Sammlung Caillebotte
Marcellus Purnell Castle1849–1917Vereinigtes KönigreichPräsident der Royal Philatelic Society London und Herausgeber von The London Philatelist
Daniel Cooper1821–1902Vereinigtes Königreicherster Präsident der späteren Royal Philatelic Society London
Henry J. Crocker1861–1912Vereinigte StaatenSammler klassischer Raritäten
J. A. Dunbar-Dunbar1849–1905Vereinigtes KönigreichSpezialist für australische Briefmarken
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BW
Henry J. Duveen1854–1919Niederlande/Vereinigtes KönigreichBesitzer bedeutender klassischer Spezialsammlungen
Alfred, Duke of Edinburgh1844–1900Vereinigtes Königreichköniglicher Förderer der Royal Philatelic Society London
Philipp von Ferrary1850–1917Österreichbedeutender Sammler
Douglas Garth1852–1900Vereinigtes KönigreichPionier regelmäßiger Londoner Briefmarkenauktionen
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John Edward Gray1800–1875Vereinigtes KönigreichZoologe und früher Autor von Briefmarkenkatalogen
Gilbert Harrison1858–1894Vereinigtes KönigreichSpezialist für Afghanistan, Portugiesisch-Indien und US-Ganzsachen
Leslie L. R. Hausburg1872–1917Vereinigtes KönigreichSpezialist für Feldbestimmung klassischer Briefmarkenausgaben
Andrew Houison1850–1912AustralienPosthistoriker und Autor zur australischen Postgeschichte
Henry King-Tenison1848–1896Vereinigtes KönigreichPräsident der späteren Royal Philatelic Society London
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Jacques Amable Legrand1820–1912FrankreichErfinder des Zähnungsschlüssels
Gerald FitzGerald, 5. Duke of Leinster1851–1897Vereinigtes KönigreichSammler und Stifter einer Museumssammlung
James Lindsay, 26. Earl of Crawford1847–1913Vereinigtes KönigreichBibliophiler und Sammler philatelistischer Literatur
Pierre Mahé1833–1913FrankreichHändler, Autor und Kurator der Sammlung Ferrary
David Parkes Masson1847–1915Vereinigtes KönigreichSpezialist für Afghanistan sowie Jammu und Kaschmir
Arthur Maury1844–1907FrankreichHändler, Katalogautor und Herausgeber von Le Collectionneur de timbres-poste
Paul Mirabaud1848–1908FrankreichSpezialist für klassische Schweizer Briefmarken
Jean-Baptiste Moens1833–1908BelgienBriefmarkenhändler, Katalogautor und Herausgeber von Le Timbre-Poste sowie Chronist der Mauritius Post Office
Edward J. Nankivell1848–1909Vereinigtes KönigreichTransvaal-Experte und Herausgeber von The Philatelic Record
Mariano Pardo de Figueroa1828–1918Spanienspanischer Philatelist, postalhistorischer Autor und Pionier der spanischen Postkarte
Edward Loines Pemberton1844–1878Vereinigtes KönigreichHändler und Autor
Frederick Philbrick1835–1910Vereinigtes KönigreichMitbegründer der Philatelic Society London
José Marcó del Pont1851–1917Argentinienargentinischer Philatelist, Fachautor und Spezialist für frühe Ausgaben Argentiniens
Arthur de Rothschild1851–1903BelgienSammler
Harold Row1840–1919Vereinigtes KönigreichSiam-Spezialist
Gordon Smith (Philatelist)1856–1905Vereinigtes KönigreichDirektor von Stanley Gibbons
Thomas Keay Tapling1855–1891Vereinigtes Königreichbedeutender Sammler
John Kerr Tiffany1842–1897Vereinigte Staatenerster Präsident der American Philatelic Society
John Alexander Tilleard1850–1913Vereinigtes KönigreichKurator der Royal Philatelic Collection
Charles William Viner1812–1906Vereinigtes Königreichfrüher Philatelist
William Amos Scarborough Westoby1815–1899Vereinigtes KönigreichJournalist
Hastings Elwin Wright1861–1897Vereinigtes KönigreichSammler britischer Marken
Nachträgliche Ergänzungen (Sockelbereich, 1951–2021)
Edward Robert Woodward1863–1931Vereinigtes Königreichnachträglich geehrt (Board of Election, 1951)
John Stanley Telfer1873–1938Vereinigtes Königreichnachträglich geehrt (1951)
Clarence W. Hennan1894–1956Vereinigte Staatennachträglich geehrt (1956)
A. Tort Nicolau1878–1950Spaniennachträglich geehrt (1956)
Alfred Moschkau1848–1912DeutschlandErgänzung zum 100-jährigen Jubiläum (2021)
Victor Suppantschitsch1838–1919ÖsterreichErgänzung zum 100-jährigen Jubiläum (2021)
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Auswahlverfahren

Neue Unterzeichner werden durch ein Wahlgremium (Board of Election) ausgewählt. Es besteht aus acht Unterzeichnern der Roll, von denen vier ihren Wohnsitz im Vereinigten Königreich haben müssen. Der Sekretär des Gremiums ist zugleich Keeper of the Roll. Das Gremium tritt jährlich zusammen, prüft die eingegangenen Nominierungen und entscheidet nach eigenem Ermessen, welche Personen zur Unterzeichnung eingeladen werden.[2]

Nominierungen müssen auf einem besonderen Formular beim Sekretär des Wahlgremiums eingereicht werden. Eine nominierte Person bleibt vier Jahre lang auf der Kandidatenliste und wird in diesem Zeitraum bei den jährlichen Sitzungen berücksichtigt. Danach erlischt die Nominierung; sie kann nach einer Wartezeit von mindestens einem Jahr für einen weiteren Zeitraum von vier Jahren erneuert werden.[2]

Vorschlagsberechtigt sind die Association of British Philatelic Societies, nationale philatelistische Verbände, die Mitglied der Fédération Internationale de Philatélie sind, die Royal Philatelic Society London, weitere Royal Philatelic Societies außerhalb des Vereinigten Königreichs, bestimmte britische Fachgesellschaften und regionale Föderationen sowie bisherige Unterzeichner der Roll. Mitglieder des Wahlgremiums selbst dürfen keine Nominierungen einreichen.[2]

Als Voraussetzung gilt, dass die nominierte Person Philatelist ist und sich durch herausragende Leistungen um die Philatelie verdient gemacht hat. Berücksichtigt werden insbesondere philatelistische Forschung und Veröffentlichungen, bedeutende Sammlungen, die durch Ausstellungen oder Vorführungen der Philatelie zugänglich gemacht wurden, Vorträge und andere Vermittlungsarbeit sowie organisatorische Leistungen bei Ausstellungen, Kongressen oder philatelistischen Gesellschaften.[2]

Die Zustimmung der nominierten Person ist erforderlich. Einsendeschluss für Nominierungen ist jeweils der 31. Dezember; später eingehende Vorschläge werden erst im Verfahren des folgenden Jahres berücksichtigt. Über die Beratungen des Wahlgremiums wird keine Korrespondenz geführt.[2]

Siehe auch

Literatur

  • A. R. Butler: The history of the Roll of Distinguished Philatelists. London: The British Philatelic Federation, 1990

Einzelnachweise

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