Roll of Distinguished Philatelists
internationale philatelistische Auszeichnung
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Die Roll of Distinguished Philatelists (RDP) ist eine internationale philatelistische Auszeichnung, die 1921 beim Philatelic Congress of Great Britain in Harrogate geschaffen wurde, um Personen zu ehren, die sich durch Forschung, Veröffentlichungen, Fachwissen oder organisatorisches Engagement in besonderer Weise um die Philatelie verdient gemacht haben.[1]

Die Roll besteht aus fünf Pergamentblättern, auf denen die Geehrten ihre Unterschrift leisten. Neue Unterzeichner werden nach Nominierung durch dafür berechtigte philatelistische Organisationen oder bisherige Unterzeichner von einem achtköpfigen Board of Election ausgewählt; eine Nominierung bleibt vier Jahre lang wirksam und wird in diesem Zeitraum jährlich geprüft.[2]
Bis einschließlich der für 2026 ausgewählten Unterzeichner verzeichnete die Roll 420 Unterzeichner aus 44 Ländern; Georg V., dessen Unterschrift an der Spitze der Roll steht, ist in dieser Zählung nicht enthalten. Die Roll enthält außerdem die Namen von 46 „Fathers of Philately“, also bedeutenden Philatelisten, die bei der Einführung der Roll bereits verstorben waren und andernfalls zur Unterzeichnung eingeladen worden wären.[1]
Für 2026 wurden Jon Aitchison, Andrew Cheung, Alexander T. Haimann und Ding Jinsong als neue Unterzeichner ausgewählt. Sie kamen zu 92 damals lebenden RDPs aus 31 Ländern hinzu.[1]
Geschichte
Die Initiative zur Schaffung der Roll ging auf Percy Cooke Bishop vom London Stamp Club zurück, der am 30. Oktober 1919 die Einführung eines „Philatelic Order of Merit“ vorschlug. Ziel war eine international ausgerichtete Auszeichnung zur Würdigung herausragender Leistungen in der Philatelie.[3]
In den folgenden Monaten wurde das Konzept konkret ausgearbeitet. Eine Jury wählte aus 91 Vorschlägen zunächst 25 Philatelisten aus, die 1920 als erste Ausgezeichnete bestätigt wurden.[3] Auf dem Philatelic Congress of Great Britain im Jahr 1920 in Newcastle upon Tyne wurde die weitere Entwicklung der Auszeichnung beraten; zugleich wurde der ursprünglich vorgesehene Name „Order of Philatelic Merit“ verworfen, da er als zu stark an staatliche Orden angelehnt angesehen wurde.[3]
Für die Einführung der „Roll of Distinguished Philatelists“ im Jahr 1921 wurden die meisten der zuvor ausgewählten Philatelisten übernommen; lediglich A. B. Creeke wurde dabei offenbar nicht berücksichtigt. Ergänzt wurde die Gruppe durch 15 weitere Persönlichkeiten, sodass insgesamt 39 Philatelisten zur Unterzeichnung eingeladen wurden.[3]
Die physische Einführung und erste Unterzeichnungszeremonie erfolgte 1921 auf dem Kongress in Harrogate. Zu diesem Anlass wurde das kunstvolle Pergament präsentiert, das bereits die Namen der 42 verstorbenen „Väter der Philatelie“ in den seitlichen Ornamenten enthielt. König Georg V. hatte das Dokument bereits vorab als erster Unterzeichner signiert und wurde an die Spitze der Roll gesetzt.[3] In Harrogate leisteten schließlich die eingeladenen Philatelisten ihre Unterschrift.
Seit 1922 erfolgt die Auswahl neuer Unterzeichner jährlich durch ein Wahlgremium (Board of Election), mit einer Unterbrechung während des Zweiten Weltkriegs (1940–1946). Die Aufnahme in die Roll gilt heute als eine der bedeutendsten Auszeichnungen der Philatelie.[3]
Gestaltung der ersten Seite

Die erste Seite des Original-Pergaments ist als repräsentatives, architektonisch gestaltetes Dokument konzipiert und verbindet dekorative Elemente mit der Funktion als Ehrenliste. Sie gliedert sich in drei klar unterscheidbare Bereiche:
Dekorative Seitenfelder („Fathers of Philately“)
In den beiden vertikalen Randfeldern („Säulen“) sind die Namen von ursprünglich 42 verstorbenen Philatelisten in ornamentalen Schriftbändern eingetragen. Diese sogenannten „Fathers of Philately“ wurden bewusst in das Design integriert, um die historischen Wegbereiter der Philatelie zu würdigen.[3] Sie stellen keine Unterzeichner dar, sondern fungieren als symbolische Ahnengalerie.
Die Bezeichnung „42 Fathers of Philately“ bezieht sich auf die Anzahl der Einträge im Design der Roll. Tatsächlich umfasst die Gruppe aufgrund der gemeinsamen Nennung der Brüder Gustave und Martial Caillebotte insgesamt 43 Personen.
Zentrales Unterschriftenfeld
Die Mitte der Seite ist für die handschriftlichen Signaturen der lebenden Unterzeichner vorgesehen. Bei der ersten Unterzeichnungszeremonie 1921 in Harrogate wurden die Namen von 39 eingeladenen Philatelisten eingetragen.[3] In den folgenden Jahren wurden hier die jährlich neu aufgenommenen Mitglieder ergänzt. Die Einträge erfolgen chronologisch nach den Austragungsorten des Philatelic Congress of Great Britain.
Mit den Eintragungen bis zum Kongress von 1935 war die Kapazität der ersten Seite ausgeschöpft, sodass ab 1936 weitere Pergamentseiten hinzugefügt wurden.
Unterer Bereich (nachträgliche Ergänzungen)
Im unteren Teil des Pergaments befinden sich zusätzliche dekorative Felder, die in späteren Jahren für nachträgliche Ehrungen genutzt wurden. Dort wurden in den 1950er Jahren vier weitere Philatelisten ergänzt (Edward R. Woodward, J. Stanley Telfer, Clarence W. Hennan und A. Tort Nicolau), die ursprünglich nicht berücksichtigt worden waren.
Durch spätere Ergänzungen – insbesondere im Jahr 2021 – wurde die Zahl der als „Fathers of Philately“ gewürdigten Personen weiter erhöht.
Die „Fathers of Philately“
Die folgenden Philatelisten wurden als „Väter der Philatelie“ ausgezeichnet:
| Name | Lebensdaten | Land | Kurzbeschreibung | Bild |
|---|---|---|---|---|
| James H. Abbott | 1851–1914 | Vereinigtes Königreich | Pionier der Sammlung von Aufdrucken | |
| William Beilby Avery | 1854–1908 | Vereinigtes Königreich | Industrieller und bedeutender Universalsammler | |
| François Georges Oscar Berger-Levrault | 1826–1903 | Frankreich | Autor des ersten Briefmarkenkatalogs | |
| Friedrich Breitfuss | 1851–1911 | Russland | Spezialist für Essays und Probedrucke | |
| Mount Brown | 1837–1919 | Vereinigtes Königreich | Pionier britischer Briefmarkenkataloge | |
| Maitland Burnett | 1844–1918 | Vereinigtes Königreich | erster Herausgeber von The Philatelic Record | |
| Gustave Caillebotte | 1848–1894 | Frankreich | Maler und Mitaufbauer der Sammlung Caillebotte | |
| Martial Caillebotte | 1853–1910 | Frankreich | Mitaufbauer der Sammlung Caillebotte | |
| Marcellus Purnell Castle | 1849–1917 | Vereinigtes Königreich | Präsident der Royal Philatelic Society London und Herausgeber von The London Philatelist | |
| Daniel Cooper | 1821–1902 | Vereinigtes Königreich | erster Präsident der späteren Royal Philatelic Society London | |
| Henry J. Crocker | 1861–1912 | Vereinigte Staaten | Sammler klassischer Raritäten | |
| J. A. Dunbar-Dunbar | 1849–1905 | Vereinigtes Königreich | Spezialist für australische Briefmarken | |
| Henry J. Duveen | 1854–1919 | Niederlande/Vereinigtes Königreich | Besitzer bedeutender klassischer Spezialsammlungen | |
| Alfred, Duke of Edinburgh | 1844–1900 | Vereinigtes Königreich | königlicher Förderer der Royal Philatelic Society London | |
| Philipp von Ferrary | 1850–1917 | Österreich | bedeutender Sammler | |
| Douglas Garth | 1852–1900 | Vereinigtes Königreich | Pionier regelmäßiger Londoner Briefmarkenauktionen | |
| John Edward Gray | 1800–1875 | Vereinigtes Königreich | Zoologe und früher Autor von Briefmarkenkatalogen | |
| Gilbert Harrison | 1858–1894 | Vereinigtes Königreich | Spezialist für Afghanistan, Portugiesisch-Indien und US-Ganzsachen | |
| Leslie L. R. Hausburg | 1872–1917 | Vereinigtes Königreich | Spezialist für Feldbestimmung klassischer Briefmarkenausgaben | |
| Andrew Houison | 1850–1912 | Australien | Posthistoriker und Autor zur australischen Postgeschichte | |
| Henry King-Tenison | 1848–1896 | Vereinigtes Königreich | Präsident der späteren Royal Philatelic Society London | |
| Jacques Amable Legrand | 1820–1912 | Frankreich | Erfinder des Zähnungsschlüssels | |
| Gerald FitzGerald, 5. Duke of Leinster | 1851–1897 | Vereinigtes Königreich | Sammler und Stifter einer Museumssammlung | |
| James Lindsay, 26. Earl of Crawford | 1847–1913 | Vereinigtes Königreich | Bibliophiler und Sammler philatelistischer Literatur | |
| Pierre Mahé | 1833–1913 | Frankreich | Händler, Autor und Kurator der Sammlung Ferrary | |
| David Parkes Masson | 1847–1915 | Vereinigtes Königreich | Spezialist für Afghanistan sowie Jammu und Kaschmir | |
| Arthur Maury | 1844–1907 | Frankreich | Händler, Katalogautor und Herausgeber von Le Collectionneur de timbres-poste | |
| Paul Mirabaud | 1848–1908 | Frankreich | Spezialist für klassische Schweizer Briefmarken | |
| Jean-Baptiste Moens | 1833–1908 | Belgien | Briefmarkenhändler, Katalogautor und Herausgeber von Le Timbre-Poste sowie Chronist der Mauritius Post Office | |
| Edward J. Nankivell | 1848–1909 | Vereinigtes Königreich | Transvaal-Experte und Herausgeber von The Philatelic Record | |
| Mariano Pardo de Figueroa | 1828–1918 | Spanien | spanischer Philatelist, postalhistorischer Autor und Pionier der spanischen Postkarte | |
| Edward Loines Pemberton | 1844–1878 | Vereinigtes Königreich | Händler und Autor | |
| Frederick Philbrick | 1835–1910 | Vereinigtes Königreich | Mitbegründer der Philatelic Society London | |
| José Marcó del Pont | 1851–1917 | Argentinien | argentinischer Philatelist, Fachautor und Spezialist für frühe Ausgaben Argentiniens | |
| Arthur de Rothschild | 1851–1903 | Belgien | Sammler | |
| Harold Row | 1840–1919 | Vereinigtes Königreich | Siam-Spezialist | |
| Gordon Smith (Philatelist) | 1856–1905 | Vereinigtes Königreich | Direktor von Stanley Gibbons | |
| Thomas Keay Tapling | 1855–1891 | Vereinigtes Königreich | bedeutender Sammler | |
| John Kerr Tiffany | 1842–1897 | Vereinigte Staaten | erster Präsident der American Philatelic Society | |
| John Alexander Tilleard | 1850–1913 | Vereinigtes Königreich | Kurator der Royal Philatelic Collection | |
| Charles William Viner | 1812–1906 | Vereinigtes Königreich | früher Philatelist | |
| William Amos Scarborough Westoby | 1815–1899 | Vereinigtes Königreich | Journalist | |
| Hastings Elwin Wright | 1861–1897 | Vereinigtes Königreich | Sammler britischer Marken | |
| Nachträgliche Ergänzungen (Sockelbereich, 1951–2021) | ||||
| Edward Robert Woodward | 1863–1931 | Vereinigtes Königreich | nachträglich geehrt (Board of Election, 1951) | |
| John Stanley Telfer | 1873–1938 | Vereinigtes Königreich | nachträglich geehrt (1951) | |
| Clarence W. Hennan | 1894–1956 | Vereinigte Staaten | nachträglich geehrt (1956) | |
| A. Tort Nicolau | 1878–1950 | Spanien | nachträglich geehrt (1956) | |
| Alfred Moschkau | 1848–1912 | Deutschland | Ergänzung zum 100-jährigen Jubiläum (2021) | |
| Victor Suppantschitsch | 1838–1919 | Österreich | Ergänzung zum 100-jährigen Jubiläum (2021) | |
Auswahlverfahren
Neue Unterzeichner werden durch ein Wahlgremium (Board of Election) ausgewählt. Es besteht aus acht Unterzeichnern der Roll, von denen vier ihren Wohnsitz im Vereinigten Königreich haben müssen. Der Sekretär des Gremiums ist zugleich Keeper of the Roll. Das Gremium tritt jährlich zusammen, prüft die eingegangenen Nominierungen und entscheidet nach eigenem Ermessen, welche Personen zur Unterzeichnung eingeladen werden.[2]
Nominierungen müssen auf einem besonderen Formular beim Sekretär des Wahlgremiums eingereicht werden. Eine nominierte Person bleibt vier Jahre lang auf der Kandidatenliste und wird in diesem Zeitraum bei den jährlichen Sitzungen berücksichtigt. Danach erlischt die Nominierung; sie kann nach einer Wartezeit von mindestens einem Jahr für einen weiteren Zeitraum von vier Jahren erneuert werden.[2]
Vorschlagsberechtigt sind die Association of British Philatelic Societies, nationale philatelistische Verbände, die Mitglied der Fédération Internationale de Philatélie sind, die Royal Philatelic Society London, weitere Royal Philatelic Societies außerhalb des Vereinigten Königreichs, bestimmte britische Fachgesellschaften und regionale Föderationen sowie bisherige Unterzeichner der Roll. Mitglieder des Wahlgremiums selbst dürfen keine Nominierungen einreichen.[2]
Als Voraussetzung gilt, dass die nominierte Person Philatelist ist und sich durch herausragende Leistungen um die Philatelie verdient gemacht hat. Berücksichtigt werden insbesondere philatelistische Forschung und Veröffentlichungen, bedeutende Sammlungen, die durch Ausstellungen oder Vorführungen der Philatelie zugänglich gemacht wurden, Vorträge und andere Vermittlungsarbeit sowie organisatorische Leistungen bei Ausstellungen, Kongressen oder philatelistischen Gesellschaften.[2]
Die Zustimmung der nominierten Person ist erforderlich. Einsendeschluss für Nominierungen ist jeweils der 31. Dezember; später eingehende Vorschläge werden erst im Verfahren des folgenden Jahres berücksichtigt. Über die Beratungen des Wahlgremiums wird keine Korrespondenz geführt.[2]
Siehe auch
Literatur
- A. R. Butler: The history of the Roll of Distinguished Philatelists. London: The British Philatelic Federation, 1990