Mauritiuskirche (Oppelsbohm)
Kirchengebäude in der Gemeinde Berglen, Rems-Murr-Kreis, Baden-Württemberg
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Die evangelische Mauritiuskirche steht in Oppelsbohm, einem Gemeindeteil von Berglen im Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg. Die Kirchengemeinde Berglen gehört zum Kirchenbezirk Waiblingen in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen.
Patrozinium
Die Kirche ist benannt nach dem Heiligen Mauritius, dem Anführer der Thebaischen Legion. Mauritius soll im 3. Jahrhundert den Märtyrertod erlitten haben.
Beschreibung
Oppelsbohm gehörte kirchlich ursprünglich zu Buoch. Bereits 1440 wurde in Oppelsbohm mit dem Bau einer eigenen Kirche begonnen, die (unfertig?) Mitte des 15. Jahrhunderts zur Pfarrkirche erhoben wurde und dem Konstanzer Domkapitel gehörte. Ab 1525 wurde die inzwischen fertige und geweihte Kirche St. Mauritiuskirche genannt; sie blieb auch nach der Reformation zunächst noch im Besitz des Domkapitels. Die Saalkirche war als Westturm-Anlage mit breitem Rechteckschiff und eingezogenem, dreiseitig schließenden und von Strebepfeilern gestütztem Chor sowie einem spätgotischen Fassadenturm aus Quadermauerwerk auf quadratischem Grundriss im Westen erbaut worden. Der Innenraum des Chors ist mit einem Netzgewölbe überspannt.
Der Turm wurde 1779 mit einem achteckigen Geschoss aus Holzfachwerk für die Turmuhr und den Glockenstuhl aufgestockt und mit einem spitzen Helm bedeckt.
Architekt Carl Beisbarth sen. besorgte 1870 bei Ausführung durch Oberamtsbaumeister Waelde eine grundlegende Renovierung („Purifikation“) mit Neuanschaffung aller Ausstattungsgegenstände, der Verlegung der Emporenaufgänge nach innen und dem Ersatz der Gipsdecke von 1852 durch eine Holztonne, die den höher gesprengten Chorbogen nicht überschnitt. Architekt Ulrich Straub (Buoch) leitete 1948 und 1959 eine Innen- und Außenerneuerung. Unter Architekt Gerhard Fetzer (1925–1993; Grunbach) wurden 1966/67 die Seitenemporen entfernt, eine tiefere Westempore errichtet, neue Prinzipalien (beispielsweise Ambo statt Kanzel) auf neuer Position und ein neues Gestühl eingebaut.
Ausstattung
Glasgemälde
Einer Stiftung des früheren Gemeindepfarrers und (ab 1965) Reutlinger Prälaten Helmut Pfeiffer (1909–2002) 1954 verdankt sich die Farbverglasung der Chorfenster durch Adolf Valentin Saile mit (in der Chorachse) den Bildthemen der Passion Jesu und der Auferstehung Christi. Die Teil-Farbverglasung der beiden Fenster links und rechts mit einem Weihnachtsfenster und einem Pfingstfenster wurde 1967 von demselben Glaskünstler komplettiert.[1][2]
Orgel
1893 errichtete die Orgelbaufirma Link eine Orgel in der Mauritiuskirche.[3]
Glocken
Die Mauritiuskirche besitzt vier Kirchenglocken. Die älteste Glocke stammt aus dem Jahr 1652 und wiegt 760 kg. Die größte Glocke, die Christusglocke, wurde 1988 gegossen. Die Taufglocke stammt aus dem Jahr 1955.[4] Die von Carl Friedrich Blüher in Stuttgart gegossene Glocke von 1779 trägt folgende Inschrift: GOTT VND SEINEM DIENST GEWIDMET VON DEM SAMTL: OPPELSPONER KIRCHSPIEL 1779 / HERR IOHANN PHILLIP DANIEL OBERAMTMANN / HERR M(AGISTER) IVST(INUS) KLETT PFARRER / WIR GLOCKEN LOKEN EVCH CHRISTEN ZVR KIRCHE HEREIN / HIER WEISER VND FRÖMMER DORT SEELIG ZV SEYN / FOLGT VNSEREM RVFF / ZU DEM DER EVCH ERLÖSST NOCH HEILIGET VND SCHVF / SCHVLTHEISSEN: ERHARD HILDENBRAND ZV OPP(ELSPON) / J. G. KVNZI ZV OESCH(ELBRONN) I. G. SCHÄFER ZV EDERN(HARDT) / I. MATTERN ZV RETTERSP(URG) C. SCHVLTHEIS ZV ASP(ERGLEN) I. MOLL ZV LIND(ENTHAL) / ANWALDE I. AVPPERLE ZV STR(EICH) V. ABELE ZV NE(C)K(LINSBERG) / I. G. HINDERER ZV B(IRKEN)W(EI)S(BUCH) I. FRANKE ZV HWSB / P. BEVTTEL ZV BVHLBRONN I.G. NACHTRIEB ZV BR(ET)Z(ENACKER) / I. SCHNEIDER ZV KREH(WINKEL) G. LACHENMAYER ZV V.SB / GEGOSSEN VON C. F. BLVHER IN STVTTGARD.[5]
| Glocke | Name | Glockengießer | Gussort | Gussjahr | Schlagton | Gewicht | Durchmesser | Höhe | Inschrift |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| I. | Johannes Denorge | unbekannt | 1652 | e' | 760 kg | 111,5 cm | 90 cm | ZUM GOTTES DIENST MIT HELLEM SCHALL RVFF ICH DER GEMEIND VON BERG VND THAL AUF MEINEN CLANG ZUR KIRCH BEREIT KOMBT WER BEGEHRT DER SELIGKEIT ANNO 1652 / FVSA ANNO 1652 / CVRANTIBUS M(AGISTER) MICHAELE SPEIDELIO / PASTORE IOHANNE(S) GOCKENBACH PRAETORE | |
| II. | Heinrich Kurtz | Stuttgart | 1955 | g' | ? | 99,3 cm | ? | ? | |
| III. | Carl Friedrich Blüher | Stuttgart | 1779 | gis' | ? | 89 cm | 70 cm | siehe oben | |
| IV. | Taufglocke | Heinrich Kurtz | Stuttgart | 1955 | a' | ? | 88,4 cm | ? | ? |
Literatur
- Otto Mörike: Festnummer zur Erinnerung an den 16. Dezember 1928, den Tag der Einweihung des Ge-meindehauses und des 400jährigen Jubiläums der Kirche in Oppelsbohm. Oppelsbohm, 1929
- Adolf Schahl: Die Kunstdenkmäler des Rems-Murr-Kreises. Band 1. Deutscher Kunstverlag, München und Berlin 1983, ISBN 3-422-00560-9, S. 285–291.
- Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Baden-Württemberg I, Regierungsbezirke Stuttgart und Karlsruhe. Deutscher Kunstverlag, München 1993, S. 613.