Das Minsk

Kunstmuseum und Café, ehemaliges belarussisches Nationalitätenrestaurant in Potsdam From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Minsk Kunsthaus in Potsdam ist ein Museum für zeitgenössische Kunst in Potsdam. Das Gebäude der früheren Gaststätte Minsk auf dem Potsdamer Brauhausberg war durch den Industriellen und Kunstmäzen Hasso Plattner und seine gemeinnützige Stiftung saniert und für den Museumsbetrieb umgebaut worden.[1]

Schnelle Fakten Daten ...
Das Minsk

Kunsthaus Das Minsk in Potsdam, 2023
Daten
Ort Potsdam, Deutschland Deutschland
Max-Planck-Straße 17 Welt-Icon
Art
Architekt Karl-Heinz Birkholz
Eröffnung 24.09.2022 (nach Umbau)
Betreiber
Museen der Hasso Plattner Foundation gGmbH
Leitung
Anna Schneider
Website
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Am 24. September 2022 wurde das Museum zeitgleich mit den Ausstellungen Wolfgang Mattheuer: Der Nachbar, der will fliegen und Stan Douglas: Potsdamer Schrebergärten – erstmals für die Öffentlichkeit geöffnet.[2]

Geschichte

Bauensemble auf dem Brauhausberg

Im Jahr 1962 wurde die Bebauung des Nordhangs des Brauhausbergs geplant. Mit dem Brauhausberg Ensemble sollte eine Schwimmhalle und eine Gaststätte entstehen, die über eine Terrassenanlage mit Brunnen verbunden werden sollten. Die Pläne konnten aber erst mit mehrjähriger Verzögerung umgesetzt werden. Gründe dafür waren die Enttrümmerung des Gebiets und finanzielle Engpässe im Volkswirtschaftsplan der Stadt Potsdam sowie Schwierigkeiten bei der Materialbeschaffung. So soll laut dem Architekten Karl-Heinz Birkholz der für den Bau vorgesehene Stahl für die Fertigstellung des Palasts der Republik in Ost-Berlin genutzt worden sein.[3] Birkholz hatte das schließlich von 1971 bis 1977 errichtete Gebäude im Stil der „Ostmoderne“ entworfen, es gilt als wichtiges Zeugnis der DDR-Architektur.[4] Architekt des Bauwerks war neben Birkholz auch Wolfgang Müller.[5]

Gaststätte Minsk

Gebäude der ehemaligen Gaststätte Minsk, Westansicht (2010)

Das Gebäude wurde ab 1977 als folkloristisches Nationalitätenrestaurant der belarussischen Küche unter dem Namen Minsk betrieben. Dieser ging auf eine Partnerschaft zwischen dem Bezirk Potsdam und dem sowjetischen Rajon Minsk der damaligen Zeit zurück. In dessen Hauptstadt Minsk wurde im Gegenzug ein Restaurant Potsdam eröffnet.[6][7] An der Raumausstattung und der künstlerischen Gestaltung des Restaurants Minsk waren auch Experten aus Minsk beteiligt. Das Restaurant war mit Lampen aus Kupfer und Schnitzereien aus wertvoller belarussischer Mooreiche geschmückt, während der Eingangsbereich mit Garderobe im Erdgeschoss mit geflammtem Marmor verziert war.[8] Die Gaststätte hatte 190 Innen- und 120 Terrassenplätze und war vor allem in den 1980er-Jahren ein beliebter Ausflugstreffpunkt.[5]

Als die Gaststätte in der Wendezeit schloss, wurden die Stadtwerke Potsdam Eigentümerin des Grundstücks samt Restaurant, das als Café Minsk weiterbetrieben wurde, bis es im Jahre 2000 endgültig schloss. In der Folgezeit wurde das Gebäude dann nicht weiter genutzt und verfiel zunehmend.[5] Die Stadtwerke hatten verschiedene Einrichtungsgegenstände des Restaurants gesichert, die sich seit 2023 als Schenkung im Besitz des Potsdam Museums befinden. Unter den 256 Objekten sind eine originale Tischlampe, „die Außenschilder aus Mooreiche, zahlreiche Teile der kunsthandwerklichen Inneneinrichtung wie die Wandverkleidungen mit der Silhouette von Minsk, Dekorelemente, Beleuchtungskörper, Wandleuchten, Tischlampen sowie vereinzelte keramische Gefäße zur Bewirtung der Gäste“.[9]

Kunsthaus Minsk

Mitte der 2010er-Jahre entging das Gebäude knapp seinem Abriss,[5] der erst endgültig abgewendet wurde, als es ab 2019 durch Hasso Plattner und seine gemeinnützige Stiftung saniert wurde und im September 2022 seine neue Nutzung als Museum erhielt.[10]

In Erinnerung an das Café wurden die breite Wendeltreppe und der abgerundete Bartresen nach der zweijährigen Sanierung am Originalort behalten, aber neu gestaltet. Für die Realisierung der Innengestaltung des Foyers und der Bar war das italienische Architekturbüro Linearama gemeinsam mit den HB-Werkstätten für Keramik im brandenburgischen Marwitz verantwortlich, die die Fliesen lieferten.[3] Einzig das Dach und die Säulen verblieben als Originalgebäudeteile. An Stelle der Serviceräume und Küche des ehemaligen Restaurants entstanden zwei offene Säulenhallen mit insgesamt 450 Quadratmetern Ausstellungsfläche.[11] Die Innenräume präsentieren sich nun „weiß, modern und verspiegelt“.[4] Ein filigranes Glasmosaikband, das einst die Außenwand des Gebäudes schmückte und an belarussische Folklorestickerei erinnerte, wurde entfernt.[8]

Museumsausrichtung

Das Museum mit seiner Ausrichtung auf zeitgenössische Kunst hat seinen Ausstellungsschwerpunkt bei Werken der DDR-Kunst und Künstlern der Gegenwart,[12] die Teil der Sammlung Hasso Plattner sind.[13] Die Gründungsdirektorin, Kunsthistorikerin Paola Malavassi, die zuvor den Berliner Ableger der Julia Stoschek Collection leitete[14], stellte DDR-Kunst in einen internationalen Kontext. Sie hat das Haus Ende 2024 verlassen. Ihre Nachfolgerin Anna Schneider (seit 2012 Kuratorin am Haus der Kunst, München) hat ihre Stelle im April 2025 angetreten.[15] Das Museum verfügt über zwei größere Ausstellungsräume sowie ein kleines Kabinett für direkte Bildvergleiche. Im oberen Geschoss befindet sich ein Café mit Panoramafenstern, das auch ohne Museumseintritt besucht werden kann.[8]

In der Sammlung befinden sich verschiedene Werke unter anderem von Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer, wie Maskenmann / Gesichtzeigen (1981),[16] Liegendes Liebespaar (1970)[17] und Fuß (Jahrhundertschritt) (1987). Im Treppenaufgang im Außengelände ist das aus farbigen Keramikfliesen bestehende Mosaik Cagy Being (Käfigwesen) 3 (1989/2022) von Ruth Wolf-Rehfeldt angebracht.[18] Im Auftrag der Hasso Plattner Foundation und in Kooperation mit dem Minsk Kunsthaus sowie den Stadtwerken Potsdam schuf der Künstler Robin Rhode 2025 das großformatige Wandbild Der Botanische Garten an der der Museum gegenüberliegenden Südfassade des „blu Sport- und Freizeitbades“.[19]

Ausstellungen (Auswahl)

Neben den Dauerausstellungen werden auch Wechsel-Ausstellungen kuratiert.

Filme

  • Museum Barberini und Das Minsk, Potsdam (= Museums-Check. Folge 78). Reportage, 30 Min., Moderation: Markus Brock, Produktion: 3sat. Erstausstrahlung: 18. Dezember 2022.[27]

Literatur

  • Architekturführer DDR – Bezirk Potsdam. Verlag für Bauwesen, 1981, S. 59.
Commons: Das Minsk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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