Netzeband liegt ca. 15 Kilometer nordwestlich von Neuruppin in der Temnitzregion im Landkreis Ostprignitz-Ruppin (OPR) in Brandenburg. Die Gemarkung ist charakterisiert durch Wälder und landwirtschaftliche Flächen.
Zu Netzeband gehörten das Vorwerk Drüsedow und die Försterei Dovensee, beide Orte existieren seit etwas über 50 Jahren nicht mehr. An der Straße Wittstock-Neuruppin liegt der Sandkrug, eine ehemalige Gaststätte.
Der Ort befindet sich etwa 70 Kilometer von Berlin entfernt. Der Bahnhof Netzeband ist Teil der Eisenbahnverbindung zwischen Wittenberge und Berlin-Charlottenburg (RE 6).
Geschichte
Das Dorf wurde erstmals am 2. Mai 1232 urkundlich als Nyzzebant erwähnt, als die Ritter von Plotho dem Kloster Arendsee 42 Hufen Land in Nyzzebant schenkten. Um 1360 beschwerte sich der Ritter Hennig von Bere bei seinem Lehnsherrn Herzog Albrecht II von Mecklenburg, dass ihm die Grafen von Lindow-Ruppin und ihre Gefolgsleute von Rohr zu Netzeband Haus und Hof abgenommen, seinen Sohn erschossen, Kirche und Kirchhof verwüstet, die Glocken gestohlen, Bäume abgehauen, Korn abgemäht und fortgefahren, Hausrat und Vorräte der Bauern gestohlen, den Teich leergefischt und abgelassen und am Ende schließlich das Dorf abgebrannt hätten, so dass drei Jahre lang keine Pacht einzutreiben war. Auch seien die Bauern gefangen genommen und nur gegen 30 Pfund Brandenburgisch wieder freigelassen wurden. Auch in anderen Dörfern der Gegend kam es zu solchen Gewalttaten, darunter in Drusedow und Gruneberg, deren Feldmarken später zu Netzeband gehörten bzw. noch gehören.
Im Jahre 1418 wurden Otto und Meineke von Rohr, dieses Mal vom Mecklenburger Herzog mit Netzeband belehnt. So blieb Netzeband bei Mecklenburg, während die meisten umliegenden Dörfer erst an die Herrschaft Ruppin und dann an die Mark Brandenburg fielen. Seit 1701 gehörte es zu Mecklenburg-Schwerin und war zeitweise die südlichste mecklenburgische Gemeinde. 1878 wurde die Entfernung zum mecklenburgischen Hauptlande mit drei Meilen angegeben.[2] Bei mehreren internationalen Abkommen zwischen 1826 und 1865, etwa beim Zollparlament, erfuhr Netzeband als Enklave eine besondere Erwähnung.[3] Zuletzt war Netzeband ein Teil des Ritterschaftlichen Amtes Wredenhagen,[4] respektive des Amtes Waren. Bis 1937 war der Ort daher zusammen mit Schönberg eine Enklave innerhalb der preußischen Provinz Brandenburg.[5]
1620 fiel Netzeband an den Landesherrn zurück und wurde von diesem an Holstein verpfändet. Nach Konkurs erwarb es Friedrich von Barnewitz. Im Ort hatte sich ein Gutssitz entwickelt, zunächst in wechselnder Hand der Adelsfamilien von Owstien und von Haack.[7] Familie von Barnewitz besaß mehrere Güter, Netzeband war ein Nebengut.[8] 1741 stab der letzte männliche Nachkomme, und das Lehen fiel wieder anheim. Die Hochzeit der Dorothea Albertine Ernestine von Barnewitz-Netzeband mit Georg Gustav von Wrangel, Freiherr von Addinal (1728–1795) ermöglichte ihr die Führung langwieriger Prozesse, bis das Gut 1761 ihrem Gatten zugesprochen wurde. Er wiederum veräußerte Netzeband am 25. Juni 1770 für 97.000 Reichsthaler Alt-Geld an die Familie von Königsmarck. Überliefert ist, dass der Veräußerer darauf bestand, das Gros des Betrages in baar bei der Uebergabe zu bekommen.[9] Gut Netzeband gehörte dann als Teil eines größeren Gesamtgutskomplexes, welches bald zum Familienfideikommiss bestimmt wurde,[10] dem Erwerber, dem Generalmajor und Pour-le-Mérite-Träger Hans Christoph von Königsmarck-Kötzlin. 1817 wurde dieser in den Grafenstand erhoben, als Majoratsherrauf Netzeband.[11] Die Grafen hielten sich seither immer nur vorübergehend in Netzeband auf und wohnten dann im Schloss.
Der nächste Netzebander Gutsherr Hans Ferdinand Valentin Graf Königsmarck war durch seinen brandenburgischen Besitz Erblandhofmeister dieser Provinz.[12][13][14] Der weitere Nachfahre Carl Graf Königsmarck (1839–1910) führte die Titulatur eines Schloßhauptmanns und war in erster Ehe mit einer Gräfin Sayn-Wittgenstein-Sayn liiert, dann mit Paula von Geißler. Das Gut Netzeband war zumeist verpachtet, über Generationen an die Familie Bünger, wo so Ferdinand Bünger zum Ökonomierat aufstieg.[15] Um 1928 betrug die Größe des Gutes Netzeband etwa 2290 ha.[16][17] Als Gutsherr folgte Hans Graf Königsmarck-Plaue (1865–1943). Dieser wiederum vererbte den Besitz an Hans Guido Graf Königsmarck (1902–1979), dessen Hauptwohnsitz Schloss Plaue bei der Stadt Brandenburg und teils Gut Netzeband war.[18] Mit ihm endete die Gutshistorie. Es folgte 1945/46 die Bodenreform.
Nachdem die Bauern über Jahrhunderte den Gutsherren hörig waren, wurden diese in der Mitte des 19. Jahrhunderts verpflichtet, „freiwillig“ in jedem Jahr in der Ernte bestimmte Tage auf dem Gut zu arbeiten. Damit waren sie schlechter gestellt als die Bauern in den preußischen Nachbarorten. Erst nach dem Ersten Weltkrieg ließ der Gutsherr gegen eine Abfindungssumme die Hofdienste fallen.[19] Ihm verblieb aber immer noch das Vorkaufsrecht im Falle des Verkaufs eines Bauernhofes.
Kirchlich war Netzeband meist ein Filial der Kirche von Rossow, der anderen mecklenburgischen Exklave in der Gegend, 1541, zu Anfang des 17. Jahrhunderts und seit etwa 1900 war sie eine Tochterkirche von Katerbow. Heute gehört Netzeband zur Region Temnitzquell der Gesamtkirchengemeinde Temnitz im Kirchenkreis Wittstock-Ruppin.[20]
Die dendrologischen Aktivitäten der Königsmarck zu Netzeband finden auch bei Theodor Fontane in den späteren Anmerkungen des Bandes Ruppin Erwähnung.[21]
Nach der deutschen Wiedervereinigung waren Teile von Netzeband in den 1990er Jahren von Verfall bedroht. Durch die Initiative eines Investors erlebte der Ort eine Revitalisierung.[22] Im Jahr 1997 wurde der Ort durch Zusammenschluss mit den Gemeinden Katerbow und Rägelin zu einem Ortsteil der Gemeinde Temnitzquell. Ortsvorsteherin ist Stefanie Freckmann (Stand 2024).[23]
Der Gutspark wurde 1996 zu einer Freilichtbühne umgestaltet. Das Kulturprogramm von Netzeband umfasst ganzjährig Konzerte, Lesungen, Performances, Filmvorführungen, Tanzveranstaltungen und Ausstellungen.[24] Das jährliche Festival "Netzebander Theatersommer" ist das Aushängeschild des Ortes und zieht etwa 5000 Zuschauer an. Dabei führen Laien-Darsteller mit überdimensionalen Masken und professionellen Tonspuren Stücke von Shakespeare bis Brecht auf. Besonders hervorzuheben ist das Synchrontheater, eine Theaterform, die übergroße Masken mit voraufgezeichneten Tonspuren kombiniert.[25] Es gibt auch Aufführungen für Kinder.
Temnitzkirche Netzeband
Die Temnitzkirche Netzeband, 1834 im klassizistischen Stil erbaut, nachdem die Vorgängerkirche wegen Baufälligkeit abgerissen worden war, gehörte zum Besitz der von Königsmarck und fiel folglich 1945 unter die Bodenreform. Neuer Eigentümer wurde die politische, nicht die Kirchgemeinde.[26] Das Kirchengebäude wurde 1994 umfassend restauriert. Heute dient das es als multifunktionales Kulturzentrum. Vor dem Gebäude steht die Stahlskulptur „Parzival I“ des Künstlers Matthias Zágon Hohl-Stein von 1994.
Burgwälle bei Netzeband
Angeblicher Burgwall Netzeband als Geländemodell von Rouven Meidlinger, 2021
Südlich von Netzeband werden in der Literatur zwei Burgwälle genannt, der sogenannte Alte und der Neue Hünenwall. Der alte liegt etwa ein Kilometer südlich des Dorfes, 150 Meter von der Temnitz und 250 Meter vom Damm der Eisenbahn entfernt. Er ist nahezu vollständig verschwunden. Aus der Größe eines Ackerstückes, welches etwas höher als die Niederung liegt, wird auf einen viereckigen Wall von 42 mal 36 Metern geschlossen. Um die Anlage zog sich ein bis zu 20 Metern breiter Vorwall. Ein kleiner davon abzweigender Wall von fünf Metern Breite und 90 Metern Länge führt auf die Temnitz zu, so dass hier ein früherer Übergang vermutet wird. Daneben liegt eine alte Dorfstelle.
Der neue Hünenwall liegt etwa 500 Meter westlich. „Im Acker treten ganz deutlich klar zwei bedeutende konzentrische Ringwälle, drei beträchtliche, sie begleitende Gräben und der stark erhabene Innenraum hervor.“ Die Gesamtanlage hatte „einen Durchmesser von 200 Meter, der Innenraum einen solchen von 100 Metern.“[27] Es wurden Feuersteinsplitter und Tongefäßscherben gefunden, welche nicht der slawischen Zeit zuzurechnen sind. Herrmann geht hier allerdings von einer Fehlinterpretation des natürlichen Reliefs aus.[28]
Bei einem weiteren gelegentlich fälschlich so bezeichneter Burgwall Netzeband handelt es sich um den slawischen Burgwall Bertikow, der sich etwa drei Kilometer südwestlich des Ortes in einer ausgedehnten Niederung auf der Gemarkung von Walsleben befindet.[29]
Friedrich Schlie: Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin. V. Band: Die Amtsgerichtsbezirke Teterow, Malchin, Stavenhagen, Penzlin, Waren, Malchow und Röbel. Hrsg. Grossherzogliches Ministerium des Innern, Komm. K. F. Köhler Leipzig, Bärensprung, Schwerin 1902, S. 593 f. Das Gut und Filial-Kirchdorf Netzeband.
Heinrich Johann Ludwig Taetow: Die Mecklenburgisch-Schwerinschen Dörfer in der Prignitz; Prignitzer Volksbücher Heft Nr. 70, Verlag von Adolf Tienken Pritzwalk o.J.
Hermann Adalbert Daniel, Otto Delitsch, Theobald Fischer: Handbuch der Geographie. Vierter Theil. Deutschland. Politische Geographie. 5. Auflage, Fues’s Verlag (R. Reisland), Leipzig 1878, S. 596.
Georg Hirth (Hrsg.): Staatshandbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Statistik des Norddeutschen Bundes und des Deutschen Zollvereins . I. Band – Jahrgang 1868 der Annalen des Nordd. Bundes und des Deutschen Zollvereins, Commissions-Verlag von Stilke und van Muyden, Berlin 1868, S. 232 f. Online
Adolf Freiherr v. Maltzahn: Handbuch des Grundbesitzes im Deutsche Reiche. Mecklenburg-Schwerin und - Strelitz, OLdenburgischer Landesteil, Lübeck, Hansestädte Bremen, Lübeck, Hamburg. 4. Auflage, Nicolaische Verlags-Buchhandlung, Berlin 1924, S. 232 f. Online
Henry v. Baensch:Geschichte der Familie von Wrangel vom Jahre Zwölfhundertfünfzig bis auf die Gegenwart. Nach Urkunden und Tagebüchern bearbeitet. Band1, Dritte Abtheilung. Tabelle VII. Die Herren, Freiherren und Grafen von Wrangel. Wilhelm Baensch, Berlin, Dresden 1887, S.336–338 (Online).
Ernst Heinrich Kneschke (Hrsg.):Deutsche Grafen-Haeuser der Gegenwart. In heraldischer, historischer und genealogischer Beziehung. 1. A – K, Grafen v. Königsmarck, Netzeband Majorat. T. O. Weigel, Leipzig 1852, S.467–468 (Online).
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Ernst Seyfert, Hans Wehner:Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher, Band IV, Mecklenburg. Amt Waren. In: Paul Niekammer (Hrsg.): Letzte Ausgabe. 4. Auflage. BandIV. Niekammer’s Güter-Adreßbuch GmbH, Leipzig 1928, S.205–210 (Online).
Anmerkung 86, Besuch des A. Gentz bei Graf Königsmarck in Plaue, Online, In: Theodor Fontane: Sämtliche Werke. Bd. 1–25, Band 9, München 1959–1975, S. 490–502. Hrsg. Zeno.org.
Wilhelm Bartelt, Karl Waase:Die Burgwälle des Ruppiner Kreises. Ein Beitrag zur Heimatkunde. Carl Kabitzsch (A. Stubers Verlag), Würzburg 1910, S.23–25.
Joachim Herrmann:Die vor- und frühgeschichtlichen Burgwälle Groß-Berlins und des Bezirkes Potsdam. In: Handbuch Vor- und frühgeschichtlicher Wall- und Wehranlagen. Teil 2. Akademie-Verlag, Berlin (Ost) 1960.