Walsleben (Brandenburg)
Gemeinde im Landkreis Ostprignitz-Ruppin
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Walsleben ist eine Gemeinde im Landkreis Ostprignitz-Ruppin in Brandenburg. Sie ist Mitglied und Verwaltungssitz des Amtes Temnitz.
| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
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| Basisdaten | ||
| Koordinaten: | 52° 56′ N, 12° 40′ O | |
| Bundesland: | Brandenburg | |
| Landkreis: | Ostprignitz-Ruppin | |
| Amt: | Temnitz | |
| Höhe: | 44 m ü. NHN | |
| Fläche: | 31,91 km² | |
| Einwohner: | 795 (31. Dez. 2024)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 25 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 16818 | |
| Vorwahl: | 033920 | |
| Kfz-Kennzeichen: | OPR, KY, NP, WK | |
| Gemeindeschlüssel: | 12 0 68 452 | |
| Adresse der Amtsverwaltung: | Bergstraße 2 16818 Walsleben | |
| Website: | www.amt-temnitz.de | |
| Bürgermeister (ehrenamtlich): | Matthias Kupper (Unabhängige Wählergruppe Walsleben) | |
| Lage der Gemeinde Walsleben im Landkreis Ostprignitz-Ruppin | ||
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Geografie
Walsleben liegt auf der Ruppiner Platte, zentral im Landkreis Ostprignitz-Ruppin, etwa zehn Kilometer westlich der Kreisstadt Neuruppin. Die Waldbereiche im Norden der Gemarkung zählen bereits zur Wittstock-Ruppiner Heide. Mitten durch die Gemeinde fließt, teilweise in einem Tal, die Temnitz.
Nachbargemeinden sind Temnitzquell (Ortsteile Netzeband und Katerbow) im Norden, Märkisch Linden (Ortsteile Darritz-Wahlendorf und Werder im Osten sowie Gottberg im Südosten) und Wusterhausen/Dosse (Ortsteile Kantow und Blankenberg) im Südwesten und Westen.
Gemeindegliederung
Orts- und Gutsgeschichte
Um 1490 war Walsleben ein Teil der im Kern reichsunmittelbaren Herrschaft Ruppin unter der Landesherrschaft der Grafen von Lindow-Ruppin. Nachfolgend bildete sich ein Herrensitz heraus, welcher u. a. der bekannten Familie von Klitzing gehörte. Mit dem Kaufvertrag vom 25. November 1711 überließ der Sohn des Landeshauptmann zu Cottbus und Peitz, der spätere Kanzler[3] der Neumärkischen Regierung zu Küstrin, Christoph Wambolt von Umstadt das örtliche Rittergut dem Grafen Friedrich Wilhelm von Schwerin aus dem Haus Alt-Landsberg. Die Schwerin trugen den Grafentitel nach dem Recht der Erstgeburt. An Walsleben über ging auch der Titel der Erbkammerwürde und später der des Erbküchenmeisters der Kurmark Brandenburg. Die Grafen Schwerin-Walsleben trugen ein gesondertes Wappen,[4] alle den Erstvornamen Otto und vererbten das gestiftete Familienfideikommiss. Dazu gehörte, teils als Hauptwohnsitz genutzt, das Schloss Wildenhoff in Ostpreußen.[5] Die jüngere Genealogie der Gutsbesitzer beginnt mit Otto Friedrich Wilhelm Graf Schwerin (1796–1860), liiert mit der Tochter eines königlich großbritannischen Konsuls, Jeanette Hay. Deren Sohn Otto Gottfried Ludwig von Schwerin (1823–1873) folgte im Besitztum. Dieser Graf Otto Schwerin war ebenso Rechtsritter des Johanniterordens. Nachfolger war dann Otto Heinrich Graf von Schwerin (1855–1909), verheiratet mit Agnes Gräfin-Lehndorff-Steinort. Die Schwerin betreuten das Gut Walsleben nicht immer selbst. Um 1880 war es in Pacht bei Oberamtmann Troll. Die Größe mit dem Nebenbesitz in Bütow und Charlottental ist mit 1883 ha beziffert, davon 649 Hektar Forsten. Zum Besitz gehörte damals eine Brennerei.[6] Letzter Erbküchenmeister und Grundbesitzer auf Walsleben und Schloss Wildenhoff wurde Otto Karl Max Botho Graf von Schwerin-Wildenhoff (1894–1945). Er starb als Major der Wehrmacht am 16. Januar 1945 im faschistisch besetzten Polen.[7] Seine erste Frau, Gabriele Gräfin Maltzahn, lebte später in Heidelberg, die zweite Frau Ester Gräfin Eckbrecht von Dürckheim-Montmartin in Bonn. Otto Graf Schwerin-Wildenhoff-Walsleben hinterließ neun Kinder. Die Familie wurde 1945 enteignet. Die Gutsgröße war noch 1928 konkret 1932 Hektar, in Verwaltung von Graf Vitzthum. Die Walslebener Mühle mit 169 Hektar Flächenbesitz gehörte Fritz Ebell.[8]
Etwa von 1628 bis 1632 war Georg von Lilien (Lilius) Pastor in Walsleben.[9]
Verwaltungszugehörigkeit
- 1815–1947 Kreis Ruppin (Provinz Brandenburg, Preußen)
- 1947–1952 Kreis Ruppin (Land Brandenburg)
- 1952–1990 Kreis Neuruppin (Bezirk Potsdam)
- 1990–1993 Kreis Neuruppin (Land Brandenburg)
- seit 1993 Landkreis Ostprignitz-Ruppin
Eingemeindungen
Am 1. Juli 1950 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Paalzow eingegliedert.
Bevölkerungsentwicklung
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Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)[10][11][12], ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Politik
Gemeindevertretung
Die Gemeindevertretung von Walsleben besteht aus zehn Gemeindevertretern und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die letzten Kommunalwahlen fanden am 9. Juni 2024 und am 26. Mai 2019 statt und führten zu folgenden Ergebnissen:[13][14]
| Partei / Wählergruppe | Stimmenanteil 2024 | Sitze 2024 | Stimmenanteil 2019 | Sitze 2019 |
|---|---|---|---|---|
| Unabhängige Wählergruppe Walsleben | 57,5 % | 6 | 42,2 % | 4 |
| Junge Wähler Walsleben | 19,4 % | 2 | - | - |
| Einzelbewerber Carsten Rode | 6,8 % | 1 | 9,1 % | 1 |
| Einzelbewerber Andreas Röder | 5,2 % | 1 | 7,0 % | 1 |
| Einzelbewerber Marco Petrich | 4,9 % | - | 7,0 % | 1 |
| Einzelbewerber Mathias Pirk | 3,2 % | - | - | - |
| Einzelbewerberin Corinna Brauer | 3,0 % | - | - | - |
| Pro Walsleben | - | - | 18,8 % | 2 |
| Einzelbewerberin Christine Volkenandt | - | - | 7,1 % | 1 |
| SPD | - | - | 4,6 % | – |
| Einzelbewerber Wolfgang Becker | - | - | 4,1 % | - |
Bürgermeister
- 2008–2024: Burghard Gammelin[15]
- seit 2024: Matthias Kupper (Unabhängige Wählergruppe Walsleben)
Kupper wurde bei der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 bei einer Gegenkandidatin mit 67,8 % der gültigen Stimmen für eine erste Amtszeit von fünf Jahren zum ehrenamtlichen Bürgermeister gewählt.[16]
Sehenswürdigkeiten

Burgwall Bertikow, umgangssprachlich vor Ort "Hünenwall", Burgstall einer slawischen Niederungsburg im Luchgebiet nahe der Grenze zur Gemeinde Temnitzquell.
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr

Walsleben ist über die Kreisstraße K 6607 mit Neuruppin verbunden. Durch den Ort verläuft die A 24 (Hamburg–Berlin) mit den Raststätten Walsleben-Ost und -West. Etwa sieben Kilometer südöstlich der Gemeinde befindet sich die Anschlussstelle Neuruppin.
Der Bedarfshalt Walsleben liegt an der Bahnstrecke Wittstock/Dosse–Neuruppin. Er wird von der Regional-Express-Linie RE 6, dem Prignitz-Express, von Wittenberge über Wittstock (Dosse) und Neuruppin nach Berlin-Charlottenburg im Stunden-Takt bedient.
Das Bahnhofsgebäude diente im Jahre 1995 als Drehort für zentrale Szenen des Fernsehfilmes Der Trinker nach Hans Fallada. Dazu wurde der Wartesaal des Bahnhofs binnen einer Woche in eine Kneipe („Gartenlokal Knese“) umgebaut und die Familie, die die Räumlichkeiten damals bewohnte, für die Dauer der Dreharbeiten ausquartiert.[17]
Bildung
Thomas-Müntzer-Grundschule
Öffentliche Einrichtungen
- In Walsleben befindet sich eine Freiwillige Feuerwehr mit etwa 40 Mitgliedern.
- Die Dorfkirche besitzt eine Orgel von Albert Hollenbach, Neuruppin, E. 19. Jh.
- Mechanische Schleiflade
- Manual (C-f3): Principal 8', Gedact 8', Salicional 8', Octave 4', Rohrflöte 4', Prog. harm. 1-3f.
- Pedal (C-d1): Subbass 16', Principalbass 8', Pedal=Coppel
- Mechanische Schleiflade
Literatur
- Walsleben, in: Heinrich Karl Wilhelm Berghaus: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafthums Nieder-Lausitz, Zweiter Band. Druck und Verlag Adolph Müller, Brandenburg 1855, S. 359 ff.
- Geschichte des Geschlechts von Schwerin. Band 1, Hrsg. Ludwig Gollmert, Wilhelm Graf von Schwerin, Leonhard Graf von Schwerin, Wilhelm Gronau, Berlin 1878. Digitalisat: König Friedrich von Preussen erteilt seine Genehmigung zu dem Kaufcontrakt vom 25. November 1711.
- Hans Friedrich von Ehrenkrook, Jürgen von Flotow: Genealogisches Handbuch der Gräflichen Häuser, A (Uradel), 1952. Band I, Band 2 der Gesamtreihe GHdA. C. A. Starke, Glücksburg/Ostsee 1952. S. 410–412. ISSN 0435-2408
- Hagen Graf von Schwerin: Walsleben und Wildenhoff. In: Fünfter Nachtrag zur Geschichte des Geschlechts von Schwerin, Hrsg. Curd-Christoph von Schwerin. In: Bibliothek familiengeschichtlicher Arbeiten, Band 27. Degener & Co, Neustadt an der Aisch 2003, S. 315–316. KVK
